htr Artikel (PDF, 1.76 MB) - Graubünden Qualität

qualitaet.gr.ch

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htr

3. Mai 2012

Nr. 18 / Fr. 4.50 / €2.90

AZA/JAA – 3001 Bern/Berne

www.htr.ch

Cocktailkult

Klassiker wie Manhattan,Cosmopolitan

und Co. erleben

in den Bars eine

Renaissance.

Seite 13

Bad Ragaz

Die Grand Resort

Bad Ragaz Gruppe

trägt viel zur Wertschöpfung

von

Gemeinde und

Region bei.

Seite 4

Gastronomie

Im Juni �ndet

erstmals das Fachsymposium

«Chef-

Sache Alps» statt.

Seite 16

Ausbildung

«Ich habe extrem

Freude, ein etwas

modernerer Botscha�er

der Hauswirtscha�

zu sein.»

Seite 5

Hansueli

Wyss,

HOFA-

Fachlehrer

zvg

hotelrevue

avec cahier français

Die Schweizer Fachzeitung für Tourismus Heute mit 201 Stellenangeboten

Inszenierter Berg

Das Milestone-Siegerprojekt 2011: «Pilatus – Von der Bergbahn zum Resort». Hier die Galerie, die zum Hotel führt.

Inszenierung war

das Thema des diesjährigen

Milestone-

Innovationstags.

Er fand beim Sieger

2011 statt, dem

historischen Hotel

Pilatus Kulm.

Berner Oberland

CHRISTINE KÜNZLER

Neue Strategie

– grössere Vielfalt

Die Jungfrau Region Marketing

(JRM) verfolgt mit ihrer Neuorientierung

eine Multimarkenstrategie.

Im Gegensatz zum einstigen

Vorhaben, die Marken Grindelwald,

Mürren, Wengen

und Lauterbrunnen ganz in

der «Jungfrau Region» aufgehen

zu lassen, will JRM-Geschäftsführer

Philippe Sproll

ihre Eigenständigkeit stärken.

dst/vn

Seite 2

Der Sarner Inszenierer Otto Steiner

hat das historische Hotel Pilatus

Kulm inszeniert. Er skizzierte

den 50 ehemaligen Milestone-

Gewinnern, die sich dort zum

Innovationstag trafen, die Inszenierungsprozesse.

Von Steiner

stammt unter anderem die Idee,

das Hotel und die Bahnstation

mit einer Galerie zu

verbinden. In den letzten

zwei Jahren hat das Bahnunternehmen

kräftig in die

Pilatus-Anlagen investiert,

so ist unter anderem das

historische Hotel Pilatus-

Genf

Merck Serono: Hoteliers sind besorgt

Die Schliessung des Biotech-

Unternehmens Merck Serono,

verbunden mit dem Abbau von

rund 1250 Stellen bis 2013, wird

sich auch auf die Genfer Hotellerie

auswirken. Allerdings sei der

Logiernächteausfall schwierig zu

bezi�ern, erklären die Genfer

Hoteliers. Laut Marc-Antoine

Nissille, Präsident des Genfer

Hoteliervereins, hat Merck Serono

in Genf jährlich Hunderte

wenn nicht Tausende von Übernachtungen

generiert.

Kulm komplett neu renoviert und

mit einem Business-Center ergänzt

worden. Die Pilatus-Bahnen

AG erzielt einen jährlichen

Umsatz von rund 22 Mio. Franken.

550 000 Gäste besuchen den

Berg jährlich.

Inszeniert wird nicht nur auf

dem Pilatus. Auch der Pizol

will sich in Szene setzen

und sich damit klar für

Familien positionieren.

Die St. Petersinsel setzt

Wer erhält den

Milestone 2012?

Die Manotel-Gruppe verliert

einen «ausgezeichneten Kunden»,

wie Verwaltungsratspräsident

Paul E. Muller erklärt. Die

Firmenschliessung bedeute für

die Hotel-Gruppe einen erheblichen

Verdienstausfall. «Schon

seit einem Jahr beobachten wir

eine Abnahme der Serono-Gäste»,

lässt sich ein Genfer Hotelier

zitieren, der nicht namentlich

genannt werden will. Es sei

ganz klar, dass eine Lücke entstehen

werde. Es könnte auch

Dank MIRELA hat das ganze Team mehr Zeit,

gemeinsam mit unseren Gästen, die schöne Bergwelt

auf dem Gemmipass zu geniessen!

auf Jean-Jacques Rousseau und

ermöglicht Erlebnisse rund um

den Philosophen und Schriftsteller.

Gefeiert wird das 300. Geburtsjahr

Rousseaus, der einmal

auf der Insel zu Gast war. Und die

Stadt Basel will mit einem neuen

Lichtkonzept den Blick des Betrachters

auf Sehenswertes lenken.

Doch nicht alle Inszenierungsprojekte

werden auch umgesetzt.

So fehlt etwa für die Realisierung

eines Bündner Wein-Schaufensters

nach wie vor das Geld.

Seiten 7 bis 11, 20 und 21

zu einem Domino-E�ekt auf

Märkte kommen, die an Merck

Serono gebunden sind.

In seinen Zweifeln bestätigt

sieht sich Philippe Vignon, Direktor

von Genève Tourisme et

Congrès: «Eine gewisse Unruhe

habe ich immer gespürt.» Nun

setzt Antoine Nissille auf die Zukunft:

«Wir ho�en, dass die Gebäude

rasch wieder belegt sind

und eine neue Kundschaft anziehen.»

dst/lb

Seite 3 und 19

Kommentar

Ein wichtiger

Preis zum Wohl

der ganzen

Branche

GERY

NIEVERGELT

W

ie gut, dass es in

unserer Branche so

viele kluge, fantasievolle

und auch witzige Köpfe gibt.

Touristiker und Hoteliers, die

neue Ideen entwickeln und

Projekte realisieren mit dem Ziel,

auf dem Markt noch besser

bestehen zu können.

Das zeigte sich wieder einmal

am Get-together auf dem Pilatus,

wo sich ehemalige Gewinner des

«Milestone» zum Meinungs- und

Gedankenaustausch trafen. Der

Erfolg des von der htr hotel revue

initiierten und mittlerweile

«Innovation beginnt

damit, dass man

das Bestehende

hinterfragt.»

bedeutendsten Tourismuspreises

der Schweiz beruht auch darin:

Er bündelt die kreativen Kräfte.

Zündende Ideen und vor allem

deren Realisierung sind nämlich

höchst selten Sache eines

Einzelnen. Es braucht Mitdenkende,

Partner, Investoren.

Auch dies war auf dem Pilatus

�ema: Wie wichtig es für

Unternehmer ist, Bestehendes

immer wieder zu hinterfragen.

Stimmt noch, was ich anbiete?

Ist das, was vor drei Jahren gut

war, noch gut genug?

Es sind solche Fragestellungen,

die neue, zündende Ideen

erst ermöglichen. Mit Gewissheit

wird die «Milestone»-Jury auch

2012 eine Fülle herausragender

Projekte zu bewerten haben.

Wir werden ausgiebig darüber

berichten.

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Daniela Wilfling, Geschäftsführerin, Berghotel Wildstrubel Gemmipass, Leukerbad

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hotel revue fokushtr Nr. 18 / 3. Mai 2012

Inszenierung. Otto Steiner sprach am Innovationstag über seine Arbeit Seite 8; Den Pizol in Szene gesetzt Seite 9;

Für das Weinschaufenster fehlt noch das Geld Seite 10; Die St. Petersinsel inszeniert Rousseau Seite 11

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Die 50 Milestone-Gewinner trafen sich am Freitag zum 4. Milestone Innovationstag im Hotel Pilatus Kulm. Die Gastgeber wurden 2011 mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

Es muss doch nicht alles so

kompliziert sein.

Der Stein für zündende Ideen

Am 4. Milestone-

Innovationstag trafen

sich 50 ehemalige

Milestone-Preisträger.

So viele wie

noch nie. Die Stimmung

war – trotz

Frankenstärke – ausgelassen-fröhlich.

CHRISTINE KÜNZLER

D

ie Bergkulisse auf dem

Pilatus zeigt eindrücklich,

wie schön das

Ferienland Schweiz

ist. Wenn Engel reisen – in diesem

Fall war es die Milestone-Familie

–, lacht der Himmel bekanntlich.

So war es auch am letzten Freitag

am Innovationstag auf dem Pilatus.

Wie wichtig und beliebt dieser

Anlass ist, zeigt, dass er immer

besser besucht ist. 50 ehemalige

Milestone-Preisträger gaben sich

in diesem Jahr ein Stelldichein

beim letzten Milestone-Gewinner

des 1. Preises, den Pilatus-Bahnen.

Die Stimmung war, wie bei

Tourismusanlässen üblich, geprägt

von Lebensfreude.

«Mit dem Milestone zu touristischen

Innovationen ansti� en»

«Für uns als pensionierte Hoteliers

ist es ein schöner Aus� ug.

Das Hotel Pilatus Kulm ist die Krönung

dieses Milestone-Anlasses»,

sagt etwa Lydia Vogel, die ehemalige

Direktorin des Märchenhotels

in Braunwald. «Das Pilatus Kulm

ist ein Hotel, wie man es heute

nicht mehr oft � ndet.» Für Fabienne

Huber, Marketingverantwortliche

der Stanserhorn-Bahn, zählt

vor allem die Möglichkeit zu networken.

«Man tri� t hier spannende

Leute und erfährt, was so läuft

im Tourismus.» Und für Daniel

� omet von der Idea Creation

GmbH war es einerseits «spannend,

den Pilatus kennenzulernen

und andererseits die Touristiker

zu tre� en und mit ihnen

interessante Gespräche zu führen.»

Er freue sich schon jetzt auf

die diesjährige Milestone-Preisverleihung.

Die Milestone-Projektleiterin

Sabrina Jörg informierte über die

Neuerungen, vor allem jene der

nun htr-unabhängigen Milestone-

Jury (siehe Box

unten). hotelleriesuisse-CEOChristoph

Juen kam auf

die beiden «P.K.s»

zu sprechen: Peter

Kühler und Peter

Keller, die Protagonisten,

welche

den Tourismuspreis

Milestone

mit der htr hotel revue im Jahr

2000 ins Leben gerufen hatten.

«Sie stiften mit dem Milestone

jährlich zu touristischen Innovationen

an», freut sich Juen. Dass

die Milestone-Gewinner den

Durchbruch scha� en, zeige einen

Bericht in einer der letzten Ausgaben

der «NZZ»: Die Zeitung widmete

dem Ziegentrekking, das

mittlerweile in der Schweiz an

mehreren Orten gebucht werden

kann, einen grossen Bericht. Sandra

Egli und Christian Golfetto

«Mit dem

Milestone stiften

die Initianten zu

touristischen

Innovationen an.»

Christoph Juen

CEO hotelleriesuisse

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haben 2005 den Milestone-Sonderpreis

für eben dieses Ziegentrekking

erhalten.

Dass die Jury die Preise nun unabhängig

von der htr verleihen

wird, begrüsst Juen. «Wir haben

jeweils viele Mails

von enttäuschten

Touristikern erhalten,

weil ihr Projekt

nicht ausgezeichnet

worden

ist.»

«Gute, zündende

Ideen»

Neuigkeiten gibt

es nicht nur beim Milestone, auch

bei der htr: Sie hat mit Gery Nievergelt

einen neuen Chefredaktor.

Er stellte sich der Milestone-Familie

auf dem Pilatus vor. «Wir wollen

keine Jammeri-Branche sein»,

sagte er. «Wir wollen zündende,

gute Ideen. Dafür ist der Milestone

das optimale Gefäss.» Und

er brachte auch gerade ein Beispiel,

wo es an einer innovativen

Idee fehlt: nämlich bei den SBB.

Als Pendler von Zürich nach Bern

und zurück muss sich Gery Nie-

vergelt werktäglich die SBB-Zugsbegleiter

anhören, die vor jedem

Halt die gleiche Ansage durchgeben:

dass der Zug pünktlich einfährt

und dass der Ausstieg rechts

(oder eben links) ist – in Deutsch,

Französisch und Englisch. Mit

dieser «Casting-Show für Zugsbegleiter»

quäle die SBB nicht nur

Gutschein-Management

mit Erfolg dank E-GUMA

Milestone Award Gewinner 2011

Kategorie Nachwuchspreis

www.ideacreation.ch

Alain D. Boillat

die Gäste, sondern auch die Zugsbegleiter.

«Nun ho� e ich auf die

zündende Idee der SBB.»

Nun, der SBB bleibt noch Zeit,

ihr Projekt einzureichen: Die

nächste Milestone-Preisverleihung

� ndet am 13. November im

Kursaal Bern statt.

Mitarbeit: ln

Milestone Eine 5-köpfi ge Jury aus

verschiedenen Sprachregionen

D

ie Milestone-Projektleiterin

Sabrina Jörg informierte

die Gäste über

Neuigkeiten beim Milestone.

Künftig wird eine htr-unabhängige

Jury die eingereichten Projekte

beurteilen. Organisatoren

bleiben die htr hotel revue und

hotelleriesuisse. Die Jury ist auf

fünf Mitglieder aus verschiedenen

Bereichen und Sprachregionen

aufgestockt worden: Mario

Lütolf, Fiorenzo Fässler, Harry

John, Barbara Rigassi und Tourismusprofessor

Jürg Stettler.

Der Schweizer Tourismus-Ver-

band hat das Milestone Patronat

inne, und das Staatssekretariat

für Wirtschaft Seco fördert den

Innovationspreis weiterhin.

Die BKW FMB Energie AG

konnte neu als Eventpartnerin

der Milestone-Preisverleihung

gewonnen werden.

Für die nächste Preisverleihung,

die am 13. November im

Kursaal Bern statt� ndet, können

ab sofort Projekte eingereicht

werden. Und zwar bis am 31. August

2012. ck

www.htr-milestone.ch

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8 fokus

htr hotel revue

Nr. 18 / 3. Mai 2012

Inszenierung. Pilatus Kulm Hotel. Der Sarner Otto Steiner hat die Galerie zum historischen Pilatus Kulm Hotel und damit

eine Verbindung zur Bergstation gescha�en. Er und der Milestone-Gastgeber André Zimmermann zeigten die Prozesse auf.

Otto Steiner in der Galerie, die er initiiert hat. Sie verbindet Bergstation und Hotel.

Bilder Alain D. Boillat

Fenster zur

Aussicht

I

nszenieren», sagt Otto Steiner

und deutet auf die grossen

Fenster des Business-

Centers im Hotel Pilatus

Kulm, «heisst nicht unbedingt, etwas

aufsetzen, sondern etwas

weglassen. Wir zeigen, was da ist,

und das sind Aussicht, Wind und

Wetter.» Durch die grosse Glasfront

sieht der Gast das atemberaubend

schöne Bergpanorama.

Hier würde jedes aufgesetzte Element

stören. Der Sarner Inszenierer

erzählte am Milestone-Innovationstag,

wie er bei der

Inszenierung des Hotels Pilatus

Kulm vorgegangen ist. «Ein moderierter

Prozess brachte die Lösung»,

fasst er zusammen. Aufräumen,

umbauen und positionieren

– das war die vorgegebene Richtung.

Lange diskutiert habe er mit

den Pilatus-Bahnen die Ziele des

Hotels. «Wir mussten entscheiden,

ob in ein Hotel, das nicht rentieren

kann, aus reiner Liebe zum

Objekt investiert werden soll.» Die

Pilatus-Bahnen haben sich dann

für die Totalsanierung entschieden.

Zum Glück: Der Umbau ist

gelungen. Wo immer möglich,

wurde sanft rückgebaut. Etwa die

verpackten Säulen im Speisesaal.

Der Gast gelangt durch eine lange

Galerie ins Hotel Pilatus Kulm

Die zündende Idee Steiners ist

die Erschliessung des historischen

Hotels mit einer langen Galerie.

Nun gelangt der Gast trockenen

Fusses von der Bergstation ins

Hotel. Die Galerie bietet oben

eine Aussichtsplattform und in

ihrem Bauch eine Réception,

Shops und Gastronomie-Outlets.

«Wir wollten alles miteinander

verbinden und abrunden wie bei

einer Perlenkette.» Dazu gehört

auch die Gästeführung. «Und die

beginnt bei den Schildern.» Der

Höhepunkt des Resorts auf dem

Pilatus Kulm ist für Otto Steiner

das Hotel: «Am Tag für die Masse,

am Abend für die Klasse», fasst er

zusammen.

«Ihnen unser Projekt so präsentieren

zu können, vermittelt ein

gutes Gefühl», sagt André Zimmermann,

der Direktor der Pilatus-Bahnen,

seinen Milestone-

Gästen. «Bis wir hier ankamen,

Die Pilatus Bahnen

haben krä�ig in

ihren Berg investiert.

Dafür nahmen sie

2011 einen Milestone

entgegen. Otto Steiner

hat das historische

Kulm Hotel

inszeniert.

CHRISTINE KÜNZLER

war es jedoch ein langer Weg.» So

war etwa das Bauen in den geö�neten

Hotels eine grosse Herausforderung.

«Die Logistik von

Mensch und Material war sehr

schwierig», hält Zimmermann

fest. Die Bilanz: über 1000 Extrafahren

mit der Zahnradbahn,

über 2500 Helikopter�üge und

5800 Tonnen Material und Ausrüstung.

Im August 2010 war die

Sanierung beendet.

Dem Umbau ging ein Masterplan

voran. Investiert haben die

Pilatus-Bahnen nicht nur auf dem

Kulm, sondern unter anderem

auch in die Talstation Alpnachstad.

Zudem haben sie eine neue

Logistik- und Energiezentrale erstellen

lassen. Das ganze Projekt

musste ohne Fremdmittel �nanziert

werden. Rund 31 Mio. Franken

hat die Pilatus-Bahn AG investiert,

11 Mio. Franken fallen

allein auf das Hotel.

«Wir wollen uns zu einem

Resort entwickeln», so Zimmermann.

«Wir wollen alle Leistungen

in unseren Händen halten

und das Produkt Pilatus kontrollieren.»

Das Hotel Pilatus Kulm

umfasst 30 Zimmer in der Kategorie

3 Sterne Superior, gereicht

hätte der Standard auch für vier

Sterne. Nochmals 30 Zimmer bietet

das etwas weiter oben gelegene

Hotel Bellevue. Für beide Häuser

ist eine einzige Réception

zuständig. Im Haupthaus ist das

Restaurant bedient, im Bellevue

bedienen sich die Gäste selber.

Das historische Hotel soll zu

50 Prozent ausgelastet werden

«Die grösste Herausforderung»,

sagt Zimmermann, liegt noch vor

uns – die, ob unsere Gästeerwartungen

erfüllt werden. Die Hardware

ist gut, jetzt muss auch die

Software stimmen.» Wie hoch die

Auslastung des Hotels im Moment

ist, kann der Pilatus-Marketingleiter

Beat Wälti nicht sagen. «Unser

Ziel ist eine Auslastung von 50

Prozent». Ob die erreicht wird, ist

stark wetterabhängig. «Wir haben

letztes Jahr mit der Marktbearbeitung

begonnen, also sind wir erst

in der Aufbauphase.» Er setzt auf

das zusätzliche Seminar-Angebot

im «Pilatus Kulm» und auf die Packages

für Übernachtungsgäste.

Die Pilatus-Bahnen betreiben

eine Zahnradbahn, Panoramagondel-

und Luftseilbahn, zwei

Hotels, sechs Restaurants, einen

Fun & Action Bereich sowie diverse

Shops am Berg.

Milestone-Gewinner auf der Hotel-Besichtigungstour.

Wohin fliesst das Preisgeld der Jungen?

Am Milestone-Innovationstag

war auch der

touristische Nachwuchs

vertreten. Die htr hat bei

einigen Gewinnern des

Nachwuchspreises nachgefragt,

wie sie ihr Preisgeld

eingesetzt haben.

LAURA NUSSBAUMER

Martin Gerber von

der Idea Creation

GmbH hat mit seinen

beiden Geschäftspartnern

Daniel und Christoph

�omet im

letzten Jahr den

Nachwuchspreis

gewonnen. Das

Preisgeld in der

Höhe von 10 000

Franken haben die

drei bereits investiert:

«Wir nahmen

das erste Mal an

der Igeho-Messe

teil und haben in

der hotel revue

Werbung geschaltet»,

so Martin Gerber. «Da wir

eine Dienstleistung für Hotels an-

«Ich habe einen

Management-

Lehrgang in

einem Zen-Institut

begonnen.»

Urs Raschle

Tourismusdirektor Zug

bieten, hat uns der

Milestone sehr

viele Türen geö�net.

Jetzt kennt

uns jeder Hotelier.»

Urs Raschle, der

Zuger Tourismusdirektor,

der 2005

mit dem Nachwuchspreis

geehrt

wurde, ist «immer

noch am Investieren»,

wie er sagt.

«Ich habe noch

nicht alles ausgegeben.

Doch ich

habe einen Management-Lehrgang

in einem

Zen-Institut im Kanton Zug begonnen.»

Sein «Milestone» hat

einen Ehrenplatz auf seinem Pult.

«Ich schaue ihn jeden Tag an.»

Der Stein provoziere immer wieder

Reaktionen von Besuchern:

«Was, du hast auch so einen!?»

Die Schokolade, die vor vier Jahren

an der Milestone-Preisverleihung

verteilt worden war, steht

daneben. «So habe ich eine richtige

Milestone-Sammlung.»

Oliver Meyer-Zurwerra, der für

seine Hotelpartner GmbH 2009

mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnet

worden ist, «weiss nicht

mehr so genau», für was er sein

Preisgeld ausgegeben hat. «Ich

glaube, das haben wir in Inserate

in der hotel revue investiert. Nicht

gerade jeden Franken, aber doch

den Hauptanteil.» Auch bei ihm

hat der Stein «einen Ehrenplatz im

Büro».

Alain D. Boilat

Sie erhielten den Nachwuchspreis 2011: (v. l.)

Martin Gerber, Daniel und Christoph Thomet von Idea Creation.


htr hotel revue

Nr. 18 / 3. Mai 2012

fokus 9

Inszenierung. Erlebnisraum Pizol. Eine Inszenierung soll der Destination helfen, ihr Pro�l als Familienort zu schärfen.

Der Heidipfad ist letztes Jahr in Szene gesetzt worden. Weitere Inszenierungen sollen folgen.

In Berggebieten

kollidieren touristische

Ansprüche mit

regionalen Interessen.

Was das für die

touristische Inszenierung

bedeutet, zeigt

das Beispiel des

Erlebnisraums Pizol.

VIRGINIA NOLAN

D

as Sommergeschäft

gewinnt für die alpinen

Regionen zunehmend

an Bedeutung.

Ob es für sie auch neue Impulse

bereithält, hängt stark davon ab,

wie ihre Angebotsgestaltung in

Zukunft aussehen wird. Deren

Hauptziel liege darin, sagte einst

der Berner Tourismusprofessor

Hansruedi Müller, «eine Atmosphäre

zu scha�en, die dem Besucher

positive Erlebnisse ermöglicht».

Der Schlüssel dazu sei die

Kunst der Inszenierung.

Inszenierung ist das Kerngeschäft

der Erlebnisplan GmbH,

die seit drei Jahren touristische Attraktionen

entwickelt. Im Auftrag

der Pizolbahnen realisiert Erlebnisplan

derzeit ein mehrjähriges

Entwicklungsprojekt, den «Erlebnisraum

Pizol». Es soll der Destination

helfen, ihr Pro�l als Aus-

�ugsziel für Familien zu schärfen

und die Gästefrequenzen im Sommer

erhöhen. «In den alpinen Gebieten

�ndet ein Umdenken

statt», sagt Matthias Imdorf, Geschäftsleiter

bei Erlebnisplan.

«Früher beförderten Bergbahnen

Personen. Heute reicht das nicht

mehr. Sie müssen ganze Erlebnistage

anbieten.»

Die Erlebnisansprüche der Gäste

sind unterschiedlich

Was ist ein gutes Erlebnis? Für

den einen mag es das Schönste

sein, an einem Seil von der Brücke

zu springen, während ein anderer

gerne an einem Aussichtspunkt in

der Sonne sitzt. «In den Bergregionen»,

sagt Imdorf, «�nden Sie

diese Bandbreite von Zielgruppen.»

Das biete viel Potenzial, sei

aber auch eine Herausforderung,

weil die Erlebnisansprüche der

Gäste vielleicht so unterschiedlich

seien wie sonst nirgendwo.

Für den «Erlebnisraum Pizol»

haben Imdorf und sein Team 2011

als erstes Teilprojekt den «Heidipfad»

an der linken Berg�anke in

Richtung Bad Ragaz neu inszeniert.

Der Erlebnisweg knüpft an

Mit Rapunzel in Grächen in die Höhe

Die Märchenkabinen in der

neuen Gondelbahn von

Grächen sind äusserst

beliebt. Das hat selbst die

Initianten überrascht.

GERHARD LOB

Ob Rapunzel, Dornröschen oder

das tapfere Schneiderlein: Das

Märchen dauert immer sieben Minuten.

Es ist genau die Zeit, welche

die Gondelbahn von Grächen benötigt,

um die Strecke von der Tal-

zur Bergstation zurückzulegen.

Seit 17. Dezember 2011 schweben

in der Walliser Destination 10 mobile

Märchenkabinen in die Höhe,

in denen während der Fahrt 10

unterschiedliche Grimm-Märchen

erzählt werden. «Die Kinder sind

begeistert, auch das Medienecho

Am «Heidipfad» können Kinder auf die Spuren von Heidi gehen und Elemente aus der Geschichte erfahren. Er ist Teil des Entwicklungsprojekts «Erlebnisraum Pizol».

Berge in Szene setzen

die Geschichte von Heidi an und

greift situativ Elemente auf, die in

der Erzählung eine Rolle spielen.

An 12 Stationen erwarten die Familie

Spiele, Geschichten oder ein

Rätsel, dessen Lö-

sungswort eine

Holzgeiss auf eine

Karte stanzt, wenn

man sie ihr ins

Maul hält. «Kinder

erwarten eine

hohe Angebotsdichte»,

sagt Imdorf.

«Am besten

gibt es alle paar

Meter etwas zu tun.» Einem Genusswanderer

reiche es, einmal

pro Stunde eine thematische Anregung

zu erhalten. Am Pizol versucht

man diese verschiedenen

Ansprüche unter einen Hut zu

In Grächen möglich: Vom Tal

auf den Berg Märchen hören.

zvg

war überwältigend», freut sich

Beatrice Meichtry, Marketingleiterin

der Touristischen Unternehmung

Grächen AG. Aufgrund der

grossen Nachfrage musste man sogar

zwei Warteschlangen einrich-

«Früher beförderten

Bergbahnen

Personen. Heute

müssen sie Erlebnistage

anbieten.»

Matthias Imdorf

Geschä�sführer Erlebnisplan GmbH

bringen, indem man auf der linken

Berg�anke das Hauptaugenmerk

auf Kinder legt, während

sich Angebote für Biker und Aktivwanderer

eher auf die rechte Seite

konzentrieren.

Imdorf hält ein

Masterplan die

möglichen Projekte

für die nächsten

fünf

Jahre

Weitere Inszenierungen

sind geplant.

Laut

ten: eine für die 55 Normalgondeln

und eine für die 10 Gondeln im

aussergewöhnlichen Märchenlook.

Für Grächen passt die Märchenkabine

100-prozentig in die

Marketing-Strate-

gie, die unter dem

Motto «Grächen –

ein Märchen»

steht und vor allem

auf Familien

zugeschnitten ist.

Mit Erfolg: Soeben

erhielt Grächen

beim internationalen

Skiarea-Test

in der Gesamtwertung den 1.

Rang als bestes Familienskigebiet

der Schweiz. Und in der Einzelkategorie

der besten Kinderanimation

gab es Gold.

Nun steht die Sommersaison

vor der Tür. Da ist man gespannt,

«Die Kinder

sind begeistert,

und auch das

Medienecho war

überwältigend.»

Beatrice Meichtry

Marketingleiterin Grächen AG

fest. So wird etwa der Heidipfad

um einige Stationen erweitert und

es soll ein Spielplatz am Wasser

für Kinder ab 10 Jahren und Familien

entstehen. «Das Ziel ist, möglichst

passende Angebote für Gäste

aus dem Einzugsgebiet des

Pizols zu kreieren», so Imdorf.

Bei jeder Inszenierung stelle

sich jedoch generell die Frage,

wie viel Gestaltung der

Schauplatz Natur vertrage.

In der Schweiz werde die

Diskussion über ästhetische

und ethische Aspekte

der Berggestaltung viel intensiver

geführt als etwa in

Österreich. Dort inszenierten

sich alpine Destinationen oft

als Vergnügungsparks –

zvg

Matthias Imdorf.

ob die Märchengondeln ebenfalls

auf Interesse bei den kleinen und

grossen Gästen stossen. Laut

Meichtry wird bereits über eine

Ausweitung der Inszenierung

nachgedacht. Zum einen könnte

die Anzahl der Ge-

schichtenerweitert werden, zum

anderen weitere

Sprachen wie etwa

Französisch oder

Englisch hinzugefügt

werden. Bis

anhin werden die

Märchen einzig

auf Deutsch erzählt.

Die Idee zur Märchengondel

wurde im Übrigen im Verwaltungsrat

von Grächen Tourismus

geboren.

Im Sommer 2011 hatte Grächen

unter dem Titel «Fantastische

Grächen-Märchen» auch Freiluft-

und stünden diesen auch punkto

Infrastruktur in nichts nach. «Sie

provozieren, sind aber auch sehr

erfolgreich», sagt Imdorf. In der

Schweiz werden Projekte von solchem

Ausmass kaum bewilligt.

«Inszenieren heisst nicht

Berge versetzen»

Eine weitere Herausforderung

ist die Tatsache, dass regionalpolitische

und betriebswirtschaftliche

Anliegen nicht immer zusammengehen.

So auch am Pizol. Die

Talstationen von Bad Ragaz und

Wangs liegen knapp drei Kilometer

auseinander. Damit unterhalten

zwei Nachbargemeinden je

eine Bergbahn, die ans gleiche

Ziel führt. «Aus betriebswirtschaftlicher

Sicht mag das fragwürdig

sein», so Imdorf, «und

Inszenierungen gestaltet und auf

dem Dorfplatz mystische Traumwelten

geboten. Allerdings gestaltete

sich die Durchführung laut

Meichtry wegen des Wetters nicht

immer einfach. Auf einem Parcours

im Dorf konnte man zusätzlich

während 24 Stunden in alten

Walliser Stadeln und an geheimnisvollen

Plätzen Märchenhörspielen

lauschen.

Die Freiluft-Inszenierung wird

in diesem Sommer nicht wiederholt.

Dafür gibt es neue Geschichten

im Rahmen von Wanderungen

entlang der Grächner

Wasserleitungen (Suonen), ein

Angebot, das sich gut in die

aktuelle Wasserkampagne von

Schweiz Tourismus integriert. Dabei

wird der Sagenerzähler Matthias

Seiler persönlich alte Walliser

Sagen zum Besten geben.

«Gemütliche und spannende Ge-

schichten» werden versprochen:

Das Grächener Märchen geht also

weiter.

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doch ist es verständlich, dass

keine Gemeinde den Anziehungspunkt

aufgeben will. Umso

wichtiger ist es, dass die Gebiete

an beiden Berg�anken ein eigenes,

klar abgegrenztes Pro�l

haben.»

Bloss: Was kostet so ein Pro�l?

Können es sich kleinere, �nanziell

schwache Gebiete überhaupt leisten,

sich in Szene zu setzen? «Gerade

sie müssen es», sagt Imdorf.

«Inszenieren heisst nicht Berge

versetzen.» Es bedeute nicht den

Umbau, sondern eine Akzentuierung

dessen, was bereits vorhanden

sei: Geschichten, Gelände,

gewachsene Strukturen. Dazu

brauche es weniger aufwendige

Installationen als – eben: ein klares

Pro�l, mit dem eine Destination

ihre Versprechen einlöse.


10 fokus

htr hotel revue

Nr. 18 / 3. Mai 2012

Inszenierung. Graubünden Wein. Die Bündner Winzer würden ihre Weine gerne inszenieren und ein Schaufenster kreieren,

um die edlen Tropfen präsentieren zu können. Im Moment fehlt dazu noch das Geld.

Im Torkel an der Strasse zwischen Jenins und Maienfeld will sich Graubünden Wein kün� ig präsentieren. Der Plan für den nötigen Anbau steht.

Schaufenster für den

Wein braucht Geld

Graubünden Wein

plant einen Präsentationsraum

für ihre

Weine. Standort: ein

alter Torkel, inmitten

von Rebbergen. Die

Umbaupläne liegen

bereit. Nun geht es

um die Finanzierung.

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GUDRUN SCHLENCZEK

D

er Gedanke an die Inszenierung

ihrer Weine

schwirrt den Bündner

Winzern schon

lange im Kopf herum. Ende 2009

hat Berater Robert Wildhaber aus

Flims ein Konzept zur Weininszenierung

im Bündner Rheintal abgeliefert.

Inzwischen ist diese

Arbeit, welche Projekte für drei

verschiedene Standorte ausarbeitete,

jedoch wieder überholt. Ein

alter Torkel mitten in den Rebbergen

in Jenins – heute ausschliesslich

als Restaurant genutzt – soll

zum Wein-Schaufenster werden.

Er gehört dem Verband Graubünden

Wein. Möglich wurde diese

Option nach positiven Signalen

seitens der kantonalen Raumpla-

nungsbehörde. Denn für das Geplante

reichen die Räumlichkeiten

des Torkels nicht aus, es

braucht einen Anbau – ausserhalb

der Bauzone. Ein Architekturwettbewerb

für den Ausbau ging letztes

Jahr bereits über die Bühne.

Das Siegerprojekt stammt von

Architekt Pablo Horvath aus Chur.

Vorgesehen ist im Untergeschoss

des gemauerten Anbaus eine Küche,

darüber der Wein-Präsentationsraum.

Die Gastronomie soll

im alten Torkel bleiben.

Winzer müssen Geld fürs Projekt

lockermachen

Obwohl das Projekt nun schon

so weit gediehen ist: Für den Präsidenten

von Graubünden Wein,

Hans Peter Ru� ner, steckt das

Ganze noch immer in den Kinderschuhen:

«Das grosse Fragezeichen

ist die Finan-

zierung», also ob

der Branchenverband

die nötigen

Mittel von einer

halben bis einer

Million Franken

aufbringen kann.

Das Geld müsste

von den Mitgliedern

selbst kommen.

Legt man den Investitionsbetrag

auf die rund 65 im Verband

vertretenen erwerbsmässigen

Winzer um, so belastet das jeden

im Durchschnitt mit 10 000 bis

15 000 Franken – oder das Kilo

«Das grosse

Fragezeichen ist

die Finanzierung.

Noch ist der Leidensdruck

klein.»

Hans Peter Ru� ner

Präsident Graubünden Wein

Elektrobruegger/Panoramio/zvg

Trauben im Investitionsjahr umgerechnet

mit 10 bis 20 Rappen.

Nicht viel, aber vielleicht doch zu

viel? «Ich ho� e,

dass die grosse

Mehrheit unserer

Mitglieder

mitmacht»,

so Ru� -

ner. Er

rechnet

bis im

Herbst

mit einem Entscheid.

Ins Geld geht beim Umbau

vor allem die neue

Gastronomie-Küche.

Eine solche

braucht

zvg

es aber aus lebensmittelhygienischen

Gründen so oder so, will

man das heutige Niveau des Torkel-Restaurants,

ein Insider-Tipp

bei Gourmets, bewahren. Wird

keine neue Küche realisiert, müsste

man wohl wieder zurück zur

einstigen Besenbeiz.

Im Visier hat man neue Kunden,

vor allem jüngere

Das würde aber nicht nur das

Aus für das Lokal in der heutigen

Form bedeuten, sondern auch für

den Präsentationsraum. Ru� ner

ist jedoch überzeugt, dass Graubünden

Wein eine Inszenierung

braucht. «Gegenwärtig haben wir

zwar ein sehr gutes Image.» Die

Winzer könnten Höchstpreise für

ihre Trauben verlangen: Fr. 5.20

pro Kilo (2011). Auch die Nachfrage

übersteigt bis anhin das Angebot

des 420 Hektar umfassenden

Weinanbaugebiets. «Ein Problem

ist, dass der Leidensdruck zu klein

ist. Aber es wird schwer sein, den

guten Ruf über Jahre weiterhin so

zu erhalten.»

Im geplanten Weinschaufenster

sollten ein bis zwei Anlässe pro

Woche statt� nden, im Herbst

mehr, bei schönem Wetter ergänzt

mit einer Führung durch die Rebberge.

Vermarkten will man das

Ganze zusammen mit dem Marketing-Partner

Heidiland Tourismus.

Neue, jüngere Kunden sind

das erklärte Ziel. Robert Wildhaber

geht davon aus, dass eine

solche Inszenierung den Absatz

fördert und die Verkaufspreise

trotzdem noch steigen lässt: «10

bis 20 Prozent liegen noch drin.»

Kantonales Amt für Wirtscha� und

Tourismus begrüsst das Projekt

Begrüsst wird das Vorhaben

von Graubünden Wein ebenfalls

vom Amt für Wirtschaft und Tourismus

Graubünden. Michael Caflisch,

Leiter Tourismusentwicklung:

«Wein ist ein Puzzlestein in

der Markenstrategie von ganz

Graubünden.» Die Marke Graubünden

dürfe keine reine Tourismusmarke

sein. Eine Dachmarke

basiere vielmehr auf verschiedenen

Elementen, welche zusammenspielen

müssten. Ca� isch:

«Heute verkaufen die Bündner

Winzer ihren Wein zu guten

Preisen. Aber wer

sagt, dass das so bleibt?»

Die Wildhaber-Studie

hat der Kanton bereits

� nanziell unterstützt,

ob weiterhin Gelder

� iessen, lässt Michael

Ca� isch o� en: «Noch

haben wir keinen Antrag

vorliegen.»

Hans Peter Ru� ner.


htr hotel revue

Nr. 18 / 3. Mai 2012

fokus 11

Inszenierung. Jean-Jacques Rousseau. 20 Erlebnisse rund um den Philosophen und Schri� steller sollen Gäste in die

Drei-Seen-Region holen. Besonders pro� tieren vom Rousseau-Jahr möchte die St. Petersinsel, wo er kurz gelebt hatte.

Rousseau zum Anfassen

Das Drei-Seen-Land

inszeniert den 300.

Geburtstag von Jean-

Jacques Rousseau.

Events sollen Kulturfans

anlocken. Touristisch

pro� tieren

wird wohl vor allem

die St. Petersinsel.

GUDRUN SCHLENCZEK

I

m Drei-Seen-Land verbrachte

Jean-Jacques Rousseau

nach eigenen Worten

die schönste Zeit seines

Lebens. Genauer gesagt auf der

St. Petersinsel auf dem Bielersee.

«Mit seiner Aussage war Jean-

Jacques Rousseau bereits ein Tourismus-Förderer»,

meint Samuel

Kocher, Direktor Biel Seeland

Tourismus. Diese Äusserung des

berühmten Philosophen, Pädagogen,

Komponisten und Schriftstellers

aus dem 18. Jahrhundert

gelte es nun zu nützen.

Einzelinitiativen zum Programm

zusammengefügt

Dieses Jahr jährt sich der Geburtstag

der schillernden Figur

zum dreihundertsten Mal. Für das

Geburtstagsjubiläum hat die Destination

Jura und Drei-Seen-Land

deshalb ein reichhaltiges Programm

zusammengestellt: � eatervorführungen,

Ausstellungen,

Exkursionen, Vorträge und eine

Schi� fahrt der Bieler Schi� fahrts-

Gesellschaft, bei der man während

der Überfahrt die Historie via

Kopfhörer vermittelt bekommt.

Optimal ins rechte Licht gerückt

Licht ist ein wirksames

Mittel, um touristische

Anziehungspunkte in

Szene zu setzen. Damit dies

gelingt, sind Fingerspitzengefühl

und moderne

Technik nötig.

VIRGINIA NOLAN

«Man rückt etwas ins rechte Licht»

– die Redewendung sagt bereits,

dass Licht ein e� ektives Inszenierungsmittel

ist. Licht erlaube es,

den Blick des Betrachters dorthin

zu lenken, wo eine Stadt ihre Vorzüge

habe, sagt der Basler Tourismusdirektor

Daniel Eglo� . Diesen

Das ursprüngliche Kloster ist heute ein Hotel-Restaurant. Mit gotischem Saal, Klosterkeller und Rousseau-Zimmer.

Insgesamt sind es über 20 Erlebnisse,

zusammengestellt in

einem gedruckten Prospekt, zu

beziehen bei den Tourismusorganisationen

der Destination. Von

März bis September hat der Inter-

Im Originalzustand: das Zimmer, in dem Rousseau wohnte.

E� ekt erho� t er sich vom Lichtkonzept

Basels, «B-Leuchtet», das

2005 als 8 Millionen Franken

schwerer Auftrag an die Industriellen

Werke Basel ging. 2014 soll das

Projekt fertig sein.

Die neue Beleuchtung solle den

räumlichen Charakter der Stadt

betonen, sagt Projektleiter Werner

Rup� in. «Früher wurde die Strassenober�

äche angeleuchtet, künftig

wollen wir auch die vertikalen

Flächen in Szene setzen», sagt er.

Allgemein wolle man das gestalterische

Potenzial des Lichts besser

nutzen – dazu gehöre auch die

bessere Farbwiedergabe, die moderne

LED-Lichter ermöglichten.

Basel beleuchtet Anziehungspunkte

wie den Barfüsserplatz,

die Mittlere Rheinbrücke oder die

essierte fast täglich die Möglichkeit,

den einen oder anderen

Event rund um die Geschichte des

in Genf geborenen Philosophen

zu buchen.

Hinter dem reichhaltigen Programm

steht für einmal kein professionelles

Team. Auslöser waren

vielmehr Initiativen aus den verschiedensten

Ecken der Region,

von Einzelpersonen, lokalen Vereinen

oder Museen. Die Tourismusorganisation

hat die verschiedenen

Aktivitäten zu einem

entsprechenden Programm zusammengestellt.

«Das sind wir all

den Initianten und auch der Geschichte

unserer Region schuldig»,

stellt Kocher klar. Für mehr

als eine solche Broschüre hätte

das Budget für das Rousseau-Jahr

von 20 000 Franken – ohne Personalkosten

– auch nicht gereicht.

Den touristischen E� ekt des

Rousseau-Jahrs schätzt Kocher für

die Drei-Seen-Region allerdings

eher klein ein. Mit wie viel mehr

War ein Magnet: Die Lichtinstallation

am Bundeshaus.

zvg

Wettsteinbrücke. An Fassaden,

sagt Rup� in, sorge eine Schablonentechnik

dafür, dass die Hauswand,

nicht aber Fenster beleuchtet

würden, damit sich Bewohner

Gästen und Logiernächten er

rechnet, könne er nicht sagen:

«Man darf sich nicht zu viele Ho� -

nungen machen.»

Mit den Aktivitäten

rund um den

Philosophen spreche

man klar eine

Special-Interest-

Zielgruppe an.

«Ich persönlich

glaube nicht an

eine Massenbele-

gung unseres Angebots.»

St. Petersinsel

ho� auf 2015

Mit einer Ausnahme:

der St. Petersinsel,

auf der

Jean-Jacques

Rousseau sechs

Wochen, und eben

die schönste Zeit, seines Lebens

verbrachte. «Die Insel wird auf

lange Sicht von den diesjährigen

nicht gestört fühlten. Zudem gehe

die Beleuchtung von oben nach

unten, weil das dem natürlichen

Licht am ehesten entspreche.

«Es gibt drei Lichtkategorien:

Sicherheitsbeleuchtung, Gebäudebeleuchtung

sowie Event- und

Inszenierungsbeleuchtung», sagt

Gerry Hofstetter. Der Lichtkünstler

ist für die dritte Kategorie zuständig,

hat touristische Anziehungspunkte

wie das Bundeshaus

oder zuletzt die Jungfrau in Szene

gesetzt. Gerade in Grossstädten

seien Lichtfestivals im Trend, sagt

er, «aber sie haben selten die touristischen

Auswirkungen, die man

sich davon erho� t.» Vielleicht liege

das daran, dass die städtische

Betriebsamkeit ohnehin zu einer

Reizüber� utung führe und das

«Wir rechnen

damit, dass das

Rousseau-Jahr

eine Initialzündung

auslöst.»

Peter Sperner

Klosterhotel St. Petersinsel

Aktivitäten pro� tieren», ist Kocher

überzeugt.

Das ho� t auch Hotelier Peter

Sperner, der zusammen

mit seiner

Frau Silke

Groh das historische

Klosterhotel

der St. Petersinsel

führt: «Wir rechnen

damit, dass

das Rousseau-Jahr

eine Initialzün-

dung auslöst.»

Sein Ziel ist, mehr

Kulturinteressierte

auf die nur per

Schi� oder zu Fuss

erreichbare Insel

zu locken. «Das

passt zum Geist

der Insel. Wer zu

uns kommt, tut

das sehr bewusst.»

Mit Events, so rechnet der Hotelier,

liesse sich in Zukunft zudem

die Aufenthaltsdauer erhöhen.

Licht dabei untergehe. «Die Inszenierung

muss aber auch den Charakter

einer Stadt wiedergeben –

sonst ist sie austauschbar und

interessiert nicht.» So sei es wenig

erstaunlich, dass Feste wie die

«Luminale» in Frankfurt, wo über

50 Lichtscha� ende am Werk seien,

nicht das gewünschte Besuchermass

erreichten. Einzig Lyon

scha� e es, für sein Lichtfest über

drei Millionen Besucher anzulocken.

Vor über 100 Jahren hat dort

ein Bürgermeister angeordnet,

dass die Bewohner zur Stadtverschönerung

Kerzen ins Fenster

stellen sollten. «Vor 15 Jahren hat

ein Tourismusdirektor die Tradition

auferstehen lassen – diese

Geschichte interessiert die Leute.»

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Die Ruepp & Partner Dietikon AG

hat uns bei der Neuausrichtung

wirkungsvoll unterstützt. Da sind

Praktiker aus der Gastro- und

Hotelbranche am Werk.

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Bilder Alain D. Boillat

Die Auslastung der heute 13 Zimmer

liege bei 60 Prozent während

der Ö� nungszeit.

Besonders geeignet für kulturelle

Veranstaltungen sei, nebst

den Räumlichkeiten im Klosterhotel

wie dem gotischen Saal oder

dem Fasskeller, der historische

Pavillon mitten im Grünen. Peter

Sperner bietet Führungen durchs

Klosterhotel an und referiert für

Seminargäste. Diesen Herbst folgt

noch ein weiterer Event: «Kochen

wie zu Rousseaus Zeiten». Gekocht

wird im Klosterkeller über

einer o� enen Kochstelle.

Noch mehr Publicity für die

Insel erwartet Sperner im Jahr

2015. Dann jährt sich der Aufenthalt

von Rousseau auf der Insel

zum zweihundertfünfzigsten Mal.

Gemeinsam mit dem Inhaber des

Klosterareals, der Burgergemeinde

Bern, wolle man dann auf der

Insel einen ganzen Strauss an

Aktivitäten und Ausstellungen

bieten.

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www.ruepp.ch

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