freitag, 18. november 2011 trogen (ar) - Bach Cantatas

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freitag, 18. november 2011 trogen (ar) - Bach Cantatas

ich arm

er mens

ch, ich

sünden

knecht

freitag,

18. november 2011

trogen (ar)


freitag, 18. november, trogen (ar)

«ich armer mensch, ich sündenknecht»

Kantate BWV 55 zum 22. Sonntag nach Trinitatis

für Tenor

Vokalensemble, Traverso, Oboe d‘amore,

Streicher und Basso continuo

17.30 uhr, evangelische kirche, trogen

Werkeinführung mit Rudolf Lutz und Karl Graf

(Voranmeldung!)

anschliessend

Kleiner Imbiss und Getränke im Saal der Krone Trogen

eintritt: fr. 40.–

19 uhr, evangelische kirche, speicher

Erste Aufführung der Kantate

Reflexion über den Kantatentext: Urs Schoettli

Zweite Aufführung der Kantate

eintritt: kategorie a 40.–, kategorie b 30.–; kategorie c 10.–


ausführende

solisten

Tenor Bernhard Berchtold

Sopran Guro Hjemli

Alt Antonia Frey

Bass William Wood

orchester der j.s. bach-stiftung

Violine Renate Steinmann, Yuko Ishikawa

Viola Susanna Hefti

Violoncello Martin Zeller

Violone Iris Finkbeiner

Fagott Susann Landert

Flauto Traverso Claire Genewein

Oboe

d‘amore Ingo Müller

leitung

& orgel Rudolf Lutz

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reflexion

Urs Schoettli wurde 1948 in Basel geboren und studierte

an der Universität Basel Philosophie. Von 1978 bis

1982 war er Generalsekretär der Liberalen Internationalen

in London, danach bis 1991 geschäftsführender

Vizepräsident. Von 1983 bis 1989 war Urs Schoettli als

Südasien-Korrespondent der NZZ in Delhi tätig. Von

1990 bis 1995 war er Iberien-Repräsentant der deutschen

Friedrich-Naumann-Stiftung, erst in Madrid und

danach in Sintra, Portugal. Von 1993 bis 1995 war Urs

Schoettli ehrenamtlicher Sekretär der Grosseuropakommission.

1996 kehrte er zur NZZ zurück und berichtete

bis 1999 als Korrespondent aus Hongkong, danach

von 1999 bis 2010 als Fernost-Korrespondent aus Tokio

und als China-Korrespondent aus Peking. Urs Schoettli

ist im Vorstand der Max-Schmidheiny-Stiftung und

selbständiger Asien-Berater.


wv 55:

«ich armer mensch, ich sündenknecht»

textdichter: nr. 1–4: unbekannter autor;

nr. 5: johannes rist (1642)

erstmalige aufführung: 22. sonntag nach trinitatis,

17. november 1726

1. aria (tenore)

Ich armer Mensch, ich Sündenknecht,

ich geh vor Gottes Angesichte

mit Furcht und Zittern zum Gerichte.

Er ist gerecht, ich ungerecht,

ich armer Mensch, ich Sündenknecht!

2. recitativo (tenore)

Ich habe wider Gott gehandelt

und bin demselben Pfad,

den er mir vorgeschrieben hat,

nicht nachgewandelt.

Wohin? Soll ich der Morgenröte Flügel

zu meiner Flucht erkiesen,

die mich zum letzten Meere wiesen,

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so wird mich doch die Hand des Allerhöchsten finden

und mir die Sündenrute binden.

Ach ja! Wenn gleich die Höll ein Bette

vor mich und meine Sünden hätte,

so wäre doch der Grimm des Höchsten da.

Die Erde schützt mich nicht,

sie droht, mich Scheusal zu verschlingen;

und will ich mich zum Himmel schwingen,

da wohnet Gott, der mir das Urteil spricht.

3. aria (tenore)

Erbarme dich,

Laß die Tränen dich erweichen,

laß sie dir zu Herzen reichen,

erbarme dich!

Erbarme dich,

laß um Jesu Christi willen

deinen Zorn des Eifers stillen,

erbarme dich!

4. recitativo (tenore)

Erbarme dich!

Jedoch nun tröst ich mich,

ich will nicht für Gerichte stehen


und lieber vor dem Gnadenthron

zu meinem frommen Vater gehen.

Ich halt ihm seinen Sohn,

sein Leiden, sein Erlösen für,

wie er für meine Schuld

bezahlet und genung getan,

und bitt ihn um Geduld,

hinfüro will ich‘s nicht mehr tun.

So nimmt mich Gott zu Gnaden wieder an.

5. corale (vokalquartett)

Bin ich gleich von dir gewichen,

stell ich mich doch wieder ein;

hat uns doch dein Sohn verglichen

durch sein Angst und Todespein.

Ich verleugne nicht die Schuld,

aber deine Gnad und Huld

ist viel größer als die Sünde,

die ich stets bei mir befinde.

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theologisch-musikalische anmerkungen

1. Aria

die kantate beginnt mit einem schuldbekenntnis,

erinnernd an das Jesuswort: «Jeder,

der sünde tut, ist der sünde knecht» (Johannes

8, 34). Wir haben eine solokantate vor

uns, bis auf den schlusschoral bestreitet ein

einziger sänger, der tenor, alle sätze. Zwei

Holzbläser, Querflöte und Oboe d’amore, unterstützen

ihn nebst den streichern und der

im Barock unerlässlichen Bassgruppe. der

«sündenknecht», der sich von seiner Last zu

befreien sucht, ist in dieser arie gebunden in

ein dichtes instrumentales Stimmengeflecht.

in der Gestaltung der singstimme zieht

Bach von der exclamatio über verminderte

akkordbrechungen bis hin zur chromatik

alle register der musikalischen rhetorik des

Barock.

2. Recitativo

hier folgt die Begründung für die Bezeichnung

«sündenknecht». die aussichtslosigkeit, der

Verantwortung vor Gott zu entfliehen, wird

mit Worten aus dem 139. Psalm geschildert:

«Wohin soll ich gehen deinem Geiste? Wohin

soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Stiege

ich hinauf zum himmel, du bist dort; schlüge

ich mein Lager auf im totenreich, sieh, du

bist da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und

liesse mich nieder am äussersten ende des

meeres, auch dort würde deine hand mich

leiten und deine rechte mich fassen.»

3. Aria

Auf das Schuldbekenntnis folgt die flehentliche

Bitte um erbarmen, dargestellt in der

melodischen Geste der Traversflöte, die dann

von der stingstimme aufgegriffen wird. hiob

klagte noch: «Gott hält seinen Zorn nicht zurück»

(9,13); möge nun «um Jesu Christi willen»

sein Zorn doch gestillt werden.

4. Recitativo

Das folgende Selbstgespräch reflektiert in

dichten Sätzen die ganze Erlösungstheologie:

der sündige mensch muss sich nicht selber

rechtfertigen, sondern darf sich an den gnädigen

Gott, den Vater, wenden und sich auf den

sohn Jesus christus berufen, der mit seinem

kreuzestod Genugtuung geleistet hat. aus

dankbarkeit wird er in der Folge sich an die

Gebote halten; er weiss sich von Gott angenommen.

Bach kleidet diese inhaltsschwere

textaussage in einen haltgebenden streichersatz.

5. Corale

die strophe aus dem abendlied «Werde munter,

mein Gemüte» von Johannes rist fasst die

Gedanken der kantate sehr treffend zusammen

mit dem Hinweis auf die Versöhnungstat

christi und die Gnade Gottes.


zum kantatentext

Der unbekannte Librettist knüpft an die Sonntagslesung,

Matthäus 18, 23–35, an. Auf die Frage des Petrus,

wie oft man dem Nächsten verzeihen müsse, erzählt

Jesus das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht, dem

der König eine riesige Schuld erlassen hatte und der

anschliessend seinen Mitknecht wegen einer Kleinigkeit

drangsalierte, statt aufgrund der erfahrenen Vergebung

selber auch zur Vergebung bereit zu sein.

weitere theologische und musikalische hinweise, verfasst

von arthur godel und karl graf, fin den sich auf der innenseite

dieser umschlagklappe. aufgeklappt können sie gleichzeitig

mit dem kantatentext gelesen werden.


hinweise

Das Parkplatzangebot in Trogen (AR) ist beschränkt.

Zusätz liche Parkplätze beim Feuerwehr-Depot (Parkplatz

Spitz acker). Trogenerbahn ab St.Gallen HB im Viertel

stundentakt.

Wegen Ton- und Bildaufzeichnungen kann während

der Aufführungen kein Einlass gewährt werden.

nächste kantate

freitag, 09. dezember, trogen (ar)

«nun komm der heiden heiland»

Kantate BWV 61 zum 1. Advent

Musikalische Reflexion: Noldi Alder

J. S. Bach-Stiftung St.Gallen | Postfach 164 | CH-9004 St.Gallen | Telefon +41 (0)71 242 58 58

info@bachstiftung.ch | www.bachstiftung.ch

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