spannend und ein bisschen gefährlich

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spannend und ein bisschen gefährlich

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UnTERRIchTEn l AB KInDERGARTEn

spannend

und ein

bisschen

gefährlich

Gemeinsam am Feuer sitzen, stockbrot backen,

miteinander reden, Geschichten lauschen oder

einfach in die Flammen schauen – ein elementares

Erlebnis für Kinder, bei dem sie sich vielleicht

etwas wie Menschen in der steinzeit fühlen …

Johanna Pareigis

DER URzEITMEnsch hOMO hABILIs kannte das Feuer

nur als Blitz. Der Homo erectus lernte, die Vorzüge des

Feuers zu schätzen und nutzte Fackeln zur Treibjagd

und zur Nahrungszubereitung. Ab wann die Menschen

selbst Feuer entzünden konnten, ist noch nicht eindeutig

geklärt. Der Neandertaler, Homo sapiens neanderthaliensis,

konnte es jedenfalls schon und setzte seine

Feuerkünste vielfältig ein.

Wer heute mit Kindern Lagerfeuer erlebt und sie

aktiv am Feuermachen beteiligt, der fordert sie vielfältig

heraus. Ein Feuer zu machen, ist nicht mehr alltäglich.

Es ist wichtig, dass man die Voraussetzungen

kennt, damit diese elementare Erfahrung aus uralten

Zeiten mit Kindern positiv und ohne Unfälle abläuft.

Was wissen Kinder über Feuer?

Kinder kennen heute selten das offene Feuer. „Zum

Grillen und als Kerze haben wir Feuer! Es ist heiß!“, sagt

Jorin, 4 1/ 2 Jahre alt. „Man braucht ein Feuerzeug und

Streichhölzer. Auch noch Holz und alte Zeitungen.

Oder trockene Blätter, Blüten“, ergänzt er. Das lässt sei­

Kokeln erlaubt – aber nur, wenn

Regeln eingehalten werden

ne Erfahrungen erahnen, die er im Waldkindergarten

schon mit Feuer sammeln konnte.

Einige Kinder wissen auch von anderen Methoden

des Anfeuerns: „Früher hat man Steine gegeneinander

gehauen, oder die Menschen haben einen Stock so gedreht.

Und dann wird gepustet, damit das Feuer Sauerstoff

bekommt“ (siehe dazu auch den Beitrag von Thorsten

Helmerking auf S. 37–39). Die Kinder wissen auch,

wozu das Feuer wichtig war. Den Jüngeren fallen Licht,

Wärme und Gemütlichkeit ein, die ein Feuer bzw. eine

Kerze spendet. Ältere Kinder (erste und zweite Klasse)

wissen um die Bedeutung des Feuers, um Nahrung, besonders

Fleisch, zuzubereiten, um Töpfe aus Ton zu

brennen, um Licht, Wärme und Schutz vor wilden Tieren

zu spenden.

Älteren Kindern ist durchaus bewusst, dass man

beim Feuer nicht nur darauf achten muss, dass es sich

nicht ungewollt ausbreitet, sondern dass es in Urzeiten

auch wichtig war, dass man stets das Feuer entfacht

hielt. Das Feuer durfte nicht ausgehen und wurde weitergetragen:

„Die Menschen früher haben das Feuer in

einen Stein mit einem Luftloch hineingetan. Den haben

sie dann auf einer Liege wie beim Arzt getragen,

wenn sie weitergewandert sind“, erzählt Viktor, sieben

Jahre alt.

weltwissen |Sachunterricht 3/2006

Foto: Johanna Pareigis


Ein fl ammender Mittelpunkt

Am Feuer kommen viele Menschen

zusammen, früher oder auch heute

z. B. auf einem Fest. Inke Böttcher,

Waldkindergärtnerin, denkt, dass

das Feuermachen und ­genießen

wie Jagen und Sammeln zu den

mensch lichen Urtrieben gehört:

„Nicht umsonst stellen sich viele

Menschen gemütliche Kaminöfen

in ihre Wohnzimmer. Sie wollen

wieder sichtbares Feuer um sich

haben.

Ein Feuer zieht einerseits die

Aufmerksamkeit auf sich, bringt

aber auch Möglichkeiten, unauffällig

vor sich hinzusinnieren. Weil

alle in die Mitte vor sich hinstarren

und man nicht unmittelbar mit seinem

Gegenüber konfrontiert ist,

können gut Gespräche entstehen.

Das Feuer hat durch seine Wärme

seine eigene Faszination. Es bietet

einen Mittelpunkt, um den man

sich mit anderen sammelt und

auch seine eigene Mitte fi nden

kann. In die Flammen zu schauen

hat etwas Hypnotisches. Die Mitte

ist klar, unpersönlich und hat eindeutige

Grenzen. Man kann sie

nicht einfach durchqueren. Das

Feuer als Mittelpunkt fordert von

sich aus Respekt. Es ist beherrschbar

und unbeherrschbar zugleich.“

Das Schönste zum Schluss

Kinder – gefragt, was das Schönste

an dem Feuer, das sie im Waldkindergarten

gemacht hatten, gewesen

sei – sagten: „Die Farben der Flammen:

Rot. Blau. Gelb und ein bisschen

Orange!“ Nicht gefallen hatte

ihnen der beißenden Qualm und

der abendliche plötzliche Abschied

von den Freunden, also das Aufl ösen

der Gemeinschaft am Feuer.

„Ich hatte keine Angst, denn ich

weiß, dass es immer gut ausgeht“,

resümierte Laura (8) und Jorin (4 1/ 2)

fasste seine Erfahrungen mit dem

Feuer so zusammen: „Es war spannend

und ein bisschen gefährlich!“

DIE AUTORIn

Dr. Johanna Pareigis ist Biologin

und führt an Kindergärten, Familienbildungsstätten

und Grundschulen

naturwissenschaftliche

Weltwissen-Kurse, Forschungsstationen

und Forscherklubs für Kinder

und Eltern durch. In ihren Fortbildungen

und Workshops für

Erzieher und Lehrer gibt sie ihre

Kenntnisse weiter.

FLADEn- ODER sTOcKBROT AUF TIBETIsch

Zutaten (für bis zu 15 Kinder):

2 1/5 Tassen (= 0 g) Mehl

1 TL Trockenhefe

½ TL Backpulver

1 Tasse Wasser

(oder etwas mehr)

1 TL salz

Zubereitung:

Alle trockenen zutaten vermischen.

Mit Wasser zu einem

glatten Teig verkneten. zugedeckt

an einem warmen Platz ca. 5

Min. gehen lassen. Danach Teig

noch einmal durchkneten und sehr

dünn zu ca. 15 handtellergroßen

Fladenbroten ausrollen.

weltwissen |Sachunterricht 3/2006

Kann im Wok in der Glut eines

Lagerfeuers, in der Pfanne ohne

Fett ca. 2 Min. von jeder seite

(oder länger) oder im Backofen

(Umluft) ca. 12 Min bei 150 °c gebacken

werden.

Besonders gut schmecken die

Brote, wenn man sie im sommer

auf dem Grillrost über der Lagerfeuerglut

backt. Der Teig kann

auch zu dünnen schlangen geformt,

um einen langen stock gewickelt,

platt angedrückt und langsam

über der Glut eines Feuers

gebacken werden. Der Teig darf

nicht in die Flammen gehalten

werden; das Brot wird sonst

schwarz.

AB KInDERGARTEn l UnTERRIchTEn

DIE hÜTER DEs FEUERs

Kinder sind begeistert, wenn es darum geht, ein

Feuer anzuzünden. Aber Feuer fordert seine zeit und

muss vorbereitet werden:

A Als Erwachsener sollte man im Umgang mit Feuer

sicher sein. Am besten man übt erst allein.

A Will man das Thema „Feuer“ als Projekt gestalten,

bietet sich eine Einführung mit Experimenten

an: Feuer entfachen (Was brennt gut, was nicht?),

Feuer löschen, Kerzen anzünden mit streichholz

oder Feuerzeug, Feuerschutzübungen machen.

A Vorsichtsmaßnahmen und Feuerregeln sollten

mit Kindern besprochen werden.

A Die Gruppenstärke ist abhängig vom Verhalten

und Vertrauen in der Gruppe und von den Erfahrungen

der Kinder mit Feuer. 10 bis 15 Kinder mit

zwei erwachsenen Betreuern ist angemessen.

A Ein öffentliches Feuer muss beim Ordnungsamt

oder beim Förster angemeldet werden.

A Ein Feuer darf nur an einer offenen stelle

entfacht werden: Alle brennbaren Materialien

müssen mehrere Meter entfernt sein. Ein Feuerkorb

begrenzt Feuer, fördert den Verbrennungsvorgang

und lässt Brenngut restlos verbrennen.

A Feuer sollte nur bei trockenem, möglichst

windstillem Wetter entfacht werden.

A Alle sollten langärmelige, schwer brennbare

Kleidung (z. B. Wolle) und feste schuhe tragen.

A Das Brennmaterial (mittelgroße holzscheite)

muss trocken (mindestens zwei Jahre gelagert)

sein. Auf nadelholz ist zu verzichten, denn es platzt

im Feuer und sprüht Funken.

A Das Feuermaterial wird gemeinsam mit den

Kindern aufgeschichtet (leicht brennbares Material

unten, dicke holzscheite oben). Eventuell wird

Grillanzünder zum Anfeuern auf das Brenngut

gespritzt, bevor (!) das Feuer entzündet wird.

A zum Umwenden und stapeln des Brenngutes

sollte ein feuerfestes Gerät (Grabeforke) parat liegen.

A herausfallende Glut oder brennendes Gras sind

sofort zu löschen.

A Für den notfall müssen Wasser, Decke und Verbandsmaterial

bereitstehen. Verbrennungen müssen

gekühlt und ggf. steril abgedeckt werden.

A Ein sicherer Abstand vom Feuer wird durch sitzbänke,

steinkreis oder ein seil um das Feuer

eindeutig festgelegt.

A Wollen die Kinder „kokeln“, müssen sie die

Betreuer um Erlaubnis fragen. Die stöcke zum

Kokeln müssen mindestens 1, 50 m lang sein, und

das Feuer muss heruntergebrannt sein. Die stöcke

müssen im Feuer bleiben und später in der Erde

gelöscht werden. herumfuchteln mit den glühenden

stöcken ist nicht erlaubt.

A zum schluss wird das Feuer mit Wasser gelöscht,

von Erwachsenen ausgetreten oder unter

Aufsicht ausbrennen gelassen.

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