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Sonder GdP aktiv vom 10-07-2012.pub - GdP Mannheim

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<strong>Sonder</strong>ausgabe<br />

<strong>10</strong>.<strong>07</strong>.2012<br />

<strong>GdP</strong>-Zeitreise:<br />

Polizeiliche<br />

Großlagen in<br />

<strong>Mannheim</strong><br />

Zusammengestellt<br />

von Thomas Mohr<br />

Vor drei Jahrzehnten<br />

in <strong>Mannheim</strong>:<br />

Verletzte und<br />

Millionenschaden:<br />

Angst und Schrecken<br />

Panzer auf<br />

Amokfahrt<br />

Soldat steuert Koloss<br />

durch Innenstadt.<br />

Ende im Neckar<br />

( Seite 2 bis 6 )<br />

Impressum:<br />

Gewerkschaft der Polizei<br />

Kreisgruppe <strong>Mannheim</strong>,<br />

Vorstandschaft, B 6, 4-5<br />

68159 <strong>Mannheim</strong><br />

Tel.: 0621/174-4226<br />

Fax: 0621/174-3999<br />

info@gdpmannheim.de<br />

www.gdpmannheim.de<br />

Kampfpanzer fährt durch die <strong>Mannheim</strong>er Planken. Bild: <strong>Mannheim</strong>er Morgen<br />

Heute vor genau 30 Jahren:<br />

US-Kampfpanzer fährt Amok und hält die<br />

<strong>Mannheim</strong>er Polizei in Atem<br />

Am <strong>10</strong>. Juli 1982, startete<br />

der 20-jährige amerikanische<br />

Panzerfahrer Charlie<br />

S.K. unerlaubt einen M60<br />

A1 Kampfpanzer, mit dem<br />

fast 70 Tonnen schweren<br />

Koloss - aufmunitioniert<br />

mit 80 Sprenggranaten—<br />

durchbrach er den Zaun<br />

der Sullivan-Kaserne. Über<br />

die B 38 und Friedrich-<br />

Ebert-Straße rollte er in<br />

Richtung Innenstadt, fuhr<br />

über den Ring, durch die<br />

vielbelebten Planken und<br />

zog eine Spur der Verwüstung<br />

durch die Stadt. Von<br />

der Kurpfalzbrücke stürzte<br />

er sich mit dem Panzer in<br />

den Tod. Heute genau vor<br />

30 Jahren waren die <strong>Mannheim</strong>er<br />

Einsatzkräfte mit<br />

dieser Ausnahmesituation<br />

konfrontiert worden. Wir<br />

wollen mit dieser <strong>Sonder</strong>ausgabe<br />

der <strong>GdP</strong> <strong>aktiv</strong> an<br />

dieses Großereignis erinnern.<br />

Der SWR bringt auch<br />

heute am Dienstag,<br />

<strong>10</strong>.<strong>07</strong>.12, zw. 18.45 und<br />

19.45 Uhr, "Landesschau<br />

Baden-Württemberg" einen<br />

Beitrag. Red.


<strong>GdP</strong>-Zeitreise:<br />

Polizeiliche Großlagen in <strong>Mannheim</strong><br />

Zusammengestellt von Thomas Mohr<br />

Das Jahr 1982 war kein gutes<br />

Jahr für die Menschen in der<br />

Quadratestadt, wie auch für die<br />

Einsatzkräfte der <strong>Mannheim</strong>er<br />

Polizei. Da waren die Bürger in<br />

der Innenstadt sehr darüber erstaunt<br />

und anfänglich auch verunsichert<br />

als am Samstag, den<br />

<strong>10</strong>. Juli 1982, plötzlich ein amerikanischer<br />

Kampfpanzer, <strong>vom</strong> Typ<br />

M 60 A 1, kettenrasselnd die City<br />

verwüstete und viel schrottreifes<br />

Blech auf der Amokfahrt hinterließ.<br />

Nicht mal zwei Monate später<br />

gab es eine der schwerste<br />

Vor drei Jahrzehnten in <strong>Mannheim</strong>:<br />

Katastrophen in der Geschichte<br />

der Stadt <strong>Mannheim</strong>. Alle 46<br />

Insassen eines amerikanischen<br />

Militärhubschraubers <strong>vom</strong> Typ<br />

"Giant Chinook CH 47" kommen<br />

ums Leben, als der Helikopter<br />

mit Fallschirmspringern aus<br />

Frankreich, England und der<br />

Bundesrepublik, während der<br />

<strong>Mannheim</strong>er "Internationalen<br />

Luftschiffertage", mitten auf die<br />

Autobahn <strong>Mannheim</strong>-Heidelberg<br />

stürzt. Beim Aufprall wird die<br />

Maschine von einer Explosion<br />

zerrissen.<br />

Ich habe bewusst diese beiden<br />

schrecklichen Ereignisse ausgewählt<br />

um die schwierige Aufgabe<br />

der Hilfskräfte und der Polizei<br />

aufzuzeigen.<br />

Quellennachweis:<br />

Fotos: <strong>GdP</strong>-Archiv<br />

Texte: Auszugsweise aus der damaligen<br />

aktuellen Berichterstattung des<br />

<strong>Mannheim</strong>er Morgen (Bert Siegelmann)<br />

Typenbeschreibung des Hubschraubers:<br />

Firma Boeing / USA (Internet)<br />

Typenbeschreibung des Kampfpanzers:<br />

US-Army / USA (Internet)<br />

Verletzte und Millionenschaden:<br />

Angst und Schrecken — Panzer auf Amokfahrt<br />

Soldat steuert Koloss durch Innenstadt. Ende im Neckar<br />

Die Bilder damals an einem Samstag,<br />

im Juli 1982, in der <strong>Mannheim</strong>er<br />

Innenstadt sprachen für sich:<br />

Plattgewalzte Autos, umgeknickte<br />

Strom- und Lichtmasten, ein demolierter<br />

Straßenbahnzug, verschrammte<br />

Hauswände, niedergerissene<br />

Fahrdrähte und eine bald<br />

vier Meter breite Lücke im eisernen<br />

Geländer der <strong>Mannheim</strong>er Kurpfalz-<br />

Brücke: Nach einer Angst und<br />

Schrecken verbreitenden Amokfahrt<br />

war ein amerikanischer Kampfpanzer<br />

<strong>vom</strong> Typ M60 A 1 in den Neckar<br />

gestürzt. Mit dem 50-Tonnen-Koloß<br />

versanken der 20jährige US-Soldat<br />

am Steuer des Panzers und 66 Panzergranaten<br />

in der knapp sechs<br />

Meter tiefen Fahrrinne des Flusses,<br />

der dadurch für die Schifffahrt blockiert<br />

war. Rund zwei Millionen<br />

Mark ,,zivile“ Sachschäden und wie<br />

durch ein Wunder ,,nur“ vier Verletzte,<br />

dazu ein heilloses Durcheinander<br />

in den Straßenbahn-<br />

Fahrplänen beiderseits des Rheins,<br />

sowie ungezählte erschrockene<br />

Menschen sind<br />

weitere Eckdaten<br />

der Panzerfahrt.<br />

Tausende von<br />

Zuschauern verfolgten<br />

die mühseligen<br />

Versuche<br />

zur Bergung des<br />

Panzers, die erst<br />

am Sonntag, den<br />

11.<strong>07</strong>.1982, gegen<br />

15.3O Uhr<br />

erfolgreich abgeschlossen<br />

werden<br />

konnten.<br />

Zwei Männer<br />

verdienen es, besondersherausgestellt<br />

zu werden:<br />

Da ist der Straßenbahnwagenführer<br />

Frank Pohle, der sich mit<br />

seinem vollbesetzten Zug der Linie<br />

vier am Samstag gegen 14.<strong>10</strong> Uhr<br />

auf dem Kaiserring am Tattersall<br />

plötzlich dem stählernen Ungetüm<br />

gegenübersah. In letzter Sekunde<br />

Bei dem US-Kampfpanzer handelte es sich um einen M 60<br />

A1 mit 48 Tonnen Gewicht, 6,95m Länge, 3,60m Breite.<br />

Der Panzer M 60 A 1 hat 750 PS und fährt 50 km/h. Seine<br />

Bewaffnung ist eine <strong>10</strong>5mm Kanone, ein Maschinengewehr<br />

und ein Fliegerabwehrgeschütz. Die normale Besatzung ist<br />

4 Mann. (Foto u. Bezeichnung: Archiv US Army/USA)<br />

rief der Fahrer den hinten sitzenden<br />

Fahrgästen zu, sie sollten nach vorne<br />

kommen. Im nächsten Augenblick<br />

walzte der Panzer das gerade<br />

noch geräumte Heck der Straßenbahn<br />

nieder. Und da ist ein<br />

<strong>Sonder</strong>ausgabe <strong>GdP</strong> <strong>aktiv</strong> <strong>vom</strong> <strong>10</strong>.<strong>07</strong>.2012


Fortsetzung von Seite 2<br />

amerikanischer Feldwebel der Militärpolizei,<br />

der - sein Name ist nicht<br />

bekannt - den in den Sullivan-<br />

Barracks in <strong>Mannheim</strong>-Käfertal widerrechtlich<br />

in Gang gesetzten Panzer<br />

im Auto verfolgte und am Tattersall<br />

auf das fahrende Kettengefährt<br />

aufsprang. Er wollte den<br />

20jährigen im Steuerstand überwältigen,<br />

wenn es sein musste mit<br />

Waffengewalt Doch der Militärpolizist<br />

rutschte bei dem waghalsigen<br />

Unterfangen ab, verletzte sich<br />

ernsthaft an der Schulter und<br />

stürzte vor den Panzer.<br />

Wie durch ein Wunder kam der<br />

Mann beim Weiterrollen des Panzers<br />

so zwischen den Ketten zum<br />

liegen, dass er nicht zusätzlich ver-<br />

Von der rotlichtüberwachten Signalanlage<br />

fotografiert. Der US-Kampfpanzer<br />

überfährt die Kreuzung Friedrichsring /<br />

Tullastraße.<br />

Verletzte und Millionenschaden:<br />

Angst und Schrecken — Panzer auf Amokfahrt<br />

Soldat steuert Koloss durch Innenstadt. Ende im Neckar<br />

letzt wurde. Der 2Ojährige am<br />

Steuer des Panzers war der reguläre<br />

Fahrer dieses Panzers. Warum er<br />

das Gefährt damals gewaltsam öffnete<br />

und in Gang setzte, wollten<br />

die Amerikaner zunächst noch nicht<br />

sagen. Gerüchte sprechen davon,<br />

dass der junge Mann mit einer Bestrafung<br />

in einer anderen Angelegenheit<br />

nicht einverstanden gewesen<br />

sei und es so zu einer Kurzschlusshandlung<br />

gekommen sei.<br />

Der Panzer durchbrach den Zaun<br />

der Sullivan-Kaserne, rollte auf die<br />

B 38 und dann in rascher Fahrt<br />

über die Friedrich-Ebert-Straße in<br />

Richtung Innenstadt. Bald schon<br />

setzten sich Polizei und Militärs auf<br />

die Fährte des drei Meter breiten<br />

Kampfwagens, der indes überaus<br />

routiniert gesteuert wurde.<br />

Über die Goethestraße lenkte der<br />

Soldat den Panzer auf den Ring<br />

zum Wasserturm, dann knickten<br />

erste Schilder und Masten an der<br />

Einfahrt in die Fußgängerzone Planken.<br />

In hellen Scharen und voller Panik<br />

flüchteten in der belebten Einkaufs-<br />

und Flanierstraße die Menschen<br />

vor dem olive-grünen Panzer.<br />

Auf der Flucht ging Mobiliar<br />

von Straßencafés zu Bruch, überall<br />

war das Pflaster von Glas- und Por-<br />

zellanscherben übersät. Eine Frau<br />

verletzte sich beim Wegrennen an<br />

einem umstürzenden Stuhl so<br />

schwer, dass sie ins Krankenhaus<br />

gebracht werden musste. Dass der<br />

Panzer keine Menschen erfasste,<br />

mutet schier unglaublich an.<br />

Bei Teppich-Engelhardt bog der<br />

Panzer aufheulend und kettenrasselnd<br />

in die Straße zwischen M 5/M<br />

6 (Möbel Marsch) ein und walzte<br />

dort entgegen der Einbahnstraße<br />

fahrend beidseitig etliche geparkte<br />

Autos nieder.<br />

Elf teure Limousinen verwandelten<br />

sich sekundenschnell in<br />

bizarre Schrotthaufen, weitere wurden<br />

beschädigt, Polizei musste sogleich<br />

angefordert werden, um<br />

Plünderungen durch Passanten zuvorzukommen.<br />

Nicht immer soll<br />

dies gelungen sein. Der M 60 ras-<br />

<strong>Sonder</strong>ausgabe <strong>GdP</strong> <strong>aktiv</strong> <strong>vom</strong> <strong>10</strong>.<strong>07</strong>.2012


Fortsetzung von Seite 3<br />

selte derweil unaufhaltsam weiter,<br />

eckte wiederholt an Hauswänden<br />

und Fahrzeugen an, fällte einen<br />

Baum und sorgte dann am Kaiserring<br />

in Höhe Tattersall für Chaos.<br />

Der Amokfahrer steuerte das Ungetüm<br />

wiederholt über den Mittelstreifen<br />

zwischen den Fahrbahnen,<br />

rammte dann - wie oben erwähnt -<br />

die Straßenbahn, knickte mit dem<br />

Panzer den Hauptmast für die Straßenbahn-Fahrspannung<br />

wie ein<br />

Streichholz ab und hinterließ auch<br />

bei der Weiterfahrt auf dem Ring<br />

ein Bild der Verwüstung, das manche<br />

Betrachter an ,,Szenen aus<br />

dem Libanon“ erinnerten. Eine Frau<br />

wurde von einem vor dem Panzer<br />

ausweichenden Auto erfasst Nach<br />

der Verletzten wird noch gesucht,<br />

sie ist im ersten Schock wohl weggelaufen.<br />

Die Fahrt des Kampfpanzers endete<br />

nach weiteren kritischen Momenten<br />

auf dem Friedrichsring und<br />

am Kurpfalzkreisel auf der Kurpfalzbrücke,<br />

wo die Polizei und ihre<br />

amerikanischen Kollegen beidseitig<br />

Fahrzeugsperren aufbauten, die der<br />

Panzer jedoch ohne Mühe überwunden<br />

hätte.<br />

Der Fahrer kletterte nun aber in<br />

den Turm und drehte diesen und<br />

damit auch das Rohr auf die nach<br />

hunderten zählenden Menschen<br />

und Polizisten. Es begann eine hektische<br />

Suche nach Deckungsmöglichkeiten.<br />

Nur ein Polizist hielt den<br />

Funkkontakt zur Einsatzleitstelle.<br />

Der Panzer schoss jedoch nicht<br />

Später stellte sich heraus, dass er<br />

zwar scharfe Munition an Bord hatte,<br />

aber keine komplette Abschußvorrichtung.<br />

Der Panzer hätte also<br />

nicht feuern können.<br />

Gegen 14.30 Uhr drehte der Fahrer<br />

den Panzer einmal um die eigene<br />

Achse, gab dann rückwärts Vollgas,<br />

durchbrach das Brückengeländer<br />

und stürzte rund 12 Meter tief<br />

in den Fluss. Polizisten meinten,<br />

das sei in voller Absicht geschehen.<br />

Selbstmord? Während allenthalben<br />

Rettungswagen und Ärzte nach<br />

Verletzte und Millionenschaden:<br />

Angst und Schrecken — Panzer auf Amokfahrt<br />

Soldat steuert Koloss durch Innenstadt. Ende im Neckar<br />

Wie eine „Dosenbüchse“ wurde die Straßenbahn <strong>vom</strong> Panzer aufgerissen.<br />

Zum Glück wurde niemand verletzt.<br />

Ende der Amokfahrt: Der Panzer<br />

durchbrach hier das Geländer der<br />

Kurpfalzbrücke und stürzte in den<br />

Neckar.<br />

Verletzten und Geschockten suchten,<br />

für die technischen Einheiten<br />

der Berufsfeuerwehr Großalarm<br />

gegeben und Notdienste der Verkehrsbetriebe<br />

und der Stadtwerke<br />

in Marsch gesetzt wurden, begannen<br />

unterhalb der Kurpfalzbrücke<br />

die spektakulären Bergungsarbeiten.<br />

Das Rettungsboot der Deutschen<br />

Lebensrettungsgesellschaft,<br />

zufällig auf dem Neckar unterwegs,<br />

diente die nächsten Stunden und<br />

die ganze Nacht durch den Feuerwehr-Tauchern<br />

als Arbeitsplattform.<br />

Der Panzer lag auf dem Kopf<br />

im Schlick eingegraben, die Frage,<br />

ob der Fahrer im verschlossenen<br />

Innenraum noch lebte, konnte nicht<br />

beantwortet werden. Die Amerikaner<br />

gingen bald von seinem Tod<br />

aus, zumal der Soldat beim Sturz<br />

von der Brücke zumindest schwerverletzt<br />

worden sein dürfte und der<br />

Panzer-Innenraum nicht völlig wasserdicht<br />

abgeschottet gewesen sei.<br />

Viele tausend Menschen richteten<br />

sich nach und nach auf beiden Seiten<br />

der Kurpfalzbrücke auf den<br />

Neckarböschungen ,,häuslich" ein,<br />

wichen und wankten nicht trotz<br />

Fußballspiel und Nachtstunde: Mit<br />

drei mächtigen Bergepanzern <strong>vom</strong><br />

<strong>Sonder</strong>ausgabe <strong>GdP</strong> <strong>aktiv</strong> <strong>vom</strong> <strong>10</strong>.<strong>07</strong>.2012


Fortsetzung von Seite 4<br />

Typ M 80 versuchten die Amerikaner<br />

bis zum Sonntagmorgen gegen<br />

vier Uhr, den Panzer aus dem<br />

Neckar zu ziehen. Die Taucher der<br />

Feuerwehr leisteten Schwerarbeit<br />

beim Befestigen der schweren<br />

Stahltrossen, die dann buchstäblich<br />

bis zum (sehr gefährlichen) Zerreißen<br />

angespannt wurden. Von den<br />

drei Bergepanzern auf dem Neckarvorland<br />

war schließlich nur einer<br />

Verletzte und Millionenschaden:<br />

Angst und Schrecken — Panzer auf Amokfahrt<br />

Soldat steuert Koloss durch Innenstadt. Ende im Neckar<br />

Das Hebeschiff „Achilles“ hob den Kampfpanzer aus dem Wasser. Die Bergung wird<br />

von Tausenden von Zuschauern mitverfolgt.<br />

noch intakt, mehrmals waren Trossen<br />

und Ketten gerissen, die Bergung<br />

musste unterbrochen werden.<br />

Gestern Vormittag dann der zweite<br />

Versuch. Das Hebeschiff Achilles,<br />

das kurz vor dem Unglück den<br />

Neckar herabgefahren war und inzwischen<br />

in Speyer lag, nahm den<br />

Panzer an seine insgesamt <strong>10</strong>0<br />

Tonnen hebenden Haken. Ein Sandhausener<br />

Bergungstaucher befes-<br />

tigte die Trossen an dem Panzer im<br />

Wasser und dann tauchte um 11.45<br />

Uhr erstmals der Unglückspanzer<br />

ein wenig aus den schmutzigen<br />

Neckarfluten auf.<br />

Bis zur endgültigen Bergung sollten<br />

aber noch einige Stunden vergehen.<br />

Wiederum trotzte eine beeindruckende<br />

Zuschauerkulisse<br />

stundenlang der glühenden Hitze.<br />

Die Polizei, Ruf 174-325, suchte<br />

noch Geschädigte der Amokfahrt.<br />

Im ersten Schock haben sich wohl<br />

nicht alle Verletzten oder sonst von<br />

dem Unglück betroffene Menschen<br />

gemeldet Der CDU-Bundestagsabgeordnete<br />

Dr. Josef Bugl will<br />

sich dafür einsetzen, dass die Schadensregulierung<br />

über das Amt für<br />

Verteidigungslasten rasch und<br />

möglichst unbürokratisch über die<br />

Bühne geht.<br />

Wie ich meine...<br />

Kommentar von Bert Siegelmann,<br />

<strong>vom</strong> <strong>10</strong>. Juli 1982<br />

Ein schweres Unglück, eine Amokfahrt,<br />

ist Gesprächsstoff. Verständlich<br />

das Erschrecken über den<br />

Kampfpanzer auf gefährlichen Abwegen,<br />

verständlich auch das Aufatmen<br />

über die Tatsache, dass dies<br />

alles noch viel schlimmer hätte ausgehen<br />

können. Denn der junge und<br />

vielleicht verzweifelnde Soldat am<br />

Steuer des 50-Tonnen-Kolosses<br />

hätte ohne Frage auch ein Blutbad<br />

anrichten können. Er hat es - so<br />

meine ich - absichtlich vermieden.<br />

Das sollte man bei der Beurteilung<br />

des Falles und der Verurteilung des<br />

toten Soldaten berücksichtigen.<br />

Und noch eines: Wer diese Amokfahrt<br />

zum willkommenen Anlass<br />

dafür nimmt, jetzt wieder einmal<br />

Haß und Häme auf den Amerikanern<br />

abzuladen, disqualifiziert sich<br />

selbst. Denn das, was am Samstag<br />

geschah, lässt sich in letzter Konsequenz<br />

nicht verhindern, im militärischen<br />

und im zivilen Bereich nicht.<br />

So sollte man US-Brigadegeneral<br />

und Standortkommandeur Eugene<br />

Gromartie Glauben schenken, wenn<br />

<strong>Sonder</strong>ausgabe <strong>GdP</strong> <strong>aktiv</strong> <strong>vom</strong> <strong>10</strong>.<strong>07</strong>.2012


Fortsetzung von Seite 5<br />

er im Namen aller <strong>Mannheim</strong>er US-<br />

Soldaten von tiefer Betroffenheit<br />

und Bedauern über das tragische<br />

Unglück spricht.<br />

,,Das war einfach zu viel für ihn"<br />

Untersuchungsergebnis:<br />

Panzer-Amokfahrt war<br />

Verzweiflungstat<br />

<strong>Mannheim</strong>er Morgen <strong>vom</strong><br />

28./29.08.1982 - Die Panzer-<br />

Amokfahrt eines amerikanischen<br />

Soldaten am <strong>10</strong>. Juli durch die<br />

<strong>Mannheim</strong>er Innenstadt war nach<br />

einem vorläufigen Untersuchungsergebnis<br />

eine Verzweiflungstat, die<br />

durch das enge zeitliche Zusammenwirken<br />

verschiedener Probleme<br />

ausgelöst worden sei. Nach dem<br />

gestern von der US-Armee veröffentlichten<br />

Ermittlungsergebnis war<br />

gegen den 20jährigen Amokfahrer,<br />

der mit seinem Panzer anschließend<br />

in den Neckar stürzte und<br />

dabei den Tod fand, ein Militärge-<br />

Verletzte und Millionenschaden:<br />

Angst und Schrecken — Panzer auf Amokfahrt<br />

Soldat steuert Koloss durch Innenstadt. Ende im Neckar<br />

richtsverfahren anhängig, weil man<br />

eine gestohlene Pistole in seinem<br />

Besitz gefunden hatte.<br />

Kurz vor der Amokfahrt war der<br />

Soldat den Angaben zufolge von<br />

einem Heimatbesuch zurückgekehrt.<br />

Dieser sei bewilligt worden,<br />

weil man bei seinem Bruder eine<br />

Krebserkrankung festgestellt hatte<br />

und eine Operation bevorstand.<br />

Unterdessen habe seine deutsche<br />

Freundin ihn und <strong>Mannheim</strong> verlassen.<br />

Schließlich war nach Auffassung<br />

der Untersuchungskommission<br />

von Bedeutung, dass ein<br />

enger Freund des 2Ojährigen bei<br />

einem Panzerunglück in diesem<br />

Jahr ums Leben gekommen war.<br />

Diese vier Faktoren zusammen waren<br />

nach Einschätzung der Ermitt-<br />

1er ,,einfach zu viel für ihn".<br />

Der junge Soldat war an einem<br />

Juli Samstag gegen 14 Uhr mit seinem<br />

Panzer durch die belebte<br />

<strong>Mannheim</strong>er Fußgängerzone gerast<br />

und hatte dabei zahlreiche Men-<br />

schen in Angst und Schrecken versetzt.<br />

Bei dem Vorfall wurden zahlreiche<br />

Fahrzeuge und eine Straßenbahn<br />

schwer beschädigt.<br />

Nach Angaben der amerikanischen<br />

Militärpolizei wurden bisher<br />

Schadensersatzansprüche in Höhe<br />

von rund 400.000 Mark angemeldet.<br />

In der nächsten <strong>Sonder</strong>ausgabe<br />

berichten wir über eine weitere<br />

Großlage, die damals die<br />

Einsatzkräfte bis an die Grenzen<br />

ihrer Belastbarkeit brachte.<br />

Flug in den Tod<br />

Schreckliches Ende der<br />

„Internationalen Luftschiffertage<br />

<strong>Mannheim</strong>“<br />

Zeitraubende Identifizierung<br />

der 46 Unglücksopfer<br />

<strong>Sonder</strong>ausgabe <strong>GdP</strong> <strong>aktiv</strong> <strong>vom</strong> <strong>10</strong>.<strong>07</strong>.2012

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