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FAMILIENLEBEN

…nein,

meine Suppe ess‘ ich nicht!

Es ist mal wieder soweit –High Noon am Essenstisch …wie zwei

Wildwesthelden taxieren wir uns –mein Sohn und ich. „Vorletzte

Woche fandest du die Suppe noch gut… Warum jetzt nicht?“,

will ich von meinem 14-Jährigen wissen. Die Antworten, die ich

auf die Frage erhalte, pendeln zwischen „Ist halt so“, „Immer

so gesundes Zeug“ und „Hat mir da auch schon nicht so geschmeckt“.

Sicherlich: Ich bin keine Sterneköchin, aber Freunde

kommen nach wie vor gerne zum Essen, und auch ich habe von

Anfang an bei meinen Kindern auf gesunde und ausgewogene

Ernährung geachtet. Warum isst also meine Tochter wirklich

fast alles oder probiert es zumindest? Und warum ist mein Sohn

so schwer von seinem Salamibrot loszureißen?

Wenn ich mich in meinem Freundes- und weiteren Bekanntenkreis

umhöre, dann stehen wir mit der futteralen Kriegsführung

nicht alleine da. Man ist geneigt, erleichtert aufzuatmen und die

Situation als gegeben hinzunehmen. Doch ich will es genau wissen

und melde mich für die Fachtagung „Impulse zur Ernährung

und Bewegung im Kleinkindalter“ an. Immerhin widmet sich ein

Vortrag dem Thema „Gesunde Kinderernährung im Alltag –eine

Herausforderung für die ganze Familie“, ein anderer lockt mit

„Was steuert das Essverhalten im Kindesalter?“.

Gleich zu Beginn stellt Privatdozent Dr. Thomas Ellrott, Leiter

des Instituts für Ernährungspsychologie in Göttingen, lachend

fest, dass wir Eltern herzlich wenig Einfluss auf die Ernährung

unserer Kinder nehmen können, denn neben der eher untergeordneten

Erziehung lenken weitere sieben Faktoren das Essverhalten

eines jeden Menschen.

Einen ganz groben Rahmen gibt der kulturelle/gesellschaftliche

Hintergrund –klar wir schreien „Igitt“ bei Maden, andere lecken

sich alle zehn Finger danach. Was allen Säuglingen dieser

Welt aber bereits seit Anbeginn der Menschheit gemein ist, ist

als zweiter Faktor die angeborene Süßpräferenz. Lebensmittel,

die süßlich schmecken, wie auch die Muttermilch, versprechen

eine hohe Energiezufuhr. Außerdem ist es der so genannte Sicherheitsgeschmack,

wie Forschungen ergeben haben. Lebens-

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mittel, die süß schmecken und giftig sind, gibt es einfach nicht.

Säuglinge/Kleinkinder lehnen daher bitter und sauer eher ab,

denn die stehen für Gefahr.

Ein dritter und gar nicht zu unterschätzender Faktor ist die präund

postnatale Prägung, die bereits im Mutterleib angelegt

und bei Stillkindern noch vertieft wird. Das mütterliche Essverhalten

bestimmt hier schon spätere Vorlieben. Als ich das

höre, klopfen in meiner Erinnerung alle Wurstbrote wieder an,

die ich mit großem Heißhunger in der Schwangerschaft vertilgt

habe… mein Sohn würde für Salamibrot morden! Hier besteht

aber auch eine große Chance –wer sich abwechslungsreich in

Schwangerschaft und Stillzeit ernährt, hat später gute Chancen,

dass sein Kind neuen Geschmäckern gegenüber aufgeschlossen

ist.

Ein weiterer Grund für genüssliche Vorlieben und Abneigungen

sind die evolutionsbiologischen Programme, die bestimmt werden

durch den „Mere Exposure Effect“ –also das gewohnheitsmäßige

Hineinschmecken, frei nach dem Motto „Was der Bauer

nicht kennt, das isst er auch nicht“ –und der spezifisch-sensorischen

Sättigung –darunter ist eine zunehmende Abneigung

gegen zu häufig vorgesetzte Lebensmittel zu verstehen.

Kinder leben ständig mit Innenreizen und Außenreizen. Jekleiner

sie sind, umso mehr stehen die Innenreize –das Hungergefühl

–imVordergrund. Das verschiebt sich mit dem Älterwerden

–wir haben gemeinsame Familienessenszeiten, die Kinder

können nur in der Pause essen etc.

Mit dem letzten wichtigen Punkt schließt sich der Rand am Suppenteller

wieder: Unsere Kinder orientieren sich an Vorbildern

–zunächst an Eltern, Geschwistern und Großeltern. Essen wir

mit Genuss und Vielfalt, so kann man davon ausgehen, dass

die Kinder mit Neugier in jedes Essen mal hineinstochern. In der

Pubertät sind wir Eltern natürlich auch hier nicht mehr gefragt.

Essen wird zur Nebensache… und mit dem „Gesund“-Argument

erhält man im besten Fall ein mildes Lächeln, im schlechtesten

eine demonstrative Anti-Haltung. Wichtig ist jetzt, was die

Freunde machen.

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