Untersuchung zur Umsetzung der Baustellenverordnung bei ...

baua.de

Untersuchung zur Umsetzung der Baustellenverordnung bei ...

Untersuchung zur Umsetzung der

Baustellenverordnung bei ausgewählten

Bauvorhaben

Schlussbericht an das

Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit

Rationalisierungs-

Gemeinschaft

„Bauwesen“


Schlussbericht des RKW-Projektes

Untersuchung zur Umsetzung der Baustellenverordnung bei

ausgewählten Bauvorhaben

Für das Vorhaben zuständig

Dipl.-Ing. Günter Blochmann, Referent, RKW

Dipl.-Ing. Hans Mahlstedt, Referent, RKW

RKW Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e.V.

Bundesgeschäftsstelle: Düsseldorfer Straße 40, 65760 Eschborn / D

Tel. +49(0)6196-495-3501, Fax +49(0)6196-495-4501, eMail rgb@rkw.de

Unter Mitwirkung von

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Rainer Schach, TU Dresden

Dipl.-Ing. Volkhard Gürtler, wiss. Mitarbeiter, TU Dresden

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Daniel Frankenstein, TU Dresden

Technische Universität Dresden, Institut für Baubetriebswesen

Nürnberger Straße 31A, 01187 Dresden

Tel. +49(0)351-463-3 42 42, Fax +49(0)0351-463 3 46 80, eMail baubetrieb@mailbox.tu-dresden.de

Dr. Lutz Wienhold,

Systemkonzept – Gesellschaft für Systemforschung und Konzeptentwicklung mbH

Aachener Straße 68, 50674 Köln

Tel. +49(0)221-56908-0, Fax +49(0)221-5690810, eMail info@systemkonzept.de

Das diesem Bericht zugrundeliegende Vorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit als

Forschungsvorhaben Nr. 32/03 / Aktenzeichen IA20815 finanziert.

November 2005

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 2 von 444


Inhalt

1 Ausgangslage ..................................................... 6

1.1 Gegenwärtige Situation der Bauwirtschaft in Deutschland / Strukturwandel . . . 6

1.2 Die Lage von Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen

seit Erlass der Baustellenverordnung .................................. 12

1.3 Rolle und Aufgaben des Bauherren

bei der Umsetzung der Baustellenverordnung .......................... 17

1.4 Sicherstellen einer wirkungsvollen Koordinierung –

ein Grundanliegen der Baustellenverordnung .......................... 19

1.5 Präventionsinstrumente der Baustellenverordnung ...................... 20

2 Ziele der Untersuchung ............................................ 23

3 Vorgehensweise und Untersuchungsmethodik ...................... 26

3.1 Vorgehensweise ................................................... 26

3.2 Untersuchungsmethodik ............................................ 27

3.2.1 Vorbemerkungen und Problemstellungen ......................... 28

3.2.2 Beschreibung eines Indikatorensystems zur

Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung .............. 31

3.3 Literaturauswertung ................................................ 34

4 Erhebungsmittel und -methoden ................................... 35

4.1 Grundgesamtheiten und Adressaten .................................. 37

4.1.1 Kriterium „Bauaufgabe“ ......................................... 40

4.1.2 Kriterium „Altbau/Neubau“ ...................................... 41

4.1.3 Kriterium „Zahl der beteiligten Arbeitgeber“ ....................... 42

4.1.4 Kriterium „Baustellengröße“ .................................... 43

4.1.5 Kriterium „Auftraggeber“ ....................................... 45

4.1.6 Kriterium „Besonders gefährliche Arbeiten“ ....................... 45

4.2 Befragung mittels eines standardisierten und strukturierten Fragebogens . . 45

4.2.1 Vorbemerkungen ............................................. 45

4.2.2 Erarbeitung des Fragebogens .................................. 46

4.2.3 Gestaltung des Fragebogens und Vorbereitung des Versandes ...... 47

4.2.4 Auswertung der Fragen ........................................ 48

4.3 Befragung mittels persönlicher Interviews .............................. 49

4.3.1 Vorbemerkungen zur Gestaltung persönlicher Interviews ........... 49

4.3.2 Adressaten der Interviews ...................................... 49

4.3.3 Gestaltung und Auswertung Interviewleitfäden .................... 51

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Fortsetzung „Inhalt“

5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung ............ 52

5.1 Vorbemerkungen ................................................... 52

5.2 Allgemeines ....................................................... 53

5.3 SiGe-Plan ......................................................... 58

5.4 Unterlage für spätere Arbeiten ....................................... 68

5.5 SiGe-Koordination .................................................. 74

5.6 Wirkungseinschätzungen ............................................ 80

5.7 Auswertung spezieller Fragen an die SiGeKo-Koordinatoren ............. 85

5.8 Offene Antworten und Vorschläge für Verbesserungen sowie

Einschätzung von Hemmnissen ...................................... 86

6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach

Potenzialen, Prozessen und Wirkungen ............................. 90

6.1 Vorbemerkungen ................................................... 90

6.2 Bewertung der Rahmenbedingungen

für die Umsetzung der Baustellenverordnung ........................... 90

6.3 Bewertung der vorhandenen Potenziale

zur Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz

durch Umsetzung der Baustellenverordnung ........................... 92

6.3.1 Kenntnisse und Fähigkeiten der Baupartner ....................... 92

6.3.2 Eindeutige Verantwortungszuweisung ............................ 97

6.3.3 Verfügbarkeit von Werkzeugen und Hilfsmitteln .................. 102

6.3.4 Vorhandene und zu schaffende Ressourcen ..................... 105

6.3.5 Einbindung der Baustellenverordnung in Managementsysteme ..... 107

6.4 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung

im Bauablauf (Prozesse) ........................................... 109

6.4.1 Integration der Ziele und Instrumente der Baustellenverordnung

in den Prozess der Bauvorbereitung (Planung der Ausführung) ..... 109

6.4.2 Integration der Ziele und Instrumente der Baustellenverordnung

in den Prozess der Ausführung des Bauvorhabens ................ 114

6.5 Bewertung der erzielten Ergebnisse

bei der Umsetzung der Baustellenverordnung ......................... 119

6.5.1 Arbeitsbedingungen, Gesundheit der Beschäftigten sowie

Sicherheits- und Gesundheitsbewusstsein ....................... 119

6.5.2 Optimierung der Unternehmensergebnisse;

Stabilisierung der Unternehmensprozesse ....................... 122

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 4 von 444


Fortsetzung „Inhalt“

7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung

der Wirksamkeit der Baustellenverordnung ........................ 124

7.1 Vorbemerkungen .................................................. 124

7.2 Thematische Zusammenfassung von Handlungsoptionen ............... 125

7.2.1 SiGe-Planung einschließlich SiGe-Plan und

Unterlage für spätere Arbeiten .................................. 125

7.2.2 Bauaufsicht, Überwachung, Vollzug ............................. 128

7.2.3 Unterstützung, Öffentlichkeitsarbeit ............................. 130

7.2.4 Qualifizierung ................................................ 131

7.2.5 Handlungsoptionen im Bereich Prozesse ........................ 131

7.2.6 Verbünde, Kooperationen ...................................... 132

7.2.7 Klarstellungen im Recht, Rechtsanpassungen .................... 133

7.3 Funktionale Zusammenstellung (Modelle) ............................ 137

7.3.1 Koordinierungsmodell ......................................... 137

7.3.2 Modell „Öffentliche Bauaufsicht ................................. 142

7.3.3 Bauunternehmermodell ........................................ 145

7.4 Fazit und Ausblick ................................................. 148

Quellen- und Literaturverzeichnis ......................................... 149

Tabellen- und Bildverzeichnis ............................................ 153

Anlage 1: Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf –

Prinzipielle Darstellung und Verknüpfung der Prozesse der am Bau Beteiligten . 154

Anlage 2: Fragebögen für die quantitative Befragung ....................... 175

Zielgruppe „Bauherren“ ................................................. 176

Zielgruppe „Planer“ ..................................................... 183

Zielgruppe „ausführende Unternehmen“ ................................... 188

Zielgruppe „SiGe-Koordinatoren“ ......................................... 194

Anlage 3: Interviewleitfäden für die qualitative Befragung .................... 202

Zielgruppe „Bauherren“ ................................................. 203

Zielgruppe „Planer“ ..................................................... 219

Zielgruppe „ausführende Unternehmen“ ................................... 233

Zielgruppe „SiGe-Koordinatoren“ ......................................... 246

Anlage 4: Einzelauswertung der quantitativen Befragung .................... 269

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1 Ausgangslage

Für gezielte Maßnahmen zur Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz auf

Baustellen benötigt das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit fundierte und repräsentative

Erkenntnisse über die Situation der Anwendung der Baustellenverordnung

und deren Wirkung. Im August 2003 wurde deshalb die Rationalisierungs-Gemeinschaft

„Bauwesen“ im RKW in Zusammenarbeit mit der TU Dresden und Systemkonzept

beauftragt, eine Untersuchung zur Umsetzung der Baustellenverordnung bei ausgewählten

Bauvorhaben durchzuführen.

Im Fokus stand dabei die Beantwortung von zwei Kernfragen:

– Entfaltet die Baustellenverordnung die erwartete Wirkung?

– Wo besteht Handlungs- bzw. Veränderungs- oder Optimierungsbedarf?

Für die Beantwortung beider Fragen ist es notwendig, die jeweiligen, mit der Baustellenverordnung

verbundenen Interessen und Ausgangssituationen der betroffenen Beteiligten

zu ermitteln und zu beschreiben.

Daher werden zu Beginn die Veränderungen und Entwicklungen die für die am Bau

Beteiligten im Untersuchungszeitraum von Bedeutung waren, sowie deren Reaktionen

aufgezeigt.

1.1 Gegenwärtige Situation der Bauwirtschaft

in Deutschland / Strukturwandel

Seit etwa 1995 befindet sich die Bauwirtschaft in Deutschland in einem dramatischen

Anpassungsprozess an sich verändernde Rahmenbedingungen. Diese sich verändernden

Rahmenbedingungen und die Reaktionen in Form von Anpassungsprozessen der

Unternehmen und der weiteren Akteure im Bauwesen haben zu einem deutlichen

Strukturwandel der Branche geführt. Dieser weiterhin andauernde Strukturwandel und

die kritische Lage der deutschen Bauwirtschaft mit hohen Insolvenzzahlen sowie die

hohe Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter haben negative Auswirkungen auf die gesamte

Volkswirtschaft.

Folgende Veränderungen der Rahmenbedingungen für die Bauwirtschaft sind zu konstatieren:

• Deregulierung und Bürokratieabbau mit Verlagerung von Aufgaben und öffentlichrechtlichen

Verantwortungen auf Private

• eine generell rückläufige Nachfrageentwicklung seit 1995 als Folge der demografischen

und konjunkturellen Entwicklung und des Endes der vereinigungsbedingten

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 6 von 444


1 Ausgangslage

Sonderkonjunktur am Bau. Die Baugenehmigungen und Baufertigstellungen in allen

Bausparten sind daher rückläufig, allerdings mit großen regionalen Unterschieden.

• eine zunehmende Europäisierung des Baumarkts als Anbieter- und Nachfragermarkt

mit wachsender Tätigkeit von Bauunternehmen aus EU-Ländern, insbesondere aus

Osteuropa, auf dem deutschen Markt, mit Einsatz von Arbeitskräften aus weiteren

Billiglohnländern, zum Teil mit illegaler Beschäftigung

• die Finanzknappheit der öffentlichen Hand mit der Folge eines starken und bis auf

weiteres andauernden Einbruchs bei öffentlichen Aufträgen mit einer zunehmenden

Privatisierung öffentlicher Aufgaben

• veränderte Kundenerwartungen mit Forderungen nach Komplettleistungen. Der

Kunde erwartet die Umsetzung seiner Bauwünsche durch einen kompetenten und

leistungsfähigen Partner mit klaren Aussagen zu Terminen, Kosten und Qualität. Dies

beinhaltet die Übertragung von Kostenrisiko und Planung, der Koordination

(Bauleitung) und zum Teil auch des Betreibens des Objektes.

• Das Bauen im Bestand (Modernisierung und Instandsetzung) gewinnt an Bedeutung.

• Vorfertigung und Industrialisierung am Bau wird wieder mehr akzeptiert.

• Technologieentwicklungen betreffen besonders die Bereiche Informations- und

Kommunikationstechnologien sowie die Logistik.

• Teile der Kreditwirtschaft ziehen sich aus Bauunternehmensfinanzierung zurück, was

zu erheblichen Finanzierungsengpässen bei den mittelständischen Bauunternehmen

geführt hat. Die Kreditwirtschaft berücksichtigt im Rahmen von Basel II zunehmend

individuelle Risiken. Dies führt bei kapitalschwachen Unternehmen zu höheren

Finanzierungskosten.

• Die Verbindlichkeit der Tarifstrukturen in der Bauwirtschaft geht zum Teil verloren.

• Hohe Arbeitslosigkeit in Bauberufen führt zu verstärkter Abwanderung von Fachkräften

aus diesen Berufen und zu geringerer Attraktivität für Auszubildende.

Insbesondere mittelständische Bauunternehmen sind durch die Wettbewerbsverschärfung

betroffen. In einer nicht repräsentativen Befragung 1 bei Bauunternehmen, Kreditpartnern

und Verbänden im Jahr 2002 wurden als die wesentlichen Problemfelder, die

sich aus den bauwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ergeben, benannt (Tabelle 1).

1 Wischhof, Karsten: Strategien zur Substanzerhaltung nordrhein-westfälischer Bauunternehmen; Arbeitspaket 2b der

Zukunftsstudie Baugewerbe NRW im Rahmen der Zukunftsinitiative Bau NRW des Ministeriums für Städtebau und

Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, veröffentlicht als CD-ROM durch das Institut für

Landes- und Stadtentwicklungsforschung und Bauwesen des Landes NRW, Aachen, Oktober 2003, S. 15, Abb. 8

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 7 von 444


1 Ausgangslage

Tabelle 1: Problemfelder der Bauwirtschaft

Ranking Problem Beurteilung

I. Preisstruktur und Preisverfall 1,2

II. Investitionsverhalten der öffentlichen Hand 2,3

III. Zu geringe Nachfrage in allen Sparten 2,4

IV. Unterlaufen der Wettbewerbsregeln 2,4

V. Nachfragemacht der Auftraggeber 2,6

VI. Zahlungsmoral der Auftraggeber 2,7

VII. Zugang zu Projekt- und

Unternehmensfinanzierungsmitteln

VIII. Zu niedrige Markteintrittsbarrieren 2,8

IX. Regelungsdichte 3,0

X. Fehlende Impulse der Steuergesetzgebung 3,4

XI. Facharbeiter- und Fachkräftemangel 4,5

(Bewertung von 1 - 6; 1 = ein sehr großes Problem; 6 = ein geringes Problem)

Quelle: Wischhof, Karsten: Strategien zur Substanzerhaltung nordrhein-westfälischer Bauunternehmen

Es wird deutlich, dass insbesondere die Veränderungen von Markt und Wettbewerb die

größten Probleme bereiten. Es herrscht ein hoher Wettbewerbs- und Kostendruck, der

sich auch in Zeit- und Terminengpässen ausdrückt. Die hohe Wettbewerbsintensität,

u. a. hervorgerufen durch rückläufige Bauinvestitionen, die Vergabepolitik führt zu irrationalem

Marktverhalten, indem zum Teil weit unter Deckungsbeitrag Preise offeriert

werden und nur die Hoffnung vorherrscht, über Nachträge o. ä. das Bauvorhaben noch

auskömmlich abzuwickeln. 2 Der Anpassungsdruck auf die Unternehmen wird auch

durch die Zeitreihe der geleisteten Arbeitsstunden im Bauhauptgewerbe 3 deutlich, die

seit 1995 kontinuierlich abnehmen (Bild 1).

2 Wischhof, Karsten: Zukunftsbewältigung deutscher Bauunternehmen in Europa, S. 8, RKW-Verlag, Eschborn 2002

3 Quelle: Statistisches Bundesamt: Bauberichtserstattung, Wiesbaden

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2,8


1 Ausgangslage

200

180

160

140

120

100

80

60

40

20

0

Geleistete Arbeitsstunden pro Monat - Vorbereitende Baustellenarbeiten,

Hoch- und Tiefbau - Alle Betriebe

Deutschland (Millionen Stunden) [ab 1996 nach neuer Systematik WZ 93]

Jan 91

Jan 92

Jan 93

Jan 94

Jan 95

Jan 96

Jan 97

Jan 98

Jan 99

Jan 00

Jan 01

Jan 02

Jan 03

Bild 1: Geleistete Arbeitsstunden pro Monat

Auf diese Veränderungen hat die Branche reagiert. Die Betriebe der Baubranche sind

kleiner geworden. Denn trotz der vielen Insolvenzen (2003: 5,6 % der Betriebe im Bauhauptgewerbe)

4 und trotz des massiven Rückgangs der geleisteten Arbeitsstunden

und der Anzahl der Beschäftigten (1996: 1,344 Mio., 2003: 0,832 Mio.) ist die Zahl der

Betriebe (Vorbereitende Baustellenarbeiten, Hoch- und Tiefbau) in Deutschland noch

gestiegen:

1996: 75.365 Betriebe, davon 59.495 mit 1 bis 19 Beschäftigten (78,9 %)

2003: 76.612 Betriebe, davon 67.993 mit 1 bis 19 Beschäftigten (88,7 %).

Die durchschnittliche Zahl der Beschäftigten pro Betrieb ist von 1996 bis 2003 von 17,8

Beschäftigte auf 10,9 Beschäftigte gefallen. Es besteht also eine ausgeprägte Entwicklung

zu Kleinbetrieben.

Betrachtet man das sonstige Baugewerbe (Ausbaugewerbe) und die Bauinstallationen,

ergibt sich ein differenziertes Bild. 5 Die Zahl der Beschäftigten aller umsatzsteuerpflichtige

Firmen hat sich von 1996 mit 1,348 Mio. Beschäftigten bis 2000 mit 1,317 Mio. Beschäftigten

in Deutschland im Gegensatz zum Bauhauptgewerbe kaum verringert, was

die zunehmende Bedeutung des Bauens im Bestand unterstreicht:

4 Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Bundesvorstand, Vorstandsbereich I, Bundesvorsitzender:

Wirtschaftsdaten für Bauleute in Text und Bild 2004, S. 32, Frankfurt am Main

5 Da die Bauinstallationen und das sonstige Baugewerbe in der Statistik stiefmütterlich behandelt werden, wurde hier

auf Schätzungen und Differenzrechnungen auf der Basis der Umsatzsteuerstatistik zurückgegriffen, die von

Bartholmai, Bernd, und Veser, Jürgen, in der Zukunftsstudie Baugewerbe Nordrhein-Westfalen, Arbeitspaket 1:

Rahmenbedingungen und Szenarien der künftigen Baunachfrage in Deutschland und Nordrhein-Westfalen, Tab.

2.15, S. 22, dargelegt wurden; veröffentlicht als CD-ROM durch das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung

und Bauwesen des Landes NRW, Aachen, Oktober 2003

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1 Ausgangslage

1996: 206.816 Firmen, davon 179.550 Betriebe mit bis zu 10 Beschäftigten (86,8 %)

2000: 223.596 Firmen, davon 199.630 Betriebe mit bis zu 10 Beschäftigten (89,3 %).

Die durchschnittliche Zahl der Beschäftigten pro Betrieb ist von 1996 bis 2000 von 6,5

Beschäftigte auf 5,9 Beschäftigte gefallen. Die Tendenz zu Kleinbetrieben ist also auch

beim sonstigen Baugewerbe und den Bauinstallationen zu verzeichnen, wenn auch die

Entwicklung nicht so drastisch wie beim Bauhauptgewerbe verlief.

Generell hängt der Rückgang der Beschäftigten pro Betrieb auch mit dem Outsourcing

von Unternehmensteilen und -funktionen (z. B. Fuhrpark, Bauhof, Planungsabteilung,

Projektentwicklung, EDV-Dienstleistungen) zusammen, was zusammen mit der Entwicklung

zu Kleinbetrieben die Tendenz zur Fragmentierung 6 der Branche unterstützt.

Ferner ist eine Ausweitung von Projektentwicklungsaktivitäten, der Generalunternehmertätigkeit

und des Schlüsselfertigbaus festzustellen. Der Anteil der Subunternehmerleistungen

am Jahresumsatz von 600 durch das ifo Institut befragten Betrieben des

westdeutschen Bauhauptgewerbes ist von 11,7 % im Jahr 1971 auf 25,4 % im Jahr

2003 angestiegen. 7 Die wachsende Zahl der (spezialisierten) Nachunternehmen, die

Kleinbetriebe und das Outsourcing sind Indikatoren einer wachsenden zwischenbetrieblichen

Arbeitsteilung. Diese hat wiederum einen gestiegenen Koordinierungsaufwand

und die Notwendigkeit einer genaueren Produktionsplanung zur Folge. 8 Die innerbetriebliche

Koordinierung wird dadurch zunehmend durch zwischenbetriebliche

Koordinierung (meist des Generalunternehmens) ersetzt. Damit ist auch zumindest teilweise

eine Hierarchisierung innerhalb der ehemals gleichberechtigten Gewerke am

Bau eingetreten.

Viele Bauunternehmen erweitern ihre Geschäftsfelder durch Integration von Leistungen,

die den eigentlichen Bauarbeiten vor-, parallel- oder nachgelagert sind, in die Angebots-

und Leistungspalette, meist über kapitalmäßig verbundene, formal aber selbständige

Unternehmen (z. B. für Planungsleistungen, Projektentwicklung, Finanz- und

Maklerdienstleistungen, Fertigteilwerke, Baustofferzeugung, Kiesgruben, Transportbeton,

Kranvermietung, Gebäudemanagement, Hausverwaltung).

Als Folge der öffentlichen Finanznot entstehen auch in Deutschland zunehmend mehr

Vorhaben in Public-Privat-Partnership. Bei diesen PPP-Projekten überträgt die öffentliche

Hand einen großen Teil ihrer Bauherren- und Planungsfunktionen einem privatwirtschaftlichen

Partner, um Effektivitäts- und Effizienzvorteile zu realisieren.

6

Rußig, Volker; Deutsch, Susanne; Spillner, Andreas: Branchenbild Bauwirtschaft, S. 261, Berlin, München 1996

7

Quelle: ifo Institut, München, zitiert nach: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Bundesvorstand,

Vorstandsbereich I, Bundesvorsitzender: Wirtschaftsdaten für Bauleute in Text und Bild 2004, Frankfurt am Main

8

Hochstadt, Stefan: Die Bauwirtschaft – alles anders, alles neu?, Dortmunder Arbeitshefte Bauforschung, Heft 18, S.

44, Dortmund, November 2002

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1 Ausgangslage

Das Bauen im Bestand hat an Bedeutung gewonnen. Auch wenn es hinreichend genaue

Daten nur für den Wohnungsbau gibt, 9 ist die Annahme, dass sich im öffentlichen

Bau und im Gewerbebau ähnliche Entwicklungen vollziehen, logisch. Die o. a. Zunahme

des Anteils der Bauinstallationen und des sonstigen Baugewerbes (Ausbaugewerke)

und der Rückgang des Anteils des klassischen Bauhauptgewerbes an der Bauproduktion

lassen sich so erklären (Bild 2).

Mrd. €

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Wohnungsbauvolumen in Preisen von 1995

1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002* 2003 *

Jahr

* Prognose bzw. Schätzung

Neubaumaßnahmen Bestandsmaßnahmen

Quelle: DIW-Wochenberichte 31/98, 24/99, 03/01, 34/02

Bild 2: Wohnungsbauvolumen für Neubau- und Bestandsmaßnahmen

Zu den Ausgangsbedingungen dieser Untersuchung gehören auch die verschiedenen

Ansätze zum Abbau bürokratischer Hemmnisse, deren Konzepte mit den Begriffen

„Schlanker Staat“ 10 , „Moderner Staat – Moderne Verwaltung“ 11 oder „aktivierender

Staat“ verbunden werden können. Ein wesentliches Element dieser Konzepte ist die

Deregulierung, also die Reduzierung öffentlicher Vorschriften (Gesetze, Verordnungen,

Verwaltungsvorschriften) verbunden mit einer Verstärkung privater Eigenverantwortlichkeit.

Bestehende Regulierungen werden verstärkt einer kritischen Überprüfung unterzogen

und bei der Entwicklung von Handlungsoptionen sind diese Deregulierungstendenzen

nicht außer Acht zu lassen.

9

Bartholmai, Bernd: Wohnungsbau weiter auf niedrigem Niveau – Modernisierung und Instandsetzung stehen im

Vordergrund; in: Wochenbericht des DIW, Nr. 34/2002, S. 569, Berlin

10

Sachverständigenrat „Schlanker Staat“: Abschlussbericht; Bonn 1997

11

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie: Bericht über den Stand der Initiative Abbau bürokratischer

Hemmnisse; Berlin 2001

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 11 von 444


1 Ausgangslage

Zur Ausgangslage für diese Untersuchung gehört auch das miteinander Umgehen der

am Bau Beteiligten, das sehr stark vom Werkvertragsrecht geprägt ist. So kann sich

schon auf Grund theoretischer Überlegungen ein Konflikt zwischen dem Arbeiten mit

Werkverträgen einerseits und der für die Koordinierung erforderlichen rechtzeitigen

Kenntnis und Beeinflussung der Herstellungsverfahren andererseits ergeben. Schwierigkeiten

bestehen, weil bei der Planung der Ausführung die Koordinierung im Vorhinein

(vor der Vergabe) ohne Kenntnis der ausführenden Unternehmen erfolgen soll und

nach Vergabe die Koordinierung des Bauherrn von den Unternehmen als Eingriff in

ihre Verfahren und Abläufe verstanden werden kann, für die sie allein verantwortlich

sind. Eine weitergehende Festlegung der Herstellungsprozesse durch den Auftraggeber

würde das Innovationspotential der Unternehmen ungenutzt lassen. Ein kommunikatives

Vergabeverfahren widerspricht zudem den Vergaberegeln der VOB. In der Praxis

spiegelt sich dieser Antagonismus zwischen kooperativem und wettbewerblichem

Denken in einer Verrechtlichung der Kommunikation der am Bau Beteiligten und der

wachsenden Bedeutung von Nachtragsmanagement, Claimmanagement etc. wieder.

1.2 Die Lage von Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen

seit Erlass der Baustellenverordnung

Die in Abschnitt 1.2 geschilderten Entwicklungen sind überwiegend nicht förderlich für

eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten auf Baustellen.

Einige Entwicklungen sind wahrscheinlich als neutral einzuschätzen, wie die Zunahme

des Bauens im Bestand. In diesen Strukturwandel hinein wurde 1998 die Baustellenverordnung

erlassen.

Diese Entwicklungen, insbesondere der zunehmende Wettbewerb und Kostendruck,

verschärfen auch die Frage nach Kosten und Nutzen der Anstrengungen für den Arbeitsschutz

auf den Baustellen. Effiziente Strukturen und Abläufe erhalten unter diesen

Bedingungen hohe Relevanz. Auch unter diesen Gesichtspunkten soll die Baustellenverordnung

betrachtet werden, denn die Baustellenverordnung muss auch unter den

schwierigen Rahmenbedingungen funktionieren. Mit dem Inkrafttreten der BaustellV

wurde die EG-Richtlinie 92/57/EWG (Baustellenrichtlinie) in deutsches Recht umgesetzt.

Auch nach Inkrafttreten der Baustellenverordnung am 10. Juni 1998 und großer

Anstrengungen aller Akteure im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit

ist die Baubranche ein Bereich mit erheblichen arbeitsbedingten Gesundheitsgefährdungen.

Die meldepflichtigen Unfälle liegen mit 78,9 Unfällen je 1.000 Vollarbeiter

im Jahre 2002 (Tabelle 2) an der Spitze aller Wirtschaftszweige und damit 2,5 mal

schlechter als der Durchschnitt dieser. 12

12 Hoffmann, Burkhard; Rostek, Rudolf: Arbeitsunfallstatistik 2002, Hg. HVBG, Mai 2004, S. 24

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 12 von 444


1 Ausgangslage

Tabelle 2: Meldepflichtige Arbeitsunfälle 13

Wirtschaftszweig

Meldepflichtige

Arbeitunfälle

Meldepflichtige Arbeitsunfälle

je 1000

Vollarbeiter

je 1 Mio.

Geleisteter

Arbeitsstunden

I Bergbau 2.683 29,1 19

II Steine und Erden 17.026 51,8 34

III Gas, Fernwärme und Wasser 4.584 27,9 18

IV Metall 182.179 49,8 33

V Feinmechanik und Elektrotechnik 43.826 19,8 13

VI Chemie 17.571 18,7 12

VII Holz 38.148 76,2 50

VIII Papier und Druck 16.618 26,4 17

IX Textil und Leder 12.026 25,9 17

X Nahrungs- und Genussmittel 103.343 52,4 34

XI Bau 181.484 78,9 52

XII Handel und Verwaltung 236.778 19,8 13

XIII Verkehr 70.593 46,7 31

XIV Gesundheitsdienst 46.681 14,4 9

Insgesamt 973.540 32,5 21

Quelle: HVBG

Arbeitsunfälle

140

120

100

80

60

40

20

0

Quelle: HVBG

Arbeitsunfälle im Wirtschaftzweig Bau

1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003

Jahr

Arbeitsunfälle je 1.000 Vollarbeiter

Bild 3: Zeitreihe Arbeitsunfälle im Wirtschaftszweig Bau 14

13 HVBG – BGZ Report Arbeitsunfallstatistik 2002

14 HVBG – Arbeitsunfallstatistik

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 13 von 444


1 Ausgangslage

Es wird aber auch deutlich, dass sich das Unfallgeschehen angesichts des dramatischen

Strukturwandels und der Zunahme widriger Rahmenbedingungen nicht verschlechtert,

sondern im Gegenteil verbessert hat (Bild 3). Die Verbesserung war aber

auf lange Sicht betrachtet geringer als in den anderen Wirtschaftszweigen (gewerblich),

wie Bild 4 zeigt.

Unfälle pro 1 Mio.

geleisteter Arbeitsstunden

110

100

90

80

70

60

50

40

99,31

1,85

Unfallentwicklung in der Bauwirtschaft

86,21

2,05

2,30

75,24

Unfälle pro 1 Mio. geleisteter Arbeitsstunden

Index zum Durchschnitt über alle gewerblichen

Bauberufsgenossenschaften

2,44

58,71

1970 1980 1990 2000 2003

Quelle: Eigene Darstellung aus Daten des HVBG

Jahr

Bild 4: Zeitreihe Unfallentwicklung in der Bauwirtschaft 15

Unfälle auf Baustellen haben im Vergleich zu den Unfällen in anderen Wirtschaftszweigen

meist deutlich schwerere Folgen. Frühinvalidität von Beschäftigten in der Bauwirtschaft

ist im Vergleich zu anderen Branchen hoch.

Problembereiche sind insbesondere Absturzunfälle, bei denen 39 % im Wirtschaftszweig

Bau auftreten. Schwerpunkte sind mit 39 % die Arbeiten auf Leitern und mit

14 % Absturz vom Gerüst (Tabelle 3).

15 HVBG – Arbeitsunfallstatistik

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 14 von 444

2,49

47,79

3,00

2,50

2,00

1,50

1,00

0,50

0,00

Index


1 Ausgangslage

Tabelle 3: Absturzunfälle gesamt bei betrieblicher Tätigkeit 16

Nr. Gegenstände

Meldpflichtige Unfälle Tödliche Unfälle

Anzahl % Anzahl %

1 Leitern 17.081 39 16 12

2 Gerüst(teile) 6.294 14 25 18

3 Lastkraftwagen 4.961 11 5 4

4 Konstruktionsteile von Gebäuden 2.167 5 41 30

5 Bodenluken, Deckendurchbrüche u. Ä. 1.035 2 8 6

6 Laderampen, -bühnen 599 1 - -

7 Treppen 1.343 3 3 2

8 Laufbrücken, -stege u. Ä. 624 1 3 2

9 Krane 281 1 3 2

10 Übrige Gegenstände 9.152 21 34 25

Insgesamt 43.538 100 138 100

Quelle: HVBG

Aus dem statistischen Zahlenwerk zu dem Unfallgeschehen auf Baustellen sollen die

folgenden Übersichten dargestellt werden. 17

Tabelle 4: Ursachen für tödliche Arbeitsunfälle im Baugewerbe 1992-2002 18

Ursachen aller Unfälle im Baugewerbe

Hauptgruppen – darin Schwerpunkte

Technik

– sicherheitstechnische Mängel

Arbeitsstätte, Umgebung

– Mängel der Verkehrswege

Organisation

– unzureichende Sicherheitsvorkehrungen (fehlender Verbau, fehlende

technische Absturzsicherung

– Nichtstellen geeigneter Arbeitsmittel, persönlicher Schutzausrüstung

Verhalten

– Fehlverhalten Dritter

– unsachgemäßer Einsatz von Arbeitsmitteln, persönlicher

Schutzausrüstung

– Aufenthalt im / Begehen in den Gefahrenbereich

– unsicherer Standplatz

1992-2002

(Mehrfachnennungen)

absolut %

392

269

573

278

1.631

753

359

1.959

239

Physische, psychische Ursachen 48 2,1

Gesamtunfälle Baugewerbe 2.334

Quelle: BAuA

16 Quelle: HVBG, BGZ-Report 3/2003, S. 68

17 Quelle: BAuA-Datenbank „Tödliche Unfälle“

18 Quelle: BAuA-Datenbank „Tödliche Unfälle“

444

619

293

16,8

11,5

24,6

11,9

69,9

32,3

15,4

83,9

10,2

19,0

26,5

12,6

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 15 von 444


1 Ausgangslage

Aus Tabelle 4 ist zu entnehmen, dass 69,9 % aller tödlichen Unfälle auf arbeitsorganisatorische

Mängel und 83,9 % auf Verhaltensfehler zurückzuführen sind. Dagegen sind

nur bei 16,8 % der tödlichen Arbeitsunfälle technische Mängel ursächlich gewesen.

Tabelle 5: Tödliche Arbeitsunfälle in der Bauwirtschaft nach Unfallvorgang 19

Quelle: BAuA

Unfallvorgang

Unfälle 1999-2002

absolut %

Absturz vom Gerüst 70 11,9

Absturz von der Leiter 33 5,6

Absturz vom/durch Dach 88 14,9

Absturz vom Bau 34 5,8

Absturz, übrige 84 14,2

Zwischensumme 309 52,4

Getroffen 126 21,4

Erfasst, überrollt 51 8,6

Gequetscht 32 5,4

Verschüttet 28 4,7

Elektrifiziert 27 4,6

Sonstige 17 2,9

Summe 590 100,0

Tabelle 5 analysiert die tödlichen Arbeitsunfälle in der Bauwirtschaft nach dem Unfallvorgang.

Insgesamt dominieren die Absturzunfälle mit 52,4 %.

Leider gibt es keine spezifischen, statistisch gesicherten Aussagen zum Unfallgeschehen

unter der Würdigung möglicher Einflüsse der Baustellenverordnung.

Etwa drei Viertel der Unfälle auf Baustellen sind auf Mängel in der Planung und in der

Organisation der Baustellen zurückzuführen. 20 Spezifische Sicherheits- und Gesundheitsrisiken

entstehen insbesondere durch:

• den sich ständig ändernden Verhältnissen auf den Baustellen im Baufortschritt

• dem Erfordernis, unter Witterungseinflüssen zu arbeiten

• dem Termindruck

• den strukturellen Merkmalen der Baubranche, wie dem hohen Anteil von

Kleinbetrieben ohne ausgeprägte Qualifikationen im Arbeitsschutz, und Zunahme der

Subunternehmertätigkeit u.a.m.

19 Quelle: BAuA-Datenbank „Tödliche Unfälle“

20 Praxis in NRW. Mit Sicherheit bauen. Tipps & Pflichten für Bauherren. Informationsmappe der

Arbeitsschutzverwaltung NRW zur Baustellenverordnung

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 16 von 444


1 Ausgangslage

• dem Zusammenwirken der Beschäftigten mehrerer Arbeitgeber und Gewerke auf

engstem Raum

• dem anfangs dargelegten Kosten- und Wettbewerbsdruck

• durch Verständigungsprobleme aufgrund von Unternehmern und Beschäftigten mit

unterschiedlichen Sprachen

und anderem mehr.

Der Prozess der Planung von baulichen Anlagen und der Bauausführung ist durch das

Zusammenwirken einer Vielzahl von unterschiedlichen Beteiligten geprägt.

Die Baustellenverordnung berücksichtigt zwei neue Aktionsbereiche für Prävention auf

Baustellen:

• frühzeitige Planung von Sicherheit und Gesundheitsschutz durch den Bauherrn

• Koordinierung von Sicherheit und Gesundheitsschutz durch den Koordinator

zwischen den auf der Baustelle tätigen Arbeitgebern.

Ausgangspunkt für die Evaluation der Umsetzung der Baustellenverordnung ist das

Grundverständnis dieser Verordnung vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Situation

der Bauwirtschaft in Deutschland sein.

1.3 Rolle und Aufgaben des Bauherren bei der

Umsetzung der Baustellenverordnung

Als Initiator trägt der Bauherr die Gesamtverantwortung für das Bauvorhaben:

• Er hat eine umfassende Fürsorgepflicht für die Organisation des Bauprozesses.

• Die Aufgaben und Aktivitäten der verschiedenen am Bau Beteiligten sind innerhalb

der einzelnen Phasen und für den gesamten Bauablauf zu koordinieren.

• In seiner Rolle als Initiator trägt der Bauherr die Endverantwortung für die bauliche

Anlage und den Vorgang ihrer Errichtung hinsichtlich der Erfüllung der öffentlichrechtlichen

Vorschriften, insbesondere der Forderungen des öffentlichen Bau- und

Baunebenrechts. Er ist zur Einleitung und Umsetzung der in der Baustellenverordnung

verankerten Maßnahmen verpflichtet.

Der Bauherr kann die Aufgaben selbst wahrnehmen oder einen Dritten beauftragen,

der die ihm nach der Baustellenverordnung obliegenden Aufgaben erfüllt und Maßnahmen

für ihn in eigener Verantwortung trifft (§ 4 BaustellV). Eine Klarstellung der Verantwortung

nimmt RAB 33 „Allgemeine Grundsätze nach § 4 des Arbeitsschutzgesetzes

bei der Anwendung der Baustellenverordnung“ vor.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 17 von 444


1 Ausgangslage

Der Bauherr muss folgende Aufgaben selbst wahrnehmen, die in jedem Fall in seiner

Verantwortung bleiben:

• Sorgfältige Auswahl des verantwortlichen Dritten (Eignung)

• Sorgfältige Übertragung von Aufgaben und Befugnissen 21

• Vergewissern, dass der Dritte die Aufgaben auch wahrnimmt

• „Der Bauherr oder der von ihm beauftragte Dritte wird durch die Beauftragung

geeigneter Koordinatoren nicht von seiner Verantwortung entbunden.“ 22

Bei der Planung der Ausführung eines Bauvorhabens sind die allgemeinen Grundsätze

nach § 4 ArbSchG zu berücksichtigen. Einzelheiten hierzu enthält RAB 33.

Ziel ist es, dass durch die integrative Berücksichtigung dieser Grundsätze Sicherheits-

und Gesundheitsrisiken vorausschauend vermieden bzw. minimiert und frühzeitig Maßnahmen

mit einer möglichst großen Reichweite und Wirksamkeit ergriffen werden.

Das Einbeziehen der Planung von Maßnahmen nach diesen Grundsätzen in die Planung

der Ausführung bedeutet insbesondere:

• Bei der Erstellung der Leistungsbeschreibungen, der Leistungsverzeichnisse und

weiterer Verdingungsunterlagen für die Ausschreibung von Bauleistungen sind diese

Grundsätze zu berücksichtigen.

• Allen Beteiligten sind frühzeitig die erforderlichen Informationen über Gefährdungen

und vorgesehene Schutzmaßnahmen bereit zu stellen; dies betrifft insbesondere

gemeinsam genutzte Arbeitsbereiche und Einrichtungen.

• Der Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan sowie die Unterlage für spätere Arbeiten

an der baulichen Anlage ist unter Berücksichtigung dieser Grundsätze zu erstellen.

• Die Berücksichtigung der Grundsätze erfolgt entsprechend dem Umfang und der

Tiefe, wie es zum jeweiligen Zeitpunkt der Planungen erforderlich und möglich ist. Bei

Entscheidungen und in den einzelnen Unterlagen, die für die Errichtung der baulichen

Anlage erstellt werden, sind in jeder Phase entsprechend dem jeweiligen Konkretisierungsgrad

der Planung und dem vorliegenden Informationsstand diese Grundsätze

anzuwenden.

Der Bauherr bzw. sein beauftragter Planer muss daher nicht nur die geforderten Eigenschaften

des Bauwerks festlegen und eindeutig beschreiben, sondern wesentliche

Rahmenbedingungen des Herstellungsprozesses bestimmen, der nach der Logik des

Werkvertragsrechts eigentlich in der alleinigen Verantwortung der jeweils beauftragten

Unternehmen liegt.

21

Der verantwortliche Dritte muss aufgrund dieser Übertragung wie der Bauherr selbst handeln und entscheiden

können (siehe RAB 10)

22

BaustellV § 3 (1a)

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 18 von 444


1 Ausgangslage

Für die Evaluation der Baustellenverordnung muss das Handeln der unterschiedlichen

Akteure zur Umsetzung der Verordnung, die Art und Weise der Koordinierung und das

Meistern eventueller Problemlagen im Zentrum stehen, um den Interessenausgleich

der Beteiligten verbessern zu können. Die bauüblichen Rechtslagen und wirtschaftlichen

Interessen der Beteiligten können dabei nicht ausgeblendet werden. Das Kernanliegen

der Baustellenverordnung besteht in der sinnvollen Integration von Sicherheit

und Gesundheitsschutz in die Phasen des Bau- und Planungsablaufs. Handlungsoptionen

zur Baustellenverordnung lassen sich sinnvoll erkennen, wenn neben den allgemeinen

Handlungsbedingungen auch die konkreten Situationen der Umsetzung abgefragt

werden. Zudem müssen die Interessenlagen der Beteiligten und die Veränderungen

der Rahmenbedingungen beachtet werden. Wenn sich durch die Untersuchung

z. B. ergäbe, dass die Umsetzung der Baustellenverordnung die Kommunikation zwischen

den am Bau Beteiligten verbessert und zu insgesamt besseren Abläufen führt,

würde dies nicht nur die Akzeptanz der Baustellenverordnung erhöhen, sondern auch

einen wirtschaftlichen Nutzen für die Beteiligten bringen.

1.4 Sicherstellen einer wirkungsvollen Koordinierung –

ein Grundanliegen der Baustellenverordnung

Koordinierung ist sowohl in der Planungs- als auch in der Ausführungsphase erforderlich.

Für beide Phasen sind Koordinatoren zu bestellen, wenn der Bauherr oder der von

ihm beauftragte Dritte diese Aufgaben nicht selbst wahrnehmen.

Die Bestellung des Koordinators muss durch den Bauherrn bzw. den von ihm beauftragten

verantwortlichen Dritten erfolgen – hierfür gilt RAB 30.

Wichtig ist, dass das Zusammenwirken der bestellten Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatoren

mit anderen Beteiligten sichergestellt wird. Koordinierungsaufgaben

haben auch andere Funktionsträger am Bau in unterschiedlicher Funktion (Entwurfsverfasser,

Unternehmer bauausführender Firmen, Bauleiter). 23 Hier kommt es

darauf an, dass diese Koordinierungsaufgaben mit der Koordinierung nach der Baustellenverordnung

miteinander verzahnt werden. Zu bedenken ist auch, dass die schon

länger bestehenden Pflichten für die ausführenden Unternehmen nach § 8 Arbeitschutzgesetz

und § 6 BGV A1 bezüglich der Zusammenarbeit mehrer Arbeitgeber eingebunden

bleiben.

Koordinatoren haben eine Unterstützungsaufgabe gegenüber dem Bauherrn und den

sonstigen am Bau Beteiligten. Die Erfüllung dieser Unterstützungsaufgaben setzt voraus:

23 Solche Koordinierungsaufgaben ergeben sich aus unterschiedlichen Rechtsquellen, insbesondere der

Landesbauordnungen, dem Arbeitsschutzgesetz und der BGV A 1 „Allgemeine Vorschriften“ – inzwischen präzisiert

durch die Neufassung der BGV A 1 „Grundsätze der Prävention“

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 19 von 444


1 Ausgangslage

• Sicherstellen der erforderlichen Informationsflüsse in allen Phasen des Bauablaufs

• Sicherstellen der erforderlichen Kommunikation der Beteiligten untereinander

• Entsprechende konkrete Verpflichtung aller Beteiligten zur Zusammenarbeit und klare

Festlegungen der jeweiligen Befugnisse.

Vor diesem Hintergrund sind folgende weiterreichende Wirkungsfelder relevant, wenn

der umfassende Nutzen der Baustellenverordnung beurteilt werden soll:

• Kontinuierliche Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheitsschutz beim

fortschreitenden Bauprozess

• Einflussnahme auf Unfallschwerpunkte und Schwerpunkte von Gesundheitsgefahren

am Bau durch gewerkeübergreifende Planung und Ausführung:

– Umgang und Benutzen von Leitern

– Gerüstbau und Gerüstnutzung

– Multifaktorielle Verursachung von Unfällen (Arbeiten unter Zeitdruck, unter

körperlichen und psychischen Belastungen, Umgebungsbedingungen, ...),

– Entsorgung

– Zugang und Absicherung der Baustelle

– Logistik, Transport und Lagerung auf Baustellen

– Instandhaltung (Planung, Organisation, Durchführung)

– Umgang mit Gefahrstoffen

• Einsparung von Aufwand durch Optimierung von sicherheitstechnischen Lösungen

für unterschiedliche ausführende Firmen

• Störungen im Bauablauf vermeiden

• Optimierung späterer Arbeiten an der baulichen Anlage.

1.5 Präventionsinstrumente der Baustellenverordnung

Auf eine Zusammenstellung der inhaltlichen Anforderungen an den SiGe-Plan, die Unterlage

für spätere Arbeiten an der baulichen Anlage sowie die Vorankündigung für die

Ausführung des Bauvorhabens wird hier verzichtet. 24 Schwerpunkt der Betrachtung ist

das Grundverständnis, wie mit den Instrumenten gearbeitet werden sollte sowie welche

Nutzenkriterien potenziell für die Evaluation von Bedeutung sind.

Zum SiGe-Plan:

Ist ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan zu erarbeiten, muss dieses Präventionsinstrument

bereits in der Planungsphase ansetzen.

In der Ausführungsphase muss der SiGe-Plan bei erheblichen Änderungen angepasst

und fortgeschrieben werden.

24 Begrifflichkeiten und Inhalte orientieren sich an der RAB 31, RAB 32 und RAB 10

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 20 von 444


1 Ausgangslage

Der Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan

• muss bereits bei der Planung der Ausführung des Bauvorhabens erstellt werden,

damit er frühzeitig von allen Beteiligten für die Vorbereitung und Durchführung von

Arbeiten genutzt werden kann; nur bei rechtzeitiger Erstellung des Sicherheits- und

Gesundheitsschutzplans können die daraus gewonnenen Erkenntnisse in der

Angebotsbearbeitung berücksichtigt werden;

• ist für alle Beteiligten ein Arbeitsinstrument, um Gefährdungen zu erkennen und

notwendige Maßnahmen frühzeitig zu planen und umzusetzen; um einen reibungslosen

Ablauf zu gewährleisten, ist es unbedingt erforderlich, den Sicherheits- und

Gesundheitsschutzplan allen am Bauvorhaben Beteiligten frühzeitig zur Verfügung

zu stellen;

• sollte vor Ort während der Arbeitszeit einsehbar sein.

Welche Nutzenpotenziale liegen im Präventionsinstrument SiGe-Plan?

• Vorausschauendes Erkennen von Gefährdungen und daraus abzuleitende

Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheitsschutz

• Beiträge zur Gewährleistung der termingerechten Fertigstellung

• Einsparung von Aufwand durch Mehrfachnutzung von sicherheitstechnischen

Lösungen

• Mögliche weitere Nutzenpotentiale liegen in insgesamt besseren Abläufen und

Kosteneinsparungen.

Zur Unterlage für spätere Arbeiten an der baulichen Anlage:

Die Unterlage ist frühzeitig während der Planungsphase zusammenzustellen. Sie soll

damit bereits vor der Ausschreibung von Bauleistungen vorliegen, damit die festgelegten

sicherheitstechnischen Maßnahmen baulich berücksichtigt werden können. 25

Die Unterlage für spätere Arbeiten ist spätestens mit der Fertigstellung der Bauarbeiten

dem Bauherrn zu übergeben.

Der Bauherr sollte die Unterlage aufbewahren bzw. dem tatsächlichen Nutzer des

Gebäudes zur Verfügung stellen. Sie stellt eine wertvolle Hilfe bei der Planung, Ausschreibung

und Durchführung späterer Arbeiten dar.

Der Nutzen der Unterlage für spätere Arbeiten an der baulichen Anlage kann in folgenden

Bereichen liegen:

• Erhöhung der Information und Transparenz über die bauliche Anlage

• geringere Dauer späterer Arbeiten

• geringere Kosten späterer Arbeiten

25 Weitere Hinweise zur Erstellung der Unterlage enthält die RAB 32

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 21 von 444


1 Ausgangslage

• höhere Qualität späterer Arbeiten

• Reduzierung von Gefährdungen bei der Durchführung von späteren Arbeiten

• Vermeiden von Improvisationen

• Erhöhung der Akzeptanz durch die Nutzer der baulichen Anlage

• Erhöhung des Marktwerts der baulichen Anlage.

Zur Vorankündigung über die Ausführung des Bauvorhabens:

Die Vorankündigung muss mindestens die Informationen nach Baustellenverordnung

Anhang 1 enthalten. In der RAB 10 ist ein Muster als Anlage 1 vorgegeben.

Welche Nutzenpotenziale resultieren aus dem Instrument Vorankündigung?

• Das zuständige Amt für Arbeitsschutz wird frühzeitig über eine Baustelle informiert.

• Alle Beteiligten erhalten eine verbindliche Übersicht über Ort, Art und Umfang des

Bauvorhabens sowie über die voraussichtliche Zahl der beteiligten Arbeitgeber.

• Die auf der Baustelle Tätigen erhalten einen schnellen Überblick über die Verantwortlichen

der Baustelle.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 22 von 444


2 Ziele der Untersuchung

Ziel des Forschungsvorhabens ist eine systematische Überprüfung der Umsetzung der

Baustellenverordnung hinsichtlich ihrer Wirkung. Weiterhin sollen Handlungsoptionen

für eine bessere Erreichung der Ziele der Baustellenverordnung erarbeitet werden.

Die Baustellenverordnung ist eine Rechtsnorm. Bei ihrer Evaluation geht es auch darum,

Interessenlagen zu ermitteln, da eine Rechtsnorm grundsätzlich immer in die Interessen

der Beteiligten eingreift. Sie soll durch geeignete Anreize bzw. Sanktionen für einen

Ausgleich konkurrierender Interessenlagen im Sinne einer Verbesserung des Gemeinwohls

dienen. Da dem Individualinteresse ein sehr hoher Stellenwert beigemessen

wird, reicht als Begründung für den Erlass von Rechtsvorschriften ein positiver „Interessensaldo“

allein nicht aus. In jedem Rechtssetzungsverfahren ist daher verbindlich

folgenden Fragestellungen Rechnung zu tragen: 26

1. Welche Ziele sollen mit der Rechtsnorm verfolgt werden?

2. Wo wird besonders in berechtigte Interessen der Beteiligten eingegriffen?

3. Ist der beabsichtigte gesetzgeberische Eingriff gerechtfertigt?

4. Sind die geplanten Eingriffe insgesamt angemessen (speziell vor dem Hintergrund

der derzeitigen Deregulierungsdebatte)?

Im Falle einer möglichen Aktualisierung einer Rechtsnorm tritt noch folgende

Fragestellung hinzu:

5. Kann durch Veränderungen an der bestehenden Rechtsnorm, dem dazugehörigem

untergesetzlichen Regelwerk und der Vollzugsstrategie eventuell der

Interessenausgleich verbessert werden?

Diese Fragestellungen können modifiziert auch als Kriterien in die Evaluation der Baustellenverordnung

einfließen.

Die zentrale Zielsetzung der Baustellenverordnung besteht in „der wesentlichen Verbesserung

von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten auf Baustellen“ 27 .

Ziel der Untersuchung muss also eine Überprüfung der Baustellenverordnung hinsichtlich

ihrer Wirkung auf die Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der

Beschäftigten auf Baustellen sein. Eine weiteres Ziel liegt in der Überprüfung der Auswirkungen

auf die Interessenlagen der Beteiligten. Es muss also untersucht werden,

welche Lasten und Kosten durch die Umsetzung der Baustellenverordnung für die unterschiedlichen

Beteiligten entstehen und welche jeweiligen Nutzen diesen Lasten und

Kosten gegenüberstehen. Um zu einem verbesserten Interessenausgleich zu kommen,

26 vgl. „Bundesministerium des Innern: Prüfkatalog zur Feststellung von Selbstregulierungsmöglichkeiten; Anlage 7 zu

§§ 43 Abs. 1 Nr.3 der Gemeinsamen Geschäftsordnung der Bundesministerien, Berlin 2000.

27 § 1 der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen (Baustellenverordnung/BaustellV),

Bundesgesetzblatt I, 1998, Seite 1283, zul. geändert am 23.12.2004 (BGBl. I, S. 3816)

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 23 von 444


2 Ziele der Untersuchung

sind Handlungsoptionen, Handlungsempfehlungen für die Adressaten der Baustellenverordnung

und die am Bau Beteiligten zu entwickeln und grob in ihrer Wirkung zu bewerten.

Diese können Veränderungen an der bestehenden Rechtsnorm, dem dazugehörigem

untergesetzlichen Regelwerk und der Vollzugsstrategie enthalten.

Im Fokus der Untersuchung stehen folgende Ziele:

• Sammlung und statistisch belastbare Auswertung von Erfahrungen und

Erkenntnissen bei der Anwendung und zur Akzeptanz der Baustellenverordnung,

• Ermittlung der Wirkungen der Baustellenverordnung und deren Instrumente auf die

Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten auf

Baustellen,

• Ermittlung der Auswirkungen der Baustellenverordnung angesichts der

Interessenlagen der Beteiligten z. B. in Form von Kosten-Nutzen-Wirkungen für die

Adressaten der Baustellenverordnung,

• Erarbeitung von Optimierungspotenzialen und Handlungsoptionen.

Die Gewährleistung der ausgewogenen Einbeziehung der unterschiedlichen Bauvorhabensarten

in die Untersuchung und die besondere Berücksichtigung von kleinen und

mittleren Bauvorhaben, wurde durch die Auswahl geeigneter Adressaten bei den Beteiligten

(Bauherren, Arbeitgebern, Planern und Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatoren)

sichergestellt (Kapitel 4).

Als Basis für die Untersuchung sollen Kriterien und Kenngrößen, die für eine Evaluation

geeignet sind, entwickelt werden. Die Erhebungsinstrumente Fragebogen und persönliche

Interviews sind dabei besonders geeignet, da es vorrangig darum geht, die

Umsetzung und Wirkung der Baustellenverordnung vor dem Hintergrund der Interessenlagen

der verschiedenen Beteiligten zu ermitteln. Die Kriterien der Beurteilung sollen

dabei nicht nur einseitig von erfassbaren Ergebnissen (beispielsweise Vermeidung

bzw. Beseitigung von Gefährdungen und Belastungen, tatsächlich entstandener Aufwand

für Koordination usw.) ausgehen, sondern auch die mögliche Entwicklung von

strukturellen Potenzialen für künftige Bauvorhaben einschließen (beispielsweise Kompetenzentwicklung,

vielfach nutzbare Ablaufregeln, weitere Umsetzungsinstrumente

usw.).

Die Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz wird nicht nur über die Vermeidung

oder Reduzierung von Gefährdungen durch Umsetzung der Baustellenverordnung

zu bewerten sein, sondern über die Baustellenverordnung hinaus auch über

die Etablierung von Konzepten im Baumanagement generell als Voraussetzung für eine

stabile dauerhafte Denk- und Handlungsweise bei den am Bau Beteiligten, vorrangig

beim Bauherrn.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 24 von 444


2 Ziele der Untersuchung

Die Veränderung der betrieblichen Organisation/Baustellenorganisation durch wirkungsvolle

Einordnung der Anliegen der Baustellenverordnung in die betriebliche Organisation

und Bauabläufe, ist als strukturelle Veränderung einzubeziehen. Motivations-

und Akzeptanzförderung für Sicherheit und Gesundheitsschutz im Bausektor gehören

ebenfalls zur nachhaltigen Verankerung. Daher sind für die Befragungen auch Kriterien

zur Erkundung von Akzeptanz und Motivation im Zusammenhang mit der Umsetzung

der Baustellenverordnung zu entwickeln.

Ein spezifisches Problem ist die Erfassung und Beurteilung von Kosten-Nutzen-Kriterien.

Alle verfügbaren Methoden zur Wirtschaftlichkeit im Arbeitsschutz (eine aktuelle

bilanzierende Zusammenstellung hierfür verfügbarer Konzepte enthält der Fb 962 der

BAuA von 2002) 28 haben ihre Grenzen. Es wurde für das Vorhaben deshalb ein pragmatischer

Ansatz gewählt. Zu berücksichtigen sind grundsätzliche zeitgemäße Ansätze,

wie sie von Langhoff vorgelegt wurden. 29

Generelle Ansätze zu Indikatoren und Parameter zur Bewertung der Qualität des Arbeitsschutzes

wurden allgemeingültig entwickelt (BAuA Fb 959 von 2002) 30 . Sie bilden

eine Basis für die spezifische Bestimmung von Kriterien.

Für die Entwicklung der Handlungsoptionen für die Adressaten der Baustellenverordnung

und die am Bau Beteiligten, werden die im Projektverlauf sichtbar gewordenen

Hemmnisse für die Umsetzung der Baustellenverordnung zusammenfassend dargestellt.

Soweit möglich, werden abschließend Optimierungspotenziale und Handlungsoptionen

für die betroffenen Gruppen vorgeschlagen.

28 Fröhner, K.-D.; Boothby, St.; Schulze, Th.: Bilanzierung von Verfahren der Erweiterten Wirtschaftlichkeit in der Praxis.

BAuA-Forschungsbericht Fb 962, Dortmund/Berlin 2002

29 Langhoff, T.: Ergebnisorientierter Arbeitsschutz – Bilanzierung und Perspektiven eines innovativen Ansatzes zur

betrieblichen Arbeitsschutzökonomie. BAuA-Forschungsbericht Fb 955, Dortmund/Berlin 2002

30 Hamacher, W.; Jochum, Chr.; Lins, St.; Ritter, A.:Indikatoren und Parameter zur Bewertung der Qualität des

Arbeitsschutzes im Hinblick auf Arbeitsschutzmanagementsysteme. BAuA-Forschungsbericht Fb 959,

Dortmund/Berlin 2002

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 25 von 444


3 Vorgehensweise und Untersuchungsmethodik

3.1 Vorgehensweise

Die Durchführung des Forschungsvorhabens erfolgte nach den in der Tabelle 6 beschriebenen

Arbeitsschritten.

Tabelle 6: Arbeitsschritte im Projekt und wesentliche Inhalte

Arbeitsschritte Wesentliche Inhalte

1. Entwicklung von Kriterien und

Kenngrößen, die für eine praktikable

Erfassung und Evalution

geeignet sind

2. Auswahl näher zu untersuchender

Bauvorhaben nach vorgegebenen

Kriterien

3. Sichtung, Analyse und Bewertung

vorhandener Vorschläge zur

Realisierung der Forderungen der

Baustellenverordnung

4. Untersuchung der ausgewählten

Bauvorhaben anhand geeigneter,

in Abstimmung mit der projektbegleitenden

Gruppe der BAuA zu erarbeitender

Befragungsunterlagen

zur Umsetzung der Baustellenverordnung

5. Ermittlung typischer Umsetzungs-

und Akzeptanzprobleme bei

den jeweiligen Baubeteiligten

Fortsetzung – Tabelle 6 – nächste Seite

Die Kerninhalte der Baustellenverordnung waren für

eine Umsetzungsanalyse zu systematisieren. Zu bestimmen

waren Kriterien für eine Beurteilung dieser

Kerninhalte. Dazu wurde die Integration der Baustellenverordnung

in den Bauablauf für die jeweiligen

Adressatengruppe erarbeitet sowie Grundhypothesen

und ein Indikatorensystem mit Teilhypothesen sowie

allgemeinen zugehörigen Fragestellungen erstellt.

Die Gewährleistung der ausgewogenen Einbeziehung

der unterschiedlichen Bauvorhabensarten in die Untersuchung

wurde durch die Auswahl geeigneter Adressaten

bei Bauherren, Arbeitgebern, Planern und Koordinatoren

sichergestellt.

Vorhandene Vorschläge, Regeln, Vorlagen und Hilfsmittel

wurden gesichtet, analysiert und bewertet, in Bezug

auf mögliche Berücksichtigung in den Befragungen

und deren Auswertungen.

Mittels standardisierter Fragebögen und persönlicher

Interviews wurden quantitative und qualitative

Befragungen durchgeführt.

Die in Arbeitsschritt 4 erhaltenen Informationen wurden

auf typische Umsetzungs- und Akzeptanzprobleme

bei den jeweiligen Baubeteiligten untersucht. Zusätzlich

fanden Informations- und Rückkopplungsgespräche

mit den Verbandsvertretern der am Bau Beteiligten

statt.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 26 von 444


3 Vorgehensweise und Untersuchungsmethodik

Fortsetzung – Tabelle 6: Arbeitsschritte im Projekt und wesentliche Inhalte

Arbeitsschritte Wesentliche Inhalte

6. Ermittlung und Gewinnung zusätzlich

erforderlicher Informationen,

z. B. bei Gewerbeaufsichtsämtern/Ämtern

für Arbeitsschutz

und Berufsgenossenschaften,

Handwerks- und Industrieverbänden

etc.

7. Auswertung und Aufbereitung

der Untersuchungsergebnisse,

Schlussfolgerungen, Ableitung von

Handlungsempfehlungen

Berichte der Arbeitsschutzverwaltungen wurden bezüglich

Erkenntnissen zu möglichen Defiziten im Vollzug

der Baustellenverordnung gesichtet. Daten und

Ergebnisse der Aktion „Netzwerk Baustelle“ wurden für

das Projekt genutzt.

Aus den ausgewerteten und aufbereiteten Ergebnissen

wurden Handlungsempfehlungen für die Adressaten

der Baustellenverordnung und die am Bau Beteiligten

zusammengestellt.

8. Zusammenfassung und Bericht Die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsschritte wurden

dokumentiert und in den Endbericht aufgenommen.

Von besonderer Bedeutung für die Durchführung des Vorhabens war eine Rückkoppelung

aus der betrieblichen Praxis und die Einbindung von Vertretern der überbetrieblichen

Arbeitsschutzinstitutionen und beratenden Experten. Dies wurde insbesondere

durch die vom Auftraggeber einberufene projektbegleitende Arbeitsgruppe sichergestellt.

Die betriebliche Praxis wurde durch die Interviews eingebunden.

3.2 Untersuchungsmethodik

Das Vorgehen war geprägt durch eine breite Suche und Sammlung von möglichen Indikatoren

und Fragestellungen zur Beurteilung der Umsetzung der Baustellenverordnung.

Ausgangspunkt für die Suche waren folgende Grundhypothesen zur Wirksamkeit

der Baustellenverordnung:

• Die Baustellenverordnung nützt Bauherren, Bauunternehmen und deren

Beschäftigten.

• Mögliche Vorteile der konsequenten Umsetzung der Baustellenverordnung werden

insbesondere von Bauherren oft nicht erkannt.

• Systematische Handlungskonzepte sind häufig nicht präsent.

• Die wirtschaftlichen Auswirkungen und der Nutzen der Baustellenverordnung sind

nicht bekannt.

• Die Präventionsinstrumente der Baustellenverordnung werden überwiegend formal

angewandt.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 27 von 444


3 Vorgehensweise und Untersuchungsmethodik

Die folgenden Überlegungen für die Bildung von Indikatoren beruhen auf den Eckpunkten

des BMA, der obersten Arbeitsschutzbehörden der Bundesländer, der Träger der

gesetzlichen Unfallversicherung und der Sozialpartner zur Entwicklung und Bewertung

von Konzepten für Arbeitsschutzmanagementsysteme 31 und aus dem Forschungsbericht

Fb 959 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin „Indikatoren und

Parameter zur Bewertung der Qualität des Arbeitsschutzes im Hinblick auf Arbeitsschutzmanagementsysteme“

von Hamacher/Jochum/Lins/Ritter 32 . Als Gliederung dienten

die Teilsysteme Potenziale, Prozesse und Ergebnisse.

3.2.1 Vorbemerkungen und Problemstellungen

Eine optimale Wirksamkeit der Baustellenverordnung kann letztendlich nachgewiesen

werden, wenn eine „wesentliche Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz

der Beschäftigten auf Baustellen“ nach § 1 Absatz 1 erreicht wird, die Effektivität durch

die „richtigen“ Maßnahmen sichergestellt wird, die dazu förderlichen Rahmenbedingungen

bestehen bzw. geschaffen werden und die Maßnahmen und Instrumente kostengünstig

und schnell (Effizienz) wirken. Die Wirksamkeit der Baustellenverordnung zeigt

sich also sowohl bei der Anwendung und der Akzeptanz der Baustellenverordnung, bei

Kosten und Nutzen der Anwendung und bei Wirkungen der Baustellenverordnung auf

die Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz. Es werden also alle inhaltlichen

Schwerpunkte dieses Forschungsvorhabens einbezogen.

Bei der Beurteilung der Wirksamkeit ist zu beachten, dass Aktivitäten für Sicherheit und

Gesundheit auf Baustellen auf Grund vieler rechtlicher Regelungen erfolgen, überwiegend

aber auf der Basis des Bundesrechtes zum Arbeitsschutz. Daneben gibt es weitere

Rechtsquellen, z. B. in den dem Polizeirecht zuzuordnenden Landesbauordnungen.

Viele untergesetzliche Regelungen bestehen ferner bei den Berufsgenossenschaften

als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung.

Die konkrete Arbeitsschutzsituation auf einer Baustelle kann daher – rein öffentlichrechtlich

betrachtet – nicht allein auf der Basis einer Rechtsvorschrift betrachtet werden.

Negative Sachverhalte verstoßen oft gegen mehrere Vorschriften. Analog können

generell positiv zu beurteilende Sachverhalte nicht mit dem Einhalten einer einzigen

Rechtsvorschrift, wie der Baustellenverordnung, in Verbindung gebracht werden.

Natürlich wird die Arbeitsschutzsituation auf einer Baustelle nicht nur durch öffentlichrechtliche

Regulierungen beeinflusst, sondern auch durch privatrechtliche Regelungen

aus Bauverträgen, arbeitsrechtliche Regelungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitneh-

31 Bekanntmachung des BMA vom 1. Februar 1999; Bundesarbeitsblatt 2/1999, S. 43 ff.

Anm.: Diese Eckpunkte wurden inzwischen zum Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme weiterentwickelt.

32 Hamacher, W.; Jochum, Chr.; Lins, St.; Ritter, A.:Indikatoren und Parameter zur Bewertung der Qualität des

Arbeitsschutzes im Hinblick uf Arbeitsschutzmanagementsysteme. BAuA-Forschungsbericht Fb 959,

Dortmund/Berlin 2002

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 28 von 444


3 Vorgehensweise und Untersuchungsmethodik

mer, Managementleistungen der am Bau Beteiligten, Einstellungen und Werthaltungen

der Beteiligten, Qualifikationen der Beteiligten etc.

Die Baustellenverordnung und die ihr zuzuordnenden Umsetzungsmaßnahmen sind

also nur ein Faktor unter vielen, welche die SiGe-Situation auf einer Baustelle beeinflussen.

Um die Wirkung speziell der Baustellenverordnung herauszufiltern, sind daher

möglichst spezifische Indikatoren und Fragestellungen zur Evaluation heranzuziehen.

Diese spezifischen Indikatoren können z. B. von den Kerninhalten der Baustellenverordnung

abgeleitet werden. Dies sind z. B. Indikatoren, welche auf die Bauherrenverantwortung

und die Instrumente der Baustellenverordnung Bezug nehmen, ferner Indikatoren,

welche die Voraussetzungen für das Wirken der Baustellenverordnung zum

Inhalt haben, wie z. B. das Koordinieren und das Koordiniert werden.

Für die Teilsysteme Potenziale und Prozesse erscheint es möglich, solche eng mit der

Baustellenverordnung verknüpften Indikatoren zu benennen.

Innerhalb des Teilsystems Ergebnisse ist es schwieriger, baustellenverordnungsspezifische

Wirkungsindikatoren zu bestimmen. Eine Analyse hochaggregierter Daten aus

Unfallstatistiken kann wenig aussagekräftig sein, wenn es nicht möglich ist, Unfallursachen

herauszufiltern, die bei einer konsequenten Umsetzung der Baustellenverordnung

vermieden worden wären. So kann unter anderem eine Reduzierung der Unfallursache

„mangelhafte Gerüste“ sowohl auf die Einhaltung der Baustellenverordnung als

auch der BGV C 22 „Bauarbeiten“ in Verbindung mit der BGR 165 „Gerüstbau“ zurückgeführt

werden.

Von daher verbleibt nur die Möglichkeit, die speziellen Instrumente der Baustellenverordnung

mit den Indikatoren zu verknüpfen und so zu versuchen, die spezifischen Wirkungen

der Baustellenverordnung von den Wirkungen anderen SiGe-Wirkungsmotivatoren

zu trennen. Das ist eine logische Verknüpfung, die aber nicht alle möglichen

Wirkungen der Baustellenverordnung aufdecken kann.

Die im Forschungsbericht Fb 959 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

„Indikatoren und Parameter zur Bewertung der Qualität des Arbeitsschutzes im

Hinblick auf Arbeitsschutzmanagementsysteme“ aufgeführten Indikatoren, die als Basis

für diese Untersuchung genutzt werden sollten, sind aus einem sehr anspruchsvollen

präventiven Arbeitsschutzverständnis für Arbeitsschutzmanagementsysteme entwickelt

worden. Davon ist die deutsche Baustellenwirklichkeit allerdings oft weit entfernt.

Für die Anwendung dieser Indikatoren sprach aber, dass die Baustellenverordnung

nicht abstrakt evaluiert werden sollte, sondern die Wirkung der Umsetzung der Baustellenverordnung.

Damit konnten bei der Evaluation nicht nur eventuelle Schwächen

der Baustellenverordnung, sondern auch der Umsetzung (z. B. der begleitenden Öffentlichkeitsarbeit,

der Qualifizierungsmaßnahmen, der Umsetzungsrahmenbedingun-

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 29 von 444


3 Vorgehensweise und Untersuchungsmethodik

gen) deutlich gemacht werden. Eine Zuordnung der Befunde innerhalb der Befragungen

ausschließlich zur Rechtsverordnung „Baustellenverordnung“, quasi ohne Kontext,

oder ausschließlich zu deren Umsetzungsbedingungen und -maßnahmen war analytisch

nicht möglich. Indikatoren, die eher auf eine tatsächliche Umsetzung und nicht nur

formale Anwendung zielten (wie z. B. die Integration der SiGe-Koordination in die Bauabläufe),

wurden bewusst eingesetzt, um die gegenwärtigen Umsetzungsbedingungen

weitreichend aufzuklären.

Ein weiteres Problem bestand darin, dass mit den vorgesehenen Befragungen (standardisierter

und strukturierter Fragebogen und persönliche Interviews) keine unmittelbaren

Daten über Wirkungen der Baustellenverordnung entstanden, sondern Informationen,

die zu großen Teilen auf persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen der befragten

Akteure beruhten. Anders als bei den eher baustellenbezogenen Daten, die im

Rahmen der Aktion Netzwerk Baustelle 2003 im Rahmen von Baustellenrevisionen

durch das Überwachungspersonal der staatlichen Arbeitsschutzverwaltungen und der

Unfallversicherungsträger erhoben wurden, 33 entstanden bei den in dieser Untersuchung

vorgesehenen Befragungen eher personenbezogene Daten, aus denen auch

generelle baustellenbezogene Erkenntnisse abgeleitet wurden. Dies waren sowohl

leicht objektivierbare Sachverhaltserkenntnisse als auch sehr subjektive Einschätzungen.

So lieferte z. B. die Frage, ob auf einer bestimmten Baustelle die SiGe-Koordination

bzw. einzelne Elemente dieser stattgefunden haben, relativ objektive Erkenntnisse.

Die Fragestellung z. B. nach der Qualität dieser Koordination und deren Wirkung

lieferte dagegen eher subjektive Einschätzungen, auch wenn Beurteilungskriterien zur

Objektivierung angeboten wurden. Durch die Formulierung der Fragen sollte angestrebt

werden, möglichst viele objektivierbare Erkenntnisse zu gewinnen, und z. B. „sozial

erwünschte“ Antworten zu vermeiden bzw. zu vermindern.

Die bei Befragungen gewonnenen Sachinformationen beruhen auf Auskünften von

Personen, die im Bauprozess unterschiedliche Rollen, Interessen und Sichtweisen haben.

Da viele dieser vorgesehenen Befragten, insbesondere die professionell am Bau

Beteiligten, ihre Erkenntnisse und Einschätzungen nicht aus der Erfahrung mit einer

einzigen Baustelle herleiten, bedurfte es einer Hilfskonstruktion. Die Befragenden wurden

aufgefordert, ihre Antworten auf die Erfahrungen mit einer bestimmten Baustelle

zu beziehen. Um sowohl bei den Akteuren als auch bei den indirekt durch die Befragten

vertretenen Baustellen Repräsentativität zu erhalten, mussten beide Ebenen, die

Akteure und die vertretenen Baustellen, in der Stichprobe quotiert werden.

33

Arbeitsgruppe Netzwerk Baustelle; Abschlussberichte der Aktion Netzwerk Baustelle im Rahmen der EU-

Baustellenkampagne 2003 und 2004; Berlin

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 30 von 444


3 Vorgehensweise und Untersuchungsmethodik

3.2.2 Beschreibung eines Indikatorensystems zur Bewertung der Umsetzung der

Baustellenverordnung

Bewertungen müssen auf verschiedene Zeitpunkte und Sachverhalte gerichtet sein

(siehe Bild 5):

• Bewerten der Ergebnisse (erzielte Wirkungen): Dieser Punkt ist rückwärts gewandt

und beschreibt, welche Wirkungen durch die Baustellenverordnung in der Vergangenheit

erzielt wurden. Ein klassisches Beispiel sind Wirkungen der Baustellenverordnung

auf die Sicherheit der Baustellen, z. B. die Verringerung von Absturzunfällen

von gemeinsam genutzten Gerüsten. Es handelt sich hier um „Spätindikatoren“.

• Bewerten, wie die Präventionsinstrumente der Baustellenverordnung im Bauablauf

(Prozesse) aktiv werden: Im Kern geht es darum, wie die Präventionsinstrumente der

Baustellenverordnung in den Phasen des Bauablaufs verankert werden bzw. wie

spezifische Prozesse, z. B. das Anpassen des SiGe-Plans, gestaltet werden. Hier

erfolgt primär für die Gegenwart eine Bewertung von Aktivitäten,

a) wie sie geregelt oder welche feststehenden Verfahrensweisen vorhanden sind

(also das Vorhandensein und die Qualität von Regelungen und Verfahren),

b) ob und wie sie umgesetzt werden,

c) wie man die Dinge tut (einschließlich Bewertung und Verbesserung der Prozesse).

Die Indikatoren geben zeitnah Aufschluss über Stand und Entwicklung. Sie stellen

„Frühindikatoren“ dar.

• Bewerten der Potenziale, welche die Präventionsinstrumente der Baustellenverordnung

im Hinblick auf den Arbeitsschutz entwickeln: Hier geht es um die

Voraussetzungen, welche die Präventionsinstrumente der Baustellenverordnung

schaffen, um den Arbeits- und Gesundheitsschutz auf Baustellen wirkungsvoll zu

betreiben. Eine Bewertung der Potenziale ist zukunftsgerichtet. Es handelt sich

ebenfalls um „Frühindikatoren“.

















Bild 5: Zeitpunkte und Sachverhalte der Bewertung der Präventionsinstrumente der

Baustellenverordnung

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 31 von 444


3 Vorgehensweise und Untersuchungsmethodik

Vor diesem Hintergrund wurde ein Modell eines Indikatorensystems entwickelt, das geeignet

erschien, die Aufgabenstellung der Bewertung der Präventionsinstrumente der

Baustellenverordnung sowie der Beschreibung von Handlungsempfehlungen für die

Adressaten der Baustellenverordnung und die am Bau Beteiligten zu erfüllen. Bild 6

enthält Vorgaben für die weiter zu konkretisierenden Indikatoren.



















Bild 6: Modell eines Indikatorensystems













Die Grundstruktur des Modells gliedert sich entsprechend den Eingangsüberlegungen

in die drei Teilsysteme „Potenziale“, „Prozesse“ und „Ergebnisse“. Die in den Teilsystemen

aufgeführten Aspekte geben eine erste Übersicht der verwendeten Indikatoren.

Das Teilsystem „Potenziale“ stellt die Fähigkeit der Beteiligten am Bauprozess dar, um

wirksamen Arbeits- und Gesundheitsschutz auf Baustellen zu betreiben. Sie charakterisieren

die Voraussetzungen für ein konkretes, zielgerichtetes und effektives Arbeitsschutzhandeln

auf Baustellen. Anhand der aufgeführten Indikatoren wurde eine Bewertung

der Fähigkeiten der Beteiligten am Bauprozess bei der Umsetzung der Baustellenverordnung

vorgenommen.

Im Teilsystem „Prozesse“ geht es um die Bewertung der Anwendung der integrativen

Präventionsinstrumente der Baustellenverordnung im Bauablauf und damit um die Berücksichtigung

von Arbeitsschutzbelangen in den Phasen des Bau- und Planungsablaufs.

Hierbei wurde der Grundgedanke verfolgt, dass die Anwendung der Instrumente

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 32 von 444


3 Vorgehensweise und Untersuchungsmethodik

der Baustellenverordnung systematisch in die Phasen des Bauablaufs integriert wird

und damit die Instrumente zum integralen Bestandteil des betrieblichen Handelns werden.

Die Bewertung der Leistungen der Anwendung der Instrumente der Baustellenverordnung

erfolgt im Teilsystem „Ergebnisse“. Sie sind die Wirkungen, die auf der Grundlage

der Fähigkeiten (Potenziale) durch das konkrete Arbeitsschutzhandeln in den Phasen

des Bauablaufs erzielt werden. Sie beschränken sich nicht nur auf unmittelbare Leistungen

für den Arbeitsschutz, wie z. B. die Wirkungen auf die Arbeitsbedingungen und

die Gesundheit der Beschäftigten, sondern umfassen auch Beiträge zur Mitarbeiterzufriedenheit

oder zur Optimierung und Stabilisierung der Unternehmensergebnisse der

beteiligten Partner.

Die Bewertung von Potenzialen und Prozessen ist zukunfts- und gegenwartsbezogen

ausgerichtet. Die vergangenheitsorientierten Bewertungen der Ergebnisse wurden im

Hinblick auf Maßnahmen in den Teilsystemen der Prozesse und Potenziale ausgewertet

und rückgekoppelt:

• Welche Rückschlüsse sind aus den erreichten Ergebnissen für den erreichten Stand

der Anwendung der Instrumente der Baustellenverordnung in den Phasen des

Bauablaufs zu ziehen?

• Zeigen die Bewertungen im Teilsystem „Ergebnisse“ Handlungsbedarf im Teilsystem

„Prozesse“ auf?

• Zeigen die Bewertungen im Teilsystem „Ergebnisse“ Handlungsbedarf im Teilsystem

„Potenziale“ auf?

• Entsprechen die Ergebnisse dem erreichten Stand der Fähigkeiten?

• Müssen die Fähigkeiten verbessert werden, um bessere Ergebnisse zu erzielen?

Im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses waren die Ergebnisse auf die

Prozesse und Potenziale sowie die Prozesse auf die Potenziale zurückzuführen. Die

drei Felder waren in Form eines Regelkreismodells miteinander zu verbinden. Dieses

Modell half, Ziele und Strategien in Aktionen umzusetzen.

Zur vertiefenden Bewertung im Bereich der einzelnen Indikatoren wurden Arbeitshypothesen

formuliert, und entsprechende Fragestellungen überprüft. Die Anlage 1 zeigt die

Integration der Baustellenverordnung in den Bauablauf für die jeweilige Adressatengruppe.

Die Darstellungen waren Grundlage für die Ermittlung der Indikatoren und Fragestellungen

im Teilsystem Prozesse. Insbesondere der Fertigungsvorgang Baustelle

ist Zeitpunkt und Ort für die Wirkung der Baustellenverordnung. Dort muss das von der

Baustellenverordnung vorgegebene Ziel der „wesentlichen Verbesserung von Sicherheit

und Gesundheitsschutz auf Baustellen“ realisiert werden.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 33 von 444


3 Vorgehensweise und Untersuchungsmethodik

3.3 Literaturauswertung

Im Rahmen der Forschungsarbeit wurde vorhandene Literatur gesichtet und ausgewertet.

Bedeutende und relevante Aussagen zum Untersuchungsziel wurden dabei jedoch

nicht gesehen. Folgende Literatur wurde geprüft:

– G. Weber; S. Arndt; T. Frick; M. Jäger: Arbeitsschutzgerechte Planung späterer

Arbeiten an baulichen Anlagen. Wirtschaftsverlag NW, Bremerhaven, 2004

– N. Kollmer: Baustellenverordnung. Verlag C. H. Beck, München, 2000 und 2004

– Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit: Bericht der Bundesregierung 2003 -

Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. www.baua.de, 2003

– R. Tepasse: Sicherheits- und Gesundheitsschutz-Koordination auf Baustellen. Erich

Schmidt Verlag, Berlin, 1999 und 2001

– Prof. R. Scholbeck; A. Höptner: Arbeitsschutzmanagement im Bauwesen.

Jedermann-Verlag, Heidelberg, 2001

– F. Berner: Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen in Deutschland und

Österreich, Bauwerk Verlag, Berlin, 2000

– C. Kinias; H. Timm: Der Sicherheitskoordinator. C. F. Müller Verlag, Heidelberg,

2000

– Schach, Rainer [Hrsg.]: Ergebnisse eines Workshops vom 24. März 2000.

Eigenverlag, Dresden, 2000

– Schach, Rainer [Hrsg.]: Koordinatoren-Forum - 29. Oktober 2002 in Dresden.

Eigenverlag, Dresden, 2002

– Schach, Rainer [Hrsg.]: 3. Koordinatoren-Forum - 8. Oktober 2004 in Dresden.

Eigenverlag, Dresden, 2004

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 34 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

Zur Datenerhebung lassen sich verschiedene Techniken einsetzen. Für eine konkrete

Situation ist jeweils auszuwählen, welche Erhebungstechnik für diesen Fall die günstigste

ist. Im folgenden werden die gängigsten Erhebungstechniken kurz vorgestellt.

Bei der Herkunft der Daten kann man zwischen Primär- und Sekundärerhebung unterscheiden

(Bild 7). Bei der Primärerhebungen wird das Datenmaterial konkret für die

Untersuchung erhoben, bei der Sekundärerhebungen wird auf vorhandene Daten zurückgegriffen.

34

Sekundärstatistik Primärstatistik

Betriebsintern

Betriebsintern

Erhebung

Befragung Beobachtung Experiment

Bild 7: Erhebungsformen der statistischen Forschung

Automatische

Erfassung

Quellen für Sekundärerhebungen können in einem Unternehmen oder außerhalb liegen.

Die wichtigste betriebsexterne Quelle ist die amtliche Statistik. So werden insbesondere

vom Statistischen Bundesamt eine große Anzahl von Schriften herausgegeben,

die stark untergliedertes Zahlenmaterial zu speziellen Problemen enthalten. Weitere

Quellen für sekundärstatistische Daten sind nationale und supranationale Behörden

(z. B. EG, OECD), die Deutsche Bundesbank, die Bundesanstalt für Arbeit, Industrie-

und Handelskammern, Verbände, große Verlage und Marktforschungsinstitute. 35

In der Primärstatistik werden verschiedene Methoden zur Erhebung der gewünschten

Daten angewandt. Die wichtigsten sind die Befragung, die Beobachtung, das Experiment

und die automatische Erfassung. 36

Die Befragung unterscheidet zwei Formen: die mündliche oder schriftliche Befragung,

als Interview oder Fragebogen. 37

34

Pflaumer, Peter; Heine, Barbara; Hartung, Joachim: Statistik für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: Deskriptive

Statistik. 2. Aufl., München; Wien: Oldenbourg, 2001, S. 11

35

Holland, Heinrich; Scharnbacher, Kurt: Grundlagen der Statistik. 3. Aufl., Wiesbaden: Gabler, 1998, S. 12

36

vgl. Holland, Heinrich; Scharnbacher, Kurt: Grundlagen der Statistik. 3. Aufl., Wiesbaden: Gabler, 1998, S. 11

37

Remitschka, Ralph: Erhebungstechniken. In: Frese, Erich (Hg.): Handwörterbuch der Organisation. 3. Aufl., Stuttgart:

Poeschel, 1999, S. 599 - 611, hier S. 600

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 35 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

Bei einem Interview werden in einem Gespräch zwischen Frager und Befragtem Informationen

durch gezielte Fragen erhoben. Dabei kann auf alle denkbaren Erhebungsinhalte

eingegangen werden, was eine große Vollständigkeit ermöglicht.

Der Fragebogen entspricht weitestgehend einem standardisierten Interview, wobei die

Fragen nicht mehr vom Interviewer vorgelesen, sondern den Befragten in einem gleichlautenden

Fragebogen vorliegen. Zur Beantwortung und Rückgabe des Fragebogens

steht den Befragten eine angemessene Zeitspanne zur Verfügung. Nach der Übergabe

des Fragebogens hat der Befragte keine Möglichkeit mehr, in den Beantwortungsprozess

einzugreifen. Somit ist auf eine bedeutungsgerechte Formulierung der Fragen

und eine sinnvolle Fragenfolge sowie die Verständlichkeit der Fragen zu achten. 38

Die Beobachtung, das Experiment und die automatische Erfassung seien an dieser

Stelle auf Grund der Vollständigkeit als mögliche Form für eine statistische Erhebung

genannt, jedoch nicht näher erläutert.

Die der Untersuchung im Rahmen dieses Forschungsvorhabens zugrunde liegende

Datenerhebung bediente sich der beiden genannten, auch in der empirischen Sozialforschung

am häufigsten angewandten Erhebungsinstrumente:

der schriftlichen Befragung mittels eines standardisierten und strukturierten

Fragebogens

der mündlichen Befragung mittels eines persönlichen leitfadengestützten Interviews

auf Basis eines standardisierten Leitfadens.

Der Auswahl und Kombination dieser Verfahren lagen methodische, inhaltlich-konzeptionelle

und erhebungstechnische Überlegungen zugrunde. Die Untersuchung zielte

darauf ab, bundesweit umfassende Daten über die Wirkung der Baustellenverordnung

zu erhalten. Angestrebt wurde eine breite, über die Singularität von Untersuchungen

einzelner Baustellen/Adressaten hinausgehende Datenbasis.

Eine breit angelegte, das gesamte Bundesgebiet abdeckende fragebogenbasierte Untersuchung

sollte wissenschaftlich fundierte und repräsentative Ergebnisse liefern. Um

zu vertiefenden oder relativierenden Hintergrundinformationen zu kommen und den

Adressaten der Untersuchung (siehe hierzu Abschnitt 4.1 und 4.3) Chancen der Erläuterung

zu bieten, war es erforderlich, zusätzlich zur fragebogenbasierten Untersuchung

persönliche Interviews durchzuführen.

Die Erhebungsinstrumente Fragebogen und persönliche Interviews wurden zeitlich versetzt

angewandt. Dies gab die Gelegenheit, Ergebnisse der statistischen Auswertung

der schriftlichen Befragung in die nachfolgenden vertiefenden Interviews einzubeziehen.

Die Ergebnisse der fragebogenbasierten Untersuchung wurden mit den Ergebnis-

38 vgl. Remitschka, Ralph: Erhebungstechniken. In: Frese, Erich (Hrsg.): Handwörterbuch der Organisation. 3. Aufl.,

Stuttgart: Poeschel, 1999, S. 599 - 611, hier S. 600 - 604

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 36 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

sen der Interviews verglichen. Danach erfolgte die Gesamtauswertung der empirischen

Untersuchung.

4.1 Grundgesamtheiten und Adressaten

Die statistische Grundgesamtheit umfasst die Menge aller statistischen Einheiten, über

welche man Aussagen gewinnen möchte. Diese muss klar umgrenzt sein und sollte im

Hinblick auf die interessierende Fragestellung eine möglichst große Relevanz besitzen.

39

Um über die Grundgesamtheit Aussagen treffen zu können, ist es notwendig, eine geeignete

Stichprobe zu bestimmen. Diese Stichprobe beschreibt die tatsächlich untersuchte

Teilmenge der Grundgesamtheit und sollte ein möglichst genaues Abbild dieser

widerspiegeln, denn nur dadurch ist die Repräsentativität der getroffenen Aussagen in

Bezug auf die Grundgesamtheit gewährleistet. 40 Die Repräsentativität der Stichprobe

bestimmt sich aus der Stichprobenauswahl, dem Stichprobenumfang und der Stichprobenverteilung.

Für das Forschungsprojekt ergab sich diese Grundgesamtheit aus den am Bau Beteiligten,

unterteilt in die Adressatengruppen Bauherren, Planer, Bauunternehmer und

SiGeKo. Als geografisches Abgrenzungsmerkmal diente die Bundesrepublik Deutschland.

Die Stichprobenverteilung orientierte sich an der Bevölkerungsverteilung der Bundesrepublik

Deutschland aus dem Jahr 2003 (Bild 8) und an dem baugewerblichen Umsatz

in den einzelnen Bundesländern in 2002 (Bild 9). Zusätzlich wurde der baugewerbliche

Umsatz in den Sparten Hochbau und Tiefbau genutzt (Bild 10), um die Repräsentativität

zu gewährleisten. Andere Zahlen eigneten sich nicht zur Sicherstellung der Repräsentativität

bezüglich der Grundgesamtheit, da einerseits die sehr heterogene Struktur

der Adressaten und andererseits das Fehlen statistisch gesicherten Zahlenmaterials

das Bilden von Referenzzahlen unmöglich machte.

39 vgl. Fahrmeir, Statistik, 1999, S. 13

40 vgl. Fahrmeir 1999, S. 14

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 37 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

Baden-Würtemberg

Bayern

Berlin

Brandenburg

Bremen

Hamburg

Hessen

Mecklenburg-Vorpommern

Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen

Rheinland-Pfalz

Saarland

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Schleswig-Holstein

Thüringen

Bevölkerung in 2003 (in %)

[stat. Bundesamt 2003]

Stichprobenverteilung (in %)

0 5 10 15 20 25

Bild 8: Gegenüberstellung der Stichprobenverteilung zur Bevölkerungsverteilung der

Bundesrepublik Deutschland 2003

Baden-Würtemberg

Bayern

Berlin

Brandenburg

Bremen

Hamburg

Hessen

Mecklenburg-Vorpommern

Niedersachsen

Nordrhein-Westfalen

Rheinland-Pfalz

Saarland

Sachsen

Sachsen-Anhalt

Schleswig-Holstein

Thüringen

Baugewerblicher Umsatz 2002 (in %)

[stat. Bundesamt 2003]

Stichprobenverteilung (in %)

0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20

Bild 9: Gegenüberstellung der Stichprobenverteilung zum baugewerblichen Umsatz der

Bundesrepublik Deutschland 2002 nach Bundesländern

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 38 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

80

70

60

50

40

30

20

10

0

Hochbau Tiefbau

Baugewerblicher Umsatz 2002 (in %)

[stat. Bundesamt 2003]

Stichprobenverteilung (in %)

Bild 10: Gegenüberstellung der Stichprobenverteilung zum baugewerblichen Umsatz

der Bundesrepublik Deutschland 2002 nach Hoch- und Tiefbau

Über die Befragungen der Adressaten: Bauherren, Planer, Arbeitgeber, Koordinatoren

sollten Informationen über die Wirkung der Baustellenverordnung und ihrer Instrumente

erkundet werden. Zur statistischen Einordnung und der Gewinnung zusätzlicher Erkenntnisse

innerhalb der Adressatengruppen der Erhebung sollten die Kriterien Bauaufgaben,

Altbau/Neubau, Zahl der beteiligten Arbeitgeber, Baustellengröße, Auftraggeber

und die Tatsache, ob gefährliche Arbeiten ausgeführt werden, abgedeckt sein

(Bild 11). Dazu mussten die unterschiedlichen Adressaten und Baustellenarten bei den

Befragungen ausreichend berücksichtigt werden. Dies diente auch dazu, unterschiedliche

Sichtweisen und interessengebundene Wahrnehmungen auszugleichen.

Adressaten Bauaufgabe Altbau/

Neubau

Bauherr

Planer

Arbeitgeber

Koordinator

Hochbau

Tiefbau

Neubau

Altbau

Zahl der

beteiligten

Arbeitgeber

> 1

1

Baustellen-

größe

groß

mittel

klein

Auftrag-

geber

öffentlich

nicht-öffentlich

Besonders

gefährliche

Arbeiten

... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ... ...

Bild 11: Auszug der Matrix der Adressaten und der abzudeckenden weiteren Kriterien

Neben den in der ursprünglichen Ausschreibung vorgesehenen Adressaten Bauherren

und Arbeitgeber wurden auch die Planer und SiGe-Koordinatoren als Adressaten vorgesehen,

um deren Erfahrungen und Praxisbezug zu nutzen.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 39 von 444

ja

nein


4 Erhebungsmittel und -methoden

Da statistische Daten zu Baustellen weder von der amtlichen Statistik noch von anderen

Institutionen regelmäßig und vollständig erhoben werden, mussten Grundlagen zur

Wichtung meist von anderen Daten abgeleitet werden, z. B. von den Daten über die

Bauinvestitionen, die Arbeitsstunden etc.

4.1.1 Kriterium „Bauaufgabe“

In Bild 11 ist das Kriterium Bauaufgabe in Hochbau und Tiefbau aufgeteilt. Diese Aufteilung

erfolgte in Analogie zur amtlichen Statistik, die über die Tätigkeit der Unternehmen

des Baugewerbes in diesen Tätigkeitsfeldern die genauesten und vollständigsten

Daten lieferten. Nach der amtlichen Statistik (WZ 93) umfasst das Baugewerbe die vorbereitenden

Baustellenarbeiten, Hoch- und Tiefbau, die Bauinstallationen und das sonstige

Baugewerbe. Für die vorbereitenden Baustellenarbeiten, den Hoch- und Tiefbau

erfolgt eine Totalerhebung durch die amtliche Statistik, was eine Wichtung für diese

Unternehmen und Bauarbeiten erleichterte. Für die Bauinstallation und das sonstige

Baugewerbe finden regelmäßige Erhebungen nur für Unternehmen mit 20 und mehr

Beschäftigten statt, was für deren Wichtung Korrekturen erforderlich machte.

Bauaufgabe

Vorbereitende Baustellenarbeiten,

Hoch- und Tiefbau,

alle Betriebe

Hochbau Tiefbau

Bauinstallation,

Betriebe mit 20 Beschäftigten

und mehr

sonst. Baugewerbe,

Betriebe mit 20 Beschäftigten

und mehr

Arbeitsstunden

41 655 Mio. Std. 365 Mio. Std. 267 Mio. Std. 128 Mio. Std.

2002

Bild 12: Systematik nach Bauaufgaben

Die Begriffe „Hochbau“ und „Tiefbau“ in dieser Systematik bedeuten nicht bestimmte

Bauwerksarten, sondern Tätigkeiten von Unternehmen. Um die Bauinstallationen und

das sonstige Baugewerbe (z. B. Ausbauarbeiten) bei den Adressaten und den abzudeckenden

Kriterien zu berücksichtigen, mussten sowohl entsprechende Arbeitgeber als

auch Baustellen mit entsprechenden Tätigkeiten in die Befragung einbezogen werden,

z. B. indem bei Baustellen des Hochbaus auch auf die Installateure und Ausbauunternehmen

eingegangen wird.

Wie problematisch die obigen Angaben zu den Bauinstallationen und dem sonstigen

Baugewerbe sind, kann man daran ermessen, dass im Jahr 2002 allein das Elektro-

41 Statistisches Bundesamt, Ausgewählte Zahlen für die Bauwirtschaft, Dezember und Jahr 2002, S. 13 u. S. 112

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 40 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

techniker-Handwerk 78.698 Betriebe umfasste, die 370.900 Beschäftigte hatten. 42 Das

entspricht mindestens 580 Mio. Arbeitsstunden, die allerdings nicht allein an Bauwerken

geleistet wurden, sondern z. B. auch beim Anlagenbau. Im Sanitär-, Heizungs- und

Klimahandwerk gab es im Jahr 2002 49.330 Betriebe mit 336.000 Beschäftigten. Das

entspricht rund 530 Mio. Arbeitsstunden, die mit hoher Sicherheit zu über 95 % an

Bauwerken geleistet wurden. Nicht alle diese Arbeiten finden auf Baustellen im Sinne

der Baustellenverordnung statt, da auch reine Wartungsarbeiten an Bauwerken bzw.

an mit diesen fest verbundenen Anlagen dazu gehören. Deutlich wird aber, dass die

Zahlen der amtlichen Statistik zu einer krassen Unterbewertung der Bauinstallationen

und des sonstigen Baugewerbes führen würden. Auch die Wertschöpfungsanteile der

Betriebe der Bereiche Bauinstallation und sonstiges Baugewerbe liegen heute beim

Hochbau (Neubau) über 50 %; beim Bauen im Gebäudebestand ist der Wertschöpfungsanteil

noch höher. Dies wird durch die DIW-Bauvolumensberechnung 43 bestätigt,

die für 2002 das Bauvolumen im Wohnungsbau für die Bereiche Baugewerbe Hochbau

und Tiefbau mit 30.764 Mio. €, für die Bereiche Bauinstallationen und sonstiges Baugewerbe

mit 70.993 Mio. € ausweist. Bei der Auswahl der Adressaten wurde daher versucht,

diese Betriebe bzw. diese Bauarbeiten angemessen zu beteiligen.

4.1.2 Kriterium „Altbau/Neubau“

Der Anteil des Bauens im Bauwerksbestand ist in den letzten Jahrzehnten laufend gestiegen.

Aussagekräftige Zahlen gibt es allerdings nur für den Wohnungsbau, wobei

davon ausgegangen wurde, dass sich diese Zahlen auf den gesamten Hochbau (Wohnungsbau,

gewerblicher Hochbau, öffentlicher Hochbau) mit einer für diese Untersuchung

hinreichenden Plausibilität übertragen lassen. Im Wohnungsbau werden die

Bauleistungen an bestehenden Gebäuden (einschließlich der Produktionsbeiträge anderer

Bereiche, wie z. B. Planungsleistungen) vom DIW durch eine Differenzrechnung

des gesamten Wohnungsbauvolumens und des Wohnungsneubauvolumens errechnet.

Hieraus ist deutlich zu erkennen, dass das Baugeschehen im Wohnungsbau zunehmend

vom Bauen im Bestand geprägt wird (Tabelle 7). Auch im sonstigen Hochbau ist

davon auszugehen, dass mindestens die Hälfte des Bauvolumens durch Bestandsmaßnahmen

erreicht wird. Eine Übertragung auf den Tiefbau/Ingenieurbau ist durch

einfachen Analogieschluss nicht möglich. Statistische Erhebungen gibt es zu dieser

Fraugestellung nicht. Eine Unterscheidung und getrennte Auswertung der Umsetzung

der Baustellenverordnung bei Neubauten und Bestandsmaßnahmen erscheint aber

dringend, da die Gefährdungssituation auf Baustellen von Bestandsmaßnahmen zu

42 www.zveh.de/OffenerBereich/PDF_2003/Tab-Betriebe-01-2003.PDF vom 03.02.2004

43 Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: DIW-Bauvolumensrechnung nach Regionen, Baubereichen (WZ93) und

Produzentengruppen – Zeitreihen, Beschreibung der Zeitreihen Bauvolumen, Wohnungsbau, Baugewerbe

Hochbau, Tiefbau, Bundesrepublik Deutschland. in Mio. EUR, Pr. v. 1995; und: Beschreibung der Zeitreihen

Bauvolumen, Wohnungsbau, Bauinstallationen, sonst. Baugewerbe, Bundesrepublik Deutschland. in Mio. EUR, Pr.

v. 1995 (beide Zeitreihen aus dem internet unter: http://smith.diw.de:8282/statfinder_neu/widab_cgi-bin/s_var2.pl

am 03.02.2004)

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 41 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

einem erheblichen Anteil durch das bestehende, eventuell noch in Betrieb befindliche

Bauwerk geprägt wird. Ferner gibt es Bestandsmaßnahmen, die die Größenordnung

von großen Neubaumaßnahmen erreichen, wie z. B. Kaufhausmodernisierungen, Streckeninstandsetzungen

bei der Bahn, Konversionsprojekte. Auf der anderen Seite erscheint

es plausibel, dass zu den Bestandsmaßnahmen eine größere Zahl von kleinen

Maßnahmen mit wenigen beteiligten Arbeitgebern gehört, wie z. B. Wohnungsmodernisierungen,

Kanalsanierungen. Unter Abwägung all dieser Gesichtspunkte sollten bei

den Befragungen Maßnahmen im Bestand zu etwa 50 % berücksichtigt werden.

Tabelle 7: Struktur der Wohnungsbauleistungen in Deutschland Ost und West

Struktur der Wohnungsbauleistungen 44

Neubauvolumen Modernisierung und Instandsetzung

Westdeutschland 1999 64,7 Mrd. Euro 51 % 63,2 Mrd. Euro 49 %

Ostdeutschland 1999 13,3 Mrd. Euro 44 % 16,9 Mrd. Euro 56 %

Westdeutschland 2000 60,7 Mrd. Euro 48 % 66,9 Mrd. Euro 52 %

Ostdeutschland 2000 10,9 Mrd. Euro 42 % 15,2 Mrd. Euro 58 %

Prognose des DIW für Deutschland 2003 52,7 Mrd. Euro 37 % 89,7 Mrd. Euro 63 %

4.1.3 Kriterium „Zahl der beteiligten Arbeitgeber“

Baumaßnahmen mit nur einem Arbeitgeber dürften angesichts der Spezialisierung und

der Zunahme der Nachunternehmerleistungen im Bauhauptgewerbe selten sein. Der

Anteil der Nachunternehmerleistungen betrug 1998 für alle Unternehmen 28,8 % am

Bruttoproduktionswert. 45 Bei den Baustellen-Revisionen der Aktion Netzwerk Baustelle

im Rahmen der EU-Baustellenkampagne 2003 ergab sich, dass für 2 % der Baustellen

kein Koordinator erforderlich war. 46 Das ist darauf zurückzuführen, dass auf diesen

Baustellen nicht Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig waren. Von einer Quotierung

dieser Baustellen mit nur einem Arbeitgeber für die Stichprobe wurde abgesehen. Die

Zahl der Arbeitgeber wurde in der Befragung aber abgefragt. Für die Quotierung der

Stichprobe erschien eine Aufteilung in zwei Gruppen mit Baustellen mit einem beteiligten

Arbeitgeber und mit mehreren Arbeitgebern hinreichend zielgenau.

44 Bartholmai, Bernd; Wohnungsneubau weiter auf niedrigem Niveau – Modernisierung und Instandsetzung stehen im

Vordergrund, Tab. 4, in: DIW-Wochenbericht 34/02, Berlin, 2002

45 Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V.: Die Bauwirtschaft im Zahlenbild. 2001, Seite 29, Berlin, 2001

46 Arbeitsgruppe Netzwerk Baustelle: Abschlussbericht der Aktion Netzwerk Baustelle im Rahmen der EU-

Baustellenkampagne 2003, Entwurf Stand 22.12.2003, unveröffentlichtes Manuskript, Wiesbaden 2003

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 42 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

4.1.4 Kriterium „Baustellengröße“

Über die Größenverteilung innerhalb einzelner Bauvorhabensarten, z. B. nach den

Baukosten, gibt es keine vollständigen Daten. Es gibt aus der amtlichen Statistik lediglich

Daten zu den veranschlagten Baukosten von Hochbauten. Diese Daten sind die

einzigen Kostendaten in der Statistik über die Bautätigkeit. Daher kann man sich dieser

Fragestellung wiederum nur indirekt nähern. Die amtliche Statistik liefert auch zu dieser

Thematik zum Wohnungsbau die „besten“ Zahlen. Im Jahr 2002 wurden in Deutschland

von den 289.601 Wohnungen 135.257 in Form von neuen Einfamilienhäusern

(Wohngebäude mit einer Wohnung) fertiggestellt. 47 In neuen Zweifamilienhäusern wurden

weitere 37.628 Wohnungen (= 18.814 Wohngebäude mit 2 Wohnungen) erstellt.

Diese 154.071 Ein- und Zweifamilienhäuser dürften nach allgemeiner Verkehrsauffassung

zu den kleinen Baumaßnahmen gehören. Die Baukosten dieser Gebäude liegen

in der Regel unter 500.000 €. Die weiteren 10.650 neuen Wohngebäude mit drei und

mehr Wohnungen dürften die Kostengrenze meist überschreiten; es liegen aber keinerlei

belastbare Daten zu den tatsächlichen Kosten vor. Die veranschlagten Kosten des

Bauwerks aus der Baugenehmigungsstatistik beruhen wahrscheinlich auf den (niedrigen)

Richtwerten der Bauaufsichtsämter zur Festsetzung der Genehmigungsgebühren

und bieten daher nur eine eingeschränkt brauchbare Grundlage zur Abschätzung der

Größenverteilung von Bauvorhaben im Hochbau. Ferner muss beachtet werden, dass

viele kleinere Bauvorhaben statistisch nicht mehr erfasst werden, da sie in den letzten

Jahren aus der Baugenehmigungspflicht herausgefallen sind.

Aus der amtlichen Statistik über die Bautätigkeit 48 ergibt sich für 2002 die in Tabelle 8

wiedergegebene Übersicht über die Fertigstellungen.

Man kann nicht davon ausgehen, dass jedem einzelnen Gebäude eine einzelne Baustelle

zuzuordnen ist. Beispielsweise werden Reihenhäuser auf eigenem Grundstück

als ein Wohngebäude gezählt, aber in der Mehrheit auf einer Baustelle mit einer gemeinsamen

Baustelleneinrichtung durch die gleichen Unternehmen errichtet. Dennoch

wird aus dieser Übersicht deutlich, dass die überwiegende Mehrheit aller Baustellen im

Wohnungsbau kleine Baustellen für Gebäude mit veranschlagten Baukosten von

durchschnittlich 181.000 € sind, wenn man über die Fragwürdigkeit der Kostenaussagen

hinwegsieht. Dieser Tatsache musste in den Befragungen Rechnung getragen

werden, auch wenn auf diesen Baustellen nicht alle Instrumente der Baustellenverordnung

Anwendung fanden. So z. B., wenn ein SiGe-Plan erst erstellt werden muss,

wenn es sich um eine Baustelle handelt, für die eine Vorankündigung erforderlich ist

oder auf der besonders gefährliche Arbeiten ausgeführt werden. Allerdings besteht nahezu

für alle diese Baustellen die Pflicht, einen Koordinator zu bestellen, da dort mit

hoher Sicherheit mehrere Arbeitgeber tätig werden.

47 Statistisches Bundesamt, Ausgewählte Zahlen für die Bauwirtschaft, Dezember und Jahr 2002, Bautätigkeit, 3

Baufertigstellungen, 3.1 Nach Gebäudearten und Bauherrengruppen Seite 158 und Seite 159, Wiesbaden, 2003

48 ebd.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 43 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

Tabelle 8: Bautätigkeiten 2002 – Fertigstellungen

Anzahl der

Gebäude

veranschlagte

Kosten des

Bauwerks

[Mio. €]

durchschnittliche

veranschlagte

Kosten des

Bauwerks

[1.000 €]

Anteil der Anteil der

Gebäude einer Baukosten der

Gebäudeart Gebäudeart an

an allen den Baukosten

Gebäuden aller Gebäude

[%]

[%]

Wohngebäude insgesamt*

– darunter neue Ein- und

232.046 41.584 179 82,2 57,5

Zweifamilienhäuser 154.071 27.914 181 54,6 38,6

– darunter neue Wohngebäude mit 3

und mehr Wohnungen 10.650 7.537 708 3,8 10,4

Anstaltsgebäude* 1.153 2.993 2.596 0,0(4) 4,1

Büro- und Verwaltungsgebäude* 5.461 7.716 1.413 1,9 10,7

Landwirtschaftliche Betriebsgebäude* 11.072 1.555 140 3,9 2,2

Nichtlandwirtschaftliche

Betriebsgebäude* 26.266 13.899 529 9,3 19,2

– darunter Fabrik- und

Werkstattgebäude* 7.417 5.072 684 2,6 7,0

– darunter Handels- und

Lagergebäude* 11.877 6.669 562 4,2 9,2

– darunter Hotels und Gaststätten* 1.940 834 430 0,1 1,2

Sonstige Nichtwohngebäude* 6.435 4.481 696 2,3 6,2

Summen 282.433 72.229 256

* einschließlich Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden

Quelle: Statistisches Bundesamt

Für den Tiefbau gibt es keinerlei Daten, die abgesicherte Aussagen über die Größenverteilung

der Tiefbaubaustellen ermöglichen. Es fehlen sogar Angaben über die Zahl

der Tiefbaumaßnahmen, so dass nicht einmal eine Angabe zur durchschnittlichen Größe

von Baumaßnahmen möglich ist. Eine Quotierung der Stichprobe nach Größenklassen

von Tiefbaumaßnahmen war daher nicht möglich.

Bei der Quotierung der Stichprobe wurde daher auf Grund der hohen Anzahl und der

ökonomischen Bedeutung darauf geachtet, dass eine erhebliche Anzahl kleinerer Baustellen

in der Größenordnung von Ein- und Zweifamilienhäusern und von Tiefbaumaßnahmen

unter der Schwellengröße der Vorankündigungspflicht (mehr als 30 Arbeitstage

und mehr als 20 Beschäftigte gleichzeitig tätig; oder mehr als 500 Personentage)

berücksichtigt wurden. Die Auflage zur Berücksichtigung kleiner und mittlerer Baustellen

wurde so erfüllt.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 44 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

4.1.5 Kriterium „Auftraggeber“

Die amtliche Statistik liefert zur Aussage, für welchen Bauherren bestimmte Bauarbeiten

durchgeführt werden, die genauesten Daten für die „Vorbereitenden Baustellenarbeiten“,

Hoch- und Tiefbau, da hier eine Totalerhebung stattfindet. Für die Bauinstallation

und das sonstige Baugewerbe fehlen solche Angaben. Im Jahr 2002 betrugen

die geleisteten Arbeitsstunden für die „Vorbereitenden Baustellenarbeiten“, Hoch- und

Tiefbau, 1.019 Mio. Arbeitsstunden. Davon entfielen auf den öffentlichen Bau 301 Mio.

Arbeitsstunden, dies entspricht 29,5 %. Im Straßenbau ist der öffentliche Anteil erheblich

höher und dürfte gegen 100 % tendieren, im Hochbau beträgt der öffentliche Anteil

9,8 %. Bei der Quotierung wurde darauf geachtet, dass der Anteil von knapp einem

Drittel der befragten Bauherren eingehalten wird.

4.1.6 Kriterium „Besonders gefährliche Arbeiten“

Das Vorkommen der einzelnen im Anhang 2 der Baustellenverordnung genannten „Besonders

gefährlichen Arbeiten“ auf den Baustellen in Deutschland ist nicht untersucht.

Allein Plausibilitätsüberlegungen führen aber dazu, dass bestimmte besonders gefährliche

Arbeiten häufiger sind als andere. Dies gilt insbesondere für die unter Nr. 1 des

Anhangs 2 genannten Arbeiten, bei denen die Beschäftigten der Gefahr des Versinkens,

des Verschüttetwerdens in Baugruben oder Gräben mit einer Tiefe von mehr als

5 m oder des Absturzes aus einer Höhe von mehr als 7 m ausgesetzt sind. Bei den Befragungen

wurde darauf geachtet, dass ein Großteil der Baustellen, über die Informationen

befragt werden, ob besonders gefährliche Arbeiten vorkommen. Auf eine besondere

Quotierung von Tiefbaubaustellen wurde verzichtet. In der Befragung und Auswertung

sind die „Besonders gefährlichen Arbeiten“ aber berücksichtigt.

4.2 Befragung mittels eines standardisierten und

strukturierten Fragebogens

4.2.1 Vorbemerkungen

Im Rahmen des Forschungsvorhabens war es wichtig, wissenschaftlich fundierte und

repräsentative Erkenntnisse sicherzustellen. Für eine solche Datenerhebung eignen

sich die bereits angesprochenen Fragebögen. Sie erweisen sich als „besonders leistungsfähig,

wenn folgende Bedingungen gegeben sind:

• es handelt sich um quantitative Sachverhalte;

• es ist bekannt, welche Inhalte erhoben werden müssen;

• die zu erhebende Thematik betrifft gleichzeitig eine größere Anzahl von Personen;

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 45 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

• die Fragen sind nicht erklärungsbedürftig;

• die Inhalte liegen weitgehend auf einer rationalen Ebene; sie sind zumindest nicht in

jüngster Zeit emotional hochgespielt;

der Kreis der Befragten ist relativ homogen;

• die Befragten sprechen alle in etwa „die gleiche Sprache“. 49

Zur Befragung der genannten Adressaten waren diese Bedingungen weitestgehend erfüllt.

Weiterhin sprechen niedrige Kosten und ein im Vergleich zu anderen Methoden

der Datenerhebung geringer Zeitaufwand des Befragers für diese Methode. Es ist möglich,

mit einem erarbeiteten Fragebogen geographisch verstreute Personen zu erreichen.

Ein Nachteil dieser Methode stellt jedoch die zu erwartende geringe Rücklaufquote

dar. 50 Der Prozentsatz an zurückgesendeten Fragebögen schwankt zwischen 10

und 80 Prozent. 51 Mit Kenntnis dieses Sachverhaltes wurde jedoch die Anzahl der zu

versendenden Fragebögen ausreichend erhöht.

Die Erarbeitung des Fragebogens erfolgt über eine umfangreiche Schrittfolge, welche

im Abschnitt 4.2.2 erläutert wird. Nach seiner Erstellung wurde noch vor der eigentlichen

Datenerhebung ein Pretest durchgeführt. Nach dessen Auswertung erfolgte für

die empirische Untersuchung die schriftliche Befragung. Um die statistische Auswertung

auf einen Stichprobenumfang von n 100 stützen zu können, sind bei einem erfahrungsgemäß

zu erwartenden Rücklauf von 10 bis 15 % mindestens 1.000 Fragebögen

zu versenden. Die von der TU Dresden versandte Anzahl von Fragebögen betrug

3.873. Von denen erreichten 3.412 Fragebögen die entsprechenden Empfänger. Dadurch

wurde der geforderte Mindestumfang gewährleistet. In einem weiteren Teilschritt

erfolgte die systematische Erfassung und projektbezogene Analyse mit dem Ziel, auf

Basis einer repräsentativen Stichprobe statistisch gesicherte Aussagen ableiten zu

können.

4.2.2 Erarbeitung des Fragebogens

Die Erarbeitung des Fragebogens für die Breitenbefragung erfolgte in einem mehrstufigen

Prozess.

Als erstes wurden, wie im Kapitel 3 beschrieben, spezifische Indikatoren für die Wirksamkeit

der Baustellenverordnung erarbeitet. Aus diesen abgeleitet, sind Hypothesen

entstanden, welche mit speziellen Fragen zur Bestätigung oder Widerlegung dieser Hypothesen

hinterlegt wurden. Diese Fragen waren noch nicht fragebogengerecht formu-

49

Remitschka, Ralph: Erhebungstechniken. In: Frese, Erich (Hrsg.): Handwörterbuch der Organisation. 3. Aufl.,

Stuttgart: Poeschel, 1999, S. 599 – 611, hier S. 603

50

vgl. Friedrichs, Jürgen: Methoden empirischer Sozialforschung. 14. Auflage. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1990,

S. 237

51

vgl. Wilk, Liselotte: Die postalische Befragung. In: Holm, Kurt (Hrsg.): Die Befragung. Band 1: Der Fragebogen – Die

Stichprobe. 4. Aufl., Tübingen: Francke, 1991, S. 187 – 200, hier S. 187

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 46 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

liert, sondern dienten lediglich als erste Auflistung aller zu analysierenden und zu hinterfragenden

Aspekte.

Nach Abschluss dieser Phase wurden alle ursprünglichen Hypothesen aus diesem Dokument

„gelöscht“. Die Fragen wurden danach systematisch sortiert. Doppelte Fragen

wurden entfernt. Durch die jetzt entstandene folgerichtige Auflistung der Fragen, konnten

diese verbessert werden. Das Ergebnis war ein erstes Konzept des Fragebogens.

In einem weiteren Schritt erfolgte nun die Gegenüberstellung von Hypothesen und Fragen

mit Hilfe einer Matrix. Durch diese konnten identische Fragen, mehreren Hypothesen

zugeordnet werden. Schwachstellen wurden aufgezeigt.

Um zu überprüfen, ob dabei alle Korrelationen sinnvoll sind, wurden auf einem Blatt jeder

Hypothese alle relevanten Fragen zugeordnet und, falls erforderlich, nachkorrigiert.

Fragen, welche nur in dem persönlichen Interview beantwortet werden konnten, wurden

nicht in den Fragebogen aufgenommen.

Der letzte Schritt war die Gestaltung und Erstellung des Fragebogens sowie die

sprachliche Überarbeitung der Fragen und deren entgültige Formulierung. Der damit

einhergehende Pretest ermöglichte einen ersten Einblick über Problempunkte oder

Fehler im Fragebogen. Es wurde angestrebt, die Länge des Fragebogens auf ein Minimum

zu begrenzen. Dazu wurde beschlossen, für die einzelnen Adressatengruppen

jeweils getrennte Fragebögen zu erstellen. Die Reihenfolge und die Formulierung der

Fragen wurde nicht geändert, es variiert nur die Anzahl der gestellten Fragen je nach

Befragtengruppe. Der Bearbeitungsaufwand, der sich für den Befragten bei der Beantwortung

des Fragebogens ergab, wurde somit auf eine vertretbare Zeitspanne begrenzt.

Ein weiteres Ziel war es, die Befragten nur mit Fragestellungen zu konfrontieren,

welche diese auch beantworten können. Neben dem Minimierungseffekt konnte

dadurch die Akzeptanz zur Beantwortung erheblich gesteigert werden.

4.2.3 Gestaltung des Fragebogens und Vorbereitung des Versandes

Die Gestaltung des Fragebogens musste ausreichend durchdacht sein, da dieser das

einzige Kommunikationsmittel zwischen Befrager und Befragten darstellte. Der Aufbau

des Fragebogens musste klar strukturiert sein, damit dem Befragten eine gute Orientierung

innerhalb des Fragebogens möglich war. Das Konzept sollte schnell erfassbar

und leicht verständlich sein, so dass der Befragte nicht unnötig Zeit auf ein Verstehen

des Konzepts verwenden musste und sich direkt den einzelnen Fragen widmen konnte.

Hierbei entschied man sich für eine Aufteilung des Fragebogens gemäß Bild 13.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 47 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

Teil Titel Untersuchungsziel

A Allgemeines – Angaben zur Person und

zur Baustelle

B Fragen zum Sicherheits- und

Gesundheitsschutzplan

Statistische Grundgesamtheit und

Kennmerkmale

Untersuchung des Instrumentes „SiGe-

Plan“

C Fragen zur Unterlage für spätere Arbeiten Untersuchung des Instrumentes

„Unterlage für spätere Arbeiten“

D Fragen zur SiGe-Koordination Detaillierte Untersuchung zur Umsetzung

der Baustellenverordnung

E Allgemeine Fragen zur

Baustellenverordnung

F Spezielle Fragen für den SiGe-

Koordinator

Bild 13: Aufteilung des Fragebogens

Untersuchung der Wirkung der

Baustellenverordnung

Untersuchung zum Berufsbild des SiGe-

Koordinators

Wichtig war, dass die Befragung anonym durchgeführt wurde, da relativ sensible Daten

aus den Unternehmen abgefragt wurden.

Mit dem Fragebogen erhielt der jeweilige Befragte ein Anschreiben, welches über Ziele

und Art der Untersuchung aufklärte und beschrieb, wer diese Untersuchung durchführt.

In dem Anschreiben wurde verdeutlicht, welcher Nutzen sich für den Befragten bei einer

Teilnahme an der empirischen Untersuchung ergibt. Hierbei war insbesondere von

Vorteil, dass der konkret Befragte von der im Fragebogen behandelten Thematik auch

unmittelbar betroffen war und er mit der Beantwortung des Fragebogens aktiv zu der

Verbesserung der Situation beitragen konnte.

Wegen der hohen Kosten für den postalischen Versand sowie eines Freiumschlages

für den Rückversand wurde entschieden, die Fragebögen ausschließlich über E-Mail

an die Ansprechpartner zu versenden. Die Erfahrung zeigt, dass diese Umfragen

schneller und häufiger beantwortet werden. Weiterhin wurde den Befragten die Möglichkeit

eingeräumt, die entsprechenden Fragebögen auf den Internetseiten des Institutes

für Baubetriebswesen der TU Dresden direkt herunterzuladen oder den Fragebogen

online auszufüllen.

4.2.4 Auswertung der Fragen

Die rücklaufenden Fragebögen wurden mit der Statistiksoftware SPSS 12.0 für Windows

durch das Institut für Baubetriebswesen der TU Dresden erfasst und hinsichtlich

Lage, Streuung und Zusammenhang beschrieben und ausgewertet. 52 Neben der pro-

52 In der Anlage 4 sind die aufbereiteten Ergebnisse dargestellt.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 48 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

zentualen Verteilung und der absoluten Anzahl von Nennungen waren insbesondere

die Tendenzen der Parameterverteilungen (Mittelwerte), die Stärke der Abweichung

vom jeweiligen Mittelwert (Standardabweichungen), die Richtung und Stärke des Zusammenhangs

zwischen mehreren Merkmalen (Korrelationsanalysen) von Interesse.

In einem weiteren Schritt erfolgte die fachspezifische Wertung und Interpretation der

statistisch generierten Ergebnisse. Auswertungen und Verbesserungsvorschläge der

Interviewpartner aus der vertiefenden Befragung wurden in die Ergebnisse einbezogen.

Damit war sowohl die repräsentative Datenerhebung als auch deren qualifizierte,

vielschichtige Auswertung gewährleistet. Die umfangreichen statistischen Auswertungen

wurden den Ergebnissen aus der persönlichen Befragung gegenübergestellt. Weiterhin

wurden Korrelationen aufgebaut und quantitative Aussagen getroffen. Aufgetretene

Unterschiede zwischen schriftlicher und mündlicher Befragung wurden analysiert

und entsprechend dokumentiert.

4.3 Befragung mittels persönlicher Interviews

4.3.1 Vorbemerkungen zur Gestaltung persönlicher Interviews

Die Interviews wurden mit Hilfe eines vorher entwickelten Leitfadens durchgeführt. In

dem Leitfaden waren die für die interviewende Person wichtigen Fragestellungen und

Themenbereiche vorab festgelegt. Die Gliederung orientierte sich an den Hauptindikatoren

Potenziale, Prozesse und Ergebnisse und an der Gliederung des Fragebogens

für die schriftliche Befragung. Im Gegensatz zur standardisierten fragebogenorientierten

Erhebung wurden die Befragten in der Mehrzahl der Fragen an keine Antwortvorgaben

gebunden und konnten ihre Ansichten und Erfahrungen frei äußern. Diese Form

der Befragung zählte damit zu den halbstandardisierten qualitativen Verfahren und vereint

die Vorteile von vollstandardisierten und unstandardisierten Verfahren. Die Teilstandardisierung

ermöglichte zum einen eine vergleichbarere und damit zuverlässigere

Auswertung der erhobenen Daten, zum anderen konnten die Interviewenden flexibel

auf die Gesprächssituation reagieren und zum Beispiel neu auftauchende Gesichtspunkte

aufgreifen. Da auf den Gesprächspartner besser eingegangen werden konnte,

schaffte diese Form des Interviews zudem eine angenehme Arbeitsatmosphäre, was

die Gefahr von verfälschten Antworten verringerte.

4.3.2 Adressaten der Interviews

Auch bei den Interviews mussten die unterschiedlichen Adressaten und Baustellenarten

bei den Befragungen ausreichend berücksichtigt werden.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 49 von 444


4 Erhebungsmittel und -methoden

Adressaten Bauaufgabe

Bauherr

Planer

Arbeitgeber

Koordinator

Hochbau

Tiefbau

Altbau/

Neubau

Neubau

Altbau

Zahl der

beteiligten

Arbeitgeber

> 10

< 10

Baustellengröße Auftraggeber

groß

mittel

klein

öffentlich

nicht-öffentlich

Besonders

gefährliche

Arbeiten

1 X X X X X X X

2 X X X X X X X

3 X X

4

5

6

usw.

X

Zielzahl

4 2 4 2 4 4 4 4 3

Bild 14: Matrix der Adressaten der Interviews und der abzudeckenden Kriterien

Theoretisch wäre es möglich gewesen, alle Kriterien und Adressatengruppen mit vier

Interviews jeweils einmal abzudecken. Um aber eine größere Repräsentanz und regionale

Abdeckung zu erreichen, wurde eine höhere Anzahl von Interviews durchgeführt.

Die Abdeckung aller möglichen Kombinationen war aber wegen deren großen Zahl

ausgeschlossen. Die in Bild 14 angegebenen Zielzahlen stellen die vorgesehenen Mindestabdeckungen

der Kriterien bzw. Adressatengruppen dar. So wurden vier Bauherren,

zwei Planer, vier Arbeitgeber und zwei Koordinatoren interviewt. In Vorgesprächen

wurde sichergestellt, dass die Interviewten über Erfahrungen mit der Anwendung der

Baustellenverordnung verfügten.

Neben den in der ursprünglichen Ausschreibung vorgesehenen Adressaten Bauherren

und Arbeitgeber wurden auch Interviews mit Planern und SiGe-Koordinatoren durchgeführt,

um deren Erfahrungen und Praxisbezug zu nutzen.

Zu Teilaspekten wurden ergänzende Fachgespräche zur gezielten Gewinnung zusätzlicher

Informationen und zur Rückkopplung geführt. Diese Fachgespräche fanden mit

Vertretern von Bauverbänden, Baugenehmigungsbehörden, Kammern, einer Versicherungsgesellschaft,

Ämtern für Arbeitsschutz, Berufsgenossenschaften und Interessenverbänden

von Bauherren statt.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 50 von 444

ja

nein


4 Erhebungsmittel und -methoden

4.3.3 Gestaltung und Auswertung Interviewleitfäden

Es wurden Interviewleitfäden für die Adressatengruppen Bauherren, Arbeitgeber, Planer

und Koordinatoren entwickelt. Alle Interviewleitfäden wurden entsprechend der methodischen

Vorüberlegung (Kapitel 3) entwickelt und behandelten einheitlich folgende

Themenbereiche:

• Angabe zur Person, zum Unternehmen sowie zu den Baustellen, auf die sich der

Befragte bei seinen Antworten bezieht

• Voraussetzungen für koordiniertes Arbeitsschutzhandeln auf Baustellen (Potenziale)

• Anwendung der integrativen Präventionsinstrumente der Baustellenverordnung im

Bauablauf (Prozesse)

• Leistungen der Beteiligten am Bauprozess bei der Umsetzung der

Baustellenverordnung (Ergebnisse)

• Hemmnisse und Handlungsempfehlungen

Die konkreten Fragestellungen wurden auf den Untersuchungsgegenstand und die jeweilige

Adressatengruppe ausgerichtet. Ausgehend von den vorhandenen Fragestellungen

der schriftlichen Befragung wurden die Fragen in den Interviewleitfäden zielgruppengerecht

umformuliert. Als zeitlicher Rahmen für die Befragung waren 45 bis 60

Minuten vorgesehen. Der Umfang der Interviewleitfäden wurde entsprechend angepasst.

Ungünstige Frageformen, wie zu allgemeine Fragen oder Suggestivfragen, wurden

vermieden. Die Interviews wurden in der Regel durch zwei Interviewer durchgeführt,

um die offenen Antworten möglichst exakt protokollieren zu können. Durch die

zugesicherte Vertraulichkeit der Angaben konnte die erforderliche Offenheit erreicht

werden. Die Auswertung erfolgte durch inhaltliche Gegenüberstellung zu den Ergebnissen

der schriftlichen Erfragung und deren Ergänzung durch die Erkenntnisse aus den

Antworten zu den vertiefenden Fragestellungen.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 51 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

5.1 Vorbemerkungen

Die Auswertung im Kapitel 5 orientiert sich an den wesentlichen Inhalten und Instrumenten

der Baustellenverordnung und setzt die Ergebnisse in Bezug zu den Adressatengruppen.

Damit sollen mögliche Zusammenhänge mit den verschieden Interessenhintergründen

der am Bau Beteiligten aufgezeigt werden.

Für die statistisch gesicherte Datenerhebung wurde zunächst eine schriftliche und anonyme

Befragung mittels eines standardisierten und strukturierten Fragebogens durchgeführt.

Der Fragebogen war ausgerichtet auf die vier Adressatengruppen Bauherren,

Planer, Bauunternehmer und Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatoren (SiGe-

Koordinatoren).

Für den Versand der Fragebogen wurden folgende Adressdatenbanken genutzt und

ergänzend recherchiert:

– Datenbank TU Dresden, Institut für Baubetriebswesen (SiGe-Koordinatoren,

Bauherren, Planer, Bauunternehmen)

– Datenbank AGI (gewerbliche Bauherren)

– Datenbank RKW (Wohnungsunternehmen, Bauunternehmen, Ausbau- und

Installationsfirmen)

– Bundesweite Anfrage bei verantwortlichen Ministerien der Länder und

– Anfrage bei Gewerbeaufsichtsämtern (öffentliche und/oder private Bauherren,

Bauunternehmen, SiGe-Koordinatoren)

– Datenbank Heinze GmbH (private Einzelbauherren)

– Adressverzeichnisse von Ingenieurkammern, Architektenkammern, Vereinen von

SiGe-Koordinatoren (Internet).

Der Versand des Fragebogens für die jeweilige Adressatengruppe erfolgte am 24.05.2004

an insgesamt 3.873 E-Mail-Adressen. Folgende Aufteilung wurde erreicht:

– 1.208 Bauunternehmen (~ 31 %)

– 1.304 Bauherren (~ 34 %)

– 689 Planer (~ 18 %)

– 672 SiGeKo (~ 17 %).

Von den versandten Fragebögen über E-Mail, waren 3.412 E-Mails zustellbar. Als Frist

für die Beantwortung wurde der 11.06.2004 gesetzt; einmal wurden die Adressaten an

die Beantwortung erinnert.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 52 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Es ergab sich ein Rücklauf von 555 Fragebögen. Bezogen auf die zustellbaren Fragebögen,

beträgt die Rücklaufquote 16 %. Die Quote liegt über dem zu erwartenden

Rücklauf bei einer freiwilligen und anonymen Befragung und unterstützt die angestrebte

Repräsentativität.

In einem weiteren Schritt wurden in Ergänzung zur fragebogenbasierten Untersuchung

12 persönliche Interviews durchgeführt, um vertiefende oder relativierende Hintergrundinformationen

zu bekommen und den Adressaten der Untersuchung (Bauherren,

Bauunternehmer, Planer und SiGe-Koordinatoren) Chancen der individuellen Erläuterung

zu bieten. Vertiefende Interviews wurden nur mit Personen geführt, die nach eigener

Aussage die Baustellenverordnung anwenden. Den Interviewpartnern wurde Vertraulichkeit

zugesichert. Es gab aus verschiedenen Gründen einige Interviewabsagen

(Gewerblicher Bauherr in Hannover, ein Bauunternehmen in Hessen, zwei Staatsbauämter

in einem Bundesland).

Ferner wurden ergänzende Fachgespräche mit Vertretern von Kammern, Bauherrenverbänden,

Versicherungen und Baugenehmigungsbehörden geführt. Die Ergebnisse

Baustellenrevisionen im Rahmen der Aktion Netzwerk Baustelle von 2003 und 2004

der Unfallversicherungsträger und der Arbeitsschutzbehörden der Länder wurden in die

Untersuchung mit einbezogen. Eine vergleichende Betrachtung wurde in die Auswertungen

als jeweils eigener Punkt aufgenommen.

Die Ergebnisse der Befragungen wurden im begleitenden Beraterkreis, in dem auch

Vertreter der Berufsgenossenschaften und der Arbeitsschutzbehörden der Länder vertreten

waren, intensiv erörtert.

5.2 Allgemeines

Die Fragebögen wurden an die gewählten Adressatengruppen zielgruppenorientiert

versandt. Ein Ergebnis war, dass die Befragten (Rückläufer) außer den Bauherren

durch ihre berufliche Qualifikation in der Regel baufachliche Kompetenzen besitzen.

Der Großteil der Befragten kann auf Erfahrungen vor der Einführung der Baustellenverordnung

zurückgreifen. Die Befragten haben also ein entsprechendes Erfahrungspotenzial,

um die Baustellenverordnung und deren Auswirkungen realistisch einschätzen

zu können. 53

Über die Auswahl von Adressen aus den der vier Adressatengruppen Bauherren, Planer,

Bauunternehmer, SiGe-Koordinatoren sollte die Baurealität nach den Gesichtspunkten

abgedeckt werden, wie

– Bauaufgaben (Hochbau/Tiefbau, Altbau/Neubau)

53 Die Bewertung beruht auf den Antworten der Befragten zu den Fragen A 1, A 2, A 9 (siehe Anlage 4).

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 53 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

– Baustellengröße

– Art der Auftraggeber (öffentlich/nicht öffentlich)

– die Tatsache, ob gefährliche Arbeiten ausgeführt werden.

Die regionale Verteilung der Stichprobe orientiert sich am baugewerblichen Umsatz

2002 nach Bundesland und Bauaufgabe. Die Stichprobenverteilung entspricht regional

betrachtet annähernd dem baugewerblichen Umsatz der einzelnen Bundesländer 2002

(Bild 9, Seite 38) und dem baugewerblichen Umsatz aufgeteilt nach Hoch- und Tiefbau

im Jahre 2002 (Bild 15) 54 . Die Stichprobe gewährleistet somit die Repräsentativität der

getroffenen Aussagen in Bezug auf die o. a. Untergliederung.

80

70

60

50

40

30

20

10

0

63

68,6

37

31,4

Hochbau Tiefbau

Baugewerblicher Umsatz 2002

(in %) [stat. Bundesamt 2003]

Stichprobenverteilung (in %)

Bild 15: Vergleich der Stichprobenverteilung mit dem Baugewerblichem Umsatz 2002

nach Hochbau und Tiefbau

Das Bauen im Bestand wurde in ausreichendem Maße berücksichtigt. Die Stichprobenverteilung

teilt sich in 59 % Neubauten und 41 % Bauen im Bestand auf. 55 Kleine Baustellen

(< 250.000 €) sind bei der Befragung unterrepräsentiert (6 %). Mittlere und große

Bauvorhaben sind in ausreichendem Umfang vertreten. Sehr große Bauvorhaben

(> 5 Mio. €) sind überrepräsentiert (33 %). 56 Bei den Hochbau-Baustellen finden fast

54 siehe Fragen A 5, A7 aus der Anlage 4

55 siehe Frage A 8 aus der Anlage 4

56 siehe Frage A 11 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 54 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

immer gefährliche Arbeiten nach Baustellenverordnung statt. Der SiGe-Plan ist somit

bei einem Großteil der Hochbau-Baustellen erforderlich. 57

Den befragten Bauherren war die Baustellenverordnung häufig bekannt oder sie wurden

durch den Architekten/Planer auf die Pflichten nach Baustellenverordnung verwiesen,

seltener durch öffentliche Institutionen (Baubehörde 7,5 %, Gewerbeaufsicht bzw.

staatliches Amt für Arbeitsschutz 4,7 % sowie gesetzliche Unfallversicherungsträger

3,5 %). 58 Bei Bauvorhaben < 250.000 € ist die Baustellenverordnung allerdings bei ca.

50 % der schriftlich befragten Bauherren unbekannt. 59 An den Ergebnissen der Umfrage

erkennt man, dass hauptsächlich Bauunternehmen an der Befragung teilgenommen

haben, welche die Baustellenverordnung anwenden. 60 Es bestehen kaum Unterschiede

bei der Anwendung der Baustellenverordnung nach dem Kriterium der Unternehmensgröße.

61

In Abstimmung mit dem Beraterkreis und dem Auftraggeber wurden vertiefende persönliche

Interviews mit 4 Bauherren, 4 Bauunternehmen, 2 Planern und 2 SiGe-Koordinatoren

sowie Vertretern von Bauverbänden, Kammern und Versicherungen durchgeführt.

In Ergänzung zur schriftlichen Befragung wurde im Rahmen aller Interviews die

Anwendung der Baustellenverordnung auf kleinen Baustellen bis 250.000 € abgedeckt

oder gesondert nachgefragt sowie ausreichend auf Baumaßnahmen für private Bauherren

eingegangen. Die weiter oben beschriebenen, die Baurealität abdeckenden

Aspekte wurden durch die Erfahrungen der Interviewpartner berücksichtigt.

Folgende Bauherren wurden interviewt:

– privater Bauherr, tätig als Bauleiter in einem Wohnungsbauunternehmen mit ca.

3.300 Wohnungen im Bestand in Hessen

– privater Bauherr, tätig als Vorstand in einem Wohnungsbauunternehmen mit ca.

2.000 Wohnungen im Bestand und zugleich als Geschäftsführer eines öffentlichrechtlichen

Zweckverbandes (Doppelfunktion) in Hessen

– öffentlicher Bauherr, tätig als Architekt und als SiGe-Koordinator in einer

Staatsbauverwaltung in Bayern

– öffentlicher Bauherr, tätig als Architekt und als Bauleiter des Bauherrn sowie als

SiGe-Koordinator im Hochbauamt einer Kommune in Bayern.

Folgende Bauunternehmen (Arbeitgeber) wurden interviewt:

– Prokuristin in einem mittelständischen Bauunternehmen (50 Beschäftigte),

vorwiegende Hochbautätigkeit als ausführendes Unternehmen für private Bauherren,

weitere Tätigkeit als Generalüber-/-unternehmer und als Nachunternehmer im

57 siehe Frage A 11 aus der Anlage 4

58 siehe Frage A 13 aus der Anlage 4

59 siehe Frage A 12 aus der Anlage 4

60 siehe Frage A 16 aus der Anlage 4

61 siehe Fragen A 14, A 16 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 55 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Bereich Rohbau, vorwiegend in Rheinland-Pfalz aber auch in Hessen und Baden-

Württemberg sowie als Projektentwickler im gesamten Bundesgebiet

– Geschäftsführer in einem mittelständischen Bauunternehmen (40 Beschäftigte),

ausschließlich Tätigkeit im Bauen im Bestand, vorwiegend als ausführendes

Unternehmen für private Bauherren, seltene Tätigkeit als Generalüber-/-unternehmer

sowie als Projektsteuerer im Auftrag des Bauherrn, ausschließlich in Niedersachen

tätig

– Geschäftsführer in einem mittelständischen Bauunternehmen (60 Beschäftigte), als

ausführendes Unternehmen im Spezialbau (Abbruch und Recycling), vorwiegend für

private Bauherren in Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-

Holstein tätig

– Sicherheitsfachkraft in einem großen mittelständischen Bauunternehmen (über 1.000

Beschäftigte), Tätigkeit in allen Bausparten, aber überwiegend Tiefbau (Straßenbau),

Ingenieurbauleistungen (Brückenbau) und Spezialtiefbau, im gesamten

Bundesgebiet mit Schwerpunkt Hessen.

Folgende Planer wurden interviewt:

Befragt wurden 2 Planer (Architekturbüro in Hamburg, Ingenieurbüro in Hessen/Thüringen),

welche gleichzeitig auch als SiGe-Koordinatoren – aber nicht schwerpunktmäßig

– tätig sind. Planungstätigkeiten erfolgen für private und öffentliche Bauherren in

den Bereichen Hochbau (Neubau und Bauen im Bestand) sowie kommunaler Tiefbau,

Straßenbau und Spezialtiefbau.

Folgende Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatoren (SiGe-Koordinatoren) wurden

interviewt:

– Ingenieurbüro in Brandenburg; übernimmt sicherheitstechnische

Betreuungsaufgaben für Unternehmen und bietet ergänzend SiGeKo-Leistungen an.

Die Mitarbeiter des Büros verfügen alle über die sicherheitstechnische Fachkunde.

Die SiGeKo-Tätigkeit wird überwiegend in Brandenburg und Mecklenburg-

Vorpommern durchgeführt und wird zu 95 % für öffentliche Bauherren übernommen.

Sie verteilt sich zu gleichen Teilen auf Neubau und Bauen im Bestand. Die

Leistungen betreffen die Bereiche Ingenieurbau, Straßenbau, kommunaler Tiefbau,

Rohbau, Ausbau sowie Außenanlagen. Die Größenordnungen nach

Gesamtbaukosten reichen von Objekten über 250.000 € bis 5 Mio. €. Bei allen

Objekten wurden regelmäßig Nachunternehmer eingesetzt.

– Ingenieurbüro in Baden-Württemberg ist spezialisiert auf SiGeKo-Leistungen. Die

SiGeKo-Tätigkeiten verteilen sich zu gleichen Teilen auf öffentliche und

nichtöffentliche Bauherren und zu gleichen Teilen auf Neubau und Bauen im

Bestand. Die Leistungsbereiche umfassen Erdbau, Ingenieurbau, Straßenbau,

Rohbau, Ausbau, Installation/Anlagentechnik sowie Außenanlagen. Es handelt sich

primär um betreute Bauobjekte mit Gesamtbaukosten von mehr als 5 Mio. €. Auf den

betreuten Baustellen wurden regelmäßig Nachunternehmer eingesetzt.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 56 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Folgende sonstige Institutionen wurden interviewt:

Weitere Interviews, Fachgespräche, Erkundigungen wurden mit Vertretern von Bauverbänden,

Baugenehmigungsbehörden, Kammern, Versicherungen sowie Interessenverbänden

von Bauherren in Hamburg, Niedersachsen und Hessen geführt.

Einbindung der Ergebnisse von Netzwerk Baustelle:

Im Rahmen der Aktion „INQA-Netzwerk Baustelle“ wurden im Jahre 2003 und 2004

bundesweit fast 10.000 Baustellenrevisionen durch die Arbeitsschutzbehörden der

Länder (ASV) und der Unfallversicherungsträger (UVT) durchgeführt. Dabei wurden

unter anderem Arbeitsschutzaspekte am Tag der Erhebung erfasst sowie die Umsetzung

von Anforderungen der Baustellenverordnung erkundet. Ziel war die Umsetzung

der Baustellenverordnung aufgrund der dabei gewonnenen Erkenntnisse zu fördern

sowie das gemeinsame Aufsichtshandeln zum Arbeitsschutz auf Baustellen in Deutschland

weiterzuentwickeln. Gleichzeitig wurde für die EU-Baustellenkampagne ein deutscher

Beitrag durch die statistische Aufbereitung der erfragten Daten erarbeitet.

Der wesentliche Unterschied zwischen der Aktion Netzwerk Baustelle und der schriftlichen

Befragung ist die Erfassung der Daten. Bei der Aktion Netzwerk Baustelle erfolgt

eine „Bestandserfassung“ zum Zeitpunkt der Revision. Es wurden nur vorliegende Tatsachen

und Dokumente gewertet. Nicht unerheblich ist dabei die subjektive Einschätzung

des Erfassers zu werten. Er ist Aufsichtsperson (Autoritätsperson) und Protokollant.

Es kann dabei unterstellt werden, dass nicht immer eine freie Meinungsäußerung

stattfand.

Bei der anonymen Erhebung, wie es bei der schriftlichen Befragung möglich war, konnte

der Befragte seine Meinung frei äußern. Das kann jedoch dazu führen, dass eigene

Leistungen eher positiv eingeschätzt werden.

Obwohl die Aktion Netzwerk Baustelle eine anderslautende Zielstellung und Herangehensweise

an Sicherheitsaspekte der Baustelle hatte, so macht es Sinn, beide Ergebnisse

miteinander zu vergleichen. So sind Fragen in ähnlichem Wortlaut oder sinnverwandt

mit der schriftlichen Befragung dieses Forschungsprojektes gestellt worden und

können hier gewertet werden. Dadurch ist es möglich, eigene Ergebnisse mit denen

von Aktion Netzwerk Baustelle zu validieren oder bei Widersprüchen gegebenenfalls

zu diskutieren. Andere Fragen lassen gegebenenfalls Interpretationsspielraum offen.

Die Datenbasis der Aktion Netzwerk sortiert nach Hochbau/Tiefbau kann als vergleichbar

angesehen werden, jedoch wurden anteilmäßig mehr private Bauherren evaluiert.

Die Ergebnisse aus der Aktion Netzwerk Baustelle wurden mehrfach mit dem Ansprechpartner

der Aktion, Herrn Dr. Sebastian Schul vom Regierungspräsidium Darmstadt,

erörtert.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 57 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

5.3 SiGe-Plan

Bauherren

SiGe-Pläne werden nach Angabe der schriftlich befragten Bauherren fast immer erstellt

(ca. 90 % der schriftlichen Antworten). 62 Dies deckt sich mit den Aussagen der interviewten

Bauherren. Die Erstellung des SiGe-Plans erfolgt aber zumeist erst bis zum

Baubeginn. 63 Die interviewten Bauherren erstellten Ihre SiGe-Pläne zum Teil früher.

Bei einem öffentlichen Bauherrn erfolgte die Erstellung während der Planung der Ausführung,

wobei der SiGeKo auch schon beratend tätig wird, z. B. bei der Durchsicht der

Leistungsverzeichnisse. Beim anderen öffentlichen Auftraggeber (Stadtverwaltung) erfolgte

die Erstellung des SiGe-Plans nach Auftragsvergabe, damit die Herstellungsverfahren

der ausführenden Unternehmen berücksichtigt werden konnten. Der SiGe-Plan

wurde nach der Umfrage fortgeschrieben, wohingegen nach Aussage der interviewten

Bauherren nur in seltenen Fällen eine Änderung des SiGe-Plans erfolgte, beispielsweise

erst bei erheblichen zeitlichen Verzögerungen (z. B. 3 Monate) oder nach Unfällen.

Der SiGe-Plan hatte nach den Aussagen der schriftlich befragten Bauherren nur bei einem

Teil Auswirkungen auf die Leistungsverzeichnisse oder die Leistungsprogramme

(keine Auswirkungen 59 %). 64 Die Beachtung der SiGe-Pläne wurde vom Bauherrn in

den Bauverträgen meistens vereinbart. Von den schriftlich befragten Bauherren gaben

43 % an, den SiGe-Plan als Bestandteil der vertraglichen Regelung berücksichtigt zu

haben. 65 Die interviewten Bauherren gaben ebenfalls an, den SiGe-Plan vertraglich

vereinbart zu haben, allerdings oft nur durch Hinweise in den zusätzlichen Vertragsbestimmungen,

die gerade von kleinen Unternehmen nicht ernsthaft zur Kenntnis genommen

würden. Auch beinhalten diese Hinweise oft nicht den zu beachtenden konkreten

SiGe-Plan.

Mehr als die Hälfte der schriftlich befragten Bauherren (53 %) sehen den SiGe-Plan als

ausreichend geprüft an. 66 Von den interviewten Bauherren wurden die SiGe-Pläne

nicht geprüft, beim öffentlichen Bauherren erfolgte nur in Ausnahmefällen eine Prüfung

auf Plausibilität. Als mögliche Prüfinstanz wurde in der schriftlichen Befragung zu etwa

gleichen Teilen Bauherren, Planer, Projektsteuerer und die Gewerbeaufsichtsämter

bzw. die staatlichen Ämter für Arbeitsschutz präferiert. Eine Prüfung durch die Baugenehmigungsbehörden

wurde nur von 9 % der Befragten für sinnvoll gehalten. Keine

Prüfung wurde nur von einem geringen Teil (9 %) der schriftlich befragten Bauherren

gewünscht. 67 Hier klaffen Wunsch und Wirklichkeit offenbar weit auseinander.

62 siehe Frage B 1 aus der Anlage 4

63 siehe Frage B 5 aus der Anlage 4

64 siehe Frage B 7 aus der Anlage 4

65 siehe Frage B 9 aus der Anlage 4

66 siehe Frage B 10 aus der Anlage 4

67 siehe Frage B 11 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 58 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Generell wurde von den interviewten Bauherren die Einschätzung vertreten, dass der

SiGe-Plan von den ausführenden Unternehmen nicht berücksichtigt würde. Als Grund

wurde z. B. genannt, dass der SiGe-Plan ein relativ pauschales und starres Instrument

sei, welcher wenig auf den tatsächlichen Bauablauf bezogen wäre. Beachtet würde der

bauvertraglich geregelte „abgestimmte Bauzeitenplan“.

Bei der Erstellung des SiGe-Plans wurde nach Meinung der interviewten Bauherren die

Unternehmen in der Regel nicht beteiligt. Er wäre deshalb auch nicht praxisgerecht. Eine

Beteiligung wurde teilweise als sinnvoll erachtet. Eine frühzeitige Beteiligung der

ausführenden Unternehmen mit deren Ausführungs-Know-how sei aber wegen des

wettbewerblichen Vergabeverfahrens erst nach dem Zuschlag möglich, also nicht in

frühen Planungsphasen. Der nicht integrierte SiGe-Plan wurde in einem Fall als überflüssig

bezeichnet.

Kostenvorteile durch eine frühzeitige Erstellung und Nutzung des SiGe-Plans wurden

von den schriftlich befragten Bauherren kaum gesehen (62 %). 68 Bei kleinen Baumaßnahmen

(Bausumme bis 1 Mio. Euro) werden die Kostenvorteile noch geringer eingeschätzt

(79 %). 69 Von den interviewten Bauherren wurde diese Einschätzung bestätigt.

Kein interviewter Bauherr sah Kostenvorteile.

Bauunternehmen

Auch nach Angabe der Bauunternehmen in der schriftlichen Befragung werden SiGe-

Pläne in der Regel erstellt (93 %) 70 und sind auch Nachunternehmern bekannt (73 %) 71 .

Bei kleinen Baumaßnahmen werde aber nach Aussage der interviewten Bauunternehmen

häufig auf die Erstellung eines SiGe-Plans verzichtet, obwohl dieser erforderlich

gewesen wäre. Nach Aussage der schriftlich befragten Bauunternehmen erhielten die

Bauunternehmen bis zur Auftragserteilung in nur 25 % der Fälle den SiGe-Plan zur

Kenntnis. 72 Bis zum Baubeginn lag er bei 75 % der Fälle vor. 73 Das heißt, dass bei ca.

50 % der Baustellen der SiGe-Plan erst zwischen Auftragserteilung und Baubeginn

vorliegt, wodurch der Bauunternehmer erst nachträglich auf die SiGe-Belange reagieren

kann. Die überwiegend kleinen und mittelständisch orientierten interviewten Bauunternehmen

berichteten übereinstimmend, dass sie, wenn überhaupt, erst bei oder nach

Baubeginn SiGe-Pläne zur Kenntnis erhalten. Lediglich der mündlich befragte große

Mittelständler hatte SiGe-Pläne in der Regel schon vor Baubeginn vorliegen. Diese

wurden von ihm aber zu ca. 50 % selbst erstellt. Beim Bauen im Bestand erhalten lediglich

17 % der schriftlich Befragten den SiGe-Plan vor Baubeginn zur Kenntnis. Beim

Neubau sind es 27 % der befragten Bauunternehmen. 74 Die gesetzliche Norm, die das

68 siehe Frage B 16 aus der Anlage 4

69 siehe Frage B 16 aus der Anlage 4

70 siehe Frage B 1 aus der Anlage 4

71 siehe Frage B 15 aus der Anlage 4

72 siehe Frage B 3 aus der Anlage 4

73 siehe Frage B 3 aus der Anlage 4

74 siehe Frage B 3 sortiert nach Neubau und Bauen im Bestand aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 59 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Erstellen des SiGe-Plans vor dem Einrichten der Baustelle verlangt, wird mit der Frage

B 3 im wörtlichen Sinn nicht überprüft. Die Frage erfolgt in funktionalem Sinn, ob der

SiGe-Plan so rechtzeitig zu den Unternehmen gelangt, dass diese den SiGe-Plan bei

ihrer Arbeitsvorbereitung berücksichtigen können.

Übereinstimmend wurde in den Interviews berichtet, dass SiGe-Pläne nicht oder nur

selten angepasst bzw. verändert werden. Dies deckt sich mit den Aussagen der Bauherren.

Das Leistungsverzeichnis enthält nach Angabe der schriftlich befragten Bauunternehmen

nur in geringem Umfang Regelungen zur Umsetzung des SiGe-Plans (39 %). 75 In

Anbetracht des späten Erstellungszeitpunktes kann der SiGe-Plan auch nur in geringem

Maße bei der Ausschreibung Berücksichtigung finden. Bei großen Bauvorhaben

(Bausumme über 5 Mio. Euro) sind häufiger Regelungen im LV enthalten (56 %), 76

ebenso beim Hochbau (54 %) sowie beim Neubau (46 %). Bei Tiefbaumaßnahmen (27 %)

sowie beim Bauen im Bestand (17 %) sind dagegen nur selten Regelungen zum SiGe-

Plan im LV enthalten. 77 Generell ist festzustellen, dass aus der Sichtweise der Bauunternehmen

SiGe-Pläne bei Tiefbaumaßnahmen, sowie beim Bauen im Bestand eine

eher untergeordnete Rolle spielen. SiGe-Pläne sind nach Angabe der schriftlich befragten

Bauunternehmen häufig Bestandteil der vertraglichen Regelungen (63 %). 78 Die interviewten

Bauunternehmer bestätigten, dass SiGe-Pläne in den Bauverträgen berücksichtigt

werden, allerdings zumeist nur durch Hinweise in den zusätzlichen Vertragsbestimmungen.

In Verbindung mit der Frage nach dem Zeitpunkt des Erhalts des SiGe-

Plans an die Bauunternehmer ist zu schlussfolgern, dass der SiGe-Plan im Bauvertrag

zwar erwähnt wurde, zum Vertragsabschluss häufig aber noch nicht vorlag.

SiGe-Pläne von Externen werden von den interviewten ausführenden Unternehmen

kaum berücksichtigt, teilweise ausdrücklich als nicht sinnvolles Instrument bezeichnet.

Der SiGe-Plan sei meist nicht aktuell und auch nicht vertrags- bzw. handlungsrelevant.

Berücksichtigt werde immer der abgestimmte Bauzeitenplan. Insbesondere beim Bauen

im Bestand müsse „vor Ort“ schnell koordiniert werden. Beim Bauen im Bestand

sind nach Aussage des in diesem Bereich tätigen Unternehmens SiGe-Belange aufgrund

der unternehmerischen Erfahrungen beim laufenden Baubetrieb zu berücksichtigen.

Eine langfristige Planung sei nach Meinung der Interviewpartner wegen der

schwer vorhersehbaren örtlichen Gegebenheiten nicht sinnvoll. Bei der Auswahl von

Bauverfahren/Fertigungstechniken, bei der Änderung der Arbeitsmethoden, bei der Bereitstellung

für Personal und Geräte sowie der Feinablaufplanung und der Nachregelung

der Ablaufabweichungen findet der SiGe-Plan nach Aussage der schriftlich befragten

Bauunternehmer auf der Baustelle nur geringe Beachtung. Eine häufigere Nutzung

erfolgt dagegen im Rahmen von Arbeitsunterweisungen und bei der Überwa-

75

siehe Frage B 8 aus der Anlage 4

76

siehe Frage B 8 sortiert nach Bausumme aus der Anlage 4

77

siehe Frage B 8 sortiert nach Hochbau- und Tiefbaumaßnahmen, Neubau, Bauen im Bestand aus der Anlage 4

78

siehe Frage B 9 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 60 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

chung von Arbeitsverfahren. 79 Von den interviewten Bauunternehmen wurde der SiGe-

Plan als praxisfernes und starres Instrument empfunden. Damit wäre auch zu erklären,

dass 57 % 80 der Bauunternehmen die Qualität des SiGe-Plans als nicht ausreichend

geprüft ansehen und nur von einem geringen Teil (20 %) 81 Kostenvorteile durch die

frühzeitige Erstellung und Nutzung des SiGe-Plans gesehen werden. Als mögliche

Prüfinstanz werden die Gewerbeaufsichtsämter/ oder die staatlichen Ämter für Arbeitsschutz

präferiert. 82

Planer

SiGe-Pläne werden auch nach Aussage der schriftlich befragten Planer zumeist erstellt

(87 %) 83 . Dabei sind nach Aussage der schriftlich befragten Planer diese in der Regel

(84 %) 84 an der Erstellung beteiligt. Bei Maßnahmen des kommunalen Tiefbaus gibt es

nach Meinung der interviewten Planer seltener SiGe-Pläne und SiGe-Koordinatoren.

Dies deckt sich mit den Aussagen der interviewten Bauunternehmer. Im Tätigkeitsbereich

der interviewten Planer werden SiGe-Pläne in der Regel verlangt, diese würden

aber formal abgehandelt. Das frühzeitige Vorliegen von SiGe-Plänen schon für die Planungsphase

werde von öffentlichen Bauherren nach Ansicht der interviewten Planer

nicht überprüft. Die Plausibilität der SiGe-Pläne bei gefahrgeneigten Arbeiten, z. B. in

Laborgebäuden, werde dagegen vom öffentlichen Auftraggeber geprüft. Die Planungsbüros

beachten die SiGe-Pläne/SiGe-Planung besonders bei Baumaßnahmen an baulichen

Anlagen unter Betrieb (Straßenbetrieb, genutzte öffentliche Gebäude, Kläranlagen

unter Betrieb etc.). Bei dieser Aussage ist zu berücksichtigen, dass die befragten

Planungsbüros auch die SiGe-Koordination anbieten, allerdings nicht schwerpunktmäßig.

Die SiGe-Pläne wirken sich nach Meinung der schriftlich befragten Planer nur zum geringen

Teil auf das Leistungsverzeichnis aus. Da die SiGe-Pläne zumeist bei oder nach

Baubeginn erstellten werden, sehen 42 % der schriftlich befragten Planer keine Auswirkungen

des SiGe-Plans auf das Leistungsverzeichnis oder das Leistungsprogramm. 85

Ebenso berichten 43 % der schriftlich befragten Planer, dass der SiGe-Plan kein Vertragsbestandteil

sei. 86 Interviewte Planer berichteten, dass Leistungsverzeichnisse für

Tiefbaumaßnahmen keine Regelungen zur Umsetzung des SiGe-Plans enthielten und

der SiGe-Plan fast nie Bestandteil der Bauverträge wäre. Häufig werde aber eine Prüfung

von Arbeitsschutzmaßnahmen und der Baustelleneinrichtungsplanung der Unternehmen

vorbehalten, bei der SiGe-Gesichtspunkte einflössen.

79 siehe Frage B 14 aus der Anlage 4

80 siehe Frage B 10 aus der Anlage 4

81 siehe Frage B 16 aus der Anlage 4

82 siehe Frage B 11 aus der Anlage 4

83 siehe Frage B 1 aus der Anlage 4

84 siehe Frage B 4 aus der Anlage 4

85 siehe Frage B 7 aus der Anlage 4

86 siehe Frage B 9 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 61 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Nach Meinung der interviewten Planer würden die Unternehmen vorhandene (extern

erstellte) SiGe-Pläne allenfalls bei großen Baumaßnahmen berücksichtigen. Eine Integration

in betriebliche Managementsysteme gebe es nur bei Großunternehmen und

den Anlagenbauern. Eine Beteiligung der Unternehmen an der SiGe-Planung sei nicht

sinnvoll (Ingenieurbüro). Ein Einpflegen der SiGe-Pläne in die Ablaufpläne der Unternehmen

und in den abgestimmten Bauzeitenplan (für alle Unternehmen) sei dagegen

zu befürworten. Bei Baubeginn von Hochbaumaßnahmen lagen SiGe-Pläne nach Meinung

der interviewten Planer in der Regel vor. Die Mehrzahl der schriftlich befragten

Planer (58 %) 87 sahen die Qualität des SiGe-Plans allerdings als nicht ausreichend geprüft

an. Der SiGe-Plan wurde nach Meinung der interviewten Planer in den frühen

Planungsphasen, im Gegensatz zur Ausführungsplanung, nicht berücksichtigt. Häufig

gäbe es aber auch in der Ausführungsphase nichts SiGe-relevantes zu beachten.

SiGe-Aspekte für den Herstellungsprozess als auch für den späteren Nutzungsprozess

sollten vom Planer laufend „mitgedacht“ werden. Bei Änderungen im Bauablauf würde

der Bauzeitenplan angepasst, eine Änderung des SiGe-Plans erfolge selten. Eine Anpassung

des Bauzeitenplanes aufgrund von Anforderungen aus dem SiGe-Plan käme

nicht vor.

SiGeKo

SiGe-Pläne werden nach Angaben der SiGeKo zum überwiegenden Teil bis zum Baubeginn

erstellt. 88 Dies deckt sich mit den Angaben der anderen Beteiligten. Nach den

Erfahrungen der Interviewpartner enthielten Leistungsverzeichnisse keine Regelungen

zur Umsetzung des SiGe-Plans. Dagegen sehen mehr als die Hälfte der schriftlich befragten

SiGeKo Auswirkungen durch den SiGe-Plan auf das Leistungsverzeichnis bzw.

das Leistungsprogramm durch zusätzliche Positionen oder durch Wegfall von Positionen

im LV. 89 Dies steht im Widerspruch zu den Aussagen der anderen Adressatengruppen.

Die schriftlich befragten und interviewten SiGeKo bestätigen, dass SiGe-Pläne in den

Bauverträgen berücksichtigt werden. 90 Nach Meinung der interviewten SiGeKo sei dies

allerdings zumeist nur ein formalrechtlicher Hinweis auf den zu berücksichtigenden Si-

Ge-Plan. Die interviewten SiGeKo berichten, dass die SiGe-Pläne tendenziell immer

weniger für Bauherren erbracht würden, da diese die SiGeKo-Leistungen überwiegend

den ausführenden Unternehmen übertrügen würden. Größtenteils wüssten die Bauunternehmen

aber nicht genau, was sich hinter den SiGeKo-Leistungen verbergen würde.

Eine interessengesteuerte Koordinatorenleistung könnte so nicht vermieden werden

bzw. eine objektive Arbeitsweise im Interesse des Bauherrn (Verantwortungsträger)

nicht gewährleistet werden.

87 siehe Frage B 10 aus der Anlage 4

88 siehe Frage B 5 aus der Anlage 4

89 siehe Frage B 7 aus der Anlage 4

90 siehe Frage B 9 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 62 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Die verschiedenen Elemente, die ein SiGe-Plan enthalten solle, werden laut Aussage

aller schriftlich befragten und interviewten SiGeKo in der Regel aufgeführt. 91 Nach Meinung

der interviewten SiGeKo treten Schwierigkeiten bei der räumlichen Zuordnung

der Abläufe auf. Hierbei seien mehrdimensionale Darstellungen erforderlich, deren Erstellung

aufwendig sei. Hier würden Vereinfachungen praktiziert. Ansonsten werden alle

weiteren Inhalte für unverzichtbar gehalten. Hinweise auf Ausschreibungstexte werden

eher selten gemacht. Aber es erfolgen teilweise Hinweise auf Pläne, die durch den

Planer und den Oberbauleiter zu erstellen seien. Häufig wird im SiGe-Plan – ergänzend

zu den in der RAB 31 benannten Elementen – auf einen separaten Alarmplan

verwiesen, der Bestandteil des SiGe-Plans wird. Die in Einzelfällen erfolgende Erstellung

eines SiGe-Plans für die Phase der Planung der Ausführung bleibe sehr allgemein.

Konkrete Inhalte würden oftmals fehlen. Eine inhaltlich konkrete Ausgestaltung

wäre aber auch kaum möglich (die für den Herstellungsprozess maßgebenden ausführenden

Unternehmen sind noch nicht eingebunden), da zu diesem Zeitpunkt konkrete

Ausführungsinhalte zum Bauvorhaben fehlten. Diese Lücke überbrücken einige Koordinatoren

durch Protokolle über Vereinbarungen bei den späteren Baubesprechungen

und verzichten auf schrittweise Konkretisierungen des SiGe-Plans. Solche Protokolle

haben nach den Erfahrungen der Interviewpartner eine größere Bedeutung auch für Sicherheit

und Gesundheit als der SiGe-Plan. Das heißt: Es wird operativ reagiert, bei

konkreten Anlässen werden Festlegungen zur Koordinierung für eine Gewährleistung

von Sicherheit und Gesundheitsschutz getroffen. Der SiGe-Plan spielt bei diesen Besprechungen

allenfalls am Rande eine Rolle. Die SiGe-Pläne laufen eher völlig separat.

Dies wird beklagt, weil so eine Verknüpfung mit dem realen Baugeschehen nicht

programmiert sei. Die Interviewpartner betonen, dass im Prinzip eine Trennung des

Baugeschehens von den Anforderungen und der Umsetzung des SiGe-Plans erfolge

und so der SiGe-Plan ganz überwiegend als eine zusätzlich zu beachtende Forderung

aufgefasst werde.

Die Interviewpartner beklagen sehr eindringlich, dass die Anforderungen, die der SiGe-

Plan stellt, von den bauausführenden Unternehmen nicht beachtet werden. Dies deckt

sich mit den Ergebnissen der schriftlichen Befragung. 92 Sie finden bei der Angebotskalkulation,

bei der Bereitstellung von Personal und Geräten usw. (also bei der Arbeitsvorbereitung

in den Unternehmen) keinerlei Berücksichtigung. Die SiGe-Pläne stellen für

bauausführende Unternehmen ein nach Aussage der Interviewten „totes“ Dokument

dar, das aushängt und zur Kenntnis genommen wird – aber ansonsten laufe der Bauprozess

primär nach wirtschaftlichen Gesichtpunkten weiter. Ein Interviewpartner

drückte das so aus: „Leistungsdruck lässt äußere Einflüsse nicht zu!“ Damit charakterisierte

er zugleich den von den Baubetrieben wahrgenommenen Charakter eines Si-

Ge-Plans, nämlich als „äußeres“, außerhalb des Bauprozesses liegendes Element.

91 siehe Frage B 6 aus der Anlage 4

92 siehe Frage B 14 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 63 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Nachunternehmer werden nach Meinung der Interviewpartner direkt vom SiGeKo in

den SiGe-Plan eingewiesen, weil sich das Bauunternehmen hierzu kaum engagieren

würde. Das führe bei vielen kleinen Bauvorhaben aufgrund von Kapazitätsproblemen

aber zu Problemen, aber auch bei Baustellen mit einer Vielzahl von Nachunternehmern.

Indiz für die fehlende Akzeptanz des SiGe-Plans bei den Bauunternehmen ist beispielsweise,

dass Anregungen zur Weiterentwicklung/Änderung des SiGe-Plans durch

Bauunternehmen im Prinzip nicht vorkommen würden. Die schriftliche Befragung der

SiGeKo ergab, dass der SiGe-Plan bei zwei Drittel der Befragten mindestens einmal

fortgeschrieben wird. 93 Häufigste Ursache für die Fortschreibung des SiGe-Plans waren

Änderungen/Ergänzungen im Arbeitsablauf sowie Änderungen der zeitlichen Zuordnung

von Arbeitsabläufen. 94 Inhaltliche Mindestanforderungen nach RAB 31

wurden bei der Fortschreibung ergänzt, während inhaltliche Empfehlungen nur geringe

Berücksichtigung bei der Fortschreibung fanden. 95 Die interviewten SiGeKo

berichteten, dass Änderungen des SiGe-Plans eher im Nachhinein erfolgen, z. B. wenn

Bauzeiten geändert oder andere Verfahren eingesetzt würden u. ä. – aber nicht in

einer steuernden Funktion des SiGe-Plans, sondern vielmehr registrierend auf bereits

vollzogene Veränderungen. Damit werde Sicherheit und Gesundheit nicht

vorausschauend beeinflusst. Beide Interviewpartner beklagten, dass eine aktive

Einflussnahme zur Veränderungen von Bauabläufen kaum möglich sei. Dies würde

erfordern, kontinuierlich in alle wichtigen Prozesse einbezogen zu sein. Diese ständige

Einbeziehung sei aber auch durch die geringen Honorare für den SiGeKo beschränkt;

eine aktive Begleitung des Bauvorhabens sei nicht möglich.

Kontakte mit den Fachkräften für Arbeitssicherheit der Bauunternehmen durch den Si-

GeKo werden von den interviewten SiGeKo für wichtig gehalten. 96 Direkt mit den Fachkräften

für Arbeitssicherheit werden Arbeitsabläufe mit ihren möglichen Gefährdungen

und Anforderungen an Sicherheit und Gesundheit besprochen. Dieser direkte Kontakt

zwischen SiGeKo und Fachkraft für Arbeitssicherheit wird als nützlich beschrieben. Es

werden teilweise konkrete Koordinierungsanforderungen abgestimmt.

Übereinstimmend wird berichtet, dass von den meisten Bauunternehmen eine objektspezifische

Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz nicht vorgelegt werden

könne. In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass der SiGeKo diese Dokument

nur auf freiwilliger Basis vom Bauunternehmer erhält; ein Rechtsanspruch hierauf besteht

nicht. Sollte die Gefährdungsermittlung im Einzelfall vorgelegt werden (meist erst

nach konkreter Anforderung durch den SiGeKo), so ist diese regelmäßig nicht an das

spezifische Bauvorhaben angepasst und damit nicht für eine Koordinierung verwendbar.

Diese Gefährdungsbeurteilung werde aber für eine wirksame Koordinierung als

93 siehe Frage B 12 aus der Anlage 4

94 siehe Frage B 13 aus der Anlage 4

95 siehe Frage B 6 aus der Anlage 4

96 siehe auch Teil D Kap. 5.5 Fragen zur SiGe-Koordination

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 64 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

sehr wichtig angesehen. „Ich bin dazu übergegangen, in der für das Bauvorhaben zugeschnittenen

Baustellenordnung – die vom Bauherren unterzeichnet wird – festzulegen,

dass der Auftragnehmer vor Baubeginn eine baustellenbezogene Gefährdungsbeurteilung

durchzuführen hat und diese auf Verlangen dem Koordinator zur Einsichtnahme

zu übergeben hat.“ 97 Hinzuweisen ist, dass diese rechtssicher in den Bauvertrag

mit einzubeziehen ist.

Trotz der derzeitigen geringen Beachtung und Berücksichtigung des SiGe-Plans durch

die ausführenden Unternehmen auf der Baustelle, sehen 50 % der schriftlich befragten

SiGeKo durch eine frühzeitige Erstellung und Nutzung des SiGe-Plans Kostenvorteile

für die Baumaßnahme. 98 Dies steht im Widerspruch zu den Aussagen der anderen

Adressatengruppen.

Sonstige Institutionen

In den Seminaren für private Bauherren einer Verbraucherzentrale und in der Beratungspraxis

eines Beraters (Architekt) eines Verbandes für private Bauherren wird die

Baustellenverordnung und ihre Instrumente sowie die Verantwortlichkeit der Bauherren

für den überbetrieblichen Arbeitsschutz nicht thematisiert.

Ein Mitarbeiter einer im Baubereich tätigen Versicherung bemängelte, dass die Verständlichkeit

von SiGe-Plänen bei großen Bauprojekten nicht gegeben sei. Die vorliegenden

Pläne seien zu umfangreich und kaum mehr lesbar. Es sollte besser mit Piktogrammen

gearbeitet werden. Er bezeichnete den SiGe-Plan als Kommunikationselement

der vorangegangenen SiGe-Planung. Er sei somit ein „Wegweiser“ für eine sichere

Baustelle.

Aus Sicht eines Vertreters einer Ingenieurkammer, der auch als SiGeKo arbeitet, findet

die Einbindung von SiGe-Belangen in den Planungsprozess in der Regel zu spät statt.

Ein guter Koordinator mache seine SiGe-Planung baubegleitend, weil er vorher meist

nicht richtig beteiligt werde. Dies sei aber eher eine Notlösung. Der Beauftragungszeitpunkt

für den SiGe-Koordinator sei allerdings nicht entscheidend für die Beurteilung

seiner Einflussmöglichkeit. Auch bei frühen Beauftragungen könne es passieren, dass

seine Mitwirkung an der Planung erst sehr viel später beginne. Der gute SiGe-Plan und

seine zeitliche Komponente sei eigentlich ein „qualifizierter projektbegleitender Reparaturbetrieb“.

Die Idealvorstellung der frühzeitigen Integration der SiGe-Planung in die

Objektplanung würde gegenwärtig kaum stattfinden.

97 Wenn diese konkrete Baustellenordnung nicht den Ausschreibungsunterlagen beigefügt war, handelt es sich um eine

nachgeschobene Vertragsbedingung, die nicht akzeptiert werden muss – schon gar nicht ohne Entgelt für die

geforderte Leistung, auch wenn diese Leistung für die Verwendung im Unternehmen selbst gesetzlich

vorgeschrieben ist.

98 siehe Frage B 16 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 65 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Er führte weiter aus, dass die SiGe-Planung möglichst frühzeitig in die Planung eingebunden

werden sollte. Diese frühzeitige Einbindung werde aber von den Bauaufsichtsbehörden

nicht verfolgt. Weder im Baugenehmigungsverfahren noch in anderen Plangenehmigungs-

und Planfeststellungsverfahren werde die frühzeitige SiGe-Planung geprüft.

Der SiGe-Planer/SiGe-Koordinator sollte wie ein Fachplaner begriffen werden,

wie z. B. der Tragwerksplaner oder der Planer für die technische Gebäudeausrüstung.

Er bemängelte, dass das SiGe-Wissen der Planer generell unzureichend sei. Das

SiGe-Wissen der Planer sollte zumindest so groß sein, dass die Planer entscheiden

könnten, wann sie einen externen Fachmann hinzuziehen müssten.

Nach Meinung des Vertreters der Ingenieurkammer gebe es in 90 % der Leistungsverzeichnisse

keine Berücksichtigung einer konkreten SiGe-Planung. In den positiven Fällen

wären in den Leistungsverzeichnissen zum Teil keine speziellen SiGe-Positionen

erkennbar, weil die SiGe-Planung sich in ganz normalen Leistungspositionen niederschlagen

könnte, z. B. zur Gestaltung des Gerüstes. Wenn ein SiGe-Plan „extra“ zum

Unternehmen komme, gebe es meistens Akzeptanzprobleme. Wenn die SiGe-Planung

dagegen wie beschrieben in die Leistungsverzeichnisse integriert wäre, würde diese

auch akzeptiert, da keine Nachteile in Form von möglichen Risikoverlagerungen auf die

Seite der Unternehmer entstehen würden. Jeder durch nicht integrierte Planung entstandene

SiGe-Plan hätte zwangsläufig Mängel. In der derzeitigen Praxis würden deshalb

alle SiGe-Pläne – auch die guten – von den Unternehmen nicht beachtet.

Netzwerk Baustelle

Bei den Baustellenrevisionen der Aktion Netzwerk Baustelle 2004 lag zum Zeitpunkt

der Revision bei 72 % (76 % 2003) der Bauvorhaben ein SiGe-Plan vor. Dadurch können

die Ergebnisse der schriftlichen Befragung annähernd validiert werden. Die Abweichung

von 16 % kann dadurch erklärt werden, dass der SiGe-Plan zum Zeitpunkt der

Revision im Rahmen der Aktion Netzwerk Baustelle nicht vorgelegen hat, was ein (evtl.

späteres) Vorhandensein ja nicht ausschließt. Eine Erklärung liegt weiterhin auch in

der Erhebung der Daten (Ist-Erfassung/Revision ohne Ankündigung im Vergleich zur

anonymen/freiwilligen Befragung). Die Ergebnisse der schriftlichen Befragung zeigen

somit eine tendenziell positivere Situation.

Das zeigt sich auch bei der Erfüllung der Anforderungen der Baustellenverordnung,

sortiert nach Bauherrenart. „Nur“ bei 86 % der öffentlichen Bauherrn und 68 % der privaten

Bauherrn liegt nach der Auswertung von Netzwerk Baustelle 2004 ein SiGe-Plan

vor. Dies sind 6 (öffentlicher Bauherr) 99 bis 25 % (privater Bauherr) 100 weniger, als bei

der schriftlichen Befragung im Rahmen dieser Untersuchung.

99 siehe Frage B 1 sortiert nach öffentlicher Bauherr aus der Anlage 4

100 siehe Frage B 1 sortiert nach nichtöffentlicher Bauherr aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 66 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Schwieriger ist die Wertung der Vollständigkeit von SiGe-Plänen. Während bei der

schriftlichen Befragung die Kriterien nach RAB 31 geprüft wurden (Inhaltliche Mindestanforderungen

und Inhaltliche Empfehlungen), so untersucht die Aktion Netzwerk Baustelle

die Vollständigkeit bzw. Qualität der SiGe-Planung durch die Konkretisierung von

sicherheitstechnischen Maßnahmen und deren Verantwortlichkeitszuordnung. Im Einzelnen

beziehen sich diese Aussagen auf gemeinsam genutzte Absturzsicherungen,

Kranbetrieb, Lastaufnahmeeinrichtung, Baustellenverkehr und Lagerung. Die Berücksichtigung

dieser Arbeitsschutzaspekte (Konkretheit und Verantwortlichkeit) in der gesamten

SiGe-Planung wird von der Aktion Netzwerk Baustelle mit 44 % bis 68 % als

vollständig bzw. weitgehend vollständig (= „akzeptabel“) und mit 70 % bis 89 % als teilweise

berücksichtigt bewertet. 101

Die Ergebnisse der Aktion Netzwerk Baustelle werden als Hinweis darauf gewertet,

dass die Werkzeuge der Baustellenverordnung und hier konkret der SiGe-Plan wirksam

sind. Defizite gibt es bei kleinen Baustellen und in der Veranschaulichung der Organisation

verschiedener Arbeitsschutzbedingungen.

Fazit

SiGe-Pläne werden nach Meinung der Befragten zum Großteil erstellt, sogar für Baustellen,

bei denen nach Baustellenverordnung kein SiGe-Plan erforderlich wäre. Dabei

muss berücksichtigt werden, dass hauptsächlich Projektbeteiligte größerer Baumaßnahmen

an der Befragung teilnahmen und Rückmeldungen vorrangig von Anwendern

der Baustellverordnung kamen. Die „Nicht-Anwender“ wurden in der schriftlichen Befragung

vermutlich durch die negative Selbstselektion und in den Interviews bewusst

durch entsprechende Auswahl der Interviewpartner nicht berücksichtigt.

Der Bauunternehmer erhält zum Großteil den SiGe-Plan erst zwischen Auftragserteilung

und Baubeginn, oft kurz vor Baubeginn. Daher kann der SiGe-Plan in den wichtigen

Phasen der Kalkulation, der Baustelleneinrichtungsplanung, der Bauverfahrensplanung,

Personaleinsatzplanung und der Terminplanung nicht berücksichtigt werden.

Die Vollständigkeit des SiGe-Plans wird von den Befragten positiv bewertet. Die erstellten

SiGe-Pläne sind nach Angabe aller Befragten überwiegend im Sinne der RAB 31

(inhaltliche Mindestanforderung) mit Ausnahme der „räumliche Zuordnung der Abläufe“

vollständig. Die inhaltlichen Empfehlungen nach RAB 31 finden dagegen weniger Beachtung.

Der SiGe-Plan wirkt sich nur bei einem Teil der Befragten auf das Leistungsverzeichnisse/Leistungsprogramm

aus.

In Anbetracht des erfragten Erstellungszeitpunktes des SiGe-Plans kann sich dieser

aber kaum effektiv auswirken. Der SiGe-Plan wird im Bauvertrag erwähnt, liegt häufig

101 Arbeitsgruppe Netzwerk Baustelle; Abschlussbericht der Aktion Netzwerk Baustelle im Rahmen der EU-

Baustellenkampagne; Ansprechpartner Dr. Sebastian Schul, Regierungspräsidium Darmstadt, Abt. Arbeitsschutz

und Sicherheitstechnik, S. 19 ff, Wiesbaden 2005

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 67 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

zum Vertragsabschluss aber noch nicht vor. Über die Hälfte aller Befragten sehen den

SiGe-Plan als nicht ausreichend geprüft an. Von der Mehrzahl der Befragten wird eine

Prüfung des SiGe-Plans durch das Gewerbeaufsichtsamt oder das staatliche Amt für

Arbeitsschutz gewünscht. Die ausführenden Unternehmen berücksichtigen den SiGe-

Plan insgesamt nur im geringen Maße. Anwendungen erfolgen hauptsächlich im Rahmen

des direkten Arbeitsschutzes (Arbeitsunterweisungen/Überwachung von Arbeitsverfahren).

Das eigentliche Ziel des SiGe-Plans, die vorausschauende Planung der Sicherheit

in der „Planung der Ausführung“, wird also nicht erreicht. Kostenvorteile werden

durch die frühzeitige Nutzung des SiGe-Plans bei allen am Bau Beteiligten nur in

geringem Umfang gesehen. Besonders der Bauherr erkennt keine Kostenvorteile.

5.4 Unterlage für spätere Arbeiten

Bauherren

Unterlagen für spätere Arbeiten werden von rund einem Drittel der schriftlich befragten

Bauherren erstellt, obwohl dies bei der Mehrzahl der Baumaßnahmen erforderlich gewesen

wäre. 102 Dies trifft gleichermaßen auf Hochbau- und Tiefbaumaßnahmen zu. 103

Häufigste Gründe für die „Nicht-Erstellung“ der Unterlage waren die Überzeugung,

dass keine Unterlage erforderlich wäre (36 %) sowie der nicht erwartete Nutzen (21 %). 104

Bei einem interviewten öffentlichen Auftraggeber werden erste Gedanken schon im

Rahmen der Planung der Ausführung in Dokumentationen gesammelt und später dann

weiter vervollständigt. Ein anderer öffentlicher Bauherr (Kommune) erstellt aus Zeit-

und Kostengründen keine Unterlagen für spätere Arbeiten, obwohl dies in Einzelfällen

für sinnvoll angesehen wird. Wenn eine Unterlage für spätere Arbeiten erstellt wird,

geschieht dies in der Regel erst zum Abschluss der Baumaßnahme (51 %). 105

Lediglich 14 % der schriftlich befragten Bauherren gaben an, die Unterlage für spätere

Arbeiten bis zur Ausschreibung des Hauptgewerkes zu erstellen. 106 Dies betrifft sowohl

mittlere Baumaßnahmen (Bausumme 1 bis 5 Mio. €) als auch größere Baumaßnahmen

(Bausumme über 5 Mio. €). 107 Im Rahmen der Ausschreibung oder im Bauvertrag wird

die Unterlage, wenn überhaupt nur als Information oder Hinweis in den zusätzlichen

Vertragsbestimmungen berücksichtigt.

52 % der schriftlich befragten Bauherren gaben an, die Unterlage in der Ausschreibung

nicht zu berücksichtigen. 108 Ebenso gaben 64 % der befragten Bauherren an, dass die

Unterlage kein Bestandteil der Bauverträge sei. 109 Wenn Unterlagen erstellt werden,

102

siehe Frage C1 - Die Befragten wurden gefiltert nach: „wer war nach Baustellenverordnung verpflichtet“. 154 hätten

mit ja antworten müssen, aber nur 63 haben es erkannt. Anlage 4

103

siehe Frage C1 sortiert nach Hoch- und Tiefbau aus der Anlage 4

104

siehe Frage C2 aus der Anlage 4

105

siehe Frage C4 aus der Anlage 4

106

siehe Frage C4 aus der Anlage 4

107

siehe Frage C4 sortiert nach Bausumme aus der Anlage 4

108

siehe Frage C6 aus der Anlage 4

109

siehe Frage C7 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 68 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

sind sie nach Meinung der interviewten Bauherren Teil der Bestandsunterlagen und

werden als Teil der Dokumentation des Planers oder Generalunternehmens an den

Nutzer/Kunden weitergegeben. Von den privaten Bauherrn wird die Meinung vertreten,

dass die Belange von Sicherheit und Gesundheitsschutz für die spätere Nutzung immer

bei der Planung durch den Architekten zu berücksichtigen seien. Liegen entsprechende

SiGe-Kenntnisse des Architekten vor und werden diese berücksichtigt, sei eigentlich

keine Unterlage erforderlich. Insofern könne eine Unterlage als Prüfinstrument

für eine SiGe-gerechte Planung gelten. Von einem öffentlichen Bauherren wird bemängelt,

dass die Unterlage ähnlich wie der SiGe-Plan zumeist nur sehr oberflächig und

nicht konkret auf das Bauvorhaben bezogen erstellt werde.

Die häufigsten sicherheitstechnischen Einrichtungen für die spätere Nutzung sind nach

Meinung der schriftlich befragten Bauherren Sekuranten und Schutzgerüste. 110 Wenn

eine Unterlage erstellt wurde, wird diese nach Meinung von 65 % der befragten Bauherren

auch weiterverwendet. 111 Kostenvorteile durch die Nutzung der Unterlage werden

allerdings nur von 32 % der schriftlich befragten Bauherren gesehen, wobei der

nicht öffentliche Bauherr einen geringfügig höheren Kostenvorteil gegenüber dem öffentlichen

Bauherren sieht. 112

Bauunternehmen

Von den schriftlich befragten Bauunternehmen berichteten 31 %, dass für ihr Bauvorhaben

eine Unterlage für spätere Arbeiten erstellt wurde. 113 Bei den interviewten Vertretern

der Bauunternehmen wurde die Unterlage für spätere Arbeiten allerdings oftmals

mit allgemeinen Dokumentationen, Revisionsplänen und Betriebsanleitungen verwechelt.

Dies sollte auch bei der Interpretation der Ergebnisse der schriftlichen Befragung

berücksichtigt werden. Die Unterlage wird, wenn überhaupt, überwiegend für

Baumaßnahmen im Hochbau erstellt (Hochbau 36 %, Tiefbau 28 %). 114 Beim Tiefbau

oder beim Bauen im Bestand war den interviewten Vertretern der Bauunternehmen

kein Praxisbeispiel bekannt. Bedeutung hätte die Unterlage nur für technische Gewerke.

Im klassischen Tiefbau werden nach Meinung der interviewten Vertreter der Bauunternehmen

offenbar kaum Unterlagen für spätere Arbeiten erstellt. Ausnahmen wären Anlagen

mit kompliziertem Betrieb, wie z. B. Kläranlagen und eventuell Brücken wegen

der regelmäßigen Überwachung nach DIN 2076. Zu beachten ist jedoch, dass für Brücken

generell das Brückenbuch vom Planer zu erstellen ist, das weitgehend Planungen

dokumentiert, wie diese im Sinne der Unterlage erforderlich sind. Bei den Unterlagen

für Kläranlagen und ähnliche bauliche Anlagen handelt es sich aber eigentlich nicht um

110

siehe Frage C8 aus der Anlage 4

111

siehe Frage C11 aus der Anlage 4

112

siehe Frage C12 sortiert nach öffentlichen und nicht öffentlichen Bauherren aus der Anlage 4

113

siehe Frage C1 aus der Anlage 4

114

siehe Frage C1 sortiert nach Hoch- und Tiefbau aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 69 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Unterlagen für spätere Arbeiten an den baulichen Anlagen, sondern um Betriebsanweisungen,

Inspektions- und Wartungslisten, vor allem für technische Anlagen als Bestandteil

der baulichen Anlage. Im Gegensatz zu den Bauherren, Planern und SiGeKo

berichteten 33 % der schriftlich befragten Bauunternehmen, dass die Unterlage für

spätere Arbeiten Bestandteil der Bauverträge sei. 115 Wenn die Bauunternehmen von

der Unterlage Kenntnis haben, ist sie also in den meisten Fällen auch Vertragsbestandteil.

Planer

Im Gegensatz zu den Aussagen von Bauherren und Unternehmern wurden bei mehr

als zwei Dritteln der schriftlich befragten Planer für ihr Vorhaben eine Unterlage für

spätere Arbeiten erstellt. 116 Die Planer waren zum überwiegenden Teil (83 %) auch an

der Erstellung der Unterlage beteiligt. 117 Die Erstellung der Unterlage erfolgte zum

überwiegenden Teil nach Baubeginn (23 %) oder erst nach Abschluss der Baumaßnahme

(35 %). 118 In der Ausschreibung und in den Bauverträgen erfolgt nach Aussage

der schriftlich befragten Planer dagegen kaum eine Berücksichtigung der Unterlage. 119

Es ist zu vermuten, dass ähnlich wie bei den interviewten Unternehmern, die Unterlage

für spätere Arbeiten mit allgemeinen Dokumentationen verwechselt werden. Ein Vertreter

eines interviewten Ingenieurbüros berichtete, dass Unterlagen für spätere Arbeiten

in der Regel nur für Kläranlagen und Regenwasserbehandlungsanlagen erstellt würden.

Im kommunalen Kanalbau und im Straßenbau gäbe es dagegen kaum Unterlagen.

Wenn Unterlagen erstellt werden, wären diese sehr aufwendig und würden auch

die Dokumentation nach HOAI enthalten. Dies würde sich mit dem Betrieb der baulich/

technischen Anlagen (Ex-Schutz, Atemschutz, Infektionsgefahr, etc.) vermischen. Der

umweltgerechte, sichere und wirtschaftliche Betrieb sei Hauptkriterium der Objektplanung

bei Kläranlagen. Betriebsbelange würden von Anfang an bei der Objektplanung

mitgedacht. Überlegungen zur Unterlage spielten dabei keine Rolle.

Der Vertreter des interviewten Architekturbüros beachtet spätere Arbeiten an der baulichen

Anlage frühzeitig. Die Unterlage werde aber erst im Rahmen der Dokumentation

nach Abschluss der Baumaßnahme erstellt. Eine Trennung von Dokumenten für die

Unterlage und die Dokumentation nach HOAI sei zumeist nicht möglich. Er berichtete,

dass die Unterlage für spätere Arbeiten nie Gegenstand bauvertraglicher Regelungen

für die ausführenden Unternehmen sei. Die technischen Gewerke und Fachplaner würden

aber zumeist Betriebsanleitungen und Revisionspläne liefern. Die Dokumentationen

(mit oder ohne Unterlage für spätere Arbeiten) würden allerdings regelmäßig vom

Auftraggeber kaum genutzt. Nicht immer würden die für den Betrieb zuständigen Personen

die für sie notwendigen Unterlagen erhalten. Ein Hausmeister brauche z. B. die

115 siehe Frage C7 aus der Anlage 4

116 siehe Frage C1 aus der Anlage 4

117 siehe Frage C3 aus der Anlage 4

118 siehe Frage C4 aus der Anlage 4

119 siehe Fragen C6, C7 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 70 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Leitungspläne, aber nicht die Leistungsbeschreibungen aller Gewerke. Ein Klärwärter

brauche eine umfassende Betriebsanweisung, in die Aspekte von Sicherheit und Gesundheitsschutz

eingearbeitet sind und nicht eine gesonderte Unterlage nur für Arbeiten

an der baulichen Anlage. Insofern sei der Nutzen der gesonderten Unterlage für

spätere Arbeiten nicht immer gewährleistet.

SiGeKo

Als Ergebnis der schriftlichen Befragung berichteten 71 % der befragten SiGeKo, dass

eine Unterlage für spätere Arbeiten erstellt werde. 120 Dies deckt sich mit den Angaben

der Planer und steht im Gegensatz zu den Angaben der Bauherren und Bauunternehmer,

die nur zu rund einem Drittel angeben, dass für ihr Bauvorhaben eine Unterlage

für spätere Arbeiten erstellt werde. Nach den Erfahrungen der Interviewpartner wird die

Unterlage für spätere Arbeiten nicht für alle Bauvorhaben erstellt, sondern lediglich für

ca. 50 %, obwohl sie erforderlich gewesen wäre. Daraus lässt sich schließen, dass die

Verpflichtung, eine Unterlage für spätere Arbeiten zusammenzustellen, insbesondere

bei Bauherren und Bauunternehmen nicht überall bekannt ist. Neben der Meinung,

dass keine Unterlage erforderlich wäre, waren die häufigsten genannten Gründe für die

„Nicht-Erstellung“ der nicht erwartete Nutzen und die fehlende Beauftragung durch den

Bauherren. 121

Wenn eine Unterlage erstellt wird, erfolgt die Zusammenstellung zumeist nach Abschluss

der Baumaßnahme. 122 Die Größe der Baustelle spielt dabei offensichtlich

keine Rolle. 123 Diese Angabe deckt sich mit den Angaben der Bauherren, während

rund 40 % der Planer anführen, dass die Unterlage für spätere Arbeiten bis zum

Baubeginn erstellt wurde. Hier besteht offensichtlich Aufklärungsbedarf über den Sinn

und den Erstellungszeitpunkt der Unterlage für spätere Arbeiten. Übereinstimmend mit

Planern und Bauherren berichteten die SiGeKo, dass die Unterlage für spätere

Arbeiten in der Ausschreibung und in den Bauverträgen nicht berücksichtigt werden. 124

In Anbetracht des späten Erstellungszeitraumes kann die Unterlage auch nicht effektiv

in der Ausschreibung berücksichtigt werden. Nur bei ca. einem Drittel der schriftlich

befragten SiGeKo erfolgt eine Fortschreibung, wobei dies eher bei größeren

Baumaßnahmen erfolgt. 125 Als Gründe für die Fortschreibung werden vorrangig

Änderungen an der baulichen Anlage sowie notwendige Konkretisierungen genannt. 126

Die interviewten SiGeKo berichteten, dass die Unterlage teilweise bereits in der Planungsphase

erstellt, jedoch dem Bauherren erst nach Beendigung der Bauphase übergeben

werde. Es gebe das Bemühen, bereits in der Planungsphase Einfluss auf si-

120 siehe Frage C1 aus der Anlage 4

121 siehe Frage C2 aus der Anlage 4

122 siehe Frage C4 aus der Anlage 4

123 siehe Frage C4 sortiert nach Bausumme aus der Anlage 4

124 siehe Fragen C6, C7 aus der Anlage 4

125 siehe Fragen C9 sortiert nach Bausumme aus der Anlage 4

126 siehe Frage C10 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 71 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

cherheitstechnische Einrichtungen für spätere Arbeiten zu nehmen. Die Akzeptanz der

Planer für solche Vorschläge sei allerdings sehr gering ausgeprägt und die Durchsetzung

oftmals nur mit hoher Anstrengung möglich. Solche Vorschläge würden von den

Planern in dieser frühen Phase verdrängt und als noch zu früh charakterisiert.

Beim Erstellen der Unterlage für spätere Arbeiten würden SiGeKo, Bauherr und Planer

zusammenwirken. Die Bauunternehmer würden sich hierbei nicht einbringen und es erfolge

auch keinerlei Beratung mit den Bauunternehmen. Bei Bauvorhaben, bei denen

der Auftragnehmer die SiGeKo-Leistungen mit zu erbringen hätte, werde die Unterlage

meistens nicht mit ausgeschrieben. Die Unterlage sei auch nie Bestandteil der Bauverträge

mit den ausführenden Firmen. In der Unterlage werde zumeist auf späteren Arbeiten

verwiesen, wie Reinigung und Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Erneuerung.

Als typische Gefährdungen würden oftmals Arbeiten in großer Höhe, Gefahrstoffe

sowie spezifische Gefährdungen, die aus der Technik im Gebäude resultierten

auftreten. Notwendige sicherheitstechnische Einrichtungen wären Schranken, Zugänge,

Leitern, Standsicherheit für erforderliche Geräte. Die schriftlich befragten SiGeKo

gaben an, vorrangig Schutzgerüste und Sekuraten als sicherheitstechnische Einrichtungen

für die spätere Nutzung der baulichen Anlage vorzuschlagen. 127 Die in der

RAB 32 benannte Aufnahme von Verweisen auf Positionen des Leistungsverzeichnisses

in die Unterlage für spätere Arbeiten wurde von den Interviewpartnern verneint.

Wenn die Unterlage für spätere Arbeiten erstellt wurde, wird diese nach Meinung der

schriftlich befragten SiGeKo auch weiterverwendet. 128 Die Interviewpartner bestätigen

die Nutzung der Unterlage für spätere Arbeiten nach Abschluss des Bauvorhabens und

vertraten die Meinung, dass sich dadurch auch Kostenvorteile ergeben würden. Diese

träten insbesondere bei der späteren Wartung und Instandhaltung auf. Sie schätzen

ein, dass die Planungsphase für die Gestaltung der Unterlage für spätere Arbeiten konsequenter

genutzt werden sollte, um Verbesserungen für die Sicherheit bei späteren

Arbeiten überhaupt zu ermöglichen.

Sonstige Institutionen

Der Vertreter der Ingenieurkammer berichtete, dass die Unterlage für spätere Arbeiten

sinnvollerweise auf die bauliche Anlage beschränkt bleiben solle. Technische Anlagen

und auch die maschinentechnischen Anlagen sowie umbaurelevante Informationen

sollten nicht mit einbezogen werden. Er vertrat die Auffassung, dass sich die Unterlage

eigentlich nur auf die Arbeiten beziehen sollte, die gefährlich seien; also nur auf solche

Arbeiten, die durch Planungsfehler leider noch gefährlich bleiben würden. Die Unterlage

für spätere Arbeiten sollte durch gute integrierte Planung und Berücksichtigung von

SiGe-Aspekten für spätere Arbeiten möglichst gering ausfallen.

127 siehe Frage C8 aus der Anlage 4

128 siehe Frage C11 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 72 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Er berichtete weiter, dass die SiGe-Planung in der Planungsphase eigentlich zwei

Aspekte umfasse. Diese seien die SiGe-Planung für den Fertigungsprozess und die

SiGe-Planung für die spätere Nutzung. Die SiGe-Koordination während der Ausführungsphase

umfasse natürlich nur die Fertigung.

Die Unterlage gelangt nach Auskunft einer Innung des Gebäudereiniger-Handwerks

nicht zu den Reinigungsunternehmen. Die Gebäudereinigungsfirmen würden sich bei

der Innung öfter über „chaotische“ Planungen beschweren. In Einzelfällen würde sich

Architekten an die Innung wenden, wenn es Reinigungsprobleme gebe. Seminare der

Innung für Architekten zu Fragen von Wirtschaftlichkeit und Sicherheit bei der Gebäudereinigung

seien aber sehr schlecht angenommen worden.

Netzwerk Baustelle

Bei der Aktion Netzwerk Baustelle wurde die Existenz einer Unterlage für spätere Arbeiten

abgefragt. Zum Zeitpunkt der Revision lagen bei 34 % (39 % 2003) der Bauvorhaben

eine Unterlage vor. Das Resultat ist noch negativer, als das Ergebnis der schriftlichen

Befragung (sie war 15 - 20 % positiver). In Bezug auf die Akzeptanz der Unterlage

für spätere Arbeiten konnte die schriftliche Befragung durch die Ergebnisse der Aktion

Netzwerk Baustelle jedoch validiert werden, denn beide Ergebnisse zeigen ein

Missverhältnis von Forderung der Baustellenverordnung und Realität. Die Diskrepanz

sei damit begründet, dass die Unterlage für spätere Arbeiten den jeweiligen Ansprechpartnern

bei der Revision nicht bekannt war, beispielsweise, weil er dafür nicht die Verantwortung

hatte oder von der Existenz nichts wusste. Die Ergebnisse der schriftlichen

Befragung zeigen somit ein tendenziell positiveres Bild, weil besonders Involvierte und

Interessierte teilnahmen.

Fazit

Die Verpflichtung eine Unterlage für spätere Arbeiten zusammenzustellen, ist häufig

nicht bekannt. Bauherren berichten fälschlicherweise, dass die Unterlage nicht erforderlich

sei. Aus dem Ergebnis ist erkennbar, dass eine verbesserte Aufklärungsarbeit

zu der Pflicht der Erstellung einer Unterlage für spätere Arbeiten erforderlich ist. Wenn

die Unterlage für spätere Arbeiten erstellt wird, so doch generell zu spät. Auch hier besteht

Aufklärungsbedarf über den Sinn und den Erstellungszeitpunkt der Unterlage für

spätere Arbeiten. Wenn eine Unterlage für spätere Arbeiten erstellt wurde, so ist diese

im Hinblick auf die erforderlichen Angaben nach RAB 32 weitestgehend vollständig.

Die weiteren Angaben nach RAB 32 sind deutlich unvollständiger. 129 Die Unterlage für

spätere Arbeiten wird also auf ein Minimum (im Sinne der erforderlichen Angaben

RAB 32) reduziert. Aufgrund des späten Erstellungszeitpunktes wird die Unterlage für

spätere Arbeiten in der Ausschreibung kaum berücksichtigt. Falls eine Berücksichtigung

erfolgt, geschieht dies häufig durch zusätzliche Positionen im Leistungsverzeich-

129 siehe Frage C5 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 73 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

nis. Bei Bauverträgen wird die Unterlage für spätere Arbeiten ebenfalls kaum berücksichtigt,

lediglich bei 17 % der Befragten ist sie vertraglicher Bestandteil. Der SiGeKo

kennt die sicherheitstechnischen Einrichtungen für die spätere Nutzung und schlägt

diese auch vor. Der SiGeKo übernimmt somit häufig eine beratende Funktion in Bezug

auf die Reduzierung von Gefährdungen bei der späteren Nutzung, obwohl er dies nach

dem Wortlaut der Baustellenverordnung nicht zu erbringen, sondern nur zusammenzustellen

hat.

Die Unterlage für spätere Arbeiten wird insgesamt gesehen zu spät zusammengestellt

und wird kaum fortgeschrieben. Trotzdem wird sie, wenn sie erstellt wurde, weiterverwendet.

Der erwartete Effekt, dass neben der Erhöhung von Sicherheit und Gesundheitsschutz

auch Kostenvorteile entstehen oder erkannt werden, tritt nur in geringem

Maße auf.

5.5 SiGe-Koordination

Bauherren

Die schriftlich befragten Bauherren sind im Wesentlichen der Meinung, dass die notwendigen

Tätigkeiten nach der Baustellenverordnung durchgeführt werden. Lediglich

die Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Unterlage für spätere Arbeiten werden

schlechter bewertet. 130 Die interviewten Bauherren äußerten dagegen, dass sich die

Tätigkeiten der SiGeKo im Wesentlichen auf Kontrollmaßnahmen durch Baubegehungen

und Vermittlungen von Informationen und Hinweisen (beratendes Kontrollorgan)

beschränken würden. Dies wird als nützlich empfunden. Räumliche und zeitliche Koordinierungsmaßnahmen

fänden nur in Ausnahmefällen statt. Entsprechende Vorschläge

zur Verbesserung der Abläufe waren nicht bekannt. Eine Überprüfung von Bauzeitenplänen

und Bauabläufen würde nicht stattfinden und auch nicht gewünscht werden.

Von den anderen Baubeteiligten wird der SiGeKo nach Meinung der interviewten Bauherren

nicht akzeptiert. SiGeKo-Tätigkeiten werden überwiegend durch externe SiGe-

Ko durchgeführt. 131 Diese Personengruppe wird als am geeignetsten angesehen. Der

Bauherr hat einen ausreichenden Zugang auf SiGeKo-Leistungen. Lediglich bei 8,5 %

der schriftlich befragten Bauherren wurde kein SiGeKo empfohlen. 132 Der SiGeKo wird

vorwiegend nach Kostenaspekten und dem Vorhandensein praktischer Erfahrungen

beauftragt. 133 Eine Beauftragung erfolgt bei ca. 40 % der befragten Bauherren für die

SiGe-Koordination in der Phase der Ausführung des Bauvorhabens und bei ca. 50 %

für eine SiGe-Koordination in beiden Phasen. 134 Die Beauftragung erfolgt bei 43 % der

130 siehe Frage D1 aus der Anlage 4

131 siehe Frage D7 aus der Anlage 4

132 siehe Frage D8 aus der Anlage 4

133 siehe Frage D10 aus der Anlage 4

134 siehe Frage D11 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 74 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

befragten Bauherren bis zur Ausschreibung des Hauptgewerkes. Bis zum Baubeginn

haben 89,5 % der Bauherren einen SiGeKo beauftragt. Die Beauftragung erfolgt dabei

bei größeren Baumaßnahmen und im Hochbau in der Regel früher als bei kleinen Baumaßnahmen

und im Tiefbau. 135 Generell wird aber der SiGeKo zu spät beauftragt, was

insbesondere eine wirkungsvolle Koordinierung in der Planungsphase erschwert.

Für die SiGeKo-Leistung wird kein einheitliches Leistungsbild und keine einheitlichen

Vergütungssätze angewandt. 136 Die Kosten für den SiGeKo betragen nach Angabe der

schriftlich befragten Bauherren im Mittelwert 0,75 % der Bausumme. 137 Die interviewten

Bauherren berichteten, dass die Kosten oftmals weniger als 0,3 % der Bausumme

betragen würden. Dies wurde als eher sehr knapp empfunden.

Die staatlichen Aufsichtsbehörden und die Träger der gesetzlichen Unfallversicherungen

(Berufsgenossenschaften) haben nach Angabe der schriftlich interviewten Bauherren

ca. drei Viertel der untersuchten Baumaßnahmen mindestens einmal kontrolliert. 138

Dabei werde in den meisten Fällen auch die Umsetzung der Baustellenverordnung

überprüft. 139 Die Aufsichtsbehörden und die Träger der gesetzlichen Unfallversicherungen

nehmen damit eine erweiterte Aufsichtspflicht war. Bei der Bewertung dieser Ergebnisse

über das Aufsichtshandeln des Staates und der Berufsgenossenschaften ist

zu beachten, dass im Rahmen der Aktion Netzwerk Baustelle im Mai und Juni 2004 die

staatlichen Arbeitsschutzverwaltungen und die Unfallversicherungsträger verstärkt

Baustellenrevisionen durchgeführt haben, bei denen auch Maßnahmen zur Umsetzung

der Baustellenverordnung überprüft wurden. Die schriftliche Befragung erfolgte parallel

zu diesen Revisionen, so dass das Befragungsergebnis durch diese Revisionen (positiv)

beeinflusst sein könnte.

Bauunternehmen

Auch die schriftlich befragten Bauunternehmen sind im Wesentlichen der Meinung,

dass die notwendigen Tätigkeiten nach der Baustellenverordnung durchgeführt werden.

140 Die weitergehend interviewten Vertreter der mittelständischen Bauunternehmen

äußerten allerdings übereinstimmend, dass sich die Tätigkeiten des SiGeKo eher auf

Kontrolltätigkeiten des betrieblichen Arbeitsschutzes beschränken würden. Dies wurde

als störend empfunden. „Wir brauchen keinen dritten Kontrolleur.“ Als Beispiele wurde

die Überprüfung von Kabeltrommeln, der Helmpflicht oder des ordnungsgemäßen Zustandes

der Betriebsmittel (Kran) genannt. Die Abfrage nach Gefährdungsbeurteilungen,

Montageanleitungen etc. wurde als lästig empfunden, da nur in Ausnahmefällen

Rückmeldungen in Form von geeigneten Hinweisen zur SiGe-Koordination erfolgten.

135

siehe Frage D9 sortiert nach Bausumme und Hoch- und Tiefbau aus der Anlage 4

136

siehe Fragen D12, D13 aus der Anlage 4

137

siehe Frage D15 aus der Anlage 4

138

siehe Fragen D2, D4 aus der Anlage 4

139

siehe Fragen D3, D5 aus der Anlage 4

140

siehe Frage D1 aus der Anlage 4

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5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Es wurde der Verdacht geäußert, dass die angeforderten Unterlagen nur zur Dokumentationspflicht

gegenüber dem Auftraggeber genutzt würden.

Von der Gruppe der kleinen Mittelständler wird der SiGeKo eher nicht akzeptiert. Er sei

zu selten auf der Baustelle, um wirkungsvoll koordinieren zu können. Bei größeren

Baumaßnahmen wird die Notwendigkeit und der Nutzen eher gesehen. Dies erklärt

auch die Ergebnisse der schriftlichen Befragung, bei der überwiegend größere Bauunternehmen

beteiligt waren. Die Tätigkeiten des SiGeKo werden dort zwar deutlich kritischer

als vom Bauherren oder vom SiGeKo bewertet, die Wertung ist in ihrer Gesamtheit

aber immer noch positiv. 141 Die Hinweise des SiGeKo werden in der Regel berücksichtigt.

Koordinierungsgespräche, die 14-täglich oder öfter durchgeführt werden, werden

für die Erfüllung der Aufgaben der Bauunternehmen und im Bezug auf Sicherheit

und Gesundheitsschutz als hilfreich angesehen. 142 Über 90 % der schriftlich befragten

Unternehmen gaben an, dass ihre Mitarbeiter über die sie betreffenden Schutzmaßnahmen

informiert werden. 143 Wenn eine Fachkraft für Arbeitssicherheit vorhanden ist,

arbeitet diese in der Regel mit dem SiGeKo zusammen. Die Zusammenarbeit funktioniert

dabei besser bei großen Unternehmen und wird als positiv bewertet.

Problematisch wurde die SiGeKo-Bestellung für SiGe-Plan-freie Baustellen (kleine

Baustellen ohne besonders gefährliche Arbeiten) gesehen. Nach Ansicht der interviewten

Bauunternehmen würden für solche Baustellen kaum SiGe-Koordinatoren bestellt.

Planer

Die schriftlich befragten Planer sind ähnlich wie Bauherren und Bauunternehmen der

Meinung, dass die notwendigen Tätigkeiten nach der Baustellenverordnung durchgeführt

werden. 144 Die interviewten Planer berichteten, dass die Koordinatoren für etwa

50 % der Bauvorhaben bestellt würden, für die ein SiGeKo erforderlich sei. Allerdings

würde bei kleinen Maßnahmen ein SiGeKo fast nie beauftragt. Der „Beauftragte Dritte“

würde fast nie vorkommen. Niedrige Honorare seien das wichtigste Auswahlkriterium

für SiGeKo. Auch würden die Hochbau-Bauherrn gerne die sowieso beteiligten Planer

beauftragen.

Die SiGe-Koordination durch externe Koordinatoren sei nicht in den Bau- und Planungsablauf

integriert, sie würde von außen ansetzen. Die Koordinationsleistung würde

vom Bauherrn nicht überprüft. Die interviewten Planer, die auch SiGeKo-Leistungen

anbieten, gaben an, im Rahmen ihrer SiGe-Koordination/Bauleitung die räumliche und

zeitliche SiGe-Koordination und die SiGe-Einweisung der Unternehmen durchzuführen.

Das Anliegen der Koordinatoren werde von den Unternehmen akzeptiert, dessen konkrete

Umsetzung teilweise nicht. Die Berücksichtigung betrieblicher Tätigkeiten (Stra-

141 siehe Frage D16 aus der Anlage 4

142 siehe Fragen D17, D18, D19, D20 aus der Anlage 4

143 siehe Frage D22 aus der Anlage 4

144 siehe Frage D1 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 76 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

ßenbetrieb, Sichern der Zuwege zu Anliegern, Kanalbetrieb, Wohnen, Publikumsverkehr,

Unterricht, Versorgungsleitungen Dritter in Betrieb, Gefahrstoffe des Betriebs)

werden bei der Koordination aufmerksam beachtet. Allerdings seien die externen SiGe-

Ko zu selten auf den Baustellen und könnten daher eigentlich nicht richtig koordinieren.

Dies bestätigt die Einschätzung der interviewten mittelständischen Bauunternehmen.

Es wurde darauf hingewiesen, dass es auf kleinen Baustellen oft unter SiGe-Gesichtspunkten

wenig zu koordinieren gebe, auch wenn ein Koordinator bestellt sei. Der hätte

dann Legitimationsprobleme bei Bauherren und Handwerkern.

Die schriftlich befragten Planer gaben an, dass zumeist externe SiGeKo die Koordinierung

nach Baustellenverordnung wahrnehmen würden. Die interviewten Planer vertraten

die Meinung, dass der Planer oder der Bauleiter des Bauherrn der optimale, weil

integrierte, SiGe-Koordinator sei.

SiGeKo

Die schriftlich befragten SiGeKo vertraten die Meinung, dass sie die notwendigen Tätigkeiten

der Baustellenverordnung bei ihren Bauvorhaben zu fast 100 % durchführen

und so ihre Verantwortung wahrnehmen würden. 145 Dies wird durch die Befragungsergebnisse

der anderen Zielgruppen gestützt. Ca. 40 % der schriftlich befragten SiGeKo

haben bei ihren Bauvorhaben Doppelfunktionen, wobei vor allem Architekt/Planer,

Bauleiter und Bauüberwacher die weiteren Funktionen sind. 146 Die interviewten

SiGeKo betonten, dass die Koordination von einer unabhängigen externen Person am

wirkungsvollsten erfüllt werden könne. Bei dieser Personengruppe sei Sicherheit und

Gesundheit während des Bauprozesses im Zentrum des Interesses und nicht der

Baufortschritt. Damit bliebe der Arbeitsschutz im Mittelpunkt dieser Tätigkeit und werde

nicht aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen verdrängt. Es wird berichtet, dass

insbesondere gewerbliche Bauherren, die mit ihrer externen Fachkraft für

Arbeitssicherheit und deren Engagement sehr zufrieden wären, auf diese Fachkraft

auch als SiGeKo zurückgreifen würden. Bauunternehmen würden dagegen

überwiegend keine eigene Fachkraft für Arbeitssicherheit als SiGeKo einsetzen,

sondern würden eher auf externe Ingenieurbüros mit baufachlichen Kompetenzen, die

SiGeKo-Leistungen anbieten, zurückgreifen. Hier spielen offenbar die beruflichfachliche

Nähe und Gewohnheiten eine Rolle.

Bei den Bauherren, welche die Koordinationsleistungen an Auftragnehmer vergeben,

würden die Kosten die wesentlichste Rolle spielen. Nach Einschätzung der interviewten

SiGeKo, wäre die Beauftragung der Koordinierung für viele Bauherren eher eine

Art „Pflichtakt“. Neben Kosten werde aber auch auf praktische Erfahrungen geachtet.

Dagegen würde der Nachweis der Lehrgänge zu Koordinatorenkenntnissen keinerlei

Rolle spielen. Die Interviewpartner berichteten, dass hierzu noch nie eine Nachfrage

145 siehe Frage D1 aus der Anlage 4

146 siehe Frage D6 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 77 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

erfolgt sei. Dagegen sei bei einer direkten Beauftragung durch den Bauherren manchmal

die vorhandenen Arbeitsschutzkompetenzen nachzuweisen. Bei Beauftragung

durch das Bauunternehmen würden auch Arbeitsschutzkompetenzen nicht nachgefragt.

Zu Kompetenzen wäre ausschließliches Kriterium: „Haben Sie schon mal auf

diesem Gebiet gearbeitet?“

Die primäre Betonung der Kosten für den Koordinator führe zu einer sehr starken Begrenzung

der Einsatzzeiten für die Tätigkeit des SiGeKo auf der Baustelle. Dies wurde

von den Interviewpartnern mehrfach und eindringlich betont. In solchen Fällen einer

minimalen Anwesenheitszeit auf Baustellen, wird auch die mangelnde Akzeptanz des

SiGeKo beklagt. Bei hinreichender Möglichkeit, sich fachlich als SiGeKo in die praktische

Tätigkeit auf dem Bau einzubringen, würde auch die Akzeptanz dieser Tätigkeit

bestätigt. Letztlich sei dies aber offenbar auch eine Frage der persönlichen fachlichen

und der sozialen Kompetenzen des SiGeKo (wie Art der Gesprächsführung, Beratungs-

und Unterstützungsstil, Argumentationskraft).

Bei einer Beauftragung durch den Bauherren werde oftmals auch die Einhaltung der

vertraglichen Pflichten kontrolliert. Der Bauherr würde im Allgemeinen die Teilnahme

an Besprechungen verlangen, an denen auch er selbst teilnimmt. Bauherren würden

die Anzahl von Begehungen, die Teilnahme an Baubesprechungen sowie auch die

Vorlage der Instrumente SiGe-Plan und Unterlage nachfragen. Dieser Sachverhalt wurde

auch von einigen interviewten Bauherren bestätigt. Bei einer Beauftragung durch

Bauunternehmen gäbe es in der Regel keine Kontrollen der vertraglichen Tätigkeit.

Hier würde der SiGeKo in völliger Eigenverantwortung meist ohne Nachfragen wirken.

Im Einzelfall würden Vertragsmuster der Berufsgenossenschaften für den Vertragsabschluss

mit dem Auftraggeber als SiGeKo genutzt. In den meisten Fällen würde aber

lediglich ein Auftragsschreiben mit Bezug auf die angebotenen Leistungen ohne konkrete

Nachfrage durch den Auftraggeber erfolgen. Der Vertragsinhalt sei damit insbesondere

durch den SiGeKo selbst geprägt und abhängig von seinen Kompetenzen und

individuellen Intentionen für die Koordinierungsleistung.

Sonstige Institutionen

In den Seminaren für private Bauherren einer Verbraucherzentrale kam die Notwendigkeit

der Koordinierung/Koordinatorbestellung als Thema nicht vor. In der Beratungspraxis

eines Bauherrenberaters (Architekt) gab es keinen Fall, in dem Fragen der Baustellenverordnung,

der Koordinatorbestellung, der SiGe-Koordination, des SiGe-Plans oder

der Unterlage aufgetaucht seien.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 78 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Netzwerk Baustelle

Aus den Ergebnissen der Baustellenrevision ist erkennbar, dass regelmäßig Vorankündigungen

erfolgen und Koordinatoren für die Ausführungsphase bestellt werden. Knapp

zwei Drittel der Baustellen geben an, einen SiGeKo in der Planungsphase beauftragt

zu haben. Die SiGe-Koordination wird auch hier zu fast 50 % durch einen externen

SiGeKo wahrgenommen. Die Baustellen werden zum Großteil wöchentlich (fast 50 %)

und teilweise sogar mehrmals wöchentlich besucht. Ein Drittel der SiGeKo nehmen

immer an den Baubesprechungen teil. Fragen nach der detaillierten Koordinierungstätigkeit

und der Honorierung des SiGeKo waren nicht Bestandteil der Erhebungen der

Aktion Netzwerk Baustelle. Die Qualität der Koordination wird von der Aktion Netzwerk

Baustelle aber kritisch bewertet: „Es konnte in dieser Auswertung festgestellt werden,

dass die Baustellenverordnung bislang nur bei etwa 43 % der revidierten Baustellen zu

einer wirkungsvollen Koordination geführt hat. Dies entspricht dem Anteil der Baustellen,

auf denen akzeptable Unterlagen zur Koordination vorgefunden wurden.“ 147

Fazit

Die notwendigen Tätigkeiten nach der Baustellenverordnung werden in der Regel

durchgeführt. Die vertiefend interviewten Vertreter der mittelständischen Bauunternehmen

äußerten allerdings übereinstimmend, dass die Tätigkeiten des SiGeKo vorrangig

auf Kontrolltätigkeiten des betrieblichen Arbeitsschutzes ausgerichtet wären.

Der SiGeKo werde insbesondere für die Planungsphase regelmäßig zu spät beauftragt.

Ein Einfluss auf die Planung sei daher kaum gegeben. Der Bauherr lege Wert auf

Sicherheit und Gesundheitsschutz mit entsprechender Qualität zu allerdings geringsten

Kosten. Dies führe zu einer starken Begrenzung der Einsatzzeiten für die Tätigkeit des

SiGeKo auf der Baustelle. Dies wird von den interviewten Bauunternehmen und SiGe-

Ko bemängelt. Für die SiGeKo-Leistung werden kein einheitliches Leistungsbild und

keine einheitlichen Vergütungsansätze angewandt. Die vertragliche Regelung für das

Honorar sieht sehr häufig eine Pauschalierung vor. Der Mittelwert liegt bei 0,75 % der

Bausumme. Die interviewten Bauherren berichteten von deutlich geringeren Honoraren.

Es findet eine Kommunikation auf der Baustelle bezüglich Sicherheit und Gesundheitsschutz

statt. Die Hinweise des SiGeKo werden in der Regel von den ausführenden

Unternehmen berücksichtigt, Koordinierungsgespräche werden für die Erfüllung der

Aufgaben der Bauunternehmen und im Bezug auf Sicherheit und Gesundheitsschutz

als hilfreich angesehen. Die Mitarbeiter werden über die sie betreffenden Schutzmaßnahmen

informiert. Wenn eine Fachkraft für Arbeitssicherheit vorhanden ist, arbeitet

diese in der Regel mit dem SiGeKo zusammen. Dies wird als positiv bewertet. Die Un-

147 Arbeitsgruppe Netzwerk Baustelle; Abschlussbericht der Aktion Netzwerk Baustelle im Rahmen der EU-

Baustellenkampagne 2004; Ansprechpartner Dr. Sebastian Schul, Regierungspräsidium Darmstadt, Abt.

Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik, S. 31, Berlin 2005

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 79 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

ternehmen berücksichtigen also die Hinweise des SiGeKo, im Gegensatz zum SiGe-

Plan (s. o.).

5.6 Wirkungseinschätzungen

Bauherren

Nach Meinung der meisten schriftlich befragten Bauherren (ca. 70 %) sollte der SiGe-

Ko Weisungsbefugnis haben, um seine Koordinationspflichten wirkungsvoller erfüllen

zu können. 148 Die interviewten Bauherren bestätigen diese Einschätzung nur zum Teil.

Es wird auch die Gefahr gesehen, dass eine Weisungsbefugnis erhebliche finanzielle

Auswirkungen nach sich ziehen könne, z. B. bei einem möglichen durch den SiGeKo

verhängten Baustop. Nach Meinung der schriftlich befragten Bauherren hat die Baustellenverordnung

auf eine verbesserte Zusammenarbeit der am Bau Beteiligten nur

geringen Einfluss. Lediglich öffentliche Bauherren sehen ihre Zusammenarbeit mit anderen

am Bau Beteiligten seit Einführung der Baustellenverordnung als verbessert

an. 149 Nach Meinung aller interviewten Bauherren hat sich die Zusammenarbeit mit

den Baubeteiligten durch die Baustellenverordnung ebenfalls nicht verbessert.

Aufgrund des üblichen Termindruckes und des starken Preiswettbewerbes sei die

Zusammenarbeit sogar eher schlechter geworden.

Eine Verringerung der Gefährdungen wird dagegen zum Teil gesehen. Durch die Baustellenverordnung

wäre die Sensibilität gegenüber Sicherheit und Gesundheitsschutz

erhöht worden. Die schriftlich befragten Bauherren vertreten die Meinung, dass durch

die Baustellenverordnung die gesetzlichen Regelungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz

besser umgesetzt werden. 150 Sie sehen dagegen keine Optimierung bei den

Kosten, der Qualität oder der Ablaufplanung. 151 Die interviewten Bauherren sehen in

diesem Bereich ebenfalls keine Auswirkungen. Zusätzliche Kosten oder Kosteneinsparungen

seit Einführung der Baustellenverordnung werden bei Geräten und Einrichtungen,

Fertigungsverfahren, Gewährleitung etc. nicht gesehen. Positive Auswirkungen

bezüglich Ablauf- und Bauqualität sowie hinsichtlich Terminsicherheit und Baukosten

werden generell nicht gesehen. Bei der Absturzsicherung und der Verkehrswegesicherung

werden nach Meinung der interviewten Bauherren Verbesserungen bei Sicherheit

und Gesundheitsschutz erkennbar. Dies sei aber in hohem Maße von der Qualität der

jeweiligen beteiligten Unternehmen abhängig.

Der SiGe-Nutzen der Baustellenverordnung wurde von allen interviewten und schriftlich

befragten Bauherren gesehen, aber nur im Bereich Sicherheit/Unfallverhütung, kaum

im Bereich Gesundheitsschutz. Häufig werden Verbesserungen bei Gerüsten und Ab-

148 siehe Frage E2 aus der Anlage 4

149 siehe Frage E5 aus der Anlage 4

150 siehe Frage E9 aus der Anlage 4

151 siehe Frage E8 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 80 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

sturzsicherungen, Einweisungen und Belehrungen wahrgenommen. Eine Verringerung

des Krankenstandes bzw. Verbesserung des Gesundheitszustandes der Beschäftigten

auf den Baustellen wurde von keinem Interviewpartner bestätigt. Sonstige Nutzen wurden

nur in Ausnahmefällen genannt. Das Instrument SiGe-Plan wird von den Interviewten

am häufigsten in Frage gestellt. Einige Interviewte beklagten mehr Arbeit, Kosten

und Bürokratie. Eine Wirkung bei kleinen Baustellen wird von den interviewten Bauherren

nicht gesehen.

Bauunternehmen

Auch die schriftlich befragten Bauunternehmer sind zum größten Teil der Ansicht, dass

der SiGeKo Weisungsbefugnis haben sollte, um seine Koordinationsverpflichtungen erfüllen

zu können. 152 Dies wird von den interviewten Bauunternehmen nicht generell bestätigt.

Eine Verbesserung der Zusammenarbeit wird von den schriftlich befragten Bauunternehmen

nur zum geringen Teil gesehen. 153 Die interviewten Bauunternehmer sehen

ebenfalls eher keine Verbesserungen. Beklagt wurde der starke Preiswettbewerb

und der Termindruck, welcher eine Zusammenarbeit behindern würde. Der finanzielle

Aufwand bei Geräten und Einrichtungen, Fertigungsverfahren, Gewährleitungskosten

etc. hat sich nach ihrer Meinung nicht wesentlich verändert.

Lediglich in den Bereichen Absturzsicherungen, Abböschungen und Baugrubenverbau

wird ein höherer finanzieller Aufwand gesehen. In diesen Bereichen hätten sich dadurch

auch die Gefährdungen verringert. Dies wird auch von den schriftlich befragten

Bauunternehmen bestätigt, die vor allem im Bereich des Umgangs mit Gefahrstoffen,

der Absturzsicherung und im Bereich der gegenseitigen Gefährdung der Beschäftigten

verschiedener Arbeitgeber eine Reduktion von Gefährdungen sehen. 154 Auch durch

Maßnahmen in den Bereichen Persönliche Schutzausrüstungen, Organisation der Ersten

Hilfe und Wartung/Instandhaltung sicherheitstechnischer Einrichtungen und Geräte

hat sich die Sicherheit und der Gesundheitsschutz auf Baustellen nach Auffassung

der schriftlich befragten Bauunternehmen und eines Teils der Interviewten verbessert.

155 Ob sich dies auf die Einführung der Baustellenverordnung zurückzuführen

lässt, ist allerdings nach Meinung der Interviewten offen.

Positive Auswirkungen bezüglich Ablauf- und Bauqualität sowie Terminsicherheit und

Baukosten werden generell nicht gesehen. 156 Krankenstand und Motivation der Beschäftigten

wurden durch die Baustellenverordnung nach Ansicht der interviewten

Bauunternehmen nicht beeinflusst. Positiv wird angemerkt, dass die Einbindung der

SiFa in den Baustellenbetrieb seit Einführung der Baustellenverordnung besser geworden

sei. Generell wird ein höheres Bewusstsein für Sicherheit und Gesundheitsschutz

152 siehe Frage E2 aus der Anlage 4

153 siehe Frage E5 aus der Anlage 4

154 siehe Frage E6 aus der Anlage 4

155 siehe Frage E9 aus der Anlage 4

156 siehe Frage E8 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 81 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

bei den Baubeteiligten seit Einführung der Baustellenverordnung konstatiert. Die Verantwortungsregelung

der Baustellenverordnung (Verantwortung beim Bauherren) wird

von den schriftlich befragten und interviewten Bauunternehmern befürwortet. 157 Eine

Wirkung der Baustellenverordnung bei kleinen Baustellen wird übereinstimmend von

den interviewten Bauunternehmern nicht gesehen.

Planer

Die Weisungsbefugnis für SiGeKo wird von den schriftlich befragten Planern ebenfalls

befürwortet. 158 Schriftlich befragte und interviewte Planer waren übereinstimmend der

Meinung, dass eine bessere Zusammenarbeit der am Bau Beteiligten generell nicht

festzustellen sei. 159 Insbesondere die Zusammenarbeit mit den Bauunternehmen wird

schlecht bewertet. Übereinstimmend wurde berichtet, dass sich die Aufmerksamkeit für

Sicherheit und Gesundheitsschutz seit der Baustellenverordnung vergrößert hat. Ein

positiver Nebennutzen in Bezug auf Ablaufqualität, Bauqualität, Terminsicherheit und

Baukosten wurde generell eher verneint. 160 Die interviewten Planer sahen Unterschiede

in der Beachtung von Sicherheit und Gesundheitsschutz von Seiten der Behörden

in einzelnen Bundesländern. Sie vertraten die Meinung, dass die SiGe-Aufmerksamkeit

der Baubehörde und dem Amt für Arbeitsschutz in Stadtstaaten größer sei, als in den

Flächenländern. Bei kleinen Baumaßnahmen würde die Baustellenverordnung nach

Ansicht der interviewten Planer, wenn überhaupt, nur formal angewendet. Die Verantwortungsregelung

wird aber von den Planern generell positiv eingeschätzt, da das Einzelunternehmen

die außerbetriebliche Koordination nicht leisten könne (Ausnahme

GU).

SiGeKo

Im Gegensatz zu den schriftlich befragten Bauherren, Bauunternehmen und Planern,

spricht sich ein nicht unerheblicher Teil der SiGeKo gegen eine Weisungsbefugnis aus.

Eine Verantwortungsübernahme wird also nicht generell befürwortet. Die interviewten

SiGeKo hielten eine Weisungsbefugnis ebenfalls nicht für erforderlich. Der Vorteil der

Baustellenverordnung wurde von ihnen insbesondere darin gesehen, dass den einzelnen

Bauunternehmen zusätzlich zum betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz

Fachkompetenzen zu überbetrieblicher Sicherheit und Gesundheit nahegebracht werden

könnten (weniger Betriebsblindheit). Es erfolge auch eine gewisse Vermittlung zwischen

den verschiedenen Unternehmensinteressen. Es wurde eingeschätzt, dass sich

die Zusammenarbeit zwischen den am Bau Beteiligten verbessert habe, weil in Fragen

Sicherheit und Gesundheit ein übergeordneter Blick bestehe und zwischen den Betrieben

Abläufe potenziell beeinflusst werden könnten. Es erfolge auch eine Verstärkung

der gegenseitigen Kontrolle zwischen den Unternehmen.

157 siehe Frage E3 aus der Anlage 4

158 siehe Frage E2 aus der Anlage 4

159 siehe Frage E5 aus der Anlage 4

160 siehe Frage E8 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 82 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Nach Einschätzung der Interviewpartner haben sich insbesondere Absturzgefährdungen

und Gefährdungen auf den Verkehrswegen der Baustelle reduziert. Dies deckt

sich mit den Angaben der schriftlich befragten SiGeKo. 161 Dabei habe sich nach in

Kraft treten der Baustellenverordnung der Aufwand für Absturzsicherungen, Abdeckungen,

Baugrubenverbau und Abböschungen nach Meinung der interviewten SiGeKo erhöht

und sich der Aufwand bei Verkehrssicherungen, emissionsarmen Geräten, Baustelleneinrichtungen

generell, Ausführungsarten/Fertigungsverfahren nicht verändert.

Eine Reduzierung des finanziellen Aufwands seit Einführung der Baustelleneinrichtung

wird von den schriftlich befragten und interviewten SiGeKo verneint. 162 Die Interviewpartner

betonen, dass eine Akzeptanz des SiGeKo allgemein erst möglich werde, wenn

eigene Vorschläge zur Minimierung des Kostenaufwands eingebracht werden.

Verbesserungen von Sicherheit und Gesundheit seit Einführung der Baustellenverordnung

werden von den schriftlich befragten und interviewten SiGeKo insbesondere

durch den Einsatz sicherheitstechnischer Geräte und Hilfsmittel, durch Verkehrswegeabsicherung,

durch Hygiene und Sauberkeit sowie Wartung und Instandhaltung der sicherheitstechnischen

Geräte und Hilfsmittel gesehen. 163 Die Verbesserung der Arbeitsplatzgestaltung

wird teilweise verneint, auch bestehen bei den Interviewpartnern Zweifel,

ob sich die Arbeitsorganisation auf der Baustelle real verbessert habe.

Unterschiede in der Wirksamkeit der Baustellenverordnung in den einzelnen Bundesländern

wurden nicht gesehen. Generell wurde von den interviewten SiGeKo eingeschätzt,

dass die Baustellenverordnung bei kleinen Baustellen keinerlei Anwendung

findet.

Sonstige Institutionen

Ein Vertreter einer Kammer äußerte, dass die Baustellenverordnung dazu geführt habe,

dass das Thema Sicherheit und Gesundheitsschutz wieder in die Köpfe aller am

Bau Beteiligten hineingekommen sei. Die gegenwärtige Praxis der Umsetzung der

Baustellenverordnung führe aber dazu, dass nicht alle Verbesserungsmöglichkeiten

und positiven Folgen, welche die Baustellenverordnung bringen könnte, entstehen. Finanzielle

Belastungen würden sich außer durch das Honorar des Koordinators nicht

ergeben. Bauablauf, Bauqualität, Terminsicherheit und Baukosten würden durch die

Baustellenverordnung gegenwärtig nicht berührt. Durch eine bessere integrierte SiGe-

Planung könnten aber auch hier Verbesserungen erreicht werden.

Er führte weiter aus, dass die Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in die

Gesamtabläufe auf jeden Fall durch Aktionen und Maßnahmen oder Verbesserung der

Rahmenbedingungen zu unterstützen und zu verbessern sei, weil eine nicht integrierte

161 siehe Frage E9 aus der Anlage 4

162 siehe Frage E8 aus der Anlage 4

163 siehe Frage E9 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 83 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

SiGe-Planung und SiGe-Koordination sehr aufwendig und vom Erfolg her nicht immer

sicher sei.

Bei sehr kleinen Maßnahmen im Bestand müsse aufgrund der Nr. 4 RAB 10 die Baustellenverordnung

eigentlich nicht angewandt werden. Hier würde man sich an die RAB

halten und nicht an den Wortlaut der Baustellenverordnung.

Netzwerk Baustelle

Die Werkzeuge der Baustellenverordnung werden als eindeutig wirksam eingeschätzt.

Eine vollständige SiGe-Planung führe zu deutlich besseren Arbeitsschutzbedingungen

auf den Baustellen. Vor allem bei gemeinsamen Absturzsicherungen werde dies bestätigt

. Auch die Bestellung eines SiGeKo führe zumeist zur Verbesserung von Sicherheit

und Gesundheitsschutz. Die Qualität der Koordination sei aber insgesamt noch immer

verbesserungsfähig, unabhängig von der Baustellengröße.

Die Umsetzung zentraler Anforderungen der Baustellenverordnung ist noch immer

nicht ausreichend, besonders auf kleinen Baustellen.

Fazit

Von dem meisten Baubeteiligten wird der externe SiGeKo am geeignetsten gehalten,

um die Baustellenverordnung wirkungsvoll umzusetzen. 164 Die aktive Einbindung des

Bauherren durch die Baustellenverordnung in den Arbeits- und Gesundheitsschutz wird

generell befürwortet. 165 Durch die Baustellenverordnung werden die gesetzlichen Regelungen

zum Arbeits- und Gesundheitsschutz besser umgesetzt. Grundsätzlich ist

durch die Baustellenverordnung die Sensibilität gegenüber Sicherheit und Gesundheitsschutz

erhöht worden. Nach überwiegender Einschätzung der Befragten hat sich

durch die Baustellenverordnung die Sicherheit und der Gesundheitsschutz auf Baustellen

verbessert. Dies betrifft insbesondere die Bereiche Absturzsicherung, Verkehrswegesicherung

und Arbeitsschutzbelehrungen/Unterweisungen. Bei der Auswahl SiGegerechter

Baukonstruktionen sind nach der Einführung der Baustellenverordnung allerdings

kaum Veränderungen festzustellen. Kosten, Termineinhaltung, Qualität oder

Ablaufplanung konnten durch die Baustellenverordnung nicht optimiert worden. Ein direkter

finanzieller Nutzen durch die Baustellenverordnung wird also nicht gesehen. Für

kleine Baustellen zeigt die Baustellenverordnung nach Ansicht aller Interviewten keinerlei

Wirkung.

164 siehe Frage E1 aus der Anlage 4

165 siehe Frage E3 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 84 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

5.7 Auswertung spezieller Fragen an die SiGe-Koordinatoren

SiGeKo

Ein Großteil der schriftlich befragten SiGeKo gab an, seine Ausbildung kurz nach Einführung

der Baustellenverordnung absolviert zu haben. 166 Spezielle Qualifikationen

können nachgewiesen werden und Weiterbildungsmaßnahmen werden besucht. 167 Die

schriftlich befragten SiGeKo schätzen ihre Qualifikation selbst als sehr gut ein. Dies gilt

bei der Planung der Ausführung als auch bei der Ausführung des Bauvorhabens. Lediglich

in den Bereichen Mitwirkung bei der Vergabe und Mitwirkung bei der Terminplanung

werden Defizite gesehen. 168 Die interviewten SiGeKo berichteten, dass der

Hauptteil der Tätigkeit Koordinierungsgespräche seien, wie z. B. das Geben von Hinweisen

und Informationen, die Teilnahme an Baubesprechungen oder die Durchführung

von Baubegehungen. Es würde sich primär um eine eher operative Einflussnahme

auf Sicherheit und Gesundheitsschutz während des Bauvorhabens handeln. Eine

vorausschauende Steuerung und Einflussnahme sei wegen der häufig fehlenden Informationen

durch Bauunternehmen, zu knapp bemessener Einsatzzeiten, unklarem

Einsatz von Subunternehmen und geringen Informationen über deren Abläufe nicht

wirkungsvoll möglich.

Leistungen zur Tätigkeit als SiGeKo bei der Planung der Ausführung, wie z. B. Feinablaufplanung,

Arbeitsvorbereitung, Baustelleneinrichtung oder Personaleinsatzplanung

würden angeboten, aber nur begrenzt in Anspruch genommen. Bauzeitenpläne und

Bauablaufpläne würden hinsichtlich Sicherheit und Gesundheitsschutz überprüft. Zögerlich

würden Vorschläge des SiGeKo, z. B. für den Einsatz gefährdungsarmer Arbeitsverfahren

– also zur Nutzung präventiver Potenziale – aufgegriffen. Hier würden

die Bauunternehmen häufig die Kompetenz des SiGeKo anzweifeln. Deshalb käme es

in diesem Bereich nur sporadisch zur Umsetzung entsprechender Vorschläge.

Eine Mitwirkung bei der Planung der Baustelleneinrichtung, bei der Ausschreibung, bei

der Vergabe sowie auch bei der Terminplanung erfolge eher selten. Auch die Wirkung

des SiGeKo auf Subunternehmen wird als eher gering beschrieben. Eine direkte Zusammenarbeit

mit Subunternehmen erfolge nur unregelmäßig. Eine Koordinierung unter

Berücksichtigung der allgemeinen Grundsätze nach § 4 ArbSchG werde allgemein

von den beteiligten Partnern nicht verstanden. Es bestehe große Unklarheit, was hierzu

konkret an Leistungen erforderlich sei.

Bei der Ausführung des Bauvorhabens erfolge durch den SiGeKo eine operative Arbeit

zur Überwachung der Einhaltung der Anforderungen zu Sicherheit und Gesundheit.

Dabei erfolge eine Orientierung am SiGe-Plan, eigentlich aber eher an den allgemei-

166 siehe Frage F2 aus der Anlage 4

167 siehe Fragen F1, F3 aus der Anlage 4

168 siehe Fragen F4, F5 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 85 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

nen Forderungen zu Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Bauarbeiten. Eine konsequente

vorausschauende Koordinierung sei für den SiGeKo oftmals nicht möglich. Sie

würden auch auf den Baustellen zumeist als die fachkundigen Berater zum allgemeinen

Arbeitsschutz gesehen. Die präventive Wirksamkeit durch vorausschauende Koordinierung

wäre deshalb nur begrenzt möglich. Auch hier lägen nach den Aussagen der

Interviewpartner die Gründe in fehlender Informationen bei Veränderungen von Abläufen

und Verfahren. Die SiGeKo würden in der Regel hiervon bei Besichtigungen der

Baustelle überrascht.

Für die Erstellung des SiGe-Plans werden nach Angabe von ca. zwei Drittel der schriftlich

befragten SiGeKo Gefährdungsermittlungen für das Gesamtprojekt und gewerkespezifisch

durchgeführt. 169 Dabei wird aber in der Regel nicht auf die Gefährdungsermittlungen

der Unternehmen zurückgegriffen. 170

Als Werkzeuge und Hilfsmittel werden von den interviewten SiGeKo überwiegend Vorlagen

und Muster der Bau-Berufsgenossenschaften verwendet. Dies deckt sich mit den

Ergebnissen der schriftlichen Befragung. 171 Für die Unterlage für spätere Arbeiten würden

eher eigene Mustervorlagen genutzt. Zum Ermitteln von Gefährdungen durch

Überschneidungen von Tätigkeiten würden die Interviewpartner zumeist Balkendiagramme

einsetzen. Die Vorlagen der Bau-BG wurden als „zu formal“ bezeichnet, um

die Überschneidungen konkret zu bestimmen. Nach Angabe der schriftlich befragten

SiGeKo wird ebenfalls deutlich, dass zur Erstellung des SiGe-Plans und der Unterlage

für spätere Arbeiten vorrangig eigene Vorlagen genutzt werden, wobei aber auch Leitfäden

der Berufsgenossenschaften und die RAB häufig Verwendung finden. Mustervorlagen

von Dritten werden dagegen kaum genutzt. Dies erklärt auch, dass ca. ein

Drittel der schriftlich befragten SiGeKo der Meinung sind, dass die zur Verfügung stehenden

Werkzeuge und Hilfsmittel nicht ausreichen. 172

5.8 Offene Antworten und Vorschläge für Verbesserungen sowie

Einschätzung von Hemmnissen

Bauherren

Es wird kein wirklicher Einzelnutzen für den Bauherren gesehen. Deshalb wird nach

Ansicht eines privaten Bauherren die Baustellenverordnung nur formal mit möglichst

geringen Kosten abgewickelt. Insgesamt wird die Regelung, aufgrund der geringen Kosten

und des gesellschaftlich anerkannten Zieles der Verbesserung von Sicherheit und

Gesundheitsschutz der Beschäftigten auf dem Bau, aber akzeptiert. Die öffentlichen

Bauherren bemängelten, dass die Akzeptanz der Baustellenverordnung insbesondere

169 siehe Frage F9 aus der Anlage 4

170 siehe Frage F10 aus der Anlage 4

171 siehe Frage F6 aus der Anlage 4

172 siehe Frage F14 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 86 von 444


5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

bei kleinen ausführenden Unternehmen nicht vorhanden sei. Insofern würde die Baustellenverordnung

nicht „gelebt“. Als möglichen Grund führte ein Bauherr die „Rohbaulastigkeit“

der Baustellenverordnung an. Während der innerbetriebliche Arbeitsschutz

bei den Ausbau- und Installationshandwerkern – insbesondere den größeren Unternehmen

– gut sei, gäbe es bei kleinen Firmen eher Defizite, die sich dann auch auf

andere Firmen auswirken würden. Viele der kleineren Unternehmen kämen aber aus

dem Bereich des Baunebengewerbes. Dort würden die meisten Koordinierungsprobleme

auftreten. Auf diese Bereiche wäre die Baustellenverordnung nicht zugeschnitten.

Bauunternehmen

Es wird anerkannt, dass SiGe-Belange insbesondere bei größeren Baustellen von den

Baubeteiligten eher akzeptiert werden als in der Vergangenheit. Bemängelt werden die

baufachlichen Qualifikationen (fachliche Koordinierungsfähigkeit) und zum Teil auch

die Kommunikationsfähigkeiten der SiGeKo. Dies sei aber personenabhängig. Generell

wird eine Vereinfachung der Regelungen vorgeschlagen. Insbesondere sollte der Geltungsbereich

eher auf größere komplexe Baumaßnahmen beschränkt werden. Das Instrument

SiGe-Plan wurde aufgrund der wahrgenommenen praxisfernen Handhabung

sehr kritisch eingeschätzt.

Als häufiger Grund für das immer noch vorhandene hohe Gefährdungspootenzial auf

der Baustelle wurde von den interviewten Bauunternehmen die ständige Veränderung

der Arbeitsstätte Baustelle genannt. Eigentlich sei der Arbeitsplatz das Produkt, das

auf Grund von Werkverträgen geschuldet würde. Das Bausoll bestimme die Wirklichkeit,

und dem Bausoll würde sich alles unterordnen. Hinzu käme, dass sich nicht nur

Arbeitsstätte und Arbeitsplatz täglich ändern würden, sondern auch die Mitarbeiter und

die beteiligten Unternehmen. Habe man sich und die firmenspezifischen Vorgehensweisen

auf der einen Baustelle kennen gelernt, so würde dieses Wissen auf der nächsten

Baustelle mit anderen Personen und Unternehmen zum Teil wieder entwertet.

„Wenn ich da an den Kolonnenaustausch der Werkvertragsunternehmen nach jeweils

170 Tagen denke, der ja aus sozialversicherungsrechtlichen Gründen stattfindet, dann

sind das keine SiGe-förderlichen Strukturen“.

Als ein weiterer Grund wurde häufig der gegenwärtige ruinöse Wettbewerb und der

enorme Preisdruck genannt. Beide Gründe beruhten überwiegend auf dem Rückgang

der Bauinvestitionen seit 1995 und dem damit verbundenen Zwang zur Kapazitätsanpassung.

Hinzu komme, dass sich der Wettbewerb in Deutschland fast ausschließlich

als Preiswettbewerb darstelle; insbesondere bei öffentlichen Bauausschreibungen. Die

Rechnungsprüfungsämter würden diese reine Preisorientierung offenbar fördern. Getragen

werde dieser Preisdruck auch durch die Kommunalpolitik und Antikorruptionsmaßnahmen,

die den Mitarbeitern in den Baufachverwaltungen kaum noch Spielraum

lassen würden, Qualitätserfahrungen in Vergabeentscheidungen einfließen zu lassen.

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5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

Planer

Von den interviewten Planern wird eine Standardisierung (als Schematisierung verstanden)

von überbetrieblichen Bauabläufen abgelehnt. Hier seien immer objektspezifische

Abläufe zu entwickeln. Auch müssten die Unternehmen generell ihr Prozess-

Know-how einbringen können, möglichst in Zusammenarbeit mit den Planern. Die Ressourcen

der SiGeKo seien zu knapp. Eine verstärkte Beratung durch öffentliche Stellen

wurde nicht als hilfreich angegeben. Generell wurde der gegenwärtige reine Preiswettbewerb

als Hauptproblem angesehen. Das gelte vor allem für den öffentlichen Bauherrn,

der (auch aufgrund der Maßgaben der Rechnungsprüfungsämter und der politischen

Gremien in den Kommunen) eine Berücksichtigung von Qualitätsaspekten, insbesondere

der Ablaufqualität, nicht mehr zulasse. Die Verbindung von Objektplanung

und SiGe-Planung oder Bauleitung und SiGe-Koordination wird als Möglichkeit für eine

Verbesserung des überbetrieblichen Arbeitsschutzes aufgeführt. Der SiGe-Plan solle in

den Bauzeitenplan integriert werden.

Bei „normalen“ Tiefbauprojekten sei die Zahl der beteiligten Gewerke deutliche geringer,

als bei kostenmäßig vergleichbaren Hochbauprojekten. Es sei zu vermuten, dass

die „zwischenbetrieblichen“ SiGe-Risiken im Tiefbau daher geringer und weniger komplex

seien, als im Hochbau. Nach Meinung der interviewten Planer gelte, dass es für

den SiGeKo auf den üblichen Tiefbau-Baustellen weniger zu planen und koordinieren

gäbe, als üblicherweise im Hochbau.

SiGeKo

Ein interviewter SiGeKo forderte wegen der indirekten Begrenzung der Einsatzzeiten

durch den engen Honorarrahmen eine feste Vorgabe für Koordinierungsaktivitäten

(beispielsweise einmal wöchentliche Begehung der Baustelle). Die Begrenztheit der

gezahlten Honorare für den SiGeKo sei einer angemessenen Einsatzzeit abträglich. Es

werde auf dem Markt nicht um höhere Honorare gekämpft. Dieses Problem werde

durch Minimierung der eingesetzten Koordinierungszeit gelöst und damit oftmals zu Lasten

der Qualität der Koordinierung. Das ungünstige Arbeitsschutzniveau auf den Baustellen

werde nach Einschätzung der Interviewpartner insbesondere durch die wirtschaftliche

Gesamtsituation im Baubereich geprägt.

Beklagt wurde aber auch die mangelhafte Arbeitsschutzkompetenz der Bauunternehmen

(keine Gefährdungsbeurteilungen) sowie der Architekten. Als Hauptproblem wurde

die fehlende Integration der Koordinierung von Sicherheit und Gesundheitsschutz in

die „normalen“ Prozesse der Planung und Ausführung der Bauvorhaben gesehen. Die

Tätigkeit der SiGeKo würde von allen Baupartnern als zusätzliche Aktivität und zusätzliche

„Bürokratie“ wahrgenommen, die ergänzend zu den „eigentlichen“ Arbeiten für

das Bauvorhaben vom Gesetzgeber gefordert werde. Es fehle bei Bauherren und insbesondere

bei Bauunternehmen am Bewusstsein, dass durch Koordinierung eine Ver-

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5 Auswertung der quantitativen und qualitativen Befragung

besserung von Sicherheit und Gesundheit zu erreichen sei. Als Grundproblem erkennen

die Interviewpartner aber bereits, dass in den Unternehmen der Baubranche nicht

konsequent mit einer Gefährdungsbeurteilung gearbeitet werde, eine systematische

Unterweisung der Beschäftigten der Baubetriebe in Verantwortung des Unternehmens

nicht erfolge und Improvisationen auf den Baustellen anstelle einer vorausschauenden

Arbeitsweise dominieren würden. Eine Akzeptanz des SiGeKo sei nicht von vornherein

gegeben. Er müsse sich bei jedem Bauvorhaben erneut beweisen. Die Hauptschwierigkeit

sei die systematische Integration in die verschiedenen Bauprozesse, seine unmittelbare

Mitwirkung. Diese sei zur Zeit nur mit hohem Argumentationsaufwand erreichbar.

Es fehle die Einsicht in die Sinnfälligkeit dieser Aufgaben.

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6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung

nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

6.1 Vorbemerkungen

Im Unterschied zu Kapitel 5, welches sich an den Instrumenten der Baustellenverordnung

orientiert, erfolgt in Kapitel 6 eine Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung

anhand der Indikatoren Potenziale, Prozesse und Ergebnisse (Wirkungen)

(vgl. Kapitel 3.2.2).

Eine optimale Wirksamkeit der Baustellenverordnung kann letztendlich nachgewiesen

werden, wenn die geforderte „wesentliche Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz

der Beschäftigten auf Baustellen“ nach § 1 Absatz 1 BaustellV erreicht

wird. Weiterhin müssen die Effektivität durch die „richtigen“ Maßnahmen sichergestellt

und die dazu förderlichen Rahmenbedingungen bestehen bzw. geschaffen werden sowie

die Maßnahmen und Instrumente kostengünstig und schnell (effizient) wirken. Die

Wirksamkeit der Baustellenverordnung zeigt sich also sowohl bei der Anwendung und

der Akzeptanz der Baustellenverordnung, bei Kosten und Nutzen der Anwendung als

auch bei den Wirkungen der Baustellenverordnung auf die Verbesserung von Sicherheit

und Gesundheitsschutz.

Bewertungen zur Wirksamkeit der Baustellenverordnung erfolgen dementsprechend zu

verschiedenen Sachverhalten und zwar bezogen auf Potenziale, Prozesse und Ergebnisse.

6.2 Bewertung der Rahmenbedingungen

für die Umsetzung der Baustellenverordnung

Potenziale, Prozesse und Ergebnisse der Umsetzung der Baustellenverordnung stehen

im engen Zusammenhang mit den existierenden Rahmenbedingungen. Sie fördern

oder hemmen die Wirksamkeit. Auf den Strukturwandel der Bauwirtschaft, welcher die

Rahmenbedingungen wesentlich beeinflusst, wurde in Kapitel 1 ausführlich eingegangen.

Nachfolgend werden deshalb nur die Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Baustellenverordnung

beschrieben.

Die klassische Rollenkonstellation und Aufgaben-/Arbeitsteilung in der Wertschöpfungskette

im Bauwesen hat zu folgenden, teilweise sehr unabhängig Handelnden am

Bau Beteiligten geführt:

– Bauherr und seine beauftragten Vertreter

– Planer und Fachplaner

– ausführende Unternehmen aus unterschiedlichen Gewerken

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6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

– (Bau-)Behörden und weitere genehmigende und beaufsichtigende öffentlich-rechtlich

Handelnde.

Der Bauherr hat das primäre Interesse an der Nutzung des Bauwerks, nicht an dessen

Herstellung. Er beauftragt verschiedene Planer, seine Vorstellungen baulich realisierbar

zu machen. Das dabei erstellte Planwerk lässt aber den Unternehmen in der Regel

erhebliche Spielräume, wie dieses Bauwerk fertigungstechnisch erstellt werden kann.

In der Fertigungstechnik und rationellen Ablauforganisation der ausführenden Unternehmen

liegen wesentliche Wettbewerbsvorteile. Dieses Know-how steht den Planern

und auch den SiGe-Koordinatoren in der Regel nicht zur Verfügung. Dies hat zur Folge,

dass bei der klassischen Rollenkonstellation der konkrete spezielle Fertigungsprozess,

den ein später beauftragtes Unternehmen anwenden wird, oft nicht in die Objektplanung

eingehen kann bzw. soll.

Eine umfassende Berücksichtigung der Verfahren und Abläufe in frühen Planungsphasen

ist für den SiGe-Koordinator deshalb schwer zu bewerkstelligen, da die ausführenden

Unternehmen erst später in einem wettbewerblichen Vergabeverfahren ermittelt

werden.

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass der SiGe-Koordinator eher gesamtgesellschaftliche

Interessen (Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der

Beschäftigten auf Baustellen) vertritt. Das direkte ökonomische Interesse des Bauherrn

an diesem Zweck zu Gunsten entfernter Dritter ist gering. Lediglich einige Nebennutzen

können ein gewisses Nebeninteresse wecken (Imageverbesserung, insgesamt

bessere Abläufe als Nebenfolge). Diese Konstellation erschwert es, ökonomische Anreize

für eine gute Leistung des Koordinators zu platzieren.

Für eine privatwirtschaftliche Lösung einer eigentlich gesamtgesellschaftlichen Zielsetzung

ist dies eine schlechte Ausgangsbasis, denn erstens kann der Koordinator diese

Situation ausnutzen und nur die geringst möglichen Leistungen erbringen, die ihm gerade

noch vor rechtlichen Ansprüchen freihalten (z. B. nur formale Erfüllung der Leistungen),

und zweitens liegt die Vermutung nahe, dass auch der Bauherr und Auftraggeber

des Koordinators nur Interesse an einer gerade noch zulässigen Mindestleistung

hat, da er von einer Mehrleistung (gegen höheres Honorar) nicht ökonomisch profitiert.

Vor diesem Hintergrund kann insbesondere privaten Bauherren (die öffentliche Interessen

nicht berücksichtigen müssen, da sie nicht dem Legitimationsdruck öffentlicher

Bauherren unterliegen) und Anbietern billiger Mindestkoordinationsleistungen eine Harmonisierung

ihrer Interessen auf dem untersten Niveau gerade noch zulässiger SiGe-

Koordination gelingen. Die jetzige durch die Baustellenverordnung gegebene Konstellation

von Aufgaben und Verantwortungen ist also unter den gegebenen Rahmenbedingungen

nicht unbedingt förderlich für den in § 1 der BaustellV vorgegebenen Zweck.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 91 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Zusammengefasst können folgende, von den Rahmenbedingungen ausgehende Hemmnisse

für die Umsetzung der Baustellenverordnung gesehen werden:

• Der ruinöse Wettbewerb mit der Folge eines enormen Preisdrucks führt zur

Missachtung von Arbeitsschutzbelangen.

• Auf den Baustellen ist immer noch die Improvisation anstelle einer

vorausschauenden Arbeitsweise anzutreffen. Dies erschwert eine vorausschauende

Koordinierung.

• Die faktisch reine Preisorientierung bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen lässt

kaum Spielräume, um Qualitäts- und Arbeitsschutzaspekte in

Vergabeentscheidungen der öffentlichen Hand einfließen zu lassen.

• Die ausführenden Unternehmen können aufgrund der Bestimmungen der VOB und

des Antikorruptionsrechts ihr Prozess-Know-how nur schwer in den Planungs- und

Koordinierungsprozess einbringen.

• Die jetzige durch die Baustellenverordnung gegebene Konstellation von Aufgaben,

Verantwortungen und Zuständigkeiten ist nicht förderlich für den in § 1 der

Baustellenverordnung vorgegebenen Zweck.

6.3 Bewertung der vorhandenen Potenziale

zur Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz

durch Umsetzung der Baustellenverordnung

Die Grundlage einer erfolgreichen Anwendung der Baustellenverordnung liegt in den

vorhandenen bzw. zu schaffenden organisatorischen, kommunikativen, baufachlichen

und arbeitsschutzfachlichen Fähigkeiten der Beteiligten im Bauprozess sowie in ihrer

Bereitschaft zur aktiven Mitwirkung zur Realisierung der Baustellenverordnung im Bauprozess.

Hierzu wurden beurteilt:

– Kenntnisse und Fähigkeiten der Baupartner

– Eindeutige Verantwortungszuweisung

– Verfügbarkeit von Werkzeugen und Hilfsmitteln

– Vorhandene und zu schaffende Ressourcen

– Einbindung der Baustellenverordnung in Managementsysteme.

6.3.1 Kenntnisse und Fähigkeiten der Baupartner

Die Kenntnisse und Fähigkeiten der Baupartner sind eine wesentliche Voraussetzung

für die Umsetzung der Baustellenverordnung. Dazu gehören im Wesentlichen die Bereiche

Arbeitsschutz-, Baufach-, Umsetzungs- und Sozialkompetenz.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 92 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Bauherr:

Der hohe Bekanntheitsgrad der Baustellenverordnung 173 kann als Potenzial für die

Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz gesehen werden, wenn eine

rechtskonforme Anwendung dieses Wissens erfolgt. Dieses Potenzial wird

beispielsweise dadurch deutlich, dass drei Viertel aller Befragten die aktive Einbindung

des Bauherrn in den Arbeitsschutz der Baustelle als sinnvoll ansahen. 174 Die

Beantwortung der Frage „Finden seit Einführung der Baustellenverordnung Sicherheit

und Gesundheitsschutz bei den am Bau Beteiligten stärkere Beachtung?“ zeigte eine

relativ starke Sensibilisierung beim öffentlichen Bauherrn, aber auch bei Planern. 175

Allerdings: Die Baustellenverordnung kommt offenbar bei den kleinen Bauvorhaben

(Einfamilienhausbaustellen) nicht an. Hier ist das Wissen zu Anforderungen der Baustellenverordnung

nicht vorhanden oder es wird offensichtlich bewusst gegen die Forderungen

verstoßen.

Die Befragung der Bauherren und die Befragung der SiGeKo selbst ergaben, dass die

Kompetenzen der SiGeKo bei Vertragsabschlüssen im Prinzip nicht nachgefragt wurden.

Der Nachweis spezieller Kompetenzen eines SiGeKo, auch die Vorlage entsprechender

Urkunden zum Abschluss von Lehrgängen war nicht bedeutend.

Hervorzuheben sind die Anstrengungen der Bauherren, die weit häufiger als Bauunternehmer

oder Architekten/Planer an der Verbesserung der Kenntnisse zur Umsetzung

der Baustellenverordnung arbeiten. 176

Planer:

Bei den Planern wurden in den Interviews Defizite zu arbeitsschutzfachlichen Kenntnissen

sowie auch zum Wissen zu Koordinationsanforderungen entsprechend den Zielen

der Baustellenverordnung deutlich. Verschiedene Interviewpartner betonten, dass für

die Planungsphase offenbar auch die arbeitsschutzfachliche Primärqualifikation als

Bauingenieur bzw. Architekt nicht ausreiche. Es würden Kenntnisse zu Sicherheit und

Gesundheitsschutz, speziell auch zu Anforderungen des Arbeitsschutzes an die Koordinierung

und an den erforderlichen Einsatz des SiGeKo in den unterschiedlichen Planungsschritten

fehlen.

Bauunternehmer:

Konkrete Verbesserungen der Kompetenzen werden deutlich, wenn das Ergebnis zu

den verschiedenen Schutzmaßnahmen betrachtet wird. So wird die Verbesserung der

173 siehe Frage A1 aus der Anlage 4

174 siehe Frage E3 aus der Anlage 4

175 siehe Frage E4 aus der Anlage 4

176 siehe Frage A1 nach Befragtengruppen strukturiert aus der Anlage 4

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6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Kenntnisse und Fähigkeiten indirekt bestätigt durch konkrete Verbesserungen zu verschiedenen

Arbeitsschutzmaßnahmen (vgl. Tabelle 9).

Tabelle 9: Verbesserungen konkreter Maßnahmen zu Sicherheit und

Gesundheitsschutz

Zusammenstellung nach Auszählung zur Frage E 9:

Haben sich Sicherheit und Gesundheitsschutz in folgenden

Bereichen durch die Baustellenverordnung verbessert?

Befragte

Antworten mit „Ja“,

„eher Ja“ und „teils Ja“

Absturzsicherung 79,4 %

Verkehrswegesicherung 72,1 %

Persönliche Schutzausrüstung 65,8 %

Gesundheitsgerechte Arbeitsplätze und -geräte 50,7 %

Organisation der Ersten Hilfe/Rettungsgeräte 63,0 %

Hygiene, Sauberkeit 47,4 %

Die stärksten Verbesserungen sind bei konkreten Maßnahmen, wie Absturzsicherung

und Verkehrswegesicherung, eingetreten. Hierbei waren es gerade die Architekten/Planer,

die eine Verbesserung bestätigten. In dem Bereich der persönlichen Schutzausrüstungen

und der Gestaltung gesundheitsgerechter Arbeitsplätze bestätigten insbesondere

die Bauherren eine Verbesserung.

Die interviewten SiGeKo beklagten, dass die Bauunternehmen größtenteils nicht genau

wüssten, was sich hinter den SiGeKo-Leistungen verbergen würde. Dies muss als Indiz

dafür gewertet werden, dass konkretes Wissen zur Tätigkeit des SiGeKo bei den

Bauunternehmen zumindest nicht anwendungsbereit vorhanden ist. Fehlendes Engagement

der Bauunternehmen zeigte sich auch hinsichtlich der Übermittlung von Anforderungen

des SiGe-Plans oder generell der SiGe-Koordination gegenüber ihren Nachunternehmern.

Diese Lücke schließen oftmals die SiGeKo selbst, oft ohne Unterstützung

durch die Bauunternehmen.

Das Wissen der Bauunternehmen zur Baustellenverordnung mit ihren Zielen ist offensichtlich

nicht handlungswirksam. Dies zeigten die Interviewergebnisse. Es ist offenbar

Vorschriftenwissen allgemein vorhanden, aber nicht unbedingt Handlungskompetenz

als Kenntnisse und Fähigkeiten zu den konkreten Schritten der Anwendung und Umsetzung

des Wissens.

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6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

SiGeKo:

Von besonderer Bedeutung für die Wirksamkeit der Baustellenverordnung ist die Qualifikation

der SiGeKo. 177,178 Es ist auffällig, dass sich Architekten und Bauingenieure zu

dem für die Koordinierung von Sicherheit und Gesundheitsschutz wichtigen Gebiet „Arbeitsschutzfachliche

Kenntnisse“ nicht in dem Maße weiterqualifizieren (67 %), wie Sicherheitsingenieure

zu dem für sie wichtigen Gebiet „Spezielle Koordinatorenkenntnisse“

(93 %). Auch der Umfang des Besuchs von Lehrgängen zu speziellen Koordinatorenkenntnissen

ist bei Architekten und Bauingenieuren geringer ausgeprägt als bei Sicherheitsingenieuren.

Dies weist auf Qualifikationsdefizite der Architekten und Bauingenieure

zu Sicherheit und Gesundheitsschutz hin.

Rund 72 % der befragten SiGeKo bestätigten, dass sie an Weiterbildungsmaßnahmen

teilnehmen. 179 28 % bildeten sich nicht weiter. Dieser Anteil ist unvertretbar hoch.

Beklagt wurde von mehreren Interviewpartnern, dass der SiGeKo bei den Bauunternehmen

sehr viel nachfragen würde, aber dann „wenig zurückbringe“. Dies zeigt auf,

dass der SiGeKo ein Informationsdefizit hat, besonders bei Baubeginn.

Die Kompetenzen des SiGeKo sind offenbar besser entwickelt, wenn neben der SiGe-

Ko-Tätigkeit auch andere Funktionen bei den Bauvorhaben ausgeführt werden. 180 Die

Kopplung dieser Funktionen stärkt sicherlich die Kompetenzen für eine SiGeKo-Funktion,

beeinträchtigt andererseits aber die Umsetzung des Wissens zum Handeln des

SiGeKo durch mögliche Interessenkonflikte. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle

wird die Fachkompetenz nicht durch direkte Funktionen bei der Planung und Ausführung

des Bauvorhabens eingebracht, sondern stets ausschließlich die Koordinatorenkompetenz.

Der Vorteil besteht in einer konsequenten Orientierung auf Sicherheit und

Gesundheitsschutz beim Zusammenwirken von unterschiedlichen Firmen. Nachteilig

wirkt sich die möglicherweise fehlende Integration in die Gesamtanforderungen des

Bauablaufs aus und das daraus resultierende fehlende Detailwissen zum Bauvorhaben,

im Einzelfall auch zum Bauwesen.

177 siehe Frage A1 nach Befragtengruppen strukturiert aus der Anlage 4

178 siehe Frage F1 aus der Anlage 4

179 siehe Frage F3 aus der Anlage 4

180 siehe Frage D6 aus der Anlage 4

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6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Fazit:

Fortschritte und Chancen

Fortschritte sind deutlich, weil der Bekanntheitsgrad der Baustellenverordnung hoch ist.

Grundwissen besteht zu den generellen Anforderungen, welche die Baustellenverordnung

stellt. Eine Basisqualifikation ist allgemein vorhanden.

Die Akzeptanz, den Bauherrn in die Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheitsschutz

über die Baustellenverordnung einzubeziehen, ist ebenfalls hoch.

Eine besonders hohe Sensibilisierung für die Erfordernisse von Sicherheit und Gesundheitsschutz

war bei den Bauherren anzutreffen (außer bei Einfamilienhäusern u. ä.).

Die Chance, insbesondere dieses Bewusstsein zu nutzen, ist ein hohes Potenzial für

die weitere Umsetzung der Baustellenverordnung.

Die hohe Akzeptanz spiegelt sich nicht immer in der vorgefundenen Motivation oder im

daraus abgeleiteten Handeln wider. Insofern besteht eine Chance darin, diese prinzipiell

positive Einstellung verstärkt zu nutzen, indem die Anforderungen der Baustellenverordnung

für die unterschiedlichen Akteure immer wieder kontinuierlich ins Bewusstsein

gerückt werden (z. B. durch wirksame Öffentlichkeitsarbeit).

Hemmnisse

Speziell bei Planern und Bauunternehmen bestehen Hemmnisse wegen fehlender

Handlungskompetenzen zur Umsetzung der Baustellenverordnung. Kompetenzen zum

Vorgehen und zur Art und Weise der Erfüllung der Anforderungen werden vermisst. Allein

Vorschriftenkenntnisse sind nicht hinreichend. Eine Verstärkung von Kompetenzen

zu Sicherheit und Gesundheitsschutz ist speziell auch für Aufgaben im Rahmen der

Bauplanung erforderlich. Eine anwendungsbereite umfassende Kompetenz zu Sicherheit

und Gesundheitsschutz ist oftmals nicht vorhanden. Für Architekten, Ingenieure

und Baustellenführungspersonal erscheint darüber hinaus eine Verstärkung der Koordinierungskompetenz

generell erforderlich. Umsetzung von Anforderungen an Sicherheit

und Gesundheitsschutz und von Erfordernissen einer wirksamen Koordinierung

müssen vernetzt sein.

Bei Architekten und Bauingenieuren sind Kompetenzen zu Erfordernissen zu Sicherheit

und Gesundheitsschutz durch Weiterbildung nicht hinreichend weiterentwickelt

worden. Es bestehen Defizite in der Arbeitsschutzkompetenz von Planern und Bauunternehmern.

SiGeKo, die mit der Vorbildung als Sicherheitsingenieure diese Aufgabe übernehmen,

haben nicht immer die erforderlichen baufachlichen Kompetenzen.

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6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Bei der Auswahl des SiGeKo ist dessen Qualifikation in der Praxis kein hinreichend beachtetes

Kriterium für den Bauherrn. Arbeitsschutzkompetenzen spielen bei der Beauftragung

des SiGeKo gegenüber Kostenaspekten und praktischen Erfahrungen eine

eher untergeordnete Rolle.

6.3.2 Eindeutige Verantwortungszuweisung

Eine eindeutige Verantwortungszuweisung, wie z. B. die Eindeutigkeit von Pflichten

und Befugnissen und damit von Eingriffs- und Anweisungsmöglichkeiten, ist eine Voraussetzung

zur wirkungsvollen Umsetzung der Baustellenverordnung.

Bauherr

Wichtiger Aspekt der Verantwortung ist die Umsetzung der grundlegenden Aufgaben

des Bauherrn, wie eine sorgfältige Auswahl des verantwortlichen Dritten (Eignung), die

sorgfältige Übertragung von Aufgaben und Befugnissen sowie die Pflicht zur Kontrolle,

dass der Dritte die übertragenen Aufgaben auch wahrnimmt.

Das Leistungsbild eines SiGeKo wird überwiegend nach eigenen unternehmensinternen

Vorlagen erstellt. 181 Es existieren in der allgemeinen Praxis keine einheitlichen

Vorstellungen zu den konkret zu erbringenden Leistungen des SiGeKo.

Seit Einführung der Baustellenverordnung zeigt sich eine Anpassung von Vertragsmustern

und Leistungsverzeichnissen. 182 Die Denkweise, aktiv etwas zur Verbesserung

von Sicherheit und Gesundheitsschutz zu tun, hat sich beim Bauherrn nach der Baustellenverordnung

eher nicht weiterentwickelt. Es geht stärker um eine rechtliche Absicherung.

Um eine generelle Verantwortungsverstärkung zu erreichen, kam von einem Interviewpartner

der Vorschlag, eine Pflicht zur gegenseitigen Rücksichtnahme der Unternehmen

und deren Mitarbeiter in die Baustellenverordnung aufzunehmen und damit der

Tendenz zur Verlagerung von Verantwortung auf andere entgegenwirken (Verbindung

zu § 8 ArbSchG und § 6 BGV A1).

Mehr Klarheit in der Verantwortung zu den spezifischen Aufgaben würde geschaffen,

wenn die Anforderungen zur SiGe-Koordination Bestandteil der Verträge zwischen den

am Bau beteiligten Partnern wären. Oftmals werden nur Hinweise zur Baustellenverordnung

in die zusätzlichen Vertragsbestimmungen, die gerade von kleinen Unternehmen

nicht ernsthaft zur Kenntnis genommen werden, aufgenommen. So wurde der

SiGe-Plan von den ausführenden Unternehmen auch häufig als nicht vertragsrelevant

181 siehe Frage D12 aus der Anlage 4

182 siehe Frage E11 aus der Anlage 4

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6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

gesehen. 183 Nach Meinung der interviewten SiGeKo erfolgt allenfalls ein formalrechtlicher

Hinweis auf den SiGe-Plan in den Bauverträgen. Der Bauherr versucht sich rechtlich

abzusichern, hat aber seine Denkweise nicht geändert. Eine aktive Einflussnahme

auf Sicherheit und Gesundheitsschutz durch den Bauherrn ist nicht erkennbar.

Der Arbeitsschutz setzt traditionell immer am Arbeitgeber/Unternehmen an. Die Baustellenverordnung

sieht als Verantwortlichen aber den Bauherrn. Diese völlig andere

Sichtweise ist in der Praxis offensichtlich noch nicht immer angekommen. Es fehlen

Voraussetzungen, da der Bauherr primär sein Werk im Auge hat und nicht seine Baustelle.

Alle vertraglichen Regeln sind primär auf das „Bau“-Werk und nicht auf den

„Bau“-Prozess gerichtet. Die gegenseitige Rücksichtnahme unterschiedlicher Arbeitgeber

als Arbeitsschutzziel, das in der Verantwortung des Bauherrn liegt, ist grundsätzlich

neu. Dadurch wird es verständlich, dass die wirkungsvolle Umsetzung der Baustellenverordnung

eine relativ lange Zeit in Anspruch nimmt und von Widerständen der am

Bau Beteiligten begleitet wird.

Die Verbindlichkeit und Klarheit der Anforderungen des SiGe-Planes wird insofern über

die vertraglichen Beziehungen nur unzureichend gestützt. Diese Praxis verschenkt Potenziale

der Umsetzung von Sicherheit und Gesundheitsschutz. Hiermit verbunden ist

offenbar die Unkenntnis sowohl des Bauherrn als auch des Bauunternehmens über

seine grundsätzlichen Organisationspflichten in Verbindung mit der Baustellenverordnung.

Es besteht die Pflicht, Vorsorge zu treffen, damit die vielfältigen Aufgaben wirkungsvoll

erledigt werden können. Wichtig ist, dass grundlegende Anforderungen an

eine betriebliche Organisation erfüllt sind (Organisationspflicht). Kernelemente der Organisationspflicht

sind:

• die Auswahl geeigneter Personen für die jeweiligen Aufgaben

• das Treffen von Anweisungen, wer was wann und wie zu tun hat

• die Pflicht zur Überwachung oder Aufsicht, sich davon überzeugen, ob die Aufgaben

auch entsprechend den Vorgaben erfüllt werden.

Nur hieraus sind möglicherweise auch rechtliche Konsequenzen eines Organisationsversagens

abzuleiten. Ansonsten hat zwar der Bauherr Pflichten, aber kaum Konsequenzen

zu tragen, wenn er seine Pflichten nach Baustellenverordnung nicht erfüllt. Es

wurde in den Interviews deutlich, dass der Bauherr einen eingesetzten SiGeKo kaum

oder gar nicht kontrolliert.

Der Rechtsgrundsatz der Einheit von Forderung und Sanktion ist mit der Baustellenverordnung

nicht in allen Bereichen umgesetzt. Eingriffsmöglichkeiten für Behörden durch

Bußgelder für Bauherren existieren nach § 7 BaustellV nur für die Bereiche Vorankündigung

und SiGe-Plan. Anordnungsmöglichkeiten an Bauherren sind rechtlich unsicher,

spezielle Haftungsregeln fehlen.

183 siehe Frage B9 aus der Anlage 4

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6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Planer und Bauunternehmen

Die Baustellenverordnung fordert, die „Hinweise“ des SiGeKo zu „berücksichtigen“.

Das sind sehr weiche Formulierungen. Wenn es reicht, Hinweise zu geben, um als

Bauherr seine Pflicht zu tun, ist das eine sehr niedrige Anforderung zur Koordinierungspflicht.

Unklarer ist der Begriff „berücksichtigen“, der zu den Unternehmerpflichten

gehört. In wie weit damit evtl. anders lautende Vertragspflichten berührt werden, ist

unklar. Kann ein Hinweis, eine Arbeit zeitlich oder räumlich zu verlagern, damit keine

gegenseitige Gefährdung verschiedener Unternehmen entsteht, schon zur Exkulpierung

des Bauherrn führen, wenn andererseits harte Terminvorgaben im Bauvertrag bestehen?

Müssen Hinweise des Bauherrn sowohl konkret als auch vertragskonform erfolgen?

Wenn Hinweise nicht den vertragsrechtlich beachtlichen Charakter einer Anordnung

haben: was ist dann ein Hinweis im Verhältnis zwischen Auftraggeber und

Auftragnehmer? Wie steht die öffentlich-rechtliche Berücksichtigungspflicht zum Bauvertrag?

Erfolgen die Hinweise des Bauherrn in öffentlich-rechtlicher Funktion? Welchen

Rechtscharakter haben die Hinweise und der SiGe-Plan? – Zu solchen Fragen

besteht in der Praxis Unsicherheit.

Ein spezifisches Problem zur Klarheit der Verantwortung ist die Verankerung der allgemeinen

Grundsätze nach § 4 Arbeitsschutzgesetz mit der entsprechenden erläuternden

RAB 33 in der Baustellenverordnung. Die in § 1 Absatz 1 BaustellV geforderte Berücksichtigung

der allgemeinen Grundsätze nach § 4 ArbSchG bei der Bemessung von

Ausführungszeiten von Arbeiten, die gleichzeitig oder nacheinander durchgeführt werden,

hat den Bauherrn als Adressaten. Die eigentliche Berücksichtigung kann aber

praktischerweise nur durch den Unternehmer erfolgen. Die Bemessung von Ausführungszeiten

wird durch die zur Verfügung stehenden Personal-, Maschinen-, Transport-

und Raumkapazitäten bestimmt. Der Bauherr kennt nur die Raumverhältnisse. Personal-,

Maschinen- und Transportkapazitäten bestimmt der Unternehmer. Wenn die vorgesehenen

Ausführungsfristen des Bauherrn in seinen Ausschreibungsunterlagen

knapp aber technisch/räumlich möglich, die tatsächlich eingesetzten Kapazitäten des

Unternehmers aber zu knapp sind, gibt es Engpässe, die auch zu hohen Belastungen

der Mitarbeiter führen. Die Wirkung der Baustellenverordnung ist hier durch die fehlende

Durchgriffsbefugnis und das fehlende Interesse des Bauherrn eingeschränkt.

Die Interviews ergaben, dass die Koordinierung nach § 4 Arbeitsschutzgesetz allgemein

von den Baubeteiligten nicht verstanden wird. Es besteht Unklarheit, was hierzu

konkret an Leistungen erforderlich sei. Auch die RAB 33 bietet keine eindeutige Antwort.

SiGeKo

Es besteht Unsicherheit über eine mögliche Weisungsbefugnis des SiGeKo. Aus der

Gesamtverantwortung des Bauherrn für das Bauvorhaben mit allen auch wirtschaftli-

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6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

chen und anderen Konsequenzen heraus kann der SiGeKo automatisch keine Weisungsbefugnis

haben. RAB 10 sagt in Ziffer 23 hierzu: „Stellt der Koordinator fest, dass

auf der Baustelle tätige Arbeitgeber oder Unternehmer ohne Beschäftigte seine Hinweise

oder den Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan nicht berücksichtigen, so hat er

dies, soweit ihm zur Durchsetzung erforderlicher Maßnahmen nicht weitergehende Befugnisse

übertragen wurden, dem Bauherrn bzw. beauftragten Dritten mitzuteilen.“ Abhilfemaßnahmen

sind aktiv einzufordern. Hierzu ist nicht zwingend ein Weisungsrecht

erforderlich. Wohl aber muss dem SiGeKo seine aktive Handlungspflicht klar sein. Hier

existieren offenbar Unsicherheiten.

Andererseits legt RAB 10 in Ziffer 23 ausdrücklich nahe, dass dem SiGeKo weitergehende

Befugnisse übertragen werden können. Ein Teil der befragten SiGeKo war auch

der Meinung, dass der SiGeKo Weisungsbefugnis haben sollte. 184 Noch höher war dieser

Wunsch bei den Bauherren. 185 Allein die Bauunternehmer waren eher zurückhaltender

mit einer solchen Forderung. Die Vor- und Nachteile eines Weisungsrechts für

SiGeKo sind offensichtlich nicht transparent, ggf. auch nicht hinreichend in die Öffentlichkeit

transportiert worden. Hier sind insbesondere die rechtlichen und finanziellen

Konsequenzen offen zu legen.

In den Interviews wurde als Problem thematisiert, dass es ein Interpretationsproblem

der Rechtsgrundlagen gibt: § 3 Abs. 3 Nr. 2 BaustellV besagt, dass der Koordinator

während der Ausführung des Bauvorhabens darauf zu achten habe, dass die Arbeitgeber

und die Unternehmer ohne Beschäftigte ihre Pflichten nach dieser Verordnung erfüllen.

In §5 sind die Pflichten der Arbeitgeber dann aufgeführt. Bei einer wörtlichen Interpretation

hat dann der SiGeKo u. a. die Aufgabe darauf zu achten, dass die Arbeitgeber

die erforderlichen Maßnahmen in Bezug auf die Instandhaltung der Arbeitsmittel

treffen. Weitere Pflichten folgen. In der RAB 10 wird dies aber anders interpretiert,

nämlich dass eine Überwachung der Erfüllung von Arbeitsschutzpflichten, die durch die

einzelnen Arbeitgeber zu treffen sind, nicht gemeint sei. Woher diese Auffassung abgeleitet

wird, ist unklar. Wie ein Gericht entscheiden wird, ist ebenfalls unsicher, da die

RAB keine rechtliche Wirkung entfalten. Diese Unsicherheit ist deshalb praxisrelevant,

da die Koordinatoren allein schon zu ihrer Absicherung offensichtlich lieber relativ einfache

Tatbestände überwachen als komplizierte sich räumlich und zeitlich durchdringende

Prozesse zu koordinieren. Der Überwachungsgedanke einzelner betrieblicher

Sicherheitsaspekte wird so stark in den Vordergrund gerückt und von präventiv koordinierenden

Aufgaben des SiGeKo abgelenkt.

Von allen Baubeteiligten wurde der externe SiGeKo am geeignetsten gehalten, um die

Baustellenverordnung wirkungsvoll umzusetzen. 186 Zugleich belegt der Umfang wahrgenommener

anderer Funktionen am Bau neben der Funktion als SiGeKo (45% aller

184 siehe Frage E2 aus der Anlage 4

185 siehe Frage E2 aus der Anlage 4

186 siehe Frage E1 aus der Anlage 4

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6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

SiGeKo haben eine solche andere Funktion), dass diese Praxis zumindest nicht bevorzugt

wird. 187 Häufig wurde die SiGeKo-Funktion direkt vom Bauunternehmen wahrgenommen.

Die Vor- und Nachteile dieser Varianten sind nicht transparent. Die Entscheidungen

zur Auswahl des SiGeKo fallen nicht objektiv nach Sachkunde und Interessenunabhängigkeit.

Über die Hälfte aller Befragten sahen den SiGe-Plan als nicht ausreichend geprüft

an. 188 Insbesondere vertrat der SiGeKo selbst diese Ansicht – im Gegensatz zum Bauherrn.

Allgemein wurde eine Prüfung durch staatliche Aufsichtsbehörden gewünscht.

Alternativ wurden aber auch der Architekt/Planer und Bauherr als Prüfinstanz präferiert.

189

Fazit:

Fortschritte und Chancen

Es besteht eine allgemeine Akzeptanz, dass der Bauherr als Beteiligter mit der Baustellenverordnung

in die Verantwortung genommen wird.

Im gewissen Umfang ist eine Verankerung von entsprechenden Pflichten in Verträge

und Vertragsbestandteile eingeflossen. Hier bestehen Ansätze der Verbesserung. In

diesem Potenzial liegen bei stärkerer Verdeutlichung des Nutzens und der Vorzüge

dieser Arbeitsweise weitere Chancen für die Wirksamkeit der Baustellenverordnung.

Es besteht die Chance, verstärkt die generelle Pflicht der gegenseitigen Rücksichtnahme

der verschiedenen Akteure handlungswirksam zu machen.

Eine nicht voll genutzte Chance besteht darin, dass Anforderungen an Sicherheit und

Gesundheitsschutz beim Herstellungsprozess des Bauwerks vom Planer/Architekten

nicht ständig „mitgedacht“ werden. Das bezieht sich auch auf Sicherheit und Gesundheitsschutz

für die spätere Nutzung des Bauwerks.

Hemmnisse

Die Transparenz der Vor- und Nachteile einer Weisungsbefugnis des SiGeKo ist verbesserungsbedürftig.

Die Rechtswirkung von „Hinweisen“ des SiGeKo ist unklar.

Es bestehen keine einheitlichen Vorstellungen zu den konkret zu erbringenden Leistungen

des SiGeKo. Die verschiedenen Akteure gem. Baustellenverordnung haben hierzu

ein sehr unterschiedliches Anforderungsbild.

187 siehe Frage D6 aus der Anlage 4

188 siehe Frage B10 aus der Anlage 4

189 siehe Frage B11 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 101 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Häufig werden SiGeKo von den anderen Baubeteiligten, insbesondere von Bauunternehmen

nicht akzeptiert.

Der SiGe-Plan wird zwischen Bauherrn und Planer bzw. Bauunternehmen nicht konsequent

als Vertragsbestandteil verankert. Die Erfüllung der Anforderungen des SiGe-

Planes wird über die vertraglichen Beziehungen nur unzureichend gestützt.

Der SiGe-Plan wird nicht ausreichend geprüft.

Der Rechtsgrundsatz der Einheit von Forderung und Sanktion ist mit der Baustellenverordnung

nicht in allen Bereichen erfüllt.

Die Beauftragung eines externen SiGeKo wird zwar befürwortet, aber durch die Bauherren

nicht allgemein praktiziert. Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Varianten

werden nicht sachlich abgewogen.

Zur Umsetzung der RAB 33 in Verbindung mit dem Hinweis auf § 4 ArbSchG in § 1 Absatz

1 BaustellV besteht Unklarheit. Unsicherheit existiert, wie Maßnahmen getroffen

und eine Koordinierung unter Berücksichtigung des § 4 ArbSchG vorgenommen werden

können.

6.3.3 Verfügbarkeit von Werkzeugen und Hilfsmitteln

Für die Umsetzung der Baustellenverordnung werden Werkzeuge, wie Checklisten, Tabellen

usw. und Hilfsmittel, wie z. B. Muster-SiGe-Pläne etc. benötigt. Hiermit werden

Hilfen für die Anwendung der Baustellenverordnung gegeben, mit denen überwiegend

der SiGeKo arbeitet. Deren Anwendung und Umsetzung muss aber insbesondere

durch Bauunternehmen erfolgen. Die Qualität der Werkzeuge und Hilfsmittel sind ein

wichtiges präventives Potenzial zur Umsetzung und Wirksamkeit der Baustellenverordnung.

Bei der schriftlichen Befragung von 159 SiGeKo wurde eine große Palette eingesetzter

Hilfen erkennbar. 190,191 Die Interviews verwiesen auf eher formale

Herangehensweisen, wenn Muster und Vorlagen der Bau-BG genutzt werden. Deshalb

wurden häufig auch konkretere eigene Vorlagen eingesetzt, mit denen mögliche

Gefährdungen besser mit konkreten Abläufen gekoppelt wurden. Um

Überschneidungen zu ermitteln, wurden

z. B. selbst entwickelte Balkendiagramme genutzt. Die Vorlagen der Bau-BG wurden

von Interviewpartnern als „zu formal“ charakterisiert. Dies ist Indikator dafür, dass eher

eine Verbesserung der vorhandenen Hilfen erforderlich wäre als eine allgemeine Ab-

190 siehe Frage F7 aus der Anlage 4

191 siehe Frage F7 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 102 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

schaffung zentraler Orientierungen auf diesem Gebiet. Rund ein Drittel der befragten

SiGeKo meinten, dass die RAB und die zur Verfügung stehenden Werkzeuge und

Hilfsmittel nicht ausreichen. Unterstützende Hilfen wurden speziell auch verstärkt für

die Planungsprozesse gewünscht.

Zwei Drittel der Befragten sagten, dass die Qualität der Hilfsmittel stimme (Antwort mit

„ja“, „eher ja“ und „teils ja“). 192 Die verfügbaren Werkzeuge und Hilfsmittel einschließlich

der zur Verfügung stehenden Erläuterungen in den RAB erscheinen geeignet, eine

SiGe-Koordinierung durchzuführen.

Auch in den Interviews gab es keinerlei Hinweise, dass hier zu viel oder zu sehr reglementierende

Hilfe zur Verfügung gestellt wird. Die bereitstehenden Hilfen wurden allgemein

gut angenommen. Sie bieten damit ein wichtiges präventives Potenzial, um die

Qualität der Umsetzung der Baustellenverordnung zu unterstützen. Dort, wo die Instrumente

SiGe-Plan und Unterlage für spätere Arbeiten erarbeitet werden, sind diese im

Sinne der RAB allgemein vollständig (vgl. Ergebnisse zu den Fragen B 6 und C 5). 193

Das schließt nicht aus, dass eine qualitative Weiterentwicklung der verfügbaren Hilfen

nützlich wäre. Beispielsweise gibt es konkret benannten Bedarf, Hilfen und Anleitungen

zur räumlichen Koordinierung zu erhalten. Die vorhandenen Muster und Anleitungen

beziehen sich einseitig auf die Koordinierung bezogen auf zeitliche Überschneidungen

von Gefährdungen bei der Zusammenarbeit. Es traten Schwierigkeiten bei der räumlichen

Zuordnung der Abläufe auf, weil mehrdimensionale Darstellungen erforderlich

sind. Für eine qualitätsgerechte Koordinierung wurde dies als aufwändig, aber unverzichtbar

charakterisiert.

Mehrfach bemängelt wurde eine sehr starke Einseitigkeit der Orientierungen der Hilfsmittel

und Werkzeuge auf Prävention vor Unfällen. Der Gesundheitsschutz werde

kaum berücksichtigt.

Vermisst wurden Hilfen für das Bauen im Bestand. Dafür würden andere Dokumente

als für den Neubau gebraucht.

Der Koordinator soll die präventiven Potenziale für die Beschäftigten im Zusammenwirken

der verschiedenen ausführenden Unternehmen erkennen, beschreiben und umsetzen.

Allerdings fehlen in der Praxis wahrscheinlich die konkretisierten Umsetzungen in

den Ausschreibungen, in der Baustellenordnung usw. So wurde mehr Hilfe durch Bereitstellung

von Empfehlungen zur Verankerung des Vermeidens von Gefährdungen

durch Zusammenarbeit in Instrumenten der Planung, der Steuerung des Bauablaufs

usw. erwartet.

192 siehe Frage F14 aus der Anlage 4

193 Hier wird davon abgesehen, dass in einigen Fällen diese Instrumente nicht erstellt wurden, obwohl dies nach

BaustellV notwendig gewesen wäre. Dieses Defizit hat andere Ursachen und lässt keine Aussage zur Nützlichkeit

der Hilfsmittel zu.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 103 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Es wurden Erwartungen an einfache Instrumente für kleine Baustellen geäußert.

Die Inhalte der Unterlage für spätere Arbeiten wurden auf ein Minimum (im Sinne der

erforderlichen Angaben der RAB 32) reduziert. 194 Die erforderlichen Angaben waren

zwar weitestgehend vollständig, die weiteren Angaben nach RAB 32 dagegen deutlich

unvollständig.

Die Pflicht zum Zusammenstellen einer „Unterlage für spätere Arbeiten am Bau“ wird

nach Baustellenverordnung unter anderem davon abhängig gemacht, ob mehrere Arbeitgeber

an der Erstellung des Bauwerks beteiligt oder ein/mehrere SiGeKo zu bestellen

sind. Dieser Zusammenhang ist sachlogisch nicht zwingend. Die Erstellung einer

Unterlage für spätere Arbeiten muss sich sachlich danach richten, ob später Gefährdungen

bei Arbeiten am Bauwerk auftreten können. Von mehreren Arbeitgebern

kann in den überwiegenden Fällen der Baumaßnahmen ausgegangen werden.

Fazit:

Fortschritte und Chancen

Auf bereitgestellte RAB sowie Muster und Hilfsmittel zur Umsetzung der Baustellenverordnung

kann nicht verzichtet werden. Sie finden eine große Akzeptanz und sorgen für

eine qualitative Orientierung bei der Umsetzung der Baustellenverordnung.

Chancen für eine stärkere Wirksamkeit der Baustellenverordnung bestehen speziell

darin, dass eine Reihe selbst entwickelter konkreter Hilfen und Werkzeuge durch die

SiGeKo genutzt werden. Deren Verbreitung im Sinne der Publizierung von „Best-Practice“

hat allerdings bisher keinen hohen Stellenwert.

Das präventive Potenzial der verfügbaren Hilfsmittel wird immer dann noch nicht voll

wirksam, wenn es eher formal genutzt wird. Es entfaltet sich bei entsprechender Anpassung

auf die konkreten Bedingungen des jeweiligen Bauvorhabens. Muster werden

zu eng als „Kochrezept“ verstanden. Die Chancen, sie als Handlungshilfe zu verstehen,

greift des öfteren noch nicht.

Hemmnisse

Die SiGe-Pläne entsprechen überwiegend nur den Mindestanforderungen der RAB 31.

Die räumliche Zuordnung von Abläufen wird selten bis gar nicht berücksichtigt, vermutlich

weil sie in den verfügbaren Hilfen nicht konkretisiert wurde. Inhaltliche Empfehlungen

der RAB 31 finden weniger Beachtung.

194 siehe Frage C5 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 104 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Die Werkzeuge und Hilfsmittel sind zu einseitig auf die Vermeidung von Unfällen ausgerichtet.

Es fehlt eine zweckmäßige Einordnung des Gesundheitsschutzes.

Erwartet werden Angebote und Empfehlungen, wie eine Verankerung der SiGe-Koordination

in Ausschreibungen, in Steuerinstrumenten des Bauablaufs usw. erfolgen kann.

Hilfsmittel werden für das Bauen im Bestand vermisst.

Die Form des SiGe-Planes wird als stark reglementiert wahrgenommen.

Die Inhalte der Unterlage für spätere Arbeiten werden auf ein Minimum (im Sinne der

erforderlichen Angaben der RAB 32) reduziert.

Die Forderung nach Erstellen einer Unterlage für spätere Arbeiten sollte nicht von der

Beteiligung mehrerer Arbeitgeber bei der Bauwerkserrichtung abhängig sein.

6.3.4 Vorhandene und zu schaffende Ressourcen

Potenziale zur Umsetzung der Baustellenverordnung bestehen, wenn die erforderlichen

Ressourcen bereitgestellt werden. Das betrifft personelle, zeitliche und finanzielle

Ressourcen.

Bauherr

Der Bauherr muss die für die Umsetzung der Baustellenverordnung erforderlichen personellen

und finanziellen Ressourcen sowie die erforderlichen Sachmittel bereitstellen.

Die Baustellenverordnung verlangt mit dem Einsatz eines SiGeKo und der Erstellung

von Präventionsinstrumenten auch, dass hierfür entsprechende Ressourcen eingesetzt

werden. Der SiGeKo ist allerdings ein weiterer zusätzlicher am Bau Beteiligter. Zusätzliche

Beteiligte schaffen zusätzliche Schnittstellen mit zusätzlichen Kommunikationsanforderungen

an fast alle anderen Beteiligten.

Der Einsatz eines SiGeKo und auch die Ressourcen zur Erstellung eines SiGe-Plans,

der Unterlage für spätere Arbeiten usw. finden breite Akzeptanz. Rund 96 % der Befragten

gaben an, den für die Bauvorhaben geforderten SiGeKo tatsächlich bestellt zu

haben. Allerdings wurde vom Bauherr auch besonderen Wert auf geringe Kosten bei

der Wahl des SiGeKo gelegt. 195 Es ist für ihn das Hauptkriterium vor allen anderen Erwägungen.

Es gibt eine starke Begrenzung der Einsatzzeiten für die Tätigkeit der Si-

GeKo auf den Baustellen, durch die primäre Betonung der Kosten für die Koordination

durch den Bauherrn.

195 siehe Frage D10 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 105 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Planer und Bauunternehmen

Der SiGeKo hat in der Regel ein Informationsbeschaffungsproblem. Die Interviews ergaben,

dass er sich alle notwendigen Informationen von den anderen Beteiligten in formalisierter

Form (dokumentierungsfähig) beschaffen muss. Er fällt damit den anderen

Baubeteiligten, insbesondere den Bauunternehmen, zur Last.

SiGeKo

Die Befragungen der tätigen SiGeKo ergaben überwiegend, dass die verfügbare Zeit

für wirksames Handeln entsprechend der Anforderungen nicht ausreiche. Sie sahen

dies speziell dadurch begründet, dass die vertraglich vereinbarten Honorare keine höheren

Einsatzzeiten in dieser Funktion zulassen würden.

Fazit:

Fortschritte und Chancen

Es besteht eine große Bereitschaft, einen SiGeKo einzusetzen und auch die geforderten

Präventionsinstrumente zu erstellen und fortzuschreiben. Diese generelle Bereitschaft

ist wichtiges präventives Potenzial.

Die Bereitschaft insbesondere der Bauunternehmen, den SiGeKo hinreichend mit Informationen

zu versorgen, fehlt, weil der Nutzen für das Bauunternehmen durch den Si-

GeKo nicht immer transparent ist. Deshalb wird dieser Aufwand gescheut. Tatsächlich

entstände dann kein zusätzlicher Aufwand, wenn ohnehin verfügbare und aufgearbeitete

Informationen aus eigener Initiative dem SiGeKo verfügbar gemacht werden. Das

würde für alle Beteiligte Zeitgewinn bringen und insofern eine weiter ausbaufähige

Chance für die Wirksamkeit der Baustellenverordnung bilden.

Hemmnisse

Es gibt eine starke Begrenzung der Einsatzzeiten für die Tätigkeit der SiGeKo auf den

Baustellen durch die primäre Betonung der Kosten für die Koordination durch den Bauherrn.

Dies führt auch zur Beeinträchtigung der Qualität der Leistungen des SiGeKo.

Der Kostendruck hat Qualitätseinbußen zur Folge. Für die SiGeKo-Leistung werden

keine einheitlichen Vergütungssätze angewandt. Die vertragliche Regelung für das Honorar

sieht sehr häufig eine Pauschalierung vor. Die Honorierung des SiGeKo führt dazu,

dass die verfügbaren Mitwirkungsmöglichkeiten in der Planung oder die Einsatzzeiten

auf der Baustelle sehr minimiert wurden.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 106 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

6.3.5 Einbindung der Baustellenverordnung in Managementsysteme

Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die Integration von Sicherheit

und Gesundheitsschutz in betriebliche Managementsysteme auch für die Umsetzung

der Baustellenverordnung förderlich sein kann. Managementsysteme sind direkt für

den Betrieb wirksam und haben Wettbewerbsbedeutung zwischen den Unternehmen

im Sinne vertrauensbildender Maßnahmen erlangt, weil bei zertifizierten Managementsystemen

auf Qualität und Zuverlässigkeit des Partners vertraut werden kann.

Potenziale liegen hier auch für das Zusammenwirken zwischen Unternehmen auf einer

Baustelle, die Ziele der Baustellenverordnung kooperativ umzusetzen. Bei den Interviews

wurden hierzu keine tragfähigen Ergebnisse erzielt. Gezielte Untersuchungen

hierzu fehlen.

Es kann davon ausgegangen werden, dass auf diesem Gebiet Präventionspotenziale

brach liegen. Die Einordnung von Anforderungen der Baustellenverordnung in betriebliche

Führungs-, Kern- und Unterstützungsprozesse geht inhaltlich über Integration von

Sicherheit und Gesundheitsschutz für die eigenen Beschäftigten des Unternehmens

hinaus und müsste die Vermeidung gegenseitiger Gefährdungen umfassender zum

Gegenstand haben. Alle bekannten Managementsysteme lassen keine Verankerung

der Philosophie der Baustellenverordnung erkennen – wenn von allgemeinen Ablaufregeln

des Einsatzes von Fremdunternehmen im eigenen Unternehmen – ein denkbarer

Verknüpfungspunkt für die Baustellenverordnung – abgesehen wird.

Von den Bau-Berufsgenossenschaften wurden Orientierungen zum Arbeitsschutzmanagement

entwickelt: „AMS Bau: 11 Arbeitsschritte zum sicheren und wirtschaftlichen

Baubetrieb“. Hierbei wurde die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen thematisiert,

aber nicht konsequent mit der Baustellenverordnung verzahnt.

Nach einer Untersuchung in Baden-Württemberg wurden ca. 90 % der Unfälle im

Dachdeckerhandwerk von dem Drittel der „schlechten“ Unternehmen verursacht. 196

Das „gute“ Drittel sei nahezu unfallfrei. „Gute“ Unternehmen würden sich vor allem

durch gute Führungsqualität und Qualitätsorientierung auszeichnen, so dass ein Ansetzen

am Führungsverhalten, an der Unternehmensstrategie und an der Qualitätsorientierung

sinnvoll erscheint, um den Arbeitsschutz zu verbessern. Allerdings geht

das weniger bei einer preisorientierten Unternehmensstrategie, die bei den „schlechten“

Unternehmen festgestellt wurde.

Ein besonderes Problem ist hierbei sicherlich der offene Umgang mit Informationen

zwischen den Unternehmen, der aus Wettbewerbsgründen an Grenzen stößt.

196 Vortrag von Cernavin, Oleg, am 19.10.2004 in der BAuA, Dortmund

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 107 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Trotzdem hat die Baustellenverordnung zu einem besser funktionierenden Erfahrungsaustausch

der am Bau Beteiligten beigetragen. Nach den Ergebnissen zur Frage „Welche

Tätigkeiten führt der SiGeKo durch?“ kann eingeschätzt werden, dass seine Tätigkeit

zu einer Anregung des Erfahrungsaustauschs beiträgt, insofern auch Verbesserungspotenziale

nicht nur für die real zu koordinierende Baustelle, sondern auch über

einen Erfahrungsrückfluss für den einzelnen Baubetrieb wirksam werden. 197 Der Umfang

von Koordinierungsgesprächen und auch die in diesen Gesprächen inhaltlich aufgegriffenen

Probleme schätzten knapp 50 % der Bauunternehmen als hilfreich ein. 198

Fazit:

Fortschritte und Chancen:

Fortschritte im Erfahrungsaustausch der am Bau beteiligten Partner sind erkennbar.

Mögliche Potenziale zur Umsetzung der Baustellenverordnung über eine Integration in

betriebliche Managementsysteme scheinen nicht erschlossen, zumindest nicht analysiert.

Hier kann von Reserven ausgegangen werden.

Die grundlegenden Orientierungen durch „AMS Bau: 11 Arbeitsschritte zum sicheren

und wirtschaftlichen Baubetrieb“ der Bau-Berufsgenossenschaften bieten weitere

Chancen, Fortschritte in der Wirksamkeit der Baustellenverordnung über ihre Integration

in Managementsysteme zu erschließen.

Hemmnisse:

Belange der Baustellenverordnung (besonders die zwischenbetrieblich Koordination)

sind bisher nicht in Qualitäts- und/oder Arbeitsschutzmanagementsysteme integriert.

Es fehlt bei Bauherren und bei ausführenden Unternehmen häufig das Bewusstsein,

dass durch die SiGe-Koordinierung eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz

zu erreichen ist.

197 siehe Frage D16 aus der Anlage 4

198 siehe Frage D19 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 108 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

6.4 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung

im Bauablauf (Prozesse)

Im Teilsystem „Prozesse“ geht es um die Bewertung der Umsetzung der Ziele sowie

der Anwendung der Instrumente der Baustellenverordnung im Bauablauf sowie um die

verbesserte Berücksichtigung der Arbeitsschutzbelange in den verschiedenen Phasen

des Ablaufes. Hierbei wird der Grundgedanke verfolgt, dass die Anwendung der Instrumente

der Baustellenverordnung systematisch in die Phasen des Bauablaufs integriert

und damit zum Bestandteil des Handelns der am Bau Beteiligten werden. Indikator der

Wirksamkeit der Baustellenverordnung ist also die Verankerung der Ziele und Instrumente

der Baustellenverordnung im gesamten Prozess der Planung und Ausführung

der Bauvorhaben.

Hierzu wurden hinterfragt:

• Vorhandensein und Qualität, Umsetzen und Anwenden sowie Bewerten und

Überprüfen der Instrumente und Regelungen der Baustellenverordnung bei der

Bauvorbereitung (Planung der Ausführung)

• Vorhandensein und Qualität, Umsetzen und Anwenden sowie Bewerten und

Überprüfen der Instrumente und Regelungen der Baustellenverordnung bei der

Ausführung des Bauvorhabens bzw. der Objektüberwachung.

Der Übergang von der Planung der Ausführung und der Ausführung des Bauvorhabens

ist zeitlich überlappt. Die während der Planung der Ausführung und Ausführung des

Bauvorhabens anfallenden Tätigkeiten mit SiGe-Relevanz sind in der Anlage 1 enthalten.

Sie gelten als eine Art Leitbild für die Bewertung der mit den Befragungen und Interviews

erhaltenen Informationen.

Der Bezug wird hierbei nicht wie bei den Potenzialen zu den verschiedenen einzelnen

Akteuren gem. Baustellenverordnung hergestellt, weil in den Prozessen insbesondere

deren Zusammenwirken charakteristisch ist. Es sind im Prinzip immer alle am Bau

Beteiligten betroffen.

6.4.1 Integration der Ziele und Instrumente der Baustellenverordnung

in den Prozess der Bauvorbereitung (Planung der Ausführung)

Die Baustellenverordnung impliziert das grundlegende Präventionsverständnis, bereits

in Planungsprozessen Sicherheit und Gesundheitsschutz wesentlich zu beeinflussen

und dadurch zugleich auch wirtschaftlicher in der Umsetzung der Arbeitsschutzanforderungen

zu sein. Die Umsetzung der Baustellenverordnung in den verschiedenen Planungsschritten

hat deshalb große Bedeutung und entscheidendes präventives Potenzial.

Hierzu müsste der SiGeKo aktiv mit den Planern zusammenwirken, aber auch die

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 109 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Planer selbst Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Herstellung und bei der späteren

Nutzung des Bauwerks im Blick haben.

Die Befragung zeigte, dass die Baustellenverordnung in der Phase „Planung der Ausführung“

nicht anforderungsgerecht umgesetzt wird. Die Einordnung der Erfordernisse

hatte in dieser Phase kaum Akzeptanz und wurde als behördliche Vorgabe betrachtet.

Indikator hierfür war, dass der Bauunternehmer bis zur Auftragserteilung nur in 24,5 %

der Fälle den SiGe-Plan zur Kenntnis erhielt. Bei 50 % der Fälle erhielt er ihn erst bei

Baubeginn, in 25,5 % der Fälle sogar erst nach Baubeginn. 199 Eine vorausschauende

Einflussnahme war damit kaum gegeben. Der SiGe-Plan wird damit zu einem Instrument,

das getroffene Entscheidungen akzeptiert und versucht, erkennbare Probleme

zu beherrschen. Ein Vermeiden von Arbeitsschutzproblemen ist kaum noch möglich.

Der Bauunternehmer erhält den SiGe-Plan erst zwischen Auftragserteilung und Baubeginn.

Daher kann er in den wichtigen Phasen der Kalkulation, der Baustelleneinrichtungs-,

Bauverfahrens- und Terminplanung nicht berücksichtigt werden. So war feststellbar,

dass sich in vielen Fällen der SiGe-Plan nicht auf das Leistungsverzeichnis

auswirkt. 200 In Anbetracht des Erstellungszeitpunktes des SiGe-Planes kann er sich

auch nicht effektiv auswirken. 201 Bei rund 61 % der befragten Bauunternehmer enthielt

das Leistungsverzeichnis keinerlei Regelungen zur Umsetzung des SiGe-Planes. 202

Der SiGeKo wird regelmäßig zu spät beauftragt. Ein wirklicher Einfluss auf den Inhalt

der Planung ist eher unwahrscheinlich. Die interviewten SiGeKo beklagten, dass sie

fast ausschließlich erst in der Ausführungsphase beauftragt würden und oftmals erst

dann auch der SiGe-Plan nachträglich zu erstellen wäre. Die Forderungen nach „Mitwirkung

bei der Vergabe“ und „Mitwirkung bei der Terminplanung“ als Aufgaben des Si-

GeKo wurden sehr eingeschränkt bis gar nicht erfüllt. 203 Dies sind aber zentrale Forderungen

der Baustellenverordnung. Auch bei frühzeitiger Beauftragung wird der SiGeKo

erst sehr spät tatsächlich beteiligt. Ein Einfluss auf die Planung ist daher eher nicht gegeben.

Durch diese späte Einbeziehung baut sich ein Informationsdefizit beim SiGeKo

auf.

Die Planungsphase ist das „Stiefkind“ der vorausschauenden SiGe-Planung. Zudem ist

eine konkrete individuelle SiGe-orientierte Planung der Ausführung (insbesondere in

Bezug auf die Zusammenarbeit mit anderen Arbeitgebern auf der Baustelle) konkret zu

diesem frühen Zeitpunkt meist nicht möglich, da man die Partner in der Regel nicht

kennt. Die kalkulierenden Unternehmen handeln hier eher orientiert am Vergaberecht

und halten sich strikt an die Informationen in den Vergabeunterlagen. Zusätzliche Informationen

führen eher zu Mehrkosten, verschlechtern die Wettbewerbsposition und

199 siehe Frage B3 aus der Anlage 4

200 siehe Frage B7 aus der Anlage 4

201 siehe Frage B5 aus der Anlage 4

202 siehe Frage B8 aus der Anlage 4

203 siehe Fragen F4, F5 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 110 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

mindern das Nachtragspotenzial. Eine detaillierte „Fein“-SiGe-Planung ist nach den

Vergabeusancen am Bau in frühen Planungsphasen erschwert. Eine stufenweise Verfeinerung

des SiGe-Plans ist in der Baustellenverordnung nicht explizit angelegt.

Der Planer (Architekt) plant – zumindest gilt dies für den Hochbau – objektorientiert, er

schuldet dem Bauherrn eine Planung für eine bauliche Anlage, die mängelfrei, dauerhaft

und funktionsgerecht ist. Der Herstellungsprozess interessiert den Bauherrn wenig.

Der Planer achtet daher auch primär auf das Werk, erst sekundär auf den Fertigungsprozess.

Da es sich in der Regel um eine Einzelfertigung handelt, werden Standardherstellungsprozesse

– gegliedert nach den Baugewerken – in der Verantwortung

der einzelnen ausführenden Firmen vorausgesetzt. Die Bauausführung bestimmt jedenfalls

kaum die Gestaltung des Bauobjektes. Die Baustellenverordnung setzt dagegen

in der Regel am Herstellungsprozess auf der Baustelle an. Ausnahme ist z. T. die

Unterlage für spätere Arbeiten, die eine Beschreibung sicherheitsrelevanter Bestandteile

bzw. Eigenschaften der baulichen Anlage beinhalten soll.

Eine fertigungsgerechte Planung ist bei der in Deutschland üblichen Rollen- und Verantwortungskonstellation

kaum möglich. SiGe-Aspekte der Fertigung spielen daher für

den Prozess der Objektplanung (Hochbau) fast keine Rolle.

Der SiGe-Koordinator ist dagegen ganz auf den Prozess ausgerichtet. Er wird oftmals

erst in späten Planungsphasen eingeschaltet. Einen Einfluss auf die Entwürfe hat er

nicht. Auch eine Beratung findet in der Regel nicht statt oder ist zum Teil ausdrücklich

unerwünscht. Dabei wäre zumindest eine Beratung zur sicherheitstechnischen Unterstützung

des Planungsprozesses sinnvoll, speziell auch bezogen auf spätere Arbeiten

an der baulichen Anlage. Denn die Unterlage kann sinnvollerweise nur dokumentieren,

was vorher im Planungsprozess berücksichtigt (oder nicht berücksichtigt) worden ist.

Bei der gegenwärtigen Konstellation am Bau ist eine fertigungsorientierte Planung (mit

Berücksichtigung von Sicherheit und Gesundheitsschutz beim Herstellungsprozess)

erschwert.

Insofern bringen die Ergebnisse auf die Frage nach Optimierungspotenzialen durch die

Baustellenverordnung zum Ausdruck, dass die Ablaufplanung überwiegend nicht verbessert

wurde. 204 Bei der Auswahl SiGe-gerechter Baukonstruktionen ist auch nach

Einführung der Baustellenverordnung kaum eine Veränderung festzustellen. 205

Die frühzeitige Einbindung eines SiGe-Koordinators bei der Objektplanung soll dafür

sorgen, dass eine bauliche Anlage in der Nutzungsphase gefahrlos und gesundheitsgerecht

instand zu halten ist. Dazu gehören auch Reinigungs- und Unterhaltungsarbeiten.

Nach Baustellenverordnung ist eine „Unterlage für spätere Arbeiten“ als Präventionsinstrument

einzusetzen, aktiv in der Planung beginnend und dann fortzuschrei-

204 siehe Frage E8 aus der Anlage 4

205 siehe Frage E11 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 111 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

ben. Diese Unterlage wird allerdings häufig in der Planungsphase überhaupt noch nicht

erstellt. 206 In 443 Fällen war eine solche Unterlage notwendig. Lediglich in 254 Fällen

(rund 57 %) wurde sie erstellt. Insofern wirkt auch das Instrument Unterlage für spätere

Arbeiten nicht präventiv in dem Sinne, dass vorausschauend Anstrengungen unternommen

werden, um die späteren Arbeiten sicher und gesundheitsgerecht zu gestalten.

Dieses gewollte Grundanliegen wird gegenwärtig nur bedingt erfüllt. Bis zur Ausschreibung

des Hauptgewerkes war lediglich für rund 13 % der Bauvorhaben eine solche

Zusammenstellung überhaupt erfolgt. Auch bei Bauverträgen wurde die Unterlage

für spätere Arbeiten kaum beachtet. 207

Hauptproblem ist, dass Planungsprozesse beim Bau sehr iterativ und kontinuierlich

laufen und ein speziell gefordertes Dokument „SiGe-Plan“ deshalb nicht konsistent erstellt

werden kann. Dieser Prozesscharakter ist bei Bauplanungen typisch und nicht unbedingt

im Einklang mit der Forderung der Baustellenverordnung, einen SiGe-Plan in

der Phase der Planung zu erstellen. Damit wird durch die Forderung nach einem speziellem

Dokument die Chance unterlaufen, Sicherheit und Gesundheitsschutz als integratives

Grundanliegen zu verstehen und auch so zu planen und zu betreiben. Das integrative

Umsetzen von Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz beim Zusammenwirken

der am Bau Beteiligten ist das A und O eines wirksamen und effektiven

Arbeitsschutzes. Entscheidend ist hierbei ein Verständnis vom SiGe-Plan, der durchaus

auch aus protokollierten Besprechungsergebnissen oder ähnlichem bestehen

kann, wenn dabei integrativ Anforderungen von Sicherheit und Gesundheitsschutz bei

der Koordinierung zwischen den Arbeiten umgesetzt werden. Entscheidend ist diese

Aktion der planerischen Koordinierung, weniger das speziell zu erarbeitende Dokument.

Eine Fortschreibung gefertigter Dokumente trifft in jeder betrieblichen Praxis auf

Hürden und Akzeptanzschwierigkeiten.

Fazit:

Fortschritte und Chancen

Nur in punktuellen Ansätzen ist eine Wirksamkeit der Baustellenverordnung in der Planungsphase

erkennbar. Einzelfälle belegen aber die aktive Wirkungen des SiGeKo.

Gegenwärtig ist durch die Baustellenverordnung die Ablaufplanung überwiegend noch

nicht verbessert worden. Bei der Auswahl SiGe-gerechter Baukonstruktionen ist auch

nach Einführung der Baustellenverordnung keine Veränderung festzustellen. Diese

grundlegenden inhaltlichen Orientierungen der Baustellenverordnung bieten aber Chancen

einer entscheidenden Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz.

206 siehe Frage C4 aus der Anlage 4

207 siehe Frage C7 aus der Anlage 4

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6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Eine noch nicht voll erschlossene Chance ist auch, dass der SiGeKo überwiegend

nicht früh genug bestellt wird. Dies wäre ohne zusätzlichen Aufwand bei entsprechendem

Problembewusstsein möglich und ist anzustreben, weil damit die Einflussnahme

auf die Planungsprozesse verbessert werden kann.

Die einseitige Ausrichtung der Planer auf das Bauwerk und die unzulängliche Berücksichtigung

des Herstellungsprozesses wirkt sich negativ auf die Gewährleistung von

Sicherheit und Gesundheitsschutz aus. Hier ist ein Umdenken (und auch entsprechende

Qualifikation der Planer und Architekten) die große Chance für bedeutende Verbesserungen.

Hemmnisse

Der Bauunternehmer erhält den SiGe-Plan oft erst zwischen Auftragserteilung und

Baubeginn. Daher kann er in den wichtigen Phasen der Kalkulation, der Baustelleneinrichtungsplanung,

Bauverfahrensplanung oder der Terminplanung nicht berücksichtigt

werden.

Der SiGe-Plan wirkt sich nur bei einem Teil der Befragten auf das Leistungsverzeichnisse/Leistungsprogramm

aus. In Anbetracht des erfragten Erstellungszeitpunktes des

SiGe-Plans kann sich dieser auch nicht effektiv auswirken.

Der SiGe-Plan liegt häufig zum Vertragsabschluss noch nicht vor. Im Bauvertrag erfolgt

zumeist lediglich ein formalrechtlicher Hinweis auf den zu berücksichtigen SiGe-Plan.

Der SiGe-Plan findet kaum Anwendung in der Planung der Ausführung. Diese ist aufgrund

der fehlenden konkreten Ausführungsinhalte zum Bauvorhaben zumeist sehr

allgemein gehalten. Das heißt, die SiGe-Planung findet zu spät und kaum parallel zum

Planungsprozess statt. Dies gilt sowohl für die Planung des Fertigungsprozesses als

auch für die sichere und gesundheitsgerechte Planung späterer Arbeiten am Gebäude.

Die Unterlage für spätere Arbeiten wirkt nicht präventiv vorausschauend aktiv auf Sicherheit

und Gesundheitsschutz bei solchen späteren Arbeiten.

Die Unterlage für spätere Arbeiten wirkt sich nur im geringen Maße auf die Ausschreibung

aus.

Die Unterlage für spätere Arbeiten wird bei Bauverträgen kaum beachtet.

Der SiGeKo wird zu spät beauftragt bzw. trotz evtl. früher Beauftragung erst spät beteiligt.

Ein Einfluss auf die Planung ist daher eher nicht gegeben. Außerdem entsteht ein

Informationsdefizit beim SiGeKo.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 113 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Der Begriff „SiGe-Plan“ bewirkt eine Assoziation mit einem Dokument, nicht mit einem

iterativen Planungsprozess.

6.4.2 Integration der Ziele und Instrumente der Baustellenverordnung

in den Prozess der Ausführung des Bauvorhabens

Die Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz ist ein zentrales Anliegen der

Baustellenverordnung. SiGe-Koordination soll nicht neben der Bauausführung, sondern

als immanenter Bestandteil erfolgen. Es soll sich im Alltagshandeln ausdrücken und

muss dazu insbesondere von allen Akteuren am Bau getragen werden. Der SiGeKo ist

dabei nur ein unterstützender Akteur. Wichtig ist das Wahrnehmen der eigenen Verantwortung.

Dies ist das präventive Potenzial, dessen Vorhandensein und Wirksamkeit zu

analysieren war.

Beginnend mit der Vergabe, in der bereits eine aktive Mitwirkung des SiGeKo erfolgen

soll, besteht die Aufgabe des SiGeKo dann darin, in den Phasen der Arbeitsvorbereitung,

Bauausführung und Objektbetreuung zu koordinieren, um eine gegenseitige Gefährdung

abzuwenden bzw. zu beherrschen.

Bei rund 86 % der Bauvorhaben lag mit Baubeginn ein SiGe-Plan vor. 208 Er war auch

inhaltlich allgemein vollständig. 209 Geschätzt wurde von den Bauunternehmern die

hiermit verbundene Information über zu erwartende Gefährdungen sowie der

anzuwendenden Arbeitsschutzbestimmungen. Rund 80 % der Befragten schätzten

eine sehr gute Umsetzung der Baustellenverordnung ein. 210

Der SiGeKo wird nach den Befragungsergebnissen aktiv in das Baugeschehen eingebunden

(Baustellenbegehungen, Koordinationsgespräche, Teilnahme an Baubesprechungen

usw.). Es findet nach Erlass der Baustellenverordnung eine größere Kommunikation

in Bezug auf Sicherheit und Gesundheitsschutz auf der Baustelle statt. Koordinierungsgespräche

werden als hilfreich eingeschätzt.

Bei der Einschätzung der Nutzung präventiver Potenziale (z. B. Vorschläge zu gefährdungsarmen

Ausführungsarten) durch die Tätigkeit des SiGeKo fiel die Zustimmung

mit knapp 60 % deutlich positiv aus. 211

Positiv wurde auch eine Zusammenarbeit zwischen SiGeKo und Fachkraft für Arbeitssicherheit

der Bauunternehmen bewertet. Kontakte der SiGeKo mit den Fachkräften für

Arbeitssicherheit der Bauunternehmen wurden durch die interviewten SiGeKo für sehr

wichtig gehalten. Gemeinsam wurden von SiGeKo und den Fachkräften für Arbeitssi-

208 siehe Frage B5 aus der Anlage 4

209 siehe Frage B6 aus der Anlage 4

210 siehe Frage D1 aus der Anlage 4

211 siehe Frage D16 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 114 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

cherheit in benannten Beispielen Arbeitsabläufe mit ihren möglichen Gefährdungen

und Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Zusammenarbeit auf

der Baustelle besprochen. Zum Teil wurden konkrete Koordinierungsaufgaben miteinander

abgestimmt.

Defizite zeigt die Einbindung des SiGeKo in die Vergabe und auch in die Terminplanung.

Der SiGeKo wurde oftmals nicht als der Unterstützer und fachkundlicher Berater für die

Koordination gesehen, sondern allgemein als Arbeitsschutzexperte. Dies kam insbesondere

in den geführten persönlichen Interviews zum Ausdruck. Diese Einschätzung

verwischt die Aufgabenunterschiede zwischen den Fachkräften für Arbeitssicherheit als

Berater jedes einzelnen Bauunternehmens einerseits und dem SiGeKo als dem Fachkundigen

für SiGe-Koordination andererseits. Dadurch wird die präventive Wirksamkeit

durch vorausschauende Koordinierung nur begrenzt möglich, da der Focus der Baubetriebe

auf Sicherheit und Gesundheitsschutz als Einzelmaßnahme gelegt wird. Dies

sind auch Gründe dafür, dass Informationen, die für eine Koordinierung sehr entscheidend

sind (beispielsweise Veränderungen von Abläufen und Verfahren), nicht an den

SiGeKo weitergegeben werden.

Als spezielles Problem stellt sich dar, dass die erforderliche Gefährdungsermittlung

und -beurteilung durch das Zusammenwirken von Arbeitgebern als Basis für den SiGe-

Plan zum Teil sehr schwierig ist. Die für eine wirksame Koordinierung notwendigen objektspezifischen

Gefährdungsbeurteilungen können von den ausführenden Unternehmen

oftmals nicht vorgelegt werden. Der SiGeKo kann in der Planungsphase nur sehr

pauschal die möglichen Gefährdungen erkennen und kann somit erst in der Ausführungsphase

konkret werden. Dies ist ein Kern der Tätigkeiten der SiGeKo in dieser

Phase. Überwiegend ist die Zusammenarbeit mit den Bauunternehmen hierbei aber

problematisch. Es wurde von den Interviewpartnern berichtet, dass von den Bauunternehmen

eine Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz oftmals nicht vorgelegt

werden konnte. Sollte diese im Einzelfall vorhanden sein (meist erst nach konkreter

Anforderung durch den SiGeKo), so ist sie nicht auf das spezifische Bauvorhaben

differenziert und damit kaum verwendbar für eine Koordinierung. Dieses Instrument

wird aber für eine wirksame Koordinierung als sehr wichtig angesehen.

Strittig ist, ob die Bauunternehmen die Gefährdungsbeurteilung nach ArbSchG dem Si-

GeKo überhaupt übergeben müssen. Eine Rechtspflicht enthält die Baustellenverordnung

hierzu nicht. Auch die Reihenfolge wird strittig gesehen. Soll erst der Bauunternehmen

seine Gefährdungsbeurteilung an den SiGeKo liefern, oder soll der SiGeKo

erst dem Unternehmer die Hinweise geben, damit dieser seine Gefährdungsbeurteilung

an das konkrete Bauobjekt anpassen kann.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 115 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Jedes Bauunternehmen ist nach §§ 5 und 6 ArbSchG zur Beurteilung der Arbeitsbedingungen

mit entsprechender Dokumentationspflicht verpflichtet. Außerdem fordert das

Arbeitsschutzgesetz mit § 8 und auch die BGV A1, dass sich die beteiligten Unternehmer

über Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Vermeidung möglicher gegenseitiger

Gefährdungen abstimmen müssen, wenn Aufträge mit einem Einsatz von Arbeitnehmern

in Fremdbetrieben übernommen werden. Dies gilt in der Sache auch für die Baustelle.

Das heißt, auch der einzelne Baubetrieb ist zur Abstimmung verpflichtet, wenn

Gefährdungen durch seine Tätigkeit für andere ausgehen können und umgekehrt,

wenn von den Tätigkeiten, die im Auftrag des Bauherrn generell auf der Baustelle ausgeführt

werden, Gefährdungen für Beschäftigte des einzelnen Baubetriebes ausgehen

können. Jeder Arbeitgeber muss sich im Vorfeld der Ausführung von Tätigkeiten durch

seine Beschäftigten über mögliche andere Arbeitgeber informieren, die in der gleichen

Arbeitsstätte tätig werden. Jeder Arbeitgeber hat für die betreffenden Tätigkeiten eine

eigene Gefährdungsbeurteilung im Sinne von § 5 ArbSchG durchzuführen. Es ist erforderlich,

dass sich die Arbeitgeber im Vorfeld über die verschiedenen Gefahrenpotenziale,

die von ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich ausgehen, wechselseitig informieren.

Hier setzt die Baustellenverordnung erst auf. Ausgehend von solchen Informationen

zu Gefährdungen des einzelnen Unternehmens kann ein SiGeKo erst sachkundig

Probleme bei der Zusammenarbeit erkennen. Der SiGe-Plan enthält dann diese verschiedenen

Gefahrenpotenziale, die von der jeweiligen Tätigkeit und den hierbei eingesetzten

Geräten und Stoffen ausgehen.

Es besteht eine Informationspflicht des einzelnen Baubetriebes über mögliche Gefährdungen

anderer, die von seinen Tätigkeiten ausgehen können. Diese Informationspflicht

kann mit der Übermittlung von Erkenntnissen aus der eigenen Gefährdungsbeurteilung

nach Arbeitsschutzgesetz durchaus erfüllt werden. Umgekehrt hat der Baubetrieb

einen Anspruch auf Informationen zu Gefährdungen für seine Beschäftigten, die

von den Tätigkeiten anderer auf der Baustelle ausgehen können. Dieses Anliegen verfolgt

der SiGe-Plan. Es ist nach Angaben der interviewten SiGeKo sehr nützlich und für

alle effektiv, wenn die Gefährdungsermittlung für den SiGe-Plan aus einzelnen Gefährdungsbeurteilungen

der Baubetriebe abgeleitet werden kann. Die in den Baubetrieben

vorhandene Sachkunde sollte zum Tragen kommen. Der SiGeKo sollte keinesfalls unabhängig

von den Gefährdungsermittlungen des einzelnen Baubetriebes mit einer Gefährdungsbeurteilung

beginnen, um Gefährdungen bei der Zusammenarbeit zu identifizieren.

Hier zeigt sich oftmals aber kein konstruktives Miteinander.

Besondere Schwierigkeiten entstehen oftmals dann, wenn Arbeiten an Subunternehmer

vergeben werden, ohne dass der SiGeKo davon Kenntnis erhält.

Viele Sicherheitsprobleme kommen aus der Zeitnot am Bau. Dies erfordert eine ständige

Kommunikation. Beklagt wurde von den interviewten SiGeKo, dass sie sehr häufig

keinerlei Informationen erhielten und eher zufällig bei Aufenthalten vor Ort von Veränderungen

erfahren. Vorausschauende Arbeit sei dadurch nicht möglich. Es fehle ein

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 116 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

systematisches Informationsmanagement. Die Folge ist eine eher kontrollierende Tätigkeit

des SiGeKo mit Hinweisen auf die notwendige Abstellung konkret vorgefundener

Arbeitsschutzmängel. Diese Arbeitsweise entspricht nur eingeschränkt dem eigentlichen

Anliegen der Tätigkeit gemäß Abschnitt 3.2 der RAB 30. Der SiGe-Plan wird häufig

nur im Rahmen des operativen Arbeitsschutzes, z. B. für Arbeitsunterweisungen

oder zur Überwachung von Arbeitsverfahren, genutzt.

Fazit:

Fortschritte und Chancen

In der Phase der Bauausführung hat sich die Einbeziehung eines SiGeKo und die Arbeit

mit dem SiGe-Plan grundsätzlich bewährt. Die überwiegende Mehrheit der Befragten

schätzt eine sehr gute Umsetzung der Baustellenverordnung ein.

Der SiGeKo wird im Allgemeinen aktiv in das Baugeschehen eingebunden. Es findet

nach Erlass der Baustellenverordnung eine größere Kommunikation in Bezug auf Sicherheit

und Gesundheitsschutz auf der Baustelle statt. Koordinierungsgespräche werden

als hilfreich eingeschätzt. Die operative Einflussnahme auf Sicherheit und Gesundheitsschutz

durch den SiGeKo gelingt. Er kann sich präventiv einbringen.

Positiv wird eine Zusammenarbeit zwischen SiGeKo und Fachkraft für Arbeitssicherheit

der Bauunternehmen bewertet. Kontakte der SiGeKo mit den Fachkräften für Arbeitssicherheit

der Bauunternehmen werden durch die interviewten SiGeKo für sehr wichtig

gehalten. Diese Chance ist für die Wirksamkeit der Baustellenverordnung noch nicht

voll erschlossen.

Es besteht eine große nicht genutzte Chance für die Verbesserung von Sicherheit und

Gesundheitsschutz dadurch, dass die für das einzelne Bauunternehmen gem. ArbSchG

zwingend vorliegende Gefährdungsbeurteilung für den SiGeKo nicht verfügbar gemacht

wird. Hier sind wichtige Informationen nicht nutzbar. Es kann in der Regel nicht

auf vorhandene Gefährdungsermittlungen zurückgegriffen werden, die bereits in den

Baubetrieben vorliegen müssten.

Das unterschiedliche Aufgabenverständnis von Fachkräften für Arbeitssicherheit als

Fachexperten für den Baubetrieb und von SiGeKo als Fachexperten für das Zusammenwirken

am Bauvorhaben hemmt eine wirksame Informationsübermittlung an den

SiGeKo durch die Bauunternehmen. Hier liegt eine nicht erschlossenen Chance für die

Wirksamkeit der Baustellenverordnung.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 117 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Hemmnisse

Es fehlt ein systematisches Informationsmanagement, die den SiGeKo als wichtigen

Partner einbezieht, um ständig Informationen zu Veränderungen am Bau für den SiGe-

Plan nutzen zu können. Der SiGeKo hat Informationsbeschaffungsprobleme.

Die für eine wirksame Koordinierung notwendigen objektspezifischen Gefährdungsbeurteilungen

können von den ausführenden Unternehmen oftmals nicht vorgelegt werden.

So ist als grundlegendes Defizit erkennbar, dass sich SiGeKo und Baubetrieb gegenseitig

den „Schwarzen Peter“ zuschieben, wer wem was zuerst geben sollte. Eine

konstruktive gemeinsame Arbeit leidet darunter.

Eine Fortschreibung des SiGe-Plans erfolgt nicht vorausplanend, sondern häufig nur

registrierend auf bereits vollzogene Veränderungen. Der SiGe-Plan wird insofern nur

unzureichend fortgeschrieben. Der SiGe-Plan wird häufig nur im Rahmen des operativen

Arbeitsschutzes, z. B. für Arbeitsunterweisungen oder zur Überwachung von Arbeitsverfahren,

genutzt.

SiGeKo wirken nur selten bei der Vergabe und bei der Terminplanung mit.

Die Tätigkeiten der SiGeKo beschränken sich häufig auf Kontrolltätigkeiten des betrieblichen

Arbeitsschutzes der ausführenden Unternehmen. Räumliche und zeitliche

Koordinierungsmaßnahmen finden eher selten statt. Es erfolgt häufig keine vorausschauende

Steuerung und Einflussnahme des Baugeschehens, aufgrund fehlender Informationen

durch ausführende Unternehmen, unklarem Einsatz von Subunternehmern

und deren Abläufe sowie fehlende Informationen bei Veränderungen von Abläufen und

Verfahren. Eine präventive Wirksamkeit zur vorausschauenden Koordinierung ist daher

nur begrenzt vorhanden.

Die Unterlage für spätere Arbeiten wird generell zu spät erstellt, zumeist erst nach Abschluss

der Baumaßnahme.

Die Unterlage für spätere Arbeiten wird kaum fortgeschrieben.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 118 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

6.5 Bewertung der erzielten Ergebnisse

bei der Umsetzung der Baustellenverordnung

Die Bewertung der Leistungen der Beteiligten am Bauprozess bei der Umsetzung der

Baustellenverordnung erfolgt im Teilsystem „Ergebnisse“. Sie sind die Wirkungen, die

auf der Grundlage der Fähigkeiten (Potenziale) durch das konkrete Arbeitsschutzhandeln

in den Phasen des Bauablaufs erzielt werden. Sie beschränken sich nicht nur auf

unmittelbare Leistungen für den Arbeitsschutz, die sich am umfassenden Präventionsverständnis

orientieren, wie z. B. die Wirkungen auf die Arbeitsbedingungen, die Gesundheit

der Beschäftigten oder die Mitarbeiterzufriedenheit, sondern umfassen auch

Beiträge zur Optimierung und Stabilisierung der Unternehmensergebnisse der beteiligten

Partner.

Als Ergebnisse wurden beurteilt:

• Arbeitsbedingungen, Gesundheit der Beschäftigten, Mitarbeiterzufriedenheit sowie

Sicherheits- und Gesundheitsbewusstsein,

• Optimierung und Stabilisierung der Unternehmensergebnisse.

6.5.1 Arbeitsbedingungen, Gesundheit der Beschäftigten sowie

Sicherheits- und Gesundheitsbewusstsein

Durch die Baustellenverordnung haben sich nach Einschätzung aller Befragten Sicherheit

und Gesundheitsschutz auf Baustellen verbessert.

Bauherr

Die Bauherren schätzten eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz

sehr hoch ein, bezogen auf Absturzsicherungen, Verkehrswegesicherung, aber auch

auf Persönliche Schutzausrüstungen. 212 Die gesetzlichen Bestimmungen zu Sicherheit

und Gesundheitsschutz wurden besser umgesetzt. 213

Die Wirkung der Baustellenverordnung auf die Weiterentwicklung der Baukonstruktion

ist gering. 214 Die Auswahl SiGe-gerechter Baukonstruktionen wurde lediglich von rund

einem Drittel der Bauherren bestätigt.

Bauunternehmen

Die Bauunternehmer äußerten eine sehr positive Einschätzung zur Wirkung der Baustellenverordnung

in Bezug auf eine Reduzierung von Gefährdungen (vgl. Tabelle 10).

212 siehe Frage E9 aus der Anlage 4

213 siehe Frage F12 aus der Anlage 4

214 siehe Frage E11 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 119 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Tabelle 10: Einschätzung der Bauunternehmer zur Reduzierung von Gefährdungen in

Folge der Baustellenverordnung

Zusammenstellung der

Einschätzungen zur Frage E 6:

Werden in Folge der

Baustellenverordnung nachfolgende

Gefährdungen bei der Ausführung der

Arbeiten reduziert?

Gültige

Anzahl von

Nennungen

Bestätigung von

Reduzierungen

Antworten mit

„teils/teils“ in %

Antworten mit

„ja“, „eher ja“

und „teils ja“

in %

Körperlich schwere Arbeit 102 24,5 % 17,6 %

Vibrationen/Erschütterungen 99 26,3 % 20,2 %

Umgang mit Gefahrstoffen 102 14,7 % 61,8 %

Versinken/verschüttet werden in

Baugruben 93 20,4 % 57,0 %

Absturzgefahr 104 11,5 % 68,3 %

Elektrische Gefährdung 98 20,4 % 57,1 %

Lärm 104 22,1 % 47,1 %

Staub 104 27,9 % 42,3 %

Gegenseitige Gefährdung der

Beschäftigten verschiedener Arbeitgeber 103 9,7 % 63,1 %

Gefährdung durch räumliche Behinderung

anderer Gewerke 100 13,0 % 52,0 %

Kran auf-/abbauen 86 18,6 % 48,9 %

Damit wird eine außerordentlich hohe Wirksamkeit der Baustellenverordnung bezogen

auf das Kernziel Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten beim Bau bestätigt.

Eine Reduktion der Gefährdungen durch die Baustellenverordnung findet vor allem

im Bereich des Umgangs mit Gefahrstoffen, der Absturzsicherung und der gegenseitigen

Gefährdung der Beschäftigten verschiedener Arbeitgeber statt.

Weitere Fortschritte wären denkbar, wenn die Anforderungen des SiGe-Planes von

den bauausführenden Unternehmen stärker beachtet werden würden. 215 Defizite

bestehen bezogen auf deren Berücksichtigung bei der Angebotskalkulation, aber auch

bei präventiv wirksamen Anforderungen, wie Auswahl von

Bauverfahren/Fertigungstechniken, Änderung von Arbeitsmethoden,

Bereitstellungsplanung für Personal und Geräte usw.

215 siehe Frage B14 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 120 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Indikator für die Entwicklung des Sicherheits- und Gesundheitsbewusstsein kann die

stärkere Beachtung von Sicherheit und Gesundheitsschutz bei den am Bau Beteiligten

seit Einführung der Baustellenverordnung sein. 216

Weiterhin kann der Indikator „Zusammenarbeit mit den anderen am Bau Beteiligten seit

Einführung der Baustellenverordnung“ herangezogen werden. 217 Von insgesamt 393

Antworten auf diese Frage haben sich rund 42 % positiv geäußert. Dabei sehen insbesondere

öffentliche Bauherren sowie Unternehmer diese positive Entwicklung. Die anderen

Akteure sehen diese Entwicklung verhaltener.

Fazit:

Fortschritte und Chancen

Durch die Baustellenverordnung haben sich nach Einschätzung aller Befragten Sicherheit

und Gesundheitsschutz auf Baustellen verbessert.

Verbesserungspotenziale bleiben ungenutzt, weil die Anforderungen des SiGe-Planes

von den bauausführenden Unternehmen nicht hinreichend beachtet werden. Akzeptanz

und Autorität des SiGe-Planes bilden noch nicht hinreichend erschlossene Chancen

für die Verbesserung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung.

Hemmnisse

Eine Verbesserung der Zusammenarbeit der am Bau Beteiligten ist nicht überzeugend

belegt worden.

Defizite bestehen bezogen auf die Berücksichtigung der Anforderungen des SiGe-Planes

durch bauausführende Unternehmen bei der Angebotskalkulation, aber auch bei

präventiv wirksamen Anforderungen wie Auswahl von Bauverfahren/Fertigungstechniken,

Änderung von Arbeitsmethoden, Bereitstellungsplanung für Personal und Geräte

usw.

Die Baustellenverordnung führt nicht zu SiGe-gerechten Baukonstruktionen. Planer

und Architekten tragen hierbei eine besondere Verantwortung.

216 siehe Frage E4 aus der Anlage 4

217 siehe Frage E5 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 121 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

6.5.2 Optimierung der Unternehmensergebnisse;

Stabilisierung der Unternehmensprozesse

Durch die Baustellenverordnung sind Kosten, Termineinhaltung, Qualität und Ablaufplanung

nur in geringem Umfang optimiert worden. 218 Eine quantitative Darstellung ist

nicht möglich und machbar, da keine finanziellen Effekte aus verschiedenen Varianten

vergleichbar waren oder ausgeführt wurden. Kritisch zu werten ist auch die Einbeziehung

der Koordinatoren erst in den späten Planungsphasen. Dadurch sinkt die Möglichkeit

einer maßgeblichen Beeinflussung von Kosten.

Kostenvorteile werden durch die Akteure zur Umsetzung der Baustellenverordnung

kaum gesehen. Knapp 50 % der Befragten schätzten ein, dass es keine Kostenvorteile

für die Baumaßnahmen durch eine frühzeitige Erstellung und Nutzung des SiGe-Planes

gäbe. Besonders der Bauherr vermisste hier den Nutzen. Dies wird insbesondere

durch die fehlende Verankerung in der Planungsphase verursacht. 219

Auch durch die geforderte „Unterlage für spätere Arbeiten am Bau“ wurde kaum ein

Nutzen bei den Bauherren erkennbar. 220 Die erwarteten Kostenvorteile durch die frühzeitige

Einordnung der Erstellung der Unterlage für spätere Arbeiten ist also nur bedingt

wirksam geworden. Gerade für die spätere Nutzung der baulichen Anlage wurden

durch den SiGeKo stärker sicherheitstechnische Lösungen vorgeschlagen, insbesondere

Schutzgerüste, Sekuranten und Befahreinrichtungen. 221 Dies könnte den Aufwand

bei der Erstellung des Gebäudes erhöhen. Die Ursache hierfür muss aber in der sehr

späten Einordnung der Erstellung der Unterlage für spätere Arbeiten in den Planungs-

und Bauprozess gesehen werden, also die offensichtliche Nichtbeachtung dieses Problems

bereits in der Planungsphase.

Fazit:

Fortschritte und Chancen

Eine Optimierung der Unternehmensergebnisse wird in geringem Maße gesehen.

Durch eine konsequentere Umsetzung der Baustellenverordnung ergeben sich Chancen

für eine Verbesserung der Optimierung von Kosten, Termineinhaltung, Qualität

und Ablaufplanung.

Hemmnisse

Es gibt kaum direkten finanziellen Nutzen durch die Baustellenverordnung.

218 siehe Frage E8 aus der Anlage 4

219 siehe Frage B16 aus der Anlage 4

220 siehe Frage C12 aus der Anlage 4

221 siehe Frage C8 aus der Anlage 4

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 122 von 444


6 Bewertung der Umsetzung der Baustellenverordnung nach Potenzialen, Prozessen und Wirkungen

Auch eine frühzeitige Nutzung des SiGe-Planes führt kaum zu Kostenvorteilen. Besonders

der Bauherr sieht keinen ökonomischen Nutzen.

Durch die Baustellenverordnung sind nur in geringem Maße Kosten, Termineinhaltung,

Qualität und Ablaufplanung optimiert worden.

Die Unterlage für spätere Arbeiten am Bau führt durch ihre späte Erstellung nicht zu

ökonomischen Vorteilen. Potenziell entstehen eher Vorschläge, die bei der Erstellung

des Bauobjekts zu höherem Aufwand führen.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 123 von 444


7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung

der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

7.1 Vorbemerkungen

Anhand der Indikatoren Potenziale, Prozesse und Wirkungen wurden als Ergebnis der

Bewertung der Befragungsergebnisse im Kapitel 6 Fortschritte und Chancen sowie

Hemmnisse bei der Umsetzung der Baustellenverordnung identifiziert und zusammengestellt.

Daraus abgeleitet sollen die nachfolgenden Handlungsoptionen dazu dienen,

die vorhandenen Chancen zu nutzen bzw. die bestehenden Hemmnisse zu überwinden.

Es wurde dabei bewusst darauf verzichtet Empfehlungen abzugeben, da die Umsetzungschancen

einzelner Optionen auf Grund offener politischer Entscheidungen

über künftige Zuständigkeiten und Aufgabenverteilungen im Arbeitsschutz für die Auftragnehmer

nur schwer einzuschätzen waren.

Im Verlauf der Forschungsarbeit wurde eine Vielzahl von einzelnen Handlungsoptionen

konzipiert, welche mit unterschiedlichem Aufwand und jeweils an unterschiedliche

Adressatengruppen gerichtet realisiert werden könnten. Um zu einer übersichtlichen

Darstellung zu kommen und eine mögliche Umsetzung zu erleichtern, wurden die

Handlungsoptionen sowohl thematisch (Abschnitt 7.2) wie auch funktional (Abschnitt

7.3) gebündelt.

Im Rahmen der thematischen Bündelung wurden Themenbereiche gebildet, denen die

jeweiligen Handlungsoptionen zugeordnet wurden.

Folgende Themenbereiche wurden identifiziert:

• SiGe-Planung (SiGe-Plan und Unterlage für spätere Arbeiten) – Abschnitt 7.2.1

• Bauaufsicht, Überwachung, Vollzug – Abschnitt 7.2.2

• Unterstützung, Öffentlichkeitsarbeit – Abschnitt 7.2.3

• Qualifizierung – Abschnitt 7.2.4

• Selbstregulierung, Anreize, Deregulierung – Abschnitt 7.2.5

• Verbünde, Kooperationen – Abschnitt 7.2.6

• Klarstellungen im Recht, Rechtsanpassungen – Abschnitt 7.2.7

Weiterhin erfolgte eine funktionale Bündelung. Zielgedanke war hier, die Einbindung

verschiedener Handlungsoptionen in mögliche Modelle aufzuzeigen. Neben der konzeptionellen

Darstellung wurden die einzelnen Modelle in ihrer Wirkung kurz eingeschätzt.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 124 von 444


7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

Neben drei ausführlicher beschriebenen Modellen wurden weitere funktionale Bündelungen

im Projektverlauf diskutiert, aber letztendlich wieder verworfen, wie z. B. ein

BG-Modell, mit dem beim Träger der gesetzlichen Unfallversicherung weitere Funktio–

nen gebündelt werden könnten, und ein SiFa-Modell, bei dem die Funktionen der

Fachkraft für Arbeitssicherheit erweitert werden könnte.

Folgende drei Modelle wurden in ihren Grundzügen erarbeitet und dargestellt:

• Koordinierungsmodell (Abschnitt 7.3.1)

• Modell „Öffentliche Bauaufsicht“ (Abschnitt 7.3.2)

• Bauunternehmermodell (Abschnitt 7.3.3)

Alle Modelle zeichnen sich dadurch aus, dass sie Funktionen und Aufgaben bei Institutionen

konzentrieren, die sowieso Aufgaben zur Sicherheit am Bau wahrnehmen.

Diese drei Modelle sind als mögliche Alternativen zu sehen und sollen Ausgangspunkte

für weitere Diskussionen zwischen den Beteiligten bieten. Aufgrund der zur Verfügung

stehenden Ressourcen konnten die Modelle nicht detailliert ausgearbeitet werden.

Sie bieten aber die Chance, unterschiedliche Handlungsoptionen funktional gebündelt

in den Prozess der Umsetzung der Baustellenverordnung einzubringen. Falls

eines der drei Modelle oder Teile davon umsetzt werden sollen, muss dieser Prozess

der Modellpräzisierung intensiv und sorgfältig weiter betrieben werden. Nach Abwägung

der Umsetzbarkeit sind die Modelle somit je nach Bedarf im Detail weiter auszuarbeiten.

Alle Handlungsoptionen gehen von der weiterhin bestehenden Verantwortlichkeit

der Bauherren aus. Alternative Verantwortlichkeiten wurden von der Forschungsgruppe

trotz der festgestellten zu geringen Motivation der Bauherren verworfen,

da eine rechtlich korrekte und praktikable Umsetzung ohne diese Bauherrenverantwortlichkeit

als durchweg unrealistisch eingeschätzt wurde.

7.2 Einzelne Handlungsoptionen gegliedert nach Themen

7.2.1 SiGe-Planung einschließlich SiGe-Plan und Unterlage für spätere Arbeiten

a) Instrumentarium SiGe-Plan ändern – Besinnung auf EU-Recht

Der SiGe-Plan, wie er in Deutschland verbreitet ist, hat sich in der Praxis als wenig

sinnvoll erwiesen. Als Kritik ist insbesondere anzubringen, dass

der SiGe-Koordinator in den frühen Bauprojektphasen komplexe Bauabläufe nicht

erkennen kann,

der SiGe-Koordinator in den frühen Phasen die von den Bauunternehmern konkret

angewandten Bauverfahren noch nicht kennt,

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 125 von 444


7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

– die Darstellung in Form eines Planes (z. B. auf einem großformatigen Papier) sich als

wenig praxisgerecht gezeigt hat.

Es wird angeregt, dass der SiGe-Plan sich künftig strenger am EU-Recht orientiert

(Artikel 5, Richtlinie 92/57/EWG). In diesem Falle könnenTabellen, die auf DIN-A4-

Blättern erstellt werden, oft ausreichen und sind in der europäischen Praxis auch Standard.

b) SiGe-Planung als iterativer Prozess

Ein (einziger) SiGe-Plan ist im Planungs- und Bauablauf ein theoretisches Konstrukt,

da er im Laufe des Planungs-, Vergabe- und Bauprozesses iterativ entstehen und verfeinert

werden sollte. Gerade beim Bauen im Bestand ist die iterative SiGe-Planung

eine sinnvolle Vorgehensweise. Die dokumentierte SiGe-Planung besteht dann eher

aus protokollierten Besprechungsergebnissen. Die „Dokumente der Koordination“ (Protokolle,

Hinweise, Terminabsprachen, Skizzen), die in einen Ordner geheftet werden,

können den SiGe-Plan darstellen und auch seine Anpassungen. Damit wird sichergestellt,

dass mit steigendem Wissen und Detaillierungsgrad die Informationen zeitgerecht

angepasst oder ergänzt werden.

Es wird angeregt, statt des Begriffs „SiGe-Plan“ besser die Bezeichnung „Dokumente

der SiGe-Planung“ zu verwenden. Der Abschlussbericht der Aktion Netzwerk Baustelle

verwendet als Bezeichnung des Gesamtprozesses den Begriff „SiGe-Planung“ 222 , der

aber auch synonym für alle Dokumente des SiGe-Planungsprozesses verwendet wird.

Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass übliche Bauplanungen in verschiedenen

Detaillierungsstufen ablaufen. So sind beim Terminplan regelmäßig mindestens

drei Detaillierungsstufen (Rahmen- bzw. Grobterminplan, Koordinationsterminplan,

Feinterminplan) üblich.

In diesem Sinne wird angeregt, den SiGe-Plan in mindestens zwei Stufen zu erstellen:

– Rahmen-SiGe-Plan 223 als Plan, in dem allgemeine Randbedingungen vor der

Ausschreibung und somit auch vor Baubeginn festgelegt werden,

– Detail-Koordinationsterminplan als Koordinationsplan, bei dem während der

Bauausführung alle relevanten Informationen einfließen, der somit gegebenenfalls

auch taggenau geführt werden kann.

Das oben Gesagte gilt im Prinzip auch für die Unterlage für spätere Arbeiten, die genau

wie der SiGe-Plan aus einem iterativen Prozess „SiGe-Planung“ hervorgeht. So

betrachtet könnte man von einer iterativen SiGe-Planung sprechen, aus der heraus

222 Arbeitsgruppe Netzwerk Baustelle; Abschlussbericht der Aktion Netzwerk Baustelle im Rahmen der EU-

Baustellenkampagne 2004; Ansprechpartner Dr. Sebastian Schul, Regierungspräsidium Darmstadt, Abt.

Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik, Seiten 18, 22 und 33, Berlin 2005

223 Im bauüblichen Sprachgebrauch werden die ersten Stufen von Planungsinstrumenten zum Teil als Rahmen-, Grob-

oder Vorpläne bezeichnet (z. B. Grob- bzw. Rahmenterminplan, Vorentwurf, Vorstatik)

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 126 von 444


7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

zwei Dokumenten-/Planwerke entstehen: Unterlage für die Berücksichtigung von Sicherheitsbelangen

bei späteren Arbeiten an der baulichen Anlage und SiGe-Plan für

den Herstellungsprozess, jeweils in unterschiedlichen Detaillierungsstufen, je nach Planungs-

und Prozessfortschritt. Diese iterative SiGe-Planung sollte möglichst frühzeitig

in die Bauplanungsprozesse integriert werden.

c) Zweistufige SiGe-Planung und Integration der SiGe-Planung von

Unternehmen im Rahmen der Koordination

Es wird vorgeschlagen, dass die SiGe-Planung zweistufig erfolgt.

Erste Stufe:

Während der Planung, in den Phasen 1 - 5 nach § 15 HOAI, ist die erste Stufe der

SiGe-Planung durchzuführen. Der „SiGe-Plan“ in dieser Phase legt ausschließlich im

Sinne eines „Rahmen-SiGe-Plans“ die Regeln und Prinzipien fest, nach denen der

Bauherr seine Ausschreibung gestaltet und auf deren Basis der Bauunternehmer –

aufbauend auf seiner allgemein betriebsbezogenen Gefährdungsanalyse – auch eine

speziell baustellenbezogene Gefährdungsanalyse und Maßnahmenplanung durchführen

und dokumentieren kann.

Der Rahmen-Grob-SiGe-Plan sollte folgende Festlegungen treffen:

– Welche Elemente der Baustelleneinrichtung der Bauherr bereitstellt und welche

Elemente durch die Unternehmer bereitgestellt werden müssen.

– Organisationsprinzipien der Baustelle insbesondere in Bezug auf Sicherheits- und

Gesundheitsschutz (Baustellenordnung, regelmäßige Besprechungen,

Koordinierungsinstrumente etc.).

– Räumliche und grobe zeitliche Abgrenzung der Leistungspakete zwischen den

einzelnen Unternehmern.

Ziel dieses Rahmen-SiGe-Plans ist (dieser wird im Allgemeinen als Sammlung von

DIN-A4-Blättern vorliegen), dass der Unternehmer seine Leistungen korrekt kalkulieren

und sich auf die Situation einstellen kann, die ihn auf der Baustelle erwartet. Dieser

Rahmen-SiGe-Plan ist den kalkulierenden Unternehmen mit den Ausschreibungsunterlagen

vom Bauherrn zur Verfügung zu stellen.

Zweite Stufe:

SiGe-Plan während der Ausführung: Die zweite Stufe des SiGe-Plans ergibt sich, indem

zukünftig die Unternehmer durch die Baustellenverordnung verpflichtet sein sollen,

unter Berücksichtigung des Rahmen-SiGe-Plans jeweils eine eigene speziell baustellenbezogene

Gefährdungsanalyse und Maßnahmenplanung für ihr Gewerk durch-

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 127 von 444


7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

zuführen und zu dokumentieren. Diese speziell baustellenbezogene Gefährdungsanalyse

ist dann durch den SiGe-Koordinator zu koordinieren, in dem Sinne, dass Unstimmigkeiten,

Widersprüche zu speziell baustellenbezogenen Gefährdungsanalysen anderer

Gewerke und zum Rahmen-SiGe-Plan korrigiert und fehlende Elemente vom Unternehmer

eingefordert werden. Auch dieser SiGe-Plan ist zu verstehen als Dokumentation

aller Maßnahmen, welche die Unternehmer andererseits vom Bauherrn erwarten

beziehungsweise von den Unternehmen selbst ergriffen werden. Auch dieser SiGe-

Plan wird im Allgemeinen auf DIN-A4-Blättern erstellt werden.

Der SiGe-Plan besteht daher aus zwei Elementen:

– dem Rahmen-SiGe-Plan, der durch den SiGe-Koordinator vor Beginn der Baustelle

(möglichst vor der Ausschreibung) erstellt wird

– und der Summe der zusammengeführten und koordinierten speziell

baustellenbezogenen Gefährdungsanalysen der Unternehmen.

d) Pflicht zur Übergabe der Gefährdungsbeurteilungen der Bauunternehmern

an den SiGeKo

Der SiGeKo hat ein systematisches Informationsdefizit, da er die speziellen Gefährdungen

durch die einzelnen Arbeitgeber nicht detailliert kennt (außer er ist SiGeKo im GU).

Es wird angeregt, dass die Koordinierungspflicht des SiGeKo unter Einbindung der Gefährdungsbeurteilungen

und deren Dokumentation durchgeführt wird, die die Bauunternehmen

auf Grund der §§ 5 und 6 ArbSchG zu erstellen haben. Dadurch wird sichergestellt,

dass

der Bauunternehmer angehalten wird, dass er eine (auch objektbezogene)

Gefährdungsbeurteilung durchführt, indem er diese dem SiGe-Koordinator vorlegen

muss,

– die Folgemaßnahmen aus der Gefährdungsbeurteilung nicht mit den Maßnahmen

anderer Unternehmer kollidieren.

7.2.2 Bauaufsicht, Überwachung, Vollzug

a) Überwachung der Baustellenverordnung den Bauordnungs-/

Bauaufsichtsbehörden übertragen

Eine denkbare Möglichkeit, die firmenübergreifende (also nicht primär zwischen Arbeitgeber

und Beschäftigten bestehende) Sicherheitsproblematik zu regeln, bietet das Polizeirecht,

speziell das Bauordnungsrecht, das allerdings Ländersache ist. Die Bauordnungs-

bzw. Bauaufsichtsämter könnten in die Überwachung der Einhaltung der Baustellenverordnung

einbezogen werden – evtl. zusätzlich – da ihnen gegenwärtig schon

bzw. noch Aufgaben der Bauüberwachung zugewiesen sind.

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

Zwar gehört der Arbeitsschutz nach Art. 74 GG zur konkurrierenden Gesetzgebung, so

dass der Bund durch eigene Gesetzgebungsaktivitäten Regelungen der Länder obsolet

macht, dennoch sind landesgesetzliche Regelungen denkbar, die den Regelungsgegenstand

der Baustellenverordnung oder von Teilen zum Inhalt haben. Insbesondere

sind landesspezifische Regelungen erforderlich, um die Ausführung der Bundesgesetze

durch die Länder zu regeln.

Ein Modell zur Orientierung für die Handlungsoption könnte die Tragwerksplanung

sein, die ein Bauprojekt erst realisierbar macht, die bauordnungsrechtlich in den Standsicherheitsnachweis

mündet, die für die praktische Baustellenarbeit Ausführungspläne

(z. B. Bewehrungspläne und Stücklisten) und ggf. Fachbauleitungsleistungen (z. B. Abnahme

der Bewehrung) bereitstellt. Eine Übertragung dieses Modells auf den überbetrieblichen

Arbeitsschutz auf der Baustelle erscheint theoretisch möglich, wäre aber

kostspielig und bürokratisch. Man könnte aber versuchen, zumindest bei umfangreicheren

Baumaßnahmen, Nachweise einer erfolgenden SiGe-Koordination in die Unterlagen

zum Bauantrag bzw. zur Planfeststellung einzubauen.

b) Frühzeitige Einbindung des SiGeKo durch Meldung mit dem Bauantrag

Um eine frühzeitige Einbindung des SiGeKo während der Phase der „Planung der Ausführung“

zu erreichen, könnte der Bauherr aufgefordert werden, in den bei der Bauaufsichtbehörde

einzureichenden Bauvorlagen anzugeben, ob ein SiGe-Koordinator bereits

bei der Aufstellung des Bauantrages mitgewirkt hat. Falls die Frage mit „ja“ beantwortet

wird, könnte zusätzlich Name und Adresse des SiGe-Koordinators genannt

werden. Damit würde der Bauherr gezwungen, sich frühzeitig mit der Frage der Arbeitssicherheit

auf seiner zukünftigen Baustelle auseinander zu setzen. Anzumerken ist

aber, dass diese Anforderung über die gegenwärtigen Anforderungen der Baustellenverordnung

hinausgeht, denn die Genehmigungsplanung erfolgt in der Regel vor der

Ausführungsplanung.

c) Information zur Notwendigkeit der Bestellung eines SiGe-Koordinators vor

Ausführung der Baumaßnahme durch die Bauaufsichtsbehörde

Es wird angeregt, dass der Bauherr zusammen mit den Bauantragsunterlagen bei der

Behörde eine Selbsterklärung zur Baustelle abgibt, aus der die Baugenehmigungsbehörde

einfach ermitteln kann, inwieweit für die Baustelle ein SiGe-Plan und eine Unterlage

für spätere Arbeiten zu erstellen sind und ein Koordinator bestellt werden muss.

Konkret wären die zugehörigen Kriterien nach der Baustellenverordnung abzufragen.

Die Genehmigungsbehörde könnte mit der Baugenehmigung dem Bauherrn mitteilen,

dass er einer entsprechenden Verpflichtung nach der Baustellenverordnung unterläge.

Gleichzeitig würde er aufgefordert, gegebenenfalls den Koordinator mit Namen, Anschrift

und Telefonnummer zu benennen. Die Antwort des Bauherrn sollte auch der für

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 129 von 444


7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

den Arbeitsschutz zuständigen Behörde zugänglich gemacht werden. Durch diese unter

7.2.2 vorgeschlagenen Regelungen werden nur nach den Landesbauordnungen genehmigungspflichtige

Vorhaben erfasst. Sollen weitere Vorhaben erfasst werden, müssen

diese Regelungen erweitert werden, z. B. auf Genehmigungsverfahren nach anderen

Gesetzen (z. B. wasserrechtliche Genehmigungen) oder auch auf vom Baugenehmigungsverfahren

freigestellte Vorhaben, für die aber das Einvernehmen der Gemeinde

nach § 36 BauGB erforderlich ist.

7.2.3 Unterstützung, Öffentlichkeitsarbeit

a) Beispielsammlung „Best Practice“ zur Nutzung präventiver Potenziale

Es ist wichtig, präventive Potenziale für den überbetrieblichen Gesundheitsschutz auf

Baustellen zu identifizieren und zu realisieren. Das größte Potenzial liegt gegenwärtig

in den „gemeinsamen Einrichtungen“ wie Gerüsten, Absturzsicherungen. Weitergehende

Potenziale müssen noch konkretisiert werden.

Der Koordinator sollte die präventiven Potenziale für die Beschäftigten im Zusammenwirken

der verschiedenen ausführenden Unternehmen erkennen, beschreiben und umsetzen.

In der Praxis fehlen jedoch häufig Anwendungsbeispiele für konkrete Umsetzungen.

Es mangelt offenbar an einer Verbreitung überbetrieblicher Präventionsmaßnahmen.

Hierfür könnten Beispiele erstellt werden.

b) Netzwerke zu SiGe erproben

Für überbetriebliche SiGe sind Unternehmensnetzwerke mit hoher Vertraulichkeit und

damit Verbindlichkeit zu erproben. Für solche Netzwerke sind erhebliche Methodeninnovationen

und Überzeugungsanstrengungen notwendig.

c) Hilfsmittel entwickeln

Es wird angeregt, Hilfsmittel insbesondere zur räumlichen Koordination und zur Koordination

beim Bauen im Bestand zu entwickeln und zu verbreiten, da hier noch Lücken

festgestellt wurden. Außerdem sind Beispiele für Ausschreibungstexte und Bauverträge

sinnvoll, mit denen die Umsetzung von SiGe-Planung und Koordination sicher gestellt

wird.

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

7.2.4 Qualifizierung

a) SiGe-Wissen, Koordinationswissen und Koordinierungsfähigkeit generell

verbessern

Insgesamt sollte ein verstärktes Augenmerk auf Koordination und Rücksichtnahme entlang

der Wertschöpfungskette Bau gerichtet werden. Konkret bedeutet dies, dass

der Informationsfluss verbessert

– Anreize für Rücksichtnahme gesetzt und

– das Wissen über den Gesamtablauf, die Abläufe Dritter und mögliche gegenseitige

Störungsempfindlichkeiten und Gefährdungen (SiGe-Wissen) verbessert werden

muss.

Bei der Primärqualifikation und Weiterbildung von Architekten, Ingenieuren und Baustellenführungspersonal

ist verstärkt auf Koordinierungsfähigkeiten und soziale Kompetenz

zu achten. Auch sollte das SiGe-Wissen der am Bau beteiligten Fachleute verbessert

werden, auch wenn sie nicht als SiGe-Koordinatoren tätig werden, damit SiGe-

Aspekte in frühen Planungsphasen eher Berücksichtigung finden.

7.2.5 Selbstregulierung, Anreize, Deregulierung

a) Kontrolle durch Bauunternehmen

Die Arbeitgeber, die auf einer vorankündigungspflichtigen / koordinierungspflichtigen /

SiGe-Plan-pflichtigen Baustelle tätig werden, könnten verpflichtet werden, bei Verstößen

des Bauherrn gegen die Baustellenverordnung beim Auftraggeber Bedenken (z. B.

nach VOB Teil B § 4 Nr. 1 Abs. 1 Satz 1 und VOB Teil B § 6 Nr. 2 Abs. 1 wegen unterlassener

Regelung des Zusammenwirkens der verschiedenen Unternehmer) geltend

zu machen. Eine Verschärfung wäre, dass die Arbeitgeber nur dann die Arbeiten aufnehmen

dürften, wenn ein Koordinator bestellt ist und ein SiGe-Plan vorliegt (in Analogie

zur Aufnahme der Arbeiten nur bei vorliegender Baugenehmigung).

Die Pflichten der Arbeitgeber müssten dazu in § 5 BaustellV ergänzt werden.

b) Leistungsgerechte Honorierung des SiGeKo sicherstellen

Es wird angeregt, von Seiten des Verordnungsgebers auf eine indirekte Regelung für

eine auskömmliche Honorierung des SiGeKo zu achten. Dazu könnte eine entsprechende

zeitliche Regelung zur Dauer der Anwesenheit für die Koordination auf der

Baustelle zum Beispiel in Anlehnung an das Luxemburger Recht sichergestellt werden.

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

c) Ökonomische Anreize für betriebsübergreifende SiGe-Belange setzen

Gegenwärtig fehlen ökonomische Anreize für die betriebsübergreifenden SiGe-Belange.

Eine Verantwortungs- und Anreizkonstellation, bei welcher der Bauherr aus seiner

Pflichterfüllung auch einen Nutzen zieht, wäre günstig. Wäre der Bauherr schon bisher

an den Kosten der berufsbedingten Krankheiten und Unfälle der Beschäftigten über

Versicherungslösungen beteiligt, wäre eine Bonus- oder Rabattregelung auch für Bauherren

grundsätzlich möglich. Da diese Kostenbeteiligung des Bauherrn fehlt, wird angeregt,

diese zur Anreizbildung zu schaffen.

Daraus ergäbe sich, den Bauherren entweder über eine gesetzliche Haftpflichtversicherung

(analog zur Fahrzeughalter-Haftpflichtversicherung) oder über eine Einbindung

in die gesetzliche Unfallversicherung an den Kosten zu beteiligen. Die Beitragssumme

könnte an der Bausumme orientiert werden. Wichtig in diesem Zusammenhang

wäre, dem Bauherrn eine (teilweise) Rückerstattung dann anzubieten, wenn seine

Baustelle unter einer bestimmten Unfallrate bleibt bzw. überprüfbaren Sicherheits- und

Gesundheitskriterien entspricht. Für Bauherren, die nur ein Bauobjekt realisieren, wäre

eine Rabattregelung schwer, eine Bonusregelung eher zu realisieren. Wenn der Bauherr

aber die Möglichkeit behielte, seine Pflicht wirksam auf einen qualifizierten professionalisierten

Dritten zu übertragen, würde sich für erfolgreiche „Dritte“ ein Wettbewerbsvorteil

durch Rabatte ergeben. Die Anreizwirkung von Rabatten und Boni wird

aber als nicht sehr stark eingeschätzt.

7.2.6 Verbünde, Kooperationen

a) Know-how von Unternehmensverbünden (Kooperationen, Bietergemeinschaften,

auch kooperative Generalunternehmen) fördern und nutzen

Um das Know-how der Unternehmen für die Beachtung überbetrieblicher SiGe-Aspekte

besser nutzen zu können, sollten die Unternehmen verstärkt die Möglichkeit erhalten,

als Kooperation, Bietergemeinschaft, Generalunternehmen o. ä. anzubieten. Bei

Einzellosvergabe ist eine frühzeitige Einbindung des überbetrieblichen Know-how von

Unternehmensverbünden nicht möglich. Die Fähigkeit zu überbetrieblicher Kooperation

und damit unternehmerischer Koordination der Gewerke steigt mit den Marktchancen

für solche Verbünde.

b) Durch GU-Vergaben bzw. neue Vergabeverfahren frühzeitigen Transfer von

Ausführungs-Know-how in die Planungsphase ermöglichen

Es sollte eine frühzeitigere Einbindung des Wissens und der Entscheidungen der ausführenden

Unternehmen durch GU-Vergabe (möglichst unter Einbindung seiner Wertschöpfungspartner),

neue Wettbewerbsmodelle (z. B. GMP-Modelle oder PPP) und Si-

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

cherung der SiGe-Belange durch Vertragsinhalte und Kontrolle durch den Auftraggeber

gefördert werden. Eine verbesserte Rahmenbedingung wäre, die Verbindung von Planung

und Ausführung zu erleichtern, das Kommunikationshemmnis der (wettbewerblichen)

Vergabeprozedur zu beseitigen oder zumindest durch zeitliche Vorverlegung zu

mindern. Allerdings muss methodisch und vertraglich sichergestellt werden, dass nicht

nur Kosten- und Qualitätsziele des Bauherrn und Ertragsziele des GU berücksichtigt,

sondern Interessen und Belange der Nachunternehmer und der Beschäftigten einbezogen

werden.

Für private Bauherrn ist dies jetzt schon möglich und wird genutzt. Für öffentliche Bauherrn

sind gegenwärtig nur im Ausnahmefall Funktionalausschreibung, GU-Vergaben

und GMP-Modelle möglich (z. B. bei PPP-Projekten).

7.2.7 Klarstellungen im Recht, Rechtsanpassungen

a) Präzisierung der Berücksichtigung des § 4 ArbSchG durch den Bauherren

Für eine Anwendung des § 4 ArbSchG durch den Bauherrn, also dem Kunden des

Bauunternehmers, wäre es sinnvoll, diese Verpflichtung zur Berücksichtigung der allgemeinen

Grundsätze weiter praktikabel zu präzisieren. So wäre denkbar, die RAB 33

durch noch mehr konkrete Beispiele zu ergänzen.

b) Mitverantwortung der Arbeitgeber zur Berücksichtigung von

§ 4 ArbSchG verstärken

Weil es kaum praktikable Regelungs- und Sanktionsmöglichkeiten für den Bauherrn

gibt (und auch nicht geben kann), dass der Unternehmer vorausschauend SiGe-gerechte

Kapazitäten bereithält, sollte diese Verantwortung beim Unternehmen verbleiben.

Der Bauherr sollte nur darauf achten müssen, dass die Arbeiten in den vorgesehenen

Fristen technisch/räumlich SiGe-gerecht ausführbar sind. Wenn aber der Unternehmer

mit seinem Angebot verspricht, hohe Kapazitäten bereitzustellen, kann bei einer

Leistungsstörung durch Einsatz zu geringer Kapazitäten die Verantwortung nicht

beim Auftraggeber liegen. Daher sollte die Mitverantwortung der Unternehmen für die

Berücksichtigung der allgemeinen Grundsätze nach § 4 ArbSchG bei der Planung der

Ausführung eines Bauvorhabens auch in der Baustellenverordnung geregelt werden,

auch weil ein erheblicher Teil der Planung der Ausführung in den Unternehmen geschieht.

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

c) Begriff „Unterlage“ ändern

Der Begriff „Unterlage“ ist sehr unbestimmt. Der Begriff „Unterlage“ wird im allgemeinen

Sprachgebrauch als Synonym für unbestimmte Dokumente verwendet. In diesem

Sinne heißt es zum Beispiel im allgemeinen Sprachgebrauch: „Wir schauen in den Unterlagen

einmal nach.“ Darüber hinaus wird der Begriff „Unterlage“ häufig mit Dokumentation

gleichgesetzt, insbesondere mit der, die der Objektplaner nach § 15, Leistungsphase

9 HOAI zu erstellen hat. In vollem Wortlauf lautet der Begriff: „Unterlage für

spätere Arbeiten“. Damit wird suggeriert, dass diese Dokumente für spätere Arbeiten

erst dann benötigt werden, nachdem die eigentliche Baumaßnahme abgeschlossen ist.

Auch in diesem Sinne ist der Begriff äußerst schlecht gewählt.

Es wird daher vorgeschlagen, den Begriff „Unterlage für spätere Arbeiten“ zum Beispiel

umzubenennen in „Sicherheitsempfehlung für das Facility Management (SFM)“.

Gleichzeitig sollte eine Abkürzung kreiert werden, die leicht wiederzuerkennen und

spezifisch ist, zum Beispiel „SFM“. Alternativ könnte auch die Bezeichnung „Nachweis

und Hinweise für sichere Benutzbarkeit“ gewählt werden.

d) Klarstellung: § 5 kollidiert mit § 3 Abs. 3 Nr. 2 BaustellV

Um den SiGeKo schwerpunktmäßig auf die Koordinierung der überbetrieblichen SiGe-

Belange zu orientieren, die in § 3 BaustellV beschrieben ist, sollten dort eher nur diese

Koordinationsfunktion (und nur in diesem Sinne) beschrieben werden und weniger die

Verpflichtung, darauf zu achten, dass die Unternehmer ihre betrieblichen Arbeitsschutzpflichten

erfüllen (im Sinne einer Kontrollinstanz).

e) Einfacheres Instrumentarium für kleine Baustellen oder Ausnehmen von der

Baustellenverordnung

Wegfall der Verpflichtung, einen Koordinator bei kleinen Baustellen (weniger als 31 Arbeitstage

und 20 Beschäftigte oder 501 Personentage), bei denen mehrere Arbeitgeber

tätig sind, zu bestellen. Die EU Richtlinie ermöglicht in Artikel 3 (2) diese Option. Die

Verantwortung des Bauherren sollte aber beibehalten werden.

f) Verpflichtung zur Erstellung der Unterlage für spätere Arbeiten nicht von

Baustellenbedingungen abhängig machen

Die Pflicht zur Zusammenstellung einer „Unterlage für spätere Arbeiten am Bau“ ist davon

abhängig, dass mehrere Arbeitgeber an der Erstellung des Bauwerkes beteiligt

sind. Dieser Zusammenhang ist sachlogisch nicht zwingend, da bei Veränderungen an

einem bestehenden Bauwerk auch durch einen Arbeitgeber Einfluss auf die Gefährdungslage

bei späteren Arbeiten genommen werden kann.

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

Die Erstellung bzw. Fortschreibung der Unterlage für spätere Arbeiten sollte sich danach

richten, ob später Gefährdungen bei Arbeiten am Bauwerk auftreten können. Da

auch durch Arbeiten eines Arbeitgebers später Gefährdungen bei Arbeiten am Bauwerk

verursachen können, sollte die Begrenzung der Verpflichtung zur Erstellung der

Unterlage für spätere Arbeiten bei mehreren Arbeitgebern entfallen.

g) Rechtscharakter von „Hinweise“ und „berücksichtigen“ nach

§ 5 (1) BaustellV klarstellen

„Hinweise“ und „berücksichtigen“ sind weiche Formulierungen. Wenn Hinweise des Si-

GeKo keinen vertragsrechtlich beachtlichen Charakter einer Anordnung haben, was ist

ein Hinweis dann im Verhältnis zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer? Wie steht

die öffentlich-rechtliche Berücksichtigungspflicht zum Bauvertrag? Gibt es Sanktionsmöglichkeiten?

In der Baustellenverordnung sollte eindeutig geklärt werden, wer für die Folgen haftet,

wenn ein Arbeitgeber die Hinweise des SiGeKo nicht berücksichtigt. Auch muss geklärt

werden, wie es haftungsrechtlich zu werten ist, wenn ein oder mehrere betroffene Arbeitgeber

auf den Hinweis des SiGeKo mit Nachtragsangeboten reagieren, die der

Bauherr für nicht angemessen hält. Ein Vorschlag: Ausschließlich öffentlich-rechtliche

Verpflichtung zur Beachtung der Hinweise in der Baustellenverordnung klarstellen. Vertragsrechtliche

Folgen sollten den Bauvertragsparteien zur Regelung überlassen bleiben.

Diese Lösung erfordert aber eine externe Überwachung.

h) Klärung der Inhalte sowie die spätere Nutzbarkeit der Unterlage für

spätere Arbeiten sicherstellen

Wenn die Unterlage für spätere Arbeiten im präventiven Sinne schon in den Planungsprozess

Eingang finden soll, handelt es sich um eine Art Fachplanung für SiGe bei

späteren Arbeiten am Gebäude. Diese Fachplanungs-Unterlage würde dann iterativ

vom Hauptplaner in die Objektplanung eingearbeitet werden. Dann wäre der Adressat

der Objektplaner, und diese Unterlage müsste dann auf jeden Fall vor der Planung der

Ausführung vorhanden sein. Die Integration dieses Teils der SiGe-Planung in den Planungsprozess

sollte genauso selbstverständlich werden, wie die frühe Integration der

Tragwerksplanung und des Brandschutzes in die Planungsabläufe.

Wenn die Unterlage für spätere Arbeiten eine Art Gebrauchsanweisung für den Nutzer

und dessen Beauftragte bei späteren Arbeiten am Gebäude ist (soweit dabei Gefahren

auftreten), dann müsste die Unterlage relativ spät erstellt werden, wenn alle erforderlichen

Inhalte nach Abschluss der Bauarbeiten vorliegen. Adressat wäre der Nutzer und

die später am Gebäude arbeitenden Unternehmen und nicht der Planer. Inhalt und

Darstellung beider Arten/Phasen von „Unterlagen“ würden sich daher sehr unterscheiden.

Wenn für eine bauliche Anlage sowieso eine Dokumentation oder Benutzungsan-

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

weisung erstellt wird, wie z. B. das Brückenbuch nach DIN 1076, wäre eine Zusammenführung

mit der Unterlage für spätere Arbeiten sinnvoll.

Damit die Unterlage für spätere Arbeiten verstärkt Akzeptanz erhält, muss weiterhin die

spätere Nutzung der Unterlage aufgezeigt werden. Folgende Möglichkeiten werden angeregt:

– Pflicht zur Übergabe der Unterlage von Bauträgern an Hauskäufer, damit die

tatsächlichen Nutzer überhaupt über die Informationen verfügen.

– Übergabe der Unterlage an die BG und dortige Archivierung. Damit ist

jederzeit bei der Bauberufsgenossenschaft ersichtlich, wie die sicherheits- und

gesundheitsgerechte Ausführung von späteren Arbeiten geplant war.

– Übergabe und Dokumentation der Unterlage beim Gewerbeaufsichtsamt, damit dort

jederzeit ersichtlich ist, wie spätere Arbeiten an der baulichen Anlage geplant waren.

– Außerdem wäre dadurch sichergestellt, dass ein Planer, der spätere Arbeiten an der

baulichen Anlage zu entwerfen hat, an einer definierten Stelle die frühere Unterlage

einsehen kann.

i) Fortschreibung der Unterlage für spätere Arbeiten

In der Baustellenverordnung ist nicht eindeutig und klar geregelt, dass die Unterlage für

spätere Arbeiten fortgeschrieben werden muss. In § 3 (3) Nr.3 BaustellV wird zwar

festgelegt, dass der Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan bei erheblichen Änderungen

in der Ausführung des Bauvorhabens anzupassen ist. An dieser Stelle wäre die

Unterlage für spätere Arbeiten ebenfalls zu nennen.

j) Begriffe und Regulierungen von Bund, Ländern und EU vereinheitlichen

Es ist gegenwärtig äußerst unbefriedigend, wenn sich die am Bau Beteiligten je nach

Bundesland, Tatsachenlage, vertragsrechtlichen Regelungen und Interpretation durch

die Rechtsprechung in unterschiedlichen Verantwortungs- und Haftungskonstellationen

befinden. Hinzu kommt, dass die Beteiligten für den aus unerlaubter Handlung entstandenen

Schaden gesamtschuldnerisch haften. Dies widerspricht dem Interesse aller am

Bau Beteiligten nach transparenten Verhältnissen. Insbesondere die Pflichtenstellung

des Bauherrn bedürfte der Klarstellung und Harmonisierung in allen Rechtsbereichen.

Es wäre wünschenswert, wenn sich die Begrifflichkeiten und Regelungssystematiken

von EU, Bund und Ländern annähern würden. Auch sollten Verantwortlichkeiten,

Pflichten, Haftungsregeln und die Übertragungsmöglichkeiten klarer und ähnlicher geregelt

werden.

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

7.3 Funktionale Zusammenstellung (Modelle)

Alle folgenden Modelle können durch weitere Handlungsoptionen ergänzt werden. Dies

gilt insbesondere für eine Förderung von Unternehmensverbünden und Kooperationen,

durch die eine bessere Koordination der Zusammenarbeit der verschiedenen am Bau

beteiligten Gewerke auch unter SiGe-Aspekten erreichbar ist.

7.3.1 Koordinierungsmodell

Um die Baustellenverordnung umzusetzen, sind verschiedene Aktivitäten, Verpflichtungen

und zu erarbeitende Dokumente in dem Verordnungstext und den Regeln zum Arbeitsschutz

auf Baustellen (RAB) festgelegt. Durch die umfassenden Untersuchungen

und Befragungen im Rahmen dieses Forschungsprojektes konnte festgestellt werden,

dass Maßnahmen oder Akteure meist zu spät, kaum oder gar nicht eingeleitet bzw. beauftragt

werden.

Es macht daher Sinn, über Verbesserungen der bestehenden Prozesskette nachzudenken.

Insbesondere ist der vorhandene Ablauf bei der Umsetzung der Baustellenverordnung

klarer zu definieren und gegebenenfalls neu zu strukturieren.

Wie im Abschnitt 7.2 – „Einzelne Handlungsoptionen gegliedert nach Themen“ – beschrieben,

sind verschiedene Handlungsoptionen denkbar. Ziel jeder einzelnen Handlungsoption

ist die Beseitigung bestehender Hemmnisse bzw. die Nutzung bisher ungenutzter

Potenziale. Durch Zusammenführung mehrerer dieser „Module“, kann eine

effektivere Umsetzung der Baustellenverordnung erfolgen. Der Bauherr wird frühzeitig

und aktiv in den Handlungsprozess eingebunden. Konzeptioneller Ansatz dieses Modells

ist es, die bestehenden Abläufe und Zuständigkeiten zur besseren Umsetzung

der Baustellenverordnung zu ergänzen, aber nicht umfassend zu ändern. Einzige Systemänderung

ist die Erstellung von „Speziell baustellenbezogenen Gefährdungsanalysen“

durch die einzelnen Unternehmen vor Beginn der Arbeiten, die dem SiGeKo zur

Verfügung gestellt werden.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 137 von 444


7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

In Leistungsphase 4 als Teil der Genehmigungsplanung

zusätzliche Abfrage

zum Baugesuch

Bauaufsichtsamt

erteilt Baugenehmigung

mit/ohne Verpflichtung zur

BaustellV

entfällt

Bauherr

I II

keine Verpflichtung

nach BaustellV

Modul 3

Berufsgenossenschaft

Unterstützung bei der

Gefährdungsanalyse

ja*

Inhalt

beauftragt SiGeKo

"Rahmen-SiGe-Plan"

Angaben zu:

- > 30 Arbeitstage und 21 Beschäftigte

- > 500 Personentage

- mehrere Arbeitgeber (Unternehmer) auf der Baustelle

gleichzeitig oder nacheinander tätig

- gefährliche Arbeiten

a) Vorankündigung

b) Koordinator + Unterlage für spätere Arbeiten

c) Koordinator + SiGePlan + Unterlage für spätere Arbeiten

d) Vorankündigung + Koordinator + SiGePlan + Unterlage für spätere Arbeiten

Bauherr

SiGeKo

wird Teil der Ausschreibung

der Bauleistung

Auftrag an

x Bauunternehmen

Bauunternehmer

Verfahrenswahl

baustellenspezifische

Gefährdungsanalysen

* erforderliche Aktivitäten nach aktuellem Stand der BaustellV

Bild 16: Koordinierungsmodell

Inhalt

Durchschlag an Gewerbeaufsichtsamt

Meldung, wer SiGe-Koordinator

erste "Gefährdungsanalysen"

geht nicht auf konkrete Verfahren ein

schildert konkrete Maßnahmen, die der

Bauherr für SiGe vorsieht

schildert konkrete Maßnahmen, die

andere Unternehmen übernehmen

Zuordnung bestimmter Verantwortungen

zu Gewerken

Koordinierung

SiGeKo

Abstimmung und Koordinierung der x Unternehmensbauleiter

unterstützt durch x Sicherheitsfachkräfte

beim SiGeKo

SiGe-Plan besteht aus:

einem "Rahmen-SiGe-Plan" und

x "baustellenspezifische Gefährdungsanalysen"

Gewerbeaufsichtsamt

Anzeige (wie bisher)

14 Tage vor Baubeginn

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Modul 1

Modul 2 a

Modul 2 b

Modul 2 c


7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

Modul 1

Bereits in der Leistungsphase der Genehmigungsplanung 224 ist es den beauftragten

Planern möglich, Angaben zur Baustelle gemäß Baustellenverordnung zu erarbeiten

und in die Antragsunterlagen und Bauvorlagen einzuarbeiten.

Diese Daten werden zusammen mit dem Baugesuch beim Bauaufsichtsamt bzw. anderen

Behörden (z. B. Planfeststellungsbehörde) eingereicht und von diesem dahingehend

geprüft, ob eine/mehrere Verpflichtung/en nach Baustellenverordnung besteht/en.

Anschließend teilt das Bauaufsichtsamt dem Bauherrn in dem Genehmigungsbescheid

mit, welche Aktivitäten im Zusammenhang mit der Baustellenverordnung umzusetzen

sind, wie 225 :

– Vorankündigung

– Koordinator + Unterlage für spätere Arbeiten,

– Koordinator + SiGe-Plan + Unterlage für spätere Arbeiten,

– Vorankündigung + Koordinator + SiGe-Plan + Unterlage für spätere Arbeiten.

Parallel zum erteilten (und eventuell mit Auflagen versehenen) Genehmigungsbescheid

erhält das Gewerbeaufsichtsamt/Amt für Arbeitsschutz von der prüfenden Behörde eine

Information, dass ein Bauvorhaben mit Verpflichtungen nach Baustellenverordnung

genehmigt wurde. Unabhängig von dem eigentlichen oder tatsächlichen Baubeginn

verbleibt jetzt die Aufgabe beim Bauherrn, dem Gewerbeaufsichtsamt einen geeigneten

Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator zu benennen. Die 14-tägige Vorankündigungspflicht

vor Baubeginn bleibt nach wie vor bestehen.

Modul 2

In dem sich nun anschließenden Planungsprozess für die Ausführung 226 ist der Bauherr

durch die Bauaufsicht angehalten, den Koordinator rechtzeitig einzubinden, um die

Maßnahmen für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz festzulegen und die Verantwortlichkeiten

zuzuordnen.

Der Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator hat nach seiner Beauftragung die

Aufgabe, einen „Rahmen-SiGe-Plan“ zu erstellen. Mit Hilfe einer ersten Gefährdungsanalyse

durch den SiGeKo sind Gefährdungsbereiche zu ermitteln und darzustellen.

Dadurch besteht die Möglichkeit, frühzeitig SiGe-relevante Maßnahmen konkret zuzuordnen

sowie Verantwortlichkeiten des Bauherrn oder einzelner Gewerke/Unternehmen

zu beschreiben. Dazu gehören z. B. Angaben zur Vergabe des Gerüstbaus, zu

den frei zu haltenden Flächen sowie zu den allgemeinen Verkehrsflächen (Modul 2a).

224 Leistungsphasen 4 nach z. B. § 15, § 55 oder § 64 HOAI

225 Aktivitäten, wie sie nach aktuellem Stand der Baustellenverordnung erforderlich sind.

226 Ausführungsplanung, wie sie in dem Leistungsbild der HOAI verstanden wird.

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

Der erstellte „Rahmen-SiGe-Plan“ wird Teil der Ausschreibung der einzelnen Bauleistungen

und ist somit für alle Unternehmen verbindlich und kalkulierbar. Nach der Beauftragung

des Unternehmens kann dieses entsprechend seiner Bauleistung und der

gewählten Bauverfahren eine eigene Gefährdungsanalyse erstellen. Als Ergebnis legt

jeder vom Bauherr beauftragte Unternehmer eigene, auf seinen Aufgabenbereich begrenzte

„Vorhaben- bzw. baustellenspezifische Gefährdungsanalyse einschließlich

Maßnahmen“ als seinen Beitrag für den Gesamt-SiGe-Plan vor. Diese baustellenspezifischen

Gefährdungsanalysen müssen aus Sicht der verschiedenen Unternehmen die

vermuteten Gefährdungen anderer Unternehmen und solche, die durch andere Unternehmen

entstehen, enthalten (Modul 2b).

Auf Basis des „Rahmen-SiGe-Planes“ und der einzelnen von den Unternehmen erstellten

„baustellenspezifischen Gefährdungsanalysen“ kann der SiGeKo die Maßnahmen

geeignet koordinieren. Es erfolgt eine Abstimmung für das Gesamtprojekt zusammen

mit den Unternehmensbauleitern und den Sicherheitsfachkräften. Der SiGe-Plan entwickelt

sich aus dem „Rahmen- bzw. Grob-SiGe-Plan“ und den „baustellenspezifischen

Gefährdungsanalysen“ (Modul 2c).

Modul 3

Zur Unterstützung bei der Erstellung der „baustellenspezifischen Gefährdungsanalyse“

sollte das Unternehmen auf die Kompetenz seines Unfallversicherungsträgers zurückgreifen.

Die konkret für das Bauvorhaben getroffenen Festlegungen bezüglich Sicherheit

und Gesundheitsschutz (baustellenbezogene Gefährdungsbeurteilung und Maßnahmen)

sind zu ergänzen, zu dokumentieren und an den SiGeKo weiterzureichen.

Die Übergabe dieser Dokumente an den SiGeKo und die vorausgehende Übergabe

des Rahmen-SiGe-Plans an die Unternehmen müssen als Pflichten in die Baustellenverordnung

aufgenommen werden. Auch könnte die Pflicht zur frühzeitigen Benennung

des SiGeKo durch den Bauherren und Meldung bei der Bauaufsichtsbehörde landesrechtlich

abgesichert werden, weil sonst bei kleineren Bauvorhaben, für die keine Vorankündigung

erforderlich ist, die Rechtsgrundlage für die Bekanntgabe des SiGeKo an

die Behörden fehlt.

Wirkungseinschätzung:

Das Modell richtet sich sowohl an die öffentliche Hand (Bauaufsichtsamt und Gewerbeaufsichtsamt)

als auch an den Bauherrn. Verschiedene Aufgaben sind den verantwortlichen

Stellen zugewiesen. Die Vollzugsbehörden geben dem Bauherrn Hilfe zu den

konkreten vorhabensbezogenen Pflichten nach Baustellenverordnung, wobei der Bauherr

die weiteren Schritte selbst einleiten muss. Die Bauunternehmer erhalten das

Recht auf frühzeitige Kenntnis des Rahmen-SiGe-Plans und die Pflicht, ihre vorhaben-

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

spezifische Gefährdungsbeurteilung an den SiGeKo zu übermitteln. Die Kommunikations-

und Informationspflichten sind genauer geregelt als bisher.

Der Aufwand ist bei der Bauaufsicht gering und verändert sich beim Bauherrn nicht.

Umsetzbar ist dieses Modell nur im Einvernehmen der Länder, da hier auch in Landesrecht

eingegriffen wird. Der Vollzug wird durch den besseren Informationsfluss und die

frühzeitige Hinweispflicht erleichtert.

Nicht zuletzt wird die Wirkung auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz als äußerst

effizient eingeschätzt, da die Information zu Pflichten nach Baustellenverordnung

frühzeitig an den Bauherrn gegeben wird.

Zu diesem Modell werden ergänzende Regulierungen angeregt:

– Bauvorhaben, die genehmigungsfrei sind, werden von diesem Modell nicht erfasst.

Für Bauvorhaben, für die andere Verwaltungsverfahren in anderen Behörden als in

den Bauaufsichtsämtern durchgeführt bzw. federführend durchgeführt werden, sind

daher analoge Regelungen zu treffen. Das betrifft insbesondere Planfeststellungsverfahren,

Genehmigungsverfahren nach BImSchG, wasserrechtliche und abfallrechtliche

Genehmigungen und Erlaubnisse usw.

– Einige Begrifflichkeiten der Baustellenverordnung sind zu überarbeiten

(z. B. „Unterlage für spätere Arbeiten“).

– Eine Novellierung der Baustellenverordnung ist sinnvoll, besonders um die Befugnis

für Anordnungen der Behörden an Bauherren auf der Rechtsbasis der Baustellenverordnung

zu klären. Ferner sind die o. a. Ergänzungen der Baustellenverordnung

sinnvoll (Bekanntgabe des SiGeKo auch bei nicht vorankündigungspflichtigen Vorhaben,

Übergabe des Rahmen-SiGe-Plans frühzeitig an die Unternehmen – möglichst

schon in der Ausschreibungsphase, Übergabe der baustellenspezifischen

Gefährdungsbeurteilung durch die Unternehmer an den SiGeKo).

– Es sollten Korrekturen/Einschränkungen bei der Unterlage für spätere Arbeiten für

solche baulichen Anlagen erfolgen, für die sowieso auf der Basis anderer Regelungen

Dokumentationen bzw. Benutzungsanweisungen erstellt werden. Dies ist z. B.

im Bereich Brückenbau der Fall, da hier bereits eine umfangreiche Erstellung im

Sinne der Unterlage durch das Brückenbuch nach DIN 1076 realisiert wird.

– Die Bestellung und Tätigkeit der Koordinatoren bei Kleinbaustellen ohne entsprechende

Genehmigungs-/Verwaltungsverfahren sollten nicht in einem förmlichen

Verfahren der staatlichen Überwachung unterworfen werden. Ein Wegfall der

Koordinierungspflicht ist damit nicht verbunden!

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

7.3.2 Modell „Öffentliche Bauaufsicht“

Das funktional gebündelte Modell verfolgt den konzeptionellen Ansatz, die Umsetzung

der Baustellenverordnung durch das frühzeitige Einschalten der Bauaufsichtsbehörde

zu fördern und (staatlich) zu überwachen. Dies kann sichergestellt werden, wenn im

Baugenehmigungsverfahren vom Bauherrn neben den eigentlichen Bauvorlagen auch

Angaben zur Baustellenverordnung gefordert werden und die Bauaufsichtsbehörde mit

der Baugenehmigung bzw. anderen Mitteilungen an den Bauherren Vorgaben zu deren

Einhaltung trifft. Durch diese Verlagerung der Zuständigkeit der Überwachung der Einhaltung

der Baustellenverordnung von den staatlichen Ämtern für Arbeitsschutz (Landesbehörden)

auf die in der Regel kommunalen Bauaufsichtsämter erfolgt für den Bauherren

eine bürgerfreundliche Bündelung der zuständigen Stellen in seinem Landkreis

bzw. seiner kreisfreien Stadt. Diese Übertragung staatlicher Aufgaben auf eine kommunale

Behörde muss zumindest in den Flächenstaaten durch landesgesetzliche Regelung

erfolgen. Zusammen mit den Genehmigungsunterlagen gibt der Bauherr bei der

Behörde eine Selbsterklärung zur Baustelle ab, aus der ermittelt werden kann, inwieweit

für die Baustelle ein SiGe-Plan zu erstellen ist und ein Koordinator beauftragt werden

muss. Konkret sind Dinge abzufragen wie:

– Werden auf der Baustelle vermutlich an mehr als 30 Arbeitstagen mehr als

20 Personen beschäftigt sein?

– Werden vermutlich zur Erstellung der Baumaßnahme insgesamt mehr als

4.000 Arbeitsstunden notwendig sein?

– Werden auf der Baustelle gleichzeitig mehrere verschiedene Unternehmer tätig sein?

– Ist geplant, die Baustelle durch einen Generalunternehmer schlüsselfertig erstellen

zu lassen?

– Werden Gräben ausgehoben, die tiefer als 5 m sind?

– Entstehen Arbeitssituationen, bei denen aus einer Höhe von mehr als 7 m ein

Absturz möglich ist?

– Erwarten Sie, dass zur Erstellung der Baumaßnahme explosionsgefährliche,

hochentzündliche, krebserzeugende, erbgutverändernde, fortpflanzungsgefährdende

oder sehr giftige Stoffe eingesetzt werden?

– Erwarten Sie, dass bei der Erstellung der Baumaßnahme mit ionisierenden

Strahlungen, die der Festlegung von Kontroll- und Überwachungsbereichen im Sinne

der Strahlenschutz- sowie im Sinne der Röntgenverordnung unterliegen, eingesetzt

werden?

– Werden Arbeiten in einem geringeren Abstand als 5 m von Hochspannungsleitungen

durchgeführt?

– Besteht bei der Erstellung der Baumaßnahme die unmittelbare Gefahr des

Ertrinkens?

– Werden Brunnenbau und unterirdische Erdarbeiten und Tunnelbaumaßnahmen

ausgeführt?

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

– Werden Arbeiten mit Tauchgeräten ausgeführt?

– Werden Arbeiten in Druckluft ausgeführt?

– Werden Sprengstoff und Sprengschnüre vermutlich auf Ihrer Baustelle eingesetzt?

– Werden schwere Fertigbauelemente errichtet oder abgebaut?

Durch die Genehmigungsbehörde lässt sich anhand dieser Kriterien sehr einfach ermitteln,

inwieweit ein Koordinator notwendig ist, ein SiGe-Plan oder eine Unterlage für

spätere Arbeiten erstellt werden muss. Die Genehmigungsbehörde teilt mit der Baugenehmigung

oder anderen Mitteilungen (z. B. bei vereinfachten Verfahren) dem Bauherrn

mit, dass er einer entsprechenden Verpflichtung nach der Baustellenverordnung

unterliegt. Gleichzeitig wird er aufgefordert, gegebenenfalls den Koordinator mit Namen,

Anschrift und Telefonnummer zu benennen. Ähnliche Angaben sind in vielen

Ländern bisher schon z. B. für den Entwurfsverfasser, den Hauptunternehmer und

Bauleiter erforderlich.

Die Umsetzung der Baustellenverordnung sowie der Genehmigungsauflagen und Anordnungen

überwacht nun das Bauaufsichtsamt und nicht mehr das Gewerbeaufsichtsamt.

Die dabei entstehenden Synergien sind vor allem in der Bündelung der Zuständigkeiten

und somit der Konzentrationswirkung beim Verwaltungsverfahren und der Genehmigung

zu sehen. Die zentrale Rolle ermöglicht es dem Bauaufsichtsamt auch, Koordinationsgespräche

einzufordern und dazu die Berufsgenossenschaften, den SiGe-

Koordinator und die Unternehmen einzuladen. Sowohl in diesen Besprechungen als

auch außerhalb hat das Bauaufsichtsamt auch Beratungspflicht.

Das komplette Anordnungsrecht wird somit dem Bauaufsichtsamt übertragen, welches

auch Bußgeldbescheide ausstellen oder die Baustelle stilllegen kann. Dies konnten die

Bauaufsichtsämter bisher schon in Bezug auf das Bau- und Planungsrecht. Es muss

aber darauf hingewiesen werden, dass die Baustellenverordnung gegenwärtig keine eigenständige

Ermächtigung für Anordnungen auf Basis der Baustellenverordnung enthält.

Diese Anordnungsbefugnis und deren Übertragbarkeit auf die Bauaufsichtsämter

müsste in der Baustellenverordnung ergänzt werden.

Wirkungseinschätzung:

Die Vollzugsbehörden bzw. die mit der Wahrnehmung dieser staatlichen Aufgabe betrauten

Kommunalbehörden sind Adressaten dieses Modells. Sie werden in ihrer Rolle

gestärkt, wobei gleichzeitig eine Mehrbelastung auftritt. Zu berücksichtigen ist, dass die

staatlichen Ämter für Arbeitsschutz entlastet werden.

Der Bauherr erhält für sein Projekt einen Ansprechpartner – möglichst in Form einer

One-Stop-Agency. Dies ist insbesondere für die Bauherren eine Unterstützung, die einmal

bzw. selten bauen. Dabei handelt es sich oft auch um gewerbliche Bauherren, so

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 143 von 444


7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

dass eine Bündelung der Ansprechpartner auch einen Aspekt von Wirtschaftsförderung

darstellt. Nachteilig kann dem Bauherren eine stärkere Überwachung seiner Bautätigkeit

erscheinen.

Der Bauunternehmer ist von diesem Modell nicht betroffen. Es sei denn, die Länder

übertragen den Bauaufsichtsämtern weitere Funktionen für den Arbeitsschutz am Bau,

wie es zum Zeitpunkt dieser Untersuchung bei der Freien und Hansestadt Hamburg

der Fall war. Hier waren die Arbeitsschutzaufgaben für den Bausektor bei einer Art

Task-Force bei der Obersten Bauaufsicht angesiedelt. Auch im Land Hessen gab es

früher eine Regelung, nach der die Aufgaben des staatlichen Arbeitsschutzes von so

genannten Baukontrolleuren der Bauaufsichtsämter wahrgenommen wurden.

Als nachteilig für dieses Modell wird der erhöhte Aufwand gesehen, welcher durch höhere

Gebühren weitergeben werden dürfte. Positiv ist für alle Beteiligten die klare Zuordnung

der Aufgaben und die Bündelung bei einer Stelle der öffentlichen Hand zu

werten.

Umsetzbar kann dieses Modell nur im Einvernehmen mit den Ländern sein, da hier insbesondere

landesrechtliche Regelungen erforderlich sind. Die Umsetzung dieses Modells

ist wegen der Zuständigkeit der einzelnen Länder für die Ausführung der Bundesgesetze

auch länderweise möglich. Der Vollzug wird vor allem durch die Informationsbündelung

in einer Behörde als realisierbar eingeschätzt.

Nicht zuletzt wird die Wirkung auf die Sicherheit und den Gesundheitsschutz als äußerst

effizient eingeschätzt, jedoch nur, wenn der Vollzug wirksam praktiziert wird.

Allerdings widerspricht dieses Modell den gegenwärtigen Tendenzen zum Bürokratieabbau

und zur Verlagerung von Verantwortlichkeiten und öffentlichen Aufgaben auf

Private. Das Modell entspricht aber den Bemühungen um Verbesserung der Kommunikation

zwischen Bürger und Verwaltung, um die Zersplitterung von Zuständigkeiten

und Verwaltungen zu vermeiden.

Zu diesem Modell werden ergänzende Regulierungen angeregt:

– Durch das o. a. Modell sind nur Bauvorhaben betroffen, für die ein Verwaltungsverfahren

bei Bauaufsichtsbehörden (z. B. Baugenehmigungsverfahren oder

Zustimmungsverfahren) stattfindet. Bauvorhaben, die genehmigungsfrei sind, werden

von diesem Modell nicht erfasst. Für Bauvorhaben, für die andere Verwaltungsverfahren

in anderen Behörden durchgeführt bzw. federführend durchgeführt werden,

sind daher entweder analoge Regelungen zu treffen oder die Zuständigkeit der

staatlichen Arbeitsschutzbehörden der Länder zu belassen. Das betrifft insbesondere

Planfeststellungsverfahren, Genehmigungsverfahren nach BImSchG, wasserrechtliche

und abfallrechtliche Genehmigungen und Erlaubnisse usw.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 144 von 444


7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

– Einige Begrifflichkeiten der Baustellenverordnung sind zu überarbeiten

(z. B. „Unterlage für spätere Arbeiten“).

– Eine Novellierung der Baustellenverordnung ist sinnvoll, besonders um die Befugnis

für Anordnungen der Behörden an Bauherren auf der Rechtsbasis der Baustellenverordnung

zu klären.

– Es sollten Korrekturen/Einschränkungen bei der Unterlage für spätere Arbeiten für

solche baulichen Anlagen erfolgen, für die sowieso auf der Basis anderer Regelungen

Dokumentationen bzw. Benutzungsanweisungen erstellt werden. Dies ist z. B.

im Bereich Brückenbau der Fall, da hier bereits eine umfangreiche Erstellung im

Sinne der Unterlage durch das Brückenbuch nach DIN 1076 realisiert wird.

– Die Bestellung und Tätigkeit der Koordinatoren bei Kleinbaustellen ohne

entsprechende Genehmigungs-/Verwaltungsverfahren sollten nicht in einem

förmlichen Verfahren der staatlichen Überwachung unterworfen werden. Ein Wegfall

der Koordinierungspflicht ist damit nicht verbunden!

7.3.3 Bauunternehmermodell

Auch beim Bauunternehmermodell wird die SiGe-Planung planungs- und baubegleitend

erstellt bzw. angepasst. Dabei hat der Bauherr den SiGe-Plan wie bisher anzufertigen

oder anfertigen zu lassen. Konzeptionelle Hauptidee dieses Modells ist, dass die

staatliche Überwachung minimiert und privatwirtschaftlich von den am Bau Beteiligten

realisiert wird. Dazu erhält der Bauunternehmer das Recht und die Pflicht, auf die Einhaltung

der Pflichten des Bauherrn zu achten, also z. B. den SiGe-Plan vor Baubeginn

zu verlangen und inhaltlich zu prüfen. Im Rahmen seiner Fürsorgepflicht für seine Beschäftigten

sollte er einen Baubeginn ohne SiGe-Plan bemängeln. Der SiGe-Plan wird

als ein „normaler“ Plan (Ausführungsunterlage nach § 3 VOB Teil B) gesehen und bei

seinem Fehlen soll der Bauunternehmer Behinderung anzeigen oder im Falle eines

mangelhaften SiGe-Plans oder mangelhafter Koordination Bedenken anmelden, wozu

im AMS BAU der Arbeitsgemeinschaft der Bau-Berufsgenossenschaften 227 Vorlagen

enthalten sind. Es handelt sich bei dieser Regelung um die Einbettung öffentlicher

Pflichten in die privatrechtlichen Vertragsverhältnisse zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer.

Ähnlich wäre auch die Vorankündigung und die SiGe-Koordinierung zu sichern. Die Erfüllung

der Pflicht des Bauherrn zur Vorankündigung und Bestellung eines Koordinators

und der Pflichten des Koordinators würde dadurch abgesichert, dass die Unternehmer

ein (öffentlich-rechtlich abgesichertes „auftragsakzessorisches“) Recht darauf erhalten,

durch einen geeigneten Koordinator koordiniert zu werden. Die Durchsetzung

dieser öffentlich-rechtlichen Rechte und Pflichten geschieht über privatrechtliche An-

227 Arbeitsgemeinschaft der Bau-Berufsgenossenschaften: AMS BAU 11 Arbeitsschritte zum sicheren und

wirtschaftlichen Baubetrieb, CD-ROM der BC GmbH Verlags- und Mediengesellschaft, Wiesbaden 2003

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 145 von 444


7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

sprüche der Vertragspartner. Für den Fall der Nichterfüllung der Bauherrenpflichten

sind die bauüblichen Vorgehensweisen bei Leistungsstörungen anzuwenden (siehe

auch 7.2.5 a).

Ähnliches gilt für die auch bei diesem Modell sinnvolle Übergabepflicht der Gefährdungsbeurteilung

durch den Unternehmer an den SiGeKo bzw. Bauherrn.

Zur Umsetzung dieses Modells sind erhebliche Änderungen der Baustellenverordnung

erforderlich.

Ein Effekt ist die damit verbundene engere Abstimmung zwischen der SiGe-Planung

durch den Bauherrn/SiGeKo und der Gefährdungsbeurteilung und Maßnahmenplanung

durch den Unternehmer. Es ist zu erwarten, dass die Einbindung der Sicherheitsfachkraft

des Unternehmens verstärkt wird. Die vom Unternehmen erstellte Gefährdungsanalyse

und Maßnahmenplanung ist dem SiGeKo zur Verfügung zu stellen (auch für

die Fortschreibung). Durch das Modell wird die Koordinierungspflicht des Bauherrn/

SiGeKo nicht aufgehoben. Der SiGeKo bleibt existent und koordiniert weiter, aber nicht

nur auf öffentlich-rechtlicher, sondern auch auf bauvertragsrechtlicher Basis.

Zur Vermeidung von gegenseitigen Sanktionen sollten der Bauherr bzw. seine beauftragten

Vertreter und die Unternehmer bei diesem Modell in enger Kooperationen miteinander

arbeiten. Beide Vertragsparteien haben durch ein kooperatives Verhältnis

Vorteile. Aufgrund der privatwirtschaftlichen Lösung wäre es möglich, auf eine Überwachung

durch eine Bauaufsichtsbehörde oder staatliche Arbeitsschutzbehörde weitgehend

zu verzichten. Auch eine Vorankündigung im Sinne der Baustellenverordnung

könnte entfallen. Es erscheint jedoch sinnvoll, die Vorankündigung bei den staatlichen

Arbeitsschutzbehörden zu belassen und auch eine stichprobenartige Überwachung

durch die Arbeitsschutzbehörden zu ermöglichen, um Missbräuche zu unterbinden.

Wirkungseinschätzung:

Die Vollzugsbehörden werden bei diesem Modell weitgehend entlastet. Der Adressat

ist der Bauherr und der Bauunternehmer, welche gegenseitige Ansprüche erhalten. Die

dadurch hervorgerufene Selbstregulierung wird sich positiv auf die Sicherheit und den

Gesundheitsschutz auswirken.

Der Aufwand für den Bauunternehmer dürfte sich geringfügig erhöhen, wobei seine

stärkere Einbindung auch zur vollständigen Umsetzung seiner Fürsorgepflicht für die

Beschäftigten animiert. Dieses Modell knüpft an bestehende Gepflogenheiten der Baubranche

an. Dadurch wird eine Umsetzung erleichtert. Eine öffentliche Überwachung

erscheint nur im Rahmen der Garantenpflicht des Staates notwendig.

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

Vorteil des Modells ist auch, dass alle Bauvorhaben erfasst werden, bei dem mindestens

zwei Unternehmen Bauaufträge erhalten. Auch kleine Vorhaben ohne Genehmigungsverfahren

werden dadurch nahezu vollständig abgedeckt. Nachteil des Modells

ist, dass sich möglicherweise Unternehmer und Bauherr auf ein sehr niedriges Niveau

der Umsetzung der Baustellenverordnung verständigen. Auch deshalb sollte bei diesem

Modell eine – wenn auch deutlich verringerte – Kontrollaktivität der Vollzugsbehörden

erhalten bleiben.

Zu diesem Modell werden ergänzende Regulierungen angeregt:

– Zur Umsetzung der o. a. vorgeschlagen überwiegend privatwirtschaftlichen Umsetzung

bedarf es einer Verankerung der öffentlich-rechtlich begründeten gegenseitigen

Ansprüche der Bauvertragsparteien in der Baustellenverordnung. Die verbleibenden,

aber deutlich verringerten Überwachungsaufgaben des Staates sind im Arbeitsschutzgesetz

verankert. Auf eine besondere Absicherung des Rechtes für staatliche

Arbeitsschutzbehörden, Anordnungen auch an Bauherren (Nichtarbeitgeber) zu

richten, kann bei diesem Modell verzichtet werden.

– Die Erstellung der Unterlage für spätere Arbeiten kann auf diesem Weg nicht

abgesichert werden. Eine privatwirtschaftliche Absicherung für einen Teil von

Bauvorhaben kann durch einen Rechtsanspruch auf Übergabe der Unterlage im

Falle eines Verkaufs des Objektes durch den Verkäufer bzw. Bauträger an den

Käufer erfolgen (analog zur gegenwärtig diskutierten Übergabe eines

Gebäudepasses/Energiepasses).

– Einige Begrifflichkeiten der Baustellenverordnung sind zu überarbeiten

(z. B. „Unterlage für spätere Arbeiten“).

– Es sollten Korrekturen/Einschränkungen bei der Unterlage für spätere Arbeiten für

solche baulichen Anlagen erfolgen, für die sowieso auf der Basis anderer Regelungen

Dokumentationen bzw. Benutzungsanweisungen erstellt werden. Dies ist

z. B. im Bereich Brückenbau der Fall, da hier bereits eine umfangreiche Erstellung im

Sinne der Unterlage durch das Brückenbuch nach DIN 1076 realisiert wird.

– Zur Unterstützung der privatwirtschaftlichen Verantwortung der Bauvertragsparteien

wäre eine Klarstellung der Haftung auch des Bauherren und seiner Beauftragten

(z. B. SiGeKo) bei Nichterfüllung der Pflichten aus der Baustellenverordnung hilfreich

(klare Schadenersatzregelung). Zur Abdeckung des Haftungsrisikos bieten sich

private Bauherren-Haftpflichtversicherungen an. Ebenso sollte dann auch die Mithaftung

der Unternehmen geklärt werden, wenn sie ihrer Pflicht zur Prüfung der

SiGe-Pläne und Koordinatorenbestellung durch den Bauherren nicht nachkommen.

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7 Vorschläge für Handlungsoptionen zur Weiterentwicklung der Wirksamkeit der Baustellenverordnung

7.4 Fazit und Ausblick

Als Ergebnis der Untersuchung bleibt festzustellen, dass die Baustellenverordnung

derzeit oft als ein Fremdkörper im Baugeschehen empfunden wird, der additiv bestehenden

Regelungen und Abläufen hinzugefügt wurde. Es fand keine konzeptionelle Integration

in gesetzliche Regelungen, in die betrieblichen Abläufe der Unternehmen sowie

in die branchenüblichen Vertragsbeziehungen und Abläufe zwischen den am Bau

Beteiligten statt.

Die sich aus dem Forschungsvorhaben ergebenden Handlungsoptionen sollen diese

Schwachpunkte beseitigen und durch verschiedene Schwerpunktsetzungen integrieren.

Allein durch die drei Modelle konnte aufgezeigt werden, dass durch andere Regelungen

von Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten (1. Bauaufsichtsbehörde/Bauherr,

2. Bauaufsichtsbehörde, 3. Bauherr/Bauunternehmer) verbesserte Kommunikation,

klarere und gebündelte Ansprechpartner, eindeutigere Verantwortlichkeiten erreicht

werden und zur Verbesserung der aktuellen Situation beitragen können. Zum

Teil entstehen Selbstregulierungsanreize, die auf branchenübliche, schon bestehende

Abläufe und Mechanismen zurückgreifen.

Falls der Gesetz- und Verordnungsgeber ein Modell umsetzen will, ist zu beachten,

dass intensive Diskussionen zur Weiterentwicklung und Präzisierung der dargestellten

Zuständigkeiten, Verantwortlichkeitsregelungen und Prozesse notwendig sind und zu

verwendende Organisationsmittel detaillierter entworfen werden müssen. Bei einer weiteren

Konkretisierung zur rechtlichen und verwaltungsmäßigen Umsetzung der Handlungsoptionen

können durchaus einzelne Teilelemente der Modelle in andere Modelle

eingebunden werden. So ist z. B. denkbar, einen Anspruch der Unternehmen auf Erhalt

eines „Rahmen-SiGe-Plans“ schon im Ausschreibungsverfahren auch im Modell

„Öffentliche Bauaufsicht“ zu verankern.

Es hat sich bei der Entwicklung der Handlungsoptionen herausgestellt, dass Modelle,

die allein auf ökonomische Anreize für eine bessere Umsetzung der Baustellenverordnung

setzen würden (z. B. durch „Schadenfreiheitsrabatte“ bei denkbaren Versicherungsmodellen),

als wenig wirkungsvoll einzuschätzen sind. Insbesondere die gegenwärtige

europäische Wettbewerbssituation im Bausektor lässt kaum hinreichend finanziellen

Spielraum, um solche Anreize finanziell darstellen zu können. Insofern haben

die als Anregung entwickelten drei funktionalen Modelle alle an bestimmte bestehende

Strukturen und Abläufe angeknüpft, auch um die Kosten für deren Implementierung

gering zu halten.

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 148 von 444


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RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 152 von 444


Tabellen- und Bildverzeichnis

Tabellen

Tabelle 1: Problemfelder der Bauwirtschaft .................................. 8

Tabelle 2: Meldepflichtige Arbeitsunfälle ................................... 13

Tabelle 3: Absturzunfälle gesamt bei betrieblicher Tätigkeit ................... 15

Tabelle 4: Ursachen für tödliche Arbeitsunfälle im Baugewerbe 1992-2002 ...... 15

Tabelle 5: Tödliche Arbeitsunfälle in der Bauwirtschaft nach Unfallvorgang ...... 16

Tabelle 6: Arbeitsschritte im Projekt und wesentliche Inhalte ............... 26-27

Tabelle 7: Struktur der Wohnungsbauleistungen in Deutschland Ost und West . . 42

Tabelle 8: Bautätigkeiten 2002 – Fertigstellungen ........................... 44

Tabelle 9: Verbesserungen konkreter Maßnahmen zu Sicherheit und

Gesundheitsschutz ............................................ 94

Tabelle 10: Einschätzung der Bauunternehmer zur Reduzierung von

Gefährdungen in Folge der Baustellenverordnung ................. 120

Bilder

Bild 1: Geleistete Arbeitsstunden pro Monat .............................. 9

Bild 2: Wohnungsbauvolumen für Neubau- und Bestandsmaßnahmen ...... 11

Bild 3: Zeitreihe Arbeitsunfälle im Wirtschaftszweig Bau ................... 13

Bild 4: Zeitreihe Unfallentwicklung in der Bauwirtschaft .................... 14

Bild 5: Zeitpunkte und Sachverhalte der Bewertung der

Präventionsinstrumente der Baustellenverordnung ................. 31

Bild 6: Modell eines Indikatorensystems ................................ 32

Bild 7: Erhebungsformen der statistischen Forschung ..................... 35

Bild 8: Gegenüberstellung der Stichprobenverteilung zur

Bevölkerungsverteilung der Bundesrepublik Deutschland 2003 ....... 38

Bild 9: Gegenüberstellung der Stichprobenverteilung zum baugewerblichen

Umsatz der Bundesrepublik Deutschland 2002 nach Bundesländern . . 38

Bild 10: Gegenüberstellung der Stichprobenverteilung zum baugewerblichen

Umsatz der Bundesrepublik Deutschland 2002 nach Hoch- und Tiefbau 39

Bild 11: Auszug der Matrix der Adressaten und der abzudeckenden

weiteren Kriterien .............................................. 39

Bild 12: Systematik nach Bauaufgaben .................................. 40

Bild 13: Aufteilung des Fragebogens .................................... 48

Bild 14: Matrix der Adressaten der Interviews und der abzudeckenden Kriterien 50

Bild 15: Vergleich der Stichprobenverteilung mit dem Baugewerblichem

Umsatz 2002 nach Hochbau und Tiefbau ......................... 54

Bild 16: Koordinierungsmodell ......................................... 138

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Schlussbericht „Untersuchung zur Umsetzung der Baustellenverordnung bei ausgewählten Bauvorhaben“

Anlage 1

Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf –

Prinzipielle Darstellung und Verknüpfung der Prozesse der am Bau Beteiligten

Bild 1 (von Anlage 1) zeigt die prinzipielle Verknüpfung der Prozesse von folgenden

am Bau Beteiligten:

– den Planer

– SiGe-Koordinator

– Bauunternehmer

– Bauherren.

Hinweis: Die Grundlage der Darstellung ist ein traditioneller Bauvertrag mit Einzelvergabe

der Gewerke durch den Bauherren. Im Falle von Generalunternehmer, Generalübernehmer,

Totalunternehmer, Totalübernehmer, GMP, BOT und anderen Vertragsmodellen

ergeben sich zum Teil komplett andere Abläufe mit anderen Inhalten.

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Anlage 1 – Bild 1 Prinzipielle Darstellung und Verknüpfung der Prozesse der am

Bau Beteiligten

Planer

Strukturierung

nach HOAI

SiGe-

Koordinator

Bauunternehmer

Bauherr

Phase 1P

Grundlagenermittlung

Phase 2P

Vorplanung

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf

Phase 3P

Entwurfsplanung

Phase 1BH

Beauftragung des

SiGe-Koordinators für die

Planung der Ausführung

Phase 1S

Phase 4P

Genehmigungsplanung

Ausarbeiten der Instrumente nach BaustellV

Phase 5P

Ausführungsplanung

Phase 6P

Vorbereitung

der Vergabe

Phase 2S

Mitwirken bei der

Vorbereitung der

Vergabe

Phase 1B

Kalkulieren des

Angebots

Phase 7P

Mitwirkung bei

der Vergabe

Phase 3S

Mitwirkung bei

der Vergabe

Phase 2BH

Beauftragung eines

Koordinators

für d. Ausführung

Phase 8P

Bauüberwachung

Phase 4S

Koordinierung

während der

Ausführung

Phase 2B

ArbeitsvorBaubereitungausführung

Zeit

Phase 9P

Objektbetreuung,

Dokumentation

Phase 3B

Gewährleistung


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Planer nach dem Leistungsbild HOAI § 15

Leistungsbild nach § 15 HOAI Was muss nach BaustellV ge- Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich Si-

Phase 1P: Grundlagenermittlung

tan werden?

cherheit und Gesundheitsschutz?

Grundleistungen

Kein Handlungsbedarf - - -

Klären der Aufgabenstellung

Beraten zum gesamten Leistungsbedarf

Formulieren von Entscheidungshilfen

für die Auswahl anderer

an der Planung fachlich

Beteiligter

Zusammenfassen der Ergebnisse

Besondere Leistungen

Bestandsaufnahme

Standortanalyse

Betriebsplanung

Aufstellung eines Raumprogramms

Aufstellen eines Funktionsprogramms

Prüfen der Umwelterheblichkeit

Prüfen der Umweltverträglichkeit

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf


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Leistungsbild nach § 15 HOAI Was muss nach BaustellV ge- Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich Si-

Phase 2P: Vorplanung

tan werden?

cherheit und Gesundheitsschutz?

Grundleistungen

Kein Handlungsbedarf - - Kein Handlungsbedarf

Analyse der Grundlagen

Abstimmen der Zielvorstellungen

(Randbedingungen, Zielkonflikte)

Aufstellen eines planungsbezogenen

Zielkatalogs (Programmziele)

Erarbeiten eines Planungskonzepts

einschließlich Untersuchung

der alternativen Lösungsmöglichkeiten

nach gleichen

Anforderungen mit zeichnerischer

Darstellung und Bewertung,

zum Beispiel versuchsweise

zeichnerische Darstellungen,

Strichskizzen, gegebenenfalls

mit erläuternden

Angaben

Integrieren der Leistungen anderer

an der Planung fachlich

Beteiligter

Klären und Erläutern der wesentlichen

städtebaulichen, gestalterischen,

funktionalen,

technischen, bauphysikalischen,

wirtschaftlichen, energiewirtschaftlichen

(z.B. hinsichtlich

rationeller Energieverwendung

und der Verwendung

erneuerbarer Energien) und

landschaftsökologischen Zusammenhänge,

Vorgänge und

Bedingungen sowie der Belastung

und Empfindlichkeit der

betroffenen Ökosysteme

Vorverhandlungen mit Behörden

und anderen an der Planung

fachlich Beteiligten über

die Genehmigungsfähigkeit

Bei Freianlagen: Erfassen, Bewerten

und Erläutern der öko-

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 158 von 444

systemaren Strukturen und Zusammenhänge,

zum Beispiel

Boden, Wasser, Klima, Luft,

Pflanzen- und Tierwelt sowie

Darstellen der räumlichen und

gestalterischen Konzeption mit

erläuternden Angaben, insbesondere

zur Geländegestaltung,

Biotopverbesserung und

-vernetzung, vorhandenen Vegetation,

Neupflanzung, Flächenverteilung

der Grün-, Verkehrs-,

Wasser-, Spiel- und

Sportflächen; ferner Klären der

Randgestaltung und der Anbindung

an die Umgebung

Kostenschätzung nach DIN 276

oder nach dem wohnungsrechtlichen

Berechnungsrecht

Zusammenstellen aller Vorplanungsergebnisse

Besondere Leistungen

Untersuchen von Lösungsmöglichkeiten

nach grundsätzlich

verschiedenen Anforderungen

Ergänzen der Vorplanungsunterlagen

auf Grund besonderer

Anforderungen

Aufstellen eines Finanzierungsplanes

Aufstellen einer Bauwerks- und

Betriebs-Kosten-Nutzen-

Analyse

Mitwirken bei der Kreditbeschaffung

Durchführen der Voranfrage

(Bauanfrage)

Anfertigen von Darstellungen

durch besondere Techniken,

wie zum Beispiel Perspektiven,

Muster, Modelle

Aufstellen eines Zeit- und Organisationsplanes

Ergänzen der Vorplanungsunterlagen

hinsichtlich besonderer

Maßnahmen zur Gebäude- und

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 159 von 444

Bauteiloptimierung, die über

das übliche Maß der Planungsleistungen

hinausgehen, zur

Verringerung des Energieverbrauchs

sowie der Schadstoff-

und CO2-Emissionen und

zur Nutzung erneuerbarer Energien

in Abstimmung mit anderen

an der Planung fachlich

Beteiligten. Das übliche Maß ist

für Maßnahmen zur Energieeinsparung

durch die Erfüllung der

Anforderungen gegeben, die

sich aus Rechtsvorschriften und

den allgemein anerkannten Regeln

der Technik ergeben.

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 160 von 444

Leistungsbild nach § 15 HOAI

Phase 3P: Entwurfsplanung

Was muss nach BaustellV getan

werden?

Grundleistungen

Berücksichtigung des § 4 Ar- § 2 BaustellV „Planung der Ausführung des

Durcharbeiten des Planungsbeitsschutzgesetz Bauvorhabens

konzepts (stufenweise Erarbei-

(1) Bei der Planung der Ausführung eines

tung einer zeichnerischen Lö-

Bauvorhabens, insbesondere bei der Einsung)

unter Berücksichtigung

teilung der Arbeiten, die gleichzeitig oder

städtebaulicher, gestalterischer,

nacheinander durchgeführt werden, und

funktionaler, technischer, bau-

bei der Bemessung der Ausführungszeiten

physikalischer, wirtschaftlicher,

für diese Arbeiten, sind die allgemeinen

energiewirtschaftlicher (z.B.

Grundsätze nach § 4 des Arbeitsschutzge-

hinsichtlich rationeller Energieverwendung

und der Verwensetzes

zu berücksichtigen.“

dung erneuerbarer Energien)

RAB 33 (Nr. 4) „Die Verpflichtungen für

und landschaftsökologischer

den Bauherrn, die allgemeinen Grundsätze

Anforderungen unter Verwen-

nach § 4 ArbSchG zu berücksichtigen, erdung

der Beiträge anderer an

geben sich aus § 4 BaustellV i. V. m. § 2

der Planung fachlich Beteiligter

Abs. 1 BaustellV und § 3 Abs. 1 Satz 1

bis zum vollständigen Entwurf

BaustellV i. V. m. § 3 Abs. 2 Nr. 1 Bau-

Integrieren der Leistungen anstellV

und Abs. 3 Nr. 1 BaustellV.

derer an der Planung fachlich

Dies erfordert einen entsprechenden

Beteiligter

Sachverstand, der gegebenenfalls hinzu-



Objektbeschreibung mit Erläuterung

von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen

nach Maßgabe

der naturschutzrechtlichen

Eingriffsregelung

Zeichnerische Darstellung des

zuziehen ist.

Der Bauherr muss grundsätzlich nach § 2

Abs. 1 BaustellV die allgemeinen Grundsätze

nach § 4 ArbSchG bereits während

der Planung der Ausführung berücksichtigen.“

Gesamtentwurfs, z.B. durchgearbeitete,

vollständige Vorentwurfs-

und/oder Entwurfszeichnungen

(Maßstab nach Art und

Größe des Bauvorhabens; bei

Freianlagen im Maßstab 1:500

bis 1:100, insbesondere mit

Angaben zur Verbesserung der

Bestellung eines Koordinators

während der Planung der Ausführung

§ 3 (1) BaustellV „Für Baustellen, auf denen

Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig

werden, sind ein oder mehrere geeignete

Koordinatoren zu bestellen. Der Bauherr

oder der von ihm nach § 4 beauftragte Dritte

kann die Aufgaben des Koordinators

selbst wahrnehmen.“

Biotopfunktion, zu Vermeidungs-,

Schutz-, Pflege- und

Entwicklungsmaßnahmen sowie

zur differenzierten Bepflanzung;

bei raumbildenden Ausbauten:

im Maßstab 1:50 bis 1:20, insbesondere

mit Einzelheiten der

Wandabwicklungen, Farb-,

Eignung des Koordinators RAB 10 (Nr. 15) „Die Bestellung des Koordinators

... muss so rechtzeitig erfolgen,

dass die während der Planung der Ausführung

des Bauvorhabens zu erfüllenden

Aufgaben des Koordinators nach § 3

Abs. 2 BaustellV erledigt werden können.

Bei der Auswahl des Koordinators hat der

Bauherr dessen Eignung zu berücksichti-

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf

Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich Sicherheit

und Gesundheitsschutz?

Direkt durch den Bauherrn

oder durch den

verantwortlichen Dritten

Geeigneter Koordinator

nach RAB 30: baufachliche

und arbeitsschutzfachliche

Kenntnisse,

Koordinatorenkenntnisse

und berufliche Erfahrung


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 161 von 444

Licht- und Materialgestaltung),

gegebenenfalls auch Detailpläne

mehrfach wiederkehrender

Raumgruppen; Verhandlungen

mit Behörden und anderen an

der Planung fachlich Beteiligten

über die Genehmigungsfähigkeit

Kostenberechnung nach DIN

276 oder nach dem wohnungsrechtlichen

Berechnungsrecht

Zusammenfassen aller Entwurfsunterlagen

Kostenkontrolle durch Vergleich

der Kostenberechnung mit der

Kostenschätzung

Besondere Leistungen

Analyse der Alternativen/Varianten

und deren Wertung

mit Kostenuntersuchung

(Optimierung)

Wirtschaftlichkeitsberechnung

Kostenberechnung durch Aufstellen

von Mengengerüsten

oder Bauelementkatalog

Ausarbeitung besonderer Maßnahmen

zu Gebäude- und Bauteiloptimierungen,

die über das

übliche Maß der Planungsleistungen

hinausgehen, zur Verringerung

des Energieverbrauchs

sowie der Schadstoff-

und CO2-Emissionen und

zur Nutzung erneuerbarer Energien

in Abstimmung mit anderen

an der Planung fachlich

Beteiligter. Das übliche Maß ist

für Maßnahmen zur Energieeinsparung

durch die Erfüllung der

Anforderungen gegeben, die

sich aus Rechtsvorschriften

und den allgemein anerkannten

Regeln der Technik ergeben.

Erstellung eines SiGe-Planes

- Ermittlung von Arbeitsabläufen

- Ermittlung von Gefährdungen

- räumliche und zeitliche Zuordnung

von Arbeitsabläufen

- Maßnahmen zur Gefährdungsminimierung

und Vermeidung

Ermittlung der anzuwendenden

Arbeitsschutzbestimmungen

Zusammenstellung einer Unterlage

- Angaben zum Teil der baulichen

Anlage

- zur Art der Arbeit

- den damit verbundenen Gefahren

- Angaben zu Sicherheit und

Gesundheitsschutz

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf

gen.“

§ 2 (3) BaustellV „Ist für eine Baustelle, auf

der Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig

werden, eine Vorankündigung zu übermitteln,

oder werden auf einer Baustelle, auf

der Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber tätig

werden, besonders gefährliche Arbeiten

nach Anhang II ausgeführt, so ist dafür zu

sorgen, dass vor Einrichtung der Baustelle

ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan

erstellt wird.“

§ 3 (2) BaustellV „Während der Planung

der Ausführung des Bauvorhabens hat der

Koordinator

2. den Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan

auszuarbeiten oder ausarbeiten

zu lassen und

§ 3 (2) BaustellV „Während der Planung

der Ausführung des Bauvorhabens hat der

Koordinator

3. eine Unterlage mit den erforderlichen,

bei möglichen späteren Arbeiten an der

baulichen Anlage zu berücksichtigenden

Angaben zur Sicherheit und Gesundheitsschutz

zusammenzustellen.“

Nr. 2 RAB 32 „Die Unterlage für spätere

Arbeiten an der baulichen Anlage ist zusammenzustellen,

wenn bei ihrer Errichtung

oder Änderung Beschäftigte mehrerer

Arbeitgeber gleichzeitig oder nacheinander

tätig werden.“

Nr. 4.1 RAB 32 „Die Unterlage muss bei

der Planung der Ausführung des Bauvorhabens

zusammengestellt werden und soll

bereits vor der Ausschreibung der jeweiligen

Bauleistungen vorliegen. ... Die Unterlage

ist fortzuschreiben, falls nach ihrer

Zusammenstellung relevante Planungsänderungen

vorgenommen werden oder

während der Ausführung unterlagenrelevante

Festlegungen getroffen werden.“

Nach RAB 31 ist der Si-

Ge-Plan zu erarbeiten,

sobald die Phase der

Planung der Ausführung

beginnt. RAB 10 erläutert

den Beginn mit: „wenn

der Entwurf für die Ausführung

hinreichend konkret

erarbeitet und dargestellt

ist ...“

Da dies in dieser Planungsphase

häufig nicht

gegeben ist, wird eine

Fortschreibung des zu

diesem Zeitpunkt erstellten

SiGe-Plans notwendig

werden (siehe Phase

4 nach § 15 HOAI))

Nach RAB 32 (Nr. 4)

„Während der Planung

der Ausführung des

Bauvorhabens kann die

Entwicklung der Unterlage

zur Planung und Ausschreibung

von sicherheitstechnischenEinrichtungen

dienen, die für

spätere Arbeiten an der

baulichen Anlage benötigt

werden.“

Erläuterung zur Erstellung

und Fortschreibung

wie SiGe-Plan

RAB 31 Nr. 3.3 „Inhaltliche Empfehlungen“

- Benennung der ausführenden und

für Arbeitsschutz verantwortlichen

Unternehmen

- Ermittlung Gefährdung gegenüber

Dritten

- Angabe für die Koordination wichtiger

Termine

- Hinweise auf Info- und Arbeitsmaterialien

- Mitgeltende Unterlagen

- Hinweise auf Ausschreibungstexte

Gefährdungs- und Belastungsanalysen

RAB 32 Nr. 4.2.2 „weitere Angaben“

- Verweise auf Positionen im LV

- wiederkehrende Arbeiten

- Hinweise auf Pläne

- Bemerkungen

- Mitgeltende Unterlagen


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 162 von 444

Leistungsbild nach § 15 HOAI Was muss nach BaustellV ge- Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich Si-

Phase 4P: Genehmigungsplanung

tan werden?

cherheit und Gesundheitsschutz?

Grundleistungen

Kein Handlungsbedarf - - Anpassung von SiGe-Plan und Un-

Erarbeiten der Vorlagen für die

terlage, soweit dies durch Pla-

nach öffentlich-rechtlichen Vornungsänderungen

notwendig ist.

schriften erforderlichen Geneh-

(siehe Erläuterung in Phase 3 nach

migungen oder Zustimmungen

einschließlich der Anträge auf

Ausnahmen und Befreiungen

unter Verwendung der Beiträge

anderer an der Planung fachlich

Beteiligter sowie noch notwendiger

Verhandlungen mit

Behörden

§ 15 HOAI)

Einreichen dieser Unterlagen

Vervollständigen und Anpassen

der Planungsunterlagen, Beschreibungen

und Berechnungen

unter Verwendung der Beiträge

anderer an der Planung

fachlich Beteiligter

Bei Freianlagen und raumbildenden

Ausbauten: Prüfen auf

notwendige Genehmigungen,

Einholen von Zustimmungen

und Genehmigungen

Besondere Leistungen

Mitwirken bei der Beschaffung

der nachbarlichen Zustimmung

Erarbeiten von Unterlagen für

besondere Prüfverfahren

Fachliche und organisatorische

Unterstützung des Bauherren

im Widerspruchsverfahren, Klageverfahren

oder ähnliches

Ändern der Genehmigungsunterlagen

infolge von Umständen,

die der Auftragnehmer

nicht zu vertreten hat

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 163 von 444

Leistungsbild nach § 15 HOAI Was muss nach BaustellV ge- Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich Si-

Phase 5P: Ausführungsplanung

tan werden?

cherheit und Gesundheitsschutz?

Grundleistungen

- - - Erarbeitung einer Baustellen-

Durcharbeiten der Ergebnisse

ordnung und Hinwirken auf die

der Leistungsphasen 3 und 4

Aufnahme in den Bauvertrag

(stufenweise Erarbeitung und

Sammlung der Randbedingun-

Darstellung der Lösung) unter

gen für die Baustelleneinrich-

Berücksichtigung städtebaulitung

unter Gesichtspunkten von

cher, gestalterischer, funktiona-

Sicherheit und Gesundheitsler,

technischer, bauphysikalischutzscher,

wirtschaftlicher, ener-

Koordinierungsgespräch mit

giewirtschaftlicher (z.B. hinsicht-

Arbeitsschutzbehörden, Berufslich

rationeller Energieverwengenossenschaften,Sachverdung

und der Verwendung erständigen

oder anderen Experneuerbarer

Energien) und landtenschaftsökologischerAnforderungen

unter Verwendung der

Beiträge anderer an der Planung

fachlich Beteiligter bis zur

ausführungsreifen Lösung

Anpassen von SiGe-Plan und

Unterlage soweit notwendig

Zeichnerische Darstellung des

Objekts mit allen für die Ausführung

notwendigen Einzelangaben,

z.B. endgültige, vollständige

Ausführungs-, Detail- und

Konstruktionszeichnungen im

Maßstab 1:50 bis 1:1, bei Freianlagen

je nach Art des Bauvorhabens

im Maßstab 1:200

bis 1:50, insbesondere Bepflanzungspläne

mit den erforderlichen

textlichen Ausführungen

Bei raumbildenden Ausbauten:

Detaillierte Darstellung der

Räume und Raumfolgen im

Maßstab 1:25 bis 1:1, mit den

erforderlichen textlichen Ausführungen;

Materialbestimmung

Erarbeiten der Grundlagen für

die anderen an der Planung

fachlich Beteiligten und Integrierung

ihrer Beiträge bis zur ausführungsreifen

Lösung

Fortschreiben der Ausführungs-

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 164 von 444

planung während der Objektausführung

Besondere Leistungen

Aufstellen einer detaillierten Objektbeschreibung

als Baubuch

zur Grundlage der Leistungsbeschreibung

mit Leistungsprogramm*

Aufstellen einer detaillierten Objektbeschreibung

als Raumbuch

zur Grundlage der Leistungsbeschreibung

mit Leistungsprogramm*

Prüfen der vom bauausführenden

Unternehmen auf Grund

der Leistungsbeschreibung mit

Leistungsprogramm ausgearbeiteten

Ausführungspläne auf

Übereinstimmung mit der Entwurfsplanung*

Erarbeiten von Detailmodellen

Prüfen und Anerkennen von

Plänen Dritter, nicht an der Planung

fachlich Beteiligter auf

Übereinstimmung mit den Ausführungsplänen

(zum Beispiel

Werkstattzeichnungen von Unternehmen,

Aufstellungs- und

Fundamentpläne von Maschinenlieferanten),

soweit die Leistungen

Anlagen betreffen, die in

den anrechenbaren Kosten

nicht erfasst sind

*Diese „Besondere Leistung“ wird

bei Leistungsbeschreibung mit Leistungsprogramm

ganz oder teilweise

Grundleistung. In diesem Falle entfallen

die entsprechenden Grundleistungen

dieser Leistungsphase,

soweit die Leistungsbeschreibung

mit Leistungsprogramm angewandt

wird.

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 165 von 444

Leistungsbild nach § 15 HOAI Was muss nach BaustellV ge- Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich Sitan

werden?

cherheit und Gesundheitsschutz?

Phase 6P: Vorbereitung der Vergabe

Grundleistungen

- - - Berücksichtigung von SiGe-

Ermitteln und Zusammenstellen

Leistungen in der Budgetpla-

von Mengen als Grundlage für

nung des Bauherrn (Kostenbe-

das Aufstellen von Leistungsrechnung)beschreibungen

unter Verwen-

Abstimmen des SiGe-Planes

dung der Beiträge anderer an

mit den anderen Fachplanern

der Planung fachlich Beteiligter

Aufstellen von Leistungstexten

Aufstellen von Leistungsbe-

und deren Mengen aus dem

schreibungen mit Leistungsver-

Bereich SiGe. Dies ist in dieser

zeichnissen nach Leistungsbe-

Phase dann notwendig, wenn

reichen

nach BaustellV vorgesehnen

Abstimmen und Koordinieren

gemeinsam genutzten Sicher-

der Leistungsbeschreibungen

heitseinrichtungen dem Wett-

der an der Planung fachlich Bebewerb

unterwerfen werden solteiligtenlen.

Anpassen von SiGe-Plan und

Besondere Leistungen

Unterlage soweit notwendig

Aufstellen der Leistungsbe-

Sicherstellen, dass vertraglich

schreibungen mit Leistungspro-

relevante Unterlagen in den

gramm unter Bezug auf Bau-

Bauvertrag eingebunden werbuch/Raumbuch*

Aufstellen von alternativen Leistungsbeschreibungen

für geschlossene

Leistungsbereiche

Aufstellen von vergleichenden

Kostenübersichten unter Auswertung

der Beiträge anderer

an der Planung fachlich Beteiligterden

*Diese „Besondere Leistung“ wird

bei Leistungsbeschreibung mit Leistungsprogramm

ganz oder teilweise

Grundleistung. In diesem Falle entfallen

die entsprechenden Grundleistungen

dieser Leistungsphase,

soweit die Leistungsbeschreibung

mit Leistungsprogramm angewandt

wird.

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 166 von 444

Leistungsbild nach § 15 HOAI Was muss nach BaustellV getan

werden?

Phase 7P: Mitwirken bei der Vergabe

Grundleistungen

Bestellung des SiGeKo der Nr. 3.1 RAB 30 „Falls mehrere Koordinato-

Zusammenstellen der Verdin- Ausführungsphase, ren beauftragt sind, ist eine gegenseitige

gungsunterlagen für alle Leis- Übergabe des SiGe-Plans Abstimmung notwendig, insbesondere

tungsbereiche

und der Unterlage für spä- wenn die Koordinierung während der Pla-

Einholen von Angeboten

tere Arbeiten an den SiGe- nung der Ausführung und während der

Prüfen und Werten der Angebote

einschließlich Aufstellen ei-

Ko für die Ausführungsphase;

Ausführung von unterschiedlichen Koordinatoren

wahrgenommen wird.“

nes Preisspiegels nach Teilleis- SiGeKo der Planungsphatungen

unter Mitwirkung aller se unterrichtet den SiGe

während der Leistungsphasen 6 der Ausführungsphase ü-

und 7 fachlich Beteiligten

ber den bisherigen Pla-

Abstimmen und Zusammenstelnungsverlauf,len der Leistungen der fachlich besonders zu beachtende

Beteiligten, die an der Vergabe Punkte bezüglich Koordina-

mitwirken

tion von Sicherheit und Ge-

Verhandlung mit Bietern

sundheitsschutz sowie auf-

Kostenanschlag nach DIN 276

aus Einheits- oder Pauschalpreisen

der Angebote

getretene Probleme

Kostenkontrolle durch Vergleich

des Kostenanschlags mit der

Kostenberechnung

Mitwirken bei der Auftragserteilung

Besondere Leistungen

Prüfen und Werten der Angebote

aus Leistungsbeschreibung

mit Leistungsprogramm einschließlich

Preisspiegel*

Aufstellen, Prüfen und Werten

von Preisspiegeln nach besonderen

Anforderungen

*Diese „Besondere Leistung“ wird

bei Leistungsbeschreibung mit Leistungsprogramm

ganz oder teilweise

Grundleistung. In diesem Falle entfallen

die entsprechenden Grundleistungen

dieser Leistungsphase,

soweit die Leistungsbeschreibung

mit Leistungsprogramm angewandt

wird.

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf

Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich Sicherheit

und Gesundheitsschutz?

- Mitwirken bei der Prüfung der

angebotenen Sicherheit und

Gesundheitsschutz betreffenden

Leistung nach Anhang A

der RAB 31

Ggf. Beraten des Bauherren bei

Sondervorschlägen

Anpassen von SiGe-Plan und

Unterlage soweit notwendig


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 167 von 444

Leistungsbild nach § 15 HOAI

Phase 8P: Objektüberwachung

Was muss nach BaustellV getan

werden?

Grundleistungen

Übermittlung der Voran- § 2 (2) BaustellV „Für jede Baustelle, bei

Überwachen der Ausführung kündigung durch den Si- der

des Objekts auf Übereinstim- GeKo

1. die voraussichtliche Dauer der Arbeiten

mung mit der Baugenehmigung

mehr als 30 Arbeitstage beträgt und auf

oder Zustimmung, den Ausfüh-

der mehr als 20 Beschäftigte gleichzeitig

rungsplänen und den Leis-

tätig werden, oder

tungsbeschreibungen sowie mit

2. der Umfang der Arbeiten voraussichtlich

den anerkannten Regeln der

500 Personentage überschreitet,

Technik und den einschlägigen

ist der zuständigen Behörde spätestens

Vorschriften

zwei Wochen vor Einrichtung der Baustelle

Überwachen der Ausführung

eine Vorankündigung zu übermitteln, die

von Tragwerken nach § 63 Abs.

mindestens die Angaben nach Anhang I

1 Nr. 1 und 2 auf Übereinstimmung

mit dem Standsicher-

enthält.“

heitsnachweis

Koordinierung und Über- § 3 (3) BaustellV „Während der Ausführung








Koordinieren der an der Objektüberwachung

fachlich Beteiligten

Überwachung und Detailkorrektur

von Fertigteilen

Aufstellen und Überwachen eines

Zeitplanes (Balkendiagramm)

Führen eines Bautagebuches

Gemeinsames Aufmaß mit den

bauausführenden Unternehmen

Abnahme der Bauleistungen

unter Mitwirkung anderer an der

Planung und Objektüberwachung

fachlich Beteiligter unter

Feststellung von Mängeln

Rechnungsprüfung

wachung von Sicherheit

und Gesundheitsschutz

während der Ausführung

des Bauvorhabens. Dies

beinhaltet die in § 3 Nr. 3

BaustellV aufgeführten

Teilaufgaben

des Bauvorhabens hat der Koordinator

1. die Anwendung der allgemeinen Grundsätze

nach § 4 des Arbeitsschutzgesetzes

zu koordinieren,

2. darauf zu achten, dass die Arbeitgeber

und die Unternehmer ohne Beschäftigte ihre

Pflichten nach dieser Verordnung erfüllen,

3. den Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan

bei erheblichen Änderungen in

der Ausführung des Bauvorhabens anzupassen

oder anpassen zu lassen,

4. die Zusammenarbeit der Arbeitgeber zu

organisieren und

5. die Überwachung der ordnungsgemäßen

Anwendung der Arbeitsverfahren

durch die Arbeitgeber zu koordinieren.“




Kostenfeststellung nach DIN

276 oder dem wohnungsrechtlichen

Berechnungsrecht

Antrag auf behördliche Abnahme

und Teilnahme daran

Übergabe des Objekts einschließlich

Zusammenstellung

und Übergabe der erforderlichen

Unterlagen, zum Beispiel

Bedienungsanleitungen, Prüf-

RAB 10 (Nr. 14) „Koordinierung im Sinne

der Baustellenverordnung bedeutet, Informationen

verständlich und verfügbar zu

machen und dafür Sorge zu tragen, dass

die für die einzelnen Arbeiten vorzusehenden

Maßnahmen aufeinander abgestimmt

... werden.“

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf

Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich Sicherheit

und Gesundheitsschutz?

Muster im Anhang I der

BaustellV und RAB 10,

Anlage A

Einweisung der Unternehmen

in die SiGeKo-Belange

Teilnahme an allgemeinen

Baubesprechungen

Berichte über Baubegehungen

Überprüfen der Bauablaufpläne

auf Sicherheit und Gesundheitsschutz


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 168 von 444

protokolle

Auflisten der Gewährungsfristen

Überwachen der Beseitigung

der bei der Abnahme der Bauleistungen

festgestellten Mängel

Kostenkontrolle durch Überprüfen

der Leistungsabrechnung

der bauausführenden Unternehmen

im Vergleich zu den

Vertragspreisen und dem Kostenanschlag

Besondere Leistungen

Aufstellen, Überwachen und

Fortschreiben eines Zahlungsplanes

Aufstellen, Überwachen und

Fortschreiben von differenzierten

Zeit-, Kosten- oder Kapazitätsplänen

Tätigkeit als verantwortlicher

Bauleiter, soweit diese Tätigkeit

nach jeweiligem Landesrecht

über die Grundleistungen der

Leistungsphase 8 hinausgeht

Aushang der Vorankündigung

durch den SiGeKo

Information und Weisungsanordnungen

durch den

SiGeKo

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf

§ 2 Nr. 3 BaustellV „Die Vorankündigung

ist sichtbar auf der Baustelle auszuhängen

und bei erheblichen Änderungen anzupassen.“

RAB 10 (Nr. 9) „Der Bauherr oder ein ...

beauftragter Dritter ist verantwortlich dafür,

dass die Vorankündigung sichtbar auf der

Baustelle angebracht wird ... Treten erhebliche

Änderungen ein, ist die Vorankündigung

auf der Baustelle zu aktualisieren.“

RAB 10 (Nr. 14) „Die Verantwortlichkeit der

Arbeitgeber für die Erfüllung ihrer Arbeitsschutzpflichten

wird durch die Maßnahmen

der Baustellenverordnung nicht berührt,

sodass diese nach wie vor eigenverantwortlich

die Gewährleistung von Sicherheit

und Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten

zu organisieren, umzusetzen und zu überwachen

haben.“

RAB 10 (Nr. 22) „Stellt der Koordinator

fest, dass ... seine Hinweise oder den Sicherheits-

und Gesundheitsschutzplan

nicht berücksichtigen, so hat er dies, soweit

ihm zur Durchsetzung erforderlicher

Maßnahmen nicht weitergehende Befugnisse

übertragen wurden, dem Bauherrn

bzw. beauftragten Dritten mitzuteilen.“

RAB 31 (Nr. 3.1.4) „Mit Einrichtung der

Baustelle sollte der SiGePlan vor Ort während

der Arbeitszeit einsehbar sein.


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 169 von 444

Leistungsbild nach § 15 HOAI Was muss nach BaustellV ge- Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich Sitan

werden?

cherheit und Gesundheitsschutz?

Phase 9P: Objektbetreuung und Dokumentation

Grundleistungen

Übergabe der Unterlage RAB 32 (Nr. 4.1) „Die Unterlage ist in der

-

Objektbegehung zur Mängelfeststel-

Regel mit ihrer Fertigstellung, spätestens

lung vor Ablauf der Verjährungsfris-

jedoch mit Abschluss der Baumaßnahme

ten der Gewährleistungsansprüche

dem Bauherrn zu übergeben. ... Die Unter-

gegenüber den bauausführenden

lage ist fortzuschreiben, falls nach ihrer

Unternehmen

Zusammenstellung relevante Planungsän-

Überwachen der Beseitigung von

derungen vorgenommen werden oder wäh-

Mängeln, die innerhalb der Verjährend

der Ausführung unterlagenrelevante

rungsfristen der Gewährleistungsansprüche,

längstens jedoch bis

zum Ablauf von fünf Jahren seit Abnahme

der Bauleistungen auftreten

Mitwirken bei der Freigabe von Sicherheitsleistungen

Systematische Zusammenstellung

der zeichnerischen Darstellungen

und rechnerischen Ergebnisse des

Objekts

Festlegungen getroffen werden.“

Besondere Leistungen

Erstellen von Bestandsplänen

Aufstellen von Ausrüstungs- und Inventarverzeichnissen

Erstellen von Wartungs- und Pflegeanweisungen

Objektbeobachtung

Objektverwaltung

Baubegehungen nach Übergabe

Überwachen der Wartungs- und

Pflegeleistungen

Aufbereiten des Zahlungsmaterials

für eine Objektdatei

Ermittlung und Kostenfeststellung

zu Kostenrichtwerten

Überprüfen der Bauwerks- und Betriebs-Kosten-Nutzen-Analyse

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 170 von 444

Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator

Leistung Was muss nach BaustellV getan werden? Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich

Sicherheit und Gesundheitsschutz?

Phase 1S: Ausarbeiten der Instrumente nach BaustellV

Ausarbeiten der Instrumente nach BaustellV

Ausarbeiten des SiGePlans

Zusammenstellung der Unterlage

Koordination

Phase 2S: Mitwirken bei der Vorbereitung der Vergabe

Mitwirkung bei der Vorbereitung der

Vergabe

Bereitstellung aller Unterlagen die Vertragsbestandteil

werden sollen

- SiGe-Plan

- Unterlage

- Baustellenordnung

- Vorgabe von Leistungsbeschreibungen für

sicherheitstechnische Maßnahmen, die gemeinsam

genutzt werden (LV)

Vorgabe für Pläne, die vom Bieter mit dem Angebot

oder kurz nach Auftragerteilung abzugeben

sind, zum Beispiel:

- BE-Plan

- Terminplan

- Sicherheitsmaßnahmenplan

- Gefährdungsbeurteilung

Phase 3S: Mitwirkung bei der Vergabe

Mitwirkung bei der Vergabe Prüfen der Angebote/Nebenangebote in Bezug

auf Sicherheits- und Gesundheitsschutz

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf

§ 2 Nr. 3 und § 3 Nr. 2 BaustellV.

§ 3 Nr. 2 BaustellV, RAB 31: SiGe-

Plan

§ 3 Nr. 1.2 BaustellV

RAB 32: Unterlage

- RAB 31 und

- RAB 32 und

- RAB 33

- -

- -


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 171 von 444

Leistung Was muss nach BaustellV getan werden? Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich

Sicherheit und

Gesundheitsschutz?

Phase 4S: Koordinierung während der Ausführung

- Koordinierung während der Ausführung

- Fortschreiben des SiGe-Planes

- Fortschreiben der Unterlagen

- Übergabe der Unterlage an Bauherren

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf

Der Koordinator hat:

1. die Anwendung der allgemeinen Grundsätze

nach § 4 des Arbeitsschutzgesetzes zu

koordinieren,

2. darauf zu achten, dass die Arbeitsgeber

und die Unternehmer ohne Beschäftigte ihre

Pflichten nach dieser Verordnung erfüllen,

3. den Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan

bei erheblichen Änderungen in der

Ausführung des Bauvorhabens anzupassen

oder anpassen zu lassen,

4. die Zusammenarbeit der Arbeitgeber zu organisieren

und

5. die Überwachung der ordnungsgemäßen

Anwendung der Arbeitsverfahren durch die

Arbeitgeber zu koordinieren.

- § 3 Nr. 3 BaustellV

- RAB 31

- RAB 32

- -


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 172 von 444

Bauunternehmer

Leistung

Phase 1B: Kalkulieren des Angebots

Was muss nach BaustellV getan werden? Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich

Sicherheit und Gesundheitsschutz?

Berücksichtigungen von SiGe-Plan, Unterlage

und Baustellenordnung bei der

Preisbildung

- - - -

Nach Anforderung in der Ausschreibung

oder nach firmeninternen Vorgaben bei

der Kalkulation:

- Erstellen eines Grobterminplanes

- Erstellen eines Grob-

Baustelleneinrichtungsplanes

- Erstellen eines Grob-

Sicherheitsplanes

- Erstellen einer Grob-

Gefährdungsermittlung

Phase 2B: Arbeitsvorbereitung/Bausausführung

Erstellen des Bauvorhabens entsprechend

dem Bauvertrag.

- Gefährdungsanalyse

Unter den zahlreichen Nebenpflichten

und abhängig von den vertraglichen Regelungen

und der „Kultur“ des Bauunternehmers

sind folgende Aufgaben hier

besonders erwähnt:

- Planung von Sicherheit und Gesundheitsschutz

sowie Bereitstellung

entsprechend der gesetzlichen

Arbeitsschutzpflichten

- Erstellen einer Grob-/Detailterminplanung

- Erstellen einer Grob-/Detail-BE-

Planung

- Erstellen eines Grob-/Detail-

Sicherheitsplanes

- Erstellen von Gefährdungsbeurteilungen

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf

§ 5 Pflichten der Arbeitgeber

(1) Die Arbeitgeber haben bei der Ausführung der

Arbeiten die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes

insbesondere in Bezug auf die

1. Instandhaltung der Arbeitsmittel,

2. Vorkehrungen zur Lagerung und Entsorgung

der Arbeitsstoffe und Abfälle, insbesondere

der Gefahrstoffe,

3. Anpassung der Ausführungszeiten für die Arbeiten

unter Berücksichtigung der Gegebenheiten

auf der Baustelle,

4. Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und

Unternehmern ohne Beschäftigte,

5. Wechselwirkungen zwischen den Arbeiten

auf der Baustelle und anderen betrieblichen

Tätigkeiten auf dem Gelände, auf dem oder

in dessen Nähe die erstgenannten Arbeiten

ausgeführt werden,

zu treffen sowie die Hinweise des Koordinators

und den Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan

- § 5 Nr. 1 bis 3 BaustellV - -


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 173 von 444

zu berücksichtigen.

(2) Die Arbeitgeber haben die Beschäftigten in

verständlicher Form und Sprache über die sie betreffenden

Schutzmaßnahmen zu informieren.

(3) Die Verantwortlichkeit der Arbeitgeber für die

Erfüllung ihrer Arbeitsschutzpflichten wird durch

die Maßnahmen nach den §§ 2 und 3 nicht berührt.

Leistung

Phase 3B: Gewährleistung

Was muss nach BaustellV getan werden? Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich

Sicherheit und

Gesundheitsschutz?

Erfüllung der Arbeitsschutzpflichten bei

der Beseitigung von Mängeln am Bauwerk.

Gegebenenfalls können die in der Unterlage

für spätere Arbeiten an der baulichen

Anlage vorgesehene Maßnahmen

zu Sicherheit und Gesundheitsschutz bei

den Gewährleistungsarbeiten sinnvoll

berücksichtigt werden.

- - -

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf


RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 174 von 444

Bauherr

Leistung Was muss nach BaustellV getan werden? Quelle Erläuterung Was ist denkbar hinsichtlich

Sicherheit und Gesundheitsschutz?

Phase 1BH: Beauftragung des SiGe-Koordinators für die Planung der Ausführung

- Übernahme der Verpflichtung nach

§ 4 BaustellV oder Übertragung auf

Dritten:

In diesem Fall

- Auswahl und Beauftragen eines geeigneten

Koordinators/Dritten für die

Phase der Planung der Ausführung

- Phase der Ausführung des Bauvorhabens

§ 4 Beauftragung

Die Maßnahmen nach § 2 und § 3 Abs. 1 Satz 1

hat der Bauherr zu treffen, es sei denn, er beauftragt

einen Dritten, diese Maßnahmen in eigener

Verantwortung zu treffen.

Phase 2BH: Beauftragung eines Korrdinators für die Ausführung

- Übernahme der Verpflichtung nach

§ 4 BaustellV oder Übertragung auf

Dritten:

In diesem Fall

- Auswahl und Beauftragen eines geeigneten

Koordinators/Dritten für die

SiGe-Koordinierung während der

Ausführung des Bauvorhabens

- Vorankündigung erstellen, an zuständige

Behörde übermitteln, auf

der Baustelle sichtbar aushängen

und bei erheblichen Änderungen

anpassen.

Anlage 1 – Integration von Sicherheit und Gesundheitsschutz in den Bauablauf

§ 2 Planung der Ausführung des Bauvorhabens

(2) Für jede Baustelle, bei der

1. die voraussichtliche Dauer der Arbeiten mehr

als 30 Arbeitstage beträgt und auf der mehr

als 20 Beschäftigte gleichzeitig tätig werden,

oder

2. der Umfang der Arbeiten voraussichtlich 500

Personentage überschreitet,

ist der zuständigen Behörde spätestens zwei Wochen

vor Einrichtung der Baustelle eine Vorankündigung

zu übermitteln, die mindestens die Angaben

nach Anhang I enthält.

Die Vorankündigung ist sichtbar auf der Baustelle

auszuhängen und bei erheblichen Änderungen

anzupassen.

- § 4 BaustellV

- RAB 30

§ 2 Nr. 2 BaustellV -

- -


Schlussbericht „Untersuchung zur Umsetzung der Baustellenverordnung bei ausgewählten Bauvorhaben“

Anlage 2

Fragebögen für die quantitative Befragung

Zielgruppen

– Bauherren (7 Seiten) .................................................. 178

– Planer (5 Seiten) ...................................................... 185

– Bauunternehmer (6 Seiten) ............................................ 190

– SiGe-Koordinator (8 Seiten) ............................................ 196

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 175 von 444


TECHNISCHE

UNIVERSITÄT

DRESDEN

Rationalisierungs-

und Innovationszentrum

der Deutschen

Wirtschaft e.V.

Umfrage zur Umsetzung der Baustellenverordnung (BaustellV)

Fragebogen für Bauherren (auch planende Bauherren und Bauträger)

Umfang: 7 Seiten

Dauer: ca. 15 Minuten

Hinweise: Eingaben sind nur in den Feldern bzw. bei „sonstiges:“ möglich.

Bitte nur eine Antwort ankreuzen, wenn nichts anderes angegeben ist.

A Allgemeines – Angaben zur Person und zur Baustelle

Für die Beantwortung der nachfolgenden Fragen gehen Sie bitte von einem für Sie

typischen Bauvorhaben aus.

„Bauherren“

Zielgruppe – Befragung quantitative die für Fragebögen –

A 3 In welcher Funktion sind Sie bei dem Bauvorhaben tätig? (mehrere Antworten möglich)

Architekt/Planer Bauherr Bauleiter Projektsteuerer Bauüberwacher

Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator(SiGeKo) sonstiges:

A 5 In welchem Bundesland befindet sich das Bauvorhaben?

Baden-Württemberg Bremen Niedersachsen Sachsen

Bayern Hamburg Nordrhein-Westfalen Sachsen-Anhalt

Berlin Hessen Rheinland-Pfalz Schleswig-Holstein

Brandenburg Mecklenburg-Vorpommern Saarland Thüringen

A 6 Das Bauvorhaben hat einen

öffentlichen Bauherrn nichtöffentlichen Bauherrn

A 7 Bitte ordnen Sie das Bauvorhaben ein.

Einfamilienhausbau Industriebau Straßenbau Wasserbau

Geschosswohnungsbau Ingenieurbau Spezialtiefbau

sonstiger Hochbau sonstiges:

A 8 Handelt es sich dabei um:

einen Neubau Bauen im Bestand / Sanierung

A 9 Wie viele solcher Bauvorhaben haben Sie bereits realisiert?

1 2 bis 3 >3 weiß ich nicht

A10 In welcher Phase befindet sich das Bauvorhaben?

Planungsphase Vergabephase Ausführungsphase, speziell

Erdarbeiten/Spezialtiefbau

A11

Rohbau

abgeschlossenes Projekt Ausbau/Installation/Anlagentechnik

weiß ich nicht Außenanlagen

Ordnen Sie das Bauvorhaben nach folgenden Kriterien ein:

Umfang der Arbeiten:

< 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte < 500 Personentage weiß ich nicht

> 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte > 500 Personentage

Gesamtbaukosten (inkl. Planung; ohne Grundstück):

< 250.000 € > 1 bis 5 Mio. € weiß ich nicht

> 250.000 € bis 1 Mio. € > 5 Mio. €

Anzahl der auf der Baustelle tätigen Arbeitgeber:

1 Arbeitgeber mehrere Arbeitgeber weiß ich nicht

gefährliche Arbeiten: (mehrere Antworten möglich)

Baugruben > 5 m Tiefe Massivbauelemente > 10 t

Absturzhöhen > 7 m Druckluft

unterirdische Erdarbeiten ionisierende Strahlung

Umgang mit Gefahrstoffen Tauchgeräte

Arbeiten mit einem Abstand unter 5 m Sprengstoff und -schnüre

von Hochspannungsleitungen keine derartigen Arbeiten

Art der Vergabe:

Einzellosvergabe GU-Vergabe oder Schlüsselfertigbau

sonstige:

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 176 von 444

nlage 2

A


TECHNISCHE

UNIVERSITÄT

DRESDEN

UMFRAGE ZUR UMSETZUNG DER

BAUSTELLENVERORDNUNG

RÜCKFRAGEN AN

DIPL.-ING. V. GÜRTLER

0351 / 463 34107

A12 Kennen Sie die Baustellenverordnung (BaustellV)?

Ja Nein (Sie sind an dieser Stelle schon fertig,

bitte senden Sie den Fragebogen zurück.)

A13 Wer hat Sie auf die BaustellV und die damit verbundenen Verpflichtungen aufmerksam

gemacht?

Architekt/Planer (Entwurfsverfasser) Baubehörde

SiGe-Koordinator Gewerbeaufsichtsamt/Staatliches Amt für Arbeitsschutz

Projektsteuerer gesetzlicher Unfallversicherungsträger

Fachplaner Verbände

Internet Unternehmen/Fachkraft für Arbeitssicherheit

war bereits bekannt

sonstiges:

weiß ich nicht

B Fragen zum Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan

B 1 Wurde für das Bauvorhaben ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan (SiGe-Plan)

erstellt?

Ja (weiter mit Frage B 5) Nein weiß ich nicht

B 2 Warum wurde kein SiGe-Plan erstellt?

war nicht erforderlich keine Kenntnis von der Notwendigkeit war nicht bekannt

wurde nicht beauftragt zu teuer

sonstiges:

Weiter mit Abschnitt C

B 5 Wann wurde der SiGe-Plan für das Bauvorhaben im Wesentlichen erstellt?

bis zur Baugenehmigung bis zur Ausschreibung des Hauptgewerkes (z. B. Rohbau)

bis zum Baubeginn bis zur Vergabe des Hauptgewerkes

nach Baubeginn nach Aufforderung durch die Kontrollbehörde weiß ich nicht

B 6 Sind folgende Elemente in dem SiGe-Plan enthalten? weiß trifft

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 ich nicht nicht zu

Auflistung der Arbeitsabläufe nein ja

zu erwartende Gefährdungen nein ja

räumliche Zuordnung der Abläufe nein ja

zeitliche Zuordnung der Abläufe nein ja

sicherheitstechnische Maßnahmen nein ja

organisatorische Maßnahmen

Angabe der anzuwendenden Arbeitsschutznein

ja

bestimmungen nein ja

Benennung verantwortlicher Unternehmen nein ja

Gefährdungspotentiale gegenüber Dritten nein ja

Terminangaben zur Koordination nein ja

Verweis auf Informations- und Arbeitsmaterialien zu

Sicherheit und Gesundheitsschutz nein ja

Verweis auf mitgeltende Unterlagen nein ja

Hinweise auf Ausschreibungstexte nein ja

B 7 Wie hat sich der SiGe-Plan auf die Leistungsverzeichnisse/das Leistungsprogramm

ausgewirkt? (mehrere Antworten möglich)

zusätzliche Positionen im Leistungsverzeichnis

Positionen anderer Leistungsverzeichnisse konnten entfallen

keine Auswirkung

sonstiges: weiß ich nicht

B 9 Ist der SiGe-Plan Bestandteil der Bauverträge?

Ja, als Bestandteil der vertraglichen Regelung Ja, nur als Information

Nein weiß ich nicht

B10 Sind Sie der Meinung, dass die Qualität des SiGe-Plans ausreichend geprüft wird?

Ja Nein weiß ich nicht eine Prüfung ist nicht notwendig

B11 Durch wen sollte diese Prüfung in der Phase „Planung der Ausführung“ erfolgen?

(mehrere Antworten möglich)

durch Bauherrn durch Architekt/Planer (Entwurfsverfasser)

durch Projektsteuerer durch Gewerbeaufsichtsamt/Staatliches Amt für Arbeitsschutz

durch Baubehörde durch gesetzlichen Unfallversicherungsträger

keine Prüfung erforderlich sonstige:

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 177 von 444

Anlage 2 – Fragebögen für die quantitative Befragung – Zielgruppe „Bauherren“


TECHNISCHE

UNIVERSITÄT

DRESDEN

UMFRAGE ZUR UMSETZUNG DER

BAUSTELLENVERORDNUNG

RÜCKFRAGEN AN

DIPL.-ING. V. GÜRTLER

0351 / 463 34107

B16 Ergeben sich durch die frühzeitige Erstellung und Nutzung des SiGe-Plans Kostenvorteile

für die Baumaßnahme? weiß trifft

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 ich nicht nicht zu

nein ja

C Fragen zur Unterlage für spätere Arbeiten

C 1 Wurde für das Bauvorhaben eine Unterlage für spätere Arbeiten erstellt?

Ja (weiter mit Frage C 4) Nein weiß ich nicht

C 2 Warum wurde keine Unterlage für spätere Arbeiten erstellt?

war nicht erforderlich keine Kenntnis von der Notwendigkeit kein Nutzen zu erwarten

wurde nicht beauftragt zu teuer sonstiges:

Weiter mit Abschnitt D

C 4 Wann wurde die Unterlage für spätere Arbeiten im Wesentlichen erstellt?

bis zur Baugenehmigung bis zur Ausschreibung des Hauptgewerkes (z. B. Rohbau)

bis zum Baubeginn bis zur Vergabe des Hauptgewerkes

nach Baubeginn nach Aufforderung durch die Kontrollbehörde

zum Abschluss der Baumaßnahme weiß ich nicht

C 5 Sind folgende Elemente in der Unterlage für spätere Arbeiten enthalten?

weiß trifft

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 ich nicht nicht zu

Angaben zur baulichen Anlage nein ja

Angaben zur Art der späteren Arbeiten nein ja

Angaben zu erwarteten Gefahren

Angaben zu Sicherheit und Gesundheitsschutz bei

nein ja

späteren Arbeiten nein ja

Verweise auf Positionen im Leistungsverzeichnis nein ja

Häufigkeit der wiederkehrenden Arbeiten nein ja

Hinweise auf Pläne nein ja

Hinweise auf mitgeltende Unterlagen nein ja

Bemerkungen nein ja

C 6 Wie wurde die Unterlage in der Ausschreibung berücksichtigt?

(mehrere Antworten möglich)

zusätzliche Positionen im Leistungsverzeichnis

Positionen anderer Leistungsverzeichnisse konnten entfallen

keine Berücksichtigung

sonstiges: weiß ich nicht

C 7 Ist die Unterlage für spätere Arbeiten Bestandteil der Bauverträge?

Ja, als Bestandteil der vertraglichen Regelungen Ja, nur als Information

Nein weiß ich nicht

C 8 Welche sicherheitstechnischen Einrichtungen für die spätere Nutzung der baulichen

Anlage wurden durch den SiGeKo vorgeschlagen? (mehrere Antworten möglich)

Befahreinrichtungen Schutzgerüste

Sekuranten sonstiges:

C11 Wird die Unterlage für spätere Arbeiten nach Abschluss des Bauvorhabens weiter verwendet?

Ja Nein weiß ich nicht

C12 Ergeben sich durch die Nutzung der Unterlage für spätere Arbeiten Kostenvorteile,

z. B. bei der Wartung und Instandsetzung? weiß trifft

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 ich nicht nicht zu

nein ja

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 178 von 444

Anlage 2 – Fragebögen für die quantitative Befragung – Zielgruppe „Bauherren“


TECHNISCHE

UNIVERSITÄT

DRESDEN

D Fragen zur SiGe-Koordination

UMFRAGE ZUR UMSETZUNG DER

BAUSTELLENVERORDNUNG

RÜCKFRAGEN AN

DIPL.-ING. V. GÜRTLER

0351 / 463 34107

D 1 Wird die BaustellV bei Ihrem Bauvorhaben des Weiteren in folgenden Punkten umgesetzt?

weiß trifft

ich nicht nicht zu

Übermittlung der Vorankündigung nein ja

Aushang der Vorankündigung nein ja

Bestellung des SiGeKo nein ja

SiGe-Plan auf der Baustelle vorhanden nein ja

Anpassung des SiGe-Plans nein ja

Koordinationsgespräche nein ja

Koordination der Überwachung des Arbeitsschutzes nein ja

Informationen und Hinweise durch den SiGeKo nein ja

Unterlage für spätere Arbeiten vorhanden nein ja

Anpassung der Unterlage nein ja

Übergabe der Unterlage an den Bauherrn nein ja

D 2 Wie oft wurde die Baustelle durch die staatlichen Aufsichtsbehörden kontrolliert?

einmal mehrmals regelmäßig noch nie weiß ich nicht

D 3 Wurde bei diesen Kontrollen auch die Umsetzung der BaustellV überprüft?

weiß trifft

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 ich nicht nicht zu

nein ja

D 4 Wie oft wurde die Baustelle durch Träger der gesetzlichen Unfallversicherungen

(Berufsgenossenschaften) kontrolliert?

einmal mehrmals regelmäßig noch nie weiß ich nicht

D 5 Wurde bei diesen Kontrollen auch die Umsetzung der BaustellV überprüft?

weiß trifft

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 ich nicht nicht zu

nein ja

D 7 Durch wen werden die Aufgaben des SiGe-Koordinators (SiGeKo) während der Bauausführung

wahrgenommen?

Bauherrn Generalüber-/unternehmer Architekt/Planer (Entwurfsverfasser)

Projektsteuerer Bauleiter Fachplaner

einzelnen Unternehmer externen SiGeKo niemanden (weiter mit Abschnitt E)

sonstige: weiß ich nicht

D 8 Wer hat Ihnen den SiGeKo empfohlen?

Bauherr selbst Aufsichtsämter BauBG

Entwurfsverfasser/Architekt Fachplaner SiGeKo hat sich beworben

aus anderen Projekten bekannt sonstiges:

niemand weiß ich nicht

D 9 Wann wurde der SiGeKo beauftragt?

bis zur Baugenehmigung bis zur Ausschreibung des Hauptgewerkes (z. B. Rohbau)

bis zum Baubeginn bis zur Vergabe des Hauptgewerkes

nach Baubeginn nach Aufforderung durch die Kontrollbehörde

gar nicht

D10 Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihren SiGeKo aus? (mehrere Antworten möglich)

geringe Kosten (Honorar)

Berufsausbildung

praktischen Tätigkeit

Nachweis der Lehrgänge zu arbeitsschutzfachlichen Kenntnissen

Nachweis der Lehrgänge zu Koordinatorenkenntnissen

Nachweis von Fortbildungslehrgängen

Übernahme der SiGe-Koordination durch sowieso beteiligte Planer, Bauleiter oder Unternehmer

sonstiges: weiß ich nicht

D11 In welcher Funktion wird der SiGeKo beauftragt?

SiGe-Koordination in der Phase „Planung der Ausführung“

SiGe-Koordination in der Phase „Ausführung des Bauvorhabens“

SiGe-Koordination in beiden Phasen

sonstiges: weiß ich nicht

D12 Auf welcher Grundlage wird das Leistungsbild des SiGeKo erstellt?

AHO-Empfehlung eigene Vorlage des SiGeKo sonstiges:

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 179 von 444

Anlage 2 – Fragebögen für die quantitative Befragung – Zielgruppe „Bauherren“


TECHNISCHE

UNIVERSITÄT

DRESDEN

UMFRAGE ZUR UMSETZUNG DER

BAUSTELLENVERORDNUNG

D13 Auf welcher Grundlage wird das Honorar des SiGeKo ermittelt?

AHO-Empfehlung Stundensatz analog der HOAI

frei verhandeltes Honorar sonstiges:

RÜCKFRAGEN AN

DIPL.-ING. V. GÜRTLER

0351 / 463 34107

D14 Wie wird das Honorar vertraglich geregelt?

in Abhängigkeit von der Bauzeit Abrechnung nach Stundenaufwand Pauschalsumme

in Abhängigkeit der Baukosten sonstiges:

D15 Wie hoch sind die tatsächlichen Kosten für den SiGeKo?

% der Bausumme

D16 Welche Tätigkeiten führt der SiGeKo durch? weiß trifft

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 ich nicht nicht zu

Einweisung der Unternehmen in Sicherheits- und Ge-

sundheitsschutzbelange mit Bezug auf die Baustelle nein ja

Teilnahme an allgemeinen Baubesprechungen nein ja

Durchführung von Baubegehungen nein ja

Berichte über Baubegehungen nein ja

Überprüfen von Bauzeitplänen und Bauablaufplänen

hinsichtlich Sicherheit und Gesundheitsschutz nein ja

Vorschläge für Verbesserungen bei zeitlichen und

räumlichen Abläufen nein ja

Einweisung von Subunternehmen nein ja

Nutzung präventiver Potenziale (z. B. Vorschläge für

den Einsatz gefährdungsarmer Ausführungsarten) nein ja

D17 Berücksichtigen die ausführenden Unternehmen die Hinweise des SiGeKo?

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 weiß ich nicht

Berücksichtigung gestellter Termine nein ja

Änderung zeitlicher und räumlicher Abläufe nein ja

Berücksichtigung bei Wahl der Arbeitsverfahren nein ja

Nur mit Nachträgen für zusätzliche Leistungen nein ja

gar nicht nein ja

E Allgemeine Fragen zur BaustellV

Gehen Sie bei folgenden Fragen bitte von Ihren allgemeinen Erfahrungen auf Baustellen

aus.

E 1 Wer ist Ihrer Meinung nach als SiGeKo am Besten geeignet?

Bauherr Generalüber-/unternehmer Architekt/Planer (Entwurfsverfasser)

Projektsteuerer externer SiGeKo Fachplaner

einzelner Unternehmer sonstige:

E 2 Sind Sie der Meinung, dass der SiGeKo Weisungsbefugnis haben muss, um seine Koordinationsverpflichtungen

erfüllen zu können?

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 weiß ich nicht

nein ja

E 3 Ist die aktive Einbindung des Bauherrn in den Arbeits- und Gesundheitsschutz der

Baustelle Ihrer Meinung nach sinnvoll? -3 -2 -1 0 +1 +2 +3 weiß ich nicht

nein ja

E 4 Finden seit Einführung der BaustellV Sicherheit und Gesundheitsschutz bei den am

Bau Beteiligten stärkere Beachtung?

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 weiß ich nicht

beim öffentlichen Bauherrn nein ja

beim nichtöffentlichen Bauherrn nein ja

beim Bauunternehmer nein ja

beim Planer nein ja

beim SiGeKo nein ja

E 5 Arbeiten folgende Personen seit Einführung der BaustellV besser mit den anderen am

Bau Beteiligten zusammen?

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 weiß ich nicht

öffentlicher Bauherr nein ja

nichtöffentlicher Bauherr nein ja

Bauunternehmer nein ja

Planer nein ja

SiGeKo nein ja

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Anlage 2 – Fragebögen für die quantitative Befragung – Zielgruppe „Bauherren“


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DRESDEN

UMFRAGE ZUR UMSETZUNG DER

BAUSTELLENVERORDNUNG

RÜCKFRAGEN AN

DIPL.-ING. V. GÜRTLER

0351 / 463 34107

E 7 Hat sich Ihrer Meinung nach der finanzielle Aufwand bezüglich folgender Punkte seit

Einführung der BaustellV geändert? weiß trifft

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 ich nicht nicht zu

Fassadengerüst nein ja

Raumgerüste nein ja

sonstige Gerüste nein ja

Absturzsicherungen nein ja

Abdeckungen nein ja

Baugrubenverbau nein ja

Abböschungen nein ja

Verkehrssicherungen nein ja

emissionsarme Geräte nein ja

E 8 Haben sich durch die Anwendung der BaustellV folgende Punkte optimiert?

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 weiß ich nicht

Kosten nein ja

Termineinhaltung nein ja

Personaleinsatz nein ja

Qualität nein ja

Ablaufplan nein ja

Nachträge nein ja

E 9 Haben sich die Sicherheit und der Gesundheitsschutz in folgenden Bereichen durch die

BaustellV verbessert? -3 -2 -1 0 +1 +2 +3 weiß ich nicht

Absturzsicherung nein ja

Verkehrswegesicherung nein ja

persönliche Schutzausrüstung nein ja

gesundheitsgerechte Arbeitsplätze und -geräte

Arbeitsschutzbelehrungen/Unterweisungen/

nein ja

Einweisungen nein ja

Organisation der Ersten Hilfe/Rettungsgeräte nein ja

Hygiene, Sauberkeit nein ja

E10 Welche Möglichkeiten haben Sie seit Einführung der BaustellV genutzt, um Ihre SiGe-

Kenntnisse zu verbessern? (mehrere Antworten möglich)

Lehrgang Veranstaltungen des Gewerbeaufsichtsamtes Literatur

sonstige Schulung Veranstaltungen der Berufsgenossenschaft Internet

Informationsmaterial Verbände, firmenübergreifende Netzwerke

keine sonstiges:

E11 Haben Sie in folgenden Punkten seit Einführung der BaustellV Veränderungen bzw.

Ergänzungen vorgenommen? weiß trifft

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 ich nicht nicht zu

Vertragsmuster/AGB nein ja

Leistungsverzeichnisse nein ja

Auswahl SiGe-gerechter Baukonstruktionen nein ja

Ihr Raum für Bemerkungen und Vorschläge:

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Anlage 2 – Fragebögen für die quantitative Befragung – Zielgruppe „Bauherren“


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DRESDEN

FERTIG, jetzt nur noch ABSCHICKEN:

UMFRAGE ZUR UMSETZUNG DER

BAUSTELLENVERORDNUNG

RÜCKFRAGEN AN

DIPL.-ING. V. GÜRTLER

0351 / 463 34107

Gehen Sie dazu in WORD auf „Datei“, „Senden an“, „Mailempfänger (als Anlage)“, kopieren

Sie die nachfolgende E-Mail Adresse in das Anschriftenfeld „An...“ und

klicken Sie auf „Senden“.

Alternative: Abspeichern und als Anlage an nachfolgende E-Mail-Adresse senden:

E-Mail: umfrage@mailbox.tu-dresden.de

Bitte Fragebogen bis 11.06.2004 abschicken.

Weitere Möglichkeiten den Fragebogen zurückzusenden sind:

Fax: 0351 / 463 346 80

Post: TU Dresden, Institut für Baubetriebswesen, 01062 Dresden.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung, Sie waren eine große Hilfe!

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– Fragebögen für die quantitative Befragung – Zielgruppe „Bauherren“

nlage 2

A


TECHNISCHE

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DRESDEN

Rationalisierungs-

und Innovationszentrum

der Deutschen

Wirtschaft e.V.

Umfrage zur Umsetzung der Baustellenverordnung (BaustellV)

Fragebogen für Architekten und Planer

Umfang: 5 Seiten

Dauer: ca. 15 Minuten

Hinweise: Eingaben sind nur in den Feldern bzw. bei „sonstiges:“ möglich.

Bitte nur eine Antwort ankreuzen, wenn nichts anderes angegeben ist.

A Allgemeines – Angaben zur Person und zur Baustelle

A 1 Bitte ordnen Sie Ihre berufliche Qualifikation ein.

Architekt Bauingenieur Sicherheitsingenieur sonstige:

A 2 Wann haben Sie diese berufliche Qualifikation erlangt?

vor 1998 nach 1998

Für die Beantwortung der nachfolgenden Fragen gehen Sie bitte von einem für Sie

typischen Bauvorhaben aus.

A 3 In welcher Funktion sind Sie bei dem Bauvorhaben tätig? (mehrere Antworten möglich)

Architekt/Planer Bauherr Bauleiter Projektsteuerer Bauüberwacher

Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator(SiGeKo) sonstiges:

A 5 In welchem Bundesland befindet sich das Bauvorhaben?

Baden-Württemberg Bremen Niedersachsen Sachsen

Bayern Hamburg Nordrhein-Westfalen Sachsen-Anhalt

Berlin Hessen Rheinland-Pfalz Schleswig-Holstein

Brandenburg Mecklenburg-Vorpommern Saarland Thüringen

A 6 Das Bauvorhaben hat einen

öffentlichen Bauherrn nichtöffentlichen Bauherrn

A 7 Bitte ordnen Sie das Bauvorhaben ein.

Einfamilienhausbau Industriebau Straßenbau Wasserbau

Geschosswohnungsbau Ingenieurbau Spezialtiefbau

sonstiger Hochbau sonstiges:

A 8 Handelt es sich dabei um:

einen Neubau Bauen im Bestand / Sanierung

A 9 Wie viele solcher Bauvorhaben haben Sie bereits realisiert?

1 2 bis 3 >3 weiß ich nicht

A10 In welcher Phase befindet sich das Bauvorhaben?

Planungsphase Vergabephase Ausführungsphase, speziell

Erdarbeiten/Spezialtiefbau

Rohbau

abgeschlossenes Projekt Ausbau/Installation/Anlagentechnik

weiß ich nicht Außenanlagen

A11 Ordnen Sie das Bauvorhaben nach folgenden Kriterien ein:

Umfang der Arbeiten:

< 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte < 500 Personentage weiß ich nicht

> 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte > 500 Personentage

Gesamtbaukosten (inkl. Planung; ohne Grundstück):

< 250.000 € > 1 bis 5 Mio. € weiß ich nicht

> 250.000 € bis 1 Mio. €

Anzahl der auf der Baustelle tätigen Arbeitgeber:

> 5 Mio. €

1 Arbeitgeber mehrere Arbeitgeber weiß ich nicht

gefährliche Arbeiten: (mehrere Antworten möglich)

Baugruben > 5 m Tiefe Massivbauelemente > 10 t

Absturzhöhen > 7 m Druckluft

unterirdische Erdarbeiten ionisierende Strahlung

Umgang mit Gefahrstoffen Tauchgeräte

Arbeiten mit einem Abstand unter 5 m Sprengstoff und -schnüre

von Hochspannungsleitungen

Art der Vergabe:

keine derartigen Arbeiten

Einzellosvergabe

sonstige:

GU-Vergabe oder Schlüsselfertigbau

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 183 von 444

Anlage

2 – Fragebögen für die quantitative Befragung – Zielgruppe „Architekten und Planer“


TECHNISCHE

UNIVERSITÄT

DRESDEN

UMFRAGE ZUR UMSETZUNG DER

BAUSTELLENVERORDNUNG

B Fragen zum Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan

RÜCKFRAGEN AN

DIPL.-ING. V. GÜRTLER

0351 / 463 34107

B 1 Wurde für das Bauvorhaben ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan (SiGe-Plan)

erstellt?

Ja Nein (weiter mit Abschnitt C)

weiß ich nicht (weiter mit Abschnitt C)

B 4 Waren Sie an der Erstellung des SiGe-Plans beteiligt?

Ja, (z. B. bei der Gefährdungsauflistung) Nein

B 6 Sind folgende Elemente in dem SiGe-Plan enthalten? weiß trifft

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 ich nicht nicht zu

Auflistung der Arbeitsabläufe nein ja

zu erwartende Gefährdungen nein ja

räumliche Zuordnung der Abläufe nein ja

zeitliche Zuordnung der Abläufe nein ja

sicherheitstechnische Maßnahmen nein ja

organisatorische Maßnahmen

Angabe der anzuwendenden Arbeitsschutznein

ja

bestimmungen nein ja

Benennung verantwortlicher Unternehmen nein ja

Gefährdungspotentiale gegenüber Dritten nein ja

Terminangaben zur Koordination nein ja

Verweis auf Informations- und Arbeitsmaterialien zu

Sicherheit und Gesundheitsschutz nein ja

Verweis auf mitgeltende Unterlagen nein ja

Hinweise auf Ausschreibungstexte nein ja

B 7 Wie hat sich der SiGe-Plan auf die Leistungsverzeichnisse/das Leistungsprogramm

ausgewirkt? (mehrere Antworten möglich)

zusätzliche Positionen im Leistungsverzeichnis

Positionen anderer Leistungsverzeichnisse konnten entfallen

keine Auswirkung

sonstiges: weiß ich nicht

B 9 Ist der SiGe-Plan Bestandteil der Bauverträge?

Ja, als Bestandteil der vertraglichen Regelung Ja, nur als Information

Nein weiß ich nicht

B10 Sind Sie der Meinung, dass die Qualität des SiGe-Plans ausreichend geprüft wird?

Ja Nein weiß ich nicht eine Prüfung ist nicht notwendig

B11 Durch wen sollte diese Prüfung in der Phase „Planung der Ausführung“ erfolgen?

(mehrere Antworten möglich)

durch Bauherrn durch Architekt/Planer (Entwurfsverfasser)

durch Projektsteuerer durch Gewerbeaufsichtsamt/Staatliches Amt für Arbeitsschutz

durch Baubehörde durch gesetzlichen Unfallversicherungsträger

keine Prüfung erforderlich sonstige:

B16 Ergeben sich durch die frühzeitige Erstellung und Nutzung des SiGe-Plans Kostenvorteile

für die Baumaßnahme? weiß trifft

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 ich nicht nicht zu

nein ja

C Fragen zur Unterlage für spätere Arbeiten

C 1 Wurde für das Bauvorhaben eine Unterlage für spätere Arbeiten erstellt?

Ja Nein (weiter mit Abschnitt D)

weiß ich nicht (weiter mit Abschnitt D)

C 3 Waren Sie an der Erstellung der Unterlage beteiligt?

Ja Nein

C 4 Wann wurde die Unterlage für spätere Arbeiten im Wesentlichen erstellt?

bis zur Baugenehmigung bis zur Ausschreibung des Hauptgewerkes (z. B. Rohbau)

bis zum Baubeginn bis zur Vergabe des Hauptgewerkes

nach Baubeginn nach Aufforderung durch die Kontrollbehörde

zum Abschluss der Baumaßnahme weiß ich nicht

RKW e.V. / TU Dresden / systemkonzept Seite 184 von 444

Anlage 2 – Fragebögen für die quantitative Befragung – Zielgruppe „Architekten und Planer“


TECHNISCHE

UNIVERSITÄT

DRESDEN

UMFRAGE ZUR UMSETZUNG DER

BAUSTELLENVERORDNUNG

RÜCKFRAGEN AN

DIPL.-ING. V. GÜRTLER

0351 / 463 34107

C 5 Sind folgende Elemente in der Unterlage für spätere Arbeiten enthalten?

weiß trifft

-3 -2 -1 0 +1 +2 +3 ich nicht nicht zu

Angaben zur baulichen Anlage nein ja