ZUCKERRÜBEN J O U R N A L

rrvbonn.de

ZUCKERRÜBEN J O U R N A L

4 / 2011

Z U C K E R R Ü B E N

J O U R N A L

2011 bringt Rekordernte

Anbau

Rüben genauso gut wie Mais?

Anbau

Die richtige Sorte fürs Feld

Technik

Landtechnik-Schau der Rekorde


I N h A l T A k T u E l l E S P o l I T I k M A R k T B E T R I E B S W I R T S c h A F T A N B A u T E c h N I k Z u c k E R

Nach Meinung der europäischen Rübenanbauer gibt es keine

Alternative zur Verlängerung der Marktordnung.

lesen Sie ab Seite 5.

Titelbild:

Die Roderflotte des

Maschinenring

Rheinland West beim

Feldtag in Dürwiß im

Einsatz.

Foto: Eduard Eich

Das Institut für Zuckerrübenforschung

hat die

Energiebilanz der Zuckerrübe

untersucht – mit sehr

erfreulichen Ergebnissen

für die Rübe.

lesen Sie ab Seite 9.

Mitteilungen des Rheinischen

Rübenbauer-Verbandes e.V. und der

Bezirksgruppe Nordrhein des Vereins

der Zuckerindustrie e. V.

Redaktion:

Natascha Kreuzer (verantwortlich)

Rochusstraße 18, 53123 Bonn

Telefon: (02 28) 96 49 97 17

Fax: (02 28) 96 49 97 18

E-Mail: ZRJournal@aol.com

Zum Teil gab es Detailverbesserungen,

zum Teil aber auch komplett neue

Maschinenreihen auf der Agritechnica.

Dr. klaus Ziegler hat die Trends bei der

Rübentechnik ab Seite 18 zusammengefasst.

Aktuelles

Rheinischer Rübenbauer-Verband e. V.

Telefon: (02 28) 65 25 34

Bezirksgruppe Nordrhein des

Vereins der Zuckerindustrie e. V.

Telefon: (02 21) 4 98 03 32

Redaktionsbeirat:

Heinrich Brockerhoff, Johannes Brünker,

Dr. Helmut Esser, Dr. Bernd Kämmerling,

Dr. Peter Kasten, Dr. Willi Kremer-Schillings

Jahresrückblick von Dr. Botho von Schwarzkopf

Ein Jahr, an das man sich erinnern wird 3

Termine rund um die Rübe 4

Mitgliederversammlung RRV 4

Verlag:

Rheinischer Landwirtschafts-Verlag GmbH

Rochusstraße 18, 53123 Bonn

Telefon: (02 28) 5 20 06-535

Fax: (02 28) 5 20 06-560

Satz:

Print PrePress GmbH & Co. KG

53340 Meckenheim

Druck:

L.N. Schaffrath Druck Medien, 47594 Geldern

2 | Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L LZ 50 · 2011

Politik

Verlängerung der Marktordnung ohne echte Alternative 5

Markt

Brasilien am Scheideweg 6

Anbau

Rüben genauso gut wie Mais? 8

Bei der Energiebilanz ganz vorn dabei 9

Die richtige Sorte für das Feld 11

Neue Ergebnisse rund um die Rübe 15

Feldtag in Wijnandsrade 16

Feldtag des Maschinenrings 17

Technik

Agritechnica 2011

Landtechnik-Schau der Rekorde 18

Vorführung in Kerken 21

Entblatten, microtoppen oder köpfen? 22

Kinderfest in der Zuckerfabrik Euskirchen 22

Zucker

Mehr als 10 000 Jahre süße Geschichte 23

Stevia als Süßstoff zugelassen 24


Foto: Natascha kreuzer

Z u c k E R

Ein Jahr, an das man sich erinnern wird

„Solche Erträge werden wir wohl so bald nicht mehr wieder

sehen“ meinten viele landwirte nach dem Rübenjahr 2009.

Im Durchschnitt des Rheinlandes wurden 2009 71,8 t / ha

Rübenertrag geerntet, Spitzenbetriebe konnten damals schon

die magische Zahl von 15 t / ha Zuckerertrag nicht nur erreichen,

sondern zum Teil übertreffen.

Dr. Botho von

Schwarzkopf

T E c h N I k A N B A u B E T R I E B S W I R T S c h A F T

Rekorderträge, Diskussion um die Marktordnung und unsicherer Weltmarkt

Und jetzt kommt 2011: Noch ist die Kampagne

nicht zu Ende, aber unsere Werke

in Appeldorn und Jülich planen mit unglaublichen

78 t / ha, Euskirchen mit

75 t / ha Rübenertrag! Und auf so mancher

Parzelle sind 100 t / ha mit mehr als

17 % Zuckergehalt herangewachsen. Wer

hätte das nach dem extrem trockenen

Frühjahr gedacht? Zeigt dies doch, zu

welchen Leistungen die Zuckerrübe auch

in ungewöhnlichen Jahren fähig ist. Und

der Trend im Ertragszuwachs ist ungebrochen.

Wir müssen uns das noch einmal

klarmachen: In den drei Jahren 1996 bis

1999 lag der rheinische Schnitt gerade

mal bei 53 t / ha und noch im Jahr 2006

wurden im gesamten Rheinland nicht

mehr als 59,4 t / ha eingefahren.

„Der Erfolg hat viele Väter“ sagt ein

Sprichwort. Der enorm hohe Rübenertrag

ist ein Erfolg, den unsere exzellenten

Ackerbauern für sich verbuchen dürfen.

Mit geholfen hat sicherlich eine weiter

gestellte Fruchtfolge, ein gezieltes Management

zur Kontrolle der Rübennematoden,

zu dem auch die Züchter mit beitragen,

ein umfassendes Monitoring der

Blattkrankheiten und viele weitere Bausteine.

Dazu gehört auch die schnelle und

zielorientierte Information über das Inter-

net, www.liz-online.de wird täglich mehr

als tausendmal aufgerufen.

Unvergesslich wird das Jahr 2011 für

Pfeifer & Langen auch deshalb, weil wir

in unseren eigenen Untersuchungen feststellen

mussten, dass in einigen Partien

unserer Futtermittel in den Werken Euskirchen

und Könnern der Grenzwert von

Dioxin überschritten wurde. Nachdem

die Ursache gefunden und das Produktionsverfahren

geändert wurde, waren

die Werte wieder unterhalb des Grenzwertes.

Von den Behörden wurde unsere

offene und konstruktive Zusammenarbeit

betont und auch wir sind dankbar, dass

die handelnden Personen in den Ämtern,

aber auch unsere Kunden, sehr zur Versachlichung

dieses brisanten Themas beigetragen

haben.

Rübe im Wettbewerb

Die Königin der Feldfrüchte hatte es in

den letzten Jahren schwer, sich immer

gegen die alternativen Kulturen zu behaupten.

In 2011 dürfte sie jedoch wieder

unangefochten an der Spitze liegen, weil

Rekordertrag und eine gute Bezahlung

zusammenkommen. Das ist bei vielen

Kulturen anders: Wenn gut geerntet wurde,

sind die Erlöse meist niedrig. Kartoffelanbauer

können davon ein Lied singen.

Unser Unternehmen hat für das Jahr

2012 gute Kontrakte gemacht und daher

haben wir uns mit dem Rheinischen

Rübenbauer-Verband darauf verständigt,

bereits für die Quotenrüben 2011 mehr

M A R k T P o l I T I k A k T u E l l E S

als den Quotenpreis zu zahlen. Und auch

für die Ernte 2012 wird es einen deutlichen

Zuschlag auf den Quotenrübenpreis

geben.

Es zeigt sich in diesem Jahr, dass es

richtig war, auch in Zeiten, in denen der

Deckungsbeitrag der Zuckerrübe nur mit

anderen Kulturen gleichauf lag, bei der

Rübe zu bleiben. Jetzt zahlt es sich aus.

Die Rübe wird auch in Zukunft das stabile

Element rheinischer Betriebe bleiben.

Dies zeigt sich am großen Interesse an

Verträgen für zusätzlichen Rübenanbau

für Industrierüben oder Zusatzrüben zum

Quotenpreis, die in voller Höhe gezeichnet

wurden.

lange kampagne

Nach der Kampagne 2010 / 11 haben wir

uns in den Fabriken einiges an Missstimmung

anhören müssen. Das ist verständlich

nach zwei Wintern, wie wir sie alle

schon lange nicht mehr gekannt haben,

und den damit verbundenen Schwierigkeiten

beim Transport. Das wird aber

(hoffentlich) nicht die Regel werden. Kritisiert

wird auch, warum sich die Fabriken

nicht mehr Rüben auf den Hof legen. Die

Erklärung ist einfach: weil mehr nicht

geht. Und selbst wenn es uns gelingen

würde, noch 30 000 t in irgendeine Ecke

zu packen: Das reicht in Euskirchen für

drei Tage, in Jülich nur für zwei. Also

nichts, womit man lange Kampagnen

wesentlich verkürzen könnte.

LZ 50 · 2011 Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L | 3


A k T u E l l E S P o l I T I k

Termine rund um die Rübe

Termin uhrzeit ort / Veranstaltung

27. Januar 9.00 Uhr Kruft, Vulkanhalle, Pfeifer & Langen

Euskirchen, Rheinischer

Rübenbauer-Verband,

DLR Westerwald-Osteifel

27. Januar 13.30 Uhr Stadthalle Heinsberg, Pfeifer &

Langen Jülich, VLF Heinsberg,

Rheinischer Rübenbauer-Verband

30. Januar 13.30 Uhr Wesel, Niederrhein-Halle,

Pfeifer & Langen Appeldorn,

Rheinischer Rübenbauer-Verband

2. Februar 13.30 Uhr Korschenbroich-Pesch,

Haus Schellen, Pfeifer & Langen

Jülich und Appeldorn, VLF Neuss-

Mönchengladbach, Rheinischer

Rübenbauer-Verband

3. Februar 9.00 Uhr Zuckerfabrik Jülich, Kantine,

Pfeifer & Langen Jülich,

Rheinischer Rübenbauer-Verband

6. Februar 10.00 Uhr Köln-Auweiler, Landwirtschaftskammer

NRW, Pfeifer & Langen

Euskirchen, Rheinischer Rübenbauer-Verband

6. Februar 13.30 Uhr Kalkar-Appeldorn, Op den Huck-

Janssen, Pfeifer & Langen

Appeldorn, Rheinischer Rübenbauer-Verband

7. Februar 10.00 Uhr Vettweiß, Bürgerbegegnungsstätte,

Pfeifer & Langen Euskirchen,

Rheinischer Rübenbauer-Verband,

Landwirtschaftskammer NRW

7. Februar 13.30 Uhr Tönisvorst-Vorst, Haus Vorst,

Pfeifer & Langen Appeldorn,

Rheinischer Rübenbauer-Verband

8. Februar 10.00 Uhr Rhede-Vardingholt, Haus Stockhorst,

Pfeifer & Langen Appeldorn,

Rheinischer Rübenbauer-Verband

8. Februar 15.00 Uhr Ranzel, Hotel zur Krone,

Pfeifer & Langen Euskirchen,

Rheinischer Rübenbauer-Verband

9. Februar 9.00 Uhr Palmersheim 1, Dorfgemeinschaftshaus,

Pfeifer & Langen Euskirchen,

Rheinischer Rübenbauer-Verband

9. Februar 14.00 Uhr Palmersheim 2, Dorfgemeinschaftshaus,

Pfeifer & Langen Euskirchen,

Rheinischer Rübenbauer-Verband

10. Februar 10.00 Uhr Baesweiler, Alte Schmiede,

Pfeifer & Langen Jülich,

Rheinischer Rübenbauer-Verband,

Landwirtschaftskammer NRW

13. Februar 9.30 Uhr Ratingen, Scheune Bergermann,

Pfeifer & Langen Appeldorn,

Rheinischer Rübenbauer-Verband

14. Februar 13.30 Uhr Geldern-Hartefeld, Alte Schmiede,

Pfeifer & Langen Appeldorn,

Rheinischer Rübenbauer-Verband

M A R k T B E T R I E B S W I R T S c h A F T A N B A u T E c h N I k Z u c k E R

Bis Anfang Dezember

ist die Kampagne

2011 unter

traumhaften Bedingungen

verlaufen. Und da

jetzt wohl alle Rüben gerodet

sind, sollten auch die Verladung

und der Transport hoffentlich

keine allzu großen Probleme

mehr machen. Denn trocken und frostfrei

gerodete Rüben lassen sich gut lagern,

verladen und verarbeiten. Aber

noch ist die Kampagne nicht zu Ende. Sie

wird mit über 130 Tagen die längste Kampagne

werden, die im Rheinland jemals

gefahren wurde. (Wenn wir davon absehen,

dass die Kampagne 1901 / 02 vom

20. September bis zum 15. Februar dauerte.

Aber daran kann sich niemand von

uns erinnern.) Hoffen wir, dass Wetter

und Technik weiter mitspielen und alle an

dem Weg vom Feld bis ins Zuckersilo Beteiligten

weiter mit dem hohen Engagement

bei der Sache sind, das sie bisher

schon bewiesen haben.

ohne Marktordnung geht es nicht

Alle ackerbaulichen Maßnahmen sind nur

Makulatur, wenn die politischen Rahmenbedingungen

nicht stimmen. Wir erleben

dies gerade bei der Diskussion um die

GAP-Reform. Angesichts der Notwendigkeit,

ausreichend Nahrungsmittel für eine

wachsende Weltbevölkerung bereitzustellen,

ist der Vorschlag, 7 % der Ackerfläche

aus der Produktion zu nehmen, wenig

verständlich. Und spätestens, wenn bei

der Diskussion um die Zuckermarktordnung

mit einer Studie argumentiert wird,

dass bei sinkenden Erträgen und sinkenden

Preisen der Anbau von Zuckerrüben

ausgedehnt werden würde, fragt man

sich, wer denn da wie gerechnet hat. Klar

dürfte sein, dass an einer Verlängerung

der Zuckermarktordnung kein Weg vorbeiführt.

In einem Europa ohne Zuckermarktordnung

würden die Schwankungen

des Weltmarktes in vollem Umfange

durchschlagen. Dies gilt sowohl für den

Preis als auch für die Mengenverfügbarkeit.

Daher hat auch das Europäische Parlament

bereits im Juni 2011 die Fortsetzung

des zuckerpolitischen Instrumenta-

Mitgliederversammlung RRV

Die Mitgliederversammlung des Rheinischen Rübenbauer-

Verbandes e.V. findet am Mittwoch, dem 1. Februar 2012,

um 13.30 Uhr in Bergheim statt. Auf dem Programm stehen

zwei Vorträge: Gerd Sonnleitner, Präsident des Europäischen

und Deutschen Bauernverbandes, spricht zum

Thema „EU-Agrarpolitik bis 2020 und Perspektiven für

die rheinische Rübenbauregion“. Außerdem erläutert

Henning Koch von der August Töpfer & Co. (GmbH

& Co.) KG Entwicklungen und Tendenzen an den

internationalen Zuckermärkten.

Die Mitgliederversammlung findet statt

in der Medio.Rhein.Erft, Konrad-Adenauer-Platz

1, ehemals Bethlehemer

Straße in Bergheim.

riums bis

mindestens

2020 gefordert. Und

außerdem ist es noch nicht mal

ein Jahr her, dass wir die Restrukturierung

unserer Werke mit dem Abriss des letzten

Zuckersilos in Elsdorf beendet haben. Um

langfristige Entscheidungen treffen zu

können, benötigen Landwirte und Zuckerfabriken

einen Planungshorizont von

mehr als nur fünf oder sechs Jahren. Das

ist ja weniger als der Abschreibungszeitraum

unserer Maschinen!

Ausblick

Der europäische Zuckermarkt wird auch

in den nächsten Monaten angespannt

bleiben. Steigende oder fallende Weltmarktpreise

haben darauf nur einen geringen

Einfluss. Für knappe Güter kann

meist auch ein guter Preis erzielt werden,

den wir im Rahmen unser Vereinbarungen

mit den Rübenanbauer-Verbänden

auch an die Anbauer weitergeben. Somit

gehen wir derzeit sowohl von einem höheren

Quotenrübenpreis als auch einem

interessanten Industrierüben-Preis aus.

Für 2012 gilt wie bisher, dass für Überschussrüben

mindestens der Preis wie für

Vortragsrüben bezahlt wird. Wenn es

machbar ist und der Markt es hergibt,

auch mehr! Planen Sie deshalb die sichere

Erfüllung aller Vertragsrüben (Quoten-

und Industrierüben). Nehmen Sie zum

Maßstab den Durchschnitt der letzten

fünf Jahre. Denn 2011 wird wahrscheinlich

ein Jahr sein, an das wir uns noch lange

erinnern werden.

Dr. Botho von Schwarzkopf

Pfeifer & langen

4 | Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L LZ 50 · 2011


Z u c k E R

T E c h N I k A N B A u B E T R I E B S W I R T S c h A F T

Das Prinzip des Referenzpreises für Zucker

will man beibehalten und ebenso die

private Lagerhaltung. Ein Markteingriff

soll aber erst erfolgen, wenn der Marktpreis

um mehr als 15 % unter den Referenzpreis

sinkt. Die Kommission strebt

an, mit der Aufgabe von Kernelementen

des bisherigen Regelwerks eine Verwaltungsvereinfachung

herbeizuführen und

wieder eine unbeschränkte Exportfähigkeit

zu erlangen. Auf den ersten Blick wäre

die Möglichkeit unbegrenzter Exporte

ein interessanter Gedanke. Das Gesamtpaket

des Vorschlags trägt jedoch bei genauerem

Hinsehen eher anbaugefährdende

Elemente in sich.

Das Argument der EU-Kommission,

die zusätzlichen Exportmöglichkeiten ließen

eine Anbauausdehnung erwarten,

stößt zunächst schnell an Praktikabilitätsgrenzen.

In vielen europäischen Anbauregionen,

wie im Rheinland, sind die

nach der Restrukturierung verbliebenen

Zuckerfabriken bis zum Anschlag ausgelastet.

In Großbritannien, den Niederlanden,

Deutschland oder Polen besteht

kaum noch Potenzial für eine Anbau-

oder Kampagneausdehnung bei Kampagnelängen

bis Ende Januar beziehungs-

weise in Großbritannien bis Mitte März.

Hier könnte nur der Neubau von Zuckerfabriken

oder der massive Ausbau vorhandener

Kapazitäten Potenziale schaffen.

Beides ist aber wenig wahrscheinlich.

Und eine weitere Kampagneverlängerung

findet bei den hiesigen Anbauern keine

Akzeptanz.

Schwankende Preise auf dem

Weltmarkt

Liegt zudem der Weltmarktpreis wie häufig

in den vergangenen Monaten über

dem EU-Binnenmarktpreis, sind die Vorgaben

für eine Exportbeschränkung prinzipiell

bereits heute nicht mehr gegeben.

Unter diesen Bedingungen könnte man

schon jetzt mehr Zucker exportieren als

die WTO-konformen 1,37 Mio. t. Mit dieser

Begründung ließ die EU-Kommission

im Frühjahr 2010 auch folgerichtig zusätzliche

Zuckerexporte aus der EU zu.

Sinkt der Zuckerweltmarktpreis aber irgendwann

wieder und wäre man auf Exporte

angewiesen, bestünde die Gefahr,

dass man Zucker auf dem Weltmarkt nur

noch zu Niedrigpreisen absetzen kann,

was auch entsprechend niedrige Rübenpreise

bedeuten würde. Die Wettbewerbsfähigkeit

des Rübenanbaus im Vergleich

zu anderen Ackerfrüchten ist jedoch

schon unter den gegenwärtigen Bedingungen

grenzwertig. Bei noch ungünstigeren

Bedingungen dürften wohl

M A R k T P o l I T I k A k T u E l l E S

Verlängerung der Marktordnung

ohne echte Alternative

Kommissionsvorschlag sorgt in der Branche für Unverständnis

Am 12. oktober veröffentlichte die Eu-kommission ihre Vorschläge

zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik. In diesem

Rahmen stellte sie auch ihre Überlegungen zur künftigen europäischen

Zuckerpolitik vor. Danach plant die kommission, die

Zuckerquoten und in Verbindung damit auch die Rübenmindestpreisregelung

auslaufen zu lassen.

Am 14. November traf das Präsidium der Vereinigung der Europäischen Rübenanbauer (cIBE) den amtierenden Vorsitzenden

des Agrarministerrates, den polnischen landwirtschaftsminister Marek Sawicki, und erläuterte noch einmal die

Position der Rübenanbauer zur künftigen Eu-Zuckerpolitik. Minister Sawicki erklärte, dass er selbst und Polen die

cIBE-Forderung nach einer Verlängerung der aktuellen Regelung mit einer Mengenregelung über Quoten und einem

Rübenmindestpreis unterstütze. (V.l.n.r.): Elisabeth lacoste, General sekretärin der cIBE, Vizepräsident Eric lainé,

cIBE-Präsident Jorn Dalby, Jos van campen und Vizepräsident Bernhard conzen in Brüssel. Foto: cIBE

Die Zuckerfabriken sind nach der Restrukturierung

in vielen Regionen bis zum Anschlag ausgelastet.

Foto: Natascha kreuzer

nur die wenigsten Zuckerrübenanbauer

bereit sein, Rüben anbauen.

Ertrags- und Preisrückgang gleich

Anbauausdehnung?

In ihren Überlegungen zur Neuregelung

des Zuckersektors geht die EU-Kommission

dennoch von einer Anbauausdehnung

aus, wenn Quoten und Rübenmindestpreis

fallen. Aus ihrer eigens zur Bewertung

unterschiedlicher Szenarien für die

Zukunft des EU-Zuckersektors durchgeführten

Folgenabschätzung (Impact Assessment)

geht hervor, dass man für das

Jahr 2020 gegenüber 2010 von leicht sinkenden

Erträgen und deutlich sinkenden

Preisen von minus 20 % gegenüber

2009 / 10 ausgehen müsse. Wie man daraus

folgern kann, dass beispielsweise in

Deutschland und dem Rheinland der Rübenanbau

ausgedehnt werde, ist wenig

nachvollziehbar. Wie der Rheinische Rübenbauer-Verband

sehen auch viele andere

Verbände den Rübenanbau in ihren

jeweiligen Anbaugebieten bei einer Umsetzung

der Kommissionspläne als gefährdet

an. Angesichts der Attraktivität

anderer Feldfrüchte würde sich der Rübenanbau

nur noch schwer rechnen.

LZ 50 · 2011 Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L | 5


A k T u E l l E S P o l I T I k M A R k T B E T R I E B S W I R T S c h A F T A N B A u T E c h N I k Z u c k E R

Kernforderungen der

deutschen Zuckerwirtschaft

■ Fortsetzung der Zuckermarktordnung bis mindestens

2020

■ Abgestimmte Import- und Handelspolitik, einschließlich

eines ausreichenden Außenschutzes

■ Fortsetzung des Mengenmanagements mit nationalen

Quoten

■ Beibehaltung des Rübenmindestpreises

■ Erhalt der Branchenvereinbarungen

■ Keine Beschränkung der Exporte

■ Abschaffung der Produktionsabgabe

■ Beibehaltung des Preisberichterstattungssystems

■ Freigabe von Nichtquotenzucker auf Basis eines klar definierten

Auslösemechanismus im Falle des Ausfalls von

Importen

■ Beibehaltung der Marktrücknahme und Einbeziehung der

Importe in diesen Mechanismus

WVZ

Des Weiteren bestünde die Gefahr,

dass bei einem Verlust der Quotenregelung

Teile des Rübenzucker- und Saccharosemarktes

an den Isoglukosebereich

abgegeben würden und damit dem Rübenanbau

verloren gingen. Experten halten

hier mehrere Millionen Tonnen Zucker

Diese Verlangsamung der Expansion ging

einher mit einem Anstieg der Weltmarktpreise

für Zucker und Ethanol, die 2011

ihren Höhepunkt erreichten. Der Preisanstieg

wurde auch durch eine unterdurchschnittliche

Ernte im Hauptanbaugebiet

Brasiliens verursacht. Dies hatte mehrere

Gründe:

■ Die Trockenheit 2010 hatte Auswirkungen

auf das Wachstum des Zuckerrohrs

auch 2011.

für denkbar. Isoglukose wird unter anderem

aus Mais gewonnen. Wie dieser Vorschlag,

der zu Lasten der Fruchtfolgekultur

Zuckerrüben ginge, in das Greening-

Konzept der Kommission passt, ist nicht

nachvollziehbar.

Bleiben noch die Auswirkungen auf

den Markt. Das bestehende Regelwerk

mit Quoten und Mindestpreis hat unzweifelhaft

gerade in den letzten Jahren

bewiesen, dass es extreme Preis- und Angebotsausschläge

bei Zucker abpuffern

kann, zum Wohle der Verbraucher und

auch der Erzeuger. Dieses stabilisierende

Element will man nun opfern, obwohl

doch die nachhaltige Sicherung der Nahrungsmittelversorgung

der EU-Bürger

ganz weit oben auf der Agenda der EU-

Kommission steht.

Nicht ohne Grund repräsentiert daher

die Liste derjenigen, die gegen die Kommissionspläne

sind, bedeutende Institutionen

und Interessengruppen. So fordert

neben der EU-Zuckerwirtschaft das Europäische

Parlament, die bestehende Zuckermarktordnung

bis mindestens 2020

Brasilien am Scheideweg

Zucker oder Ethanol – das ist die Frage

Wegen der hervorragenden klimatischen Bedingungen und

der großen landreserven für den Zuckerrohranbau hat die

Welt darauf vertraut, dass der Zuwachs an Zucker und Ethanol,

der für den stetig steigenden Verbrauch benötigt wird, aus

Brasilien kommen wird. Die Expansion der letzten Jahre, die

sich in einer ständig steigenden Anzahl neuer Zuckermühlen

zeigte, scheint derzeit ins Stocken geraten zu sein. In der kampagne

2011 / 12 gingen nur noch fünf neue Mühlen in die Produktion.

■ Die Neuanpflanzungen von Zuckerrohr

wurden aufgrund finanzieller Probleme

um ein Jahr verschoben. Zuckerrohr

ist mehrjährig und wird meist

nach vier bis fünf Jahren der Nutzung

neu gepflanzt.

■ Diese Verschiebung der Neuanpflanzungen

führte zu niedrigeren Erträgen,

Zuckergehalten und schlechterer

Ausbeute.

Brasilien – Weltmarktführer beim

Export

Mehr als 50 % des weltweit exportierten

Zuckers stammt aus Brasilien (siehe Grafik

2). Dies wird sich auch in Zukunft nicht

ändern, denn Länder wie Indien, Thailand

oder Australien exportieren zwar Zucker,

jedoch ist dieser Überschuss von Jahr zu

fortzusetzen. Auch die am wenigsten entwickelten

Länder der Erde, die LDC, und

die Staaten des Afrikanisch-Karibisch-Pazifischen

Raums (AKP-Staaten) sehen ihre

Präferenzen durch die Kommissionsüberlegungen

gefährdet und kämpfen dagegen.

Schließlich stehen auch der Deutsche

und Europäische Bauernverband uneingeschränkt

an der Seite der Rübenanbauer.

Es muss das Ziel der kommenden

Monate sein, mit den vorhandenen guten

Argumenten Überzeugungsarbeit in

Brüssel für das bestehende System zu

leisten. Denn nur mit dessen Fortführung

kann die EU-Kommission ihre Ziele für die

Gemeinsame Agrarpolitik bezogen auf

Zucker realisieren:

■ Nachhaltige Versorgungssicherheit

der EU-Bevölkerung,

■ Stabilisierung der bäuerlichen Einkünfte

und

■ umweltverträgliche Erzeugung und

gesunde Fruchtfolgen.

Dr. Peter kasten

Rheinischer Rübenbauer-Verband e.V.

Jahr schwankend und macht nur einige

wenige Millionen Tonnen aus. So war beispielsweise

Indien in der vergangenen

Kampagne noch Zuckerimporteur. Auch

beim Ethanol spielt Brasilien die Hauptrolle.

Allerdings wird der weitaus größte

Teil in Brasilien selbst verbraucht, da Brasilien

sich von ausländischem Rohöl unabhängig

machen will und die Regierung

daher den Verbrauch von Ethanol auf vielerlei

Weise unterstützt. 2011 fuhr bereits

jedes zweite Fahrzeug mit Ethanol oder

Gemischen, nur noch 50 % mit reinem

Benzin.

Die Expansion stößt jedoch auch an

andere Grenzen. Das Lohnniveau in Brasilien

ist aufgrund der verbesserten wirtschaftlichen

Lage des Landes gestiegen,

die Preise für Stahl und andere Metalle,

zum Beispiel Kupfer für Elektrokabel, die

zur Errichtung neuer Fabriken notwendig

6 | Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L LZ 50 · 2011


Z u c k E R

sind, sind deutlich teurer geworden, der

Zugang zu Krediten ist nicht mehr so einfach

wie vor der Finanzkrise 2008 und die

Zahl der ausländischen Investoren hat

abgenommen. Und auch die Betriebsmittel

für den Anbau von Zuckerrohr, vor allem

Dünger, sind deutlich teurer geworden,

sodass der Vorteil der niedrigen Produktionskosten

für Zucker aus Brasilien

immer geringer wird.

Ein weiterer Grund für die langsamere

Expansion ist die Gesetzgebung. War der

Zugang zu Land bis vor wenigen Jahren

noch relativ unkompliziert, so schaut die

Welt und deren Nichtregierungsorganisationen

heute mehr auf die Umwidmung

von Savanne und Regenwald, auch wenn

Letzterer nicht für das Wachstum von Zuckerrohr

infrage kommt. Für die Zuckerunternehmen

ist Kauf oder Pacht von

Land durch neue Gesetze erschwert worden.

Der Schutz der Umwelt wird auch insofern

ernster genommen, als bis zum

Jahr 2017 das Abbrennen der Zuckerrohrfelder

zur Ernteerleichterung verboten

sein wird. Die bisher übliche Handarbeit

wird wohl vollständig durch die maschinelle

Ernte ersetzt.

Zwickmühle Ethanol

Aufgrund der geringeren Zuckerrohrernte

gerieten die brasilianische Regierung und

die Zuckerrohrindustrie in eine Zwickmühle:

Der steigende Verbrauch zwingt

dazu, einen bestimmten Anteil des Rohstoffes

in die Ethanolproduktion zu schicken.

Aufgrund der Rohstoffknappheit

wurde die Zumischung von Ethanol zum

Benzin zum 1. Oktober 2011 von 25 auf

20 % gesenkt, gleichzeitig hat Brasilien

vor Kurzem den Import von 1 Mrd. l Etha-

T E c h N I k A N B A u B E T R I E B S W I R T S c h A F T M A R k T P o l I T I k A k T u E l l E S

nol bekannt gegeben. In den Boom-Jahren

des Ethanols hat die brasilianische Öl-

Gesellschaft Petrobras mit dem japanischen

Konzern Mitsui eine Gesellschaft

gegründet, die den Bau einer Ethanol-

Pipeline finanziert, die Ende dieses Jahres

in Betrieb gehen soll. Diese Kooperation

ist an die Zusage gebunden, Ethanol aus

Brasilien nach Japan zu liefern.

Um den steigenden Verbrauch von Zucker

weltweit zu decken, wäre ein zusätzlicher

Export von Zucker von 2,0 bis 2,5

Mio. t jährlich notwendig. Sollte Brasilien

als Hauptexporteur dies nicht leisten

können, könnten Indien oder Thailand

einspringen. Motivation für diesen zusätzlichen

Anbau müssten hohe Zuckerpreise

sein. Würde auch eines dieser Länder

teil- oder zeitweise ausfallen, hätte

dies weitreichende Konsequenzen für

den Zuckerpreis.

Was bedeutet dies alles für Europa?

Die EU hat sich mit der 2006 reformierten

Zuckermarktordnung verpflichtet, den

am wenigsten entwickelten Ländern

(LDC) einen Marktzugang zu verschaffen.

Damit ist die EU vom Exporteur zum Importeur

geworden. Aufgrund des hohen

Weltmarktpreises sind die erwarteten

Importe aus den LDC aber weitestgehend

ausgeblieben. Die EU-Kommission hat

kurzfristig mit der Umwidmung einer begrenzten

Menge von Nicht-Quotenzucker

zu Quotenzucker reagiert. Trotzdem kam

es zu Engpässen in der Versorgung. Das

EU-Parlament spricht sich derzeit für eine

Verlängerung der bestehenden Zuckermarktordnung

bis mindestens 2020 aus,

die Kommission will sie bereits 2015 aus-

Grafik 1: Neue Zuckermühlen in Brasilien

2005/06 2006/07 2007/08 2008/09 2009/10 2010/11 2011/12*

*Prognose Quelle: UNICA 2011

laufen lassen. Bleibt zu hoffen, dass die

Politik eine kluge Entscheidung trifft, die

eine verlässliche und planbare Versorgung

des Verbrauchers mit qualitativ

hochwertigem Zucker zu moderaten Preisen

garantiert.

Dr. Willi kremer-Schillings

Pfeifer & langen Jülich

LZ 50 · 2011 Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L | 7

35

30

25

20

15

10

5

0

Grafik 2: Zuckerrohrproduktion in Brasilien 1999 bis 2012

(geschätzt)

700

600

500

400

300

200

100

0

1999/2000

2000/2001

2001/2002

2002/2003

*Schätzung, **Prognose

Die handernte von Zuckerrohr wird in Brasilien

völlig verschwinden, weil bis 2017 das Abbrennen

der Zuckerrohrfelder zur Ernteerleicherung

verboten werden wird. Dann wird es nur noch

eine maschinelle Ernte geben.

Foto: landpixel

2003/2004

2004/2005

2005/2006

2006/2007

2007/2008

2008/2009

2009/2010

2010/2011*

2011/2012**

Quelle: UNICA, Datagro, Rabobank 2011


A k T u E l l E S P o l I T I k

Im Spektrum der als Biogassubstrat angebauten kulturpflanzen

dominiert bisher der Mais. Sowohl aus rechtlichen als auch

aus pflanzenbaulichen und wirtschaftlichen Gründen prüft

man allerdings in steigendem Maße Alternativen zum Mais.

Dabei kommt der Rübe offensichtlich eine besondere Rolle zu.

In Grundlagenversuchen und ersten Praxiseinsätzen bewährte

sie sich als Substratkultur. Eine breitere Einsatzsicherheit und

Akzeptanz sind aber nur durch ein vertiefendes Wissen rund

um den Einsatz von Rüben in Biogasanlagen zu gewährleisten.

Gleichzeitig gilt es, den Einsatz von Rüben im Vergleich zur

hauptsubstratkultur Mais zu beurteilen. Für die landwirtschaftliche

Praxis stellen sich aktuell folgende Fragen:

■ Wie stellt sich für Biogasanlagen der

Einsatz von Rüben im Vergleich zum

Mais dar?

■ Welcher Gasertrag ist mit dem Rübenanbau

im Vergleich zum Maisanbau

zu erzielen, insbesondere auf

Standorten, die für den Maisanbau

grenzwertig sind, wie Sandböden oder

Höhenlagen?

■ Welche Lagerungs- und Aufbereitungstechnik

ist für Rüben am besten

geeignet und wie hoch sind die Lagerverluste?

Diese Fragen werden in den kommenden

zwei Jahren in einem Forschungsprojekt

beantwortet, das der Rheinische Rübenbauer-Verband

durchführt. Es wird

„Die Bedeutung der klimafreundlichenErzeugung

von Bioenergie hat

in Deutschland erheblich

zugenommen. Dabei

spielt die Biogasproduktion

eine zunehmend

wichtige Rolle. Mittlerweile

sind in Deutschland

rund 6 000 Biogas-

Johannes Remmel

anlagen auf landwirtschaftlichen

Betrieben entstanden. In NRW

geht man davon aus, dass bis Ende 2011 voraussichtlich

etwa 500 Biogasanlagen mit einer

installierten elektrischen Gesamtleistung von

200 MW in Betrieb sein werden.

Vornehmlich werden nachwachsende Rohstoffe

in den Biogasanlagen vergoren, wobei 98 % aller

landwirtschaftlichen Anlagen in NRW Mais

einsetzen. Rüben werden bislang nur in Einzelfällen

als Biogassubstrat verwendet. Diese ein-

M A R k T B E T R I E B S W I R T S c h A F T A N B A u T E c h N I k Z u c k E R

Rüben genauso gut wie Mais?

NRW-Landwirtschaftsministerium fördert RRV-Forschungsprojekt zu Biogasrüben

vom nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerium

gefördert.

Um zunächst das Ertragsniveau von

Rüben im Vergleich zu Mais sowohl auf

Gunststandorten als auch auf Grenzstandorten

beurteilen zu können, sollen

auf entsprechenden Standorten Anbauversuche

mit Rüben und Mais durchgeführt

werden. Die erzielten Masse- und

Gaserträge bei Rüben werden mit dem

parallel angebauten Mais verglichen und

daraus Rückschlüsse auf die Wirtschaftlichkeit

des Anbaus und des Sub strats

gezogen.

lagerung und Aufbereitung

Neben Sortenversuchen mit geeigneten

Rüben- und Maissorten an den beschriebenen

Standorten werden Lagerungsversuche

durchgeführt. Dabei werden drei

Aufbereitungs- und Lagerungsvarianten

miteinander verglichen:

■ Lagerung gemuster Rüben in einer Lagune,

■ Silierung ganzer Rübenkörper in einer

Fahrsiloanlage,

■ Lagerung von gebröckelten Rüben mit

CCM oder LKS.

seitige Ausrichtung führt regional zu immer

weiter steigenden Maisanteilen an der Fruchtfolge.

Zunehmende Konflikte mit dem Naturschutz

und abnehmende Akzeptanz in der Bevölkerung

sind die Folge. Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes

sieht vor, dass Mais

zukünftig nur noch 60 Masse-Prozent des Gärsubstrates

ausmachen darf. Aufgrund dieser

Entwicklungen hat die Suche nach alternativen

Fruchtarten, die für den Einsatz in Biogasanlagen

geeignet sind und in eine mehrgliedrige

Fruchtfolge integriert werden können, hohe Priorität.

Bisherige Versuche haben gezeigt, dass sich Rüben

grundsätzlich sehr gut für die Verwendung

als Gärsubstrat eignen. Die enormen Ertragsfortschritte

der letzten Jahre und intensive

Zuchtarbeit versprechen für die Zukunft gute

Chancen. Der Rübenanbau ist zudem seit 150

Jahren in NRW heimisch, die Produktionstechnik

ist bekannt und die Mechanisierung vor-

Foto: agrar-press

handen. Vor dem Hintergrund des absehbaren

Auslaufens der Zuckermarktordnung könnte

der Rübenanbau für Biogasanlagen einen wichtigen

Beitrag zur Stabilisierung des Anbaus in

Nordrhein-Westfalen leisten.

Gerne habe ich deshalb den Vorschlag des Rheinischen

Rübenbauer-Verbandes für ein Versuchsprojekt

zum Einsatz von Rüben in Biogasanlagen

angenommen und die erbetene Unterstützung

zur Verfügung gestellt. Hiermit sollen

insbesondere Fragen geklärt werden, die eine

unmittelbare Bedeutung für die landwirtschaftlichen

Betriebe und deren Anbauentscheidung

haben – von der Wirtschaftlichkeit bis zur Lagerungs-

und Aufbereitungstechnik. Den Ergebnissen

sehe ich mit Spannung entgegen.“

Johannes Remmel

Minister für klimaschutz, umwelt, landwirtschaft,

Natur- und Verbraucherschutz des landes

Nordrhein-Westfalen

8 | Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L LZ 50 · 2011


Z u c k E R

T E c h N I k A N B A u B E T R I E B S W I R T S c h A F T

Die Aufbereitungs- und Lagerungsversuche

werden im Landwirtschaftszentrum

Haus Düsse der Landwirtschaftskammer

NRW durchgeführt. Zentrales Ziel des

Projektes ist es, mehr Sicherheit und Klarheit

über den Einsatz von Rüben in Biogasanlagen

zu gewinnen und eine realistische

Bewertung des Rohstoffs Rübe im

Vergleich zu Mais vornehmen zu können.

Dr. Peter kasten

Rheinischer Rübenbauer-Verband e.V.

landwirtschaftliche Produktionsverfahren werden heute auch

in hinsicht auf ihre Energiebilanz beurteilt. hohe Energiegewinne

lassen sich erzielen, wenn zum Anbau möglichst wenig

Energie verbraucht wird und das Erntegut möglichst viel Energie

enthält. Energiebilanzen dienen auch zur umweltbewertung

des Anbauverfahrens und werden zum Vergleich mit anderen

Rohstoffen für die bioenergetische Verwertung genutzt.

Energiebilanzen für Anbauverfahren ermöglichen

eine Bewertung der Energieeffizienz.

Als grundlegende Größen werden

der Energieaufwand für den Anbau und

der Energieertrag des Ernteguts bestimmt:

Daraus lassen sich Netto-Energiegewinn

und Output / Input-Verhältnis

berechnen.

Der Energiegewinn ergibt sich als Differenz

zwischen Energieertrag und Energieaufwand

und beschreibt, wie effizient

die Anbaufläche genutzt wird. Anbauverfahren

sollten einen möglichst hohen

Energiegewinn und einen möglichst hohen

Flächenertrag aufweisen, weil Ackerflächen

nur begrenzt verfügbar sind und

global der Bedarf an Lebensmitteln, Futtermitteln

und Bioenergie steigt.

Das Output / Input-Verhältnis ist das

Verhältnis von Energieertrag zu Energieaufwand

und beschreibt, wie effizient die

eingesetzte Energie genutzt wird. Auch

das Output / Input-Verhältnis sollte möglichst

groß sein, weil die Nutzung fossiler

„Spätestens seit dem Beschluss

der Bundesregierung

zur sogenannten

Energiewende ist Deutschland

gefordert, alle sinnvollen

Potenziale der Bioenergieerzeugung

zu erschließen.

Dies bezieht zweifellos

die Biogaserzeugung

mit ein. Rüben eignen sich

Bernhard conzen

offensichtlich hervorragend

zur Verwertung in Biogasanlagen. Im Hinblick

auf deren optimalen Einsatz sind allerdings

noch zahlreiche Punkte zu klären, insbesondere im

Vergleich zu Mais als Substratkultur. Sie reichen

von der Frage der jeweiligen Standortvorzüglich-

Energien mit Emissionen und der Verknappung

von Ressourcen verbunden ist.

Bisher wurden Energiebilanzen für

den Zuckerrübenanbau vor allem mit Daten

aus Versuchen berechnet.

Energiebilanzen für die

vielfältigen Anbauverfahren

aus der Praxis

sind hingegen kaum

verfügbar und

wurden erstmals

aus Daten einer

Betriebsbefragung

berechnet.

Datengrundlage

109 Betriebe in allen Anbauregionen

Deutschlands wurden

zum Zuckerrübenanbau 2004 befragt.

Für bis zu drei Rübenschläge je Betrieb

– insgesamt 285 Schläge – wurden

alle Anbaumaßnahmen nach Ernte der

Vorfrucht bis einschließlich der Ernte der

Zuckerrüben erfasst. Die Betriebsleiter

machten auch Angaben zu Ertrag und

Qualität der Rüben.

Auf Basis der Befragung wurde der

Aufwand an Saatgut, Grunddünger, N-

Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Kraftstoff

sowie der Aufwand für Herstellung

und Abnutzung der eingesetzten Maschi-

M A R k T P o l I T I k A k T u E l l E S

keit bis zu Aspekten der Substratlagerung und

-aufbereitung. Mit diesem vom Ministerium geförderten

Forschungsprojekt will der Rheinische Rübenbauer-Verband

die Wissensbasis zum regionalen

Einsatz von Rüben in Biogasanlagen in Kernfragen

so erweitern, dass die Einsatzsicherheit von

Rüben in Biogasanlagen wesentlich vorangebracht

wird. Ich bin überzeugt, dass damit die Bedeutung

der Rübe als Substratkultur für Biogasanlagen in

Nordrhein-Westfalen noch deutlich wachsen

wird.“

Bernhard conzen

Vorsitzender des Rheinischen

Rübenbauer-Verbandes e.V.

Bei der Energiebilanz ganz vorn dabei

Institut für Zuckerrübenforschung untersucht Energieeffizienz der Rübe

nen ermittelt. Alle Aufwendungen wurden

mit Energieäquivalenten energetisch

bewertet, zum Beispiel wurde der Energieaufwand

für Herstellung und Lieferung

von N-Dünger mit 40 MJ je

kg N und damit der Energieaufwand

berechnet.

Für den Energieertrag

wurde der Trockenmasseertrag

aus dem Rübenertragberechnet.

Um unterschiedlicheRübenerträge

und

Zuckergehalte auf

den Schlägen zu berücksichtigen,

wurden

die Rübenerträge auf eine

einheitliche Basis mit 16 % Zuckergehalt

umgerechnet. Der Blattertrag

wurde nicht berücksichtigt. Der Energieertrag

wurde mit dem Brennwert von

17,55 MJ / kg Rüben-Trockenmasse kalkuliert.

Energieaufwand

Der durchschnittliche Energieaufwand

für den Zuckerrübenanbau lag bei 17,3 GJ

je ha. Umgerechnet entspricht das der

Energie von 450 l Heizöl. Da der Zucker-

LZ 50 · 2011 Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L | 9


A k T u E l l E S P o l I T I k

Durch die steigenden

Rübenerträge der

letzten Jahre haben

sich auch die Energiegewinne

pro hektar

erhöht.

Fotos: heinrich

Reineke

rübenanbau von verschiedenen Landwirten

und an verschiedenen Standorten unterschiedlich

gestaltet wurde, gab es zwischen

den einzelnen Schlägen große Unterschiede

im Energieaufwand von 11 bis

36 GJ / ha. Besonders niedrige Energieaufwendungen

ergaben sich, wenn Zuckerrüben

mit geringer Intensität von Bodenbearbeitung

und N-Düngung angebaut

wurden. Hohe Energieaufwendungen ka-

Grafik 1: Anteile verschiedener Betriebsmittel am

Energieaufwand im Zuckerrübenanbau (Mittel von 285 Schlägen)

Grafik 2: Energiegewinn (A) und output / Input-Verhältnis (B)

im Zuckerrübenanbau in Deutschland 2004, 285 Schläge

Energiegewinn GJ/ha

Grunddünger:

P 2 O 5 , K 2 O, CaO

18 %

Stickstoffdünger

34 %

400

350

300

250

200

150

0

A

Maximum

35

30

25

B

Minimum

Saatgut

3 %

Output/Input-Verhältnis

Maschinen

5 %

Pflanzenschutzmittel

8 %

20

15

10

5

0

M A R k T B E T R I E B S W I R T S c h A F T A N B A u T E c h N I k Z u c k E R

Kraftstoff

32 %

men bei Zwischenfruchtanbau, intensiver

Bodenbearbeitung, höherer N-Düngung

und Beregnung zustande.

Wie Grafik 1 zeigt, hatten die Aufwendungen

für Kraftstoff, N-Dünger und

Grunddünger die größten Anteile am

Energieaufwand. Diese Betriebsmittel

wurden im Vergleich zu Saatgut und

Pflanzenschutzmitteln in deutlich größeren

Mengen eingesetzt. Zukünftig sind

deutliche Einsparungen beim Energieaufwand

nur durch geringere Aufwendungen

für Kraftstoff und N-Dünger zu erreichen.

Teilweise kann dazu eine verbesserte

Effizienz von Düngerherstellung und

Maschineneinsatz beitragen, aber auch

eine schlagspezifische Anpassung von

N-Düngung und Bodenbearbeitung.

Energiegewinn und output /

Input-Verhältnis

Auf den untersuchten Schlägen wurden

im Durchschnitt Zuckererträge von

11,5 t / ha und Trockenmasseerträge von

15,1 t / ha erreicht. Daraus wurde für den

Zuckerrübenanbau ein Energieertrag von

durchschnittlich 261,7 GJ / ha berechnet.

Der Energiegewinn lag im Mittel der

Untersuchung bei 244,6 GJ / ha und wurde

wesentlich von der Höhe des Energieertrags

bestimmt. Die Schläge unterschieden

sich deutlich in den Erträgen

und daher auch im Energiegewinn, wie

Grafik 2A zeigt.

Im Mittel betrug das Output / Input-

Verhältnis 15,4. Sowohl der Energieertrag

als auch der Energieaufwand des Anbaus

beeinflussen das Output / Input-Verhältnis.

Deshalb ließen sich hohe Output /

Input-Verhältnisse, zum Beispiel durch

mittlere Energieerträge und niedrige

Energieaufwendungen oder durch hohe

Energieerträge und mittlere Energieaufwendungen,

erreichen. Weil sich die

Schläge vielfältig bei Energieaufwand

und Energieertrag unterschieden, war die

Streuung des Output / Input-Verhältnisses

sehr groß, siehe Grafik 2B.

Bei Zuckerrüben sind durch die Steigerung

der Erträge die Energieerträge erhöht

und durch die Verminderung der

Anbauintensität die Energieaufwendungen

vermindert worden. Die berechneten

Energiegewinne und Output / Input-Verhältnisse

waren daher höher als in Untersuchungen

aus den 1970er Jahren mit einem

mittleren Energiegewinn von etwa

160 und einem Output / Input-Verhältnis

von etwa 6. Energiegewinn und Output

/ Input-Verhältnis des Zuckerrübenanbaus

fielen auch höher aus als bei vielen

anderen Feldfrüchten. Im Vergleich werden

beim Anbau von Winterweizen geringere

Energiegewinne von 80 bis 130 GJ / ha

und Output / Input-Verhältnisse von 7 bis

10 erreicht. Der Anbau von Mais ist mit

Energiegewinnen von 200 bis 280 GJ / ha

und Output / Input-Verhältnissen von

13 bis 20 ähnlich effizient wie der Zuckerrübenanbau.

10 | Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L LZ 50 · 2011

Fazit

Zuckerrüben tragen mit hohen Energiegewinnen

und großen Output / Input-Verhältnissen

deutlich positiv zur Energiebilanz

einer Fruchtfolge bei. Die erhebliche

Steigerung von Energiegewinn und Output

/ Input-Verhältnis in den letzten Jahrzehnten

zeigt, wie Rübenanbauer und

vorgelagerte Teile der Wertschöpfungskette

Zucker die Energiebilanz verbessert

haben. Die ausgeprägte Streuung der Ergebnisse

in der Praxis lässt erahnen, dass

sich zukünftig der Energiegewinn und

das Output / Input-Verhältnis des Rübenanbaus

weiter steigern lassen.

heinrich Reineke

Dr. Nicole Stockfisch

Institut für Zuckerrübenforschung

Göttingen


Z u c k E R

T E c h N I k A N B A u B E T R I E B S W I R T S c h A F T

Die richtige Sorte für das Feld

Sorteneigenschaften gezielt nutzen

Die praktischen Anbauvoraussetzungen für Zuckerrüben können

sehr unterschiedlich sein. Das breite Angebot an Sorteneigenschaften

kommt dem entgegen. Wichtig ist zunächst die

Frage, inwieweit mit der Sortenwahl eine Risikoabsicherung

gegenüber krankheiten und Schädlingen erreicht werden

kann. Erst danach kann die Auswahl anhand der leistungsdaten

von Ertrags- und Qualitätsvergleichen getroffen werden.

2011 beschert wie 2009 Rekorderträge

mit guten inneren Qualitäten. Nach einem

gelungenen frühen Start bei trockenen

Bedingungen überraschte der milde

Sommer besonders auf besseren Böden

mit hohen Zuwachsraten und Spitzenerträgen

im Herbst. Da aber von Jahr zu

Jahr immer wieder mit einem unterschiedlichen

Wachstumsverlauf zu rechnen

ist, werden stets mehrjährige Ergebnisse

für die Sortenbeurteilung herangezogen.

Um auch eine gesicherte Datenbasis

über viele Standorte und beim Krankheits-

und Schädlingsauftreten zu

erhalten, werden die überregionalen Versuche

zugrunde gelegt.

Die Tabellen gliedern sich in die Sortimente

Sortenversuche mit und ohne Rizomaniabefall

(SV-R) mit den im Anbau

Tabelle 1: Schadwirkung von Rübennematoden

Stärkere Schäden möglich

bei …

Befall über 250 Eiern und

Larven / 100 ml

Geringere Schäden möglich

bei …

Befall unter 250 Eier und

Larven / 100 ml Boden

Enge Rübenfruchtfolgen Rüben alle vier Jahre oder weiter

Intensivem Anbau in der Vergangenheit

Keine nematodenbekämpfende

Zwischenfrucht

Geringem Anbau bisher

Intensiver Zwischenfruchtanbau

Warmer, leichter, sandiger Boden Schwerer, feuchter, kalter Boden

Späte Saat, frühe Erwärmung

nach der Saat

Frühe Saat, kühles, feuchtes Frühjahr

Geringe nutzbare Feldkapazität Hohe Wassernachlieferung

Trockene Lagen Feuchte Lagen

Tabelle 2: Welche Spezialsorte beim Auftreten von…?

Rhizoctonia Zystennematoden

Premiere Pauletta

Kühn

Rübenkopfälchen

Syncro,

Premiere

Nauta Adrianna KWS Beretta

Mattea KWS 1) Kristallina KWS 1)

1) zur Probe

Hella

Kepler 1)

beiden Nematodenarten

Nemata

befindlichen Sorten und den SSV-R einschließlich

toleranter und resistenter Spezialsorten

auf Standorten ohne speziellen

Schädlings- oder Krankheitsdruck. Gegenüber

2010 haben im SV-R die Sorten Budera,

Eleonora KWS, Felicita, Klarina, Lessing

und Ruveta das Sortiment verlassen.

Neu hinzugekommen sind die Sorten Arnold,

Adrianna KWS, Belladonna KWS, Isabella

KWS, Ludwina KWS und SY Belana.

Die dreizehn 2011 zugelassenen Sorten

Annika KWS, Artus, Birtha KWS, Britta,

Elaina KWS, Haydn, Julius, Kepler und

Kristallina KWS (beide nematodentolerant),

Mattea KWS und Taifun (beide rhizoctoniatolerant),

Sandra KWS und SY Securita

werden im Sortiment LNS (Leistungsprüfung

Neuer Sorten) an den

Wertprüfungs-Standorten ohne speziellen

Krankheits- und Schädlingsdruck geprüft.

Weitere Sortimente bilden der Sortenversuch

mit nematodentoleranten

Sorten unter Nematodenbefall (SVN) sowie

der Sortenversuch mit rhizoctoniatoleranten

Sorten unter Rhizoctoniabefall

(SV Rh). Auf Befallsflächen mit Rübenkopfälchen

werden neue Sorten hinsichtlich

ihrer Toleranzeigenschaften gegenüber

diesem Erreger beobachtet.

Gesunde Rüben haben Priorität

Immer wieder bereiten im Herbst verdorbene

Rüben Probleme bei der Lagerung

M A R k T P o l I T I k A k T u E l l E S

und Verarbeitung in der Zuckerfabrik. Die

Ursachen können sehr unterschiedlich

sein. Vielfach ist die Späte Rübenfäule,

hervorgerufen durch den bodenbürtigen

Pilz Rhizoctonia solani, die Ursache. Bei

entsprechendem Erregerpotenzial im Boden

oder sehr ungünstiger Bodenstruktur

verursacht dieser Pilz bei anfälligen Normalsorten

tiefreichende Schäden an der

Wurzel bis hin zum Totalverlust. Nach der

frühen und starken Trockenheit 2011 ist

diese Krankheit oftmals erst als Spätbefall

oder nur stellenweise in Erscheinung

getreten. Dort, wo sich befallsbedingt ein

Erregerpotenzial im Boden angesammelt

hat, müssen für den kommenden Rübenanbau

hochtolerante Sorten angebaut

werden, wie zum Beispiel Premiere,

Syncro, Nauta, Mattea KWS oder Taifun.

Zusätzlich muss besonderer Wert auf eine

gute Bodenstruktur gelegt werden.

Darüber hinaus ist zu bedenken, dass

weitere Wirtspflanzen im Anbau, wie

Mais und Feldgras, das Infektionsrisiko

zusätzlich erhöhen können.

2011 mehr Rotfäule

2011 ist auf manchen Feldern Rotfäule

(Rhizoctonia violacea) stärker als sonst

aufgetreten. Die Außenhaut erkrankter

Rüben erscheint rötlich-violett, der Schaden

bleibt aber meist oberflächlich und

LZ 50 · 2011 Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L | 11


A k T u E l l E S P o l I T I k

geht nur selten etwas tiefer in den Rübenkörper.

Der Pilz kann im Boden mehrere

Jahre überdauern und beim nächsten

Rübenanbau erneut Infektionen hervorrufen.

Bisher trat Rotfäule nur sporadisch

oder nur stellenweise auf. Daher hatte

M A R k T B E T R I E B S W I R T S c h A F T A N B A u T E c h N I k Z u c k E R

Tabelle 3: Rizomaniatolerante Sorten ohne Rizomaniabefall – SV-R und SSV-R 2009 bis 2011

Sorten Züchter Rübenertrag

Ertrag und Qualität, relativ Toleranz und Resistenz (Blattkrankheiten)

Zuckergehalt

Standardmelasseverluste

Bereinigter

Zuckerertrag

der Erreger für den praktischen Anbau

nur wenig Bedeutung, sodass keine konkreten

Bekämpfungshinweise oder Sortentoleranzen

bekannt sind.

Bereits bei latenter Belastung mit dem

Rübenzystennematoden Heterodera

Toleranz** Cercospora Mehltau Feldaufgang

Bonituren relativ

58 Versuche ohne Rizomaniabefall, ohne Rhizoctonia- oder Nematodenbefall

Alabama KWS 102,4 97,0 100,8 99,0 –3,2 + 3,1 2,6 99,8 7

William Strube 95,0 102,8 95,0 98,6 –5,1 – 3,4 4,5 99,9 32

Beretta KWS 104,3 98,6 103,4 102,5 –4,0 0 3,3 2,4 100,1 3

Rubens Strube 98,3 101,5 100,8 99,9 –5,9 – 3,6 4,2 100,2 10

anfällige Sorte 99,6 98,8 99,3 98,3 3,3 1,9 98,0 18

Sabrina KWS1) KWS 103,7 100,2 99,9 104,0 –3,6 0 3,7 2,4 101,1 22

Arnold2) Strube 96,9 103,0 94,0 100,6 –3,9 0 3,5 4,1 102,1 24

Lucata Hil 99,3 98,8 104,8 97,7 –3,6 0 2,7 2,6 94,9 5

Benno Strube 102,6 99,8 98,3 102,5 –5,0 – 3,7 4,4 101,2 5

Sporta Hil 98,2 100,5 107,1 98,2 –3,8 0 2,6 2,8 98,1 2

Sophia Hil 100,9 98,9 101,5 99,6 –3,9 0 4,0 3,1 98,9 29

Robinson Strube 100,5 100,5 96,6 101,4 –4,3 0 3,1 4,1 100,8 59

Emilia KWS KWS 99,6 102,7 97,7 102,9 –5,2 – 4,0 3,3 98,0 20

Debora KWS KWS 97,7 102,9 102,3 100,7 –4,9 – 3,9 3,7 99,0 2

Dante Mar 97,2 100,3 108,9 96,9 –2,5 + 2,8 2,7 95,7 10

Lukas Strube 98,3 103,8 95,5 103,0 –5,3 – 3,3 3,9 100,3 25

Schubert1) Strube 99,7 101,6 93,8 102,1 –4,9 – 3,3 3,7 100,7 9

Belladonna KWS (nt) 3) KWS 94,8 103,5 100,1 98,6 –4,4 0 2,9 3,7 98,8 5

Adrianna KWS (nt) 3) KWS 99,0 100,6 101,8 99,6 –4,9 – 3,3 3,6 101,7 6

SY Belana2) Hil 97,2 100,5 104,2 97,4 –1,8 + 2,5 3,2 99,3 41

Ludwina KWS2) KWS 103,1 100,9 104,1 103,8 –3,8 0 4,0 2,2 99,3 8

Isabella KWS (rh) 2) KWS 104,2 100,0 103,2 103,9 –2,2 + 3,3 2,2 99,9 33

34 Versuche ohne und mit Rizomaniabefall, ohne Rhizoctonia- oder Nematodenbefall

Premiere (rh) 4) Strube 90,5 99,1 97,9 89,9 –3,9 0 2,7 4,3 97,2 259

Syncro (rh) 4) Hil 80,9 102,9 111,6 82,9 –3,5 + 2,2 4,7 89,6 16

Pauletta (nt) KWS 98,1 94,2 123,1 90,1 –4,9 0 3,7 4,3 100,4 24

Nauta (rh) Hil 93,4 95,9 113,0 88,2 –2,6 ++ 2,6 4,8 98,1 20

Prestige (rh) Strube 92,6 100,0 102,8 92,5 –5,4 – 3,4 4,0 99,4 69

Santino (rh) Strube 92,1 99,9 99,1 92,1 –4,6 0 3,6 4,7 97,8 10

Berenika KWS 96,2 100,2 109,6 95,9 –1,7 ++ 2,4 2,2 100,0 5

Theresa KWS (nt) KWS 95,4 102,2 103,4 97,6 –5,2 – 3,8 3,4 98,9 48

Jenna KWS (rh) 4) KWS 87,2 100,4 99,7 87,7 –3,5 + 2,9 3,3 98,2 8

Nemata (nr) 5) Hil 91,5 95,0 109,5 85,8 –3,8 + 2,8 3,7 97,0 0

Kühn (nt) 5) Strube 104,3 95,6 102,9 99,1 –7,5 –– 4,4 5,1 102,4 17

Hella (nt) 5) Hil 99,2 97,1 122,7 94,2 –5,6 – 3,6 5,0 100,6 30

Kepler (nt) 6) Strube 101,5 97,8 103,2 98,9 –4,7 0 3,8 3,5 25

Kristallina KWS (nt) 6) KWS 96,5 103,4 94,2 100,6 –3,5 + 2,7 2,9 73

Mattea KWS (rh) 6) KWS 91,6 98,5 105,2 89,6 –4,2 0 3,3 3,5 4

Schosser

Anzahl

/ ha

Relativ 100 = Verrechnungs-Mittel der Sorten Alabama, William, Beretta, Rubens (rh) rhizoctoniatolerant; (nt) nematodentolerant; (nr) nematodenresistent

– – – = sehr anfällig; ** relativer Bereinigter Zuckerertrag-Verlust bei Befall mit Blattkrankheiten (ohne Behandlung); +++ = wenig anfällig

1) Daten 2009 aus LNS 2) 2009 WP S2 und 2010 LNS 3) 2009 LNS + 2010 SSV-R ohne Befall

4) nur 2010 + 2011 im SSV-R 5) 2009 WP Ri2 + S2, Feldaufgang zweijährig 6) 2009 WP Ri1 + S1, 2010 WP Ri2 + S2

schachtii können nematodentolerante

Zuckerrüben deutliche Ertragsvorteile

bringen. Bei stärkerem Nematodenbefall

kann auch der Anbau einer nematodenresistenten

Zuckerrübensorte sinnvoll sein,

da damit gleichzeitig auch der Nemato-

12 | Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L LZ 50 · 2011


Z u c k E R

T E c h N I k A N B A u B E T R I E B S W I R T S c h A F T

Tabelle 4: leistungsprüfung Neuer Sorten ohne Rizomaniabefall – lNS 2009 bis 2011

Sorten Züchter Rübenertrag

M A R k T P o l I T I k A k T u E l l E S

Ertrag und Qualität, relativ Toleranz und Resistenz (Blattkrankheiten)

Zuckergehalt

Standardmelasseverluste

Bereinigter

Zuckerertrag

Toleranz** Cercospora Mehltau Feldaufgang

2011

Bonituren relativ

lNS 34 Versuche ohne Rizomania-, Rhizoctonia- und Nematodenbefall

Alabama KWS 102,8 96,8 101,4 99,2 –4,9 0 3,5 2,6 101,4 0

William Strube 95,6 102,8 95,2 99,1 –5,9 – 3,9 4,8 99,0 55

Beretta KWS 103,1 99,1 102,9 101,9 –3,3 + 3,6 2,4 100,8 9

Rubens Strube 98,5 101,2 100,5 99,9 –5,0 0 3,9 4,5 98,7 15

anfällige Sorte 100,1 98,5 98,8 98,5 3,5 2,0 97,3 23

Julius Hil 101,2 101,4 94,9 103,2 –5,9 – 3,9 4,0 105,5 21

Artus Strube 101,8 100,4 94,8 102,7 –4,3 0 3,4 3,4 104,3 0

Haydn Strube 99,6 102,3 92,6 102,8 –5,4 – 3,7 3,9 103,7 22

Kepler (nt) Strube 101,4 97,7 103,3 98,5 –5,0 0 3,7 3,8 105,9 23

SY Securita Hil 96,8 102,7 101,4 99,7 –5,6 – 2,7 4,7 99,0 46

Britta Hil 104,8 99,2 101,4 103,7 –4,0 + 3,5 2,4 103,9 10

Elaina KWS KWS 97,9 102,9 102,3 100,9 –5,5 – 2,3 2,7 98,5 11

Kristallina KWS (nt) KWS 96,6 103,1 93,8 100,3 –4,2 + 2,5 3,2 99,0 86

Mattea KWS (rh) KWS 90,7 98,8 105,2 89,1 –4,7 0 3,3 4,0 101,1 4

Sandra KWS KWS 106,8 98,9 100,2 105,5 –4,8 0 3,6 3,2 100,8 30

Birtha KWS KWS 98,9 103,8 104,6 102,6 –5,2 0 4,2 3,2 95,7 12

Annika KWS KWS 105,4 100,4 102,3 105,5 –3,3 + 3,5 2,1 101,4 30

Relativ 100 = Verrechnungs-Mittel der Sorten Alabama, William, Beretta, Rubens

(nt) nematodentolerant; (nr) nematodenresistent; (rh) rhizoctoniatolerant

– – – = sehr anfällig; ** relativer Bereinigter Zuckerertrag-Verlust bei Befall mit Blattkrankheiten (ohne Behandlung); +++ = wenig anfällig

denbesatz im Boden stärker reduziert

wird. Informationen über einen möglichen

Befall liefern am ehesten aktuelle

Bodenproben oder Schwadproben vom

letzten Rübenanbau. Falls keine Bodenuntersuchungen

vorliegen, muss anhand

von Standort- und Bewirtschaftungsgegebenheiten

ein mögliches Schadrisiko

abgeschätzt werden (siehe Tabelle 1).

Grundsätzlich ist Nematodenbefall in Rüben

kaum sicher zu erkennen. Im Zweifelsfall

kann probeweise eine nematodentolerante

Sorte streifenweise neben

der angebauten Normalsorte ausgesät

werden. Zeigt sich im Sommer und

Herbst bei der Normalsorte eine geringere

Vitalität oder stärkere Spätverunkrautung,

ist dies ein zuverlässiger Hinweis

auf eine Nematodenbelastung.

Neben dem Ertragsvorteil vermehren

nematodentolerante Sorten im Gegenteil

zu Normalsorten kaum Nematoden. Über

die Fruchtfolge hinweg kommt es sogar

zu einer Nematodenreduktion durch den

zusätzlichen Anbau von Getreide. Die Ergebnisse

der nematodentoleranten Sorten

auf rheinischen Standorten sind in

Tabelle 5 zusammengefasst.

Rübenkopfälchen nur regional

Neben den zystenbildenden Rübennematoden

bedroht auch das freilebende Rübenkopfälchen

(Ditylenchus dipsaci) regional

den Rübenanbau. Nach dem Aufgang

der Rüben wandern die kleinen Älchen

über die Blattachseln in die Pflanzen

ein, wo sie sich bereits bei niedrigen Temperaturen

rasch vermehren können.

Manchmal kommt es zu Blattverdrehungen

oder gar zu Pflanzenausfällen im

Mai. Der Schaden wird aber meist erst ab

Spätsommer sichtbar, wo der mittlerweile

trocken-faule Rübenkopf leicht von der

Wurzel abbricht. Sekundärerreger führen

dann rasch zu weiteren Umsetzungsvorgängen,

die auch den Verlust der unteren

Wurzelhälfte verursachen können. Wird

der Befall rechtzeitig erkannt, muss in Absprache

mit der Zuckerfabrik eine vorgezogene

Lieferung erfolgen, um einem

weiteren Verderb der Rüben zuvorzukommen.

Leider gibt es bisher keine praktikablen

Bekämpfungsmaßnahmen gegen

diesen Schädling. Die einzige Möglichkeit

zur Schadensbegrenzung besteht in der

Auswahl toleranter Sorten, wie zum Bei-

spiel Syncro, Premiere und Beretta. Während

die ersten beiden rhizoctoniatoleranten

Sorten bei gleichzeitigem Rhizoctoniabefall

vorzuziehen sind, empfiehlt

sich die Hochleistungssorte Beretta für

Normalfälle. Kommen gleichzeitig in nennenswertem

Umfang Rübenzystennematoden

auf der Fläche vor, kann auch die

nematodenresistente Sorte Nemata empfohlen

werden.

Rizomaniatolerante Sorten

überwiegen

Rizomaniatolerante Hochleistungssorten

bilden nach wie vor den Hauptteil des

Sortenspektrums. Den größten Anbauumfang

nehmen derzeit die Sorten Beretta,

Lukas und Sporta ein. Neuere Sorten

sind zum Beispiel Ludwina KWS, Robinson

und SY Belana. Ohne besonderen

Schädlings- und Krankheitsdruck können

die Sorten aus den Tabellen nach ihrer

Leistung, dem Bereinigten Zuckerertrag,

Qualität, Blattgesundheit, Feldaufgang

und Schossfestigkeit ausgewählt werden.

Bei dem heutigen, hohen Ertragsniveau

Schosser

Anzahl

/ ha

LZ 50 · 2011 Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L | 13


A k T u E l l E S P o l I T I k

Grundlage der richtigen Sortenwahl sind die

Versuche, in denen die Sorten auf herz und

Nieren geprüft werden.

Fotos: Manfred Steuerwald

muss immer mehr Augenmerk auf ein

ausreichendes Angebot an dem Mikronährstoff

Bor gelegt werden. Gerade

2009 und 2011 trat Bormangel nach früher

und anhaltender Trockenheit selbst

auf tiefgründigen Standorten auf.

Blattgesundheit bleibt wichtig

Cercospora ist die wichtigste Blattkrankheit

bei Zuckerrüben. Sie kann in kurzer

Zeit den gesamten Blattapparat zerstören

und damit den Zuwachs im Herbst gefährden.

Nach der zu kühlen Witterung

im Juni und Juli 2011 konnte sich Cercospora

aber kaum entwickeln. Auf den noch

intakten Blättern fanden sich im Juli bei

den empfindlichen Sorten ein massiver

Mehltaubefall und ab August gesellten

sich zunehmend Ramularia und Rübenrost

hinzu. Letzterer nahm bis zur Ernte

im November noch deutlich zu. Die Sorten

unterscheiden sich in ihrer Anfälligkeit

bei allen Krankheiten mehr oder weniger

deutlich voneinander. Da oft jedoch

mehrere Krankheiten gleichzeitig auf den

Blättern zu finden sind, können die visuellen

Bonituren erschwert sein. Deshalb

werden die Versuche zweifaktoriell

durchgeführt und der Einfluss sämtlicher

Blattkrankheiten in der Stufe mit Fungizidbehandlung

bewertet.

Tabelle 5: Rheinische Sortenversuche unter Nematodenbefall 2009, 2010 und 2011

M A R k T B E T R I E B S W I R T S c h A F T A N B A u T E c h N I k Z u c k E R

In den Tabellen 3 und 4 sind die visuellen

Boniturwerte für die verschiedenen

Krankheiten angegeben (1 = befallsfrei;

9 = Totalbefall). Zusätzlich werden die Ertragsdifferenzen

zwischen Fungizidbehandlung

und unbehandelt festgestellt

und mit dem Durchschnittsertrag der

Verrechnungssorten (mit Fungizidbehandlung)

verglichen. Kleine Differenzen

bedeuten demnach geringere Ertragsverluste

bei Verzicht auf Fungizidbehandlung

(hohe Blattgesundheit) und umgekehrt.

Für den schnellen Vergleich sind

zusätzliche Werte von – – – (sehr anfällig)

bis +++ (wenig anfällig) in der Folgespalte

angegeben. Die eigentliche Sortenleistung

wird jeweils in der Stufe mit Fungizidbehandlung

in den Tabellen angegeben,

entsprechend den praktischen Anbaugegebenheiten.

Seit den 1990er Jahren

haben die Blattkrankheiten weiter an

Bedeutung gewonnen und tolerante Sorten

können helfen, die Blattgesundheit

im Herbst für einen guten Zuwachs zu

erhalten.

Rübenertrag

Bereinigter

Zuckergehalt Standardmelasse-

Zuckerertrag

verluste

relativ

relativ

relativ

relativ

2009 2010 2011 2009 2010 2011 2009 2010 2011 2009 2010 2011

anfällige Sorte 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0

Pauletta 119,1 120,5 113,7 116,6 111,6 108,2 99,3 95,7 97,5 118,3 131,2 124,0

Theresa KWS 110,1 113,2 105,5 112,9 116,2 111,6 102,8 103,3 106,0 109,8 112,3 107,7

Belladonna KWS 104,7 112,5 103,2 111,2 115,9 112,4 105,8 103,5 108,3 103,9 109,2 103,3

Adrianna KWS 109,7 114,5 103,9 111,4 116,1 109,0 101,7 101,8 104,7 105,7 107,6 102,6

Nemata 109,9 111,0 103,4 108,0 96,4 98,5 122,8 112,6

Kühn 121,2 112,4 116,8 111,0 97,8 98,9 111,4 100,8

Hella 119,5 114,1 114,3 112,1 98,8 100,1 136,8 124,5

Kepler 116,1 116,2 100,2 101,6

Kristallina KWS 107,3 116,8 107,7 95,3

GD 5 % 3,7 5,5 5,2 4,1 4,9 5,3 1,3 1,3 1,1 4,3 4,1 3,5

10 Versuche 2009, 8 Versuche 2010 und 7 Versuche 2011

Sortenwahl – wie vorgehen?

Die erste und wichtigste Frage bei der

Sortenwahl ist, ob tolerante oder resistente

Sorten infrage kommen. Rhizoctonia-

oder Ditylenchusbefall können nur mit

Hilfe toleranter Sorten verhindert werden.

Andere Bekämpfungsmaßnahmen existieren

nicht. Wird hier nicht reagiert, sind

Mindererträge und verdorbene Rüben oft

nicht zu vermeiden. Schäden durch die

zystenbildenden Rübennematoden können

am effektivsten durch den Anbau nematodentoleranter

oder -resistenter Sorten

verhindert und damit gleichzeitig der

Befall für den nächsten Rübenanbau reduziert

werden. Ist die Entscheidung für

eine tolerante Sorte gefallen, reduziert

sich bereits deutlich das Auswahlspektrum

an Sorten. Dort, wo kein spezieller

Krankheits- oder Schädlingsdruck gegeben

ist, können Sorten aus dem Normalsortiment

ausgewählt werden.

Wichtigstes Merkmal ist der Bereinigte

Zuckerertrag (BZE), da er dem Geldrohertrag

am nächsten kommt. Die Kombination

mit einem hohen Zuckergehalt

und guter innerer Qualität zur Erzielung

zusätzlicher Qualitätsprämien ist sehr

vorteilhaft. Eine gute Blattgesundheit ist

ebenfalls wünschenswert, damit der erhoffte

Zuwachs im Herbst auch realisiert

werden kann. Gute Saatgutqualität und

geringe Schossneigung der Sorten werden

allgemein vorausgesetzt. Manche bewährte,

gute Sorte wird gewiss wieder

den Weg in den praktischen Anbau finden.

Mit den neu zu wählenden Sorten

kann das Leistungspotenzial noch weiter

gesteigert werden. Das nicht vorhersehbare

Witterungsrisiko sollte Anlass sein,

auf mehrere gute Sorten zu bauen.

Manfred Steuerwald

Rheinischer Rübenbauer-Verband e.V.

14 | Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L LZ 50 · 2011


Z u c k E R

T E c h N I k A N B A u B E T R I E B S W I R T S c h A F T

Praxisnahe Informationen zum Einsatz

von Pflanzenschutzmitteln vermittelte

Dr. Cord Buhre, Institut für Zuckerrübenforschung

(IfZ), Göttingen. Er zeigte, dass

sich die Herbizidapplikation seit 2002

deutlich vom Vorauflauf zu gezielteren

Behandlungen in den Nachauflauf verlagert

hat. In der Regel werden von den Betrieben

drei Herbizidspritzungen im

Nachauflauf durchgeführt. Bei den Unkräutern

unterschied er zwischen häufig

auftretenden und schwer bekämpfbaren

Unkräutern. In beiden Kategorien seien

seit 1996 deutliche Verschiebungen innerhalb

der Unkrautarten zu beobachten.

Zu den häufig auftretenden Unkräutern

zählen in Zuckerrüben Gänsefußgewächse

und Knötericharten. Das Auftreten

der Knötericharten hat sich laut Buhre seit

Beginn der Erhebung von 30 % auf inzwischen

86 % der Zuckerrübenfläche fast verdreifacht.

Innerhalb der Knötericharten

seien der Windenknöterich mit 56 % und

der Vogelknöterich mit 21 % die häufigsten

Unkräuter. Von großer Bedeutung seien

ferner das Klettenlabkraut (45 %), Kamille

(von 16 auf 34 %) und das Bingelkraut,

das von 9 auf 25 % zugenommen

hat. Ausfallraps komme mittlerweile auch

auf 16 % der Flächen vor.

Deutlich zugenommen hätten auch

die schwer bekämpfbaren Unkräuter, wo-

bei auch hier die Knötericharten dominieren.

Vogelknöterich stellt nach Angaben

des Wissenschaftlers mit 14 % die häufigste

Art dar. Schwer zu bekämpfen seien

auch das Bingelkraut auf 16 %, der

Ausfallraps auf 14 % und die Hundspetersilie

auf 10 % der Anbaufläche. Gänsefuß

und Unkrautrüben stellen bereits auf 15

und 10 % der Flächen ein Problem dar.

Die Flächenbehandlungen werden

fast nur im Nachauflauf im Keimblattstadium

der Unkräuter durchgeführt. Deren

Anteil sei seit Beginn der Erhebung von

77 auf 89 % gestiegen. Ein erhöhter Einsatz

von Herbiziden konnte aber nicht

festgestellt werden. Zurückgegangen sei

der Einsatz der mechanischen Unkrautbekämpfung.

Im Jahr 2010 seien nur

noch 8 % der Flächen gehackt worden.

Zugenommen habe seit 1999 auch

das Auftreten von Blattkrankheiten.

2007 hat es laut Buhre einen Höhepunkt

mit 95 % der Rübenfläche erreicht. In der

Regel werde in Deutschland in den meisten

Regionen nur eine Behandlung durchgeführt.

Nur bei starkem Befall werde

mehrfach appliziert. Bei den Krankheiten

dominiert Cercospora beticola, 2008 und

auch 2011 habe auch der Mehltau eine

größere Rolle gespielt. Rost und Ramularia

hätten nur eine untergeordnete Bedeutung.

Insektizideinsätze richten sich laut

Buhre meist gegen Blattläuse. Die mit Insektiziden

behandelte Fläche sei aber

deutlich kleiner als die befallene Fläche.

Dies führte er darauf zurück, dass bereits

viele Auflaufschaderreger, wie Drahtwürmer

und Moosknopfkäfer, über die Saatgutausstattung

ausgeschaltet werden.

Fazit: Die überwiegende Anzahl der Behandlungen

orientiert sich an den vorkommenden

Schaderregern und somit an

den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes.

Der weltweite Anbau viren- und pilzresistenter

Zuckerrübensorten sowie die

Züchtung schädlingstoleranter Sorten

sind für die Ertragssicherung von sehr hoher

Bedeutung. An verschiedenen Standorten

in Europa wird jedoch seit einiger

Zeit eine Überwindung der Resistenz gegen

Rizomania, verursacht durch das Beet

necrotic yellow vein virus (BNYVV), beobachtet.

Als deren Ursache wurden bisher

M A R k T P o l I T I k A k T u E l l E S

Neue Ergebnisse rund um die Rübe

Göttinger Zuckerrübentagung

Die Göttinger Zuckerrübentagung hatte auch in diesem Jahr

wieder viele Interessierte in die universitätsstadt gelockt. Etwa

300 Vertreter der gesamten Wertschöpfungskette Zucker

aus Deutschland und den angrenzenden ländern nutzten die

chance, sich Anfang September über die neuesten Entwicklungen

im Zuckerrübenanbau zu informieren.

Wie winterhart Maschinen

sind, hat sich

in den letzten beiden

Wintern gezeigt. Wie

winterhart die Rübe

ist, daran wird zurzeit

intensiv geforscht.

Foto: Werner Raupert

weder der Virusvektor noch die Interaktion

mit anderen Schaderregern, sondern

virale Mutationen identifiziert. In Gewächshausversuchen

konnte zudem bisher

keine Abhängigkeit der Rhizomaniaresistenz

von der Bodentemperatur nachgewiesen

werden. Da der zugrunde liegende

Mechanismus der verwendeten

Resistenzen bis heute ungeklärt ist, kann

über mögliche Ursachen der Resistenzüberwindung

nur spekuliert werden, berichtete

Dr. Heike Thiel, IfZ.

Nematoden immer ein Thema

Dr. Matthias Daub, Julius Kühn-Institut

(JKI), Elsdorf, beschäftigte sich mit dem

integrierten Nematodenmanagement in

Fruchtfolgesystemen mit Zuckerrüben.

Unabhängig von der Methode ist die Bestimmung

der Populationsdichte sehr arbeitsaufwändig.

Seinen Angaben zufolge

liefern aber neue, effizientere Verfahren

zur Erfassung von Nematoden aus der

Bodenprobe Perspektiven für eine verbesserte

Schadensprognose.

Durch den Anbau von Raps könne das

Vermehrungsrisiko des Rübennematoden

Heterodera schachtii im Vergleich zu Zuckerrüben

deutlich gesenkt werden,

wenn eine rechtzeitige und konsequente

Bekämpfung des Ausfallrapses erfolgt.

Auch der Einsatz nematodentoleranter

Zuckerrübensorten biete eine erhöhte Ertragssicherheit

auf höherem Ertragsniveau.

Raps sei als gute Wirtspflanze für Heterodera

schachtii bekannt. Im Vergleich

zu anfälligen Zuckerrüben könnten sich

an Raps mehr Weibchen und in etwa doppelt

so viele Nachkommen unter gleichen

Bedingungen bilden. Deshalb sei die Integration

von Raps in gemeinsamen Fruchtfolgen

mit Zuckerrüben früher sehr kritisch

betrachtet worden. Mit dem deutlichen

Flächenzuwachs habe Raps jetzt

auch Einzug in Zuckerrübenfruchtfolgen

gefunden. Während Winterraps eine Entwicklung

von zwei bis drei Generationen

von Heterodera schachtii ermögliche,

könnten es bei Zuckerrüben zwischen

Saat und Ernte aufgrund der höheren

Temperatursummen auch drei bis vier

Generationen sein, rechnete Daub vor.

LZ 50 · 2011 Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L | 15


A k T u E l l E S P o l I T I k

Rodeverluste hängen

auch maßgeblich

von der Maschineneinstellung

ab.

Foto: Peter hensch

Bislang sei aber nicht geklärt, ob und

mit welcher Überlebensrate Nematoden

im Raps überwintern können, um ihren

Entwicklungsgang bei wieder einsetzender

Vegetation zu vollenden. Von größerer

Bedeutung sei daher Ausfallraps und seine

Bekämpfung. Während der Abreife und

des Druschs könnten bis zu 300 kg Samen

je ha aus den spröden Schoten fallen und

auf dem Feld bleiben. Die nach der Rapsernte

vorherrschenden höheren Temperaturen

und die intensive Durchwurzelung

durch Ausfallraps üben seinen Angaben

nach auf Heterodera schachtii einen großen

Schlupfreiz aus und führen zu einer

starken Vermehrung. Felduntersuchungen

haben gezeigt, dass die Bekämpfung

von Ausfallraps ab einer Temperatursumme

von 280 °C einsetzen sollte.

Im integrierten Nematoden-Management

kommt es auch auf die richtige Sortenwahl

von Zuckerrüben an. Während

resistente Sorten die Nematoden-Population

verringern können, findet bei den toleranten

Sorten nur eine verminderte

Schadwirkung der Nematoden auf die

Pflanze statt. Dies könnte auf das stärkere

Wurzelwachstum und die erhöhte

Kompensationsfähigkeit des Wurzelsystems

zurückzuführen sein, meinte der Ex-

Feldtag in Wijnandsrade

Am 22. September fand in Wijnandsrade, Niederlande,

ein Feldtag zum Thema Zuckerrübe

statt. organisatoren waren cSV covas, das

niederländische Institut für Zuckerrübenforschung

IRS und die Praktijkonderzoek Plant

& omgeving. Im Feld wurden unter anderem

Rübensorten unter Berücksichtigung von

Resistenz- und Toleranzfragen, Grundbodenbearbeitung,

ein Bodenprofil, Verladetechnik und

Möglichkeiten des Mietenschutzes bei Rüben

M A R k T B E T R I E B S W I R T S c h A F T A N B A u T E c h N I k Z u c k E R

perte. Untersuchungen zur Vermehrung

der Nematoden hätten ferner ergeben,

dass sich die Schädlinge bei niedrigen

Ausgangspopulationen stärker vermehren

als bei hohen.

Der Wissenschaftler konnte ferner

nachweisen, dass eine Verteilung von

Heterodera schachtii auch in Bodentiefen

unterhalb von 30 cm die Regel zu sein

scheint. Bisher hatte sich das Augenmerk

immer nur auf die obere Bodenschicht

konzentriert. Erste Hinweise liefern außerdem

Grund zu der Annahme, dass die

Larven aus dem Unterboden in die Ackerkrume

vordringen, um dort Wurzeln zu

besiedeln.

Nur biologische Bekämpfung

Für die Bekämpfung der Schädlinge stehen

nach dem Wegfall der Nematizide

nur noch biologische Verfahren zur Verfügung.

Geforscht wird laut Daub aber

auch noch in anderen Richtungen. So haben

Forscher nachgewiesen, dass einige

Böden nur eine geringe Reproduktion der

Nematoden zulassen. Dort könnten sich

die Zystennematoden aufgrund bestimmter

mikrobieller Aktivitäten, unter

präsentiert. Auch in den Niederlanden ist der

Frostschutz für Rüben ein wichtiges Thema

aufgrund üblicher kampagnelängen bis in die

letzte Januardekade hinein. Im unterschied zu

fast allen anderen europäischen ländern dürfen

holländische Rübenanbauer keine gefrorenen

Rüben in die Fabriken liefern, ansonsten

drohen empfindliche Preiskürzungen. Die Mietenabdeckung

erfolgt dort von hand. Es wurden

neue Alternativen beim Abdeckmaterial

anderem durch pilzliche Parasiten, nicht

so stark vermehren.

Auch durch die Biofumigation erhofft

sich die Wissenschaft Fortschritte. Hierbei

werden Zwischenfrüchte mit hohen

Glucosinolatgehalten, wie zum Beispiel

weißer Senf, bereits kurz vor der Vollblüte

gehäckselt und in den Boden eingearbeitet.

Bei der Umsetzung des organischen

Materials werden dann Stoffe freigesetzt,

die eine hohe Toxizität gegenüber Nematoden

haben.

Winterrüben in Sicht?

Martin Kirchhoff, Universität Kiel, beschäftigt

sich derzeit intensiv mit der

Winterhärte von Zuckerrüben. Überwinterungsfeldversuche

mit 396 Beta-vulgaris-Herkünften

in acht Umwelten in

Deutschland und Weißrussland haben

deutliche Unterschiede in den Überlebensraten

gezeigt.

Ein Ergebnis des Projektes ist, dass die

beobachtete Winterhärte innerhalb des

Genpools der Zuckerrübe für den Anbau

von Winterrüben unter milden und maritimen

Winterbedingungen ausreichend

ist. Für den Anbau von Winterzuckerrü-

und zur doppelten Abdeckung mit Vlies und

Folie vorgestellt, deren leistung nun in Versuchen

geprüft wird. Sie könnten auch für deutsche

Rübenanbauer interessant sein. Ergänzt

wurden die Felddemonstrationen durch ein

reichhaltiges Informationsangebot von industriellen

Anbietern rund um den Zuckerrübenanbau.

Dr. Peter kasten

16 | Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L LZ 50 · 2011


Z u c k E R

T E c h N I k A N B A u B E T R I E B S W I R T S c h A F T

ben unter kontinentalen Bedingungen

und härteren Wintern reicht die genetisch

vorliegende Winterhärte jedoch

nicht aus. Als genetische Ressourcen zur

Verbesserung der Winterhärte von Zuckerrüben

bieten sich laut Kirchhoff kurzfristig

die winterhärtesten Zuckerrüben

an, langfristig dagegen ausgewählte Formen

der Wildform Beta vulgaris subspecies

maritima.

Die größte Variation der Überlebensraten

fand Kirchhoff bei der Wildrübe. Die

zweitgrößte Variationsbreite wurde in

Mangold beobachtet. Futterrüben und

Rote Beten zeigten ähnliche Variationsbreiten

der Überlebensraten. Die geringste

Variationsbreite wurde in Zuckerrüben

beobachtet. Allerdings zeigten die Zuckerrüben

die höchste durchschnittliche

Überlebensrate für alle Umwelten, gefolgt

von der Wildrübe.

Um die Winterhärte zu verbessern,

muss die vorhandene genetische Variation

innerhalb der Zuckerrüben genutzt

werden. Durch eine Kreuzung mit den

winterhärtesten Pflanzen will man Gene

anreichern, die sich positiv auf die Winterhärte

auswirken. Langfristig könnten

auch Kreuzungen zwischen Zuckerrüben

und genetisch weiter entfernteren Pflanzen

mit ausgeprägterer Winterhärte

durchgeführt werden. Die Einkreuzung

von exotischem Material in Hochleistungsmaterial

könnte jedoch zu reduzierten

Erträgen führen.

Rodeverluste minimieren

Wie Rodeverluste bei Zuckerrüben minimiert

werden können, zeigte Dr. Helmut

Esser, Pfeifer & Langen, auf. Untersuchungen

haben gezeigt, dass die Gesamtverluste

in der Praxis eine erhebliche Streubreite

aufweisen. Unter bestmöglichen Bedingungen

können sie auf etwa 5 % reduziert

werden, in der Summe aller Verlustquellen

können allerdings auch bis zu 30 % Verluste

zum Beispiel durch zu tiefes Köpfen,

Wurzelbruch oder den Verlust ganzer Rüben

entstehen, berichtete Esser. Die Bewertung

mit den momentanen Rübenpreisen

zeigt, dass bereits vermeidbare Verluste

in Höhe von 15 % einen monetären Verlust

von über 300 € / ha ausmachen.

Praxiserhebungen zur Rodequalität

beweisen, dass zum einen die Feldbedingungen

von Bedeutung sind, zum anderen

jedoch der Roderfahrer einen sehr

großen Einfluss auf die Rodequalität und

Verluste hat. An diesem Punkt sollten seiner

Meinung nach Vermeidungsstrategien

direkt ansetzen. Für die Zukunft gelte

es, sowohl Landwirte als auch Roderfahrer

für Verluste zu sensibilisieren. Ein

Schritt in die richtige Richtung ist laut Esser

die stärkere Nutzung der Entblätterungstechnik.

Da die Köpfverluste jedoch

weniger als die Hälfte der vermeidbaren

Verluste ausmachen, müssten auch weitere

Verlustquellen ins Bewusstsein aller

Beteiligten gerückt werden.

Dies beginne bereits bei den Vor- und

Zwischenfrüchten, die einen Einfluss auf

den gleichmäßigen Rübenaufgang, auf

das ebene Saatbett und somit auf das Rübenwachstum

haben. Dies seien wichtige

Grundvoraussetzungen, um am Ende ein

optimales Rodeergebnis zu erzielen.

Durch die Verringerung der Geschwindigkeit

des Rübenroders von 7 auf 5 km / h

könne zudem der Blattanhang auf nahezu

null gesenkt und der Wurzelbruch

deutlich reduziert werden. Von Nachteil

sei, dass hierbei natürlich auch ein etwas

größerer Erdanhang auftreten könne.

Hier müsse ein Mittelweg zwischen den

Varianten gefunden werden.

Der Referent appellierte auch an die

Landwirte, zumindest beim Anroden

selbst vor Ort zu sein, um die Qualität des

Rodens zu überprüfen und den Roderfahrer

gegebenenfalls auf Einstellungsfehler

hinzuweisen. Andererseits sei es wichtig,

die seit der letzten Kampagne durchgeführten

Roderfahrer-Schulungen fortzusetzen,

um die vermeidbaren Rodeverluste

weiter zu senken und die Rodequalität

zu erhöhen.

Beste Rübe ist auch gute

Biogasrübe

Der Rübenertrag hat nicht nur eine große

Bedeutung für die Zuckergewinnung,

sondern zunehmend auch für die Biogaserzeugung.

So setzt sich die Trockenmasse

von Zuckerrüben zu über 95 % aus

leicht umsetzbarer organischer Substanz

M A R k T P o l I T I k A k T u E l l E S

Feldtag des Maschinenrings

Bei schönstem Herbstwetter hatte der Maschinenring

Rheinland West e.V. Mitte Oktober zum Feldtag nach

Eschweiler-Dürwiß eingeladen. Zahlreiche Besucher waren

der Einladung auf die Betriebe von Familie Mock und

Familie Esser gefolgt. Präsentiert wurde nicht nur eine

legendäre Formationsfahrt der sechs Holmer-Roder des

Maschinenrings (siehe Titelbild), sondern auch der Vergleich

zwischen Köpfen, Entblatten und Microtopping,

denn auch Ropa und Grimme waren vor Ort, sodass die

ganze Bandbreite der aktuellen Erntetechnik zu sehen war.

Natascha kreuzer

zusammen. Dies führt zu einer extrem

schnellen Vergärung von Zuckerrüben. Innerhalb

von nur vier Tagen werden 90 %

des Biogases gebildet. Im Vergleich dazu

ist die Umsetzung anderer Substrate, bei

denen der Anteil an Rohfaser deutlich höher

ist, wesentlich langsamer. Silomais

erreicht 90 % Biogasbildung beispielsweise

erst nach 20 bis 25 Tagen. Auch das

Zuckerrübenblatt benötigt mehr Zeit als

die Zuckerrüben selbst und kommt hier

auf einen Vergleichswert von zehn Tagen.

Prof. Dr. Christa Hoffmann (IfZ) hat in

ihren Untersuchungen festgestellt, dass

eine enge Beziehung zwischen dem Biogasertrag

und dem Trockenmasseertrag

der Rübe beziehungsweise dem Zuckerertrag

besteht. Da sich die Sorten selbst

nicht im spezifischen Biogasertrag unterscheiden,

werden laut Hoffmann die besten

Flächenerträge mit Sorten erzielt, die

den höchsten Trockenmasse- und Zuckerertrag

aufweisen. Sorten mit dem höchsten

Zuckerertrag seien daher auch die

besten Rüben für die Biogasgewinnung.

Werner Raupert

LZ 50 · 2011 Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L | 17


A k T u E l l E S P o l I T I k M A R k T B E T R I E B S W I R T S c h A F T A N B A u T E c h N I k Z u c k E R

landtechnik-Schau der Rekorde

Firmen zeigen auf der Agritechnica 2011 viel Neues rund um die Rübe

Die Agritechnica ist das Tor zu den weltweiten Agrartechnik-

Märkten. Mit der Anzahl der Aussteller hat auch die Ausstellungsfläche

um 17 % zugenommen. landwirtschaft ist in und

die Nachfrage nach Agrarrohstoffen nimmt immer mehr zu.

Diese Entwicklung führt zu einem neuen Selbstbewusstsein in

der Agrarbranche – gespeist durch eine deutlich verbesserte

wirtschaftliche Situation. Nicht umsonst machte sich Euphorie

breit. Die Superlative der Boom-Ausstellungen 2007 und 2009

wurden laut Deutscher landwirtschafts-Gesellschaft nochmals

getoppt. hightech hatte auch der Zuckerrübenbereich in halle

2 zu bieten.

Die tragende Säule von Holmer ist die

Terra-Dos-Reihe. 2012 dürfte der 3 000.

Köpfrodebunker (KRB) in einem der 40

Vertriebsländer zum Einsatz kommen. Vor

der aktuellen Kampagne wurde der erste

Richtung Michigan / USA verschifft.

holmer setzt auf neun Reihen

Ausgestellt und im ersten Praxistest war

ein Terra Dos T3 mit neunreihigem Rodeaggregat

und dem 2009 von der DLG prämierten

HR-Roder. Dabei sind die einzelnen

Aggregate modular aufgebaut. Die

Höhenführung ist manuell von der Kabine

individuell einstellbar. Der Aufnahmetisch

ist um eine Walze auf sieben erweitert,

deren Drehzahl stufenlos an die Einsatzbedingungen

anzupassen ist. Das darauf

folgende Siebband (zwischen den

kleine hat auch die köpf-Rode-Gruppe neu überarbeitet – die opticut-

Nachköpfer werden mit pneumatischen Druckzylindern gleichbleibend

in Arbeitsstellung gehalten, die Tasträder zur Tiefenführung sind ebenso

luftdruckgefedert, die Walzenaufnahme ist parallelogrammgeführt.

Durch die Modulbauweise ist der Frontbereich an allen Beetliner-Varianten

gleich.

Vorderrädern) konnte aufgrund platzsparender

Antriebe auf 90 cm verbreitert

werden und soll in absehbarer Zeit auch

zum Standard beim 6-Reiher werden,

denn oft ist das 80-cm-Band der Engpass.

Speziell für mehrreihige, überbreite

Aggregate hat Holmer das Schnellkuppelsystem

EasyConnect entwickelt. Damit

kann vom Fahrersitz aus die Roder-Schleglerkombination

inklusive aller hydraulischen

und elektrischen Leitungen handarbeitslos

an- und abgekuppelt werden.

Auf die Diskussion „Entblatten statt

Köpfen“ hat Holmer mit einem verbesserten

Nach-Köpfsystem reagiert. Das Arbeitsprinzip

ähnelt dem des Micro-Toppers

bei Ropa, heißt aber Exakt-Köpfer

Holmer DynaCut. Ein neuer 520-PS-starker

MAN-Motor (vorher 480 PS) mit Ad-

Blue-Technologie zur Einhaltung der EU-

Abgasnorm treibt die neue Terra-Dos-Generation

an. Sie wird auf der Vorderachse

die neue Reifengeneration für niedrige Innendrücke

und größerer Aufstandsfläche

(Michelin CerexBib) tragen.

Neue 9-reihige köp frodegruppe von holmer mit hR-Rodeaggregaten

für optimale Bodenanpassung der Einzelreihen,

ist leicht und handarbeitslos an- und abzukoppeln

über holmer Easyconnect, ein Schnellkupplungssystem

für sämtliche hydraulischen und elektrischen Anschlüsse.

Der holmer Terra-Dos-9-Reiher ist vor allem für große

Schläge und Schlaglängen gedacht.

Seit vier Jahren hat Holmer auch den

selbstfahrenden Reinigungslader Terra

Felis im Programm, seit zwei Jahren sind

22 Terra Felis 2 mit der 10-m-Aufnahme

und Nachreiniger Holmer VarioCleaner

im Einsatz. Wie alle Maschinen von Holmer

ist die Motor-Steuerung leistungsabhängig

(automotiv). Durch die Abgasrückführung

erübrigt sich beim Terra Felis die

AdBlue-Technologie zum Einhalten der

aktuellen EU-Abgasnorm. Das Gerät ist

optional mit einer Wiegezelle im Überlader

lieferbar.

Von einer Testphase in der Praxis kann

nicht mehr gesprochen werden. Der Terra

Felis 2 ist zu einem ernst zu nehmenden

Konkurrenten im Triumvirat der selbstfahrenden

Reinigungslader-Hersteller

aufgestiegen.

Franz kleine mit neuem konzept

Mit einem neuen Konzept im Full-Liner-

Geschäft eines Rübenerntetechnik-Herstellers

überraschte Kleine die Konkur-

18 | Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L LZ 50 · 2011


Z u c k E R T E c h N I k A N B A u B E T R I E B S W I R T S c h A F T M A R k T P o l I T I k A k T u E l l E S

Der Beetliner Max von kleine mit 40-m³-

Bunker und 510-PS-Motor verzichtet auf ein

Transportband zwischen der Vorderachse –

das erledigen Siebsterne im Rahmen eines

Sense-control-Systems. Die beiden hinterachsen

tragen jeweils Zwillingsbereifung; durch

den Doppelknick ist die Spur um 90 cm zu

verschieben.

renz. Das über viele Jahrzehnte etablierte

Unternehmen nennt dies „Tradition im

neuen Gewand“ und meint damit nicht

nur neue Namen für alte Produkte. Trotz

der schwerpunktmäßigen Erschließung

der Ostmärkte in den letzten beiden Jahrzehnten

wurden für die neuen Zuckerrübenvollernter

und Reinigungslader englische

Ausdrücke gefunden, die auf eine

klare internationale Ausrichtung zielen.

Bei der Beetliner-Serie handelt es sich um

drei komplett neu entwickelte 6-reihige

selbstfahrende Vollernter mit Bunkervolumen

von 18 m³ (Compact), 30 m³ (Large)

und 40 m³ (Max). Der Reinigungslader

mit 10-m-Aufnahme beziehungsweise

Mietenteiler heißt jetzt Cleanliner Mega.

Die bisher bekannten Maschinen SF 10-2

und RL 350 V werden nicht mehr gebaut

und grundlegend neu konzipiert.

Die Beetliner werden von Mercedes-

Motoren mit Leistungen zwischen 428

und 510 PS angetrieben, automotives

Fahren und AdBlue-Technologie inklusive.

Das Köpf-Rode-Aggregat verfügt über einen

Kombiköpfer / -häcksler, die Rodegruppe

ist mit Einzelschwinger und hydraulischer

Steinsicherung ausgestattet.

Der Nachköpfer wurde modifiziert und

basiert auf der Vorgehensweise, dass der

Häcksler noch kurze Stängel an den Rüben

belässt. Das Opti-Cut-System kennt

keine mechanische Druckfeder mehr,

sondern pneumatisch wirkende Druckzylinder.

Selbstverständlich sind Tastkamm-

und Messer-Abstände, Schlegelhöhe, Rodetiefe

von der Kabine aus einstellbar –

wie bei den meisten anderen Herstellern.

Ähnliches gilt bei der automatischen Führung

der Maschine in den Reihen: Der

Taster in Front steuert die Hinterachse,

die Schare sind mit der Vorderachse ver-

bunden. Das hydraulisch angetriebene

Tastrad zur Kontrolle der Rodetiefe ist

ebenfalls pneumatisch gedämpft. Die anschließende

Walzenaufnahme kann

parallelogrammgeführt ausweichen. Die

im Anschluss befindliche Reinigungsstrecke

besteht ausschließlich aus Siebensternen,

also auch unter der Portalachse.

Die Steuerung erfolgt über das eigens

fixierte, vom Fahrer nutzbare Sense-Control,

um Durchsatz und Rodequalität zu

optimieren.

Beet-, clean-, cargoliner

Alle Selbstfahrer sind zukünftig mit neuen

Mauser-Kabinen ausgestattet, die für

Großräumigkeit, Geräuscharmut und

Übersichtlichkeit stehen. Die Beetliner-

Compact-Version ist mit klassischem

Fahrwerk ausgerüstet, die Large- und

Max-Variante mit Doppelknickgelenk,

was den Wendekreis minimiert und spurversetztes

Roden (90 cm) zulässt. Die

Achsen unter den größeren Bunkern tragen

konstant Zwillingsbereifung mit Luftdrücken

unter 2 bar (jeweils 620 / 75R34).

Ausgestellt war auch der Reinigungslader

Cleanliner Mega mit Mietenteiler.

Die neu verfolgte Modulbauweise greift

auch über die Baureihen hinweg, siehe

Kabine, Steuerung, Motor oder Antrieb.

Erstmals sorgt die schwenkbare Antriebseinheit

im Heck für noch mehr Stabilitätsoptimierung

gerade bei ausgefahre-

Der Ropa euro-Tiger V8-4 in 6- bis 9-reihiger Version wurde ebenfalls neu überarbeitet. Eine

Anregung aus der Automobilindustrie wurde aufgegriffen: Der Ropa Distance control Assistant

überwacht den heckraum, ultraschallsensoren an der Seite und hinten helfen dem Fahrer, in Verbindung

mit einer kamera Gefahrenquellen zu erkennen und kollisionen zu vermeiden.

LZ 50 · 2011 Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L | 19


A k T u E l l E S P o l I T I k M A R k T B E T R I E B S W I R T S c h A F T A N B A u T E c h N I k Z u c k E R

Die Euro-Maus 4 ist die Maus mit der breitesten Aufnahme von über

10 m und der größten Standsicherheit. Die Maschine ist mit hebbarer

kabine, Maus-logistik und hochwertiger Software ausgestattet. Mit

Blick auf den Bodendruck wurde die neue Reifengeneration der Vorderachse

(800 / 70R32) mit 1,4 bar luftdruck erfolgreich getestet.

Fotos: Dr. klaus Ziegler (6), Natascha kreuzer (2)

nem Verladearm. Als Option sind auch

Erdverteiler (Walzenreinigung unter der

Kabine) und Wassersprüheinrichtung

wählbar. Für den Zwischentransport auf

dem Feld kann die Erntekette mit dem

neu überarbeiteten Überladewagen Cargoliner

kombiniert werden.

Ropa überarbeitet Maschinen

Ropa steht für selbstfahrendes Roden,

Reinigen und Laden. Die Kompetenz beim

Mausverladen wird mit der Entwicklung

der euro-Maus 4 unterstrichen; diese ist

die Maus mit der breitesten Aufnahme

von über 10 m. Die Konstrukteure haben

dafür die Walzendurchmesser und -abstände

der Aufnahme angepasst. Ansonsten

ist die Maschine ein Paradebeispiel

an Hightech, hebbare Kabine wie bei Kleine,

Maus-Logistik mit Firma Reichhardt,

Software-Ausstattung vom Feinsten. Die

neue AdBlue-Motorentechnologie wird

schon seit 2009 eingesetzt. 10 000 Stunden

Betriebsleistung ist ein Muss.

Der euro-Tiger (V8-4) in 6- bis 9-reihiger

Version wurde ebenfalls neu überarbeitet.

Neben Diesel müssen auch beträchtliche

AdBlue-Mengen für den 612

PS starken MB-Motor mitgeführt werden.

Spannend bleibt generell, wie sich die Betankungslogistik

am Feldrand für beide

genannten Produkte entwickelt. Mit großem

Komfort für den Fahrer können zuverlässig

hohe Kampagne-Rode-Leistung:

bis 1 500 ha sind in Osteuropa keine Seltenheit.

Mit Blick auf den Bodendruck

wurde die neue Reifengeneration der Vorderachse

(800 / 70R32) mit 1,4 bar Luftdruck

erfolgreich getestet. Eine Anregung

aus der Automobilindustrie in Kooperation

mit InMach GmbH und Motec GmbH

wurde aufgegriffen und der sogenannte

Ropa Distance Control Assistant zur Überwachung

des Heckraumes entwickelt. Ultraschallsensoren

an der Seite und hinten

helfen dem Fahrer, in Verbindung mit einer

Kamera Gefahrenquellen zu erkennen

und Kollisionen zu vermeiden.

Die seit 2008 entbrannte Diskussion

um das Entblatten der Zuckerrüben ist

für Ropa entschieden: Nachköpfen mit

dem Micro-Topper ist zum Standard geworden.

Die Entwicklungen im Bereich

Biogas mit der Nawaro-Maus, Rübenreiniger

und -zerkleinerer seien noch am

Rande erwähnt, ebenso wie die konkreten

Überlegungen, wieder einen zweiachsigen

Roder anzubieten.

Grimme setzt auch auf Entblatten

Im Mai feierte Grimme sein 150-jähriges

Bestehen mit dem besten Geschäftsjahr.

Auch die seit 2003 gepflegte Rübenerntetechnik

trägt mittlerweile spürbar zum

Ergebnis bei. Grimme deckt mittlerweile

fast die ganze Vielfalt der Zuckerrübenernte

inklusive Entblattungstechnik ab.

Der Maxtron 620 mit Gurtband-Laufwerk

steht für nachhaltige Boden- und

Erntegut-Schonung. Am Raupenlaufwerk

von Claas wurden breitere Umlenkrollen

angebracht, um die Aufstandsfläche noch

gleichmäßiger zu passieren. Die Motor-

technik (490 PS) wurde ebenfalls auf die

neue EU-Abgasnorm 3 b umgestellt –

2014 steht übrigens der nächste Schritt

(Euronorm 4) an, was natürlich wieder

mit Mehrkosten verbunden ist. Der Maxtron-Bunker

kann optional auf vier Wiegezellen

ruhen; die damit erreichte Gewichtserfassung

kann Bestandteil eines

Online-Logistik-Managementsystems mit

der Zuckerfabrik sein. Für die Gemeinschaftsentwicklung

ISOLOG von Grimme,

arvato systems GmbH und Lacos Computerservice

GmbH wurde die DLG-Silbermedaille

vergeben.

Alle Ernteverfahren können wahlweise

mit dem praxisüblichen Inlinehäcksler FT

300 plus Standardnachköpfer oder mit

dem Hochleistungsentblätterer FM 300

ausgestattet werden. Nach der diesjährigen

Kampagne dürften bundesweit rund

20 000 ha in entblätterter Form geerntet

sein. Viel Praxiserfahrung und Entwicklungsarbeit

floss seit 2008 in diese Technik

ein, um die Standzeiten vor allem der

Gummischlegel in Richtung 400 ha zu erhöhen.

Die erste der beiden gegenläufigen

Wellen trägt eine Kombination aus

kurzen Stahlschlegeln und etwas längeren

Gummi-Noppen auf der Multiwelle,

die zweite nur Gummi-Putzer. Flexibilität

beweist Grimme in Sachen „Rüben

mit / ohne Köpfchen“. Im Programm der

Nachköpfer stehen angetriebene Tellermesser

für extrem verunkrautete Bestände

ebenso wie Exaktköpfer, die nach dem

gleichen Arbeitsprinzip funktionieren wie

Micro-Topper oder DynaCut.

Trotz dieser Produktvielfalt in der Rodetechnik

liebäugelt Franz Grimme mit

einem Full-Liner-Konzept, also auch mit

einer selbstfahrenden Reinigungslader-

Technologie, und das mehr als mit dem

Gedanken, den Bunker am Maxtron zu

vergrößern; eine Quatrac-Version wird es

beim Köpfrodebunker (KRB) nicht geben.

Straßenfahrt und Lenkprobleme im Bestand

gerade mit Oppelscharen sprechen

dagegen. Grimme prüft den Austausch

von Hydraulik-Antrieben mit Elektromotoren,

die nachweislich höhere Wirkungsgrade

und geringeren Installationsaufwand

bedeuten; grundlegende Innovationen

sind nicht vor 2015 zu erwarten.

20 | Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L LZ 50 · 2011


Z u c k E R T E c h N I k A N B A u B E T R I E B S W I R T S c h A F T M A R k T P o l I T I k A k T u E l l E S

Erntetechnik am Rande ihrer eigentlichen

Produktpalette, vor allem Feldspritzen,

zeigten auch Hersteller aus unseren

westlichen Nachbarländern: Agrifac mit

dem bodenschonenden Roder Big Six,

Matrot und Moreau-Herriau.

Säen und Pflegen

Die Kverneland-Gruppe hält in der Rübensätechnik

zwei Produkte bereit: die Einzelkornsägeräte

Vicon Unicorn mit der

elektrischen Antriebsvariante Synchrodrive

sowie von der Tochter Accord die

Monopills S und SE (elektrisch angetrieben)

in 6- bis 24-reihiger Ausführung.

Becker Landtechnik GmbH gehört seit

diesem Jahr zur Kongskilde-Gruppe. Die

Becker-Centra ist eine mechanische Einzelkorn-Sämaschine

mit einer robusten

Parallelogramm-Tandem-Konstruktion.

6-,12- und 18-reihige Geräte sind auch

mit Fingerdruckrolle und in Mulchsaatausrüstung

lieferbar.

Der französische Hersteller Monosem

präsentierte das überarbeitete Einzelkornsägerät

Meca V 4. Drei Varianten von

der Standardausführung über die Tandemversion

bis hin zur Mulchsaataus-

Vorführung in kerken

rüstung mit zwölf oder 18 Reihen sind

wählbar.

Schmotzer zeigte an den bekannten

Einzelkornsägeräten UD 3000 und UD

2000 auch Elektroantriebe, modifizierte

Direkt- und Mulchsaat-Einrichtungen mit

Puma-Druckrollen, und neue Kamerasysteme

zur Steuerung von Hackmaschinen.

Das Programm wird durch angehängte

oder gezogene Pflanzenschutz-Spritzen-

Technik komplettiert, die wiederum auch

mit Hackmaschinen mit Bandspritze

kombinierbar ist.

Spezialisten für mechanische Unkrautbekämpfung

sind auch die Firmen

Forbo-Kress GmbH, Einböck und Carré-

Landmaschinenbau. Nach der Vegetationsperiode

2011 mit den Wirkungsschwächen

von Herbiziden in trockenen

Frühjahren wird der Wert der Hackmaschine

auch im konventionell wirtschaftenden

Betrieb wieder bewusst. Ausschlaggebend

für einen effizienten Einsatz

sind entsprechende Spurführungssysteme

und Hackwerkzeuge. Für beides

ist eine reiche Auswahl geboten, und das

nicht nur in Reihenkulturen.

Horsch entwickelt die Streifenbearbeitung

(Striptill), dabei ist neben den ver-

Das zweiwellige Entblätterungsaggregat FM 300 von Grimme ist in dreijährigem

Praxisein satz verbessert worden. Die erste Welle (oben) ist sowohl

mit Stahlschlegeln als auch etwas längeren Gummischlegeln mit

Noppen versehen. Die zweite Nachputz-Welle trägt grundsätzlich nur

weiche Gummischlegel. Die Standzeiten konnten damit auf rund 400 ha

erhöht werden.

schiedenen Grubbervarianten das neu

entwickelte Einzel-Säaggregat Maestro

erwähnenswert. Konzipiert für Arbeitsgeschwindigkeiten

bis 15 km / h steht die

Eignung für die Rübensaat noch aus.

Dr. klaus Ziegler

Verband Fränkischer Zuckerrübenbauer e.V.

Bei Wind und Regen deckte lohnunternehmer olaf heitmüller aus Mettmann am 6. oktober in kerken

mehrere Rübenmieten vor rund 70 Teilnehmern mit seinem Traktor, Vliesgerät und Vliesteller ab. Michael

Dohrenbusch, RRV-Beiratsmitglied aus krefeld, führte in die Thematik und zeigte sich mit Tim Wischmann,

leiter der landwirtschaftlichen Abteilung der Zuckerfabrik Appeldorn, erfreut, dass nun auch im Gebiet

Appeldorn-Mitte die maschinelle Mietenabdeckung als Dienstleistung angeboten wird. Im Anschluss stellte

Martin van look, landwirtschaftlicher Informationsdienst Zuckerrübe, die biologischen Prozesse in der

Rübenmiete mit Mietenschutz im Vergleich zu einer Miete ohne Vliessschutz dar. Eduard Eich, Rheinischer

Rübenbauer-Verband, führte die wirtschaftlichen und praktischen Vorteile einer frühzeitigen, verbindlichen

Bestellung bei freiwilliger Abdeckung nach der Ernte oder bei Frostaufruf an. hier zahlt der landwirt nur

100 € plus MwSt. je Vliesrolle gegenüber 200 € plus MwSt. für Spätbucher. Für die frühen, verbindlichen

Bestellungen wird das Vlies reserviert. Versuche des Rheinischen Rübenbauer-Verbandes bestätigen die

positive Wirkung der Vliesabdeckung auf Inhaltsstoffe und Verarbeitungswürdigkeit und somit auf den

Deckungsbeitrag der Zuckerrüben. Zu der Veranstaltung hatten der Frostfonds, bestehend aus Rheinischem

Rübenbauer-Verband und Pfeifer & langen, eingeladen. Fotos: Eduard Eich

LZ 50 · 2011 Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L | 21


A k T u E l l E S P o l I T I k M A R k T B E T R I E B S W I R T S c h A F T A N B A u T E c h N I k Z u c k E R

Entblatten, Microtoppen oder köpfen?

Praktische Erfahrungen nach dem ersten Jahr der neuen Kopfbewertung im Rheinland

In den rheinischen Zuckerfabriken konnte man in dieser kampagne

durchaus unterschiede in der köpfqualität feststellen.

Auffällig ist die sehr saubere Arbeit des Entblätterns. Egal ob

große oder kleine Rüben, ob schmaler oder breiter kopfansatz,

alle Rüben sind vollständig von allem Grünen, egal ob Blatt

oder Blattstiele, befreit. Die Ware ist sehr homogen und hinterlässt

einen sehr guten Eindruck. Aufgrund der Vereinbarung,

dass ein sichtbarer köpfschnitt zu sehen sein muss, sollen

diese Rüben mit 4 % kopfanteil bewertet werden. Im Alltag

der Zuckerfabrik ist dies aber nicht immer der Fall, weil die

Schlegel oft einen, wenn auch kleinen, köpfschnitt vortäuschen,

wie er beim Microtoppen entstehen kann. Die Entblätterungstechnik

von holmer konnte nicht überzeugen, wie es

auch auf dem Feldtag des Maschinenrings Rheinland-West zu

sehen war. Wie zu hören war, wird die bisher entwickelte Technik

von holmer nicht weiterverfolgt.

Beim Microtoppen scheiden sich die Geister.

Insgesamt ist die Arbeit gut, leider

gibt es aber auch einzelne Lieferungen,

die nicht überzeugen können. Dies ist immer

dann der Fall, wenn das Köpfmesser

durch die Blattstiele schneidet. Dann bleiben

noch Blattreste an der Rübe. Technisch

bedingt können auch die kleinen

Blätter unterhalb des Köpfschnittes nicht

entfernt werden, weil nicht nachgeputzt

werden kann. Auch kleine Rüben, die direkt

hinter einer großen Rübe stehen,

werden je nach Fahrgeschwindigkeit

knapp oder überhaupt nicht vom Köpfmesser

erfasst. Gerade zu Beginn der

Kampagne – bei der relativ kurzen Zeit

zwischen Roden und Verladen – bot sich

oft ein buntes Bild und es wurde ab und

zu ein Abzug für Blätter gemacht.

Gleicher Tag, gleicher Roder, gleiche Sorte – zwei Einstellungen. Fotos: Dr. Willi kremer-Schillings

Liegen die Rüben längere Zeit in der

Miete und das Blatt welkt mehr und

mehr ab, können die Reinigungsrollen der

Maus dieses welke Blatt packen und es

bleibt mehr davon auf dem Feld. Wird die

Maschine besser eingestellt, wird ein höherer

Anteil an Rüben mehr als notwendig

geköpft. Die Einstellung der Maschine

scheint beim Microtopping schwieriger

zu sein. Offensichtlich gelingt es nicht jedem

Fahrer, aus dieser neuen Technik das

Optimum herauszuholen. Der Vergleich

der Fotos zeigt dies.

Unauffällig war die Köpfqualität der

Roder von Holmer und Kleine. Durch die

Bank konnten die Rüben mit dem Standard-Kopfabzug

von 3 % bewertet werden,

was nicht ausschließt, dass auch mal

eine einzelne Fuhre mit 4 % dabei war.

Die Arbeit der Zwei- und Dreireiher konnte

überzeugen. Einzelne Versuche, mit

diesen Maschinen zu entblättern, gelangen

jedoch nicht.

In dieser Kampagne ist mehr als bisher

über die Köpfqualität diskutiert worden.

Landwirte und Fabrik haben genauer als

sonst hingeschaut, die Ergebnisse

schwanken von sehr gut bis verbesserungswürdig.

Was die Wirtschaftlichkeit

der verschiedenen Verfahren angeht, so

hat dieses Jahr mit seiner ungewöhnlich

trockenen und warmen Witterung über

den gesamten Rodezeitraum sehr verwöhnt.

Außer durch den feinen Staub der

trockenen Erde und den teilweise sehr

harten Boden wurden die Maschinen wenig

gefordert. Von den Rodebedingungen

her hat diese Kampagne sicher Seltenheitswert!

Zahlen zu Spritverbrauch,

Fahrgeschwindigkeit oder Standfestigkeit

der verschiedenen Verfahren liegen nicht

vor. Testergebnisse von unabhängiger

Stelle weisen jedoch nur geringe Unterschiede

auf.

Dr. Willi kremer-Schillings

Pfeifer & langen kG, Werk Jülich

Kinderfest in der Zuckerfabrik Euskirchen

Am 24. September fand das traditionelle

Kinderfest in der Zuckerfabrik Euskirchen

statt. Geladen waren, wie in den Jahren

zuvor, alle Landwirte sowie die Mitarbeiter

der Zuckerfabrik nebst Familien. Bei

sommerlichen Temperaturen folgten

rund 350 Gäste der Einladung und verbrachten

erlebnisreiche Stunden auf

dem Gelände der Zuckerfabrik. Die kleinen

Gäste erfreuten sich bei einer Fahrt

mit dem Kettenkarussell oder bei einem

Kettcar-Rennen zwischen den Strohbal-

len. Zusätzlich standen zum Austoben

der P&L-Kletterturm und eine Hüpfburg

bereit. Weiterhin konnten die Kinder gemeinsam

mit den Erwachsenen eine

Planwagenfahrt über den Rübenhof erleben

und somit den Kampagnebetrieb

hautnah genießen. Die Erwachsenen

konnten das Angebot von Fabrikführungen

wahrnehmen, um aus erster Hand

über die Verarbeitungsprozesse der

Zuckerrübe informiert zu werden.

Frank Schmitz

22 | Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L LZ 50 · 2011


Z u c k E R T E c h N I k A N B A u B E T R I E B S W I R T S c h A F T

constantin Fahlberg entdeckte bereit 1879 den Süßstoff Saccharin, der sich schnell zum „Zucker

der Armen“ entwickelte und aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus sogar zeitweise verboten

wurde.

Fernab von den üblichen Touristenrouten liegt das Zucker-Museum

im Berliner Stadtteil Wedding an der Amrumer Straße.

Im Jahre 1904 gegründet, gehört es mit zu den ältesten Museen

Berlins, und es stellt ein attraktives Ausflugsziel dar. Die Exponate

zeigen eine spannende Geschichte von der urheimat

des Zuckerrohrs in Melanesien bis hin zur modernen Rübenzuckerwirtschaft

in Europa.

Auch chemie- und

Physikbegeisterte

kommen im Zucker-

Museum auf ihre

kosten: So sah ein

Analytik-labor in einer

Zuckerfabrik vor

rund 50 Jahren aus.

Fotos: Annegret

keulen

Dass die Gründung des Zucker-Museums

in Berlin erfolgte, ist kein Zufall, denn

dort wurde Zuckergeschichte geschrieben:

In Berlin entdeckte der Chemiker

und Apotheker Andreas Sigismund Marggraf

1747 den Zucker in der Runkelrübe.

Seinem Schüler Franz Carl Achard gelang

es rund 30 Jahre später, den ersten Rübenzucker

aus Runkelrüben zu gewinnen.

1801 gründete er dann die erste Zuckerrübenfabrik

im schlesischen Cunern. Wie

es damals in den ersten Zuckerfabriken

zuging, wird im Zucker-Museum anhand

eines originalgetreuen Modells einer der

ersten Fabriken dargestellt.

Mit ihren Entdeckungen läuteten Marggraf

und Achard eine Zeitenwende in der

Zuckergeschichte ein, denn bis dato war

Zucker eine sehr

teure Kolonialware.

Zucker galt bis

zirka 1900 als Luxusgut.

„Nur wohlhabende

Bürger

konnten sich Zucker

leisten. Wenn

man den damaligen

Zuckerpreis in

die heutige Zeit

übersetzt, dann

würden zwei Stück

Würfelzucker rund

20 € kosten“, erläu-

M A R k T P o l I T I k A k T u E l l E S

Stolz ist Museumsmitarbeiter Thomas Grothe auch auf dieses Exponat.

Eine chinesische Zuckerrohrmühle, die zwischen 1500 und 1800 gebräuchlich

war.

Mehr als 10 000 Jahre süße Geschichte

Die Pioniere des Rübenzuckers in Bronze: Die Büsten von Marggraf (l.) und Achard schmücken

heute die Eingangshalle des Zucker-Museums.

tert Museumsmitarbeiter Thomas Grothe.

Aufwändig geschmiedete Zuckerhämmer

zum Zerteilen von Zuckerhüten

und edle Zuckerdosen, die im Museum

bestaunt werden können, lassen erahnen,

wie kostbar Zucker in dieser Zeit war.

kolonialzucker von Sklavenhand

Viel Raum widmet das Museum auch einem

düsteren Kapitel in der Zuckergeschichte:

dem Sklavenhandel. Zwischen

10 und 20 Mio. Afrikaner wurden zwischen

1500 und 1850 aus ihrer Heimat in

die europäischen Kolonien in Übersee

verschleppt. Wie die Sklaven auf den

Transportschiffen verfrachtet wurden

LZ 50 · 2011 Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L | 23


A k T u E l l E S P o l I T I k

Diese Schulklasse beschäftigt

sich im Zucker-Museumintensiv

mit einer Schattenseite

der Zuckerwirtschaft:

Zwischen

1500 und 1850 wurden

zwischen 10 und

20 Mio. Afrikaner als

Sklaven verschleppt.

und welchen Strapazen und Gefahren sie

auf den Zuckerrohrplantagen ausgesetzt

waren, all das ist im Museum durch eine

Kombination unterschiedlicher Medien

erlebbar.

In einer weiteren Abteilung stellen die

Museumspädagogen auch die Bedeutung

der Nebenprodukte aus der Rübenzuckerindustrie

dar. Gezeigt werden verschiedene

Futtermittel, wie Melassebriketts aus

dem Iran und aus Bulgarien, ebenso wie

moderne Produkte aus dem nachwachsenden

Rohstoff Zuckerrübe: Dazu gehö-

M A R k T B E T R I E B S W I R T S c h A F T A N B A u T E c h N I k Z u c k E R

ren beispielsweise Farben, Lacke oder

kompostierbare Plastiktüten.

Brücke in die Jetztzeit

Mit ihren Exponaten gelingt es den Organisatoren

der Dauerausstellung auch die

Brücke in die Jetztzeit zu schlagen, so

wird in Form von Modellen beispielsweise

die Rübenernte damals und heute dargestellt.

Anhand dessen lässt sich auch

leicht erklären, welche Vorteile der selbstfahrende

Sechsreiher im Vergleich zum

gezogenen Einreiher bringt und welche

enormen Fortschritte in der Züchtung

von Zuckerrübensorten erzielt wurden.

In einer weiteren Abteilung des Museums

steht der Zuckerkonsum im Vordergrund.

„Wir wollen weg von der generellen

Verteufelung des Zuckerkonsums hin

zu einem verantwortlichen Umgang mit

Stevia-Extrakt als Süßstoff zugelassen

Stevia-Extrakt trägt jetzt eine „E-Nummer“: Die

aus dem Kraut der südamerikanischen Stevia-

Pflanze extrahierten Steviolglycoside reihen sich

seit Anfang Dezember unter der Nummer „E 960“

in die Liste der als Zusatzstoff zugelassenen Süßstoffe

ein. Sie dürfen dann zum Süßen diverser

Lebensmittel eingesetzt werden, etwa für alkoholfreie

Erfrischungsgetränke, Speiseeis, Milchprodukte

und Konfitüren. Vorausgesetzt, die gesetzlich

festgelegten Höchstmengen werden eingehalten.

Damit können Stevia-Befürworter nach langem

Hin und Her zumindest einen Teilerfolg für

sich verbuchen. Reines Stevia-Kraut darf nach wie

vor nicht als Zutat in Lebensmitteln eingesetzt

werden. Das in Südamerika heimische Stevia-

Kraut, aus dem die Glycoside extrahiert werden,

wird wegen seiner stark süßenden Eigenschaften

– es ist rund 300-mal süßer als Zucker – dort seit

jeher verwendet.

Für das reine Kraut ergaben Studien jedoch

Hinweise auf eine mögliche gesundheitsschädi-

ob Pülpe-Briketts aus dem Iran und Bulgarien

oder Melassekleie aus Österreich, das Zucker

Museum zeigt, wie die Pflanzenreste aus der

Zuckerindustrie sinnvoll als Futtermittel verwertet

werden.

diesem Nahrungsmittel“, erläutert Grothe

das Ziel dieses Museumsteils. Demnächst

soll das Zucker-Museum erweitert

werden, denn die Abteilungen der Technischen

Universität Berlin, mit denen sich

das Zucker-Museum derzeit das Gebäude

teilt, werden ausziehen. „Derzeit restaurieren

wir beispielsweise eine Eisdiele aus

den 1950er Jahren, die unsere Ausstellung

ergänzen soll“, verrät der Museumsmitarbeiter.

Das Zucker-Museum auf der Amrumer

Straße 32 ist Teil des Deutschen Technikmuseums

Berlin. Geöffnet ist die Ausstellung

von montags bis donnerstags von

9.00 bis 16.30 Uhr und sonntags von

11.00 bis 18.00 Uhr. Der Eintritt kostet

2,50 € für Erwachsene. Führungen sind

nach telefonischer Voranmeldung möglich

unter Telefon: 030-314 275 74.

Weitere Infos gibt es unter www.sdtb.de /

Zucker-Museum.6.0.html

Annegret keulen

gende Wirkung. Für den Extrakt – die Steviolglycoside

– hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit

(EFSA) dagegen im Januar 2011 eine

Sicherheitsbewertung abgegeben. Danach gilt eine

tägliche Aufnahmemenge von 4 mg Steviolglycoside

pro Kilogramm Körpergewicht als unbedenklich.

Das Problem, das die EFSA nach wie vor sieht:

Konsumieren Erwachsene, insbesondere aber Kinder

große Mengen des süßenden Stoffes, kann dieser

Wert leicht überschritten werden. Etwa bei Erfrischungsgetränken

gilt das als gar nicht so unwahrscheinlich.

Deshalb enthält die Zulassung Höchstmengen,

die strikt eingehalten werden müssen. Der

Rheinische Rübenbauer-Verband sieht die Zulassung

von Stevia gelassen. Nach Ansicht des RRV ist Stevia

eher eine neue Alternative auf dem Süßungsmittelmarkt

als eine Konkurrenz zu Zucker. Dafür seien

die geschmacklichen und technologischen Unterschiede

zu groß. Man werde den Markt aber weiter

beobachten.

24 | Z U C K E R R Ü B E N J O U R N A L LZ 50 · 2011

aid

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine