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pauschaltourismus oder expedition wasseraufbereitung kann den ...

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PAUSCHALTOURISMUS ODER EXPEDITION

WASSERAUFBEREITUNG KANN DEN URLAUB RETTEN

WIEN – Wann immer eine Reise in Gegenden führt, wo der hygienische Standard

fragwürdig ist, kann unsauberes Wasser zum Akutproblem werden. Reisemediziner und

Expeditionsspezialist Dr. Peter Schödl, der mit seinem Seekajak schon in den

entlegensten Winkeln der Welt war, hat für MT die wichtigsten Regeln und Tipps zur

Wasseraufbereitung zusammengestellt.

Zwischen 20 und 70 Prozent der Reisenden, die in Ländern mit niedrigem hygienischen Standard

unterwegs sind, bekommen eine Reisediarrhö. „Auch ein bloßer Wettersturz bei einer Trekkingtour

oder wie es uns schon einige Male bei unseren Seekajakreisen passiert ist – kann einen

Aufenthalt in einer abgelegenen Gegend erzwingen. Und da stellt sich schnell die Frage, wie man

an sauberes Trinkwasser kommt.“

In bis zu 40 Prozent der Fälle erzwingt eine Durchfallerkrankung die Änderung der Reisepläne.

Wobei es einen Unterschied macht, ob man einen Badeurlaub gebucht hat und am Strand relaxen

kann oder ob man mit einer Gruppe bzw. individuell aktiv unterwegs ist und leistungsfähig bleiben

muss. „Gerade bei Gruppenreisen ist es wichtig, dass man eine Ahnung von Wasseraufbereitung

hat. Viele glauben, dass es mit einem Tropfen Chlorlösung getan ist.

Leider stimmt das nicht immer“, weiß Experte Schödl aus Erfahrung. Wasser ist dann sicher, d.h.

trinkbar, wenn die Konzentration von Keimen zu gering ist, um eine Gesundheitsgefährdung zu

verursachen. Zur Desinfektion gibt es nun verschiedene reguläre Methoden:

• Abkochen: Das Wasser sollte mindestens eine Minute mit Blasenbildung kochen (ab 2000

Meter drei Minuten!). Eine einfache Methode, die alle enteropathogenen Keime abtötet

(außer Hepatitis A!). Der Nachteil: Es braucht Zeit und Brennstoff.

• Chemische Desinfektion: Dazu wird Natrium- oder Kalziumhypochlorid ins Wasser

gegeben. Den Chlorgeschmack kann man mit einer Messerspitze Vitamin C/ Liter (nach

der Desinfektion hinzufügen) lindern. Der Nachteil: Kein vollständig sicheres

Desinfektionsmedium für einige Keime wie Gardia und Cyclospora, und auch Eier und

Larven von Parasiten können überleben. Und, „ein ausschließlich Silberionen enthaltendes

Produkt desinfiziert Wasser überhaupt nicht ausreichend!“, warnt der Experte.

• MSR MIOX Purifier: Ein System, welches Elektrolyse mit „Mixed Oxidants“-Technologie

kombiniert. Elektrische Energie wandelt dabei Wasser und Salz in eine extrem wirksame

Lösung um, die Bakterien und Viren, Giardia und Cryptosporidien inaktiviert. Der Vorteil:

ein Gerät in Stiftgröße mit Photobatterie, leicht zu handhaben. „Eine elegante Lösung, die

absolut sicheres Wasser in kurzer Zeit erzeugt“, so Dr. Schödl.

• SODIS „Solar Water Disinfection“: Hier wird die desinfizierende Wirkung von UVA-Licht

der Sonnenstrahlung ausgenützt. Bei genügend langer Bestrahlung werden diverse

Krankheitserreger weitgehend abgetötet. Das Verfahren ist so genial wie einfach: Klare,

durchsichtige, ungefärbte PET-Flaschen werden mit Wasser gefüllt und für sechs Stunden

in die Sonne gelegt (Autodach, Rucksack!). Es gibt auch spezielle faltbare Säcke zu

kaufen. Wichtig ist, dass die Flasche möglich kratzfrei ist. Das SODIS-Verfahren wird in

fast allen Entwicklungsländern der Welt verwendet, denn PET-Flaschen gibt es überall.

Wichtiger Hinweis: Bei über 50 Prozent Bewölkung sollte das Wasser mindestens zwei

Tage lang stehen. Der Trübungsgrad des Wassers sollte gering sein.

• Filtration: Dabei wird Wasser durch eine Membran gepresst, die Keime werden

mechanisch herausgefiltert. Eine einfache Methode, mit der sich relativ schnell relativ

sicheres Wasser herstellen lässt. Nachteile: Bei Keramikfiltersystemen besteht

Bruchgefahr. Und die Methode bietet keinen sicheren Virenschutz! Dr. Schödl empfiehlt

Filtration in Kombination mit chemischer Desinfektion. Und rät: „Machen Sie sich vor der

Reise mit dem Filtergerät vertraut!“ Eine Notvariante im Gelände wäre die Kombination

eines einfachen Kaffeefilters (entfernt Eier und Larven von Parasiten) plus Chlortablette.

Es gibt auch Wasserfilter-Trinkflaschen, die ideal für kleinere Mengen sind. Einige dieser

Flaschen filtern auch Viren.


Für Boot- und Kajakreisen empfiehlt sich ein Gerät zur Wasserentsalzung, das aus Salzwasser

sicheres Trinkwasser produziert. Es besteht aus einem Filter, der mit dem System der

Umkehrosmose arbeitet.

Redakteurin: Dr. Silvana Schwitzer (nach einem Interview mit Dr. Schödl, Vortrag im Rahmen der

reisemedizinischen Tagung 2010 am Flughafen Wien, Vienna International Airport)

www.medventure.at

MMA 2010

Dr. Peter Schödl ist ein erfahrener Reisender: Bei seinen

Touren mit den Seekajaks ist die Aufbereitung von

sicherem Trinkwasser selbstverständlich.

Notfall

Was aber tun, wenn die Desinfektionsmittel ausgehen, das Filtersystem zerbricht, oder man

sonstwie plötzlich in eine „Survival-Situation“ gerät? Dann heißt es, mit natürlichen Materialien

improvisieren! Zum Beispiel, indem man Sand, Holzkohle und ein Stück Stoff („Sari-Filter“) in

einer Plastikflasche schichtet und Wasser durch diesen Filter leitet. Sand entfernt recht effektiv

größere Keime, Eier und Larven.

Holzkohle mindert zusätzlich chemische Kontamination und reduziert auch deutlich Bakterien. Und

dicht gewebtes Textil entfernt ebenfalls größere Keime. „Improvisierte Methoden garantieren zwar

kein sicheres Wasser, mindern aber das Infektionsrisiko durch deutliche Senkung der Keimzahl.“

Artikel online auf www.meindfp.at : http://www.meindfp.at/dynasite.cfm?dsmid=105008&dspaid=887650

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