Reportage Haus Siegrist im Magazin "Traumhaus" - Müller ...

arch.ch

Reportage Haus Siegrist im Magazin "Traumhaus" - Müller ...

28 traumhaus 01 I 2011


Ein Kleinod

im Wasser

BauEn hEutE

Haus siegrisT, Kriens

«Klein, aber fein und mein.» Das Einfamilienhaus

von Richard und Verena Siegrist lässt sich nicht auf

den ersten Blick als ein solches erkennen. Von der

Strasse her kommend, würde der Besucher den

weissen Kubus eher als ein Atelier einordnen. In

seinem Inneren und mit den beiden offenen Frontseiten

entpuppt sich das Häuschen jedoch als ein

wahres Schmuckstück. Text: Marianne Kürsteiner, Fotos: Tanya Hasler

traumhaus 01 I 2011 29


Oben: Die Küchenkombination hat Richard Siegrist aus 3-mm-Chromstahl selbst zusammengeschweisst. Mit dem Boden aus Pflastersteinen

erscheint die Küche wie aus früheren Zeiten. Rechts unten: Das Wohnzimmer nimmt die gesamte Grundfläche des Erdgeschosses ein.

30 traumhaus 01 I 2011

Richard und Verena Siegrist sind beide in einem kreativen

Beruf tätig. Dazu passend präsentieren sich das Innenleben

und der Garten ihres kleinen Hauses wie eine

Skulptur. Der gelernte Bildhauer Richard Siegrist steckt

nämlich voller Ideen und Tatendrang. So auch bei der

Planung seines Hauses. Das Haus sollte quasi im Wasser

stehen, der Küchenboden mit Pflastersteinen versetzt

werden und von der Küche aus sollte man durch ein

«Aquariumfenster» die Fische des Teiches vorbeischwimmen

sehen. Letzteres wurde zwar noch nicht realisiert,

steht jedoch ganz oben auf der Liste. «Wir haben immer

wieder neue Ideen, die wir umsetzen, das Haus entwickelt

sich und ist im steten Fluss», so die Bauherrschaft.

Ein Projekt für die Zukunft ist ausserdem eine Fassaden-

Verkleidung aus Gras. Im Garten steht bereits schon eine

Metallsäule mit einem vertikalen Grasteppich, der als

Versuchslabor dient.

Kunst kommt von Können

«Als ich dem Architekten eröffnete, ich wolle das gesamte

Innenleben des Hauses selbst gestalten und

umsetzen, dachte er wohl zuerst, ich sei auch so ein

Bastler. Doch dann war er bald überzeugt von meiner

Arbeit», sagt Richard Siegrist nicht ohne Stolz und zeigt

auch sein Album mit Arbeiten, die er als Bildhauer in

den letzten Jahren geschaffen hat. Darunter Grabsteine,

die mit Auszeichnungen geehrt wurden und viel

Können beweisen.

Vor dem Entscheid, nun ein «kleines, aber meines» Haus

zu bauen, hatte das Paar stets in Mietwohnungen gelebt.

«Nachdem wir jedoch in den Mietwohnungen nicht richtig

mitreden konnten, was Renovationen anbetraf, entschlossen

wir uns dann zu diesem Schritt. Das Grundstück

war ein kleiner Teil einer grösseren Parzelle in

Kriens, auf der Architekt Patrick Müller eine Überbauung

plante, und hätte eigentlich ein Atelier werden sollen.»


BauEn hEutE

Haus siegrisT, Kriens

traumhaus 01 I 2011 31


Vom Wohnzimmer führt die Beton-Wendeltreppe hinauf in den Schlafbereich. Ein Bett, ein Schrank, und fertig ist die Einrichtung.

Der Schieferboden zieht sich hier bis in den Badebereich durch.

32 traumhaus 01 I 2011

Als Richard Siegrist das Grundstück entdeckte, sah er

bereits sein Traumhäuschen vor seinem geistigen Auge.

Als Traumlage möchte er es heute zwar nicht mehr bezeichnen,

denn gleich nebenan befindet sich ein grosses

Einkaufszentrum, was bedingt, dass nachts die LKWs

vorfahren und die Anwohner aus ihrem Schlaf reissen.

Trotzdem hat er ein Refugium erschaffen, in dem er und

seine Frau in Zweisamkeit mit den beiden Siamesischen

Katzen zusammen ihre Feierabende geniessen können.

gartenromantik

Von aussen betrachtet, erscheint der weisse Kubus eher

wie ein Atelier denn wie ein Wohnhaus. Im Vorgarten steht

ein von Richard Siegrist selbst erschaffenes Gartenhaus

aus Stahl, dessen Form – eine Stadt auf einem Berg – sich

in und vor dem Haus wiederholt, das heisst, vor der Eingangstreppe

und im Wohnzimmer. Die zwei Front-Seiten

des Hauses sind von einem beschwimmbaren Teich umgeben.

Über den Teich führt eine Stahlbrücke in den

eigentlichen Gartenteil mit Sitzplatz, welcher von Bambuspflanzen

umgeben ist. Von hier aus kann man im Teich

auch die Libellen beobachten und, wenn man Glück hat,

sogar miterleben, wie sich ihre Larven enthäuten.

Eine Treppe aus Stahl führt zur Eingangstür, von wo man

in den Wohnraum gelangt. Dies ist denn auch das einzige

Zimmer dieser Etage. Ein schwarzer Schieferboden und

die zweiseitige Verglasung des Wohnraums zum Weiher

hin prägen diesen stimmungsvollen Raum. Eine runde

Wendeltreppe aus Sichtbeton führt nach unten zur Küche

und nach oben ins Schlafzimmer. Die Küche ist nicht von

ungefähr der Lieblingsort von Verena Siegrist. Die Atmosphäre,

die einen hier erwartet, ist einzigartig und mit dem

Pflastersteinboden erinnert es etwas an Küchen aus früheren

Zeiten. Die Kücheninsel in der Mitte sowie die ge-


«Als Dekorateurin bin ich tagtäglich mit Dekorationen

beschäftigt, da hab ich zuhause eher das Bedürfnis

nach einer kargen Umgebung.» Verena siegrist

samte Küchenkombination hat Richard Siegrist selbst

zusammengeschweisst. Dabei verwendete er 3 mm dicken

Edelstahl, welcher eine trapezförmige Front bildet

und der Küche eine robuste Note gibt.

schlicht und zweckmässig

Im oberen Geschoss sind Badezimmer und Schlafzimmer

untergebracht. Analog zum Wohnzimmer sind auch hier

die Böden aus Schiefer gefertigt, und eine zweiseitige

Verglasung lässt viel Licht in den Raum einfluten. Die

Möblierung ist schlicht und zweckmässig. Ein Bett in der

Mitte des Raumes, eine Art Garderoben-Stahlschrank und

natürlich selbst gefertigte Katzenskulpturen genügen, um

den Raum auszustatten.

«Als Dekorateurin bin ich tagtäglich mit Dekorationen beschäftigt,

da hab ich zuhause eher das Bedürfnis nach

einer kargen Umgebung», so Verena Siegrist.

Von der Entscheidung, etwas Eigenes zu bauen, bis zum

Einzug vergingen neun Monate. Die eigentliche Bauzeit

des Innenraumes und Gartens, welche Richard Siegrist im

Alleingang, vom Plattenlegen bis zum Teich setzen, neben

seiner Halbtagesstelle bewerkstelligt hat, dauerte zweieinhalb

Monate.

Architekt Patrick Müller gestaltete dabei die Aussenmauern

und Fenster. Dabei ist es ihm gelungen, ein Zusammenspiel

zum Nachbargebäude, welches zur Überbauung

des Geländes gehört und ebenfalls durch ihn realisiert

wurde, herzustellen. «Die Zusammenarbeit mit dem Architekten

verlief reibungslos. Er lieferte den Rahmen und die

Bedingungen, in denen wir uns ausleben konnten», beteuert

Richard Siegrist. «Alles wurde pünktlich eingehalten

und verglichen mit den Horrorstorys, die man jeweils von

Bauherren zu hören bekommt, sind wir sehr froh über

diese gelungene Lösung.»

BauEn hEutE

Haus siegrisT, Kriens

traumhaus 01 I 2011 33


Welches waren für sie die grössten Herausforderungen

bei der Planung dieses Hauses?

Die Entstehung dieses Hauses hat eine ganz spezielle

Geschichte und ist eigentlich eher dem Zufall zuzusprechen.

Als wir eine Nachbarparzelle mit einem

9-Familienhaus bebaut hatten, wurden wir vom Besitzer

der Parzelle angefragt, ob wir auch seine Parzelle

mit einem identischen Mehrfamilienhaus überbauen

könnten. Schnell war das Projekt angepasst. Es stellte

sich heraus, dass auf der Parzelle eine Restausnutzung

von 60 m² blieb, welche der Besitzer nicht ungenutzt

lassen wollte.

Eine Vergrösserung des Mehrfamilienhauses kam jedoch

wegen des grossen Aufwandes (planerisch) nicht in

Frage. Somit haben wir einen kleinen Pavillon geplant,

der mit wenig Land z. B. als Büro oder Atelier genutzt

werden könnte. Als die heutigen Besitzer mit der Idee

kamen, den Pavillon zu kaufen, jedoch als Einfamilienhaus

auszubauen, waren wir sofort begeistert. Ist es

doch vermutlich eines der kompaktesten EFH im Zent-

Technische angaben

Konstruktion: Wände UG: Beton | Wände EG:

Backstein | Wände OG: Backstein | Isolation: Aussendämmung

| Fassade: Abrieb raumangebot: umbauter

Raum nach SIA-Norm: 360 m³ | Nettogeschossfläche

SIA-Norm 416: 96 m² | Erdgeschoss: 32 m² |

Obergeschoss: 32 m² | Untergeschoss: 32 m² | Anzahl

Zimmer: 3 ausbau: Wandbeläge: Weissputz |

Bodenbeläge: Schiefer | Decken: Weissputz | Türen:

Metallzargen | Fenster: Holzmetallfenster Technik:

Heizsystem: Bodenheizung mit Wärmeerzeugung

durch Gas

34 traumhaus 01 I 2011

Obergeschoss

Geschäftsleitung Beat,

Patrick und Christian Müller

Beat + Patrick Müller

Büro für Architektur, Innenarchitektur

und Design

www.arch.ch

Erdgeschoss

rum von Kriens. Um zusätzlich Platz zu schaffen, wurde

das UG als bewohntes Geschoss ausgebaut und mit

Fenstern zusätzlich belichtet.

Was waren die architektonischen Highlights?

Es war eine Herausforderung, auf einem 290 m² Grundstück,

aus 60 m² AGF, einen Pavillon zu entwerfen, der mit

90 m² Nutzfläche auskommt und gleichzeitig weder eng

noch einengend wirkt. Kleine Erschliessungsflächen und

funktionale Grundrisse, die Privatsphäre und Lichtführung

verbinden, waren eine fast unlösbare Aufgabe. Bei näherer

Betrachtung wurde jedoch durch die vielen äusseren

Einflüsse und Gegebenheiten der nun bestehende Entwurf

zur Selbstverständlichkeit. Der Entscheid der Käuferschaft,

den Garten fast komplett durch einen beschwimmbaren

Teich zu ersetzen, fand sofort Gefallen und betont

die «Kubenhaftigkeit» des Gebäudes noch mehr.

Wie würden sie ihren architekturstil beschreiben?

Modern.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine