PRAXIS Besser Filmen] Trick 1 Richtig filmen bei Gegenlicht Trick 2 ...

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PRAXIS Besser Filmen] Trick 1 Richtig filmen bei Gegenlicht Trick 2 ...

CLEVERE TRICKS

FÜR KAMERALEUTE

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FOTO: B. RABE, CHIPIMAGES; T. WILLEMSEN, LOKOMOTIV; GETTYIMAGES

Noch nie war Filmen so

einfach wie heute. Aber bei

Dämmerlicht und anderen

Widrigkeiten erreichen die

Automatiken schnell ihre

Grenzen. Wir zeigen,

welche Einstellung Sie

vornehmen müssen, wenn

es darauf ankommt.

Von Martin Biebel

Trick 1 Richtig filmen bei Gegenlicht

r Die Gegenlichttaste gehört zu den wenigen

Knöpfen auf Camcordergehäusen, die

die Hersteller noch nicht wegrationalisiert

oder ins Display-Menü verlagert haben.

Das so genannte »Backlight« dient dazu,

eines der häufigsten Probleme zu lösen, die

beim Drehen in Innenräumen auftreten:

Bei Schwenks wird das Bild sofort drastisch

dunkler, sobald im Hintergrund ein helles

Fenster auftaucht. Die Folge: Gesichter

„saufen ab“, wie der Fachmann sagt.

Woher das kommt? Die Belichtungsautomatik

analysiert das einfallende Licht und

versucht, die Bildhelligkeit auf einen Mittelwert

zu korrigieren. Dominiert im Bild ein

sonnendurchflutetes Fenster, ist es logisch,

dass der Camcorder die Blende schließt. Die

Gegenlichttaste hebt nun die Bildhelligkeit

um einen festen Wert an, meist eine halbe

oder ganze Blende. Natürlich zeigt sich der

1

AUFGEHELLT: Die Gegenlichttaste steigert die

Bildhelligkeit um eine Blendenstufe.

Trick 2 Belichtungsprogramme nutzen

r Mit den AE-Programmen (Automatic

Exposure) können Filmer kreativ arbeiten,

ohne sich gleich dem Risiko komplett manueller

Bedienung auszusetzen. »Spotlight«

etwa hilft, Bühnenszenen belichtungstechnisch

besser in den Griff bekommen. In dieser

Einstellung berücksichtigt die Automatik

nicht den ganzen Bildausschnitt, sondern

konzentriert sich auf den Sänger im gleißenden

Scheinwerferlicht. Die Bühne selbst

bleibt schwarz – so können die Licht effekte

optimal zur Geltung kommen.

PRAXIS Besser Filmen]

Helligkeitssprung im Videobild, sobald die

Taste gedrückt wird. Aber zumindest lässt

sich der Rest der Szene noch verwenden.

Die Gegenlichttaste bietet gute Soforthilfe

in der Not. Schwierige Lichtsituationen

lassen sich jedoch mit einer manuellen

Blendenkorrektur qualitativ besser lösen

(siehe Trick 4).

Manche Camcorder-Automatiken sind

übrigens ab Werk zu hell oder zu dunkel

eingestellt. Da trifft es sich gut, wenn die

Blende die Funktion »AE-Shift« bietet, mit

der sich die Grundeinstellung der Iris ins

Helle oder Dunkle verschieben lässt, ohne

die Automatik als solche abzuschalten.

Achtung: Bei manchen Camcordern bleibt

die Gegenlichtfunktion auch dann noch

aktiv, wenn das Gerät ausgeschaltet und

Tage später wieder eingeschaltet wird. Das

hat schon so manchen Urlaubsfilm ruiniert.

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ABGEDUNKELT: Der Modus »Spotlight« setzt den

Frontmann richtig in Szene.

Ähnlich wie »Backlight« (siehe Trick 1) funktioniert

die AE-Funktion »Sand & Snow«.

Auch hier soll eine dunkle Person vor hellem

Umfeld gefilmt werden. Der Modus

»Porträt« wiederum hebt eine Person vom

Hintergrund ab. Um die Schärfentiefe zu

verringern, öffnet der Camcorder die Blende

möglichst weit. Manche AE-Funktionen

greifen nicht nur in die Blendenautomatik

ein, sondern auch in die Verschlusszeit:

»Sports« verkürzt die Shutter-Zeit, damit die

Einzelbilder der Akteure scharf bleiben.

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[Praxis•Besser Filmen]

Trick 3 Mehr Dynamik durch Zooms

r Manche Amateurfilmer gehen mit dem

Zoom bei laufendem Film auf Motivsuche.

Da wird rangezoomt, erst mal scharf gestellt,

ein kleiner Schwenk, dann wieder zurück. In

ruckelnden Bewegungen, denn das oft zu

klein geratene Zoom-Hebelchen bietet den

schweißnassen Fingern kaum Halt.

Der Zoom ist eine wichtige Gestaltungshilfe,

allerdings sollte er bewusst eingesetzt

werden. Die Veränderung der Brennweite

bringt Spannung in zu ruhige, beschauliche

Einstellungen. Einen Aha-Effekt beim

Zuschauer erzielen beispielsweise Sequenzen,

die zunächst ein kleines Detail zeigen

und sich dann zum Panorama öffnen. Sehr

wirkungsvoll ist das beispielsweise bei Skylines.

Umgekehrt kann der Filmer von der

Gesamtheit auf das Besondere zoomen, et-

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wa von einer Wiese zur Biene auf der Blüte.

Jeder Zoom sollte doppelt gedreht werden:

erst als Hinfahrt, dann als Rückfahrt. Beim

Schnitt am PC freut man sich, wenn man

beide Richtungen zur Auswahl hat. Natürlich

können viele Videobearbeitungs-Programme

die Zoomrichtung auch umdrehen.

Aber das fällt spätestens dann auf, wenn

Fußgänger rückwärts durch den Park rasen.

Übrigens ist auch bei Camcordern der

Digital-Zoom mit Vorsicht zu genießen.

Aktuelle Modelle bieten Rekordwerte von

bis zu 800facher Vergrößerung. Das geht

natürlich auf Kosten der Bildqualität, denn

erstens müssen bei diesem Zoomfaktor

Pixel interpoliert werden, und zweitens

kann dann auch der beste Stabilisator den

Ausschnitt nicht mehr ruhig stellen.

ANSICHTSSACHE: Bei Motiven wie aus »Lawrence von Arabien« ist ein Zoom auf die

Totale Pflicht. Nichts als Hitze, Sand und Einsamkeit.

Trick 4 Kreativ filmen mit manueller Blende

r Für ambitionierte Filmer ist die manuelle

Blende ein wichtiges Gestaltungsmittel, um

die Schärfentiefe zu beeinflussen. Leider ist

sie meist nur bei teureren Camcordern zu

finden, und dort auch nur gut versteckt

unter Bezeichnungen wie »Iris« oder »Exposure«,

manche haben eine eigene Taste.

Ist die Blende geschlossen (Blendenstufe

8, 11 oder 16), stellt die Kamera das Motiv

von vorne bis hinten scharf dar. Wer näher

heranzoomt und die Blende öffnet, provoziert

einen kleinen Schärfentiefenbereich.

Dieser Effekt lässt sich nutzen, um beispielsweise

beim Porträt einen Kopf vor unscharfem

Hintergrund herauszumodellieren. So

kann der Betrachter nicht von Details abgelenkt

werden. Auch gezielte Schärfeverlagerungen

kann der Kameramann mit offener

Blende leichter realisieren.

Das Spiel mit der Schärfentiefe lässt sich

natürlich nur dann spielen, wenn die Kamera

genügend Licht hat: Bei Dämmerung

oder bedecktem Himmel muss die Blende

zwangsweise offen bleiben.

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REKORD: Von allen Consumer-Camcordern bietet der

Panasonic GS35 (ca. 400 Euro) den längsten Zoom –

und eine Brennweite von 35 bis 1.072 Millimeter.

Einkaufstipp: Wer sich einen neuen Camcorder

zulegt, sollte weniger auf den maximalen

Zoomfaktor oder enorme Tele-Wirkung

achten. Viel wichtiger ist eine ordentliche

Anfangsbrennweite – sonst passt bei Innenaufnahmen

nicht mal eine kleine Tischrunde

ins Bild. Viele Hersteller bieten für ihre Modelle

auch Konverter an, welche die Brennweite

nach unten ausbauen. Universal-Konverter

gibt es auch von Händlern wie Hama.

MITTELPUNKT: Ich bin hier der Star! Mit geschlossener Blende

konzentriert sich die Schärfe auf eine Hauptperson.

Spezialeffekt: Die manuelle Blende lässt sich

auch für das im Spielfilm so beliebte „Day

for night“ nutzen: Das Objektiv wird so weit

geschlossen, dass der Eindruck entsteht, die

Szenerie würde nachts spielen. Doch Vorsicht:

Viele Camcorder koppeln die Blende

an die Verschlusszeit (Shutter), um immer

die nötige Belichtung sicherzustellen. Das

gilt vor allem für die Belichtungsart »Blendenvorwahl«.

Nur bei frei einstellbarer

Blende riskiert man keine abgehackten Bewegungen

durch zu kurze Shutter-Zeiten.

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Trick 5 Überbelichtung immer im Griff

r Bei intensivem Sonnenlicht ist die Einstellung

der richtigen Belichtung schwierig.

Die harten Kontraste überfordern die meisten

Aufnahme-Chips, wodurch sehr helle

Objekte kaum mehr Zeichnung aufweisen.

Dummerweise fällt das meist erst auf, wenn

das Filmmaterial am PC gesichtet wird.

WARNUNG: Das »Zebra« zeigt: Ohne manuelle

Korrektur wird der Camcorder die schraffierten

Bildelemente viel zu hell aufzeichnen.

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ZU GRELL? Um die Tropensonne abzumildern,

schalten Regisseure den Graufilter vor.

Trick 6 Helle Bilder ohne Grießeln

r Als die Objektive der Videokameras noch

lichtschwächer waren als heute, konnte nur

eine künstliche Verstärkung der Bildhelligkeit

zu dunkle Szenen retten. Die Funktion

»Gain« lässt sich in Stufen von 3 Dezibel

(dB), 6 dB und 12 dB zuschalten. Bei modernen

Camcordern ist der Gain-Einsatz

nicht mehr nötig, es sei denn, es handelt

sich um kleine Modelle mit winzigen und

damit lichtschwachen Bildwandlern. Bei

Profis ist der Verstärkungseinsatz verpönt,

da er das Bild rauschen erhöht.

Ein Profi müsste nochmal zum Drehort fahren

und die Szene zum zweiten Mal aufnehmen

– eine teure Angelegenheit. Um solche

Patzer zu vermeiden, bieten die meisten

Highend-Camcorder eine Funktion, die sich

»Zebra« nennt. Ist sie aktiviert, schraffiert

das Sucher- oder Displaybild alle Bildpartien

schwarz-weiß, deren Helligkeit einen

bestimmten Wert (beispielsweise 70 oder

100 Prozent) übersteigt. Wenn die Gefahr

einer Überbelichtung besteht, kann der Profi

immer noch einen Graufilter vorschalten,

um das Motiv künstlich abzudunkeln.

Spezialeffekt: Die Zebra-Funktion lässt sich

aber auch kreativ einsetzen, wenn der Filmemacher

beispielsweise Traumszenen oder dramatische

Explosions-Effekte realisieren will.

Dann wird das Zuschalten von »Zebra« zu

einer Art Kontrollmesser für die Intensität

der absichtlichen Fehlbelichtung.

ZWIELICHT: Bei schwachem Licht kann es durch

Verstärkung zu Bildgrießeln kommen.

Bei Dämmerlicht schalten Camcorder eigenmächtig

die Gain-Verstärkung zu. Wer nicht

in die Rausch-Falle der künstlichen Aufhellung

tappen möchte, muss die Verstärkung

kontrollieren, indem er den Data Code in

Sucher und Display einblenden lässt.

Oft sind im TV stark grießelnde Szenen

zu sehen, deren überdeutlich angehobenes

Rauschen den Dokumentations-Charakter

oder eine Ausnahmesituation symbolisieren

soll. Dieser Effekt wird aber erst in der

Nachbearbeitung hinzugefügt.

ANALOGE UND DIGITALE ANSCHLÜSSE

Der Preis eines Camcorders lässt sich auch an der Zahl

der Anschlüsse ablesen. Die Investition in ein gut ausgestattetes

Modell lohnt, wenn Sie keine Kompromisse

bei der Qualität eingehen und sich alle Optionen bei

der Weiterverarbeitung offen halten wollen.

Für den Videoschnitt: Über den digitalen Video-

Ausgang (DV-Out) wandern Videos vom Speicherband

auf den Rechner, wo sie geschnitten und auf DVD

gebrannt werden. Diese Aufgabe übernehmen in

der Regel Firewire-Schnittstellen (auch als iLink

oder IEE 1394 bezeichnet), manche Hersteller bauen

inzwischen auch USB-2.0-Schnittstellen ein.

Masterbänder erstellen: Eine DV-In-Buchse ist für

jeden zu empfehlen, der sein Videomaterial in der

bestmöglichen Qualität als Masterband konservieren

möchte. Über DV-In können die geschnittenen Filme

zurück auf den Camcorder gespielt werden. Auf einer

DVD haben die Filme nur in komprimierter Form Platz,

was mit Informationsverlust einhergeht.

SONDERAUSSTATTUNG: Nur teure Modelle

wie der Canon XM2 (ca. 2.050 Euro) sind mit der

blauen Lanc-Buchse ausgestattet. Sie dient zur

Fernsteuerung des Camcorders.

Camcorder als Videorecorder: Mit einem Analog-

Eingang (AV-In) verwandelt sich ein Camcorder in

einen Digitalrecorder. Camcorder mit DV-In/AV-In

gibt es zum Teil schon in der Einsteigerklasse, etwa

den JVC GR-D270E für rund 380 Euro. Wer keinen

Camcorder mit AV-In besitzt, kann seine analogen

Filme (VHS, S-VHS, Video8, Hi8) immer noch mit

einem DV-Konverter als DV-Signal an den Schnittcomputer

weitergeben – zur Bearbeitung oder als

Vorstufe zum Brennen auf DVD.

Professioneller Ton: Preiswerte Camcorder

zeichnen Ton über das integrierte Mikrofon auf. Mit

der Folge, dass das laute Sirren der Kopftrommel

und Motorengeräusche von Autofokus und Zoom

auch daheim am Fernseher zu hören sind. Zur optimalen

Sound-Produktion gehört deshalb unbedingt

eine Mikrofonbuchse, an die man ein Zusatz- oder

Aufsteckmikrofon anschließen kann.

Eine Buchse für den Kopfhörer-Anschluss ist ge -

nauso wichtig. Nur so lässt sich schon beim Dreh

klären, ob das Mikro funktioniert oder leere Batterien

respektive ein defektes Kabel den Camcorder komplett

stumm schalten. Denn das interne Mikro wird sofort

abgeschaltet, wenn ein Kontakt in der Mikrobuchse

steckt – egal, ob der ein Signal liefert oder nicht. Wenn

Sie die Mikro- oder Kopfhörerbuchse auf Anhieb nicht

finden: Oft müssen sich die Anschlüsse die Buchse mit

der AV-In- oder der AV-Out-Schnittstelle teilen.

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TREND: MENÜ STATT KNÖPFE

Laut Marktforschung wünschen sich Hobbyfilmer

ihren Camcorder klein, leicht und einfach zu bedienen.

Das hat zur Folge, dass sich die Anzahl der

Tasten und Schalter auf den Gehäusen inzwischen

drastisch reduziert hat. Selbst essenzielle Funktionen

wie die manuelle Scharfstellung oder

Belichtung haben Hersteller inzwischen ins Menü

verlagert. Schade eigentlich.

KNOPFARBEIT: Wichtige

Tasten des Profi-Camcorders XL2

von Canon (ca. 4.500 Euro) sind gut

erreichbar im Haltegriff untergebracht.

Versteckte Funktionen: Der Trend zur

Vereinfachung führt paradoxerweise dazu, dass

sich ein Camcorder-Neubesitzer erst mal ins

umfangreiche Menü einarbeiten muss, damit

er im Ernstfall weiß, wo die benötigte Funktion

sitzt. Zu allem Überdruss wurden Modelle älterer

Generationen oft mit englischsprachigem Menü

ausgeliefert – selbst für den deutschen Markt.

Diese Unart ist inzwischen passé. Auch die drögen

Kommandozeilen wurden grafisch aufgemotzt.

Sony hat sich etwas einfallen lassen und seine

Camcorder mit zusätzlichen Tasten ausgestattet –

allerdings mit virtuellen, die auf dem Touchscreen

angezeigt werden. Das hat jedoch einen Nachteil:

Bei starkem Sonnenlicht sind die Buttons auf dem

Bildschirm kaum mehr zu erkennen.

Für Profis: Nur Gehäuse voluminöser Highend-

Modelle werden noch mit vielen Tasten bestückt.

Profis haben es nicht so mit verschachtelten

Menüs, bei ihnen muss es schnell gehen. Sonst ist

die Action vorbei, bis der Filmer den manuellen

Fokus gefunden hat.

KOMFORTABEL: Sony-Camcorder wie der DCR-

HC1000 (ca. 1.450 Euro) werden fast ausschließlich

über den Touchscreen bedient.

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Trick 7 Farbechte Bilder in jeder Situation

r Im Tagesverlauf ändert sich die Farbtemperatur

des Sonnenlichts von wenigen

tausend bis hin zu zigtausend Grad Kelvin.

Unser Gehirn ist in der Lage, diese Unterschiede

zu kompensieren, die Kameratechnik

jedoch nicht. Deshalb gibt es in der

analogen Fotografie Filme für Tages- und

Kunstlicht. In der digitalen Fotografie und

Filmerei sorgt der automatische Weißabgleich

(auch »Whitebalance«) dafür, dass

sich die Farbstimmung trotz ständig wechselnder

Farbtemperatur nicht ändert.

Perfektionisten machen vor jeder Szene

einen voll manuellen Weißabgleich, indem

sie den Camcorder auf ein weißes Blatt

Papier einmessen. Viele Kamera-Model le

erledigen den Weißabgleich jedoch ausschließlich

automatisch. Das gelingt in der

Regel ganz gut, es sei denn, die Dreharbeiten

finden bei Mischlicht statt, etwa bei

7 8

KITSCHIG: Bei einem Sonnenuntergangsfoto ist ein

Rotstich durchaus erwünscht.

Trick 8 Verschlusszeit manuell regeln

r Technisch gesehen entspricht der Shutter

der Verschlusszeit, also der Zeitspanne,

in der das Licht auf den Film durchgelassen

wird. Genau betrachtet gibt es bei digitalen

Camcordern gar keinen Verschlussmechanismus

mehr. Die Angabe bezeichnet jetzt

die Zeitspanne, in der die Ladung des bilderzeugenden

Chips ausgelesen wird.

Die Camcorder-Automatik stellt den

Shutter immer im Verhältnis zur Blende ein.

Im manuellen Betrieb lässt sich dieser Wert

gestalterisch einsetzen. Kurze Verschluss-

Innenauf nahmen. Bei manchen Camcordern

reicht schon ein einfacher Rundumschwenk

im Zimmer, um die Farbstimmung

des Videos sichtbar von kühl nach warm

driften zu lassen. Das lenkt den Betrachter

ab – und zerstört im schlimmsten Fall die

Wirkung einer Szene. Abhilfe schafft die

»Hold«-Funktion, welche die einmal getroffenen

Farbeinstellungen für den Verlauf der

Szene einfriert. Alternativ bieten gut ausgestattete

Kamera-Modelle Festwerte für

Kunst- und Tageslicht.

Tipp: In der Regel sorgt die Weißabgleichautomatik

für ein neutrales, weißes Licht.

Das ist aber nicht immer erwünscht. Um

beispielsweise die warmen Rottöne eines

Sonnenuntergangs zu verstärken, hilft ein

Blick in die AE-Menüs: Wenn es hier eine

»Sunset«-Einstellung gibt, ist diese der

Automatik vorzuziehen.

OHNE KUNSTLICHT: In dunklen Räumen hilft es,

die Shutter-Zeiten zu verlängern.

zeiten (Highspeed-Shutter) empfehlen sich

für Sportaufnahmen, denn Standbild- oder

Zeitlupenwiedergabe („War das wirklich ein

Elfer?“) machen nur Sinn, wenn das Einzelbild

nicht an Bewegungsunschärfe krankt.

Ein Low- oder Slowspeed-Shutter sorgt

durch die Verlängerung der Belichtungszeit

dafür, dass man auch in Museen oder Kirchen

drehen kann. Allerdings darf sich das

Motiv nicht bewegen, und auch Schwenks

sind tabu – es sei denn, man will geisterhafe

Wischsequenzen als Effekt einsetzen.

Trick 9 Mit NightShot & Co. filmen – fast ohne Licht

r Dank Infrarotlicht und Entwicklung empfindlicher

Bildsensoren ist zum Filmen fast

kein Licht mehr nötig. Spezielle 0-Lux-Funktionen

wie »NightShot« bringen selbst da

Details aufs Band, wo alle Katzen grau sind.

Die Resultate erinnern an den Blick durch

ein Nachtsichtgerät: monochrom, grünlich,

verwaschen. Wer den Ratten in seiner Garage

beim nächtlichen Fangen spielen zusehen

möchte, wird daran Gefallen finden. Wer

seine Freundin beim Nachtspaziergang in

einen Zombie mit grasgrüner Hautfarbe und

stechendem Blick verwandelt, wird wohl

weniger Bewunderung ernten. Für Undercover-Dokumentaristen

ist der NightShot

aber gut geeignet. Und gerade unter Jungfilmern

findet das Infrarotfilmen auf Partys

eine ständig wachsende Fangemeinde.

FOTO-PIRSCH: Wer nachtaktiven Tieren auf der Spur ist, kann das geheime

Treiben mit einer Infrarot-Aufnahme dokumentieren.

Trick 10 Bildstabilisator zuschalten

r Der Bildstabilisator (oder Antiwackelsystem)

sorgt dafür, dass extreme Tele-Einstellungen

nicht völlig verwackeln. Rein technisch

gibt es zwei Prinzipien der Stabilisierung:

Beim elektronischen Antiwackelsystem

werden Randbereiche des Aufnahme-Chips

als „Rangierfläche“ zur Korrektur der Zitterwirkung

genutzt. Beim optischen Verfahren

sorgt ein ausgeklügeltes Linsensystem für

den Ausgleich. Da ein optischer Stabilisator

eine voluminösere Konstruktion erfordert,

findet er sich nur bei größeren Modellen.

Um mehr Farbe ins Bild zu bringen, hat Sony

einen »Super NightShot plus« entwickelt,

der das Wärmebild sequenziell zuschalten

kann – mit brauchbaren Ergebnissen:

Die Objekte verlieren bei einsetzendem

Schwachlicht nicht völlig ihre Farbe.

Andere Nachtaufnahme-Funktionen wie

»Colour Night View« versehen Objekte mit

geisterhaften Nachziehstreifen. Bei diesen

Systemen wird lediglich der Shutter auf

1/12 oder 1/6 Sekunde verlängert. Standbilder,

beispielsweise in dämmrigen Museen,

wirken damit überzeugend.

Tipp: Die goldene Regel heißt trotz aller

Nachtaufnahme-Schaltungen noch immer:

Beleuchten Sie das Motiv. Mehr als 100 Lux

sollten es schon sein; das entspricht einer

klassischen Esszimmerbeleuchtung.

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War früher ein optischer Stabilisator dem

elektronischen Pendant vorzuziehen, trifft das

heute nur bedingt zu: Auch mit elektronischem

Bildstabilisator lassen sich ruhige Bilder

erzielen. Hochauflösende Chips reduzieren

hier den früher kritisierten Schärfeverlust.

Schlechte Bildstabilisatoren entlarven

sich übrigens dadurch, dass sie am Ende

eines Schwenks noch etwas „nachlaufen“.

Und beim Zoomen oder bei wenig Licht

funktionieren manche der minderwertigeren

Varianten ebenfalls nicht.

PRAXIS Besser Filmen]

3 x FILMEN FAST OHNE LICHT

GANZ NAH RAN: Für extreme Tele-Einstellungen ist ein Stativ Pflicht.

Der Bildstabilisator bietet sich nur als zweitbeste Lösung an.

ANTI-WACKEL-HILFE:

Bei Einsteiger-Camcordern

wie dem JVC D270 (ca. 380

Euro) sorgt ein elektronischer

Bildstabilisator für

scharfe Bilder.

COLOR NIGHT-

VIEW: Bei verlängerter

Shutter-Zeit kann

das Ergebnis leicht

unscharf wirken.

NIGHTSHOT:

Dank der Infrarot-

Funktion sind Details

selbst bei 0 Lux gut

zu erkennen.

SUPER NIGHT-

SHOT PLUS: Der

weiterentwickelte

NightShot berücksichtigt

auch die

Wärmestrahlung.

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Achtung: Beim Filmen mit Stativ sollte der

Bildstabilisator auf jeden Fall deaktiviert

werden (Vorsicht: Im Automatik-Modus ist

er oft standardmäßig mit von der Partie!).

Sonst kommt es zu unschön ruckelnden

Bildern, wenn sich der Stabilisator beim

Schwenk gegen die vermeintlichen Verwacklungen

stemmt.

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