Reisebericht - Fishermen Travel Club, Zürich

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Reisebericht - Fishermen Travel Club, Zürich

URLAUB & ABENTEUER

Alaska

Petrus’ Paradies

Drei Männer, drei Würfe, drei Fische

-- unglaublich!“ schwärmt

PeWe, als wieder alle Ruten

zum Zerbersten gespannt sind und

die Bremsen kreischen. Die gehakten

Lachse rasen an uns vorbei -- mal

links, mal rechts. Messerscharf durchschneiden

die Schnüre die Wasseroberfläche,

bis die silbernen Torpedos

sie selbst durchpferchen. Das Wasser

spritzt in alle Richtungen, und man

verliert fast den Überblick, welchen

Fisch man denn nun gerade drillt.

Ernst dirigiert seinen Silberlachs als

Erster zum Boot. Blitzschnell löst er

den Haken des Spinners und schenkt

dem etwa 12-pfündigen Salm die Freiheit.

Ein Schwanzschlag -- weg ist er!

Bevor PeWe und ich unsere Fische bändigen

können, wirft Ernst erneut aus.

76 FISCH & FANG 12/2006

Weit, wild und wahnsinnig fängig:

MARKUS HEINE entdeckte 10.000 Kilometer

von zu Hause entfernt den Garten Eden

für Angler.

Mitten im Fisch: PeWe, Stefan und Ernst (v. l.)

drillen gleichzeitig drei stramme Silberlachse.

Ein gewohntes Bild am Nushagak.

Der neongelbe Vibrax klatscht auf die

Oberfläche. Eine Kurbelumdrehung,

Biss! „Herrlich -- wieder ein Lachs!“

freut sich Ernst. „Göttlich!“ huscht es

über PeWes Lippen, ich schüttele ungläubig

den Kopf.

Schauplatz dieses Beißkonzerts ist

der Nushagak-River in Alaska. Zusammen

mit dem schweizerischen Angelreiseveranstalter

Peter Werner „PeWe“

Wilhelm starte ich Mitte August zu einer

zweiwöchigen Rundreise durchs

mir bisher fremde Alaska. Unser erstes

Ziel: die Salmon Paradise Lodge bei

Ekwok. Sie wird von der österreichischen

Familie Esletzbichler betrieben

und liegt direkt am Nushagak, mitten

in der Wildnis. Schon während unseres

Anflugs von Dillingham fesselt mich

die unbeschreibliche Weite dieses Lan-

des. In welche Himmelsrichtung man

auch blickt, die alaskanische Tundra

zieht sich über tausende Meter bis

zum Horizont.

Herzlich heißt uns Familie Esletzbichler

im Lachs-Paradies willkommen.

Mutter Gunda, Vater Ernst, Sohn

Stefan und die jugendliche Katy nehmen

uns für gut eine Woche im Kreise

ihrer Familie auf. Diese persönliche

Athmosphäre wird bei den Esletzbichlern

groß geschrieben. Das Gefühl,

„dazu zu gehören“, vermitteln sie auf

wunderbare Weise. Man isst, lacht, angelt

-- ja, man lebt einfach zusammen.

„Wir haben dieses Jahr einen phänomenalen

Silberlachs-Aufstieg“, steigert

Stefan unsere Vorfreude aufs Angeln.

„Was meint Ihr, wie viele Fische

ich gestern innerhalb einer Minute ge-


zählt habe, als sie an mir vorbeizogen?“

spannt der Mittzwanziger uns

auf die Folter. „80?“ übertreibe ich

völlig. „100!“ antwortet Stefan und

schmunzelt sich in seinen Bart. „Los

geht’s!“

Wenig später sitzen wir im Boot und

flitzen über den Nushagak. Schon

nach wenigen Metern gleiten wir aufs

kiesige Ufer einer schmalen Insel, die

mitten im Fluss tront. „Viel weiter müssen

wir nie fahren“, sagt Stefan, als er

das Boot verankert. „Die besten Angelplätze

liegen nah bei der Lodge.“

Langsam fließt der Nushagak an der

Kiesbank vorbei, ein kleiner Seitenarm

ragt in die Insel hinein.

„Was ist denn das?“ traue ich meinen

Augen kaum, als ich vor dem riesigen

Ausgedrillt: Markus

Heine freut sich über

einen gut zweistelligen

Silberlachs, der einen

neongelben Spinner

attackierte.

Abdruck einer Tatze im Schlamm stehen

bleibe. „Die Bären kennen die besten

Fanggründe natürlich auch“, klärt

mich Stefan auf und erinnert mich damit

daran, dass wir uns in der absoluten

Wildnis befinden. Einerseits sehr

befreiend, andererseits wächst auch

mein Respekt vor dieser

unbändigen Natur, und

es beschleicht mich das

Gefühl, ihr im Extremfall

auch ausgeliefert zu

sein. „Du kannst Dir sicher

sein, dass Dich

schon mehrere Bären erspäht

haben, wenn Du gerade das Ufer

betrittst“, sagt Ernst, als könne er meine

Gedanken lesen. „Hier gibt’s eben

mehr Bären als Menschen!“ Zu meiner

„Hier gibt’s

eben mehr

Bären als

Menschen!“

Erleichterung ist Meister Petz aber

nicht so gastfreundlich wie Familie

Esletzbichler. Denn auf eine Willkommensfeier

mit Bärenhunger kann ich

getrost verzichten.

Genug der Bären, schließlich gibt es

am Nushagak auch noch wilde Lachse

-- und das angeblich zu Tau-

senden. Stefan montiert einen

pink leuchtenden Vibrax.

„Die Größen 4 und 5 sind

super“, erklärt er seine Wahl

und wirft aus. „Die Spinner

müssen entsprechend schwer

sein, damit man sie ganz langsam

nah am Grund führen kann.“ Im

Zeitlupentempo kurbelt Stefan seinen

Köder ein. Zweiter Wurf. Gemächlich

bahnt sich der Spinner seinen Weg


URLAUB & ABENTEUER

Stets gut gelaunt: Mutter Gunda

und Töchterchen Katy sind herzliche

Gastgeber. Immer mit von der Partie:

Labrador Jaz.

durch die Strömung. Plötzlich reißt

Stefan die Rute hoch. „Ah, versemmelt!“

ärgert er sich über seinen verpufften

Anschlag. Während er noch

den Kopf schüttelt, katapultiert sich

hinter ihm mehrfach ein Lachs aus

dem Wasser. Ernst hat zugeschlagen.

„Erster Wurf, erster Fisch“, freut sich

der gemütliche Österreicher über seinen

Fang.

Wenig später zieht Sohnemann Stefan

mit einem 10-Pfünder nach und

legt beim nächsten Wurf gleich noch

einen etwas schwereren Fisch drauf.

Auch PeWe lässt sich nicht lange bitten

und fängt einen strammen Salm.

‘Schei... auf das Fotografieren und Filmen!’

denke ich und schnappe mir

die leichte Spinnrute. Erster Wurf -nichts.

Zweiter -- kein Zupfer! Aus dem

Augenwinkel heraus sehe ich, dass

Stefan schon wieder drillt. Dritter Versuch.

Fehlanzeige. „Göttlich! Ich hab’

einen!“ schallt es von PeWe herüber,

und auch Ernst scheint wieder zugelangt

zu haben.

Ungeduldig werfe ich aus. Wieder

nichts. Stefan drillt währenddessen einen

weiteren Fisch. Mittlerweile habe

ich schon mindestens ein Dutzend

Würfe gemacht -- ohne jeglichen Kontakt.

Normalerweise bringt mich das

ja nicht aus der Ruhe, aber jetzt umgeben

mich drei Angler, die Fisch auf

Fisch haken -- zumal es sich dabei um

einen Schweizer und zwei Österreicher

handelt (zum Glück wurde Deutschland

Dritter bei der Fußball-Weltmeisterschaft).

Typisch, beim nächsten Wurf bekomme

ich eine Perücke. Doch dann ist es

endlich soweit: Biss! Was mache ich?

Langsam geführt: Nur wer seinen Spinner im

Zeitlupentempo einholt, überlistet wie Stefan

so einen großen Silberlachs.

Kräftige Kämpfer: Silberlachse

preschen auf ihren Fluchten

kurz und heftig davon.

Zurück ins nasse Element: Silberlachse können nach dem

Drill problemlos zurückgesetzt werden.

Traumhaft: Alaska verzaubert seine Gäste nicht

nur mit seinem Fischreichtum, sondern auch

mit wunderschönen Sonnenuntergängen.


Herrscher der Lüfte:

Majestätische Weißkopf-Seeadler

beäugen die Geschehnisse am

Nushagak ganz genau.

Versemmel’ den Anhieb. Kommentarlos

fische ich weiter, doch PeWe hat alles

gesehen. „Biss gehabt, oder?“ fragt

er mit schweizerisch rollendem „r“ und

legt dabei ein fürchterliches Lachen an

den Tag. „War vielleicht auch nur der

Grund!“ flunkere ich und werfe umso

weiter aus.

Stefan hakt währenddessen einen

Lachs ganz dicht am Ufer. ‘War klar’,

denke ich und überlege, ob ich den

Köder wechseln soll, als es einen mächtigen

Schlag in der Rute gibt. Reflexartig

reiße ich sie hoch. Im gleichen

Moment wird sie wieder zum Wasser

gezogen, begleitet vom Kreischen der

Rollenbremse. Blitzschnell klaut mir

mein Gegenüber einige Meter der gelben

Geflochtenen. Die Fluchten sind

kurz und kräftig. Aufgepasst: Mit einem

Affenzahn rast mir der Lachs fast

durch die Beine. Danach schwinden

seine Kräfte, und ich lande meinen ersten

Silberlachs. Überglücklich halte

ich den blanken Fisch in Händen.

In den nächsten Tagen

erleben wir eine Angelei,

die ich bisher noch nicht

erlebt habe. Immer mehr

Silberlachse ziehen den

Nushagak hinauf zu

ihren Laichplätzen. Wir

fangen und fangen und fangen... Ob

Spinner, Blinker, Streamer oder Rogen

-- die Lachse attackieren jeden Köder.

Es wäre kein Problem, 50 oder 100

Fische an einem Tag zu fangen.

So seltsam es jedoch auch klingen

mag: Für mich rückt das Angeln bei

diesem unheimlichen Fischreichtum

schnell in den Hintergrund. Im Vordergrund

steht das Erlebnis Alaska an

sich. „Entweder man liebt es, oder man

hasst es“, formuliert es Gunda treffend

und fügt hinzu, dass man Alaska nicht

mit den Augen, sondern mit dem Herzen

sehen und lieben muss. Als Naturliebhaber

ist es ein Leichtes, sich in

dieses Land voller Abenteuer zu vergucken

und sich in der Weite zu verlieren.

Auch wir dürfen während unseres

Aufenthalts im „Salmon Paradise“ wundervolle

Momente genießen. Zum Beispiel

als eine Elchkuh den Nushagak

direkt vor unserer Lodge durchschwimmt,

um dann genüsslich am

Ufer mit ihren beiden Kälbern zu grasen.

Unsere Augen kleben an den

Ferngläsern, als etwa einen Kilometer

„Wir fangen

und fangen und

fangen...“

ALASKA

dahinter ein bulliger Bär aus dem

Nadelwald poltert und durchs Schilf

stapft. Auf Schritt und Tritt werden wir

auf unseren Angelausflügen von den

majestätischen Weißkopf-Seeadlern beäugt.

Gerne erinnere ich mich auch an

die tollen Lagerfeuer, das freundschaftliche

Zusammensein und die sagenhaften

Sonnenuntergänge. Schnell

ergreift einen in Alaska das Gefühl,

einen Blick für das Wesentliche im

Leben zu bekommen.

Einfach fällt PeWe und mir der Abschied

von der Salmon Paradise Lodge

nicht. Zu sehr haben wir Familie Esletzbichler

ins Herz geschlossen. Unsere

kleine Alaska-Rundreise geht jedoch

weiter. Mit dem Leihwagen fahren wir

von Anchorage auf die östlich gelegene

Kenai-Halbinsel. Unser neues Ziel:

die Silver Budda Lodge bei Soldotna.

Sie liegt direkt am Kenai River, und

der schweizerische Besitzer Walter

„Budda“ Buttauer versteht es, Anglerherzen

höher schlagen zu lassen:

Schöne Zimmer, Sauna,

Whirlpool und Verpflegung

der Extraklasse -- eine

Lodge zum Wohlfühlen.

Als wir am Kenai ankommen,

beißen die Fische

auch hier wie verrückt. Neben

den Silberlachsen steigen jedoch

zudem noch Buckel- und Rotlachse

auf. Ein Vorteil der Silver Budda Lodge

ist ihre zentrale Lage. Nach Soldotna

fährt man nur gut eine halbe Stunde,

was besonders für nichtangelnde

Familienangehörige reizvoll ist. Des

Weiteren liegen nicht allzu weit entfernt

so berühmte Lachsflüsse wie der

Russian oder Kasilof River.

Wer also auf der Silver Budda Lodge

urlaubt, dem stehen alle Möglichkeiten

offen. Zum Beispiel auch ein Ausflug

zum Heilbuttangeln ins direkt am

Pazifik gelegene, gut zwei Autostunden

entfernte Homer. So stehen auch

PeWe und ich frühmorgens um sechs

auf den Planken der Northern Lights,

einem der vielen, modern ausgestatteten

Boote, die täglich hinausfahren.

Freundlich werden wir von Kapitän

Marc und seiner Helferin, der hübschen

Shara, an Bord empfangen. Petrus

meint es gut mit uns, denn wir erwischen

einen wunderschönen Sommertag.

Ein laues Lüftchen weht, als

die Northern Lights in See sticht. Begleitet

von einem eindrucksvollen Son-

FISCH & FANG 12/2006 79


URLAUB & ABENTEUER

Reise-Check

✔ Veranstalter: Fishermen Travel

FTC AG, Peter W. Wilhelm, Albisstr.

28, CH - 8038 Zürich,

Tel.: +41 (0)44 - 482 00 30, Fax:

+41 (0)44 - 482 08 48, E-Mail:

ftc@bluewin.ch, Internet: www.

fishermen-travel-club.ch

✔ Anreise: Direktflug, zum Beispiel

mit Condor, von Frankfurt

nach Anchorage. Zur östlich

gelegenen Kenai-Halbinsel

benötigt man mit dem

Leihwagen etwa 2,5 Stunden.

An den Nushagak zur Salmon

Paradise Lodge gelangt man

per Inlandsflug von Anchorage

nach Dillingham, von dort

fliegt man weiter nach Ekwok.

✔ Saison: King: Ende Mai bis Anfang

August. Hundslachs: Ende

Mai bis Mitte Juli. Rotlachs:

Ende Juni bis Mitte August. Silberlachs:

Mitte Juli bis Ende

September. Heilbutt: insbesondere

von Mai bis September.

✔ Unterkunft: Die von Familie

Esletzbichler herzlich geführte

Salmon Paradise Lodge am

Nushagak bietet rustikale Zimmer

mit eigenem Dusch/WC-

Raum, gut bürgerliche Küche

(Vollverpflegung) und moderne

Boote.

Die zentral gelegene Silver

Budda Lodge in Soldotna befindet

sich direkt am Kenai

River und verfügt über geräumige

Zimmer mit eigenem

Bad, guter Küche, Sauna und

Whirlpool. Touren zum Heilbuttangeln

auf der Northern

Lights in Homer (www.halibut

fishing-alaska.com) können

über den Besitzer Walter Buttauer

gebucht werden.

✔ Sonstiges: Wer selbst gefangenen

Lachs ausführen will, muss

sich Mengen von über einem

Kilogramm zertifizieren lassen.

Am einfachsten gelingt das

über eine Räucherei wie der

von Herbert Eckmann betriebenen

„Alaska Sausage“ in Anchorage

(www.alaskasausage.

com). Auf Wunsch wird der

geräucherte Lachs direkt zum

Flughafen geliefert.

80 FISCH & FANG 12/2006

Guten Freunden gibt man ein

Küsschen: Guide Shara schreckt

auch vor einem saugenden

Octopus nicht zurück.

nenaufgang und so mancher Delfinschule

düsen wir zu den Fanggründen.

Shara montiert während der

gut zweistündigen Ausfahrt das

Gerät: Ruten der 30-bis 50-lb-Klasse,

stabile Multis und dick geflochtene

Vorfächer, die mit einem

großen Circle-Hook gespickt

sind. Als Köder schiebt sie Tintenfischfetzen

auf die Spezial-

Greifer. „Damit dürft Ihr nicht

anschlagen, der Butt hakt sich

selbst“, erklärt sie die Wirkungsweise

der Kreishaken.

Endlich drosselt Marc die Fahrt

und bringt die Northern Lights in

Position. Wenig später rasen unsere

Tintenfischfetzen am 2-lb-Blei zum etwa

50 Meter entfernten Grund. „Wenn

Ihr unten seid, kurbelt ungefähr einen

Meter Schnur ein, damit sich das Blei

nicht festsetzt“, empfiehlt Shara und

muss wenig später die erste Beute an

Bord ziehen. Kein Heilbutt, sondern

ein großer Octopus hat sich den Fetzen

geschnappt. „Plopp, plopp, plopp“

-- Shara hat alle Mühe, den sich auf den

Planken festgesogenen Octopus zu lösen

und hochzuheben. Und genügte

es nicht dieser Präsentation, gibt unser

hübscher Guide dem Meeresbewohner

noch ein Küsschen, bevor sie

ihn zurücksetzt. PeWe schmunzelt und

schaut leicht neidisch ‘drein: „Octopus

müsste man sein.“

Seine Tagträume verfliegen jedoch

im Nu, denn schon wenig später rinnt

ihm der Schweiß von der Stirn. „Puah,

das ist schon ordentlicher Widerstand,

oder?“ kommentiert Pe-

We mit schmerzverzerrtem

Gesicht seinen Drill. „Bist wohl so einen

Frühsport nicht gewohnt, alter

Mann, oderrrr“, flachse ich und beobachte,

ob der Fisch im spiegelglatten

Wasser schon zu sehen ist. Was wenig

später zur Oberfläche taumelt, ist jedoch

wieder kein Heilbutt. Ein kapitaler,

etwa 1,20 Meter langer Lingcod, eine

dorschähnliche Art, trudelt aus der

Tiefe nach oben. Shara zieht den Burschen

über die Reling. „Petri Heil!“

gratuliere ich PeWe, der sich erschöpft

an die Reling lehnt und den Schweiß

von der Stirn wischt. „Petri Dank“ antwortet

er -- leicht geqüält, wie ich finde.

PeWes „Qualen“ sollen anscheinend

kein Ende finden. Sein neuer Köder

ist gerade erst am Grund gelandet, da

findet er auch schon einen Abnehmer.

Und wieder bricht bei PeWe der

Schweiß aus, als er die Rute fest umklammert

und meterweise Schnur

zurückerkämpft.

Bitte ein Butt: Der Autor

präsentiert einen guten

Heilbutt von etwa 25 Pfund,

der sich einen Tintenfisch-

Fetzen gönnte.

Fotos: Verfasser


Währenddessen bekomme auch ich

einen Biss und drille meinen ersten

Fisch. Dieser wehrt sich ordentlich, als

ich ihn nach oben pumpe. Deutlich

spüre ich einzelne Schwanzschläge in

der Schnur.

„Heilbutt“, rufe ich, als es unter der

Wasseroberfläche hell zu schimmern

beginnt. Shara eilt herbei und hievt

den etwa 25 Pfund schweren Platten

schwungvoll über die Reling. Wenig

später gesellt sich auch PeWes Fang dazu

-- ein Butt der gleichen Kategorie.

Am Nachmittag wechseln wir nicht

nur die Stelle, sondern auch die Methode.

Riesentwister, etwa zwei

Meter über Grund gejiggt, sollen

die Fische verführen. Als

ich gerade auswerfen will, höre

ich ein lautes Zischen. Was war

das? Auch die anderen Angler

schauen fragend umher. Wieder

zischt es -- nun aber etwas lauter.

Plötzlich sehe ich den Verursacher:

Etwa 50 Meter vor unserem Boot

schießt eine Wasserfontäne hoch in die

Luft. „Schaut nach vorne: Killerwale!“

ruft Kapitän Marc, und hätten die

Meeressäuger ihn gehört, verschwinden

sie in den Tiefen des Pazifiks.

Die Gummiköder erweisen sich als

wesentlich erfolgreicher als die Tintenfischfetzen.

Ich traue meinen Augen

kaum, als plötzlich jeder Angler an

Bord einen Fisch drillt. Heilbutt auf

Heilbutt landet auf den Planken. „Das

ist ja wie beim Dorschangeln auf

der Ostsee“, freue ich mich über die

zwischen 15 und 30 Pfund schweren

Platten.

Nach und nach bildet sich im Bug

der Northern Light eine kleine Menschentraube.

Neugierig bahne ich mir

mit der Videokammer den Weg durch

die Angler. Der Amerikaner Douglas

hat einen riesigen Fisch gehakt. Ein

Kampf auf Biegen und Brechen! Er

zerrt an der Rute, gewinnt einen Meter

Schnur, verliert dann wieder drei.

Die Minuten verinnen. „Entweder hast

Du einen rieigen Heilbutt oder einen

Rochen gehakt“, vermutet Kapitän

Marc und stellt sich neben Douglas.

Dieser stemmt sich mit seinem ganzen

Gewicht dem Fisch entgegen und versucht,

ihn stückchenweise hochzupumpen.

Schweißtropfen bilden sich

auf seiner hohen Stirn. Im hohen Bogen

fliegt sein weißes Sweat-Shirt davon,

als es ihm zu heiß wird.

Mittlerweile hat sich Marc mit einer

Harpune bewaffnet. „Sicher ist sicher –

„Schaut

nach vorne:

Killerwale!“

scheint ja kein kleiner Fisch zu sein“,

sagt er und empfiehlt Douglas, den

Drill ins Heck des Bootes zu verlagern.

„Dort können wir den Fisch besser landen!“

Gebannt blicken alle Angler aufs

Wasser, um die ersten Konturen des

Riesen zu erhaschen. Kurz schimmert

es in der Tiefe, doch der Fisch prescht

erneut davon und flüchtet in die finstere

See.

Nach etwa einer Stunde bricht an

Bord wildes Geschrei aus. „Ein gigantischer

Heilbutt!“ rufen gleich mehrere

Amis, als sie den Fisch deutlicher im

Wasser erkennen können. Majestätisch

gleitet der riesige Platte

senkrecht und mit weit aufgerissenem

Maul zur Oberfläche.

Die Sekunden werden

zu Minuten. Als der

Fisch die Wasseroberfläche

durchbricht, rammt Marc

die Harpune in den gewaltigen Körper.

„Sitzt!“

Etwa fünf Sekunden lang passiert

jetzt gar nichts -- ruhig, regelrecht

paralysiert verharrt der

riesige Heilbutt an

der Oberfläche. Plötzlich

explodiert der Gigant

und schlägt mit

seinem brettähnlichen

Schwanz das Wasser

schäumig. Doch die

Harpune sitzt bombenfest,

so dass sich dem

Butt keine Chance zur

Flucht bietet. Fünf Personen

sind schließlich

nötig, um den furiosen

Fisch über die Reling zu

hieven. Krachend landet

er auf den Planken.

„Ich glaub’s nicht!“

freut sich Douglas und

schlägt sich mit der

Hand vor die Stirn.

„Unglaublich!“

Shara und Marc legen

währenddessen das

Maßband an. „2,10 Me-

Hammer-Heilbutt:

Dieser riesige Platte

ist die Krönung der

Ausfahrt vor Homer.

Douglas bestaunt seinen

2,10 Meter langen und

etwa 280 Pfund

schweren Fang.

Film ab!

ALASKA

Ob Lachse, Adler, Elche oder

Heilbutts -- auf der Abo-DVD erleben

Sie das Paradies für Petrijünger

hautnah.

ter“, verkündet unser Kapitän die Länge

des Butts. Er schätzt den Riesen auf

etwa 280 Pfund, worauf ein Raunen

ausbricht. Jeder Angler weiß, dass man

so einen Fisch wahrscheinlich nie

wieder sehen wird. Und so sitzen alle

auch noch eine Stunde später ehrfürchtig

vor dem Heilbutt und bestaunen

den Riesen des Pazifiks. Nach

diesem erlebnisreichen Angeltag

wird sich jeder an Bord

sicher sein: Alaska muss

man einfach lieben!

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