Funktionelle Dyspepsie und Reizdarmsyndrom - Arztbibliothek

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Funktionelle Dyspepsie und Reizdarmsyndrom - Arztbibliothek

heitsentitäten. Sie können isoliert als

Funktionelle Dyspepsie oder Reizdarmsyndrom,

oft (ca. 30 %) aber auch

gemeinsam als funktionelles Magen-

Darm-Syndrom, dann häufig mit unterschiedlicher

Gewichtung der verschiedenen

Beschwerdecluster, auftreten.

Gelegentliche Magen-Darm-

Beschwerden, die situativ unter besonderer,

z. B. stress- oder ernährungsbedingter

Belastung auftreten,

schnell wieder verschwinden, gut auf

das Vermeiden der auslösenden Faktoren

ansprechen und die Lebensqualität

auf Dauer nicht nachhaltig beeinträchtigen,

sind Befindlichkeitsstörungen

und sollten von der Funktionellen

Dyspepsie oder dem Reizdarmsyndrom

abgegrenzt werden.

Das Reizdarmsyndrom kann – je

nach Beschwerdeausprägung und

Stuhlabnormität – in vier verschiedene

Typen unterteilt werden:

Typ I = Diarrhoe dominant (ICD-10:

K 58.0),

Typ II = Obstipation dominant,

Typ III = Diarrhoe und Obstipation

im Wechsel,

Typ IV = Meteorismus/Schmerz dominant

(ICD-10: K 58.9 = RDS ohne

Diarrhoe).

Diagnostik

Die wichtigsten diagnostischen Maßnahmen

sind die sorgfältige Anamneseerhebung

(einschließlich Fragen

nach der Sozial- und Partnerschaftsanamnese,

Medikamentenanamnese

sowie nach Alkoholabusus und Rauchen)

sowie die klinische Untersuchung.

Typisch für die FD sind:

Oberbauchschmerzen,

frühes Sättigungsgefühl,

Druck- und Völlegefühl,

nicht-saures Aufstoßen,

Übelkeit, Erbrechen,

Sodbrennen 2 , saures Aufstoßen (als

Begleitsymptom).

Als Hinweis auf mögliche organische Erkrankungen

sind besonders zu beachten:

neu aufgetretene dyspeptische

Beschwerden bei Menschen über

50–55 Jahre, Blutung, Anämie, ungewollter

Gewichtsverlust > 10 %, Dysphagie,

Odynophagie, Malignome in

der Familienanamnese. Diese Symptome

stellen Alarmsymptome dar

und erfordern unbedingt eine weiterführende

Diagnostik.

Typisch für das RDS sind:

Leitsymptom: abdominelle Schmerzen

unterschiedlicher Lokalisation

mit Erleichterung nach dem Stuhlgang,

Stuhlunregelmäßigkeiten oder Gefühl

der inkompletten Stuhlentleerung,

Meteorismus/Blähungen,

Flatulenz.

G R U N D L A G E N

Tabelle 2: Unterschiedliche anamnestische Merkmale bei funktioneller Magen-Darm-Erkrankung gegenüber organischen

Abdominalerkrankungen

Anamnesemerkmale organische Erkrankung funktionelle Magen-Darm-Erkrankung

Anamnese kurz lang (Neigung zur Chronifizierung)

Qualität der Beschwerden „monoton“ „variabel“

(Symptomflut, Symptomwandel)

Schmerzlokalisation umschrieben diffus, wechselnd

Gewichtsverlust ++ (+) (diätetisch)

Stressabhängigkeit der Beschwerden + +++

zeitlicher Zusammenhang mit Life Events, Konflikten + +++

Nahrungsabhängigkeit (Qualität, zeitlich) ++ (+)

Nachtruhe gestört

funktionelle vegetative Begleitsymptome

++ (+) (außer bei primären Schlafstörungen)

abdominal + +++

extraabdominal (+) +++

Vom RDS abzugrenzen ist die habi tuelle

chronische funktionelle Obstipation,

die zu Beginn ausschließlich durch

eine Obstipation (Darmträgheit) ohne

entsprechende Schmerzausprägung

und Beschwerdesymptomatik charakterisiert

ist. In der Folge können sich,

möglicherweise durch chronischen

Laxantienabusus verursacht, zusätzliche

Symptome eines RDS unter anderem

mit Blähungen und ziehenden Leibschmerzen

einstellen, sodass Überschneidungen

mit dem obstipationsdominanten

Typ II des RDS möglich

sind.

Beschwerden, wie sie für funktionelle

Magen-Darm-Erkrankungen typisch

sind, kommen auch bei einer Vielzahl

von organischen Erkrankungen des

gesamten Bauchraumes als Leit- oder

Begleitsymptome vor und erfordern

bereits in der Anamneseerhebung differentialdiagnostischeBerücksichtigung

(Tabelle 2).

Zahlreiche somatische Erkrankungen

müssen berücksichtigt und zur

Sicherung der Verdachtsdiagnose einer

funktionellen Magen-Darm-Erkran kung

2 Es besteht die Übereinkunft, dass das alleinige

Symptom „Sodbrennen“ nicht auf eine FD,

sondern auf eine Refluxkrankheit der Speiseröhre

hinweist, auch wenn keine Läsionen im

unteren Speiseröhrenbereich nachweisbar sind.

In diesem Fall dürfte ein chronisch gesteigerter

Säurereflux bei guter Schutzfunk tion der

Ösophagusschleimhaut (hypersensitiver Ösophagus)

vorliegen.

Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Funktionelle Dyspepsie und Reizdarmsyndrom – 2. Auflage 2010

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