Region Aachen - vis visio

visvisio.com

Region Aachen - vis visio

Ausgabe 10 - 2007

immobilienmanager

sPeciaL

entscheidend für entscheider

Hochschule und Forschung

Standortvorteil Hightech

Europa

Kooperation ohne Grenzen

Region

AACHEN


Gemeinsame

Sache

Die Region Aachen, das ist bekannt,

ist das deutsche Hightech-Valley. Auf der

Welt existieren nur wenige Standorte mit

einer entsprechenden Dichte an technologischer

Spitzenforschung. Das Thema

Wissensregion muss dort also nicht erst

als Ziel propagiert werden – man ist

schon dort. Das schafft eine Fülle von für

Unternehmensansiedlungen attraktiven

Standorten, und damit wird die Region

auch für die Immobilienwirtschaft

zunehmend interessant. Von den sich

ergebenden Chancen berichten wir ausführlich

in unserem nunmehr zweiten

Special Region Aachen.

Die rein wirtschaftliche Betrachtungsweise

greift in diesem Fall aber viel

zu kurz. Als Euregio Maas-Rhein finden

wir hier ein Forschungslabor politischer

Natur. Trennende Grenzen, die sich im

Laufe der Jahrhunderte ohnehin oft

Editorial

Special Region Aachen

verändert haben, verblassen mehr und

mehr. Auf Regierungs- und Verwaltungsebene

sprechen Belgier, Deutsche

und Niederländer zwar immer noch

unterschiedliche Sprachen, das aber an

einem Tisch und über eine gemeinsame

Sache. Aus deutscher Sicht ist die Region

Aachen damit Vorreiter der europäischen

Sache. Für Unternehmen und Investoren

ist es jetzt schon selbstverständlich, sich

grenzübergreifend zu betätigen. Wo die

Politik wie in der Region Aachen Schritt

hält, werden sich Wirtschaftsräume

nachhaltig verändern. In diesem Fall mit

Sicherheit zum Positiven.

Der Aachener Gesellschaft für Innovation

und Technologietransfer AGIT

und dem Zweckverband StädteRegion

Aachen danken wir für Ihre Unterstützung

bei der Realisierung dieses

Specials.

Ihr

Christof Hardebusch

immobilienmanager S p e c i a l R e g i o n A a c h e n 10 / 2 0 0 7

Foto: Gaby SommEr


Special Region Aachen Standort

Gut für Gründer

Über die Ländergrenzen hinweg arbeiten die Städte und Gemeinden der Region Aachen zusammen.

»Aachen steht für Hochschulen von Weltrang und eine florierende

Wirtschaft. Namhafte Unternehmen siedeln sich in der Region an,

weil sie im deutsch-belgisch-niederländischen Grenzgebiet

qualifizierte Arbeitskräfte, freie Gewerbeflächen und Natur direkt

vor der Haustür finden.

In der Kaiserstadt ist die Vision vom

geeinten Europa längst Realität. Wohnen,

Arbeiten, Studieren und Einkaufen in drei

Staaten sind in und um Aachen selbstverständlich.

Vielleicht hatte Oberbürgermeister

Jürgen Linden deshalb bis zuletzt

auf die Zustimmung seiner Bürger zum

„Bauhaus Europa“ gehofft. Doch ein Bürgerentscheid

– der zweite in der Aachener

Nachkriegsgeschichte überhaupt – kippte

das 31-Millionen-Euro-Projekt. Rund 80

Prozent der Beteiligten stimmten gegen

das europäische Kultur- und Begegnungszentrum

zwischen Dom und Rathaus. Ein

„großer Wermutstropfen“, wie Linden

selbst sagt, aber ein seltener. Denn Aachen

ist ein Standort mit Potenzial, eine

Stadt, die auf einen ausgeglichenen Haushalt

im Jahr 2009 zusteuert und in

immobilienmanager · S p e c i a l R e g i o n A a c h e n 10 / 2 0 0 7

> Von Sylvia Rollmann

deutschlandweiten Rankings immer wieder

vordere Plätze einnimmt.

Es sind vor allem die klugen Köpfe der

Rheinisch-Westfälischen Technischen

Hochschule (RWTH) und der Fachhochschule

(FH), die dem Oberzentrum im

Dreiländereck Deutschland-Niederlande-

Belgien Standortvorteile verschaffen. Aachen

ist die Stadt mit der höchsten Dichte

an Hochschul-Ausgründungen (Spinoffs)

und Ingenieurbüros in Deutschland.

29 Prozent aller Existenzgründungen, die

seit 1990 in den Technologie- und Gründerzentren

der Region an den Start gingen,

sind Spin-offs. Jährlich verlassen

mehr als 1.500 Hoch- und Fachhochschulabsolventen

naturwissenschaftlicher,

technischer und wirtschaftswissenschaftlicher

Fachrichtungen ihre Ausbildungs-

stätten. Hinzu kommen rund 200 Meister

und Facharbeiter, die in den Werkstätten

der Hochschulen ausgebildet werden. Im

Zukunftsatlas 2007, in dem das Beratungsunternehmen

Prognos für das Handelsblatt

die Wettbewerbsfähigkeit aller

439 Städte und Landkreise untersuchte,

stieg Aachen im Vergleich zu 2004 um

acht Plätze auf Rang 24. Damit ist die Kaiserstadt

besser für die Zukunft gerüstet

als Metropolen wie Frankfurt (Platz 39),

Köln (51) oder Berlin (245). Weiteres Plus

laut Prognos: Die Zahl der Einwohner

stieg zwischen 2001 und 2005 um mehr

als fünf Prozent. So stark legte keine andere

Stadt in Deutschland zu.

Die Region fördert den Weg in

die Selbstständigkeit

Bemerkenswert: Jeder fünfte der aktuell

knapp 260.000 Einwohner ist zwischen

18 und 30 Jahre alt, vielleicht auch, weil an

der FH und der RWTH zusammen fast

38.000 Studenten eingeschrieben sind.

Die Zahl der Einwohner wird bis 2020

weiter steigen, laut Demografiebericht der

Bertelsmann Stiftung um 10,4 Prozent.

Auf dem Weg in die Selbstständigkeit

finden Jungunternehmer Unterstützung

in der Region. Eine Vorreiterrolle spielte

Aachen im Jahr 1983 mit der Gründung

von Deutschlands erstem Technologiezentrum

an der Jülicher Straße. „In den

Foto: StAdt AAcHeN


vergangenen 30 Jahren wurden 1.020

technologieorientierte Unternehmen mit

rund 29.000 neuen Arbeitsplätzen aus

dem Umfeld der RWTH, der FH und des

Forschungszentrums Jülich gegründet“,

sagt Fritz Rötting, Geschäftsführer der

IHK Aachen. „Heute erwirtschaften diese

Unternehmen einen jährlichen Umsatz

von rund 4,7 Milliarden Euro.“ In der Region

mit ihren 1,3 Millionen Einwohnern

gibt es inzwischen 13 Technologie- und

Gründerzentren, die im Netzwerk

„GründerRegion Aachen“ zusammengeschlossen

sind. Ihr Angebot ist vielfältig:

Bei „Masterclasses on Entrepreneurship“

verbessern beispielsweise Gründer aus

Aachen, Eindhoven und Leuven gemeinsam

mit internationalen Experten ihre

Konzepte und Finanzierungen.

Grenzüberschreitend ist „euBAn“, ein

Netzwerk, das private Investoren und

Existenzgründer aus Deutschland, Belgien

und den Niederlanden bei regelmäßigen

„Matching Events“ zusammenbringt.

Allein auf Initiative der AGIT, der

Aachener Gesellschaft für Innovation und

Technologietransfer, wirken dabei 30

Business Angels aus der Region mit. Gründer

profitieren zudem von den Angeboten

der Frühphasenfinanzierung: Der Seed-

Fonds mit einem Volumen von 8,5 Millionen

Euro stellt zum Beispiel technologieorientierten

Unternehmen in der Gründungsphase

Eigenkapital zur Verfügung.

Initiatoren sind die Sparkasse Aachen, die

NRW.BANK sowie Privatinvestoren.

Eine Forschungs-Infrastruktur, wie sie

allenfalls zehn Regionen auf der Welt vorweisen

können, ist idealer Nährboden für

Projekte 2005-2007

Aachen Arkaden

Burg Center, Stolberg

Recker Park, Würselen

Bodenhof, Aachen

Marienviertel, Aachen

Bürohaus westTor, Aachen

neue Unternehmensfelder. Seit den 1990er

Jahren hat Aachen besondere Kompetenzen

in den Bereichen Life Sciences mit

Medizintechnik und Biotechnologie, Automobil-

und Bahntechnik, Informations-

und Kommunikationstechnologie, Inno-

Das Forschungszentrum Jülich trägt dazu bei, dass

die Region Aachen besonders reich ist an Unterneh-

men, die Hochschul-Ausgründungen sind.

vative Produktionstechnik und Neue

Werkstoffe entwickelt. Noch zarte Pflänzchen

sind die Bereiche Erneuerbare Energien

sowie Holz- und Gesundheitswirtschaft.

Jülich ist Sitz des größten multidisziplinären

Forschungszentrums Europas

(4.300 Mitarbeiter). In Düren und Umgebung

konzentriert sich das produzierende

Gewerbe mit Marktführern wie SIG Combibloc

oder GKD Gebr. Kufferath. Die

Kreise Heinsberg und Euskirchen sind ein

Neue Projekte

Karmeliterhöfe, Aachen

Villenpark Marienhof, Aachen

Engineering Park Uersfeld, Aachen

R1 Center, Kohlscheid

R180 Fachmärkte, Kohlscheid

Fachmärkte De-Gasperi-Straße 3, Würselen

Foto: AGIt

Hort des Mittelstandes. Dennoch haben

sich auch Großkonzerne wie Procter &

Gamble, Miele, Siemens und QVC angesiedelt.

Im Industriepark Oberbruch in

Heinsberg arbeiten 2.000 Menschen in 20

Unternehmen mit den Schwerpunkten

verarbeitende Chemie, Kunststoffe und

neue Materialien, während in Euskirchen

vor allem der Maschinenbau und die Papierindustrie

zu den Schlüsselindustrien

zählen. Dafür stehen Firmen wie Smurfit

Kappa Zülpich Papier, PapStar oder EMB

Eifeler Maschinenbau. Besondere unternehmerische

Leistungen werden alljährlich

mit dem „Innovationspreis Region

Aachen“ ausgezeichnet.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

hat in Aachen Tradition. Wie die belgischen

Provinzen Limburg und Lüttich,

die Deutschsprachige Gemeinschaft (DG)

in Belgien und die niederländische Region

Süd-Limburg ist die Region Aachen

Teil der Euregio Maas-Rhein (EMR), die

sich über eine Fläche von 10.737 Quadratkilometer

erstreckt. Die kleinste Gemeinde

zählt gerade mal 82, die größte knapp

260.000 Einwohner. Doch zusammen genommen

hat die Bevölkerung der Euregio

die 3,9-Millionen-Marke überschritten.

„Die Euregio und alle unmittelbar nach

Westen hin sich öffnenden europäischen

Räume bieten in jeder Hinsicht wirtschaftliche

Vorteile: für die Rekrutierung

von unterschiedlich qualifizierten Mitarbeitern,

für den Zugang zu den Märkten

Deutschlands und zu den Benelux-Ländern

sowie in puncto Lebensqualität“,

sagt Victoria Appelbe, Leiterin Regionalmarketing

und Ansiedlung der AGIT. Ins-


Special Region Aachen Standort

gesamt haben 200.840 Unternehmen aktuell

ihren Sitz in der Euregio.

Europa ist in Aachen allgegenwärtig.

Seit 1950 verleiht ein unabhängiges Gremium

Aachener Bürger den Internationalen

Karlspreis an Persönlichkeiten, die

den Gedanken der abendländischen Einigung

in politischer, wirtschaftlicher und

geistiger Beziehung gefördert haben. Die

Liste der Preisträger reicht von Konrad

Adenauer bis Sir Winston Churchill, die

für die beste Leistung im Dienst der Verständigung

und der Internationalen Zusammenarbeit

im Europäischen Raum

geehrt wurden. Eine europäische Vision

ist auch das grenzüberschreitende Gewerbegebiet

Avantis, ein 100 Hektar großes

Areal, das die Stadt gemeinsam mit Heerlen

(Niederlande) entwickelt. Für Unternehmen,

die dort residieren, gibt es keine

Grenzen. Sie wählen zwischen deutschem

und niederländischem Steuerrecht.

„Avantis nimmt Fahrt auf und könnte sich

zu einer Erfolgsgeschichte entwickeln“,

meint IHK-Geschäftsführer Rötting.

Für potenzielle Investoren hält die Region

221 Industrie- und Gewerbegebiete

mit mehr als 600 Hektar sofort verfügbarer

Fläche und mehr als 500 Büro- und

Hallenflächen bereit. Im vergangenen Jahr

entwickelten sich mit 89 Veräußerungen

(54 Hektar) die Verkaufszahlen im Gewerbeflächenmarkt

so gut wie noch nie seit

2002. Als Grund dafür nennt die AGIT

bisher aufgeschobene Investitionen und

immobilienmanager · S p e c i a l R e g i o n A a c h e n 10 / 2 0 0 7

großflächige Standorterweiterungen, die

in der Region realisiert würden.

Doch nicht nur das wirtschaftliche

Umfeld muss stimmen. Politik, Verwaltung

und Investoren bemühen sich insbesondere

um die Pflege und Weiterentwicklung

der Aachener Innenstadt mit

bedeutenden Kulturdenkmälern, den heißesten

Quellen Europas und umsatzstarken

Fußgängerzonen. Bis 2009 soll das

ehemalige Parkhaus-Gelände am Büchel,

einem Areal im historischen Zentrum, zur

„Trendbox“ mit rund 50 jungen Geschäften,

Gastronomie und öffentlichem Dachgarten

werden. Die niederländische Gruppe

TCN investiert in das Projekt aus der

Feder der Architekten Benthem Crouwel

(Aachen/Amsterdam) rund 25 Millionen

Euro. Im Frühjahr beginnt der Abriss des

alten Parkhauses.

Der Gewerbepark Avantis liegt sowohl auf niederländischem wie auch auf deutschem Boden.

Ebenfalls 2009 eröffnet die neue Kaiserplatzgalerie.

Die Aachener P.E.A. Projektentwicklungsgesellschaft

baut dieses

Einkaufszentrum am Kaiserplatz, im

Schatten der Pfarrkirche St. Adalbert. Mit

28.000 Quadratmetern Einzelhandelsfläche,

Gastronomie und 600 Parkplätzen

soll es ein Einkaufsmagnet werden soll.

Nach der Neugestaltung des Bahnhofs

samt Vorplatz am Alleenring soll bis Mitte

2008 auch der Bahnhof Rothe Erde modernisiert

werden. Gegenüber, auf dem

Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs

Rothe Erde, wurde im Januar mit dem Bau

der Aachen Arkaden begonnen. Die Shop-

Foto: AvANtIS

ping-Mall soll ab Oktober 2008 Platz für

16.000 Quadratmeter Einzelhandelsfläche

sowie Arztpraxen und Büros bieten. Baukosten:

rund 70 Millionen Euro. Für die

ehemaligen Paketpostflächen des Aachener

Bahnhofs an der Zollamtstraße

(11.000 Quadratmeter) gab es bereits einen

Investorenwettbewerb. Im Mai tagte

das Preisgericht.

Am Templergraben hat die RWTH im

Januar den Grundstein für das 23 Millionen

Euro teure neue Studentische Service

Center „Super C“ gelegt, dessen Fertigstellung

für 2008 terminiert ist.

Neues Stadion für die Fußballer

der Alemannia

Doch das meist diskutierte Projekt ist

wohl der Neubau des Tivoli in der Soers,

einem Stadtteil mit hohem Freizeitwert.

Auf einem 80.000 Quadratmeter großen

Areal an der Krefelder Straße entsteht ab

April/Mai 2008 das neue Stadion des Fußball-Bundesligisten

Alemannia Aachen.

Geplant sind außerdem zwei Trainingsplätze

und ein weiteres Gebäude, das unter

anderem Sitz der Geschäftsstelle wird.

50 Millionen Euro soll der neue Tivoli

kosten, der ab der Saison 2009/2010 Platz

für 32.000 Fans bietet. Am Stadion wird es

1.200 Parkplätze in einem Parkhaus geben,

in der Nähe entstehen weitere 6.000.

In der Soers trifft sich auch die internationale

Reitelite. Seit Jahrzehnten lädt der

Aachen-Laurensberger Rennvereins zum

Internationalen Weltfest des Pferdesports,

dem CHIO, zu dem jährlich bis zu 300.000

Zuschauer pilgern. Von 2004 bis 2006

wurde das Turniergelände runderneuert

und fit gemacht für die Weltreiterspiele,

die 2006 in Aachen stattfanden.

Im Kreis Düren werden im Zuge der

Leistungsschau „EuRegionale 2008“ die

ersten vier Bausteine des „indeland“ realisiert,

so etwa der 45 Meter hohe Aussichtsturm

„Indemann“ auf der Golsteinkuppe

in Inden. Zwar wird das Gebiet

noch bis 2030 vom Braunkohletagebau

geprägt; doch in den Köpfen von Planern

und Politikern entstand die Vision einer

120 Quadratkilometer großen Freizeit-

und Erlebniswelt im Städtedreieck

Eschweiler-Jülich-Düren, die um das Jahr

2050 mit Wasser- und Grünachsen, einer

gesunden Mischung von Wohn- und Gewerbenutzung

sowie einem künstlichen

Gewässer von der Größe des Tegernsees

locken könnte.


Dr. Henning Wallentowitz

Die Region Aachen ist unter technischen

Gesichtspunkten ein Juwel.

Der Bergbau, die Tuchweberei und die

mit beiden Technologien verknüpften

Produkte haben früh die Notwendigkeit

zu technischen Tätigkeiten entstehen

lassen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts

wurden in Aachen sogar Autos, selbst

Rennwagen, gebaut. Ein Beleg dafür ist

der Fafnir, der bei Ausstellungen auch

heute noch gelegentlich auftaucht. Im

Museum eines Aachener Bürgers steht

ein Mannesmann Mulag Lastwagen, der

Wissenschaft Special Region Aachen

Forschung auf allen Stufen

» Professor Dr. Henning Wallentowitz ist Leiter des Instituts

für Kraftfahrwesen an der Rheinisch Westfälischen Technischen

Hochschule (RWTH) in Aachen. Für ihn ist die Region ein Mekka

für Techniker.

www.groenmetropool.eu

De ontdekking

van een

nieuw landschap!

FoTo: RWTH

noch mit Vollgummireifen durch die

Stadt Aachen gefahren ist.

So war es nicht verwunderlich, dass

die Preußische Regierung 1870 ein Polytechnikum

in Aachen gründen ließ, das

heute als Rheinisch Westfälische Technische

Hochschule weltweit wahrgenommen

wird. Die Bedeutung der Universität

ergibt sich vor allem daraus, dass an ihr

die gesamte Wertschöpfungskette vom

Rohstoff bis zum fertigen Produkt in der

Forschung und auch in industrienahen

Entwicklungen bearbeitet wird. Viele

> Von Dr. Henning Wallentowitz

Innovationen haben ihren Ursprung in

der Aachener Region. Das bedeutet, dass

dieser Standort ein Mekka für Techniker

ist – oder für solche, die es werden

wollen.

Die Anziehungskraft der Region ist

so groß, dass viele der Absolventen der

Fachhochschulen und der RWTH nach

ihrer Ausbildung in Aachen bleiben wollen.

So macht es üblicherweise gar keine

Probleme, wissenschaftliche Mitarbeiter

für die Forschungs- und Entwicklungsarbeit

in Aachen zu finden.

www.gruenmetropole.eu

Die Entdeckung

einer

neuen Landschaft!

3 COUNTRIES – 1 DESTINATION

STARTING FROM MAY 2008

This project is co-fi nanced by the Interreg III programme of the European Union

immobilienmanager · S p e c i a l A a c h e n 10 / 2 0 0 7


Special Region Aachen Büromarkt

Das Justizzentrum Aachen wächst um 40.000 Quadratmeter Bürofläche und wird Ende des Jahres fertiggestellt.

Schreibtisch im Kloster

»Der Markt für Büro- und Gewerbeimmobilien in der Region ist

stabil. Gerade Unternehmen mit dem Schwerpunkt Forschung

siedeln sich gerne an.

Kirchenbänke weichen Schreibtischen.

Eine ungewöhnliche Wandlung spielt sich

in der Aachener Innenstadt ab: Das Kloster

St. Alfons wird bis zum kommenden

Sommer in ein Bürogebäude umgebaut.

10,1 Millionen Euro lässt sich die Schleiff

Denkmalentwicklung die Umwidmung

der Sakralstätte in 3.700 Quadratmeter

Die ehemalige Kirche St. Alfons wandelt sich zum Bürogebäude.

immobilienmanager · S p e c i a l R e g i o n A a c h e n 10 / 2 0 0 7

> Von Rahel Willhardt

Bürofläche kosten. Das bahnhofsnahe und

in einem kleinen Park gelegene Investitionsobjekt

ist bereits verkauft, und die Flächen

sind trotz Spitzenmieten nahezu

komplett vermietet. Hauptnutzer der Kirche,

die künftig 1.500 Quadratmeter Nutzfläche

bietet, wird das Büro für Energiewirtschaft

und technische Planung (BET).

Ü b e r du r c h s c h n i t t -

liches Potenzial bei unterdurchschnittlichem

Risiko

(B+) bescheinigt die Ratingagentur

Feri dem Büromarkt

der westlichsten

Großstadt Deutschlands.

Nur 4,2 Prozent der Bestandsfläche

von 1.527.000

Quadratmetern standen

Ende 2006 leer. Davon waren

im Jahr 2006 12.000

Quadratmeter an Büroräumen

hinzugekommen,

weitere 11.000 Quadratmeter

Fläche wurden ge-

Foto: SchleiFF

Foto: WeinMilleR ARchiteKten

nehmigt. Die Spitzenmieten pendeln sich

in Premiumlagen bei zwölf Euro ein; in

den Nebenlagen sind sie mit bis zu sieben

Euro leicht fallend.

Aachen ist ein ideales Zweitstadt-Investment

mit erstklassiger Zukunftsperspektive,

forschungsorientierten Unternehmen

und stabiler Miet- und Investmentmarktentwicklung“,

beschreibt

Georg von Hammerstein, Managing Director

Acquisitions von Pramerica, den

Markt. Vergangenes Jahr erstand der Immobilieninvestor

drei von der Telekom

genutzte Gebäude im autobahnnahen Gewerbegebiet

Pascalstraße mit Blick in die

Eifel. Das Areal etablierte sich trotz New-

Economy-Krise als gefragter Standort

weit über den IT-Sektor hinaus. Jüngst

siedelte hier der kanadische Kältemittelhersteller

Copeland seine Technikforschung

an.

Für das taiwanesische Unternehmen

Quanta Computer waren die qualifizierten

Studenten einer der Gründe, um sein europäisches

Servicecenter und seine Produktionsstätte

in Aachen anzusiedeln.

Seit dem Start im Jahr 2004 wuchs die Aachener

Dependance des Weltmarktführers

bei LCD-Bildschirmen und Laptops

von zwölf auf bald 500 Mitarbeiter. Daher

zog das Unternehmen in diesem Sommer

innerhalb der Stadt um. Die bisherigen

Gebäude an der Charlottenburger Allee

mit 1.500 Quadratmetern Büro- und 4.000

Quadratmetern Hallenfläche stehen momentan

leer. Ihr Eigentümer, die Segro

Slough Real Estate, möchte dennoch am

Standort zukaufen. Die englischen Investoren

verhandeln mit der Stadt über den

Erwerb des Nachbargrundstücks, das in

kleine Einheiten parzelliert und danach

zu einer Art Gewerbehof für Dienstleister

entwickelt werden soll.

Die Region befindet sich im Aufwind.

Dieses Fazit zieht die AGIT, die Wirtschaftsagentur

der Technologieregion, in

ihrem Gewerbeflächen-Monitoring für

sämtliche untersuchten 46 Städte und Gemeinden.

2006 gab es 89 Transaktionen

mit insgesamt 54 Hektar Fläche. Sie führten

zu einer leichten Abnahme der seit

2002 erfassten, sofort verfügbaren Baugrundstücke.

Die Preisspanne ist weit –

von sechs bis 150 Euro, aber in diesem

Rahmen gab es keine größeren Veränderungen.

Nur in der Stadt Aachen legte der

frühere Durchschnittspreis von 112 Euro

pro Quadratmeter um sechs Euro zu.

Fünf Objekt- und zwei Flächenverkäufe

gehen auf das Konto des Alten Schlacht-


hofs an der Jülicher Straße im Nordosten

Aachens. Bis zum Jahr 2010 sollen sich die

40.000 Quadratmeter mit ihren markanten

Industriedenkmälern in einen

blühenden Gewerbehof verwandeln. Auch

die zivile Zukunft des ehemaligen belgischen

Kasernengeländes Kamp Astrid

in Stolberg zeichnet sich nun deutlich ab.

Das 23 Hektar große Areal verbindet die

Lage im Grünen mit der Nähe zum Autobahnkreuz

Aachen und stockt die bisher

45 Hektar umfassenden Gewerbeflächen

der Gemeinde endlich auf. Ende des Jahres

sollen die ersten expandierenden

Klein- und Mittelständler, die sich für 35

Euro pro Quadratmeter einkauften, mit

dem Bau beginnen.

Internationale Neuansiedlungen

in Baesweiler

In Bewegung ist auch der Gewerbeflächenmarkt

der 28.000 Einwohner großen

Kreisstadt Baesweiler, auf halbem Weg

zwischen Aachen und Jülich gelegen. Das

70 Hektar große Gewerbegebiet wird um

40 Hektar erweitert. Der Quadratmeter

Grund ist für 20 Euro zu haben. Momentan

arbeiten dort 100 Firmen. Mehr als ein

Drittel der Betriebe hat sich im „Internationalen

Technologie- & Service-Center

Baesweiler“ (its) niedergelassen. Auf den

Labor- und Büroflächen, die für 5,50 Euro

pro Quadratmeter vermietet werden, oder

den Hallenflächen für 3,50 Euro werden

Nachwuchsfirmen gefördert oder internationalen

Playern Starthilfe gewährt. Entsprechend

enthält die Servicepauschale,

die sich ab einem Mindestbetrag von 75

Euro zur Miete addiert, neben dem Backoffice

auch Übersetzungsdienste oder

Networking Events wie die Baesweiler Biotec

Meetings oder Venture Capitalist

Leuchttürme

1a – Lage

Erlebnisregion

Nationalpark Eifel

Bewegen-Bewirken-Begeistern

Messen. Im its-Center dürfen sie maximal

fünf Jahre verweilen. Danach bieten sich

Umzugsmöglichkeiten nach nebenan in

das its4, das 2.200 Quadratmeter Hallenfläche

und 700 Quadratmeter Büro bietet.

Hotelmarkt: Spitzenkategorie ist dünn besetzt

Sollen Aachens Besucherzahlen weiter

auf Wachstumskurs bleiben, muss in

eine hochwertige Tourismus- und Kongressinfrastruktur

investiert werden.

Das Tourismusbarometer 2007 der

Wirtschaftsagentur AGIT verzeichnet

rund eine Million Übernachtungsgäste

in der Region, die im Durchschnitt

zweieinhalb Tage verweilen. Damit erreichen

Aachen und sein Umland Platz

zwei in Nordrhein-Westfalen. 829.430

Übernachtungen entfielen auf die Kaiserstadt,

doch längst nicht alle Gäste

wählten ein Hotel. 262.800 Übernachtungen

verzeichneten die 51 Hotels der

Stadt, die insgesamt 2.101 Betten bieten.

Die Nachfrage stieg das dritte Jahr

in Folge, doch die Bettenkapazität

wuchs nicht in gleichem Maße.

Aachen ist nicht nur ein Reiseziel für

Touristen, die privat unterwegs sind. Zu

gleichen Teilen splittet sich der Markt in

Privat-, Kongress- und Geschäftsreisende.

Ein Drittel der Gäste stammt aus

dem Ausland, hat der Verkehrsverein

Aachen festgestellt.

„Was wir dringend brauchen, sind

450 bis 500 Betten im gehobenen Segment“,

mahnt Aachens Kur- und Verkehrsdirektor

Werner Schlösser. Er erinnert

daran, dass die Stadt nur ein

Grand Hotel hat: den Quellenhof. Aber

wenn es um die Lage eines solchen

Hauses geht, schränkt er ein: „Nicht um

Diese Erweiterung erbaute ein Privatinvestor,

der ist begeistert von der Auslastungsquote

des its4. Aktuell plant er bereits

die Erweiterung um zusätzliche 1.450

Quadratmeter.

jeden Preis und nicht an jeder Stelle.

Das magische Dreieck heißt Dom, Eurogress

und RWTH.“ Diesen Bedarf werden

Hotelprojekte, die zurzeit in der

Diskussion sind – wie am neuen Tivoli-

Stadion oder in der Beverstraße - nicht

decken.

Im 13.000 Einwohner zählenden

Städtchen Monschau ist man da bereits

weiter. 2009 will der niederländische

Entwickler Snippe Projecten sein 4-

Sterne-Hotel mit 200 Zimmern und

Hubschrauberlandeplatz eröffnen. 35

Millionen Euro kostet das kongressfähige

Haus „Im Rosenthal“, über dessen

Betreiber noch verhandelt wird. Als

Grund für die Investition gibt Snippe

zwei Millionen mögliche Besucher an,

die Nähe zu Maastricht und Lüttich sowie

zum Erholungsgebiet Eifel, das sich

bei Kurzurlaubern seit fünf Jahren

wachsender Beliebtheit erfreut.

„Im Grunde hat Aachen genug Betten.

Was fehlt, ist eine strukturierte Hotellerie.

Die Angebotslücke klafft vom

Mittelfeld bis zur Spitze. Bleibt sie ungefüllt,

werden internationale Kongressveranstalter

lieber nach Köln gehen, wo

sie ihre Kunden in entsprechenden Kategorien

unterbringen können“, gibt der

Mainzer Hotelentwickler Berno-H.

Feuring zu bedenken. Er rät zur Umstrukturierung.

Rahel Willhardt

200 ha bestproofed

Industrie- und

Gewerbepark

Am Silberberg II

Kontakt:

02251/14-441

immobilienmanager · S p e c i a l R e g i o n A a c h e n 10 / 2 0 0 7


10

Special Region Aachen Einzelhandel

Die Aachener City lebt wieder auf. Nur

drei Einkaufsstraßen in Nordrhein-Westfalen

toppen laut Kemper´s City Makler

die Fußgängerfrequenz der Oberen Adalbertstraße.

In dieser 1a-Lage sind die

Händler mit einer Miete von 90 Euro pro

Quadratmeter dabei. Die Kaufpreise betragen

bis zum 17fachen der Jahresnettomiete,

was der Kaiserstadt den achten von

185 Plätzen in der Rangliste der deutschen

Mittelstädte eintrug. Die Einschätzungen

haben einen eindeutigen Tenor: Filialisten

sind willig, doch das Angebot an guten

Flächen ist noch knapp.

Glück hatten der Young Fashion Spezialist

New Yorker und der Schuhfilialist

Görtz an der von Mode- und Lederwaren

gesäumten Einkaufsmeile. Sie fanden am

ehemaligen Woolworth-Standort je 2000

Quadratmeter Fläche. „Den Ausschlag,

hier einen der größten Stores weltweit zu

eröffnen, gaben die idealen Rahmenbedingungen

wie Universitätsstadt, Demografie,

Kaufkraft, Dreiländereck, aber

immobilienmanager · S p e c i a l R e g i o n A a c h e n 10 / 2 0 0 7

Raum für Expansionen

Die Kaiserplatz-Galerie bringt der Innenstadt von 2009 an neue Einzelhandelsflächen, die dort auch benötigt werden.

»Aachen hat die Einkaufslagen in der Innenstadt erfolgreich

aufgewertet. Die guten Flächen werden knapp, doch nicht für

lange. Mehrere Center-Projekte stehen vor dem Start.

> Von Rahel Willhardt

kalinvestoren Gerd Sauren und Hans Kahlen

auf, wird die Magnetkraft der Mall in

der Kleinen Adalbertstraße 10 ähnlich große

Passantenmassen bewegen wie die zur Altstadt

hin liegende Obere Adalbertstraße.

Unbestritten steht die moderne Fußgängerzone

im Fokus von Großfilialisten

und Investoren. Doch ohne die touristenträchtige

Altstadt mit ihrer Historie, den

auch zahlreiche Anfragen unserer Kun- charmanten Boutiquen und lauschigen

den“, kommentiert Hermann Malonn, Lei- Cafés fehlte der Stadt ihr ureigener Chater

der Bauabteilung von New Yorker, die rakter. Charme, den der vergleichsweise

Entscheidung, sich in Aachen niederzulas- hohe Anteil kleinteiligen Handels versen.sprüht!

Doch jahrelang litten die alte und

Dass ab 2009 mehr expansionsfreudige die neue Hauptgeschäftslage an konsum-

Ketten in der begehrten Lage fündig werden,

dafür soll die

Kaiserplatz-Galerie

sorgen. Unter

das 28.000 Quadratmeter

große

schützende Dach

will man Big Guys

wie Peek & Cloppenburg

oder Karstadt

Sport locken,

aber auch den modebewusstenMännern

der Region

endlich ein Einkaufs-Zuhausegehemmenden

Unterbrechungen. Wie im

ben. Geht die Betrieb bei Tag und Nacht verspricht die Trendbox, ein Einkaufszentrum, das

Rechnung der Lo- abends mit Lifestyle-Events locken will.

Foto: PEA PRojEktENtwICkluNgSgESEllSChAFt

Foto: tCN


Innenstadtkonzept von 2002 vorgesehen,

gelang es, diese zunehmend mit attraktiven

Angeboten zu füllen. Mustergültiges

Beispiel ist der Schulterschluss der beiden

Haupteinkaufsstraßen durch die Revitalisierung

der Lage „Am Büchel“.

Den ersten zugkräftigen Mieter setzte

Familie Falter mit dem 7000 Quadratmeter

großen Flaggschiff der Mayerschen Buchhandlung

ins damals noch wenig attraktive

Kaufgebiet. Dem folgten die Ansiedlung

des Kinder-Must-Have Teddy & Co.

und die Aufwertung des Friedrich-Wilhelm-Platzes.

Dieses Drehkreuz zwischen

Aachens alten und neuen Einkaufslagen

beleben Gastronomie und Filialisten rund

um den „Glaskubus“. Dank der Immobilien-

und Standortgemeinschaft unter Leitung

von Till Schüler wurde der abzweigende

Holz-/Dahmengraben vom Joch der

1-Euro-Shops, schäbigen Fassaden und

gleichgültigen Händler befreit. Zusehends

mausert er sich zu einer Trendmeile, die

Tommy Hilfiger, Stefanel oder auch Marc

O’Polo für sich einnehmen für Mieten

zwischen 40 bis 55 Euro pro Quadratmeter.

Zum Bild passt auch die „Bank der Zukunft“,

das Konzept, mit dem sich die

Deutsche Bank im vergangenen Jahr rundum

verjüngte. Zu beobachten bleibt, ob

die Großkölnstraße durch die Stärkung

der neuen und alten Konsumachsen beeinträchtigt

wird; Maßnahmen zur Stärkung

der Lage gibt es bereits: So integrierte

Sinn Leffers im März eine 470 Quadratmeter

große Designerabteilung in sein Ladenlokal.

Für 2009 kündigte sich mit der „Trendbox“

weiterer stylischer Auftrieb am Büchel

an. Das Parkhaus soll einer Mall weichen,

die Erstverdiener ins Visier nimmt.

Auf 8000 Quadratmetern, in maximal 350

Quadratmeter große Shops parzelliert,

sollen sich Firmen vom Kaliber g-Star an-

Aachens handelsrelevante Zahlen 2007 (2005)

Kaufkraftkennziffer pro Einwohner 100,7 (102,2)

Zentralität 125,3 (126,6)

Umsatzkennziffer pro Einwohner 124,3 (123,9)

Passantenfrequenz in der Stunde 8.550 (7.620)

Spitzenmiete 1a-Lage 85 bis 90 Euro pro Quadratmeter

Einwohner Aachen Stadt 258.000

Einwohner Kreis Aachen 310.000

Einwohner Region Aachen 1,3 Millionen

Einwohner Euregio Maas-Rhein 3,88 Millionen

siedeln. Abends, wenn die Verkäufer in

den Feierabend verschwinden, wird die

Trend- zur Tanzbox und ihre Verkaufs- zur

Clubbingkulisse für Nachtschwärmer.

„Das Konzept lag schon zwei Jahre bei uns

in der Schublade, bis wir einen geeigneten

Standort gefunden haben“, begeistert sich

Geerd Simonis, Business Development

Manager beim niederländischen Entwickler,

Investor und Betreiber TCN. Er schätzt

die harten Standortfaktoren und Aachens

junges Konsumpublikum, aber es zahlt

sich allmählich im Handel auch aus, was in

den vergangenen Jahren in die Stadt investiert

wurde.

„Um 2000 herum hatten wir Leerstandsquoten

von zwölf Prozent, heute liegen wir

bei maximal fünf Prozent. Freie Läden in

den Zentrallagen sind schwer zu finden.

Die meisten Lokale sind schon wieder vermietet,

wenn man nachfragt“, pointiert

Andrea Trebschuh von der Initiative Aachen

ein zentrales Ergebnis ihrer lokalen

Bestandsanalyse. Knapp die Hälfte der

2000 Aachener Händler zentriert sich mit

rund 160.000 Quadratmetern Verkaufsfläche

im Alleenring. Ihr Jahresumsatz von

660 Millionen Euro trägt gut 42 Prozent

zum Handelsumsatz des Oberzentrums

bei, hat die BBE Marktforschung im Auf-

Wenn er mal soweit ist ...

Wir entwickeln.

Wir bauen.

Wir betreiben.

Und wir wachsen mit den Aufgaben.

Weitere Informationen erhalten Sie telefonisch unter

0 24 52 / 189-0 oder unter www.frauenrath.de

Quelle: Kemper‘s

trag der StädteRegion Aachen ermittelt.

Viele der 310.000 Bürger des Kreises zieht

es bevorzugt zum Kauf von Kleidern, Modeaccessoires

und Haushaltswaren in die

City. Ihre Einrichtungsobjekte oder auch

Elektronik erstehen Städter wie Vorstädter

gern auf der grünen Wiese wie in Würselen

am Aachener Kreuz. Um die Einkaufsvielfalt

zu erhalten, doch Kannibalismus

zu vermeiden, brachte die StädteRegion

nun das Einzelhandelskonzept STRIKT

auf den Weg, das den 566.000 Einwohnern

von Stadt und Kreis ein koordiniertes

Wachstum sichern soll. „Der Handel kann

mit Hilfe dieses informellen Abstimmungsprozesses

weiter auf die Überholspur

gebracht werden. Das Verfahren

schützt die Innenstädte und Nahversorgungszentren,

weil es den Wandel an der

richtigen Stelle forciert“, erläutert Detlef

Funken vom Zweckverband StädteRegion

Aachen.

Und was ist mit den 30 Kilometer entfernten

Städten in der Euregio? Geerd Simonis

trifft den Geist der Region ziemlich

exakt: „Maastricht und Lüttich sind keine

Konkurrenz. Menschen in Charlemagne

nutzen die sich bietende Vielfalt nicht als

Entweder-oder sondern als Sowohl-alsauch“.

immobilienmanager · S p e c i a l R e g i o n A a c h e n 10 / 2 0 0 7 11


12

Special Region Aachen Hochschule und Forschung

Wissen im Paket

Die Rheinisch Westfälisch Technische Hochschule (RWTH) gilt als eine der besten Ingenieursschmieden des Landes.

»Aachen ist ein weltweit führender Standort der Wissenschaft.

Nun will die Universität ihre hohen Standards bei der

anwendungsorientierten Forschung steigern, um diesem Zweig

noch mehr ökonomischen Erfolg zu verschaffen.

Jeder zehnte deutsche Forscher arbeitet

in der Region Aachen, obgleich in diesem

Landstrich weniger als zwei Prozent

der bundesdeutschen Bevölkerung leben.

Doch früher als andernorts baute die Aachener

Ingenieursschmiede Rheinisch-

Westfälische Technische Hochschule

(RWTH) lukrative Brücken zur Wirtschaft.

Mit 131 Millionen Euro von öffentlichen

und industriellen Auftraggebern führt die

Universität heute die Spitze der Drittmittelfinanzierung

an. Auch in puncto Unternehmensgründung

hat die Stadt „die Nase

vorn“. Beides sind Zeichen wirtschaftlicher

Stärke und Dynamik, die dazu

beitrugen, dass Aachen im Ranking des

Prognos-Zukunftsatlas 2007 von 439

kreisfreien Städten und Kreisen den 24.

Platz errang.

Das sind Früchte einer Strukturpolitik,

die konsequent auf Wissenstransfer und

Gründungsförderung setzt. „Wir wollen

so vielen ausgebildeten Ingenieuren wie

möglich attraktive Jobs bieten, weshalb

IHK und RWTH die Kooperation mit der

regionalen Wirtschaft seit 25 Jahren fördern“,

unterstreicht Fritz Rötting, Geschäftsführer

der Industrie- und Handels-

immobilienmanager · S p e c i a l R e g i o n A a c h e n 10 / 2 0 0 7

> Von Rahel Willhardt

kammer. Zentrale Wissensreaktoren sind

die 13 „Technologie- und Gründerzentren“

(TGZ), die von Hückelhoven im Norden

bis nach Monschau im Süden das Gebiet

besiedeln und technikaffinen Start-ups

helfen, ihr Know-how in wirtschaftlich

lukrative Bahnen zu lenken. Aktuell nutzen

540 Firmen mit insgesamt 5.000 Mitarbeitern

die Gewerbeflächen in den Zentren

und greifen auf die vielfältigen Beratungsstrukturen

zurück. Im Zeitraum

von 1990 bis 2006 erhielten hier durchschnittlich

100 Wirtschaftsyoungster pro

Jahr Unterstützung. Gut 50 Prozent siedelten

nach ihrer Förderzeit in der Region an,

80 Prozent der Firmen überlebten und etwa

30 Prozent aller Neugründungen sind

Spin-offs der Wissenschaftsinstitute.

Viele Geschäftskonzepte sind hochspezialisiert,

schwingen sich aber in ihren

Nischen zu internationalem Ruhm auf:

Ohne die Hightech-Lager aus Hochleistungskeramik

der Cerobear GmbH würde

Felipe Massas Ferrari längst nicht so flott

über den Hockenheimring sausen; die Lebensmittelindustrie

vieler Länder müsste

weiterhin auf eine branchenspezifische

EDV-Lösung verzichten, wenn es die 260

Foto: PEtEr WiNANdy/AGit

Mann starke Geilenkirchener CSB-System

GmbH nicht gäbe.

Die Stadt und ihre lokalen Wirtschaftsplayer

züchten in enger Kooperation mit

Hochschul-, Fraunhofer- und Helmholtzinstituten

ihren Unternehmensnachwuchs

gewissermaßen selbst. Zugleich übt die

engmaschige Vernetzung Magnetwirkung

auf Konzerne mit entwicklungsintensiven

Produkten aus. Ericsson, Microsofts European

Innovation Centre oder das Ford

Forschungszentrum sind nur die renommiertesten

Beispiele. Damit keine Hersteller,

Dienstleister oder Institute durchs

weitgespannte Wissensnetz fallen, wird in

der Region in Kompetenzclustern gedacht,

geforscht und sich vernetzt, die alle wichtigen

Profilbereiche der RWTH wie IT/

Kommunikation, Maschinenbau oder

Life-Science spiegeln. Know-how, das sich

selbstverständlich nicht aufs Lokale beschränkt,

sondern sich wiederum in weltweite

Exzellenzzirkel einklinkt.

International im Spitzenfeld

In diesem Zusammenspiel knüpften

die staatlichen und kommerziellen Geistesarbeiter

beispielsweise 12 Europas dichtestes

Netzwerk automobiltechnischer

Kompetenz, das weltweit nur von dem in

Detroit getoppt wird. In der Energietechnik

bahnt sich derzeit Ähnliches an: Im

vergangenen November nahm das E.ON

Energy Research Center seine Arbeit unter

der Leitung von Professor Dr. Rik De

Doncker auf. Für zunächst zehn Jahre unterhält

der Energieriese drei der fünf

Lehrstühle und fördert die Forschungsstätte

mit 40 Millionen Euro. In gut einem

Jahr gehen die Forscher den Geheimnissen

der Geothermie oder dem künftigen

Nutzerverhalten im avantgardistischen

Repräsentativbau von Zaha Hadid auf den

Grund. Die Standortwahl kommentiert

E.ON Vice-President New Technology &

Strategic Planning, Dr. Markus Ewert:

„Die Ergebnisse unseres internationalen

Benchmarkings sprachen eindeutig für

den Standort: die RWTH, die im Bereich

Energie internationale technologische

Spitzenforschung betreibt; die unmittelbarer

Nähe zum Forschungszentrum Jülich

und die vernetzte Forschungskultur,

die für den bewusst interdisziplinären Ansatz

des Centers ideal ist“.

Parallel dazu festigt das 34.000-Einwohner-Städtchen

Jülich seine Entwicklung

von der historischen Festungsstadt


zum Forschungsbollwerk. Im Sommer

wurde der Grundstein für ein weltweit

einzigartiges solarthermisches Versuchskraftwerk

gelegt. Die Hälfte des Investitionsvolumens

von 21,7 Millionen Euro finanzieren

der Bund, NRW und Bayern,

die andere Hälfte steuern Stadt, Stadtwerke

und der Anlagenbauer Kraftanlage

München bei. Mehr als das Doppelte lässt

sich der Bau- und Liegenschaftsbetrieb

NRW (BLB) den Neubau des FH-Campus

Jülich kosten. Vom Frühjahr 2009 an werden

die 2.000 Studenten (30 Prozent davon

aus dem Ausland) im 23.000 Quadratmeter

großen Gebäude in Energietechnik,

Technomathematik und Biomedizin ausgebildet.

Die zehn Laborbereiche, Vorlesungsräume,

Bibliothek und Mensa erfüllen

modernste Energiestandards, denn

Forschung verpflichtet! Das dachte man

sich wohl auch beim neuen Studentenservicecenter

„Super C“ in Aachens City, in

dem eine 2.500 Meter lange Sonde die nötige

Heiz- und Kühlenergie aus den Tiefen

der Erde ziehen wird. Die einem vergrößerten

C nachempfundene Glas-Stahl Architektur

bietet vom kommenden Jahr an

4.600 Quadratmeter Verwaltungs-, Versammlungs-

und Konferenzräume.

Während RWTH und Jülich ihr Profil

im Bereich der regenerativen Energien

schärfen, zieht Europas erster grenzüberschreitender

Gewerbepark Avantis Energiekompetenzen

an. Solland Solar heißt

der rasant wachsende niederländische Solarzellenhersteller,

der sein Fabrikgebäude

zu 60 Prozent in Aachen und zu 40

Prozent im niederländischen Heerlen errichtete.

Steuern zahlt das Unternehmen

in dem Land, in dem die Geschäftsführung

sitzt. Zugleich hilft die doppelte

deutsch-niederländische Adresse, das forschungsintensive

Geschäft mit europäischen

Fördergeldern von hüben wie drü-

ben zu optimieren. Ein „Sprungbrett über

die Grenze“ bieten die IHKs von Limburg-

Süd und Aachen im benachbarten World

Trade Center. Dort hat auch energy hills

e.V. sein Büro. Das Unternehmensnetzwerk

sorgt für den Schulterschluss des

deutschen Energieclusters mit den Niederlanden

und integriert fachrelevante

Ansiedler, wie Fest (Front-End Silicon

Technologie). Der Name steht für eine Kooperation

des ISC International Solar Energy

Research Center mit dem Energieforschungszentrum

der Niederlande.

Avantis setzt auf Solar

Die hohe Leistungskraft des Wachstumsmotors

Uni soll noch gesteigert werden.

„RWTH Campus“ heißt der unscheinbare

Arbeitstitel für ein ambitioniertes

Konzept, dessen erster Spatenstich

für 2009 geplant ist. Geht der Plan auf, besiedeln

in etwa acht Jahren Forschungsgebäude

und Infrastruktur im Wert von 750

Millionen Euro das 270.000 Quadratmeter

große Areal in Seffents/Melaten. Seit den

1970er Jahren siedeln sich im Erweiterungsgebiet

nahe am Klinikum und der

niederländischen Grenze naturwissenschaftliche

und technische Institutslabore

an. Auf dem neuen Baugrund wollen die

RWTH und der Bau- und Liegenschaftsbetrieb

die Erkenntnisproduktion nun

nach Clustern arrangieren, in denen Institute,

verzahnt mit den Forschungs- und

Entwicklungsabteilungen kommerzieller

Player marktrelevante Fortschritte entwickeln.

Räumlich wird damit verdichtet,

was die Universität seit 30 Jahren tut: anwendungsorientierte

Forschung.

Im Gegenzug verpflichtet diese sich,

ihre Fachleute in die Lehre und Forschung

der Hochschule einzubringen. Ein Tausch-

MGG_AZ_175x63_RZ_2:Layout 1 17.09.2007 16:53 Uhr Seite 1

WIR BELEBEN

REGIONEN

Ihr kompetenter Partner für:

Umweltengineering

Flächenentwicklung

Immobilienmanagement

Foto: ArcHitEktUrbüro FritZEr + PAPE

Blickfang in der Innenstadt: „Super C” wird das neue

Studentenservicecenter heißen.

handel, der mit Weiterbildungsgutscheinen

vergütet wird, mit denen Firmen

dann ihre Mitarbeiter auf den neuesten

Stand der Technik bringen können.

10.000 forschungsnahe Arbeitsplätze

soll die Ballung der Wissensproduktion

bringen. Die Ergebnisse des städtebaulichen

Wettbewerbs liegen noch in diesem

Herbst vor, bis Ende 2008 steht der Bebauungsplan,

und Mitte des Jahres ist klar,

welche neun der 15 geplanten Cluster zuerst

realisiert werden. Derzeit konkurrieren

19 Lehrstühle um mindestens 40 Prozent

der erforderlichen „Letters of Intent“.

Wer gut akquiriert, baut zuerst. Die Namen

von Ansiedlungswilligen werden

noch nicht genannt. „Ankündigungstourismus

schadet der Gesamtseriosität des

Projekts“, warnt der konzeptionelle Erdenker

und Umsetzungsbeauftragte des

Rektorats, Professor Günther Schuh vom

WZL (Werkzeugmaschinenlabor). Der

Niederlassungsleiter vom BLB, Harald

Lange, verrät zumindest: „In der Wirtschaft

stößt das Projekt auf sehr großes

Interesse, wobei die Diskussion um die

Exzellenz der Uni dem Ganzen unglaublichen

Auftrieb gegeben hat“.

Montan-Grundstücksgesellschaft mbH

Regionalbüro Rheinland

Roermonder Straße 63 · 52134 Herzogenrath

Tel. +49 (0) 2407.51–492 · Fax +49 (0) 2407.51–397

www.mgg.de

immobilienmanager · S p e c i a l R e g i o n A a c h e n 10 / 2 0 0 7 13


14

Special Region Aachen Wohnungsmarkt

Die Stadt benötigt zusätzlichen Wohnraum – besonders im oberen und unteren Marktsegment.

Laut dem Demografiebericht der

Bertelsmannstiftung steht dem „prosperierenden

Wirtschaftszentrum“ Aachen

eine glorreiche Zukunft bevor. Das Landesdatenamt

Nordrhein-Westfalen stellte

jüngst durch Datenverlängerung ins Jahr

2025/50 fest, dass Aachens „Bevölkerungstanne“

gesünder ist als die bundesdurchschnittliche

und prognostiziert 10,4

Prozent Wachstum. Fruchtbarer Dünger

ist die Technologiekompetenz der Region.

Sie sorgt mit derzeit 38.200 Studenten für

junges Blut, für doppelt so viel hochqualifizierte

Arbeitskräfte und weit mehr Beschäftigte

in boomenden Wirtschaftszweigen.

Der Wermutstropfen ist die mit

49 Prozent weniger üppige Arbeitsplatzversorgung,

wobei die Gehälter mit 30.000

Euro deutlich über dem Bundesdurchschnitt

von 25.800 Euro liegen. Demnach

zeichnet sich ein Bedarf an hochwertigem

sowie gefördertem Wohnraum ab.

Die Spitzenmieten für Alt- und Neubauwohnungen

lagen 2006 bei 5,70 Euro

beziehungsweise 7,80 Euro. Da Neubautätigkeiten

rar sind, prognostiziert Feri’s

Zehn-Jahres-Fernblick Steigerungen auf

bis zu 7,50 Euro beziehungsweise zehn

Euro. Für Eigentum sieht die Rating Agentur

nur durchschnittlich rosige Zeiten mit

eher homöopathisch dosierten Wertzuwächsen.

Der Wohnungsbestand von

9.478.000 Quadratmetern wuchs um

42.000 Quadratmeter. Bei 55.000 Ein- und

18.000 Auspendlern wundert es nicht,

dass umliegende Städte wie Düren oder

immobilienmanager · S p e c i a l R e g i o n A a c h e n 10 / 2 0 0 7

Wandel verpflichtet!

»Dank einer prosperierenden Wirtschaft wächst die Bevölkertung in der gesamten Region. In

Aachen selbst fehlt es derzeit vor allem an hochwertigem Wohnraum.

Jülich positive Wanderungssalden vorweisen.

Um dem sich anbahnenden Wandel

kompetent zu begegnen, arbeitet die

Bertelsmann-Studie zentrale Eckpfeiler

heraus. Sie lauten: Segregationen entgegenwirken,

zukunftsorientierte Senioren-

und kinderfreundliche Familienpolitik.

Viele Menschen ziehen

ins Umland

Qualitäten, an denen man in Aachen

arbeitet. Im Ostviertel, einer sozial eher

schwachen Wohngegend mit überaltertem

Baubestand, entstehen auf dem 12.000

Quadratmeter großen Areal des einstigen

Finanzamts an der Beverstraße mehrere

Geschossbauten, Stadt- und Reihenhäuser.

Ein Investor für die 200 Wohneinheiten

steht allerdings noch nicht fest.

In der Altstadt gibt es viel Wohnraum,

allerdings wenig hochwertigen. Mit dem

Barbarossapark hat die City nun ihren

ersten Neubau seit zehn Jahren. Die Hälfte

der 90-bis-220-Quadratmeter-Wohnungen

war für 198.000 bis 670.000 Euro

verkauft, bevor überhaupt der endgültige

Baubeschluss feststand.

Seit diesem Jahr findet sich am Rand

des Ostviertels ein von der Alzheimer Gesellschaft

betriebenes Wohnprojekt für

Demenzkranke. Wo einst die Waagenfabrik

Widra produzierte, leben nun Betagte

in Wohngruppen auf insgesamt 3.100

Foto: AlzheImeR GeSellSchAFt

> Von Rahel Wilhardt

Quadratmetern mit Garten. In NRW gilt

das Pilotprojekt als wegweisend.

Familien hingegen haben Chancen, in

Kornelimünster – einer gehobenen Wohnlage

mit Eifel-Fernblick - Wohnraum zu

ergattern. Fleißig 14 bauen hier GeWoGe,

Stadtsparkasse und Privatinvestoren 270

Einheiten. Einer dieser Investoren ist die

holländische Bouwfonds, die bis 2008 ihre

22 Häuser mit je 180 Quadratmetern für

8,75 Euro pro Quadratmeter vermietet

haben will, aber auch zentral, im Frankenberger

Viertel, in 46 Geschossbauwohnungen

investiert. Kosten: 2.000 bis 2.400

Euro pro Quadratmeter.

Das Pilotprojekt der Alzheimer Gesellschaft im Ost-

viertel gilt als wegweisend.

Bedarf ist da, gute Flächen rar, doch an

einigen sei man dran - verrät Alfred Stegmannn

von Bouwfonds durchaus zufrieden:

„Manche Investoren verwechseln

Aachen mit Frankfurt am Main oder

München. Das sollten sie nicht tun.“

Foto: StADt AAchen


Rollende Räder statt

rauchender Schlote

» Dreiländereck und exzellente Verkehrsanbindungen

prädestinieren den Großraum Aachen für die Logistik

– was immer mehr Unternehmen entdecken.

Flauschdecken, Maniküresets,

Rührstäbe – auf 14,3 Millionen Pakete

summiert sich, was TV-Shopper übers

Jahr hinweg beim Einkaufssender QVC

bestellen. Das alles will verschickt sein!

Und eben das leisten die 1.200 Mitarbeiter

in Hückelhofen, das im Kreis Heinsberg

an der A44 liegt. Um die Warenmassen

ins richtige Haus zu bringen, stehen in

der 67.000 Quadratmeter große Halle

Regallager von 37 Metern Höhe, 68.500

Palettenplätze, 19 Kräne und zwölf Kilometer

Fördertechnik bereit. Erst vier Jahre

sind vergangen, seit der Düsseldorfer

TV-Händler das Distributionscenter mit

einem 400-Mann-Team eröffnete. Die

verhältnismäßig kurzen Fahrwege zur

Zentrale, hohe Arbeitskraftreserven und

ausreichend Expansionsfläche gaben den

Ausschlag, die einstige Zechenstadt einer

ostdeutschen Stadt vorzuziehen.

Mittlerweile entschloss sich auch die

Hermes Logistik Gruppe zur Ansiedlung

im Gewerbegebiet Hückelhoven-Baal:

Diesen Monat eröffnete der 35 Millionen

Euro teure West-Hub, der Kapazitäten

> Von Rahel Willhardt

für bis zu 50 Millionen Pakete vorhält:

„Wir haben einen idealen Standort

gefunden“, resümiert Hanjo Schneider,

Vorsitzender der Geschäftsführung von

Hermes Logistik. „Er intensiviert die

Zusammenarbeit mit unserem Nachbarn

QVC und bietet die erforderlichen Kapazitäten

für unser künftiges Wachstum in

Deutschland und Europa“.

Erfolge, zu denen das überdurchschnittlich

dichte Verkehrsnetz der Region

samt seiner Grenzlage beiträgt. Durch

das „Tor zum Nordwesten Europas“ sind

fünf Länder mit 16 Millionen Bewohner

in maximal vier Stunden erreichbar. Mit

der A44 und der A4 kreuzen sich bei

Aachen europäische Verkehrsachsen;

Hochgeschwindigkeitszüge verbinden

die Stadt in Windeseile mit Köln, Lüttich,

Brüssel und Paris; zu zwei der größten

europäischen Binnenhäfen (Duisburg/

Lüttich) und den Frachtflughäfen Köln/

Bonn sowie Lüttich fährt man maximal

eine Stunde. Gehen die ehrgeizigen Ziele

der Belgier auf, wird Lüttich 2010 Europas

größter Cargoairport sein.

Anzeige_175x63:Anzeige 175x63 11.09.2007 12:42 Seite 6

Logistik Special Region Aachen

Das Versandgeschäft ist ein wesentlicher

Treiber für Grundstücksankäufe

im Großraum Aachen. In fünf Jahren

wurden 25 Logistikgrundstücke mit insgesamt

27 Hektar veräußert, resümiert

das Gewerbeflächenmonitoring der

AGIT. In Eschweiler etwa siedelte sich

das Verteilcenter von Aldi Süd an; in

Euskirchen das deutsche Logistikzentrum

von Procter & Gamble mit mehr als

1.000 Mitarbeitern. In Alsdorf wird der

Marktführer von bespielten Multimedia-

Produkten, Cinram Gmbh, für Zuwachs

sorgen. Der seit 1975 hier ansässige Betrieb

produziert, verpackt und versendet

mit 1.200 Mitarbeitern jährlich mehr als

eineinhalb Millionen Discs. Ab Herbst

2008 übernimmt Cinram die komplette

Versandlogistik von Motorola für Europa.

Dass die verteiltechnische Schlagkraft

der Region noch mehr Stärke gewinnt,

dafür soll die „A4-Initiative“ sorgen.

Der Zusammenschluss von distributionsstarken

Orten entlang der Autobahn

will die Logistikpotenziale ins Blickfeld

von Firmen und Investoren rücken.

Freiraum für Ihre Zukunft

finden Sie im Industriepark Oberbruch in Heinsberg und Industriepark Niederau in Düren

beste Ansiedlungsmöglichkeiten breites Netzwerk zu den Behörden

Konzentration auf Ihr Kerngeschäft Nähe zu Wissenschaft und Forschung

Optimierung von Energieversorgung Unabhängigkeit vom Betreiber Nuon

und Infrastruktur

Sprechen Sie uns an. Petronella Gerards, NUON Energie und Service GmbH, Tel. 024 52/15 25 35 www.nuon.de

Foto: QVC

Von Hückelhoven aus beliefert der Shoppingsender QVC seine Kunden.

immobilienmanager · S p e c i a l A a c h e n 10 / 2 0 0 7 15


16

Special Region Aachen Diskussion

„Gebündelte Kräfte“

»Die Lage der Region Aachen im Dreiländereck und die darauf aufbauende grenzüberschreitende

Kooperation sind zumindest in Deutschland einmalig. Fast ebenso selten ist der hohe Grad der

interkommunalen Zusammenarbeit der beteiligten deutschen Gebietskörperschaften.

immobilienmanager diskutierte hierüber mit politischen Entscheidungsträgern der Region.

Herr Dr. Linden, welche Vorteile bietet

die Lage der Region Aachen im Dreiländereck?

Dr. Jürgen Linden: Als erstes möchte

ich die gut ausgebaute Infrastruktur

nennen. Die Region ist mit der Rheinschiene

und dem Ruhrgebiet ebenso gut

vernetzt wie mit unseren westlichen

Nachbarn Belgien und Niederlande und

deren großen Häfen Antwerpen und

Rotterdam. Eine weitere Stärke ist die

gute Zusammenarbeit in der Region.

Die Grenzen sind offen, und die Kooperation

wird immer dichter und enger,

auch auf Seiten der Unternehmen. Für

uns ist es zur Selbstverständlichkeit geworden,

mit den Niederländern und

Belgiern freundschaftlich zusammen zu

arbeiten.

immobilienmanager · S p e c i a l R e g i o n A a c h e n 10 / 2 0 0 7

Herr Dr. Bertholet, sieht das aus den

Niederlanden heraus genauso freundschaftlich

aus?

Dr. Peter M. Bertholet: Die Bereitschaft

dazu ist ohne jeden Zweifel vorhanden.

Aber man sollte auch die Barrieren

nicht unterschätzen, die es immer

noch gibt. Das fängt schon bei der

Sprache an. Aber diese Barrieren können

wir überwinden, um die durch unsere

Nachbarschaft gegebenen Chancen

zu nutzen.

Carl Meulenbergh: Die Städteregion

Aachen hat schon der gemeinsamen

Grenzen wegen einen engen Bezug sowohl

zu den Niederlanden als auch zu

Belgien. Gerade in Kerkrade ist die Zusammenarbeit

zwischen Deutschland

16

und den Niederlanden zur Normalität

geworden. Das funktioniert schon fast

wie ein gemeinsames Parlament. Darüber

hinaus haben wir als Städteregion

vor drei Jahren eine strategische Allianz

mit der Parkstadt Limburg ins Leben gerufen,

weil wir über die Grenzen hinweg

miteinander arbeiten wollen. Die Zusammenarbeit

wächst, das sieht man

zum Beispiel auch an unserem gemeinsamen

Auftritt auf der EXPO

REAL in München. Dort wird sich die

Region als Ganzes präsentieren.

Herr Spelthahn, Düren liegt ja nun

weder an der niederländischen oder der

belgischen Grenze, sondern sozusagen

auf halber Strecke zwischen Köln und

Aachen. Wie sehen Sie die Zusammenarbeit?


Dr. Jürgen Linden, Oberbürgermeister der Stadt

Aachen.

Wolfgang Spelthahn: Wir haben einen

direkten Bezug zu unseren westlichen

Nachbarländern, sowohl auf der

unternehmerischen Seite als auch in der

Forschung. Denn unsere Forschungszentren

arbeiten eng mit den angrenzenden

Ländern zusammen.

Unter Städten und Regionen entsteht

normalerweise immer auch ein Wettbewerb.

Herr Dr. Linden, wo liegt für die

Stadt Aachen der Vorteil der Dreiländerkooperation?

Dr. Jürgen Linden: Die Vorteile ergeben

sich vor allem aus der Tatsache, dass

wir ein Bildungs- und Wissensstandort

sind. Dies liegt nicht zuletzt an den

Hochschulen der Region, die allesamt

w w w . n e s s e l e r . d e

ein sehr ausgeprägtes Technologieprofil

entwickelt haben. Bei den Lebenswissenschaften

arbeiten wir eng mit Maastricht

zusammen. Andere wichtige Bereiche

sind bekanntlich Automotive, neue

Werkstoffe, Maschinenbau, die IT- und

Kommunikationstechnologie, Energie

und Umwelt, aber auch die Nanotechnik.

Im letztgenannten Bereich kooperieren

wir stark mit Lüttich. Aus dem Bildungs-

und Forschungssektor heraus entstehen

Ausgründungen, die sich in der Region

ansiedeln. Das wiederum verstärkt die

Verknüpfung zwischen unseren Hochschulen

und der Wirtschaft.

Wie wirkt sich die strategische Allianz

für die Parkstadt Limburg wirtschaftlich

aus?

Dr. Peter M. Bertholet: Ein Schwerpunkt

ist der Arbeitsmarkt. Hier ergeben

sich Synergien, die wir hervorragend

nutzen können.

Dr. Jürgen Linden: Es haben schon

Ratssitzungen mit Vertretern aller drei

Länder stattgefunden, die sich mit diesem

Thema befasst haben, denn auch in

diesem Punkt müssen wir über die Grenzen

hinaus denken.

Wie stellt sich das Verhältnis von Kooperation

und Konkurrenz unter den

deutschen Gebietskörperschaften dar?

Carl Meulenbergh: Wir haben die

Städteregion Aachen ja gegründet, um

unsere Zusammenarbeit zu forcieren.

Wir treffen uns sehr häufig, um uns abzustimmen.

Denn nur so können wir

produktiv sein. Dass dies der richtige

Weg ist, zeigen die Erfolge der zurücklie-

genden Jahre. Besonders wichtig ist dabei

übrigens die Zusammenarbeit der

Wirtschaftsförderungen.

Wolfgang Spelthahn: Bei aller gebotenen

Sachlichkeit – mit der Gründung

der Städteregion Aachen und der Kooperation

dieser Städteregion mit ihren

Nachbarn ist etwas ganz Großes gelungen.

Damit haben wir das andernorts

immer noch prägende Kirchturmdenken

überwunden, und das zu unser aller Vorteil.

Es wäre unsinnig, wenn auch diese

Region drei Skihallen und vier Factory

Outlet Center hätte. Natürlich ist mir bewusst,

dass Düren nicht mit Aachen konkurrieren

kann. Aber wir haben unsere

Stärken, so wie jeder der beteiligten

Kreise seine Alleinstellungsmerkmale

hat, und die gilt es auszubauen und sich

so zu positionieren, dass alle anderen

auch davon profitieren.

Dr. Peter M. Bertholet, Geschäftsführer der

Parkstadt Limburg.

Ihr Partner für

Entwickeln

Planen

Bauen

im Westen

nesseler grünzig gruppe 52076 Aachen Indeweg 80 Fon +49(0)241/52 98-0 Fax +49(0)241/52 98-400 E-Mail info@nesseler.de

immobilienmanager · S p e c i a l R e g i o n A a c h e n 10 / 2 0 0 7 17


18

Special Region Aachen Diskussion

Carl Meulenbergh, Landrat des Kreises Aachen.

Was erwarten Sie von Ihrem gemeinsamen

Auftritt auf der EXPO REAL?

Dr. Peter M. Bertholet: Unser Ziel

des gemeinsamen Auftrittes mit der Region

Aachen auf der EXPO REAL ist es,

dass die Region mit ihren europäischen

Nachbarn wahrgenommen wird. Wir

wollen uns nachhaltig im Bewusstsein

der Immobilienwirtschaft platzieren.

Muss die grenzüberschreitende Zusammenarbeit

auf Dauer nicht auch

eine feste politische Form finden?

Carl Meulenbergh: Meine Vision ist,

dass sich die beteiligten Gebietskörperschaften

zu einem großen Verbund zusammenschließen

mit einem Parlament,

das grenzüberschreitend die Region verwaltet

und ihre Geschicke steuert. Denn

wir sollten erst im Innern der Region

konsolidieren, dann können wir auch

weiter nach außen wachsen. Ich denke,

ich werde dies noch erleben.

Herr Dr. Bertholet, halten Sie diese

Vision für realistisch?

Dr. Peter M. Bertholet: Es wird

schwierig, aber ich glaube, dass dies das

Ziel sein sollte. Hier kommen allerdings

wieder die zu Anfang angesprochenen

Barrieren ins Spiel. Andererseits werden

bald auch andere Städte vergleichbare

Regionen bilden und von den daraus entstehenden

Stärken profitieren. Daher ist

es wichtig, die Europäisierung unseres

Zusammenschlusses zu forcieren.

immobilienmanager · S p e c i a l R e g i o n A a c h e n 10 / 2 0 0 7

Herr Spelthahn, der Landkreis Düren

könnte sich ebenso statt an Aachen

an Köln orientieren?

Wolfgang Spelthahn: Das ist eine der

wichtigsten Themen im Landkreis. Der

Südteil des Landkreises Düren tendiert zu

Köln. Hier wird vornehmlich die Kölner

Rundschau gelesen, Informationen aus

dem Raum Aachen werden entsprechend

wenig wahrgenommen. Ab Jülich tendieren

die Menschen eher in Richtung Aachen.

Die meist gelesenen Zeitung hier ist

die Aachener Zeitung. Damit ist der Kreis

eigentlich geteilt. Deshalb müssen wir

sehr rasch über unsere Orientierung entscheiden.

Das geht natürlich nur gemeinsam

mit unseren Bürgern. Die Tendenz

geht aber derzeit schon in Richtung Aachen.

Ist es nicht generell so, dass die Menschen

sich eher mit ihrem Kreis oder

ihrer Stadt identifizieren?

Dr. Jürgen Linden: Ideelle Werte wie

beispielsweise Frieden mit den Nachbarn

sind heute so selbstverständlich, dass

von ihnen wenig Überzeugungskraft

ausgeht. Für die Mehrzahl der Menschen

stehen materielle und soziale Aspekte im

Vordergrund. Das Dreiländereck bietet

hier zahlreiche Vorteile, die durch die regionale

Zusammenarbeit entstehen. Das

müssen wir vermitteln. Dann können wir

auch überzeugen.

Die Runde wurde von Christof Hardebusch

moderiert.

Wolfgang Spelthahn, Landrat des Kreises Düren.

immobilien

Abonnenten-Service:

Aysun Altuner, Telefon 0221 5497-169

Redaktion:

Christof Hardebusch (Chefredaktion, v.i.S.d.P.)

Bianca Diehl (Chefin vom Dienst)

Markus Gerharz

Charlotte Brincker (Volontärin)

Telefon 0221 5497-131, Telefax 0221 5497-134

redaktion@immobilienmanager.de

Redaktionsanschrift:

Stolberger Str. 84, 50933 Köln

Postfach 41 09 49, 50869 Köln

Layout und Grafiken:

Corporate Design Krueger/

K. Friedrich/A. Klar, Köln

Bezugspreise:

Inland:

125 Euro inkl. MwSt. und Porto (jährlich)

Ausland:

130 Euro inkl. MwSt. und Porto (jährlich)

Einzelheft: 16 Euro inkl. MwSt. und Porto*

* unverbindlich empfohlener Preis

Erscheinungsweise:

10 Ausgaben jährlich

Anzeigenleitung:

Olaf Hütten, Telefon 0221 5497-135

Anzeigenverkauf:

Thomas Ceppok,

Telefon 0221 5497-135, Telefax 0221 5497-6135

anzeigen@immobilienmanager.de

Anzeigenverwaltung:

Marion Hahn, Telefon 180221

5497-244

Anzeigenpreisliste Nr. 16 vom 1. Januar 2007

Satz und Repros:

Satz+Layout Werkstatt Kluth GmbH,

50374 Erftstadt

Druck:

J. P. Bachem, Köln

Verlag und Verlagsadresse:

Immobilien Manager Verlag, IMV GmbH & Co. KG

Stolberger Str. 84, 50933 Köln

Postfach 41 09 49, 50869 Köln

Geschäftsführung:

Rudolf M. Bleser

Verlagsleitung:

Olaf Hütten

www.immobilienmanager.de

entscheidend für entscheider

Das Werk einschließlich aller seiner Texte ist urheberrechtlich

geschützt. Jede Verwertung außerhalb

der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes

ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig

und strafbar. Dies gilt besonders für

Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen

und die Einspeicherung und Verarbeitung

in elektronischen Systemen.

ISSN 0940-7987

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine