An die Freunde der heiligen Therese - Therese von Lisieux

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An die Freunde der heiligen Therese - Therese von Lisieux

3.2008

An die Freunde der heiligen Therese

Therese

Therese 3.2008 | 1


Über uns

Im Theresienwerk haben sich die Freunde der hl. Therese

von Lisieux zusammengefunden. Sie versuchen zu leben

und zu verbreiten, was Therese in einer ganz kurzen

Formel so beschreibt: „Jesus lieben und dahin wirken,

dass er geliebt wird.“

Wenn Sie mehr über das Theresienwerk und die

hl. Therese von Lisieux wissen wollen, stehen wir

Ihnen gerne zur Verfügung.

Therese erscheint dreimal jährlich

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der

Redaktion wieder.

Verantwortlich:

Theresienwerk e. V.

D-86150 Augsburg

Sterngasse 3

Tel. 08 21/51 39 31

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2 | Therese 3.2008

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Schweiz:

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Inhalt

3 Editorial

von Hubert Zettler, Beirat im

Theresienwerk

4 Ehepaar Martin zu Seligen erklärt

Bericht eines Augenzeugen

5 Der Kleine Weg

Gezogensein

8 Mit Therese Christus begegnen

Tour de Thérèse 2008 im Osten

10 Im Alltag die Liebe einüben

Der Begegnung nicht ausweichen

12 Von Therese angesprochen

Gemeinschaft der Seligpreisungen

14 Kurz und aktuell


Editorial

Liebe Freundinnen und Freunde der heiligen Therese,

die Rundreise mit den Reliquien der hl. Therese liegt

inzwischen schon vier Monate zurück. Für mich, der

ich das Glück hatte, die Tour während vier Wochen

begleiten zu dürfen, ist sie noch in lebhafter Erinnerung.

Neben den feierlichen Gottesdiensten waren es

vor allem die Begegnungen mit hilfsbereiten Menschen,

an die ich in Dankbarkeit zurückdenke. Welche Erleichterung,

wenn uns jemand mit den örtlichen Verhältnissen

vertraut machte, beim Aufbau der Ausstellung und

des Verkaufstisches mithalf, für unser leibliches Wohl

sorgte.

Bewegend auch, wenn Besucher des Schreins über

persönliche Erfahrungen mit Therese berichteten.

Herausgreifen möchte ich die Begegnung mit Pater G.,

der, wie er selber sagte, Zeuge eines Wunders wurde.

Befragt, warum er Therese noch einmal begegnen

möchte, bekannte er:

„Als der Schrein bei uns war, wurde eine der Schwestern,

für die ich Mitverantwortung trage, von einem

seelischen Leiden geheilt. Ich bin gekommen, um Gott

für diese große Gnade zu danken.“ Sprach’s und verbrachte

die ganze Nacht vor Thereses Schrein.

Vom Glück, Therese in der Nähe zu haben, berichtet

in diesem Heft auch Sr. Sabine von der Eucharistie.

Sie lässt uns wissen, was Therese für sie bedeutet und

welche Empfindungen der Schrein bei der Gemeinschaft

der Seligpreisungen in Warstein ausgelöst hat.

Ihre eigenen Eindrücke vermittelt Frau Maria Ottl,

Referentin im Theresienwerk. Sie war Tour-Begleiterin

beim Besuch der neuen Bundesländer und auf dem

Katholikentag in Osnabrück.

Thereses Eltern zu Seligen erklärt

Eine Abordnung des Theresienwerkes aus Vorstand und

Beirat war in Lisieux dabei, als die Eheleute Zélie und

Louis Martin zu Seligen erklärt wurden. Lesen Sie den

Bericht dazu.

Ein Ehepaar, zur Würde von Seligen ernannt, ist zurzeit

noch eine Seltenheit. Deshalb und auch weil es sich

in diesem Falle um die Eltern der hl. Therese handelt,

sollen die Persönlichkeiten Zélie und Louis Martin dann

in den drei Ausgaben von Therese 2009 noch detailierter

gezeichnet werden.

Während der Tour de Thérèse hat sich eine Reihe von

Besuchern entschlossen, den Rundbrief zu abonnieren.

Darüber freuen wir uns sehr und heißen die Neuen im

Freundeskreis der hl. Therese ganz herzlich willkommen.

Ihnen und allen, denen Therese etwas bedeutet,

gilt mein Gruß

Hubert Zettler, Beirat im Theresienwerk


Ehepaar Martin zu Seligen erklärt

Bericht eines Augenzeugen

Kein Wölkchen am Himmel – dieser Sonntag wird

schön werden. Von 8 Uhr an herrscht reger Betrieb auf

der Avenue Sainte Thérèse. Die Sicherheitskräfte haben

alle Hände voll zu tun, den Besucherstrom zu kanalisieren.

Nach und nach füllen sich die Basilika, die

Krypta und der Vorplatz. Dank der perfekten Übertragungstechnik

können die 13000 Katholiken, die aus

20 Ländern angereist sind, das Geschehen überall

lückenlos mitverfolgen. In der Wartezeit bis zum

Gottesdienstbeginn werden die Gesänge aus dem

Begleitheft eingeübt.

Dann ist es so weit, die feierliche Handlung nimmt

ihren Verlauf. Msgr. A. Schmid und Dechant K. Leist

sind miteinbezogen. Hauptzelebrant ist Kardinal

S. Martins. Im Anschluss an das Kyrie bittet der Bischof

von Bayeux und Lisieux sowie der Bischof von Seez

um die Seligsprechung von Louis und Zélie Martin.

Kardinal Martins, der im Auftrag des Papstes handelt,

verliest die dafür vorgesehene Formel. Der Beifall, der

jetzt aufbrandet, verstärkt sich noch, als das Ehepaar

Schiliro, zusammen mit ihrem kleinen Pietro den

Reliquienschrein enthüllen. Nun dürfen die neuen

Seligen öffentlich angerufen und verehrt werden.

Auf das im Chorgesang vorgetragene Lob und die

Bitten, antworten die Tausende im Refrain mit einem

Ausspruch von Therese: Der liebe Gott gab mir einen

Vater und eine Mutter, des Himmels würdiger als der

Erde.

Nach den Vorschriften der Kirche setzt eine Seligsprechung

ein Wunder voraus. Dem italienischen Ehepaar

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Familie Schiliro beim Reliquienschrein

Schiliro wurde 2002 Pietro mit einer unheilbaren

Lungeninsuffizienz geboren. Durch die Anrufung der

Eltern Thereses erfolgte eine Heilung, die als „natürlich

unerklärlich“ anerkannt wurde.Von der Heilung der

Familien, davon spricht auch der Kardinal in seiner

Predigt: Louis und Zélie Martin sind ein Geschenk für

alle Ehepaare. Durch die gelebte eheliche Treue, ihr

Zusammenhalten in Freude und Leid, ihre Frömmigkeit

und ihren missionarischen Eifer, sind sie Vorbild und

Ermutigung für die Familien.

Der getragene Ernst der vormittäglichen Feier weicht

am Nachmittag einer heiteren Gelöstheit. Begleitet von

Schauspiel, Musik und Tanz werden Brieftexte der

neuen Seligen rezitiert. Gleichzeitig haben alle die es

wollen Gelegenheit, den Reliquienschrein zu betrachten

und Gegenstände daran berühren zu lassen. Für den

Abend ist ein Feuerwerk angesetzt. Die flüchtigen

Bilder, an den nächtlichen Himmel gezaubert, lassen an

den Himmel denken, der von den Heiligen bevölkert ist

und – so hoffen wir fest – auch einmal unsere ewige

Heimat sein wird. Hubert Zettler

Foto: Josefine Müller


Der Kleine Weg

„Gezogensein“ – Margarete und Therese

M. Weißt Du noch, vor vielen Jahren, als ich den Halt

verlor, weil mein „Lebens-Schiff“ in plötzlichem

Sturmwind zu kentern drohte?

Bis dahin fühlte ich mich sicher und geborgen, glaubte

ich doch, den lebenswichtigen „Proviant“ zu haben :

Freundschaft, Zuneigung, Treue, Vergnügen, Anerkennung,

Ansehen, Sicherheit…

Weißt Du noch, wie hilflos ich war?

Alleingelassen, dem Ertrinken nahe – festgeklammert

an die letzte „Planke“, während mein „Schiff“ sank...

So trieb ich dahin! Meine Hand, schlaff, ja kraftlos… -

da griffst Du nach ihr… Ich kannte Dich noch nicht,

doch Worte eines Priesters malten mir Dein Bild ins

Herz., und bald spürte ich dieses „Ziehen“ Deiner Hand,

hin, zur Antwort meiner Frage: Wozu?

Th. „Wie kann sich ein Herz inniglich mit Gott vereinen,

wenn es einer menschlichen Zuneigung nachgibt...“

M. Damit hast Du mich angesprochen – und getroffen!

Vorsichtig versuchte ich, diesem Wort nachzuspüren

und verstand, dass es nicht richtig ist, sich alles von

Menschen zu erwarten. Lehrte mich dies nicht auch

meine Enttäuschung? Wem kann ich noch vertrauen,

wenn der beste Freund mich verlässt? - Was bin ich

alleine?

Th. „Liebe Deine Schwachheit! Willige ein, bei jedem

Schritt zu stolpern, bei jedem Schritt zu fallen!

Es genügt, sein Nichts zu erkennen, und wie ein Kind

sich Gott in die Arme zu werfen.“

M. So fordertest Du mich auf, mein Schwachsein,

als „Kind sein vor Gott“ zu erkennen. Mich wachrütteln

zu lassen, von jedem Stolpern und Fallen.

Aber das war alles noch sehr ungewohnt für mich.

Wollte ich doch viel lieber groß und stark sein!

Jemand, der „darüber steht“ , und nicht – fällt!

Und so kamen sie immer wiederdie Feinde meiner

Seele: Angst, Verzagtheit, Misstrauen…

Th. „Sich der Liebe Gottes ausliefern heißt,

sich allen Ängsten ausliefern.“

M. Ja, das klang ganz einfach – aber, wie konnte ich

das? Gott schien manchmal so unerreichbar…

Th. „Festhalten am Gebet“

M Aber gerade dies fiel mir noch so schwer: Mich im

Gebet an Gott zu wenden!

Ich wusste nicht wie. Passende Worte glaubte ich nicht

finden zu können…

Th „Für mich ist das Gebet ein Aufschwung des

Herzens, ein schlichter Blick zum Himmel, ein Ausruf

der Dankbarkeit und Liebe, inmitten der Prüfung und

inmitten der Freude. - Gott wird nicht müde, mir

zuzuhören, wenn ich ihm ganz einfach meine Sorgen

und Freuden erzähle, so als würde er sie nicht kennen.

- IHM kann ich alles sagen!“

Therese 3.2008 | 5


M. Nun hatte ich Dich verstanden! Meine Freunde war

groß! Jetzt erkannte ich, dass meine Sehnsucht, dessen

Erfüllung ich in einer menschlichen Anhänglichkeit

zu finden glaubte, nichts anderes war, als der tiefe

Wunsch, mich „anzu-Vertrauen“ – Jemandem, der

meine Seele kennt…

Th. „Der Fahrstuhl, der mich bis zum Himmel emporheben

soll, deine Arme sind es, o Jesus!

Dazu brauche ich nicht zu wachsen, im Gegenteil,

ich muss klein bleiben, ja mehr und mehr es werden.“

M. So wuchs in mir der Wunsch, jeden neuen Tag mit

einem „Aufschwung des Herzens“ zu beginnen,

- in jenen „Aufzug“ zu steigen…

Dazu ermuntertest Du mich mit Deinem Gebet:

Th. „Mein Gott, ich weihe dir alles, was ich heute tue,

... all mein Tun möchte ich vereinen, mit deinen Gaben.

Ich möchte meine Fehler wieder gutmachen, indem ich

sie in den Feuerofen deiner barmherzigen Liebe werfe.

Oh, mein Gott, schenke mir und denen, die mir nahe

stehen, die Gnade, dass wir aus Liebe zu dir, deinen

göttlichen Willen vollkommen erfüllen.

Hilf uns, die Freuden und das Leid dieses vergänglichen

Lebens anzunehmen, damit wir eines Tages für die

ganze Ewigkeit vereint sind mit dir in den Himmeln.“

M. Ich lernte so, mich nicht mehr zu fürchten, vor all

den unerfüllbaren Erwartungen des Tages.

6 | Therese 3.2008

Die Gewissheit, nicht allein zu sein, tröstete mich. –

Aber trotzdem schlich sich immer wieder der Zweifel in

mein Herz...

Th. „Wenn Du immer treu bleibst, ihm in den „kleinen“

Dingen Freude zu machen, wird er sich verpflichtet

sehen, Dir in den großen beizustehen.“

M. Ja, das wollte ich!

IHM in den „kleinen Dingen“ Freude machen. -

Woraus aber bestehen diese „kleinen Dinge“?

Th. „Beispielsweise, ein Lächeln, ein liebes Wort,

wenn ich nichts sagen oder ein verdrießliches Gesicht

machen möchte!

Geduld bewahren, wenn man gestört wird…“

M. Leicht fallen mir diese Dinge gerade nicht!

Aber dennoch bin ich festen Willens, es immer neu zu

versuchen!

Th. „Er begnügt sich mit meinem guten Willen,

an dem es mir nie fehlte.“

M. So durfte ich auch schon erfahren, welche

Freude und Freiheit die Überwindung meiner Unfähigkeiten

zur Folge hat.

Damit wächst die Dankbarkeit und die Liebe wird

größer - gleich einer Glut, in welche immer wieder

kleine Späne geworfen werden… - bis sie zum Feuer

wird…


Musée Rodin, Paris

Th. „Jesus schaut nicht so sehr auf die Größe der Taten,

noch auf ihre Schwierigkeit, sondern vielmehr

auf die Liebe, mit der sie vollbracht werden.“

M. Jeden Morgen mache ich mich mit Dir auf den

Weg. Ich danke Gott, dass mir damals, an meine letzte

„Planke“ geklammert, eine Hand frei blieb, um von Dir

ergriffen zu werden!

Foto: Maria Ottl

So lasse ich mich die Liebe lehren und von Deiner

freundschaftlichen Hand geführt, höre ich dich rufen:

Th. „Ziehe mich an dich, wir werden eilen ...

Jesus, indem du mich an dich ziehst,

ziehe auch die Seelen, die ich liebe, an dich!“

M. Danke!

Margarete K.

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Mit Therese Christus begegnen

Tour de Thérèse 2008 im Osten

„Mission ist der respektvolle und liebende Umgang mit

einem fremden Menschen...“, so formulierte der bekannte

Theologe Pfr. Jörg Zink. Man spürt, die Weitergabe

der Botschaft Jesu Christi im 21. Jh. ist weit und doch

punktgenau gefasst: auf das Grundgebot der Liebe hin.

Persönlich bin ich überzeugt, dass wir „West-Christen“

vom Christentum im Osten bereichert und beschenkt

werden. Wir durften dies immer wieder auf der Tour

erleben, ja Augen – und Ohrenzeugen einer geerdeten

christlichen Lebensform werden:

• Schwestern, die auf die Jugend setzen und die Gestaltung

der Gebetsnacht rund um Therese bewußt in

deren Hände legten;

• ein streng klausuriertes Kloster, das um die Wendezeit

sein Gelände und Räumlichkeiten einige Jahre für

Obdachlose öffnete und so ein Zeichen setzte, das

weiterwirkt bis heute;

die „tätigen Teilhabe“ an der Liturgie – so das Vaticanum

– im geteilten Dienst vieler Mitfeiernder,

gepaart mit herzlichen Worten der Gastfreundschaft;

• eine Kirchengemeinde, die ihre zu gross gewordene

Kirche mit Verstorbenen in Form eines transparent

abgeteilten Raumes neben dem Hauptschiff für eine

Urnengrabstätte teilt und immer wieder berührende

Gespräche wie mit einem nicht katholischen Paar im

Vorraum (!) einer Berliner Kirche, das erzählte, hier

8 | Therese 3.2008

nach dem wöchentlichen Sport regelmässig zu meditieren:

„wissen Sie, das ist unsere Heimatkirche!...“

Ich denke, dass Therese so Menschen zu Christus begleitet

und ihren Wunsch für die Ewigkeit und von der

Ewigkeit her lebt: Jesus lieben und Jesus lieben lehren.

Maria Ottl

Fotos der Tour de Thérèse 2008

auf unserer Homepage unter

www.theresienwerk.de/Fotoalbum


Fotos: alle Maria Ottl

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Im Alltag die Liebe einüben

Der Begegnung nicht ausweichen

„Dieses Jahr, geliebte Mutter, hat der Liebe Gott mir die

Gnade geschenkt zu verstehen, was die christliche Liebe

ist; ich verstand es zuvor, es ist wahr, doch auf unvollkommene

Weise.“ (Ms C)

Therese, die nie etwas über sich selber schreiben

wollte, nimmt jetzt die Gelegenheit wahr, um in der

kurzen Zeit die ihr noch bleibt, über ihre Erfahrungen

im Zusammenleben mit den Mitschwestern zu

berichten. Die Erlebnisse, von denen sie drei Monate

vor ihrem Tod berichtet, sind Lehrbeispiele für alle

Menschen, die der Lehre Jesu folgen möchten und

dabei ständig mit ihrer eigenen Bequemlichkeit zu

kämpfen haben.

Als Menschen haben wir einen angeborenen Instinkt

für den Genuss und das Angenehme – auch in unseren

Beziehungen zu den Mitmenschen.

Therese bringt es auf den Punkt, wenn sie schreibt:

„Ich habe bemerkt, dass die heiligmäßigen Schwestern

am meisten geliebt werden, man sucht ihre Unterhaltung

auf, man erweist ihnen Dienste, ohne dass sie

danach fragen, kurz, diese Schwestern, die fähig sind,

Mangel an Rücksicht, an Zartgefühl zu ertragen, sehen

sich von der Liebe aller umgeben. Die unvollkommenen

Schwestern dagegen sind nicht beliebt; zwar bleibt man

ihnen gegenüber in den Schranken der klösterlichen

Höflichkeit, aber aus Furcht, ihnen vielleicht ein unhöfliches

Wort zu sagen, meidet man ihren Umgang. –

Wenn ich von unvollkommenen Schwestern spreche,

meine ich damit Charakterschwächen, die das Leben

nicht besonders angenehm machen.“

10 | Therese 3.2008

„Begegnungen“

www.photocase.de


Muss ich mich mit solchen Menschen überhaupt

abgeben? Diese Frage hat sich Therese auch gestellt

und die Antwort bei Jesus gefunden:

„Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank

wollt ihr dafür erwarten? Auch die Sünder lieben die,

von denen sie geliebt werden.“ (Lk 6,32)

Jesus, der unser ewiges Heil will, kann es uns nicht

ersparen, uns „gegen den Strich zu bürsten“. Wir sollen

einander so lieben, wie er uns liebt. Weil wir das aus

eigener Kraft kaum schaffen, sollten wir uns im Gebet

mit Therese vereinen: „Oh, Herr, ich weiß, dass du

nichts Unmögliches befiehlst, du kennst meine

Schwachheit und meine Unvollkommenheit besser als

ich, du weißt, dass ich meine Schwestern niemals so

lieben könnte, wie du sie liebtest.“ Ganz fest davon

überzeugt, dass Jesus ihr in ihrem Bemühen beisteht,

setzt Therese ihre Willenskraft und ihren Verstand ein,

um nicht nur jene zu erfreuen, die ihr am liebsten sind,

sondern alle, die im Hause wohnen, ohne Ausnahme.

Therese hatte sich vorgenommen, jeder ihrer Mitschwestern

mit Herz und Verstand gerecht zu werden.

Wie – darüber schreibt sie:

Das wohlwollende Denken

„Wenn der böse Geist mir die Fehler dieser oder jener

Schwester, die mir weniger sympathisch ist, vor Augen

zu stellen sucht, so forsche ich schnell nach ihren

Tugenden, ihrem guten Willen, ich sage mir, wenn ich

sie auch einmal fallen sah, so kann sie doch zahlreiche

Siege errungen haben.“

Die freundliche Geste

„Ich muss während meiner Erholungszeit die Gesellschaft

jener Schwestern aufsuchen, die mir am wenigsten

angenehm sind, und an diesen verwundeten

Seelen das Werk des guten Samariters vollbringen.

Ein Wort, ein liebenswürdiges Lächeln genügen oft,

eine traurige Seele aufzuheitern.“

Die helfende Hand

„Ich entsinne mich eines Liebesdienstes, den mir der

Liebe Gott eingab, als ich noch Novizin war; es war

eine geringfügige Sache, doch unser Vater, der ins

Verborgene sieht, der mehr auf die Absicht als auf

die Größe der Leistung blickt, hat mich bereits dafür

belohnt, ohne das andere Leben abzuwarten.“

Nehmen wir die genannten Beispiele als Anregungen

und wenden wir uns den Menschen, denen wir aus dem

Weg gehen möchten, wieder neu zu. Schenken wir

ihnen Zeit und Aufmerksamkeit, bringen wir sie zur

Entfaltung und üben wir uns darin, unsere eigenen

Interessen hinten anzustellen. Fällt es uns manchmal

auch schwer, dann dürfen wir uns von Therese aufmuntern

lassen:

„Oh! wie sehr laufen die Lehren Jesu den Regungen der

Natur zuwider! Ohne den Beistand seiner Gnade wäre

es nicht nur unmöglich, sie in die Tat umzusetzen,

sondern sie auch nur zu verstehen.“

Hubert Zettler

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Von Therese angesprochen

Gemeinschaft der Seligpreisungen

Zeugnis

Ich heiße Sr. Sabine von der Eucharistie (Sabine

Banaschewitz), bin 42 Jahre alt, Deutsche und seit

17 Jahren in der Gemeinschaft der Seligpreisungen.

Die privaten ewigen Versprechen habe ich 1996

zusammen mit drei anderen Schwestern abgelegt.

Traditionell katholisch aufgewachsen, war ich mit 20

eigentlich entschlossen, aus der Kirche auszutreten.

Sie erschien mir langweilig und verstaubt. Dass ich

12 | Therese 3.2008

Sr. Sabine


bald darauf Jesus Christus kennen lernen durfte und

zum persönlichen Glauben an Ihn gefunden habe,

ist für mich das größte Geschenk meines Lebens.

Die Erfahrung Seiner Gegenwart und Liebe verdanke

ich Jugendlichen, die ich während eines großen christlichen

Jugendtreffens 1988 in Nürnberg getroffen habe

und die spontan für mich beteten.

Von Gott gerufen

Die Berufung, mein Leben ganz Gott zu weihen, wurde

mir etwa eineinhalb Jahre später geschenkt, als ich eine

Gruppe von acht fern stehenden Jugendlichen auf die

Firmung vorbereiten durfte. Da wurde mir plötzlich

klar, diese wilden, aggressiven Jugendlichen hatten

nie wirklich erlebt, von ihren Eltern einfach so geliebt

zu werden. Ich spürte die Einladung von Gott: willst du

für solche zerbrochenen Jugendlichen eine geistliche

Mutter sein und so ganz mir gehören? Die Sehnsucht

nach Gott nahm zu. So trat ich nach meiner Berufsausbildung

zur Technischen Zeichnerin in die Gemeinschaft

der Seligpreisungen ein, nachdem ich dort an

einem Jugendtreffen teilgenommen hatte. Warum ich

gerade in diese Gemeinschaft eintrat? Ich war sehr

berührt und besonders angezogen von einer gewissen

Radikalität des Lebensstils (Leben aus der Vorsehung

Gottes, einfach, franziskanisch, eschatologische

Erwartung), dem intensiven geistlichen Leben

(Inneres Gebet, christozentrisch), dem familiären Klima

(Zusammenleben aller Lebensstände, Kinder, Sinn für

das Fest und die Freude) und dem Leben im Hl. Geist


(schöne, lebendige Liturgie, Lobpreis, Israelische Tänze,

Sinn für die Gemeinschaft der Heiligen). Zu den Patronen

der Gemeinschaft zählt die Hl. Therese von Lisieux,

die wir sehr lieben und die mich sicherlich mit geführt

hat auf meinem Weg in die Gemeinschaft.

Die Frohe Botschaft weitersagen

Wofür ich damals wie heute „brenne“, ist die Mission.

Innerhalb unserer Gemeinschaft war ich von Anfang an

bereit, dorthin entsandt zu werden. 3 Monate half ich

in China und bei einem Einsatz in Kanada. Fast schon

sollte es für eine Neugründung nach Moskau gehen,

doch im letzten Augenblick wurden die Pläne wieder

geändert und ich zur Leitung eines Jugendempfanghauses

in Deutschland gebeten. Nach 6 Jahren studierte

ich noch Theologie und Philosophie in Rom. Immer

mehr erkannte ich, dass gerade Deutschland eine

geistliche Wüste ist und die Jugendlichen die Leidtragenden

sind, orientierungslos und den unguten Einflüssen

der Gesellschaft ausgesetzt. Um der Kirche zu

dienen absolvierte ich dieses Studium und kam 2004 –

zur Mitvorbereitung des Weltjugendtages in Köln –

zurück in unser Haus im Erzbistum Paderborn.

Seit 3 Jahren gibt es bei uns im Haus nun eine

„Jüngerschaftsschule“ (= SdJ) für junge Erwachsene.

Der Sinn: junge Leute „verliebt machen“ in Gott und

Sein Wort und sie in die konkrete christliche Nachfolge

zu führen. Für 4 – 9 Monate kann man bei uns mitleben,

bekommt täglich geistliche Nahrung und lernt

In Warstein

durch das gemeinschaftliche Miteinander, die Schönheit

und Tiefe des katholischen Glaubens mit dem

eigenen Leben zu verbinden. Zur Unterscheidung der

eigenen Berufung wird eine persönliche, geistliche

Begleitung angeboten. Die Jugendlichen schätzen es,

wie in eine große Familie mit hinein genommen zu

werden und an unserem Leben, Arbeit und Gebet

teilzuhaben. Sie erfahren auf diese Weise oft eine tiefe,

innere Heilung und Versöhnung mit der eigenen

Familie und wachsen in ihrer Beziehungsfähigkeit.

Weil ich selbst ungläubig war, mag ich es jetzt noch

sehr, kirchenfernen Menschen in ihrem Milieu, auf der

Straße, etc. als Schwester zu begegnen, mit ihnen zu

diskutieren, mich für sie zu interessieren, darin etwas

von Seiner Liebe zu offenbaren.

Auch bei Pfarrmissionen, Einsätzen in Schulen und

Autostop („Tramp for Jesus“) fällt mir jedes Mal die

kontaktfördernde Wirkung meines Habits auf. Die

Menschen bekommen schnell Vertrauen, öffnen sich

und sind erstaunt, Kirche ganz anders zu erleben als

bisher. Manchmal sage ich humorvoll: „Und wenn die

Therese 3.2008 | 13

Foto: Hubert Zettler


Menschen nicht mehr zur Kirche kommen, dann kommt

die Kirche halt zu den Menschen.“

Freundschaft mit Therese

Eine ganz große Freude hat es unserer Gemeinschaft

in diesem Jahr bereitet, auf Einladung des Theresienwerkes

in die „Tour de Thérèse“ hineingenommen zu

sein. Wir durften mit Texten der Kleinen Therese

musikalisch mitgestalten: im Kloster der polnischen

Karmelitinnen in Hannover, während des Katholikentags

in Osnabrück und in einer Landpfarrei im Bistum

Fulda, wohin uns ein befreundeter Pfarrer eingeladen

hatte. Schließlich hatten wir noch die Ehre, den

Reliquienschrein von Therese bei uns in Warstein zu

empfangen. In unserer übervollen Kapelle erfuhr eine

Frau während des Gebetes am Schrein eine tiefe

Befreiung und Versöhnung mit ihrer sehr leidvollen

Kindheit. Die Gegenwart des Himmels durch Therese

aber war für viele Menschen, ob jung oder alt, auf sehr

intensive Weise spürbar. Erstaunlich viele kamen aus

unserer Pfarrei, um sich der Fürsprache von Therese

anzuvertrauen. In den folgenden Tagen gestanden mir

mehrere, eher nüchterne Männer, wie sehr sie durch die

Gottesdienste innerlich bewegt worden waren.

Bei ihrem Abschied hinterließ Therese in unseren

Herzen ein schmerzliches Vakuum, aber auch eine

vergrößerte Sehnsucht nach dem Himmel.

Maranatha, Jesus komm bald!

14 | Therese 3.2008

Kurz und aktuell

Neuerscheinung

Im Paulinus-Verlag erschien jetzt das Buch „Die Glaubensprüfung“

über die französische Karmelitin Therese

von Lisieux, verfasst von P. Emmanuel Renault OCD,

einem der besten Kenner dieser Heiligen. Das Vorwort

schrieb der Alt - Weihbischof von Lisieux, Guy Gaucher,

der vielen Theresienfreunden durch andere Bücher über

sie bekannt ist. Er ist davon überzeugt, dass dieses

Buch, das der Glaubensprüfung Thereses in den letzten

18 Monaten ihres Lebens auf den Grund geht, vielen

Menschen unserer Zeit eine Antwort gibt auf die

eigenen Nöte und die Suche nach dem tieferen Sinn

des Lebens. So ist dieses Buch aktuell und wirft ein

Licht in das Dunkel der heutigen Welt. Auch Papst

Benedikt XVI. hat am Anfang seines früheren Buches

„Christlicher Glaube gestern und heute“ auf Therese

hingewiesen,

die „liebenswerte Heilige“, die durch ihre Glaubensnot

plötzlich wie eine Prophetin für die moderne Zeit

geworden sei. Und wer von uns kann bei der radikalen

Infragestellung unserer Glaubensgrundlagen behaupten,

er mache keine Prüfung durch?

Als Grundlage für die weiteren Überlegungen finden

wir am Anfang der „Glaubensprüfung“ die betreffenden

Texte der hl. Therese aus ihrer Selbstbiografie. Wir

hören von ihrer inneren Not, aber auch wie sie der

Kampf zum Siege geführt hat.

In einem ersten Hauptteil behandelt P. Renault ihre

schwere Prüfung durch die Tuberkulose. In einem


Die Glaubensprüfung – Der Kampf der heiligen

Therese von Lisieux von Emmanuel Renault OCD

Paulinus-Verlag Trier, kt., 164 S., € 10.90,

übersetzt v. Harald Beck, hg. vom Theresienwerk e.V.

ISBN 978-3-7902-0186-4

zweiten Abschnitt spricht er über die Anfechtung

von Glauben und Gottvertrauen, die mit der Krankheit

Hand in Hand ging. Was müssen wir darunter verstehen?

Wie hat Therese ihren Glauben bewahrt? Die

weiteren Kapitel behandeln die Bedeutung dieser

Prüfung für ihr eigenes Leben und Reifen, sowie die

Einordnung in ihren „Kleinen Weg.“ Gerade dann, als

Gott die schönen Gefühle des Glaubens fehlen ließ,

wird sie sich ihrer menschlichen Armut bewusst und

wirft sich mit Liebe in die barmherzigen Arme Gottes.

Das Buch wird abgerundet durch Texte ehemaliger

Mitschwestern, die beim Selig- und Heiligsprechungsprozess

befragt wurden.

Der Leser wird Therese in diesem Buch als zeitnahe

Heilige kennenlernen und für sein Leben reichen

Gewinn ernten.

Anton Schmid

Liebe Mitglieder und Freunde,

ganz herzlich möchten wir Ihnen für Ihre Beiträge und

Spenden danken, die Aktionen, wie die diesjährige

Reliquienreise, erst ermöglichen. Viele Menschen waren

sehr ergriffen, dass Therese „persönlich“ zu Ihnen kam.

Um die Zuordnung der Beiträge zu erleichtern, bitte ich

Sie, bei Überweisungen den Vor- und Nachnamen des

Spenders deutlich zu schreiben und auch den Ort mit

Postleitzahl anzugeben.

Für Ihre Mithilfe ein herzliches Vergelt´s Gott,

Ihre Sabine Baierl

Hinweis

Am 13.2./14.2.2009 findet im Kardinal - Döpfner -

Haus in Freising ein Seminar von P. Michael Plattig zu

Therese von Lisieux statt: „Mein Ruhm besteht darin,

eine große Heilige zu werden“ – Der Weg einer

Mystikerin der Moderne in die Freiheit.

Anmeldungen: Kurs 15/200, Kardinal - Döpfner –

Haus, 85354 Freising, Domberg 27.

Bitte beachten Sie unsere Beilagen:

eine Buch-Bestellkarte, den Exerzitienplan 2009

und den Überweisungsträger

Wir beten für unsere Toten

(Deutschland) Marga Eismann, 97084 Würzburg, Pfr.

Ferdinand Emmel, 54574 Kopp, Pfr. Rupprecht Haertl,

46397 Bocholt, Magdalena Haselhofer, 89165 Dietenheim,

Maria Höllriegl, 86154 Augsburg, Theresia Kille,

87724 Ottobeuren, Sr. M. Assunta Koch, 96052 Bamberg,

Paula Krenz, 89269 Vöhringen, Elisabeth Müller,

53945 Blankenheim, Dr. Barbara Münch, 64347

Griesheim, Maria Obrecht, 79100 Freiburg, Sr. Luitraud

Ott, 86513 Ursberg, Margot Preisler, 63456 Hanau, Sr.

M. Adelberta Runz, 84066 Mallersdorf-Pfaffenberg,

Margot Schneider, 54292 Trier, Margareta Schulz,

86179 Augsburg, Ludmilla Weber, 80331 München,

Anna Sirch, 86399 Bobingen, Elfriede Stadtmüller,

74238 Altkrautheim, Sr. Seraphia Wirth, 97461

Hofheim-Eichelsdorf

(Österreich) Sr. M. Gertrudis Lichner, 9323 Wildbach-

Einöd, Sr. Céline Norer, 6060 Hall/Tirol, Egon Riedl,

4600 Wels.

Therese 3.2008 | 15


16 | Therese 3.2008

Die Blumen am Weg... wir betrachten sie, wir lieben sie,

denn sie reden uns von Jesus, von seiner Macht,

von seiner Liebe, aber unsere Seelen bleiben frei. ...

Die Blumen am Weg sind die reinen Freuden des Lebens.

(LT 149, 215/216)

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