sakura Herbst 2009 als pdf - Langsdorff

langsdorff

sakura Herbst 2009 als pdf - Langsdorff

sakura

LANGSDORFF

JAPANGÄRTEN

DIE REICHE WELT

DES SCHÖNEN, GUTEN

UND WAHREN

HERBST 09

Der Zauber einer bunten Jahreszeit

Der Zauber einer bunten Jahreszeit Seiten 1 und 2

Wwoofing in

Australien

Seite 3 und 4

_ Was hatten wir dieses Jahr für einen tollen

„Altweibersommer“! Bestimmt haben Sie schon einmal

den Begriff gehört oder Sie benutzen ihn auch jedes Jahr

zu der Zeit, in welcher sich der Sommer verabschiedet und

der Herbst Einzug hält. Der Altweibersommer steht für

sonnige, angenehm temperierte Tage und kühlere Nächte

und vor allem für Pflanzen, die in einer vielfältigen

Farbenpracht um die Wette strahlen. Meteorologischen

Messungen zufolge tritt der Altweibersommer in der Regel

Mitte Oktober auf.

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Doch woher stammt der Ausdruck?

Den Begriff gibt es seit ca. 1800, denn davor teilte man die

Jahreszeiten nur in Sommer und Winter ein. Der Frühling

wurde „Junger Weibersommer“ und der Herbst „Alter

Weibersommer“ genannt.

Im Altdeutschen war „weiben“ die Bezeichnung für das

Knüpfen von Spinnweben.

A room with a

view

Seite 5

Salatdressing auf

japanisch

Seite 6

Wenn die Tage sonnig sind und die Nächte deutlich kühler

werden, sieht man vor allem am Morgen den Tau, der in

den Gespinsten der Baldachin- und Zwergspinnen hängen

bleibt. Die kleinen Spinnentiere lassen sich mithilfe der

Fäden und einer günstigen Thermik forttragen.

Im Volksglauben hingegen stammten diese Gespinste von

Elfen, Zwergen oder Schicksalsfrauen, welche die

Lebensfäden spinnen. Das Christentum glaubte daran,

dass die Fäden zum Mantel der Jungfrau Maria gehörten,

den sie bei der Himmelfahrt trug. Auch wurde vermutet,

die Fäden würden von am Spinnrad sitzenden alten

Weibern stammen.

In anderen Ländern gibt es ebenfalls spezielle

Bezeichnungen für diese Zeit:

Nordamerika: Indian Summer

Schweden: Birgitta Sommer

Raupen des

Buchsbaumzünslers

Seite 6

Böhmen: Wenzelsommer

Frankreich: Eté de la Saint-Martin, die Spinnfäden heissen

fils de la vierge (Fäden der Jungfrau Maria)

Jedes Jahr erfreuen wir uns an einer grossen Farbenpracht

in den Gärten und Parks. Sogar der Randstreifen auf der

Autobahn bekommt ausnahmsweise unsere Aufmerksamkeit.

In einer Phase des Jahres, in der

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verglichen zur Frühlings- und Sommerzeit recht wenige

Pflanzen blühen, können mit der Herbstfärbung tolle

Akzente gesetzt werden. Bevor die Bäume und Sträucher

ihre Blätter fallen lassen und die Stauden sich

zurückziehen – kurz: bevor die Winterruhe einkehrt, zeigt

sich die Natur noch einmal von ihrer bunten Seite.

Der Grund für diese Farbenpracht ist der Abtransport

verwertbarer Stoffe aus den Blättern bevor die Kälte des

Winters kommt. Wenn Die Tage kürzer werden, merkt die

Pflanze, dass der Winter nicht mehr fern sein kann und

beginnt, Zucker und Proteine mit dem Saftstrom

einzuziehen. Das Chlorophyll (grüner Farbstoff in

Pflanzenzellen), welches für die Photosynthese

verantwortlich ist (Umwandlung von Kohlendioxid und

Wa s s e r i n Z u c k e r u n d S a u e r s t o f f m i t h i l f e d e s

Sonnenlichtes), wird zerlegt und abtransportiert. Da der

grüne Farbstoff andere Farbstoffe überlagert, werden

diese erst sichtbar, wenn der grüne aus dem Blatt

verschwundenen ist. Nun werden gelbe Xanthophylle und

orange Carotinoide, die ebenfalls an der Photosynthese

beteiligt sind oder auch rote und blaue Anthocyane, die

das Blatt vor starker Sonneneinstrahlung schützen,

sichtbar. Sie verbleiben bis zum Schluss im Blatt und lassen

viele Pflanzen in leuchtenden Farben erscheinen.

Während der Abbauprozesse im Blatt bildet sich zwischen

Blattansatz und Zweig eine dünne Korkschicht, welche die

Verbindungskanäle zwischen Blatt und Pflanze schliesst

und das Eindringen von Krankheitserregern verhindert.

Wenn die Korkschicht komplett vorhanden ist, löst sich das

Blatt und fällt hinunter. Damit kehrt für die Pflanze die

Winterruhe ein.

Gehölze für den japanischen Garten mit besonders

schöner Herbstfärbung:

Acer palmatum und Sorten - Fächerahorn

Acer japonicum ‚Aconitifolium’ - Eisenhutblättriger Ahorn

Acer griseum - Zimtrindenahorn

Amelanchier lamarckii - Felsenbirne

Cercis canadensis ,Forest Pansy‘ - Judasbaum

Cercidiphyllum japonicum - Katsurabaum

Diospyros kaki - Khakibaum

Encianthus campanulatus - Prachtglocke

Fothergilla major - Federbusch

Ginkgo biloba - Ginkgo

Hamamelis x intermedia - Zaubernuss

Hydrangea quercifolia - Eichenblättrige Hortensie

Liquidambar styraciflua - Amberbaum

Parrotia persica - Eisenbaum

Prunus Arten und Sorten - Zierkirsche

Rhododendron Knapp Hill - Sommergrüne Azaleen

Stewartia pseudocamellia - Scheinkamelie

Text ta, Bilder ta und al

Fotos:

Titelseite: Nr. 1 roter Schlitzahorn, Nr. 2 Judasbaum

Seite 2: Nr. 3 Katsurabaum, Nr. 4 Amberbaum, Nr. 5 -Zaubernuss,

Nr. 6 Ahornwald mit Zimtrindenahorn

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A room with a view Erlenbach

_ Kleine Gärten sind schwierig

anzulegen - könnte man meinen. Für

mich stimmt dies allerdings nicht.

Kleine Flächen bieten die ideale

Voraussetzung für die Gestaltung

kompakter und atmosphärisch

dichter Garten(t)räume. In Japan

sind die meisten Gärten nicht grösser

als 100 m2. Grössere Gärten sind

wegen der verwinkelten Bauweise

der Häuser in kleinere Sektoren

aufgeteilt. Der Blick auf den Garten

variiert, je nach dem, aus welchem

Zimmer oder Fenster man in den

Garten schaut. Wobei Fenster das

falsche Wort ist. Traditionelle japanische

Häuser haben so genannte

Fusuma - Schiebetüren, die sich oft

auf der ganzen Länge des Raumes

öffnen lassen. Zwischen dem Raum

und dem Garten befindet sich nun

nur noch ein schmaler Holzkorridor,

die Engawa. Diese bauliche Eigenheit

hat unser Kunde beim Umbau

seiner Wohnung berücksichtigt und

eine Fensterfront, die auf der gesamten

Höhe und Länge des Wohnzimmers

verläuft, eingebaut. So wird

der Garten zum unmittelbaren

Erlebnis. Doch bis es soweit war,

musste der alte Strauchbestand

gerodet und das überflüssige Erdmaterial

abgeführt werden. Eine

anstrengende Arbeit, da die Zufahrt

durch Nachbargärten sehr eng und

somit Handarbeit gefragt war. Während

der Abtransport mit Karretten

noch zu bewerkstelligen war, kam für

den Transport des imposanten

japananischen Fächerahorns, der

mächtigen Muschelscheinzypresse

und der Findlinge ein Pneukran zum

Einsatz. Gewicht und Volumen liessen

keine andere Wahl, und so schwebten

die Einzelteile über das Dach in

den Garten. Bäume und Steine

wurden so ausgerichtet, dass der

Blick aus dem Wohnzimmer stets im

Mittelpunkt stand. Wird in kleinen

Gärten mit grossen Elementen

gearbeitet, lohnt es sich, genug Zeit

für die optimale Positionierung zu

investieren. Der grosse Ahorn, die

alte Muschelzypresse und die Eibenformen

haben bereits ihre

Endhöhe oder das Endvolumen

erreicht. Die Steine liessen sich

nachher nur noch mit viel Aufwand

anders legen. Bei geöffnetem

Fenster dringt ein leises Plätschern

des Brunnens ins Haus, und beim

kleinsten Windhauch bewegen sich

tausende kleiner Ahornblätter.

Neben dem Ahorn, der nach der

prächtigen Herbstfärbung ohne

Blätter dasteht, haben wir vor allem

immergrüne Pflanzen verwendet.

Zusammen mit dem Wasserbecken,

Findlingen, Kieswegen und den

gewundenen Stämmen und Ästen

des japanischen Ahorns, bietet sich

dem Kunden auch im Winter ein

schöner Blick in den Garten. Am

Abend, wenn die dezente Beleuchtung

eingeschaltet ist, entsteht eine

m ä r c h e n h a f t e A t m o s p h ä r e .

Text und Bild: al

Blick aus dem Wohnzimmer - vorher

Die Pflanzen und Findlinge werden platziert

Das Holzdeck wird an den Findling angepasst

Quer durch den Garten

Als Keimling in Japan, als Baum per Schiff

in die Schweiz und schliesslich fliegend in

den Garten


Wwoofing in Australien

Nach seiner Lehre im Naturgartenbereich und

2jähriger Tätigkeit in einem konventionellen

Betrieb fand Boris Schnellmann (28) im April 2004

nach seiner Rückkehr aus Australien eine neue

Stelle bei Langsdor ff Kultivierte Gärten.

Inzwischen blickt er auf über 5 Jahre Erfahrung im

Bereich der Japanischen Gartengestaltung

zurück.

_ Da der Winter in der Regel für unsere grüne Branche

etwas ruhiger verläuft, nutze ich diese Zeit nach

Möglichkeit für meine Leidenschaft oder auch fast schon

meine zweite Heimat: Australien. Mittlerweile habe ich

dieses wunderschöne Land schon dreimal besucht.

Bei meinem letzten Aufenthalt in Down Under entdeckte

ich das wwoofing (WWOOF=World Wide Opportunities on

Organic Farms) für mich. Wwoofing bedeutet offiziell soviel

wie die Arbeit (halbe Tage) in einem landwirtschaftlichen

Betrieb mit kostenloser Unterkunft und Versorgung. Doch

auch Arbeiten wie Babysitting sind möglich. Ich fand hier

die perfekte Chance, um Land und Leute besser kennen

zu lernen. Zu Kost und Logis kamen die unbezahlbaren

Erlebnisse, die ich auf Kangoroo Island hatte. Diese Insel

hat sich so zu einem meiner Lieblingsplätze entwickelt.

Anfangs war es schon recht speziell, sich diesem anderen

Lebensstil hinzugeben. Die Unterkunft lag im Nirgendwo.

Wasser fiel dort nur vom Himmel und kam für uns direkt aus

der Regentonne. Dementsprechend musste damit

umgegangen werden. Das Duschwasser wurde in der

Badewanne gesammelt, um anschliessend damit die

kleinen Olivenbäume zu giessen (falls die Kängurus noch

etwas von ihnen übrig gelassen hatten...). Den nötigen

Strom lieferten zwei Solarzellen.

Die ersten Tage hatte ich mit zwei weiteren Wwooferinnen

die Aufgabe, das Land vom Onion Grass, einem

eingeschleppten Unkraut zu befreien. Weitere Tage

schichtete ich Steine zu einer Mauer, um das Grundstück

vor unerwünschten Eindringlingen zu schützen.

Eines Tages kam mein Gastgeber auf die Idee, einen

Aussichtspunkt auf der höchsten Erhebung seines

Grundstückes zu errichten. So suchten wir auf einer

Luftaufnahme den direktesten Weg dorthin und machten

uns anschliessend mit einem Betonrohr und Fahnen für die

Rückwegmarkierung (akute Verirrungsgefahr!) auf den

Weg durch endloses Gestrüpp. Als wir endlich am

höchsten Punkt ankamen, wurden wir mit einer

unbeschreiblichen Sicht auf Kangoroo Island und den

Ozean belohnt.

Die freien Nachmittage verbrachte ich am liebsten im

hauseigenen Pool, welcher eigentlich ein Salzsee war,

denn früher wurde dort Salz abgebaut. Da der Salzgehalt

dort noch recht hoch war, konnte man sehr entspannt

schwimmen.

Auch war am Nachmittag vor dem Haus ziemlich viel los,

denn täglich versammelte sich dort eine Känguru-

Gruppe. Das war ja auch kein Wunder, denn mein

Gastgeber fütterte sie mit Karotten und die gab es nicht

überall. So waren die Kängurus schon fast wie Haustiere

und hatten teilweise Namen – „Stinker“ zum Bespiel, der

seinen Namen von einer deutschen Wwooferin

bekommen hatte.

Es gab auch ein Pflichtprogramm nach dem Nachtessen

und vor dem Abwasch – Boccia auf der selbst gebauten

Bahn. Gleichzeitig ging die Sonne über dem Salzsee

langsam unter. Nach dem Abwasch wurde Karten

gespielt und meistens kam währenddessen ein weiterer

hungriger Stammgast. Wenn „Peter“ das Opossum das

Haus betrat, musste sofort etwas Essbares her, sonst waren

unsere Füsse in Gefahr. „Peter“ war sehr gefrässig, er fand

tatsächlich ein Loch in der Abdeckung der Rebstöcke

und plünderte mit seinen Kumpels die gesamte

Traubenernte – der ganze Stolz meines Gastgebers, der

mit den Trauben ca. 5 Flaschen Wein hätte produzieren

können... Doch nach kurzer Zeit verflog auch dieser Ärger

wieder.

Ich erlebte bei meinem Gastgeber eine tolle Zeit und

reiste nach 2 Wochen weiter Richtung Perth, um noch viel

mehr von diesem eindrucksvollen Land zu entdecken.

„Peter“ das Opossum ist mir dabei jedoch immer in

Erinnerung geblieben.

Übrigens: Mein nächster Australientrip ist schon in

Planung.....

Wer sich für Wwoofing interessiert, schaut am besten auf

die Internetseite.

Text und Bilder: bs


Wissenswertes und Aktuelles

Buchsbaumschädling

Der Buchsbaumpilz „Cylindrocladium buxicola“ hat uns in

der letzten Ausgabe beschäftigt. Nun macht sich ein

neuer Schädling an den Buchs zu schaffen. Der

Buchsbaumzünsler ist eine bis 3 cm lange Raupe, aus der

sich später ein Falter entwickelt. Bis letztes Jahr war der

Schädling erst im Raum Basel gemeldet. Mit der

massenhaften Verbreitung von Buchs sind aber seit

diesem Jahr auch befallene Pflanzen in der Umgebung

von Erlenbach entdeckt worden. Wir haben selber schon

in Kundengärten befallene Pflanzen gefunden und

behandelt. Da sich die Raupe im Innern der Pflanzen zu

schaffen macht, übersieht man sie gerne. Also gilt: Ab und

zu ins Innere der Pflanzen schauen! Bei Befall spritzen wir

mit Kendo.

Nach dem Buchsbaumzünsler ein Thema, das uns wirklich

Freude macht. Probieren Sie die delikaten, japanischen

Salatdressings der Firma akaritaste aus. Ronja Sakata,

Roman Donzé und Gianluca De Lusi kreieren mit viel Liebe

zum Produkt die vielen Geschmacksrichtungen. Ob

Sesam, Black Sesam, Wasabi oder Chili Dressing - ich auf

jeden Fall bin begeistert und gönne mir oft einen

kulinarischen Kurztrip nach Japan. Die Dressings sind bei

Manor, Globus und in weiteren Geschäften erhältlich -

oder direkt bei akaritaste. Sowieso ist die Hompage eine

Fundgrube für Japaninteressierte. Schauen Sie doch

gleich vorbei!

Der Film Departures, original Okuribito

Wir kennen die Kracher aus Amerika, Opulentes aus Indien

und hie und da etwas Dolce Vita aus Italien. Filme aus

Japan hingegen sind bei uns wenig bekannt. Warum also

nicht wieder einmal ins Kino? Zum Beispiel ins Kino

Arthouse Movie 2 nach Zürich um den oscargekrönten

Film aus Japan zu sehen.

Kino Arthouse Movie 2 Information

In der nächste Ausgabe unseres Newsletters werden wir

unter anderem den „schönsten Garten Japans“ vorstellen.

Obwohl er weit ab von den Touristenströmen liegt, schafft

er es seit Jahren auf den ersten Platz im alljährigen Shiosai

Ranking. (Japan‘s top Sukiya Living Environments)

Ich und mein Team wünschen Ihnen noch eine schöne

Herbstzeit.

Raupe des Buchsbaumzünslers

Vertrauen Sie diesen Leuten Ihre Salate an!

Okuribito, der oscargekrönte Film aus Japan

Humorvoll und tief bewegend - Yojiro Takitas

meisterhaftes, musikdurchwehtes Drama über

die Macht der Liebe, die Kraft der

Familienbande und das Glück der letzten

Stunde, lässt kein Auge trocken.

"Eine bewegende Hymne an das Leben"

The Hollywood Reporter

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