Ulcus cruris – und es heilt doch! - ratgeber-fitness.de

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Ulcus cruris

und es heilt doch!

Joachim Dissemond

Das Ulcus cruris im Volksmund als „offenes Bein“ bezeichnet beruht meist auf einer

chronisch venösen Insuffizienz. Auch wenn diese verursachende Störung lege artis behandelt

wird, heilen die Ulcera häufig nicht ab. Doch es gibt Therapieoptionen, die Störfaktoren

der Wundheilung zu behandeln.

Die Zahl der in Deutschland an

einer chronischen Wunde leidenden

Patienten wird auf mindestens

zwei Millionen geschätzt, von

denen 6080 Prozent ein Ulcus cruris

aufweisen.

Als Ulcus cruris wird eine Wunde bezeichnet,

die am Unterschenkel lokalisiert

ist. Somit beschreibt der Begriff lediglich

ein Symptom, jedoch keine Diagnose.

Erst durch einen weiteren Zusatz,

beispielsweise Ulcus cruris venosum,

kann das eigentliche Krankheitsbild definiert

werden. Die Ursachen für ein Ulcus

cruris können vielfältig sein:

Gefäßerkrankungen, z.B. CVI,

pAVK

Neuropathie, z.B. Alkohol, Spina bifida

metabolische Defekte, z.B. Diabetes

mellitus, Calciphylaxis

hämatologische Defekte, z.B. Sichelzellenanämie,

Dysproteinämie

exogen, z.B. thermisch, mechanisch

Neoplasie, z.B. Basalzellkarzinom,

cutanes Lymphom

Infektion, z.B. Mycobacteriose,

Sporotrichiose

Medikamente, z.B. Hydroxyurea,

Phenprocoumon

genetischer Defekt, z.B. Klinefelter-

Syndrom, Faktor-V-Mutation

Dermatose, z.B. Pyoderma gangraenosum,

Necrobiosis lipoidica

Venöse Genese

ist am häufigsten

Mindestens 70 Prozent aller Patienten

mit einem Ulcus cruris leiden an

einem Ulcus cruris venosum, zehn

Quelle: picture-alliance / OKAPIA KG, Germany

Varikosis mit Ausbildung eines großflächigen Ulcus cruris venosom

Prozent an einem Ulcus cruris arteriosum,

zehn Prozent an einem Ulcus cruris

gemischt arterio-venöser Genese und

lediglich circa zehn Prozent an einem

Ulcus cruris anderer Genese.

Auch wenn somit bei mindestens 90

Prozent aller Patienten Gefäßerkrankungen

und insbesondere die chronisch

venöse Insuffizienz (CVI) pathophysiologisch

relevant sind, so ist

doch die Kenntnis der relevanten Differenzialdiagnosen

insbesondere bei

therapierefraktären Erkrankungsverläufen

von entscheidender Bedeutung.

Zusätzlich zu der primären Ursache

für die Entstehung eines Ulcus cruris

Zertifizierte Fortbildung

können oft zahlreiche weitere Faktoren

wie beispielsweise ein Diabetes

mellitus, Medikamente oder Malnutrition

die Wundheilung weiter behindern.

Diagnostik

Vor Einleitung einer spezifischen

Therapie ist obligat die differenzialdiagnostische

Klärung der Ursachen,

die zu der Entstehung eines Ulcus

cruris geführt haben, notwendig. Oft

kann aufgrund typischer klinischer

Stigmata bereits eine Verdachtsdiagnose

nach sorgfältiger klinischer Inspektion

gestellt werden. Weitere dia-

Der Kassenarzt 1

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TYPISCHE KLINISCHE BEFUNDE

Genese Lokalisation

CVI

pAVK

Vasculitis

Zertifizierte Fortbildung

gnostische Mindestanforderungen bei

Patienten mit Ulcus cruris sind eine exakte

Anamneseerhebung, Ermittlung

des arteriellen Knöchel-Arm-Index, direktionale

Doppler- und möglichst

auch farbkodierte Duplexsonographie

der Venen. Bei allen Patienten sollte

obligat bei Erstvorstellung ein bakteriologischer

Abstrich zumindest aus

der Wunde entnommen werden. Bei

klinischem Verdacht auf das Vorliegen

einer Infektion sollte auch ein Blutbild

sowie das C-reaktive Protein (CRP)

bestimmt werden. Andere serologische

Laborparameter sind meist nur zum

Ausschluss spezifischer Differenzialdiagnosen

wie beispielsweise einer Vasculitis

notwendig.

Therapie

Die Auswahl des Therapieverfahrens

richtet sich neben dem klinischen Befund

nach der individuellen Disposition

und Therapiebereitschaft der Patienten.

Die moderne feuchte Wundtherapie

orientiert sich an den Phasen

der Wundheilung.

1. Phase Debridement

Eine Voraussetzung für den physiologischen

und nicht verzögerten Ablauf

der Wundheilung ist neben der Elimination

klinisch relevanter Wundinfektionen

die vollständige Abtragung von

nicht-vitalem Gewebe. Zur Wundspülung

eignen sich Ringer-Lösung oder

physiologische Kochsalzlösung. Sollte

eine lokale Desinfektion notwendig

sein, wird der Einsatz der nicht-zytotoxischen

Antiseptika, die Polihexanid

oder Octenidin enthalten, empfohlen.

oberhalb des

Malleolus medialis

Tibia,

Malleolus lateralis

multifokal, ansonsten

„untypische“ Areale

ZUR PERSON

PD PD Dr Dr. Dr . med. med. Joachim Joachim Dissemond

Dissemond

Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Uniklinikum Essen

Hufelandstraße 55, 45122 Essen

E-Mail: joachimdissemond@hotmail.com

19891997 19891997 Studium an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln

19992002 19992002 Assistenzarzt in der Abteilung Dermatologie an der

Universitätsklinik Essen

19972003 19972003 Zusatzbezeichnung: Sportmedizin und Allergologie

2002 2002 2002 Promotion am Universitätsklinikum zu Köln

2005 2005 2005 Habilitation an der Universitätsklinik Essen

Seit Seit Seit 2002 2002 2002 Facharzt für Dermatologie und Venerologie

Seit Seit 2003 2003 Oberarzt in der Abteilung Dermatologie an der Uniklinik Essen

Alle in der Wundbehandlung verwendeten

Lösungen sollten vor Applikation

auf Körpertemperatur angewärmt

werden. Die systemische Gabe von

Antibiotika ist meist ausschließlich

bei Nachweis einer systemischen Infektion

mit Leukozytose und Fieber

erforderlich.

Ein Debridement sollte immer die erste

therapeutische Maßnahme in der Therapie

von Patienten mit einem Ulcus

cruris darstellen. Mit dem Begriff Debridement

wird die Entfernung von

Nekrosen, aber auch die Abtragung

von Fibrin, Verbandresten oder Fremdkörpern

bezeichnet. Wann immer es

möglich ist, sollte ein Debridement

chirurgisch durchgeführt werden.

Nachteile eines chirurgischen Vorgehens

können neben der oft nicht adäquaten

Analgesie eingeschränkte

räumliche, zeitliche oder logistische

Möglichkeiten sein. Es stehen jedoch

zahlreiche weitere alternative Vorge-

Randsaum

unscharfe Begrenzung,

unterminiert

scharfe Begrenzung,

Nekrosen

scharfe Begrenzung,

bizarr konfiguriert

Umgebung

Ödem, Ekzem,

Pigmentierung,

Sklerose

Haarverlust,

Blässe,

Atrophie

Purpura,

Erytheme

hensweisen zur Verfügung.

Als Biochirurgie wird die Behandlung

mit Fliegenmaden bezeichnet, die unter

sterilen Bedingungen gezüchtet

werden. Die für die Biochirurgie eingesetzten

Maden können ausschließlich

durch die Sekretion von Verdauungssekreten

eine selektive Nekrosektomie

durchführen, sodass vitales Gewebe

vollständig geschont wird. Für

den konservativen, schmerzfreien Einsatz

eignen sich zudem Hydrogele für

eine Autolyse oder Präparate mit proteolytischen

Enzymen. Allerdings benötigen

diese konservativen Maßnahmen

eine erheblich längere Zeitspanne

bis zum vollständigen Debridement.

In den letzten Jahren sind zudem aufwendige

Geräte entwickelt worden, die

durch den therapeutischen Einsatz von

Wasserstrahlschneidetechniken oder

Ultraschall interessante Behandlungsoptionen

bieten.

2. Phase Granulation

Besonders zur Förderung der Granulation

wird eine Vielzahl von Wundauflagen

angeboten. Bei der zunehmend

wachsenden Anzahl an Materialien

für eine moderne feuchte Wundversorgung

müssen die individuell vorliegenden

Probleme der Wunde berücksichtigt

werden. So sollte bei massiver

Exsudation ein Verband mit hoher

Exsudataufnahmekapazität wie

beispielsweise ein Schaumverband mit

Superabsorbern oder bei klinisch relevanter

bakterieller Kolonisation mit ei-

2 Der Kassenarzt www.kassenarzt.de


nem antiseptischen Zusatz beziehungsweise

mit Silber gewählt werden. Eine

in den letzten Jahren zunehmend an

Bedeutung gewinnende Methode zur

Förderung der Granulation bei Patienten

mit einem Ulcus cruris ist die Vakuumversiegelung

(VAC). Das VAC-System

besteht aus einem sterilen, auswechselbaren

Schwamm und einem

nicht kollabierbaren Schlauchsystem

mit einer Pumpeinheit. Eine Pumpe

kann einen individuell modulierbaren

Sog aufbauen, der in der Therapie des

Ulcus cruris meist 125 mmHg beträgt.

Verbandwechsel werden nach 24 Tagen

durchgeführt. Die VAC stellt eine

sinnvolle Erweiterung des Spektrums

der symptomatischen Therapie der Patienten

mit einem Ulcus cruris dar und

kann derzeit als Option der ersten Wahl

zur Förderung der Granulation gesehen

werden. Lediglich die nicht unerheblichen

Kosten insbesondere bei dem oft

nicht erstatteten ambulanten Einsatz

und das gelegentlich beschriebene Auftreten

von Schmerzen durch die Therapie

haben bislang eine weitere Verbreitung

verhindert.

3. Phase Epithelisierung

Die Durchführung einer autologen

Hauttransplantation ist meist in Form

einer Mesh-graft-Transplantation zum

Standardverfahren in der Deckung ausreichend

granulierter chronischer Wun-

NOTWENDIGE DIAGNOSTIK

Diagnostik Serologie

Minimum

Standard

Erweitert

Blutbild, CRP

HBA 1C, BSG, TPZ, PTT,

Gesamteiweiß, Differenzialblutbild,

Elektrolyte

zirkulierende Immunkomplexe,

Kryoglobuline, Homocystein,

AT-III, PAI-1, APC-Resistenz,

Vitamine, Protein C, Protein

S, Paraproteine, Spurenelemente,

ANA, ENA, ANCA,

dsDNA, Antiphospholipid-Antikörper,

Harnstoff, Kreatinin,

Tetanus, Blutfette

den wie dem Ulcus cruris geworden.

Hautersatzverfahren mit kultivierten

Zellen stellen eine weitere innovative

Alternative zur operativen Vorgehensweise

für die Reepithelisation eines

Ulcus cruris dar. Die meisten bislang

etablierten Methoden beschäftigen

sich mit der Herstellung und Transplantation

von Keratinozyten. In den

letzten Jahren wurden zunehmend

Dermis-Äquivalente oder sogar Produkte

aus Dermis und Epidermis entwickelt.

Das moderne „tissue engineering“

mit der Verwendung von kultiviertem

Hautersatz bietet in der Versorgung

des Ulcus cruris interessante

therapeutische Alternativen, die jedoch

aufgrund der meist fehlenden

Erstattung der hohen Kosten bislang

wenig Verwendung finden.

Zukünftige therapeutische Strategien

Testungen

Mikrobiologie

Epicutan-Test

Biopsie, Raynaud-Test,

Pathergie-Test

Zertifizierte Fortbildung

Quellen: PD Dr. J. Dissemond, Essen

Patientin mit Ulcera crurum bei rheumatoider Arthritis (links).

Nach Absetzen der Medikamente, die eine Vasculitis verursacht

hatten, konnte durch eine konservative feuchte Wundtherapie

die vollständige Abheilung erzielt werden (rechts).

werden sich vermutlich zunehmend

auch mit den Optionen, die sich aus

der Verwendung adulter Stammzellen

ergeben, beschäftigen. Insbesondere

für die ambulante Versorgung der Patienten,

bei denen diese Methoden

nicht durchgeführt werden können,

stehen zahlreiche moderne Wundverbände

zur Verfügung.

Feuchte Wundtherapie

Als Wegbereiter der modernen feuchten

Wundtherapie wird meist George

Winter genannt, der 1962 zeigen

konnte, dass artefizielle Wunden bei

Schweinen durch die Applikation eines

okklusiven Folienverbandes beschleunigt

abheilen. Es dauerte über

ein Jahrzehnt, bis die feuchte Wundbehandlung

zumindest in entsprechenden

Zentren weltweite Akzeptanz

Apparativ

Doppler, Knöchel-Arm-Index

Duplex, Licht-Reflexions-

Rheographie

Angiographie, Sauerstoffpartialdruck,Kapillarmikroskopie,

Lymphographie, Röntgen/CT/MRT,

Phlebographie,

Venen-Verschluss-Plethysmographie,

Phlebodynamometrie

Der Kassenarzt 3

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Zertifizierte Fortbildung

fand. Es konnte mittlerweile dokumentiert

werden, dass nach Einleitung

einer adäquaten modernen feuchten

Wundtherapie in Abhängigkeit von

der Genese bei mindestens 50 Prozent

aller Patienten mit einem Ulcus cruris

innerhalb von drei Monaten und

bei über 70 Prozent nach einem Jahr

eine vollständige Abheilung erzielt

werden kann. Dennoch wird geschätzt,

dass heute lediglich 1020

Prozent der Patienten mit einem Ulcus

cruris in Deutschland eine feuchte

Wundtherapie erhalten. Es existiert

eine kaum im vollen Umfang überschaubare

Vielzahl verschiedener

Verbandstoffe auf dem deutschen

Markt. Wichtig für die Auswahl ei-

Patientin mit einem Ulcus cruris

venosum. Neben der typischen

Lokalisation oberhalb des Malleolus

medialis fiel die Dermatoliposklerose

und die Atrophie blanche

auf.

Durch konsequente Kompressionstherapie

und feuchte Wundbehandlung

konnte hier ohne

operative Intervention eine Abheilung

erreicht werden.

ner Wundauflage ist die vorherrschende

Wundsituation.

Invasive Verfahren

Die Ausschaltung eines insuffizienten

epifaszialen Venensystems kann

nach adäquater Diagnostik als Alternative

zu operativen Eingriffen oft

in Form einer Sklerosierungstherapie

durchgeführt werden. In den letzten

Jahren hat sich insbesondere die

Schaumsklerosierung, die meist mit

Polidocanol durchgeführt wird, als

eine nebenwirkungsarme und den Patienten

wenig belastende Therapieoption

etablieren können.

Die Therapie der Patienten mit einer

pAVK sollte immer mit einer Beseitigung

von Risikofaktoren beginnen,

ein Bewegungstraining beinhalten

und ggf. durch die Therapie mit vasoaktiven

Pharmaka wie beispiels-

weise Prostazyklinanaloga ergänzt

werden. Falls durch diese therapeutische

Intervention kein ausreichender

Erfolg erzielt wird, kann eine Revascularisation

durch operative Vorgehensweisen

mittels perkutaner transluminaler

Angioplastie (PTA) oder

Bypass notwendig sein.

Eine Shave-Therapie ist besonders

bei therapierefraktären Patienten mit

einem Ulcus cruris bei gleichzeitigem

Vorliegen einer Dermato-

(lipo)sklerose indiziert. Mit einem

Handdermatom werden dabei das Ulcus

und ein möglichst großer Teil des

umgebenden bradytrophen Gewebes

so lange tangential abgetragen, bis

sich am Wundgrund vitales Gewebe

bandwechsel eine dauerhafte suffiziente

Kompression gewährleisten.

Eine aktuelle Metaanalyse im Rahmen

einer Cochrane Übersichtsarbeit

kommt zu der Schlussfolgerung, dass

die Durchführung einer Kompressionstherapie

bei Patienten mit einem

Ulcus cruris venosum sinnvoll und der

Einsatz von Mehrlagenverbandsystemen

der Verwendung von einfachen

Kompressionssystemen überlegen ist.

Reguläre Kompressionsstrümpfe

sollten den Patienten erst nach Abheilung

des Ulcus rezeptiert werden

und sind für die Vermeidung von

Rezidiven essenziell erforderlich.

Auch wenn die meisten der Patienten

mit einem abgeheilten Ulcus cruris

venosum einen Kompressionsstrumpf

der Klasse III oder bei Vorliegen

eines Lymphödems sogar

Klasse IV benötigen würden, empfiehlt

es sich aufgrund der Durchführbarkeit

und der Akzeptanz durch

den Patienten, gegebenenfalls einen

Kompressionsstrumpf der Klasse II

zu verordnen.

Es sollte auch immer eine Beratung

über Hilfsmittel wie Anziehhilfen erfolgen,

da die Patienten oft erhebliche

Schwierigkeiten mit dem Anlegen

der Strümpfe haben und daraus nicht

selten eine schlechte Compliance resultiert.

Sollte ein Bein nicht den Konfektionsvorgaben

der Hersteller entsprechen,

muss der Kompressionsstrumpf

individuell angepasst werden.

Nicht vergessen:

Schmerztherapie!

Viele Patienten mit einem Ulcus cruris

klagen über ausgeprägte Schmerzen,

die sowohl dauerhaft als auch

akut vor allem beim Verbandwechsel

verstärkt auftreten können. Für

die Objektivierung der Schmerzintensität

existieren verschiedene

Hilfsmittel wie die visuelle Analogskala.

Es sollte bei jedem Patienten

mit einem Ulcus cruris überlegt werden,

ob eine kontinuierliche

Schmerztherapie entsprechend dem

WHO-Stufenschema eingeleitet werden

sollte. Oft ist es hilfreich, weitere

Maßnahmen zu ergreifen, wenn

4 Der Kassenarzt www.kassenarzt.de

Quellen: PD Dr. J. Dissemond, Essen

zeigt. Die Defektdeckung mittels

Mesh-graft-Transplantation kann entweder

direkt oder aber in einer zweiten

Sitzung nach ausreichender Induktion

von Granulationsgewebe durchgeführt

werden.

Kompression

Solange ein Ulcus cruris bei nachgewiesener

CVI und Ausschluss einer

pAVK persistiert, sollte der Patient

Kompressionsverbände mit Kurzzugbandagen

oder spezielle Verbandstrümpfe

erhalten. Es existieren alternativ

auch verschiedene Bandagensysteme,

die aus zwei bis vier Lagen bestehen.

Mehrlagenverbände haben den

Vorteil, dass sie bei einfach zu erlernender

Applikationstechnik und korrekter

individuell adaptierter Anlage

bis zu einer Woche belassen werden

können und dem Patienten ohne Ver-


sich die Verbandwechsel als schmerzhaft

erweisen: So sollten fest haftende

Verbände vor dem Wechsel für

mindestens 20 Minuten mit angewärmter

Ringer-Lösung eingeweicht

werden. Lokalanästhetika in Form einer

Creme eignen sich zudem zur unterstützenden

lokalen Anwendung.

Die Creme sollte jedoch mindestens

für 30 Minuten auf ein Ulcus cruris

vor Intervention aufgetragen werden.

Die Effektivität des Lokalanästhetikums

kann durch die okklusive Applikation

mittels semipermeabler Wundfolie

zusätzlich verstärkt werden.

Adjuvante Therapie

Als weitere relevante Faktoren für das

Auftreten eines Ulcus cruris bei Patienten

über 60 Jahre wurden unter anderem

die höhere Inzidenz an Grunderkrankungen

und das gehäufte Vorliegen

einer Malnutrition diskutiert.

Eine ausreichende Zufuhr von Proteinen,

Aminosäuren und Spurenelementen

ist in jeder Phase der Wundheilung

zwingend erforderlich. Auch

wenn bislang nicht zweifelsfrei belegt

wurde, dass der arterielle Hypertonus

ein Ulcus cruris (hypertonicum Martorell)

verursachen kann, so sollte dieser

ebenso wie ein Diabetes mellitus

und andere Grundkrankheiten möglichst

suffizient eingestellt sein.

Problematisch ist jedoch das wundheilungsbehindernde

Potenzial vieler

Medikamente, die gegebenenfalls

sogar die Ursache für die Entstehung

eines Ulcus cruris sein können. Weiterhin

kann sportliche Aktivität auch

Krankengymnastik als Mittel der

therapeutischen Intervention bei Patienten

mit einer pAVK oder auch bei

Vorliegen einer CVI genutzt werden.

Zudem ist oft eine manuelle Lymph-


WUNDTHERAPEUTIKA UND PHASEN DER WUNDHEILUNG

drainage sinnvoll. Die Erstellung eines

Therapieplans für Patienten mit

einem Ulcus cruris venosum sollte

immer durch einen diagnostisch und

therapeutisch versierten Arzt erfolgen.

So muss die Basis eines auch

mittel- oder sogar langfristig erfolgreichen

Therapiekonzeptes die Diagnostik

und wann immer möglich die

kausale Therapie darstellen. Durch

die Kenntnis der jeweiligen Wundheilungsphasen

bietet sich heute eine

Vielzahl von Wundtherapeutika zur

konservativen Therapie des Ulcus cruris.

In Kombination mit einer meist

erforderlichen konsequenten Kompressionstherapie

und Wundheilungsphasen-adaptiertenMaßnahmen

kann die überwiegende Anzahl

der Ulcera zur Abheilung gebracht

werden.

Zusammenfassung

Das Ulcus cruris ist ein multifaktoriell

verursachtes, interdisziplinär re-

SO SO SO KOMMEN KOMMEN SIE SIE ZU ZU IHREN IHREN IHREN CME-PUNKTEN

CME-PUNKTEN

Für die Beantwortung der folgenden Fragen und die Einsendung des Antwortbo-

Antwortbo-

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gibt es zwei zwei CME-Punkte

CME-Punkte. CME-Punkte Sie erhalten nach der Auswertung eine

entsprechende schriftliche Bescheinigung. Bitte vergessen Sie daher nicht Ihre

Ihre

vollständige vollständige Postanschrift Postanschrift auf dem Einsendebogen.

Zertifizierte Fortbildung

Quelle: PD Dr. J. Dissemond, Essen

levantes Krankheitsbild. Die wesentliche

Ursache eines Ulcus cruris ist

bei 80 Prozent der Patienten eine

chronische venöse Insuffizienz

(CVI). Jedoch existieren auch zahlreiche

andere potenziell relevante

Faktoren, die ein Ulcus cruris verursachen

können oder zumindest dessen

Abheilung behindern. Die Einleitung

einer adäquaten Therapie der

Patienten mit einem Ulcus cruris ist

nur nach exakt durchgeführter Diagnostik

möglich. Als Therapieoptionen

stehen konservative und operative

Behandlungsmöglichkeiten zur

Verfügung. Die Auswahl eines geeigneten

Wundtherapeutikums richtet

sich nach dem vorherrschenden

Wundstadium. Zusätzliche Therapieoptionen

wie ein chirurgisches Debridement

oder eine Granulationsinduktion

mittels Vakuumversiegelung

können ein modernes Wundmanagement

unterstützen. Besonders der

konsequenten Durchführung einer

Kompressionstherapie kommt in der

Therapie der Patienten mit einer CVI

eine große Bedeutung zu. Ein dauerhafter

Behandlungserfolg setzt jedoch

immer eine kausal orientierte

Therapie voraus, die interdisziplinär

und interprofessionell durchgeführt

werden sollte.

Literatur in der Redaktion

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FRAGEN ZUR ZERTIFIZIERTEN FORTBILDUNG

Thema: Ulcus cruris

1.

1. Welche Erkrankung kann üblicherweise nicht

nicht

zu der Entstehung eines Ulcus cruris führen?

a leukozytoklastische Vasculitis

b Diabetes mellitus

c Basalzellkarzinom

d Psoriasis vulgaris

e Pyoderma gangraenosum

2.

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5.

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Der Einsatz welches nicht-zytotoxischen Antiseptikums

wird heute in der Therapie der Patienten

mit Ulcus cruris empfohlen?

Chlorhexidin

topische Antibiotika

Rivanol

Pyoktanin

Polihexanid

3.

3. Welche Untersuchung ist für eine Basisdiagnostik

bei Patienten mit einem Ulcus cruris nicht nicht zwingend

erforderlich?

a Blutbild

b bakteriologischer Abstrich

c Röntgen

d Knöchel-Arm-Index

e Doppler-Sonographie

Was ist mit dem Begriff Debridement in der

modernen Wundbehandlung der Patienten mit

einem Ulcus cruris gemeint?

feuchte Wundtherapie

Abtragung von avitalem Gewebe (Nekrose, Fibrin,

Fremdkörper etc.)

Desinfektion

operativer Wundverschluss

Kompressionstherapie mit Mehrlagenverbänden

Welche Therapieoption wird insbesondere zur

Förderung der Granulation bei Patienten mit einem

Ulcus cruris eingesetzt?

Unterschenkelbäder

Sklerosierungstherapie

trockene Wundbehandlung

Einsatz von Blutegeln

Vakuumversiegelung

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Antwort

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Welche der folgenden Behandlungsoptionen stellt eine

Therapie der ersten Wahl in der Phase der Epithelisation

bei Patienten mit einem Ulcus cruris dar?

Mesh-graft-Transplantation

trockene Wundbehandlung

Applikation von Farbstoffen

Auskratzen des Wundgrundes

systemische Gabe von Antibiotika

Welche Substanz wird für die Schaumsklerosierung

bei Patienten mit einer CVI eingesetzt?

ASS

Glucocorticoide

Nonivamid

Polidocanol

Panthenol

Bei welchen Patienten sollte eine Kompressionstherapie

durchgeführt werden?

bei allen Patienten mit einem Ulcus cruris

bei Patienten mit einer pAVK nach Ausschluss einer CVI

bei Patienten mit einer CVI nach Ausschluss einer pAVK

bei Patienten mit einem Diabetes mellitus

Solange ein Ulcus cruris besteht, sollte keine

Kompressionstherapie durchgeführt werden.

Welche Kompressionsklasse sollte bei Patienten mit

einem Lymphödem idealerweise durchgeführt werden?

Kompressionsklasse 1

Kompressionsklasse 2

Kompressionsklasse 3

Kompressionsklasse 4

Kompression ist bei Patienten mit einem Lymphödem

kontraindiziert.

Wie hoch ist der Anteil der Patienten, bei denen ein

Ulcus cruris primär durch eine Gefäßerkrankung

bedingt ist?

ca. 10 Prozent

ca. 25 Prozent

ca. 50 Prozent

ca. 75 Prozent

mindestens 90 Prozent


!

ANTWORTBOGEN ZUR ZERTIFIZIERTEN FORTBILDUNG

Richtige Antwort ankreuzen und faxen an: 0 61 02 / 502-190 Einsendeschluss: 30.03.2007


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Redaktion DER KASSENARZT

Stichwort: „Ulcus cruris

Am Forsthaus Gravenbruch 7

63263 Neu-Isenburg

Fax: 0 61 02 / 502-190

Ihr Absender:

Thema: Ulcus cruris

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Der Kassenarzt

VERLAG UND REDAKTION

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GESELLSCHAFTER

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GESCHÄFTSFÜHRUNG

Dr. med. Uwe A. Richter, Henry Scott Elkington

HERAUSGEBER

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DER KASSENARZT ist korporatives Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin

REDAKTION

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