196 Teil 1 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V.

kleingarten.bund.de

196 Teil 1 - Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V.

196

Soziale Verantwortung des

Kleingartenwesens – nach innen

und nach außen


Schriftenreihe des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V., Berlin

( BDG )

Heft / 2008

30. Jahrgang

Tagung: Gesellschaft und Soziales

vom 12. bis 14. September 2008 in Magdeburg

Herausgeber: Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

Platanenallee 37, 14050 Berlin

Telefon 030/ 30 207 140/141

Telefax 030/ 30 207 139

Präsident: Dr. sc. agr. Achim Friedrich

Seminarleiter: Dr. Norbert Franke

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Zusammenstellung: Ute Gabler

Nachdruck und Vervielfältigungen (fotomechanischer und anderer Art) - auch

auszugsweise - dürfen nur mit Genehmigung des Bundesverbandes Deutscher

Gartenfreunde erfolgen.

Auflage: 1.000

ISSN 0936-6083


INHALTSVERZEICHNIS SEITE

Vorwort 5

Dr. Norbert F r a n k e

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Soziale Verantwortung des Kleingartenwesens – Facetten des 7

gesellschaftlichen Lebens

Dr. Norbert F r a n k e

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Kleingärten – Heimstatt für Jedermann 17

(Senioren und Behinderte als Teil der Gemeinschaft)

Joachim R o e m e r

Landesgartenfachberater im

Landesverband Niedersächsischer Gartenfreunde e.V.

Tafelgärten/Schulgärten – sinnvolle Integration von Menschen 39

ohne Arbeit und Projekte zwischen Umwelterziehung und

Mitgliederbindung

Frank M ü l l e r

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

Aktive Umwelterziehung beginnt bereits beim Kind 61

Prof. Dr. Gerlinde K r a u s e

Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates im

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

Schreberjugend – Erbausschlagung wäre keine Lösung 81

Antje R e i m a n n

Soziologin, Deutsche Schreberjugend Bundesverband e.V.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 196


Kinderprojekte – Grundlagen für die Zukunft? 91

(Projekt Falkenstein)

Tommy B r u m m

Vorsitzender der Deutschen Schreberjugend Landesverband

Sachsen e.V.

Integration heißt miteinander leben 97

(Integrationspolitik als städtische Aufgabe)

Jochen K o e h n k e

Dezernent für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten

der Stadt Münster

AG I Soziales Engagement 118

Leiter der Arbeitsgruppe I: Frank M ü l l e r

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde e.V.

AG II Natur- und Umweltschutz 120

Leiter der Arbeitsgruppe II: Joachim R o e m e r

Landesgartenfachberater im

Landesverband Niedersächsischer Gartenfreunde e.V.

AG III Städtebaulicher Beitrag 122

Leiter der Arbeitsgruppe III: Manfred W e i ß

Vorsitzender des Landesverbandes Braunschweig

der Gartenfreunde e.V.

AG IV Wirtschaftsfaktor Kleingartenwesen 124

Leiter der Arbeitsgruppe IV: Günter L a n d g r a f

Vorsitzender des Bezirksverbandes der Gartenfreunde

Berlin-Treptow e.V.

AG V Kleingarten als Gesundheitsquell 127

Leiter der Arbeitsgruppe V: Armin T i l i a n

Vorsitzender des Landesverbandes Saarland der Kleingärtner e.V.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 196


Vorwort

- 5 -

Vom 12. bis zum 14. September fand das Seminar „Gesellschaft und Soziales“ des Bundesverbandes

Deutscher Gartenfreunde (BDG) in Magdeburg statt. Das Schwerpunktthema der Veranstaltung

lautete „Soziale Verantwortung des Kleingartenwesens – nach innen und nach außen“.

Seminarleiter Dr. Norbert Franke eröffnete das Seminar und übergab dann das Wort an Dietmar

Kuck, Präsident des Landesverbandes der Gartenfreunde Sachsen-Anhalt e.V. Er stellte – so wie es

zukünftig in allen BDG-Seminaren zur Tradition werden soll – seinen Landesverband vor und ging

dabei sowohl auf Organisatorisches als auch auf Erfolge und Probleme des Verbandes ein.

Als ein solches Problem kennzeichnete er den zunehmenden Leerstand im Flächenstaat Sachsen-

Anhalt. Gleichzeitig stellte er aber auch Lösungsvorschläge dar, wie sie sich in der Nutzung aufgelassener

Parzellen als Tafelgärten widerspiegeln.

Dr. Norbert Franke befasste sich in seinem Referat mit der sozialen Verantwortung des Kleingartenwesens

in den verschiedenen Facetten des gesellschaftlichen Lebens. Dabei machte er deutlich,

dass es neben dieser Verantwortung nach innen, zukünftig die Leistungen des Kleingartenwesens

nach außen noch deutlicher herausgestellt werden sollte. Kleingärten haben nicht nur eine soziale

Funktion, sondern gleichermaßen auch eine städtebauliche und ökologische Funktion sowie in

immer zunehmenden Maße auch eine ökonomische sowie eine Gesundheitsfunktion. Dieses gegenüber

Dritten deutlich zu machen, ist ein wesentliches Erfordernis für die Zukunft.

Sechs weitere Referenten untermauerten einige der im Beitrag von Dr. Franke aufgezeigten Bereiche

anhand von praktischen Beispielen.

So ging es beim Vortrag von Prof. Dr. Gerlinde Krause um die Umwelterziehung bei Kindern und

Jugendlichen. In ihrem Beitrag stellte sie den Zusammenhang von Umwelterziehung und Umwelt

bildung her und ging auf Beziehungen von Wissen – Fähigkeiten und Fertigkeiten –

Verhaltensweisen ein. Dabei machte sie deutlich, dass ein enger Zusammenhang zwischen Wissen

und zielgerichtetem Handeln besteht. Anhand der Einflussfaktoren auf das Handeln unter Bezug

auf das Bildungsmonitoring stellte sie ein zweistufiges Strategiemodel zur Forderung der ökologischen

Kompetenz vor. Ausgehend von den Darstellungen zur Entwicklung von umweltbewusstem

Handeln in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht stellte sie zu den einzelnen Aussagen jeweils

die neuen Ansatzpunkte für das Kleingartenwesen heraus.

Joachim Roemer, widmete seine Darlegungen der Einbeziehung von Senioren und Behinderten in

die Kleingärtnergemeinschaft. Dabei leitete er anhand der Altersstruktur ab, dass es unumgänglich

ist, Kleingärten so zu gestalten, dass das Alter des Kleingärtners kein Handycap für die Nutzung

der Parzelle darstellt. In einem zweiten Teil seines Beitrages ging er auf die behindertengerechte

Gestaltung von Kleingärten ein und machte eine Anzahl von Vorschlägen, die gute Anregungen für

die Teilnehmer des Seminars waren. Die wesentliche Position des Vortrages lag auf der Aussage,

dass Senioren und Behinderte integrierte Bestandteile der Kleingartengemeinschaft sind und auch

bleiben müssen.

Mit konkreten Projektbeispielen wartete Frank Müller auf, der Schulgarten- und Tafelgärtenprojekte

in Sachsen vorstellte. Dabei sprach er über die Bedeutung von Tafelgärten im Leipziger Raum und

bot den Teilnehmern des Seminars alle notwenigen Informationen, um solche Projekte vorzubereiten

und auch erfolgreich durchzuführen. Am Beispiel des gemeinnützigen Vereins „Columbus“

konnte er die Sinnhaftigkeit von Tafelgärtenprojekten überzeugend nachweisen. Im zweiten Teil

seines Beitrages referierte er zu Schulgärten, stellte eine Konzeption für ein Gartenjahr in einem

Schulgarten vor und wies an Beispielen die Bedeutung von Schulgärten für die ökologische Erziehung

von Kindern heraus.

Antje Reimann und Tommy Brumm berichteten über die Zusammenarbeit von Schreberjugend und

Kleingärtnervereinen. Dabei zeigten ihre Darstellungen deutlich, dass die Leistungen des Kleingar-

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 196


- 6 -

tenwesens weit über das „Laubenpieperdasein“ hinausgehen und dass Kleingärten ein wichtiger

Bestandteil der Gesellschaft sind.

Dazu stellte Antje Reimann die Jugendverbandsarbeit der Deutschen Schreberjugend und ihre Arbeitsschwerpunkte

vor. Dabei erklärte sie auch die Struktur und den Aufbau der Schreberjugend

sowie die realisierten Tätigkeitsfelder. In einem zweiten Abschnitt ihres Vortrages referierte sie

über Inhalte und Möglichkeiten einer Kooperation der Schreberjugend mit dem Bundesverband

und schloss ihre Darlegungen mit dem 10-Punkte-Plan der Schreberjugend.

Tommy Brumm band seinen Vortrag sowohl an die Darlegungen von Antje Reimann als auch von

Frank Müller an und stellte das Kinder- und Jugendprojekt „Zum Holzbrunnen“ in Falkenstein den

Teilnehmern des Seminars vor. Dabei bot er eine volle Übersicht über die Realisierung eines solchen

Projekts von der Idee bis zur Realisierung. In einem zweiten Abschnitt gab er Ratschläge und

Tipps für die erfolgreiche Erstellung solcher Kinderprojekte und verband dies mit einem Blick in die

Zukunft.

In einem abschließenden Beitrag referierte Jochen Köhnke über das Thema „Integration – heißt

miteinander leben“. Dabei stellte er die Integrationspolitik als städtische Aufgabe am Beispiel der

Stadt Münster dar.

Anhand der Migrationsleitentwicklung der Stadt Münster machte er deutlich, dass dem Prozess

der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im Rahmen der gesamtgesellschaftlichen

Entwicklung große Bedeutung zugemessen werden muss und dass sich dies über die Entwicklung

eines Leitbildes erfolgreich realisieren lässt. Anhand der Ergebnisse einer umfangreichen

und sehr differenzierten Befragung von Aussiedlern in Kleingärtnervereinen informierte er die Teilnehmer

des Seminars über die Sozialstruktur der Befragten, über ihre Lebenssituation in Deutschland

einschließlich der Kleingartennutzung sowie über die Wunschvorstellungen der Pächter zum

Vereinsleben. Abschließend zog er unter Berücksichtigung der Befragungsergebnisse noch einmal

Resümee zur Migrationspolitik in einer Region.

In fünf Arbeitsgruppen diskutierten die Seminarteilnehmer über die von Dr. Franke dargestellten

fünf Funktionen des Kleingartenwesens. Zielstellung war dabei, aufzuzeigen, in welchen Regionen

bestimmte Projekte mit sozialem Charakter geplant werden oder bereits realisiert worden sind. Der

anwesende BDG-Präsident, Dr. sc. Achim Friedrich, gab zu verstehen, dass der BDG als eine der

nächsten Aufgaben die bundesweite Erfassung solcher Projekte anstrebe, um das vorhandene Wissen

den Landesverbänden zur Nachnutzung bereit zu stellen.

Der Besuch eines Tafelgartens in einer Kleingartenanlage der Stadt Magdeburg sowie die Vorführung

des Lehr- und Informationsgartens des Stadtverbandes Magdeburg rundeten das Seminar

gelungen ab.

Dr. Norbert Franke

Präsidiumsmitglied für Seminare im Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 196


Soziale Verantwortung des Kleingarten-

wesens – Facetten des gesellschaftlichen

Lebens

Dr. Norbert Franke

Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde e.V.

Berlin

- 7 -

Diskussionen um den Kündigungsschutz und um den Pachtzins in Bremen, übermäßige Belastungen

von Pächtern im Rahmen der Kommunalgesetzgebung in Sachsen sowie die Umwidmung von

Kleingartenflächen in Erholungsanlagen in Berlin zeugen davon, dass es erforderlich ist, einige

Positionen zum Sinn und zur Notwendigkeit des Kleingartenwesens zu setzen und dabei deutlich

zu machen, welche Bedeutung es in der Vergangenheit hatte und auch in der Zukunft haben wird.

Die Kleingartenbewegung hat im Laufe ihrer Entwicklung wichtige soziale und gesellschaftliche

Aufgaben erfüllt. Diese gewinnen angesichts zunehmender Einschnitte in das soziale Netz und

fehlender Rechtssicherheit in vielen Lebensbereichen an Bedeutung.

Daraus leitet sich ab, dass sich die Bedeutung des Kleingartenwesens nicht nur in der Tätigkeit

nach innen widerspiegelt und widerspiegeln muss, sondern in zunehmendem Maße auch in der

teilweise bereits vorhandenen, aber oft noch nicht deutlich genug gesehenen Wirksamkeit nach

außen.

In diesem Sinne sollen vorab einige Fakten genannt werden, die in ihren Grundsätzen auch vom

Bundesverband deutscher Gartenfreunde getragen werden.

So kann heute festgestellt werden, dass

- Kleingartenanlagen eine immer mehr zunehmende Bedeutung für die Gestaltung der sozialen

Stadt und die Erhaltung des sozialen Friedens unter Berücksichtigung ökologischer und städtebaulicher

Erfordernisse bekommen;

- Kleingartenanlagen zu einem nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil der lokalen AGENDA

21 geworden sind;

- Kleingartenanlagen für Familien eine ideale und immer mehr gesuchte Verbindung von Arbeiten,

Wohnen und Leben darstellen und somit als „Grüne Oasen“ Stätten der Freizeitbeschäftigung,

der aktiven Erholung, aber auch des praktizierten Gemeinschaftslebens sind;

- Kleingartenanlagen angesichts der ständig steigenden Lebenserwartung und des frühen Ein

stiegs in den Ruhestand Bereiche kreativer Betätigung in der Natur, aber auch in der Gesell-

schaft sind;

- Kleingartenanlagen darüber hinaus Integrationsbereiche für allein erziehende Singles, auslän-

dische Mitbürger, Aus- und Umsiedler sowie behinderte Menschen in immer stärkerem Maße

werden.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 196


- 8 -

Geht man von diesen Positionen aus, so wird deutlich, dass dem Kleingartenwesen in der heutigen

Zeit eine hohe soziale Verantwortung zukommt, die sich nicht auf das Kleingartenwesen selbst

beschränkt, sondern weit hinaus in die Gesellschaft wirkt.

Man muss – da von außen den Kleingärtnern oft Bevorzugung und Besserstellung durch die private

Nutzung von Grund und Boden nachgesagt wird – deutlich herausheben, dass die Väter des

Bundeskleingartengesetzes nicht von dem Gedanken getragen waren, einer Organisation besondere

Rechte zu gewähren, sondern dass sie sich bei der Ausarbeitung des Gesetzes darüber klar waren,

dass dem Kleingartenwesen eine zunehmende soziale Verantwortung zukommt.

Kündigungsschutz und Höchstpachtzinsfestlegung sind nicht der eigentliche Sinn des Bundeskleingartengesetzes,

sondern nur Werkzeuge zur langfristigen Durchsetzung der Funktionen des

Kleingartenwesens – und dabei insbesondere der Wahrnehmung der sozialen Verantwortung.

Wenn man in der heutigen Zeit zur sozialen Verantwortung des Kleingartenwesens Stellung

nimmt, so muss man sich zu allererst von der Denkweise verabschieden, dass die soziale Funktion

sich auf die Unterstützung von sozial Schwachen, auf die Ausgestaltung von Sommer-, Kinder- und

Seniorenveranstaltungen, auf die Hilfe von Behinderten sowie die Integration von Bürgern anderer

Nationen beschränkt.

Unabhängig davon, dass diese Dinge auch heute integrierter Bestandteil des Kleingartenwesens

sind und auch zukünftig bleiben werden, so muss aus meiner Sicht der Begriff „soziale Verantwortung

des Kleingartenwesens“ bedeutend weiter gesehen werden.

Das Kleingartenwesen allein auf die Denkansätze von Daniel Schreber, auf die Errichtung von Armengärten

sowie auf die Bereitstellung von Pachtflächen für kinderreiche Familien einzugrenzen,

würde der Bedeutung des Kleingartenwesens in der Gegenwart nur noch zu einem geringen Teil

entsprechen.

Kleingärtneranlagen – und damit jeder einzelne Kleingarten – tragen heute im weitaus größeren

Maße zur Entwicklung unserer Gesellschaft bei.

Die oft zitierten Funktionen des Kleingartenwesens – die soziale Funktion, die ökologische Funktion

und die städteplanerische Funktion, die aus meiner Sicht noch durch eine ökonomische Funktion

bzw. durch einen ökonomischen Faktor ergänzt werden müsste – gehen weit über die oft in der

Bevölkerung gesehene und diskutierte enge Sicht der Bedeutung des Kleingartens – im Sinne von

Laubenpieperdasein – hinaus.

Es ist deshalb an der Zeit, deutlich auszusprechen, dass Kleingartenflächen kein Areal für sozial

Schwache allein ist, sondern für alle Schichten der Bevölkerung sind; was wiederum bedeutet, dass

der Arbeiter und Angestellte direkter Nachbar eines Richters, eines Arztes oder eines Abgeordneten

sein kann – wichtig ist nur, wie derjenige, der ein Pachtverhältnis für einen Kleingarten begründet

hat, diese Fläche nutzt, sich in die Gemeinschaft einbringt und wie er im Sinne des Kleingartenwesens

handelt.

Um dies zu untermauern, soll einmal einer der großen Dichter zitiert werden, der im „Wilhelm

Tell“ sagte: „Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr.“

Was übertragen heißen könnte: „Das Kleingartenwesen soll eine Gemeinschaft der Menschen sein,

unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, ihrer Religion, ihren Anschauungsweisen und ihrer Abstammung.“

Wobei auf der anderen Seite damit auch gesagt ist, dass nur die Gemeinschaft der Kleingärtner in

der Lage ist, erforderliche Ansprüche durchzusetzen und für die Menschen dieser Gemeinschaft

langfristig zu sichern.

Das eine solche Gemeinschaft notwendig ist, zeigt sich an vielen Beispielen; denn die Vertragspartner

– unabhängig davon, ob es die Kommune oder private Eigentümer sind – stehen mit ihren

Wünschen nicht immer in Übereinstimmung mit den Zielen des Kleingartenwesens.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 196


Verwaltungsvorschriften

- 9 -

Um gegebenenfalls neue Forderungen aufzumachen oder sogar bestehende Kleingartenflächen

infrage zu stellen, werden Aussagen gemacht, die in vielen Fällen jeder Grundlage entbehren. So

hat zum Beispiel in einem Gutachten die Berliner Liegenschaft- und Entwicklungsgesellschaft die

Notwendigkeit von Kleingartenflächen und ihre sozialverträgliche Verpachtung mit dem Argument

auszuhebeln versucht, dass sie bei ihren Analysen vor Ort feststellen mussten, dass Kleingärtner

einen Porsche vor der Gartentür zu stehen hätten.

Und selbst, wenn dies den Tatsachen entsprochen hätte, so wäre es kein Argument, das Kleingartenwesen

oder die konkret betroffene Fläche in ihrem Bestand infrage zu stellen. Ein teures Auto

sagt noch lange nichts über seinen Besitzer und vor allem nichts über sein Handeln aus; und außerdem

kann aus einem Porsche kein Rückschluss auf die Leistungen des Kleingartenwesens gezogen

werden.

Auf der Grundlage des voran Dargestellten muss bereits heute, aber vor allem hinsichtlich der Planung

in die Zukunft, davon ausgegangen werden, dass die soziale Verantwortung des Kleingartenwesens

sich nicht allein auf ihre soziale Funktion nach innen begrenzt, sondern das es heute – und

sogar in größerem Umfang – erforderlich ist, die soziale Verantwortung des Kleingartens nach außen

zu sehen und aktiv zu betreiben.

Schaut man sich das Kleingartenwesen hinsichtlich seiner rechtlichen Einordnung an, so wird es

im vollen Umfang durch das Bundeskleingartengesetz determiniert.

Soziale Verantwortung im Kleingartenwesen

soziale Funktion

(nach innen)

• Familien- und

Kindereinbindung

• Integration von

Bürgern aus

anderen Ländern

• Hilfe und

Unterstützung von

Mitgliedern

ökologische

Funktion

(nach außen)

• Natur- und

Umweltschutz

• Pflege öffentlichen

Grüns

• Grünzonen im

urbanisierten

Bereich

• Erhalt der

Artenvielfalt

städteplanerische

Funktion

(nach außen)

• Belüftungszonen

• Sauerstoffreservoir

• Grünzonen

Bundeskleingartengesetz

Kleingartenwesen

Soziale Verantwortung

Verantwortung

für eine langfristige,

bezahlbare und sichere

Nutzung der Flächen für

die Mitglieder

• Schutz vor Kündigung

• Schutz vor nicht

tragbaren Forderungen

Abb. 1: Funktionen des Kleingartenwesens und seine rechtliche Einbindung

spezielle

Verordnungen

(z. B. Baumschutz)

wirtschaftliche

Funktion

(nach außen)

• Pachtzins

• ÖRL

• Einsparung von

Mitteln für

Grünpflege

• Überschuss aus den

Zahlungen der

Kleingärtner

• Projektrealisierung,

die der Eigentümer

finanzieren müsste

Gesundheits-

funktion

(nach innen)

• Apotheken

• Bioshops

• Fitnesscenter

Hinzu kommen vielfältige Verwaltungsvorschriften aber auch spezielle rechtliche Verordnungen,

• Belüftungszonen

die zwar • Sauerstoffreservoir nicht dem Kleingartenwesen direkt zuzuordnen sind (zum Beispiel der Baumschutz, die

• Grünzonen

Trinkwasserverordnung), aber trotzdem auf das Kleingartenwesen einwirken. Daraus leitet sich ab,

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- 10 -

dass sich das Kleingartenwesen in die es tangierenden rechtliche Regelungen und Bestimmungen

einordnen muss.

Gleichzeitig muss das Kleingartenwesen aus sich heraus die ihm zugehörigen Funktionen und

Aufgabenbereiche realisieren und sowohl im Sinne seiner Mitglieder als aber auch im Sinne der

Gesellschaft ausfüllen.

Dazu gehören einmal die soziale Funktion, die sich im überwiegenden Maße auf den Innenbereich

bezieht, aber auch die ökologische und die städteplanerische Funktion, die sich vor allem auf den

Außenbereich auswirken. Hinzu kommen – und das wird oft unterschätzt – einmal der ökonomische

Faktor, denn das Kleingartenwesen ist kein Zuschussbetrieb für die Kommune, sondern

bringt mit dem Pachtzins und dem öffentlich-rechtlichen Lasten eine konkrete Summe für den

Haushalt ein. Außerdem ist in Betracht zu ziehen, dass durch die Pflege des öffentlichen Grüns,

aber auch durch den aktiven Natur- und Umweltschutz, in Größenordnungen Gelder eingespart

werden, die sonst zu Lasten des Staates gehen würden.

Oft nicht als eigener Punkt erwähnt, aus aber trotzdem eine wesentliche Funktion des Kleingartenwesens

ist die Verantwortung für eine sichere, langfristige und bezahlbare Nutzung der Flächen für

die Mitglieder – also für die Pächter jeder Kleingartenparzelle. Dies widerspiegelt sich insbesondere

in einem immamenten Bemühen um die langfristige Festschreibung der Bodenflächen als Dauerkleingartenanlagen-

und dies verbunden mit dem Schutz vor Kündigungen, aber auch dem Schutz

vor hohen und manchmal nicht nachvollziehbaren Forderungen der Kommune und auch anderer

Eigentümer gegenüber den Pächtern.

Schaut man sich die soziale Verantwortung des Kleingartenwesens differenzierter an, so ist es erforderlich,

zuerst einmal auf die soziale Funktion des Kleingartenwesens nach innen etwas tiefer

eingehen.

In der im folgenden dargestellten Grafik sind elf Felder ausgewiesen, die den sozialen Charakter

der Organisation – der Gemeinschaft der Kleingärtner – vorrangig ausmachen.

Veranstaltungen

für Senioren

Versorgung von

Familien mit

Parzellen

Einbeziehung von

Behinderten in

spezifisch

gestaltete Gärten

Gesundheits-

funktion des

Kleingartenwesens

z. B. Apotheke

z. B. Fitnesscenter

Veranstaltungen

für Kinder (z. B.

Natur erleben)

z. B. Bioshop

Erholungsmöglichkeiten

für

alle Bürger

städteplanerische

Funktion des

Kleingartenwesens

z. B. Sauerstoff-

reservoir

z. B. Belüftungsschneisen

Soziale Verantwortung

des

Kleingartenwesens

z. B.

Grünzonen

Integration von

Bürgern anderer

Nationen

Abb. 2: Facetten der sozialen Verantwortung des Kleingartenwesens

ökologische

Funktion des

Kleingartenwesens

z. B. Natur- und

Umweltschutz

z. B. Erhalt und

Erweiterung der

Artenvielfalt

Unterstützung von

Mitgliedern mit

Problemen (z. B.

Arbeitslosigkeit)

z. B. Pflege und

Erhaltung der

Grünbereiche

Spenden /

Arbeitseinsätze

Schulungen

Sommer- und

Kinderfeste

Lehrgärten /

Naturpfade

wirtschaftliche

Funktion des

Kleingartenwesens

z. B. Pachtzins

z. B. Einsparung

von Mitteln für

Grünpflege

z. B. Öffentlich-

rechtliche

Lasten

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Man kann sogar noch weitere Bereiche nennen, in denen sich das Kleingartenwesen aktiv engagiert;

aber bereits diese Beispiele zeigen, zu welchen Leistungen die Organisation fähig ist. Dabei

wird insbesondere die Tatsache unterstrichen, dass das Kleingartenwesen in weitaus größerem

Maße einer Geber-Organisation als eine Nehmer-Organisation ist.

Schaut man sich die weiteren Grafikfelder acht bis elf etwas näher an, so kann man erkennen, dass

die soziale Verantwortung nicht nur nach innen wirkt.

Spenden und Arbeitseinsätze begrenzen sich nicht nur auf die Realisierung von Projekten innerhalb

des Kleingartenwesens, sondern wirken weit darüber hinaus. Das zeigte sich zum Beispiel an

die große Solidarität der Kleingärtner für die Hochwassergeschädigten im Jahr 2002 aber auch für

die Opfer der Tsunami-Katastrophe des vergangen Jahres. Obwohl diese Beispiele bereits deutlich

machen wie sich das Kleingartenwesen in die Erfordernisse der Gesellschaft einbringt, so sollte

man darüber hinaus aber auch erwähnen, dass das Engagement der Kleingärtner in anderen Bereichen,

wie zum Beispiel für die Kinderkrebszentren, für die Förderung von Vereinen, die sich um

Kinder aus sozial schwachen Familien bzw. Heimkinder kümmern oder für die Unterstützung von

Integrationsprojekten.

Zum Punkt Sommer- und Kinderfeste ist zu sagen, dass die Kleingärtner solche Veranstaltungen

nicht für sich allein organisieren, sondern immer bemüht sind, auch die Bürger des Umfeldes in

ihre Feiern einzubeziehen, um so die wichtige Aufgabe der Integration der Kleingartenanlage in ihr

Umfeld weiter zu befördern.

Lehrgärten und Naturpfade dienen vor allem der Wissensvermittlung, denn sie sollen die Menschen

näher an die Natur heranbringen und sie so die Schönheiten von Flora und Fauna erleben

lassen. Ihre Planung und Realisierung erfordern viel Kraft, sind jedoch ein wichtiger Meilenstein,

um insbesondere die Jugend einmal an die Natur heran zuführen und zum anderen sie aber auch

für das Kleingartenwesen aufzuschließen – denn es wird der Tag kommen, an dem die nächste

Generation all das übernehmen muss, was die Vorgängergenerationen aufgebaut haben- und dies

mit der Verpflichtung, es erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Schulungen – insbesondere im Fachberatungsbereich – gehen weit über die Grenzen von Kleingartenanlagen

hinaus und beziehen breite Schichten des Umfeldes ein.

(Dabei kommt auch internen Schulungen eine immer größere Bedeutung zu, so z. B. zur kleingärtnerischen

Nutzung).

Schon diese Darstellungen zur sozialen Funktion des Kleingartenwesens machen deutlich, dass die

Organisation kein Staat im Staate ist, sondern integrierter Bestandteil, woraus sich auch entsprechende

Forderungen an das Kleingartenwesen ableiten. Diese sind es, die in zunehmendem Maße

die soziale Verantwortung des Kleingartenwesens – und das nach außen – bestimmen.

So sind die ökologische und die städteplanerische Funktion heute aus keiner Planung einer Kommune

mehr wegzudenken, da in einigen Bereichen nur über das Kleingartenwesen Aufgaben erfüllt

und Leistungen erbracht werden können, die mit Mitteln des Staates kaum noch realisierbar sind.

Aus diesem Grunde ist es notwendig, tiefer auf die soziale Verantwortung des Kleingartenwesen

nach außen einzugehen, denn – abgeleitet aus den historischen Wurzeln – wird noch zu oft den

Blick nach innen gerichtet und die wesentliche Aufgabe des Kleingartenwesens noch zu stark auf

die Unterstützung von sozial Schwachen ausgerichtet.

Neben der der Kleingärtnerorganisation innewohnenden Verpflichtung gegenüber ihren Mitgliedern

in der heutigen Zeit, ist es unbedingt erforderlich, auch Augenmerk auf die Verantwortung des

Kleingartenwesens für die Gestaltung der Städte und Gemeinden sowie auf den Schutz und die

Erhaltung der Biosphäre zu richten.

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Gerade in diesen Bereichen kommt dem Kleingartenwesen eine Bedeutung zu, die weder von der

Politik und den Kommunen, noch von den Pächtern und Funktionären bewusst erkannt und zur

Grundlage des Handelns gemacht wird.

Sieht man sich so die ökologische Funktion des Kleingartenwesens näher an, so kann festgestellt

werden, dass durch die Organisation ein wesentlicher Beitrag zum Natur- und Umweltschutz geleistet

wird. Dies beginnt bei so einfachen Dingen wie dem Aufstellen von Nistkästen und Insektenhotels

und endet bei der gezielten Nachzucht alter Sorten der einheimischen Flora.

Die schon angesprochenen Lehrgärten und Naturlehrpfade sind im diesem Zusammenhang ein

wichtiges Mittel, um die Menschen über das Kennenlernen der Flora und Fauna an den aktiven

Natur- und Umweltschutz heranzuführen.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Beitrag des Kleingartenwesens für den Erhalt und sogar der

Erweiterung der Artenvielfalt in den einzelnen Regionen des Landes. So ergab eine Studie in einer

508 Parzellen großen Kleingartenanlage Berlins, die eingebettet zwischen zwei Seen in einem breiten

Rahmengrün liegt, dass in diesem Areal – trotz seiner relativ großen Belebtheit- 36 Vogelarten

wieder sesshaft geworden sind. Wenn man dann noch dazu zählt, dass auch die fast in Vergessenheit

geratenen Ringelnattern und Blindschleichen wieder zu ständigen Mitbewohnern dieses Areals

geworden sind, so ist das zum großem Teil auf die Organisation der Kleingärtner zurück zu führen,

denn eine Vielzahl von Nisthilfen, Totholzhaufen, Insektenhotels und Lesesteinhaufen tragen dazu

bei, dass immer mehr Vertreter der Fauna wieder heimisch werden.

Teil der ökologischen Funktion des Kleingartenwesens ist aber auch die Pflege sowie die Erhaltung

der Grünbereiche, denn unsere Kleingärten stellen öffentliches Grün dar, das vielfältige Pflege bedarf,

damit es auch zukünftigen Generationen nicht an solchen Stätten der Erholung mangelt. Dies

ist ein Punkt, der oft von außen nicht so sehr gesehen wird, da außen Stehende oft nur die Tatsache

ins Zentrum rücken, dass Kleingärtner Grund und Boden individuell nutzen. Das aber die ca.

eine Million Kleingärtner 46.600 Hektar Grünfläche pflegen und zu den so oft zitierten „Grünen

Oasen“ machen, wird oft nicht gesehen oder auch übersehen.

Wenn man diese Fläche dann auch noch auf das gesamte Land bezieht, so kann man feststellen,

dass 0,13 Prozent der Fläche der Bundesrepublik Deutschland von den Kleingärtnern kostenlos

und zur freien Nutzung für alle Menschen gepflegt und erhalten werden.

Schon die nähere Betrachtung der ökologischen Funktion des Kleingartenwesens macht deutlich,

welche Verantwortung dem Kleingartenwesen nach außen zukommt. Wenn man dann noch die

städteplanerische Funktion des Kleingartenwesens daneben setzt, so muss man feststellen, dass

auf die Kleingartenflächen gerade in diesem Bereich eine immer größere Bedeutung zu kommt, da

die Menschheit in Sachen Umweltschutz nicht mehr viele Möglichkeiten hat Fehler zu machen

oder Kompromisse einzugehen.

So stellen Kleingartenflächen mit ihrem gewaltigen Grünanteil ein wesentliches Sauerstoffreservoir

gerade in hoch urbanisierten Gebieten - also in den Großstädten – dar, die oft in großem Maße mit

Smog, Stickoxyden und Feinstaub belastet sind.

Nicht die Katalysatoren und die Rußpartikelfilter von Kraftfahrzeugen sind die Wege zu einer reinen

Umwelt, sondern die Erhaltung der Grünbereiche. Nicht nur die Regenwälder des Amazonas, sondern

auch die Kleingartenflächen des Landes bilden ein nicht zu unterschätzendes Reservoir für

den des Sauerstoffhaushalt des Erdballs.

Mag der vorangegangene Satz auch etwas gewaltig wirken, so muss hier festgestellt werden, dass

bereits ein Baum ausreichen würde, um 125 Menschen ein Leben lang mit dem lebensnotwendigen

Sauerstoff zu versorgen.

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Sauerstoffreservoir ist nicht das einzige Merkmal, dass die städteplanerische Funktion des Kleingartenwesens

bestimmt. Die gepachteten und genutzten Flächen dienen – zusammen mit anderen

Grünbereichen – als nicht mehr wegzudenkende Belüftungsschneisen der immer größer werdenden

Städte. Wie sehr man diesem Fakt unterschätzen kann, zeigen Beispiele, wo man planerisch

Grünbereiche aus der Stadt verdrängt, um Platz für Industrie, Gewerbe und Wohnungen für noch

mehr Menschen zu schaffen. Das das nur in einer Katastrophe enden kann, zeigt sich dann sehr

schnell, denn eine Stadt ohne Grün kann niemals eine lebendige Stadt sein.

Auf die Notwendigkeit vielfältiger Grünzonen für die Erholung der Menschen sowie für die Regenerierung

ihrer Kräfte und damit für ihre Lebensqualität einzugehen würde bedeuten, die berühmten

Eulen nach Athen zu tragen. Auch unter den Gegnern des Kleingartenwesens gibt es kaum noch

einen, der heute bezweifeln würde, dass ein Teil der sozialen Verantwortung des Kleingartenwesens

auch darin besteht, Grünbereiche zu erhalten, die die Grundlage der Lebensqualität aller

Menschen bilden.

Wenn die bisherigen Darstellungen nur auf die so oft zitierten Funktionen des Kleingartenwesens

begrenzt waren, so muss man noch auf zwei weitere Dinge eingehen, die oft übersehen bzw. nicht

genügend ins Zentrum gerückt werden. Das ist zuerst einmal der so genannte ökonomische Faktor.

Hierzu ist auszuführen, dass es noch zu oft Diskussionen in allen Bereichen – vom einzelnen Bürger

bis hin zu manchem Politiker – gibt, die davon ausgehen, dass das Kleingartenwesen für den

Staat ein Zuschussbetrieb ist und sozusagen von allen Seiten reich beschenkt wird.

Dabei wird die Tatsache außer acht gelassen, dass die Kleingärtner keine Gemeinschaft sind, die

von Fördermitteln und von institutionellen Förderungen lebt, sondern dass sie sich aus sich selbst

tragen.

Dabei soll nicht unter den Tisch fallen, dass die eine oder andere Maßnahme bzw. ein spezifisches

Projekt (wie z. B. Errichtung des Floatriums in Bremen) durchaus auch durch Mittel des Landes

unterstützt werden. Dabei geht es aber in diesem Fall auch um die Übernahme von außerverbandlichen

Beratungen und Schulungen in dieses Zentrum des Kleingartenwesens.

Was jedoch die Organisation selbst, ihre Arbeit, die mit der Arbeit verbundene Verwaltung, die

Klärung aller mannigfaltigen Probleme betrifft, so ist das Kleingartenwesen auf sich allein gestellt

und lebt fast ausnahmslos von seinen Beiträgen.

Im Rückblick auf die Abbildung 2 zeigen bereits die elf dargestellten Felder welche Leistungen sich

das Kleingartenwesen zu Pflichtaufgaben gemacht hat und welche Verantwortung auf ihm ruht,

damit keines dieser Felder zurückgesetzt bzw. ganz gestrichen wird.

Wenn man aber vom ökonomischen Faktor spricht, so muss man nicht nur die dargestellte Grafik

sehen, sondern muss auch deutlich aussprechen, dass aus dem Kleingartenwesen auch Mittel für

die Kommune erwachsen. Nun mag es in der einen oder anderen Region des Landes vielleicht nur

ein sehr geringer Pachtzins sein, so ist er aber in anderen Regionen wie in Berlin oder in München

mit 36 Cent bzw. 42 Cent bereits ein Faktor, der multipliziert mit der Anzahl der Quadratmeter, die

das Kleingartenwesen pflegt und erhält, bereits eine Summe ausmacht, die durchaus einen nicht

zu übersehenden Posten im Haushalt darstellt. Hinzu kommt, dass die Kleingärtner auch einen

Großteil der öffentlich-rechtlichen Lasten tragen, die sonst ganz oder teilweise die öffentliche Hand

tragen müsste.

Wenn man dann noch zusammengetragen würde, was die Kleingärtnerorganisation für die Erhaltung

und Pflege der Parzellen an finanziellen Mitteln in Baumärkte und Gewerbebereiche investiert,

so wird der Wirtschaftsfaktor „Kleingarten“ mehr als deutlich untermauert.

Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. – Grüne Schriftenreihe 196


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Diese rein an das Geld gebundene Tatsachen machen aber noch nicht den entscheidenden Bereich

des ökonomischen Faktor des Kleingartenwesen aus – dieser liegt vor allem bei den großen Leistungen

des Kleingartenwesens bei der Pflege und Unterhaltung der Grünzonen im jeweiligen Territorium.

In einer Diskussion hat vor nicht allzu langer Zeit ein Berliner Bürgermeister auf die Frage

geantwortet, was passieren würde, wenn nicht das Kleingartenwesen große Flächen des Landes

Berlin als grüne Refugien der Großstadt erhalten würde – das Land Berlin würde dann über eine

Vielzahl von verwildernden Brachflächen verfügen, da weder Geld noch Arbeitskräfte zur Verfügung

stehen, um diese Flächen zu pflegen und zu erhalten.

Abschließend soll noch auf einen Bereich der sozialen Verantwortung des Kleingartenwesens eingegangen

werden, der an sich zu den grundlegenden Aufgaben gehört, aber oft nicht nach außen

hin sichtbar gemacht wird. Es ist die Verantwortung des Kleingartenwesens für seine Mitglieder,

damit diese – langfristig und sicher – die angepachteten Flächen nutzen können und dies in einem

für alle auch finanziell tragbaren Rahmen.

Dies ist vor allem Dingen erst einmal mit dem Schutz vor Kündigungen und der Festschreibung

eines sozial vertretbaren Pachtzinses verbunden.

Was aber viele verantwortliche Funktionäre des Kleingartenwesens in allen Bundesländern immer

mehr beschäftigt, ist die zunehmende Belastung der Mitglieder durch Kommunale Abgabengesetze

und vielfältige öffentlich-rechtliche Lasten.

Es kann festgestellt werden, dass die Inkraftsetzung des Bundeskleingartengesetzes am 01. April

1983 eine Entscheidung der politisch Verantwortlichen war, die erstens sichern sollte, dass auch

sozial schwächeren Schichten der Bevölkerung der Zutritt zu Kleingärten möglich bleibt und dass

zweitens die Voraussetzungen geschaffen werden, um weite Grünbereiche des Landes hinsichtlich

ihrer Pflege und Erhaltung langfristig abzusichern; und dies mit der Verpflichtung für die Kommunen

zur planungsrechtlichen Sicherung der Flächen.

Zu diesem Zeitpunkt konnte sich noch keiner vorstellen, dass heute in vielen Fällen die grundstücksbelastenden

Kosten höher als der Pachtzins liegen könnten. Das für das Kleingartenwesen

und somit für die Lebensqualität von mehr als eine Million Familien geltende Gesetz erhält so eine

„Delle“, die die Väter dieser Rechtsvorschrift auf keinem Fall gewollt haben.

Wenn man sich heute im Land umschaut, so muss man feststellen, dass von einigen Ländern und

Gemeinden alle Möglichkeiten genutzt werden, den Pächtern immer tiefer in die Taschen zu greifen.

Seien es Straßenreinigungsentgelte, Grundsteuern und Gebühren für Müllentsorgung, Abwasserentgelte,

sei es eine Zweitwohnungssteuer, die Kurtaxe oder Beiträge zum Straßenausbau –

immer wieder werden neue und höhere Forderungen an die Kleingärtner herangetragen. Ein besonders

extremes Beispiel ist, dass in einigen Gemeinden sogar Anschlussgebühren für Medien

gefordert werden, selbst dann, wenn diese nur an den Anlagen vorbei führen, ohne dass diese daran

angeschlossen werden.

Beispiele wie Altenburg in Thüringen zeigen mit welcher Konsequenz von einigen Gemeinden versucht

wird, Auslegungsmöglichkeiten von Gesetzen zu nutzen, um Geld in die Kassen zu bringen.

So wurden vom Land von den Kleingärtnern ca. 1,5 Millionen DM für Wasseranschlussbeiträge

gefordert, ohne dass für das Kleingartenwesen eine direkte Anbindung geplant war. Wenn auch

dieser Fall in letzter Instanz durch eine Änderung der Kommunalabgabenverordnung für die Kleingärtner

positiv ausging, so geschah dies aber hauptsächlich durch die intensive politische Einflussnahme

des Verbandes – also durch die Wahrnehmung der sozialen Verantwortung.

Ein weiteres Beispiel sind die Straßenausbaubeiträge. Sie werden zunehmend eine kaum zu tragende

Belastung für die Kleingärtner. Wenn diese auch nicht flächendeckend erhoben werden, so

zeigt doch die Tatsache, dass in einzelnen Ländern bzw. Gemeinden solche Forderungen erhoben

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werden, dass auf das Kleingartenwesen weitere Belastungen zu kommen, die für viele nicht einfach

zu schultern sein werden.

Die genannten Beispiele machen bereits deutlich, wo ein wesentlicher Teil der sozialen Verantwortung

des Kleingartenwesens für seine Mitglieder – genau genommen für jeden einzelnen Unterpächter

– liegt, und welche Verantwortung die ehrenamtlichen Funktionäre tragen, um diesem

Anspruch gerecht zu werden. Gesetzliche Entscheidungen in der Kommunalgesetzgebung – wie sie

z. B. Sachsen-Anhalt und Berlin getroffen haben – würden dazu beitragen, dass das Kleingartenwesen

ohne äußere Belastung die ihm zugesprochenen Funktionen wahrnehmen und ausfüllen könnte.

Für die, die neben ihrer Arbeit auch Natur erleben wollen, für die, die sich in der Nähe ihrer Wohnung

erholen und ihre Kräfte regenerieren wollen – also für die Menschen und damit verbunden

auch für die kommenden Generationen – stellen Kleingärten ein entscheidendes Maß für Lebensqualität

dar und schaffen eine hohe Rund-Umfeld-Verbesserung.

Daraus ist nur die Schlussfolgerung zu ziehen, dass es zum Bundeskleingartengesetz keine Alternative

gibt, denn die dargestellte und der Organisation zugewachsene soziale Verantwortung kann

nur dann wirksam werden, wenn das Kleingartenwesen mit seinen Organisationsstrukturen vom

Gesetzgeber geschützt und für die Zukunft gesichert wird.

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Kleingärten – Heimstatt für Jedermann

Joachim Roemer

Landesgartenfachberater im Landesverband

Niedersächsischer Gartenfreunde e.V.

Für die Verbände des Kleingartenwesens auf europäischer Ebene und auf Bundesebene hat das

Thema Senioren und Behinderte im Kleingarten eine zentrale Bedeutung.

Das Office International du Coin de Terre et des Jardins Familiaux schreibt auf seiner Internetseite: 1

Behinderten bieten die Kleingärten

• einen Ort an dem sie am Vereinsleben teilnehmen, Kontakte knüpfen und so der Isolierung

entgehen;

• das Erleben von Säen und Pflanzen, von Wachsen, Gedeihen und Ernten.

Senioren bieten die Kleingärten

• einen Ort des Gesprächs und der Ruhe durch die Zusammenführung von Menschen mit gleichen

Interessen;

• über Jahre gewachsene Kontakte;

• individuelle Selbstverwirklichung und Beschäftigung im 3. Lebensabschnitt im eigenen Garten.

Der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e.V. formuliert das Selbstverständnis seiner Mitglieder

in seinem Leitbild:

Unsere Werte

„Das Kleingartenwesen bietet Raum für Mensch und Natur. Das beinhaltet veränderte Lebensbedingungen,

unterschiedliche Lebensentwürfe und individuelle Vorlieben der Menschen. Jeder soll

sich einbringen, entwickeln und entfalten können.“

"Wir erfüllen einen sozialen Auftrag. Wir schaffen Raum für die Begegnung von Menschen mit

unterschiedlicher Lebensgestaltung, leisten einen wichtigen Beitrag für den Dialog zwischen den

Generationen und für die Integration verschiedener sozialer und ethnischer Gruppierungen".

Die Worte „Alter“, „Senioren“ oder „Behinderte“ tauchen im Leitbild jedoch nicht ausdrücklich auf.

1 http://www.jardins-familiaux.org/frameset/deutsch/doffi.htm

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Kleingärten als Heimstatt 2

, – also als ein Stück unserer ganz persönlichen Heimat – sind ein sozialer

Ort.

Es ist unbestritten, dass die Kleingärtnervereine Orte der Kommunikation sind. Ob von Nachbar zu

Nachbar oder zu Besuchern über den Gartenzaun.

Ein schönes Beispiel erzählte uns Wolfgang Fechner vom KGV Heide-Kamp in Hannover beim

Landeswettbewerb 2005:

Täglich steht er am Gartenzaun und verschenkt vierblättrige Kleeblätter an die Damen aus dem

nahe gelegenen Seniorenheim. Eine nette Geste, die den Schenkenden und die Beschenkten gleichermaßen

glücklich macht.

Ist Gartenarbeit gesund?

Gemüsebeet statt Pille – für alle Altersgruppen, auch für Senioren und für viele Menschen mit Behinderung,

ist das Arbeiten im Garten förderlich.

Rund 400 Kliniken, Behindertenwerkstätten und Seniorenheime in Deutschland setzen auf „Gartentherapie“.

„Studien beweisen: Bereits der Anblick von Blumen und Bäumen macht schneller gesund“, sagt

der gelernte Gärtner und Gartentherapeut Andreas Niepel.

Wer häufiger im Garten arbeitet, trainiert seine Geschicklichkeit, löst Muskelverspannungen, bringt

das Herz-Kreislauf-System wieder in Balance, nimmt dem Schmerz die Wucht. Der Stressspiegel

sinkt, Aufmerksamkeit und Konzentration nehmen zu. Auch Alzheimer-Patienten profitieren davon.

Ob Bäume oder Beete, „das sind kleine Inseln der Erinnerung, die sie wieder entdecken“, stellt

Gartentherapeut Niepel fest. 3

Senioren und Behinderte im Kleingarten?

Wenn in Seminaren des Bundesverbandes, der Landesverbände oder auch der Stadt- und Bezirksverbände

der Gartenfreunde zum Thema Presse und Öffentlichkeit über die Frage diskutiert wird:

„Wen wollen wir als Mitglieder in unseren Vereinen haben? Auf welche Gruppen legen wir bei Werbung

unser Augenmerk?“, dann lautet häufig die Antwort: Alle!

Damit ist bereits ausgesagt, dass Kleingärten natürlich auch offen sind für ältere Menschen, also

Senioren; genau so, wie für Menschen mit Behinderung oder mit Handicap, wie heute gerne gesagt

wird.

Besonders für die älteren Menschen gilt, dass sie als potentielle Mitglieder immer wichtiger werden,

auch wenn wir gerne nach den jungen Familien mit ihren Kindern schauen; schließlich wird

diese Gruppe unter uns immer größer.

Deshalb müssen wir uns mit Fällen auseinandersetzen, in denen Vereine insbesondere Vorbehalte

gegen Behinderte in Kleingärten haben, bzw. nur bedingt Rücksicht nehmen auf ihre persönliche

Situation.

Zwei Beispiele aus Kassel und Lüneburg sollen dieses Problem deutlich machen.

Begriffe

Wenn wir über bestimmte Gruppen in der Gesellschaft reden, dann müssen wir zunächst einmal

definieren, wen wir konkret meinen. Für das Thema des Beitrages Senioren und Behinderte als Teil

unserer Gesellschaft bedeutet dies.

2 Heimstatt = Heimat im geografischen Sinne (www.wikipedia.de)

3 (www.med-magazin.de)

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Senioren

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Senioren (von lat. senior = älter) ist die zusammenfassende Bezeichnung für Menschen oberhalb

eines bestimmten Lebensalters.

Es gibt verschiedene Vorstellungen darüber, ab wann eine Gruppe von Menschen zu den Senioren

gehört. Am häufigsten werden in Deutschland 50, 55 oder 60 Jahre als Altersgrenze genannt. Aber

auch das reale Renteneintrittsalter eines Menschen wird gelegentlich als Altersgrenze angegeben,

jenseits derer dieser Mensch als „Senior“ gilt. 4

Behinderte

Von einer Behinderung spricht man bei individuellen Beeinträchtigungen eines Menschen, die

umfänglich, vergleichsweise schwer und langfristig sind.

Grundsätzlich lassen sich Behinderungen grob kategorisieren in:

• körperliche Behinderung,

• Sinnesbehinderung (Blindheit, Gehörlosigkeit, Schwerhörigkeit, Taubblindheit),

• Sprachbehinderung,

• psychische (seelische) Behinderung,

• Lernbehinderung,

• geistige Behinderung. 4

Themen, die mit der Integration dieser Gruppen im Zusammenhang stehen:

• Behinderte und Senioren als integrierter Teil des Kleingartenwesens, der Gemeinschaft der

Gartenfreunde,

• Zur Integration von Senioren in das Kleingartenwesen,

• Senioren als Erfahrungsträger – unverzichtbar für das Kleingartenwesen,

• Senioren als Partner der nächsten Generation (Joint Venture im Kleingarten?),

• Art und Weise der Integration von Behinderten in das Kleingartenwesen,

• Beispiele für die Gestaltung von Gärten,

• Nutzung des Kleingartens durch Behinderte und Senioren – Bundeskleingartengesetz und

individuelle Lösungen,

• Einbeziehung von Senioren und Behinderten in das Vereinsleben,

• Beispiele zu behinderten gerecht gestalteten Kleingartenanlagen.

Menschen mit Handicap und Senioren sind ein Teil der Gesellschaft und in den Vereinen ganz

selbstverständlich Teil der Gemeinschaft.

Das schöne an der Organisation der Kleingärtner ist ja, dass sie keine Unterschiede macht.

Die Mitglieder sind jung und alt, männlich und weiblich, interkulturell.

Sie sind ein Querschnitt der Gesellschaft, in Bezug auf die soziale Situation, die Bildung, das Alter,

die Gesundheit und damit natürlich auch in Bezug auf das Vorliegen von Handicaps.

Allerdings widmen sich die Vereine zur Zeit in der Regel nur der Gruppe der Älteren, weniger den

Behinderten.

Selbst in der aktuellen Studie zur Situation des Kleingartenwesens in Deutschland wird dieses

deutlich, wenn man nach Begriffen in der Studie sucht. Zum Begriff „Alter“ ergibt die Suche 80

Treffer, zum Begriff „behindert“ nur 4.

4 (www.wikipedia.de)

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Auch in den Abbildungen innerhalb der Studie werden ältere Kleingärtner mit anderen Gruppen ins

Verhältnis gesetzt; Behinderte tauchen dabei nicht auf.

Sind Senioren für das Kleingartenwesen als Mitglieder wichtig?

Was für eine Frage, möchten Sie sagen.

Schaut man sich die Altersstruktur der Mitglieder in den Vereinen an, so gibt aktuelle Auskunft

darüber der Forschungsbericht: "Städtebauliche, ökologische und soziale Bedeutung des Kleingartenwesens"

des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung aus dem Jahre 2008:

Abb. 1: Altersstruktur der Pächter (Quelle: Weeber+Partner, 2007)

Etwa 50 Prozent der Mitglieder liegen in der Altersspanne 45 bis 65 Jahre, sind also Senioren oder

auf dem Weg dorthin.

Daraus könnte nun schnell geschlossen werden, dass hier eine ideale Altersgruppe vorliegt.

Nimmt man die Lebenserwartung dazu, möchte man sich zufrieden zurücklegen:

Die Lebenserwartung in Deutschland hat erneut weiter zugenommen. Wie das Statistische Bundesamt

mitteilt, beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt nach der aktuellen Sterbetafel

2004/2006 für neugeborene Jungen 76,6 Jahre und für neugeborene Mädchen 82,1 Jahre.

Daraus könnte man schließen, dass ein Interessent, der sich mit Eintritt in das Rentenalter für einen

Garten entscheidet, im Durchschnitt noch 10 Jahre Pächter sein kann.

Allerdings trübt eine weitere Angabe diese Annahme, denn die Zahl der Singlehaushalte nimmt

auch bei den Senioren zu und diese Gruppe ist weniger bereit einen Garten zunehmen.

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Abb. 2: Haushaltszusammensetzung der Pächter Quelle: Weeber+Partner,2007

Abb. 3: Dauer der Pachtverhältnisse der Nutzer Quelle: Weeber+Partner, 2007

Dennoch sind ältere Menschen, insbesondere Senioren, für das Kleingartenwesen eine interessante

Gruppe. Sie haben ihre Lebensplanung in der Regel abgeschlossen. Wenn sie einen Garten übernehmen,

dann als längerfristige Entscheidung.

Abb. 4: Nachfrage von Bevölkerungsgruppen nach Kleingärten aus Sicht der Vereine

Quelle: Weeber+Partner, 2007

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Senioren gehören zu den beständigsten Mitgliedern, auch wenn die Kleingartenstudie einen anderen

Eindruck vermittelt. Dort heißt es in Abbildung 10, dass – aus Sicht der Vereine – Gründe für

die Aufgabe des Gartens zu 90 % das Alter der Pächter ist. Allerdings haben Umzug und Eigenheim

als Grund Anteile vom 66 % bzw. 9 % (Mehrfachnennungen waren möglich).

Für die Vereine erwächst aus dem hohen Anteil älterer Mitglieder die Chance und auch die Verpflichtung,

nach neuen Verpachtungsformen Ausschau zu halten, um so das Kleingartenwesen

auch für diese Bevölkerungsgruppe attraktiv zu gestalten.

Mit dem Alter nehmen die Beschwerden zu.

Für ältere Menschen ist es wichtig, dass sie ihre Kräfte einteilen. Arbeiten im Garten dauern länger,

das Wetter und besonders die Wärme machen eher zu schaffen. Schwere Arbeiten belasten den

Körper mehr und insbesondere Rückenleiden nehmen zu.

Tabelle 1 5 : Das Umgraben macht mit zunehmendem Alter Beschwerden

Altersklasse in Jahren

über 70 60 bis 70 50 bis 60 unter 50 Durchschnitt

Frauen 66% 67% 65% 49% 63 %

Männer 65% 56% 57% 37% 55 %

Tabelle 2: Die Mühsal, Lasten zu tragen, steigt mit zunehmendem Alter an

Altersklasse in Jahren

über 70 60 bis 70 50 bis 60 unter 50 Durchschnitt

Frauen 63% 58% 48% 40% 53 %

Männer 56% 39% 27% 26% 37 %

Tabelle 3: Vielen ist es beschwerlich, auf Leitern zu steigen

Altersklasse in Jahren

über 70 60 bis 70 50 bis 60 unter 50 Durchschnitt

Frauen 51 % 46% 26% 8% 34 %

Männer 38% 16% 13% 6% 18%

Tabelle 4: Prozentzahl der von Rückenschmerzen Betroffenen.

Die Tabelle 4 zeigt, dass eine hohe Zahl Frauen und Männer während und nach der Gartenarbeit

von Rückenschmerzen betroffen ist

Altersklasse in Jahren

über 70 60 bis 70 50 bis 60 unter 50 Durchschnitt

Frauen 71 % 60% 56% 53% 60%

Männer 45% 50% 54% 38% 49%

Die Verantwortlichen in den Vorständen können (müssen) auf diese Umstände Rücksicht nehmen.

In vielen Vereinen ist es heute selbstverständlich, dass bei älteren Mitgliedern das Thema „Drittelnutzung“

weit weniger problematisiert wird, als bei anderen Mitgliedern. Hier wird ein gewisses

Verständnis geäußert, wenn der Anteil der Blumen und Ziergehölze zunimmt.

5 Quelle der Tabellen: W. Hurke, H. Milde, Gartenfreude bis ins hohe Alter

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Dennoch wird bei einem Rundgang durch die Anlagen deutlich, dass gerade die älteren, langjährigen

Mitglieder bei ihrer angestammten Nutzung bleiben. Das bezieht sich sowohl auf die Art als

auch auf die Intensität der Nutzung. Nicht wenige verbringen ihren Alltag kniend im Garten und

quälen sich regelrecht ab. Spricht man sie aber an und fragt, ob sie nicht Lust hätten einen kleineren

Garten oder einen Gemeinschaftsgarten zu übernehmen, dann winken sie in der Regel mit der

Bemerkung ab: „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“.

Senioren und Gemeinschaftsarbeit

Viele Vereine meinen es gut mit ihren älteren Mitgliedern. Sie erlassen ihnen ab einem bestimmten

Alter die Gemeinschaftsarbeit. Andere Vereine sind weniger großzügig und verlangen gar Zahlungen

für nicht geleistete Arbeit.

Das führte zu einer Beschwerde eines Oldenburger Gartenfreundes an den Antidiskriminierungsbeirat

im niedersächsischen Innenministerium und einen Leserbrief an die Redaktion der Verbandszeitschrift

Gartenfreund.

Der Kleingärtner monierte, dass er mit 75 Jahren noch Gemeinschaftsarbeit leisten müsse oder

alternativ Ersatzzahlungen zu leisten habe.

Er wertete die Gemeinschaftsarbeit als „Arbeit“, für die die gesetzlichen Bestimmungen der Lebensarbeitszeit

gleichsam anzuwenden seien und forderte daher, dass:

• die Altersdiskriminierung, durch die Festsetzung der Gemeinschaftsarbeit bis zum 75. Lebensjahr

unter Zwang in den Kleingärtnervereinen abgeschafft wird.

• der ungerechtfertigte Betrag für nicht geleistete Gemeinschaftsarbeit, in Höhe von 15 EURO,

abgeändert wird, denn die Einforderung dessen stellt eine Maßregelung dar.

• die Vorlage von ärztlichen Bescheinigungen mit gleichzeitiger Offenlegung des Gesundheitszustandes

und der damit verbundenen Leistungsfähigkeit bei Anträgen auf Befreiung

von Gemeinschaftsarbeit eingestellt wird.

Andere Gartenfreunde – und auch Vorstände – sehen dies anders und das ist im Großen und Ganzen

auch richtig so.

Bei der Gemeinschaftsarbeit steht die Gemeinschaft im Vordergrund; sowohl was die Kleingartenanlage

betrifft, als auch das Miteinander im Verein. Davon soll niemand ausgeschlossen werden.

Wer seinen Garten bewirtschaften kann, kann auch für die Gemeinschaft Leistungen erbringen. Er /

Sie muss in diesem rahmen auch nicht mehr auf Bäume klettern.

Im Verein gibt es die vielfältigsten Aufgaben, die zu erledigen sind. Senioren – und auch Behinderte

– können durchaus sinnvolle Arbeiten übernehmen. Dazu gehören z. B. die Pflege von Geräten

oder die Ausarbeitung von Vereinschroniken.

Senioren und Vorstandsarbeit

Die Studie zum Kleingartenwesen weist aus, dass für ehrenamtliche Tätigkeiten im Kleingärtnerverein

häufig mehr als 80 Stunden im Monat aufgewendet werden müssen.

75 % der befragten Vereine haben angegeben, dass sie für Ehrenämter Nachwuchsschwierigkeiten

haben.

Leider weist die neue Studie keine Angaben zum Durchschnittalter der Vorstände aus. Aber der

Blick in die Sitzungen und Versammlungen zeigt, dass das Alter der Vorstandsmitglieder das

Durchschnittsalter der Mitglieder (und das liegt bei 60 Jahren) in vielen Fällen noch übersteigt.

Das hat sicherlich gute Gründe, denn Rentner haben bekanntlich mehr Zeit. Es ist gut, wenn sie

diese Aufgaben übernehmen und sich damit selber noch eine anerkannte Aufgabe geben.

Langjährige Mitglieder bringen zudem viele Erfahrungen mit. Rentner sind dazu häufig gelassener.

Aber im Vorstand macht es die Mischung. Frisches Blut tut auch hier gut und es ist wichtig, dass

sich die Vorstandsmitglieder neuen Ideen gegenüber offen zeigen und nicht in alterhergebrachten

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Ritualen erstarren oder durch diktatorisches Verhalten andere Vorstandsmitglieder einengen oder

vergraulen. Dies gilt aber für alle Altergruppen, denn solche Verhaltensweisen sind nicht zwangsläufig

eine Folge des Alters. Das beweisen langjährige Vorstände, die ihren Verein in Schwung halten

und in dem alle Generationen und Nationen nebeneinander gärtnern.

Senioren und Joint Venture

Jeder kennt den Begriff „Joint Venture“ aus dem Unternehmensbereich. Zwei Betriebe arbeiten

selbstständig und doch zusammen. Einer bringt Ideen und vielleicht auch Geld, der Andere Erfahrungen

und Kontakte mit.

Ein Joint Venture ist durch die beiden Aspekte Kooperation und Autonomie gekennzeichnet.

Genau so kann es im Kleingarten sein und es wird heute bereits an vielen Orten auch so praktiziert.

Neue Mitglieder werden von den Älteren unterstützt und beraten. Die Neuen helfen dafür bei der

einen oder anderen schweren Arbeit. Jeder bewirtschaftet seinen Garten und hilft, wenn er gefragt

wird.

Für dieses Miteinander im Kleingärtnerverein gibt es viele gute Beispiele.

Menschen mit Behinderung in Kleingärten

Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (Behindertengleichstellungsgesetz)

§ 3 Behinderung

Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit

mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen

Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.

Über die Gruppe der Behinderten gibt die Studie zum Kleingartenwesen keine Auskunft. Der Begriff

taucht nur bei Aufzählungen oder in Verbindung mit externen Kontakten auf.

Wenn man sich durch das Internet auf der Suche nach (Klein)gärten und Behinderten arbeitet,

dann ist man eigentlich nur dann erfolgreich, wenn es um Einrichtungen für Behinderte geht, die

Gartenarbeit als Leistung anbieten.

Heutzutage ist es ja üblich, dass man Statistiken dadurch erstellt, dass man „googelt“, also im

Internet bei www.google.de nachschaut, wie viele Einträge zu einem Begriff dort verzeichnet sind.

• „Garten + Alter“ schafft dabei rund 7.660.000 Einträge.

• „Garten + Alte Menschen“ nur noch 379.000 Einträge.

• „Kleingarten + Alte“ schafft es nur noch auf 57.300 Einträge.

• „Kleingarten + Alte Menschen“ dagegen wieder auf 158.000 Einträge.

Dass ist, ohne es zu werten, zahlenmäßig sehr viel und scheint demnach ein durchaus wichtiges

Thema zu sein.

Auch bei den Begriffen „Garten“ und „Behinderte“ darf man ruhig überrascht sein:

• „Garten + Behinderung“ schafft rund 541.000 Einträge.

• „Garten + behinderte Menschen“ nur noch 188.000 Einträge.

• „Bei Kleingarten + Behinderte“ reduziert sich das Ergebnis dann auf 8.540 Einträge.

• „Kleingarten + behinderte Menschen“ auf 8.250 Einträge.

Die angesprochenen Themen sind dabei vielfältig (angegeben ist der bei GOOGLE erscheinende

Hinweistext):

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Aus den Top 20 bei GOOGLE zu „Kleingarten und Behinderte“

Behinderte in Kleingartenverein unerwünscht. Stellen Sie sich einmal vor, Sie wollen einen Kleingarten

pachten und "man" lässt Sie nicht ....

Kleingärten in der Region Stollberg einen bedeutenden Anteil an der Flächennutzung dar. ... Mitbürger,

Aus- und Umsiedler und behinderte Menschen; ...

Die vorgesehene Aktion der BZG Neunkirchen, um ihren Einsatz für Menschen mit Behinderungen aufzuzeigen,

konnte aus versicherungstechnischen Gründen nicht

Netzwerk für ältere und behinderte Gartenfreunde gegründet. Landesverband Hessen der Kleingärtner e.

V., Umweltzentrum Fulda und Sozialverband VdK

In einem Verein gibt es so viel zu tun, dass auch für ältere und behinderte Kleingärtner die Möglichkeit

besteht, seiner Verpflichtung nachzukommen

Kijiji Berlin > Immobilien > Schreber- & Kleingarten. Suche: Behinderter sucht Garten/Grundstück. Preis:

Zu verschenken.

Gleichzeitig müssen behinderte Menschen gegen Hindernisse, ... in der Anlage nicht weiter zu gefährden,

verzichteten sie auf den gewünschten Kleingarten. ...

Der Kleingarten ermöglicht den Menschen - ganz im Sinne der Agenda 21 - ... wurden in den vergangenen

Jahrzehnten besondere Gärten für Behinderte angelegt. ...

Die Belange behinderter Menschen in Kleingartenanlagen und öffentlichen Grünanlagen - Der Freizeit-

und Erholungswert von Kleingärten und Kleingartenanlagen ...

Wir sehen, dass die Themen, die bei Eingabe der Begriffe „Kleingarten“ und „behinderte Menschen“

angesprochen werden sehr vielschichtig sind.

Auch zum Thema „Kleingarten und Alter“ ergibt sich eine interessante Auswahl an Links. Diese

sind vielfach wesentlich näher an unserem Thema als bei „Kleingarten und Behinderte“. Das liegt

sicherlich daran, dass sich der Begriff „behindert“ oder „Behinderung“ schwerer eingrenzen lässt

als „Alter“. In einer Studie wird von 57 Arten der Behinderung gesprochen.

Hinzu kommt, dass „Alter“ und „Behinderung“ häufig zusammenfallen

Aus den Top 20 bei GOOGLE zu „Kleingarten und alte Menschen“

Für die alten Menschen des Heims stellt die benachbarte Kleingartenanlage einen wahren Glücksfall dar:

Zwar ist auch das Alten- und...

Garten - Pflege von Garten, Kleingarten, Schrebergarten ... Besonders ältere Menschen denken oft nicht

an die wichtigen Auffrischimpfungen gegen...

Vor einer Kleingartenlaube sitzen drei ältere Menschen und unterhalten sich. (Rechte: dpa) . . . . Zwischenzeitlich

waren Kleingärten nur etwas für Ältere.

Ideal für Familien, aber auch ältere Menschen finden hier Erholung. ... Tel

Wer sich für die Möglichkeit der Solarenergie in einem Kleingartenverein ... den Grund für das Engagement:

"Wir wollen, dass ältere Menschen aktiv sind". ...

Für Familien mit Kindern und auch ältere Menschen sind das wesentliche ... Dass die Kleingartenanlagen

und jeder einzelne Kleingarten in seinem...

In dieser Situation wird für noch mehr ältere Menschen der Kleingarten zu einer sinngebenden Tätigkeit

im Ruhestand.

Er gewährt alten Menschen Lebensinhalt und Anschluss an Mitmenschen, ... Umso mehr werden der

Kleingarten und die Gartengemeinschaft ein Weg sein, ...

Sind Menschen mit Behinderung eine Minderheit?

Im Juni 2008 teilte der Landkreis Harburg, angrenzend an die Hansestadt Hamburg mit, dass jeder

8. Einwohner mit einer Behinderung lebt.

Wie das Statistische Bundesamt zum „Internationalen Tag der behinderten Menschen“ mitteilt,

lebten im Mai 2003 in Deutschland 8,4 Millionen Menschen mit einer amtlich anerkannten Behinderung.

Im Durchschnitt war somit jeder zehnte Einwohner behindert. Gegenüber 1999 ist die Zahl

der behinderten Menschen um 3% bzw. 273 000 Personen gestiegen.

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Nebenbei bemerkt: Die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen ist die finanziell bedeutendste

Hilfeart der Sozialhilfe.

Im Jahr 2003 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes brutto insgesamt 10,9 Milliarden

Euro für Leistungen zur Eingliederung behinderter Menschen nach dem Bundessozialhilfegesetz

aufgewendet.

Das Thema „Alter“ lässt sich recht eindimensional betrachten. Die Menschen werden kontinuierlich

älter. Gärtnern ist keine Frage des Alters, sondern der individuellen Fitness im Alter.

Beim Thema „Behinderung“ ist es wesentlich schwieriger. Über welche Behinderung wird geredet,

wenn man sich die Frage stellt, ob (Klein-)Gärten auch für Behinderte geeignet sind?

Wieder ein Blick in Google

Zu den Arten von Behinderung ist zu erfahren, dass es Geistige Behinderungen, Körperliche Behinderungen,

Hörbehinderungen und Sehbehinderungen gibt. Innerhalb dieser Gruppen gibt es

wiederum Differenzierungen; z. T. gibt es auch Mehrfachbehinderungen.

Eine gute Antwort zum Thema gibt der Barrierekompass.

(„Barrierekompass-Reihe zum Thema Behinderungen)

Die meisten Menschen denken bei Behinderungen in erster Regel an körperliche Behinderungen

oder Sehbehinderungen. Dabei gibt es letztendlich eine Vielzahl von Beeinträchtigungen für den

Menschen.

Grundlegend kann man Behinderungen in mehrere Klassen unterteilen, wobei sich folgende Zusammenfassung

ergibt:

• Sehbehinderungen,

• Körperbehinderungen,

• Geistige Behinderungen,

• Sprachbehinderungen,

• Hörschäden.

Behinderungen lassen sich noch weiter aufgliedern. So gibt es Lernbehinderungen, geistige Behinderungen,

Sprachbehinderungen, Hörbehinderungen/Gehörlosigkeit, Sehbehinderungen, Blindheit,

Körperbehinderungen, Verhaltensstörungen, Erziehungsschwierigkeiten, psychische Störungen

Entwicklungsstörungen und Mehrfachbehinderungen.

Jede Behinderung hat unterschiedliche Erscheinungsbilder und in manchen Fällen liegen sogar

Mehrfachbehinderungen vor.

Gärten und Behinderung wird in den meisten Fällen dann im Zusammenhang gesehen, wenn es

um therapeutische Möglichkeiten oder um die Beschäftigung von Behinderten geht. Einrichtungen

wie die Lebenshilfe haben Gärtnerkolonnen in denen Behinderte – meistens geistig Behinderte –

Gartenarbeit verrichten.

Für geistig Behinderte werden Gärten angelegt, um ihnen ein attraktives und die Sinne anregendes

Umfeld zu bieten.

Garten für Behinderte

Unter dem Motto der gemeinsamen Hilfe trafen sich 25 Mitglieder des Rotary Clubs Alstertal mit

ihrer Nachwuchsabteilung Rotaract beim Rauhen Haus in Horn. Mit Spaten und Schaufeln ausgerüstet,

legten sie am Wohnhaus "Schönburg" einen Sinnesgarten für Menschen mit schwersten

Behinderungen an. "Die zehn Bewohner, die mehrfach und vor allem autistisch behindert sind,

verbringen viel Zeit allein in ihren Wohnungen. Ein attraktives und die Sinne anregendes Umfeld –

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wie dieser Garten – erleichtert ihnen, sich aus ihrer Isolation zu öffnen", sagte Rotary-Präsident

Joachim Metzinger.

In Lüneburg gab es eine Gruppe der Lebenshilfe, die zu therapeutischen Zwecken einen Garten

gepachtet hatte. Die Menschen sollten lernen, etwas in Gemeinschaft zu tun. Daneben sollten

Sport und Spaß den Alltag bestimmen. Das Projekt hat nicht geklappt. Die Gartenarbeit kam zu

kurz. Es ist zu vermuten, dass das aber nicht an den Behinderten lag, sondern an den Betreuern,

die lieber Fußball spielten.

Gärten speziell für Behinderte vorzuhalten bedarf einer konkreten Planung. Die, die die Verantwortung

übernehmen wollen müssen sich damit beschäftigen, für wen sie einen Garten anbieten wollen,

welches Ziel sie erreichen möchten, welche Art Garten diese Menschen brauchen.

Wer in seinem Kleingärtnerverein so ein Projekt plant, der sollte dies zusammen mit den Behinderteneinrichtungen

und mit Fachleuten tun.

Aus einigen Verbänden liegen gute Beispiele für behindertengerechte Gärten / Gärten für Behinderte

vor, die nachahmenswert sind.

Anforderungen von älteren Menschen und körperlich Behinderten an Kleingartenanlagen und

Kleingärten

Wenn Vereine älteren und behinderten Menschen die Nutzung eines Kleingartens ermöglichen

wollen, ist es wichtig, die Bedürfnisse der betroffenen Menschen zu berücksichtigen.

An dieser Stelle vermischen sich die Themen „Alter“ und „(körperlich) Behinderte“.

Mit zunehmendem Alter wird für viele Menschen dass Leben anstrengender. Die Arbeit fällt schwerer.

Nicht jedes Gewicht kann mehr so leicht gehoben werden wie früher. Es dauert länger, eine

Tätigkeit zu beenden. Der Rücken schmerzt. Das Laufen wird mühsamer. Die Augen lassen nach.

Viele dieser Einschränkungen führen letztlich dazu, dass von einer Behinderung gesprochen wird.

Besonders bei älteren Menschen wird daher keine strikte Trennung mehr zwischen behindert und

nicht behindert vorgenommen. Oder anders herum, dass was für Menschen mit bestimmten Behinderungen

gut ist, ist auch für ältere Menschen hilfreich.

Was müssen Kleingartenanlagen für Senioren und Behinderte erfüllen?

Barrierefreiheit

(Für alle Menschen ist eine Barrierefreiheit anzustreben.)

Regelungen dazu trifft das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (Behindertengleichstellungsgesetz

- BGG) vom 27. April 2002

§ 4 Barrierefreiheit

Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände,

Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen

sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen

in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde

Hilfe zugänglich und nutzbar sind.

Wegeflächen

Das Wichtigste aus Sicht der Barrierefreiheit sind in der Kleingartenanlage die Wege,

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Abb. 5: Feste, ebene Wege

Abb. 6: Sie kann schauen, kommt aber

nicht zwischen die Beete

Abb. 7 und 8: Anlage von Parkplätzen

Abb. 9: Behindertenparkplätze

- 28 -

Für Menschen mit Gehbehinderungen und für Rollstuhlfahrer

ist es wichtig, dass Wege eine bei jedem Wetter gleichmäßige

und feste Oberfläche haben.

Das ist bei allen Belägen mit Beton, Bitumen oder wassergebundenen

Decken gegeben. Erdwege, Kopfsteinpflaster und

Rasenflächen sind nur sehr eingeschränkt geeignet.

Wege müssen eine ausreichende Breite haben. Auch Seitenwege

sollten nicht schmaler als 1,50 m sein, damit Rollstuhlfahrer

und Personen mit Gehhilfen und ihre Begleiter sie passieren

können.

Rollstuhlfahrer benötigen zudem einen Wendekreis von 1,20

bis 1,65 m.

Schmalere Wege sind ungeeignet. Gleiches gilt dann natürlich

für Pforten und Türen.

Treppen sollten grundsätzlich vermieden werden. Rampen

müssen flach, mit einer Neigung von weniger als 6 % errichtet

werden.

Belege müssen griffig / rutschfest sein, sollen schnell abtrocknen

und dürfen nicht zur Verkrautung neigen.

Stolperkanten im Belag müssen regelmäßig beseitigt werden.

Seitliche Begrenzungen müssen fest sein, damit keine Absturzgefahr

besteht.

Eine Beleuchtung mindestens der Hauptwege sollte gewährleistet

sein.

Die meisten Kleingartenanlagen verfügen über Parkplätze. Speziell

ausgewiesene Behindertenparkplätze sollten an günstigen

Positionen selbstverständlich sein.

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Gemeinschaftshäuser

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Auch für Gemeinschaftshäuser sollte Barrierefreiheit selbstverständlich sein. Das bedeutet nicht

nur treppenfreie Zugänge und breite Türen sondern auch eine behindertengerechte Toilette.

Angebote für Behinderte

Viele Vereine bieten Besuchern gestaltete Plätze zum Verweilen.

Abb. 10: Plätze zum Verweilen

Abb. 11: Duft-Hochbeete

Abb. 12: Bodenbeläge

Abb. 13: Holzwände als Orientierungs- Abb. 14: Orientierungsleinen

hilfe

Auch hier kann behinderten Menschen ein Angebot gemacht

werden, z. B. durch erhöhte Beete, durch Pflanzen zum Riechen

und Fühlen, also Duftpflanzen und Pflanzen mit besonderen

Blättern.

Für viele ältere Menschen und natürlich auch Rollstuhlfahrer ist

es angenehmer, wenn der Duft von Lavendel und Basilikum,

Rosen und Minze genossen werden kann, ohne dass man sich

dazu bücken muss.

Pflanzen, die zu Verletzungen führen können (Stacheln, Dornen,

Nesseln, ...), sollten nur sehr zurückhaltend gepflanzt werden.

Das gilt auch für Giftpflanzen.

Wege mit unterschiedlichen Belägen für geistig Behinderte oder

Holzwände aus verschiedenen Baumarten für Sehbehinderte

sind Angebote, die zusätzliche Anreize schaffen können.

Für Sehbehinderte oder Blinde

sollten möglichst zusätzliche

Hilfen zur Orientierung

angebracht werden.

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- 30 -

Was müssen Kleingärten für Senioren und Behinderte erfüllen?

Kleingärten sollten alters- und erforderlichenfalls auch behindertengerecht gestaltet sein.

Wege im Kleingarten

Auch hier gilt, dass Wege der Mobilität des Benutzers angepasst sein müssen. Unebene Erdwege,

auf denen man ausrutschen oder stolpern kann, sind problematisch.

Frühzeitig sollte daran gedacht werden, die Wege so breit zu gestalten, dass sie auch im Alter bequem

begangen oder befahren werden können, dass das Rad des Rollstuhls nicht abrutscht oder

der Gehstock einsackt.

Platten und andere Belege dürfen keine Absätze (Stolperfallen) haben.

Abb. 15: Altersgerechte Gartengestaltung

Abb. 16: Die Bestellung der Gemüsebeete hat Roswitha Karminsky ihrem

Mann Gangolf überlassen, der die Kulturen aus dem Rollstuhl heraus an-

pflanzt, hegt, pflegt und schließlich auch erntet. 6

Wegegestaltung muss bereits dann

erledigt werden, wenn man sie körperlich

noch leisten kann.

Wer die Möglichkeit hat, sollte zumindest

den Hauptweg von der Gartenpforte

zur Laube beleuchten. Solarlampen

sind eine gute Alternative, wenn

Strom fehlt.

Ein zunehmend wichtiger Ort im Alter

ist der Sitzplatz. Eine ausreichend große

Terrasse darf nicht fehlen.

Beete im Kleingarten

Die Diskussion um die Drittelnutzung

begleitet uns tagtäglich.

Da ist es wenig verwunderlich, wenn

auch im Zusammenhang mit diesem

Thema die Frage aufgeworfen wird: Ist

das Bundeskleingartengesetz auch für

Ältere und Behinderte bindend oder

gibt es individuelle Lösungen?

Für Funktionäre der Verbände sollte dieses eigentlich kein Thema mehr sein.

Es scheint erforderlich zu sein, unter den Rahmenbedingungen des Gesetzes, individuelle Freiheiten,

ganz besonders für benachteiligte Menschen zuzulassen.

6 Fotos: Bernd Wildenhain, Kreisverband der Kleingärtner Döbeln

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Die Vielfalt der kleingärtnerischen Nutzung erlaubt Spielräume, es liegt an den Verbänden und

Vereinen diese zu beschreiben und zu begründen. Dabei ist der Erfindungsreichtum der Betroffenen

häufig groß.

Das Beispiel eines Gartenfreundes im Rollstuhl aus Sachsen zeigt, dass die klassische kleingärtnerische

Nutzung, also die Ausstattung des Gartens mit Obst und Gemüse durchaus machbar und

von den Gartenfreunden auch gewollt ist.

Ein weiteres Beispiel ist der Garten der Blindenbegegnungsstätte in Wilhelmshaven. Dieser Garten

unterscheidet sich kaum von anderen Kleingärten, sieht man einmal von den Leinen entlang der

Wege ab. Dass die Mühle am Sitzplatz der Orientierung dient, muss man schon wissen.

Auch hier wurde von dem Leiter der Gruppe, Helmer Sanders, der selbst blind den Garten fast

alleine bewirtschaftet, immer wieder betont, dass ihm eine gute Pflege und Nutzung des Gartens

wichtig sei.

Man muss also nicht zwanghaft überlegen, was man älteren oder behinderten Mitgliedern zumuten

kann, sondern man sollte sie nur im Rahmen ihrer Wünsche und Möglichkeiten unterstützen.

Hochbeete und Tischbeete im Kleingarten

Hochbeete im Garten bieten hervorragende Möglichkeiten.

Abb. 17: Hochbeete für die kleingärtnerische Nutzung

Abb. 18: Arten von Hochbeeten

Die Beete sind leicht zu bearbeiten, ohne dass sich

die Gärtnerin oder der Gärtner dabei bücken muss.

Praktisch sind Hochbeete in Sitzhöhe, also 40 bis

50 cm hoch. Höhere Beete sollten 90 cm nicht überschreiten.

Die Tastweite sollte auf maximal 70 cm begrenzt

sein, so dass die ausgestreckte Hand noch gut

heran kann.

Das Hochbeet lässt sich entsprechend einem Hügelbeet

aufbauen. Durch die Aufschichtung des

Materials und den hohen organischen Anteil wird

regelmäßig eine sehr gute Ernte erzielt.

Mischkulturen garantieren eine vielfältige Ernte für

einen abwechslungsreichen Speiseplan.

Hochbeete dürfen nicht zu breit gebaut werden,

damit die Beetmitte noch bequem erreicht werden

kann.

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Abb. 19: Hochbeete und Erholungsbereiche in Einheit

Abb. 20: Aufbau eines Hochbeets 7

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Die Flächen rund um die Hochbeete müssen befestigt

sein, damit sich der Rollstuhlfahrer oder der

ältere Gartenfreund (oder die Gartenfreundin) gefahrlos

bewegen und der Arbeit widmen können.

Bei der Wahl der Materialien ist die ständig notwendige Pflege zu bedenken. Holzpalisaden sind

pflegeaufwendig, denn vermooste und schlierige Hochbeetränder oder Splitter auf den Hochbeeträndern,

an die eine tastende Hand unweigerlich herankommt, dürfen nicht vorkommen. Daher

sind Stein und Beton pflegeärmer und sicherer in der Verwendung.

Hochbeete für Blinde müssen gut gepflegt sein!

Blinde und taubblinde Menschen tasten nur sehr vorsichtig, denn es bleibt eine Unsicherheit, welche

Überraschungen bei den nächsten Zentimetern dazwischen kommen. Daher müssen Hochbeete

für diese Menschen gut gepflegt sein: kein Dickicht von Spinnweben, kein Matsch, keine

vertrockneten Spieße und dergleichen mehr.

Eine Besonderheit stellen Tischbeete dar. Sie haben den Vorteil, dass sie von Rollstuhlfahrern unterfahren

werden können und diese so bequem die Gartenarbeit verrichten können.

7 Quelle: Broschüre Unbehindert Gärtnern; Sozialverband VdK Hessen-Thüringen

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Abb. 21: Tischbeetkonstruktion 8

Abb. 23: Tischbeet

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Abb. 22: Beispiel vom Aufbau eines Tischbeetes 9

Hochbeete, aber besonders Tischbeete sind aus aber

nur sehr eingeschränkt geeignet, die kleingärtnerische

Nutzung eines ganzen Kleingartens zu gewährleisten.

Einmal ist der bauliche Aufwand sehr hoch, bei Tischbeeten

kommt wegen der besonderen Konstruktion

auch ein hoher Materialpreis hinzu.

Zudem können mit dieser Konstruktion sicherlich ein paar Beete angelegt, nicht jedoch ein vollständiger

Garten gestaltet werden.

Es bleibt für einen Kleingarten noch viel Raum für weitere Gestaltungsmöglichkeiten, die zusätzlich

geeignet sind, einen Garten behindertengerechter anzulegen.

8 Quelle: Broschüre Unbehindert Gärtnern; Sozialverband VdK Hessen-Thüringen

9 www.llh-hessen.de/gartenbau/freizeitgartenbau/garten/gaertnern_im_alter/tischbeet.htm

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Abb. 24: Spaliertunnel 10 Abb. 25: Hochfrühbeet 10

Ein weiterer Gesichtspunkt ist zu bedenken: Bei Aufgabe des Gartens wird es nur schwer möglich

sein, einen Interessenten für einen so speziell gestalteten / eingerichteten Garten zu finden.

Gartengeräte und Hilfsmittel

Der Handel hat sich in vielen Bereichen bereits auf das Thema „Unbehindert Gärtnern“ eingestellt.

Verschiedene speziell entwickelte Gartengeräte werden angeboten, dazu Sitz- und Rollhocker, Knieschoner

usw.

Gehhilfen können auch im Garten nützlich sein, so z. B. zum Transport von Pflanzen und Erden

oder zur Ernte; vorausgesetzt die Wege sind dafür geeignet.

Nützliche Hilfen bei der Gartenarbeit sind z. B.

Abb. 26: Gehilfen, die zum Transport von

Gegenständen geeignet sind

10 Quelle: Broschüre Unbehindert Gärtnern; Sozialverband VdK Hessen-Thüringen

Abb. 27: Sitzgelegenheit, fahrbar und mit Werkzeugtaschen ausgestattet. Der Untergrund

/ die Wege müssen zum Befahren geeignet sein!

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Abb. 28: Knieschoner

Geeignete Pflanzen

Geeignete Duftpflanzen sind z. B.

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Abb. 29: Ergonomische Stiele sind vorteilhaft; Alu-Geräte erleichtern die Arbeit

Die Pflanzung von schwach wachsenden bzw. klein bleibenden

Obstgehölzen ist für behinderten und altengerechte Gärten sehr

wichtig. Frühzeitig sollten Spindelbäume gepflanzt und mit

einem Pfahl dauerhaft gesichert werden.

Geeignet ist auch speziell gezogenes Spalierobst. Das Spalier

kann freistehend sein, an der Pergola oder entlang einer Hauswand

gezogen werden. Spalierobst erfordert vom Gärtner viel

Disziplin. Ein regelmäßiger Fruchtholzschnitt ist für die Formerhaltung

notwendig.

Auch Stammformen bei Beerenobst sind günstiger als Büsche.

Abb. 30: Spalierobst

• Artemisia absinthium – Wermut

• Achillea millefolium – Schafgarbe

• Alchemilla mollis – Frauenmantel

• Convallaria majalis – Maiglöckchen

• Calamintha grandiflora – Steinquendel

• Dianthus caryophyllus – Nelke

• Galium odoratum – Waldmeister

• Hemerocallis sp. – Taglilie

Die Vorbeugung – Rückenschonendes Arbeiten

• Iris barbata – Schwertlilie

• Lavandula angustifolia – Lavendel

• Nepeta faassenii – Katzen Minze

• Phlox paniculata – Phlox

• Salvia nemorosa – Sommer Salbei

• Thymus vulgaris – Thymian

• Viola odorata – Duft Veilchen

Vorbeugen ist besser als Heilen. dieser bekannte Satz gilt auch beim Gärtnern.

Es ist Tatsache, dass Rückenleiden im Alter an vorderer Stelle stehen. Ganz besonders wichtig ist

es, die Gartenarbeit rückenschonend durchzuführen.

Das gilt beim Umgraben und beim Harken ebenso wie beim Karre schieben oder beim hochheben

von Gegenständen.

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Auf der Seite www.gartenopa.de/oldies/gaertnern2.htm werden anschaulich falsche und richtige

Techniken gezeigt.

Beim Pflanzen und Unkrautjäten

wird empfohlen, in die

Hocke zu gehen. Fahrbare

Hocker erleichtern die Arbeit

Schwere Töpfe und Kübel sollten immer

aus der Kniebeuge heraus gehoben werden.

Dabei die Beide leicht grätschen, in

die Hocke gehen und mit der Last nah am

Körper wieder aufrichten.

Ein Gartenschlauch kann das Schleppen

von Gießkannen ersetzen.

Beim Tragen von Eimern oder Gießkannen

z. B. sollte man diese nicht einzeln

am Körper tragen; besser ist es, zwei Eimer

oder Gießkannen zu tragen.

Schubkarren entlasten den

Rücken beim Transport

schwerer Gewichte. Dabei

kommt es auch auf die richtige

Körperhaltung an

Ruckartige, falsche Bewegungen

oder Drehungen

gelten als Auslöser für

Bandscheibenvorfälle.

Ein langer Stiel an Gartengeräten

(z. B. Hacke, Rechen)

verhindert, dass man sich

unnötig beugt. Beim Hacken

den Rumpf nicht verdrehen.

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Kleingärtner werben für das Gärtnern im Alter

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Literatur und weiterführende Links

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Garten & Therapie

www.garten-therapie.de

Helga Panten (CMA)Kleingärten – Begegnungsstätte für Jung und Alt

Heute Morgen hatte die alte Dame es mal wieder besonders eilig. Ganz ohne Jacke ist sie hinausgerannt

aus dem Alten- und Pflegeheim und zieht nun ihre Runde durch die Kleingartenanlage

"Heimgartenbund" in Hamburg-Altona. "Na kommen Sie, wir gehen erst mal eine Jacke holen",

ertönt die Stimme einer Kleingärtnerin. ....

Gartentherapie; umfangreiche Links zum Thema unter

http://www.garten-therapie.de/Garten/body_garten.html

Schulgarten für Körperbehinderte – mehr als ein Ort der Begegnung

http://www.stephenhawkingschule.de/de/stephen-hawking/11403.html

Garten körperbehindertengerecht angelegt.

Mit Freude gärtnern bis ins hohe Alter

Merkblätter: Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

http://www.llh-hessen.de/gartenbau/freizeitgartenbau/garten/gaertnern_im_alter/index.htm

Hinweise und Informationen zur Gartenarbeit nach Krankheit, Unfall oder für den 2. Lebensabschnitt.

Informationsblatt zur Gehölz-Bepflanzung im Reha-Garten der Landesgartenschau Bad Wildungen.

Liefernachweis für die Gerätschaften, die bei den Workshops im Reha-Garten auf der Landesgartenschau

gezeigt werden.

Hinweise und Konstruktionsplan zum Bau eines Tischbeetes

Weitere Informationen

BDG Schriftenreihe, verschiedene Hefte zum Thema http://www.kleingartenbund.de/publikationen/schriftenreihe.php

„Den Garten genießen – Sicher gärtnern“; Aktion Das sichere Haus

„Gärtnern im Alter“; Deutsche Gartenbau-Gesellschaft, Konstanz

„Gartenfreude bis ins hohe Alter“; Werner Hurka und Henning Milde; Woto-Verlag

Gartenarbeit für Körperbehinderte und Senioren. Eine Einführung (Taschenbuch) von Alice Schaier

(Autor)

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