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Braunschweig | Wolfenbüttel

Wolfsburg | Salzgitter | Suderburg

Ausgabe 9 | Sommersemester 2012

Brave

new Work

Von der entgrenzung der Arbeit

in der dienstleistungsgesellschAft

dAumen rAus!

Per Anhalter von Braunschweig

nach Istanbul

doktor ehrenhAlber

Es gibt viele Wege zum Titel,

und nicht jeder ist steinig

ich will nur spielen!

Von der Sucht und der

Zukunft der Computerspiele


Finanzen im Kopf. Benzin im Blut.

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Einfach mal

„Nein“ sagen …

Zum Beispiel, wenn Chefs oder

Kommilitonen wieder

Berge von Arbeit abwälzen

wollen oder am Ende tatsächlich noch

3 Prozent zu 110 fehlen. Unser Tipp:

Springt raus aus dem Hamsterrad und

rein ins (Privat-)Leben. Selbst „Work

hard – play hard“ – das Mantra der (Berufs-)Überflieger hat

schließlich ein Herz für richtig harten Zeitvertreib. Und

weil die Ausgabe nach diesen letzten Sätzen fertig ist, werden

wir uns jetzt kollektiv zurücklehnen, den EM-Sieg bejubeln

und ganz klischeehaft die Chemie des Bieres wirken

lassen. Also bitte nicht vergessen: Daumen raus, hoch hinaus

und gebt dem Affen Zucker …

Viel Spaß beim Lesen!

Holger Isermann

TU Braunschweig, Redaktionsleitung studi38

10

Campus

Daumen Raus!

Per Anhalter von Braunschweig nach Istanbul

26

Wissenschaft

Ich will nur spielen!

Von der Sucht und der Zukunft der Computerspiele

46

Karriere

Doktor Ehrenhalber

Es gibt viele Wege zum Titel, und nicht jeder ist steinig

3

Inhalt

Campus

4 Fußballfieber? … Nicht schon wieder

6 Tipps für alle EM-Muffel

6 Er sagt, Sie sagt

Kolumne

7 Cover: Making of

Das Fotoshoot im Freibad Bürgerpark

8 Berichtigung: Stereotype

Vorläufige Version eines Interviews mit Professor Cornelia Dowling

10 Daumen raus!

Per Anhalter von Braunschweig nach Istanbul

13 Skandal: Die Muehl-Aktion an der HBK

Ein totes Schwein und nackte Haut sorgten 1969 für Empörung

14 Gib dem Affen Zucker

Der KingKingShop in der Kastanienallee

16 Zwischen Rotlicht und Kaiserglanz

Braunschweigs Kultviertel im Wandel

20 Momentaufnahme

Wie sich unser Blick auf und der Umgang mit Fotografie verändert hat

Wissenschaft

24 Chemie des Uni-Bieres

Das kühle Blonde – so wird es gemacht!

26 Ich will nur spielen

Computerspielsucht – die neue Volkskrankheit Deutschlands?

28 Wo lässt es sich am besten lernen?

Die Studie Lernatlas will Bildungsmöglichkeiten vergleichbar machen

30 Hoch Hinaus

Der Campus Forschungsflughafen in Braunschweig

Karriere

34 Stellenanzeigen

36 Hightech Entrepreneurship

Die Kolumne von Professor Reza Asghari

37 Wirtschaft trifft Wohltätigkeit

Sozial engagiert bei SIFE Braunschweig

38 Brave New Work:

39 Work Hard – Play Hard

Carmen Losmann über ihren neuen Film und die Arbeit der Zukunft

40 „Unsere schlimmsten Ausbeuter sind wir selbst“

Ein Gespräch mit Professor Dietrich von der Oelsnitz über moderne Personalführung,

Burnout und ungerechte Lohnverteilung

42 „Nicht alle Menschen arbeiten in Büros“

Frank Gießelmann über die Arbeit bei der Salzgitter Flachstahl GmbH

43 „Fachkräfte kommen von einem leeren Markt“

Christian Stiehl über die Arbeit beim Energieversorger BS|ENERGY

44 Ja und Amen?

Warum man auch mit Handicap nicht immer alles hinnehmen muss, zeigen Ute

Feicht und Heiko Folkerts.

45 „Wir finden meist individuelle Lösungen“

Dr. Thorsten Burger über das Projekt „Jobs ohne Barrieren“

46 Doktor, ehrenhalber

Es gibt viele Wege zum Titel, und nicht jeder ist steinig

48 „Ingenieure von morgen für Probleme von heute“

Das studentische Ingenieurbüro StudING bringt Praxis ins trockene Studium

Schlussakkord

49 Lieblings ... Album? Film? Buch?

50 Es ist Sommer!

Kolumne

8 Impressum


Campus

Fußballfieber?

… Nicht schon wieder

Fußball löst bei dir alles andere als Begeisterungsstürme aus? Du hast keine Lust mit der grölenden Meute Bier

trinkend vor dem Fernseher zu sitzen und kannst keine Fähnchen mehr sehen? Doch was tun, wenn alle anderen

wieder einmal vom Fußballfieber gepackt werden? Hier einige unerlässliche Tipps für alle Fußball-Muffel, die den

Sommer unbeschadet überstehen wollen…

Von Henrike Hoy & Frauke Engelhardt

Nutz die Gunst der Stunde!

Denn wenn die EM vor der Tür

steht, bringt das auch Vorteile mit

sich. Du kannst dir sicher sein, dass

sonst überfüllte Läden, Ärzte oder

Behörden während der Spiele wie

ausgestorben sein werden. Also

nutz die Gunst der Stunde

und erspar dir Wartezeit!

Freiwillige vor!

Wenn du lieber unter Leute gehen

willst, sei großzügig und stell dich

den anderen Fußball-Fans als Grillmeister

oder Getränkelieferant zur

Verfügung. Auch wenn du vielleicht

ein wenig von dem seltsamen Spiel

mitbekommen könntest, deine Beliebtheit

bei den anderen wird in

unermessliche Höhen

steigen.

4

1

Dreh die Musik auf!

Eine stetige Begleiterscheinung der Fußballzeit

ist der enorme Lärmpegel. Doch hattest du nicht

schon länger vor das alte Saxophon wieder heraus

zu holen oder dich an einem neuen (möglichst lauten)

Instrument zu versuchen?

Wer musikalisch

weniger begnadet ist,

kann auch einfach auf

seine Lieblingsmusik

zurückgreifen.

Es lebe der Sport!

Während scheinbar die gesamte

Menschheit Fußball schaut,

machst du einfach selbst

Sport. Selten wirst du so leere

Schwimmbäder oder Fitnessstudios

erleben wie während der

EM. Auch Inline-Skating bietet

sich an, die Straßen sind während

der Spiele wie leer gefegt.

Aber Vorsicht, wenn der Autokorso

startet!

4

5

2

Such dir Gleichgesinnte!

Triff dich doch mal wieder mit deinen holländischen

oder portugiesischen Freunden!

Spätestens nach ihrem Ausscheiden in der

Vorrunde haben die ganz sicher auch keine

Lust mehr auf Fußball und jede Menge

Zeit für Gespräche abseits des grünen

Rasens.

3

Raus in die Natur!

Die Zeit, in der die Spiele laufen eignet

sich besonders gut für einen Ausflug, weg

von der fußballinfizierten Zivilisation.

Wenn du nun noch die Hin- und Rückfahrt

entsprechend den Spielzeiten planst,

steht dem fußballfreien Tag nichts mehr

im Weg.

6

Fotos: Henrike Hoy, Frauke Engelhardt


PersonalServiceAgentur


Er sagt,

Von Wolf-Alexander Schneider

Neulich in der Mensa: Während Student A misstrauisch

einen Flyer des Gleichstellungsbüros vom Tisch

schnippst, erwidert Student B: “Feminismus. Das

ist der Kampf hässlicher Frauen doch noch von der Gesellschaft

akzeptiert zu werden." Diese Rubrik heißt nun einmal

„Er sagt”. Nur, was soll er denn noch sagen? Darf ich als

Akademiker in spe über die altbekannten Stammtischparolen

lachen? Gehören Frauen denn eigentlich nicht wirklich

in die Küche? Die Luft ist dünn geworden für uns Männer.

Gefangen im täglichen Zwiespalt zwischen Geschlechterkampf

und Kosmopolitismus haben wir es uns bequem gemacht.

Zu groß die Angst von jenen spätpubertären Trieben

mitgerissen zu werden, in der gedanklich die übereifrigen

Kommolitoninnen hinter den Herd verbannt werden. Einmal

zurück in die Zeit, in der Mann noch Mann sein konnte,

in der unsere Dominanz unantastbar war und unserem

Chauvinismus mit Charme begegnet wurde.

Heute erscheinen wir ersetzbar: Machten wir uns einst

mit Muskelkraft unentbehrlich so verrichten heute Maschinen

diese Tätigkeiten. Heute müssen sich demzufolge „Er

sagt"-Spalten von „Sie sagt”-Korrespondenzen widersprechen

lassen.

Und jetzt noch die Frauenquote. Der politische Freibrief

zur Zerschlagung maskuliner Dominanz in Politik und Wirtschaft

vermag den Kreuzzug weiblicher Gleichheitskrieger

zu einem erfolgreichen Ende führen. Doch wo bleibt das

letzte Aufbegehren der Spezies Mann?

Es bleibt aus. Und das hat weniger mit männlicher Stagnation

zu tun, als mit der Tatsache, dass wir uns wohl fühlen

in einer Welt, in der das Geschlecht eines Menschen

nicht mehr zum Alleinstellungsmerkmal stilisiert wird. In

der Frauen Bundeskanzlerin, Türsteherin oder WM-Heldin

sein können. Der Kampf der Geschlechter ist vorbei, unentschieden,

keine Verlängerung. Und eingangs erwähnte

Witze sind nicht mehr als ein Spiegelbild dieses gerechten

Remis, ein Ritual, das uns die Vergänglichkeit sozialer Realitäten

vor Augen führt. Wenn über diese Witze nicht mehr

gelacht werden kann, dann bedarf es auch keiner „Er sagt-

Sie sagt”-Rubrik mehr. Dann hätte jene geschlechterpolitische

Ultima Ratio nicht nur den Studenten A und B die sexistische

Ulkerei ausgetrieben. Dann wäre ein schmerzhaft

umfangreiches Arsenal mehr oder weniger lustiger Witze

hinfällig. Doch soweit soll es nicht kommen. Frauen werden

auch die letzten Hürden auf dem Weg zur Gleichberechtigung

meistern, kein Zweifel. Aber Männer: es darf noch gelacht

werden. #

Campus

6

Sie sagt

Von Anna Wandschneider

Vor einigen Wochen stand im Spiegel ein Bericht über

Kristina Schröder. Sie hat ein Buch herausgebracht.

Eins über Frauen. Titel und Kernaussage: Emanzipiert

sind wir selber. Ich halte jetzt meine Klappe zum Thema

Politik, denn wenn ich damit anfange, muss ich die „Ersagt"-Spalte

konfiszieren, um genügend Platz zu haben. Das

würde ich allerdings nicht tun. Niemals. Ich bin nämlich

tatsächlich schon emanzipiert und habe es nicht nötig, mir

von Männern die Tür aufhalten und Spalten schenken zu

lassen. Trotzdem bin ich auf den ersten Blick geneigt, Frau

Schröder zuzustimmen... ich bin es nämlich leid. Parteigenossinnen

(!) und -en zum Beispiel (Frauen und Kinder zuerst).

Artikel in namhaften Wirtschaftszeitungen, die Frauen

„mütterliche Führungsqualitäten“ zusprechen. Ich bin

Pseudofeministinnen in Filzröcken leid, die nicht müde

werden, zu betonen, was die Frauen doch immer noch für

arme Schweine sind – und die Männer für miese Schweine,

sowieso. Dass eine Frau auf gar keinen Fall einfach Hausfrau

und Mutter sein darf. Und ich bin, allem voran, weil sie wochenlang

bis zum Tinnitus durch sämtliche Medien gegeistert

ist – die Quote leid.

Ja, ich gehöre zu der ominösen Menge von Frauen, die eingestellt

werden wollen, weil sie etwas können. Und wenn

wir schon beim Thema sind: Ich lege auch keinen Wert darauf,

in einer Gesprächsrunde als erstes vorgestellt zu werden.

Mit anderen Worten: Ich will nicht bevorteilt werden

aus lauter Angst davor, benachteiligt zu werden. Die meisten

Frauen wissen jedenfalls anscheinend nicht, dass Emanzipation

weder zickiges Hausfrauen- oder Männer-Bashing,noch

eine neue Form des Matriarchats bedeutet. Ich will nicht

so tun, als gäbe es keine verschiedenen Geschlechter – und

erst recht nicht, als gäbe es tatsächlich keine Benachteiligung

des weiblichen Geschlechts mehr. Aber ich wünsche

mir Maßnahmen, die das Übel an der Wurzel packen. Und

ja – jetzt muss ich doch wieder von der Politik anfangen.

Mir fällt ein, dass man in vielen Großstädten Probleme hat,

einen Kindergartenplatz zu bekommen, von bezahlbaren

Krippenplätzen ganz zu schweigen. Die Diskussion darüber,

dass mehr in die frühkindliche Betreuung investiert werden

muss, ist älter als ich. Was das nun mit weiblicher Gleichberechtigung

zu tun hat? Stellt euch eine Welt vor, in der

Firmenchefs Frauen Ende zwanzig nicht schon beim Bewerbungsgespräch

auf den Bauch schielen. In der Frauen sich

nicht zwischen einer Laufbahn als kinderlose Karrierezicke,

Rabenmutter oder Halbtagskraft entscheiden müssen.

Seht ihr, was ich sehe? #


Fotos: Florian Koch, Lisa Dauke

Campus

Cover: Making of

Das Titelbild dieser Ausgabe entstand im Freibad Bürgerpark mit freundlicher

Unterstützung der Stadtbad Braunschweig Sport und Freizeit GmbH.

Sie unterhält insgesamt fünf Hallen- und drei Freibäder. Ins kühle Nass hat

sich für uns Simon Kull gestürzt. Der 25-Jährige studiert Bauingenieurswesen an

der TU Braunschweig. #



XXXX


Interviews erscheinen selten im

Wortlaut, auch wenn sie so heißen.

Im Standardwerk "Handbuch des

Journalismus" von Wolf Schneider und

Paul-Josef Raue heißt es: „…radikal kürzen

darf [der Journalist] […], ja muss

er eigentlich, wenn das Gespräch eine

Stunde oder länger dauerte, die Chronologie

des Gesprächs darf er zertrümmern,

um es dramaturgisch zu gliedern:

die Aspekte wohlgeordnet, obwohl sie

im Gespräch durcheinandergingen, die

aufregendsten Feststellungen des Befragten

am Anfang und am Schluss…“

Journalisten müssen einzelne Informationen

aus einem Gespräch auswäh-

Campus

Berichtigung: Stereotype

Vorläufige Version eines interViews mit professor corneliA dowling

Wissensvielfalt in über

50 Studiengängen

Studieren in kleinen Gruppen

mit erstklassiger Betreuung

Praxisnahes Lernen und top

ausgestattete Labore

Grüner Campus mit 37m2 Wissensvielfalt in über

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len und aufbereiten. Außerdem ist ein

Interview eine spontane Gesprächssituation.

Deshalb fallen manchmal Sätze,

die der Interviewte mit etwas Abstand

so nicht wieder sagen würde. Das sollte

man jedem im Sinne der Meinungsäußerungsfreiheit

zugestehen. Für Journalisten

wie deren Gesprächspartner ist es

also sinnvoll sich gegenseitig noch einmal

zu versichern, dass man sich richtig

verstanden hat. Deshalb hat sich die

Praxis der Autorisierung etabliert. Der

Interviewpartner bekommt in der Regel

die für den Druck vorgesehene Version

eines Interviews zu sehen und darf Änderungsvorschläge

machen. Diese Frei-

JETZT BEWERBEN!

impressum

heit hat natürlich Grenzen. Denn wenn

jede kritische oder interessante Aussage

nachträglich durch die Mühlen der

Vernunft entschärft wird, verliert ein

Interview schnell seinen Reiz und mitunter

sogar seine Daseinsberechtigung.

Bei der Aufbereitung eines Interviews

mit Professor Cornelia Dowling unter

der Überschrift "Schubladendenken –

Jeder ist betroffen!" auf Seite 30/31 der

letzten Ausgabe ist uns leider ein Fehler

unterlaufen und wir haben eine vorläufige

Version veröffentlicht. Gerne drucken

wir deshalb die Berichtigung von

Frau Dowling im Wortlaut in dieser Ausgabe

ab:

Herausgeber: Braunschweiger Zeitungsverlag GmbH & Co KG

Hamburger Straße 277, 38114 Braunschweig

Telefon: (0531) 39 00-0 # Telefax: (0531) 39 00-610 # E-Mail: info@bzv.de

www.braunschweiger-zeitungsverlag.de # www.newsclick.de

Persönlich haftender Gesellschafter:

Verwaltungsgesellschaft Braunschweiger Zeitungsverlags GmbH

Geschäftsführer: Harald Wahls

Registergericht: Amtsgericht Braunschweig, HRA 6991

Ust.-Ident.-Nr.: DE 114 88 11 13

Die redaktionellen Inhalte dieser Ausgabe sind das Ergebnis

eines Projektseminars der Abteilung Medienwissenschaften

der Technischen Universität Braunschweig

Redaktionsleitung: Holger Isermann (TU Braunschweig) V. i. S. d. P.

Redaktion: Malte Behlau, Lina Beling, Kristina Branz, Eva Casper, Sophie Dannenfeld,

Lisa Dauke, Frauke Engelhardt, Viktoryia Flohr, Senem Göcmen, Lisa Habelt,

Henrike Hoy, Tom Howey, Holger Isermann, Stefanie Lipka, Marina Müller,

Madeleine Ott, Ginger Reincke, Desiree Schober, Wolf-Alexander Schneider, Robert

Schulz, Laura Trommer, Daniela Viehmeier, Anna Wandschneider, Christina

Zais

Adresse: TU Braunschweig, Abteilung Medienwissenschaften

Bienroder Weg 97, 38106 Braunschweig

Telefon: (0531) 391-8961 # Telefax: (0531) 391-8963 # E-Mail: redaktion@studi38.de

www.tu-braunschweig.de/medienwissenschaften

Titelfoto: Florian Koch # Model: Simon Kull

Objektleitung: Daniela Waltemathe

Anzeigen: Michael Heuchert (verantwortlich)

Produktmanagement: Katharina Heidmann

Telefon: (0531) 39 00-193 # E-Mail: katharina.heidmann@bzv.de

Vertrieb: Braunschweiger Zeitungsverlag

Druck: braunschweig-druck GmbH, Ernst-Böhme-Str. 20, 38112 Braunschweig

Auflage: ca. 10.000 Exemplare

© Braunschweiger Zeitungsverlag 2012

Das Projekt studi38 wird freundlich unterstützt durch


Foto: Holger Isermann

"Der erste Satz im ersten Abschnitt des Interviews

ist falsch, Sie schreiben: „Vorurteile

bestehen aus der Meinung, die man über andere

Personen hat, die sogenannte kognitive

Einstellungskomponente“.

Richtig ist: Stereotype bestehen aus der Meinung,

die man über andere Personen hat, die

sogenannte kognitive Einstellungskomponente.

Wenn zum Stereotyp eine –meist negative-

Bewertung hinzukommt, dann spricht man

von einem Vorurteil.

Der zweite Satz im vierten Abschnitt ist falsch,

Frauen sind keine Minderheit. Sie schreiben:

„Die offenen Vorurteile, ich habe etwas gegen

Frauen, da ich etwas gegen eine bestimmte

Minderheit habe. Vorurteile werden somit offen

geäußert…“

Richtig ist: Die offenen Vorurteile, z. B. „ich

habe etwas gegen eine bestimmte Minderheit“

werden offen geäußert.

…Braunschweig, den 12.05.12, Cornelia Dowling

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E-Mail: katharina.heidmann@bzv.de

Campus

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c o m i n g s o o n

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b r a u n s c h w e i g

b A R


Daumen raus

Eine Gruppe Braunschweiger Studierender wollte dem Klausurentrott ein Ende setzen und hat sich auf ein ganz

besonderes Abenteuer eingelassen. 2500 Kilometer in zwölf Tagen per Anhalter von Braunschweig nach Istanbul.

Ein Erlebnis, das Spaß macht und den Horizont erweitert.

Von Kristina Branz

Semesterferien. Das Wort kennen

viele Studenten schon lange nicht

mehr. Berge von Klausuren und

kein Ende in Sicht. Davon können Gabriela

Heil, Kevin Kuhrmann, Kevin de

Silva, Marie Johannsen, Tobi Jansen,

Swetlana Matschnow, Tilmann Vorhoff

und Joris Hoffmann ein Lied singen.

„Ich hatte die Idee zu Trampen während

der Klausurenphase im letzten Sommer.

Ich wollte unbedingt mal was anderes

machen“, sagt Tobi Jansen. Freiwillige

hatte er schnell zusammen. Gemeinsam

entstand die Idee ein Wettrennen daraus

zu machen. Das Ziel: In vier Zweier-

gruppen in 12 Tagen von Braunschweig

nach Istanbul trampen und dabei in Budapest,

Belgrad und Sofia Halt machen.

Denn die Idee war nicht nur so schnell

wie möglich nach Istanbul zu kommen,

sondern auf dem Weg auch ein paar

osteuropäische Metropolen kennenzulernen.

Als Beweis mussten die Teams

Fotos der Städte in einem eigens angelegten

Reiseblog veröffentlichen. Dabei

waren Zug oder Bus als Fortbewegungsmittel

für längere Strecken ausgeschlossen.

„Nach Silvester haben wir dann

den Rückflug gebucht, damit keiner

mehr abspringen kann“, erzählt Tobi

10

Jansen. Der Startschuss fiel am 10. April

vor den Braunschweiger Schloss-Arkaden.

Die Gruppe, die Istanbul nach

dem 22. April als erste erreicht, sollte

„Trampchampion 2012“ werden.

Erfahrung als Anhalter hatte bis zu

diesem Zeitpunkt nur Gabriela. „Am

Anfang ist es eine riesige Überwindung

jemanden anzusprechen. Du stehst da

mit deinem Schild und dem Daumen

raus und denkst du bist im Film. Wenn

dann aber der Erste anhält und dich

mitnimmt, wirst du schnell locker“, so

beschreibt Tobi seine ersten Erfahrungen,

„dann wirst du auf der Autobahn


Fotos: Privat

hinter einer Mautstelle raus gelassen

und läufst auf dem Randstreifen entlang

während neben dir die Autos mit

140km/h vorbei rauschen. Zu Beginn ist

alles sehr irreal.“

Meist halten die Menschen an, die

selbst schon mal getrampt sind. Oder

LKW-Fahrer, die die Gesellschaft schätzen.

„Und es waren vor allem Männer.

Frauen waren da skeptischer“, erzählt

Kevin de Silva. Doch so manch einer

hatte keine Lust auf einen Zwischenstopp.

Und gerade bei Deutschen standen

Ausreden auf der Tagesordnung.

„Sobald wir die deutsche Grenze über-

Campus

schritten hatten,

lief es bei allen fast

wie am Schnürchen.

Während uns

Fahrer aus Deutschland

angeblich aus

versicherungstechnischen

Gründen

nicht mitnehmen

konnten, waren

ausländische Fahrer

unglaublich freundlich.

Dort war Trampenselbstverständlich

und die Fahrer

nahmen für uns

sogar Umwege in Kauf“, erzählt Kevin

Kuhrmann. Auch wenn die Verständigung

manchmal nicht ganz einfach

war: „Gabriela und ich sind unfreiwillig

200km Umweg mit einem serbischen

Paketauslieferer gefahren. Er hat erst

seine komplette Tour gemacht, bis er

uns an der versprochenen Stelle herausgelassen

hat“, lacht er.

Während ihrer

Route hatten die

Teams unterschiedlich

viel Glück. „Unseredurchschnittliche

Wartezeit lag

bei 15 Minuten.“,

sagt Kevin de Silva.

Dies lag wohl vor allem

an ihrer Taktik.

Die anderen Grup-

pen orientierten

sich am klassischen

Bild des Trampers

inklusive Schild und ausgestrecktem

Daumen. „Wir haben uns von Tankstelle

zu Tankstelle bringen lassen und sind

immer direkt auf die Leute zugegangen“.

Bei einem deutsch-bulgarischen

Pärchen durften die beiden sogar mehrere

Tage in Sofia übernachten.

Dass dies aber bei Weitem nicht der

Regelfall ist, weiß Kevin Kuhrmann.

Trampen ist vor allem eines, Geduldssache:

„An einer Tankstelle, wo Kevin

und Marie in zwei Minuten weggekommen

sind, standen wir einen Tag später

und haben 8 ½ Stunden warten müssen.

Wir hatten nur Pech und immer

11

die längsten Wartezeiten.“ Da kann es

auch schon passieren, dass Fahrer diese

Situation ausnutzen möchten. „Ein

Mann wollte uns nur mitnehmen, wenn

Gabriela ihn mit Sex bezahlt“, erzählt

Kevin empört. War das Trampen in den

60er und 70er Jahren gerade bei Jüngeren

sehr beliebt, überwiegt heute wohl

auf beiden Seiten die Skepsis und Angst.

„Als Kind lernt man ja immer, man soll

nicht mit Fremden mitfahren. Wir hatten

zur Sicherheit alle Pfefferspray dabei.

Man weiß ja nie“, sagt Tobi. Doch

noch schlimmer als das Warten sei das

Gefühl nicht zu wissen, ob man es zum

Übernachten in ein Hostel schafft. Eine

Nacht verbrachten Gabriela und Kevin

in einem LKW, in einem kleinen Bett

im Führerhaus, direkt neben dem Fahrer

des Wagens. Sie hatten ihn erst kurz

vorher auf einer Raststätte kennengelernt.

„Obwohl der Mann mit uns sein

kleines Bett geteilt hat und sogar ein

paar Stunden in einem anderen LKW geschlafen

hat, um uns die Angst zu neh-

gemeinsames frühstück nachdem uns martin

von prag nach brno mitgenommen hat – alle 4!

men, haben wir kein Auge zugemacht.“,

erzählt Kevin Kuhrmann, „wir haben

hinter jeder Nettigkeit etwas Schlimmes

vermutet, da wir es aus Deutschland

nicht anders gewohnt sind.“ Auch

die anderen Gruppen haben vor allem

eines erfahren: viel Gastfreundschaft.

Eine Einladung zum Kaffee oder Essen

war keine Seltenheit. Geld für die Fahrt

hat niemand verlangt. „Wir wurden von

LKW-Fahrern mit denen wir mitgefahren

sind gleich an andere weiter vermittelt,

die in unsere Richtung fuhren“,

so Kevin de Silva. Kevin Kuhrmann ergänzt:

„Das eine oder andere Mal hat →


ein Fahrer einem Polizisten Geld in die

Hand gedrückt und dann durften wir

weiterfahren. Ob er sie bestochen hat,

damit wir weiterhin mitfahren durften,

wissen wir nicht.“

Die Situation zeigt: Das Trampabenteuer

war für die Gruppe nicht nur

Spaß, sondern auch die Möglichkeit,

Vorurteile abzubauen und fremde Kulturen

kennenzulernen. Bis dato war

noch keines der Teammitglieder in Ost-

frühstück mit den truckern

europa gewesen. „Ich denke jetzt ganz

anders über die Leute in den verschiedenen

Ländern“, erzählt Tobi. „Am tollsten

war Budapest. Dort kann man günstig

feiern gehen und die Leute sind sehr

offen und kontaktfreudig“, erzählt Kevin

sichtlich begeistert. Zum Trampen

eignet sich Serbien sehr gut. „Dort gibt

Campus

es nur eine Autobahn und viele Tankstellen.

Da kann nichts schiefgehen.

Dort sind wir sogar auf der Autobahn

spazieren gegangen, weil so wenig los

war“, ergänzt er.

So ganz auf öffentliche Verkehrsmittel

konnte aber nur eine Gruppe verzichten.

„Wir mussten von Bratislava

nach Budapest den Zug nehmen, da es

aus Eimern geregnet hat und uns niemand

mitnehmen wollte“, sagt Tobi.

Ähnlich ging es auch Kevin Kuhrmann

und Gabriela. „Wir sind schon mit einem

Tag Verspätung in Braunschweig

gestartet. Und dann hatten wir ja so ein

Pech beim Trampen. Um die anderen etwas

einzuholen sind wir von Prag mit

dem Bus nach Bratislava und Budapest

gefahren.“

Letztendlich waren

die beiden aber

doch als Erste im

Ziel. In einem Abstand

von zwei Tagen

kamen dann

auch die anderen

Teams in Istanbul

an. Auf den Pokal

aber hat die Siegergruppeverzichtet.

„Wir sind alle

Gewinner. Denn

der Weg war das

12

letzte fahrt nach istanbul

Ziel“, erzählt Kevin

Kuhrmann.

Obwohl die

Teams viel Spaß auf

der Reise hatten,

kam der gebuchte

Rückflug sehr gelegen:

„Endlich abschalten

und keinen

Stress mehr

haben, nicht wegzukommen“,

sagt

Kevin Kuhrmann.

Die Erleichterung

kann man ihm immer

noch ansehen.

Für alle, die Lust

haben selbst einmal

zu Trampen,

hat die Gruppe folgenden

Ratschlag.

Ausschau halten nach Autos mit freier

Rückbank. Den Fahrer anschauen, ein

nettes Lächeln auf den Lippen haben. So

gelingt es fahrende Autos zum Halten

zu bringen. Kevin weiß, das Nummernschild

allein gibt keinen Aufschluss darauf,

ob jemand auch wirklich in die gewünschte

Richtung fährt. Darauf sollte

man sich nicht verlassen. Ganz wichtig:

„Man muss offen sein, denn man sitzt

über eine lange Zeit mit fremden Leuten

im Auto und sollte sich natürlich

auch mit ihnen unterhalten“, so Tobi.

„Und nicht aufgeben“, weiß Kevin aus

eigener Erfahrung, „immer wenn wir

unser Schild schon einklappen wollten,

hat jemand angehalten und uns doch

mitgenommen“. #

Fotos: Privat


Foto: Braunschweiger Zeitung, Helmut Wesemann

Skandal: Die Muehl-

Aktion an der HBK

ein totes schwein und

nAckte hAut sorgten

1969 für empörung

Von Tom Howey

Im Jahr 1969, kurz vor Weihnachten,

ging ein Aufschrei der Empörung

durch Braunschweig. Schuld daran

war die sogenannte Muehl-Aktion.

Am 17. Dezember ‘69 veranstaltet der

Wiener Aktions-Künstler Otto Muehl in

der Aula der „Staatlichen Hochschule

für Bildende Künste“ (SHfBK) in Braunschweig

ein Happening unter dem Titel

„O Tannebaum“. Zu der Veranstaltung,

vom AStA organisiert, erscheinen rund

500 Besucher, darunter aber nicht nur

Studenten, sondern auch andere Schaulustige.

Nachdem Muehl zusammen mit

einer Frau nackt die Bühne betreten hat

folgt der „skandalöse“ und der Öffentlichkeit

in Erinnerung gebliebene Teil:

Ein lebendiges Schwein wird in einer

Holzkiste auf die Bühne gebracht und

von einem professionellen Schlachter

fachgerecht getötet. Das Blut und die

Innereien des abgestochenen Schweins

gießt Muehl danach aus einem Eimer

über die auf dem Bett liegende Frau und

uriniert von einer Leiter auf ihren Körper.

Die Augenzeugenberichte widersprechen

sich in der Frage, ob Muehl

anschließend auf oder neben der Frau

seinen Darm entleert hat.

Muehls Intention war es, durch diese

Inszenierung gegen die heuchlerische

Weihnachtsidylle zu protestieren. Ein

von ihm verlesenes Gedicht beschrieb

Weihnachten als das „Fest der frommen

Lieder, des Fressens und der Kampfpause

in Vietnam“. Von den eigentlichen

Intentionen Muehls erfuhr die Welt außerhalb

der Hochschule aber nicht viel.

Die Braunschweiger Zeitung betitelte

die Aktion am Tag darauf als ein „blutiges

Schauspiel im Namen der Kunst“;

es folgte eine Flut von empörten Leser-

Campus

muehl, die frau und das schwein.

briefen. Der Kaufmann Karl Borek ließ

sogar eine Anzeige zur Unterschriftensammlung

in die Zeitung setzen. Einen

Tag vor Heiligabend waren bereits

17.801 Unterschriften von erbosten

Braunschweigern eingegangen. Darüber

hinaus erhielt der damalige Rektor

der Hochschule, Professor Peter Voigt

Briefe mit Inhalten wie: „Die Konzentrationslager

sind noch zu schade für

Euch“, bzw. „Meinen Sie nicht, dass ein

paar SS-Junker Ordnung in Ihrem Hau-

13

Campus

historie

se geschaffen hätten?“. Einige übereifrige

Gegner der Aktion ließen Voigt sogar

Morddrohungen zukommen. Die

SHfBK geriet in der Folge in Verruf; einigen

Studenten wurden sogar die Wohnungen

gekündigt. Und auch heute

noch erfordert der Umgang mit der Muehl-Aktion

scheinbar Fingerspitzengefühl.

Eine für das Jahr 2009 angedachte

Veranstaltung anlässlich des vierzigsten

Jahrestages wurde jedenfalls doch lieber

nicht in die Tat umgesetzt. #


Campus

Gib dem

Affen Zucker

Das Zentrum Braunschweigs sind die Schloss-Arkaden? Mitnichten! studi38 ist für euch auf der Suche nach

den schillernsten Shoppingecken Braunschweigs. In dieser Ausgabe stellen wir euch den KingKingShop in der

Kastanienallee vor, ein Laden für Comics, Bücher, T-Shirts und allerlei Krimskrams – und seinen Besitzer.

Von Anna Wandschneider

Ich besuche Patrick Schmitz an einem

Freitagmorgen gegen zehn. Für

Studenten eine gottlose Zeit. Zum

Glück ist der Kaffee schon aufgesetzt.

Das kleine Büro ist gerammelt voll mit

Büchern, Flyern und Pappkartons, in denen

wahrscheinlich die neuen Verkaufsschlager

warten. Während Patrick einen

Stuhl für mich freiräumt, sehe ich mich

schon einmal im Laden um.

Sieht ja nach Arbeit aus...

Der Fluch der Selbstständigkeit. Aber ich habe

es ja nicht anders gewollt.

Machst du das alles hier allein?

Nicht ganz. Stefan kommt nachher – Stefan

Zeuke, der hier in Braunschweig eine kleine

Galerie hat. Wir haben uns bei der Einrichtung

eines Webshops zusammengetan und

sind seither ein gutes Team.

Du hast den Laden vor gut einem Jahr aufgemacht.

Ich habe allerdings gehört, dass

du vorher etwas studiert hast, das mit

Kunst und Krempel so gar nichts zu tun

hat.

Stimmt. Laut meinem Diplom bin ich Ingenieur

für regenerative Energien. Das Studium

habe ich allerdings schon vor 11 Jahren abgeschlossen.

Damals hat das Thema noch keine

Sau interessiert. Mich am Ende des Studiums

übrigens auch nicht mehr.

Hast du jemals als Ingenieur gearbeitet?

Nein. Ich hatte keine wirkliche Motivation

mehr – ich glaube, ich habe drei Jahre nach

meinem Abschluss das erste Mal ein paar Bewerbungen

abgeschickt – aber der Arbeitsmarkt

war zu dem Zeitpunkt auch einfach

nicht vorhanden. Das ließ sich allein schon an

den Studierendenzahlen ablesen – wir waren

damals zu fünft.

Und stattdessen hast du…

… angefangen, zu unterrichten. Ich weiß

nicht, ob das heute noch so einfach geht, aber

damals habe ich mich einfach direkt an einer

Hauptschule als Lehrer beworben und Naturwissenschaften

unterrichtet.

Ist das Unterrichten an einer Hauptschule

14

tatsächlich so hart, wie man es in den Medien

immer wieder hört?

Stimmt: 80 Prozent da sind Idioten – ich spreche

jetzt von den Lehrern und nicht den Schülern.

Mit denen kam ich ziemlich gut klar

– das sind ja keine Asozialen oder Grenzdebilen,

sondern Jugendliche aus miesen Elternhäusern.

Bei denen hast du schon halb gewonnen,

wenn du ihnen einfach zuhörst. Mit

einigen von ihnen habe ich auch immer noch

Kontakt. Ich freue mich immer, wenn ich dann

höre, dass sie gut durch ihre Ausbildung kom- Wandschneider

men oder einen festen Job haben.

Anna

Warum hast du damit aufgehört? Fotos:


sieht schwer nach Arbeit aus:

patrick schmitz in seinem büro

im hinteren teil des ladens

Kurz gesagt: Die Bezahlung war grässlich.

Ich habe zusätzlich einige Zeit in der nachschulischen

Bildung gearbeitet, das war noch

schlimmer. Und es wird ja auch nicht besser.

Vor fünf, sechs Jahren hat ein Sozialarbeiter

noch 1800 Euro Brutto verdient, neulich habe

ich mal nachgehorcht, da waren es noch 1300.

Einen Laden aufzumachen klingt aber auch

nicht nach einem krisensicheren, rentablen

Job.

Der KingKingShop ist nur ein Teil des Ganzen.

Zusätzlich sind wir Veranstaltungsagentur

für den Braunschweiger PoetrySlam. Reich

werden kann man natürlich nicht damit. Das

ist aber auch nicht das Hauptziel.

Entstanden ist die Idee für den Laden eigentlich

durch den PoetrySlam, den ich seit 12 Jahren

mitorganisiere und für den ich die Poster

designe. Und durch eine Leidenschaft, die

ich seit der Schulzeit pflege – ich zeichne Comics.

Außerdem habe ich mich vor ca. einem

Jahr in einem Masterstudium zum Redakteur

gemausert.

Die Poster sind die mit dem Affen, oder?

Genau die. Der Affe spielt in einigen meiner

Comics die Hauptrolle. Lass dich allerdings

nicht von seinem harmlosen Äußeren täuschen

– er ist ein ziemliches Schlitzohr.

Ist gebongt. Hat er auch etwas mit dem Namen

deines Ladens zu tun?

Naja, so halb. Der Name entstammt dem Titel

einiger meiner Musikcomics, den KingKing-

KongKongRobo Comics.

Was verkauft ihr hier genau?

PoetrySlam-Druckerzeugnisse und andere Bü-

Campus

cher von kleineren Verlagen, die ich über die

Slamszene kenne. Außerdem Comics – hauptsächlich

Autorencomics, kein Klamauk. Ansonsten

T-Shirts und Bilder aus eigener und

fremder Produktion und anderes originelles

Kleinzeug.

Hast du auch Sachen im Sortiment, die dir

persönlich nicht gefallen, einfach, weil sie

sich gut verkaufen?

Natürlich habe ich meine persönlichen Favoriten.

Hier kommt allerdings nichts ins Regal,

was nicht auch ins Konzept passt. Dieser Laden

lebt durch seinen Charakter.

Ich habe gehört, jeder kann Sachen an

euch herantragen und sie hier verkaufen?

Das klingt ja wie prädestiniert für HBK-Studenten.

Arbeitet ihr mit vielen zusammen?

Mit Einzelpersonen ja, zum Beispiel mit den

Mädels von Tatendrang. Leider gibt es zwischen

der Hochschule und mir keinen direkten

Kontakt. Die Professoren tun sich da zum

Teil recht schwer.

Apropos Kontakte: Wie wichtig ist für

ein kleines Unternehmen wie dieses die

Vernetzung?

die beiden herren des kingkingshops:

stefan zenk und schmitz

15

Vernetzung ist alles. Viele Agenturaufträge

und Produkte bekomme ich über die Poetryslam-Szene

vermittelt. Bei größeren Aufträgen

arbeite ich mit anderen, kleinen Agenturen

zusammen, die mich wiederum ansprechen,

wenn sie Unterstützung brauchen.

Wenn du auf dein Leben zurücksiehst: Bist

du zufrieden mit dem, was du erreicht

hast? Ertappst du dich manchmal dabei,

mit deinen ehemaligen Studienkollegen

tauschen zu wollen?

Nein. Ich kenne noch zwei von damals, der

eine krebst in regelmäßig wechselnden Firmen

herum, der andere hockt bei VW – beides

nicht meine Wunschvorstellung. Und

selbst wenn ich mich aus heiterem Himmel

entschließen wollte, als Ingenieur zu arbeiten

– ich könnte gar nicht mehr ohne weiteres in

den Beruf einsteigen, dazu hat er sich in den

letzten 10 Jahren zu weit entwickelt.

Zum Schluss noch ein Blick nach vorn:

Habt ihr irgendwelche Expansionspläne

für die Zukunft?

Wir wollen in Zukunft unsere Agenturarbeit

ausbauen und stärker bewerben, bleiben aber

auf dem Boden. #


Campus

Zwischen Rotlicht

und Kaiserglanz

brAunschweigs kultViertel im wAndel

Von Wolf-Alexander Schneider

Tschüss.“ „Bis die Tage". Wenn

Ulla sonntags ihre Stammkneipe

auf der Friedrich-Wilhelm-

Straße verlässt, werden die restlichen

Gäste auch mal individuell verabschiedet,

man kennt sich. Es ist ein sonniger

Frühlingstag, die Schwimmbäder

haben gerade ihre Tore für den Sommer

geöffnet und während das Gros der

Braunschweiger den Sonntag im Freien

genießt, herrscht im „D-Zug" in der

Friedrich-Wilhelm-Straße business as

usual. Eine Handvoll Unermüdlicher bevölkert

die Kneipe, lachend, streitend,

schlafend. Wer noch aktiv werden will,

der sucht den Tapetenwechsel und flaniert

die Straße entlang, um sich in weiteren

Etablissements niederzulassen. Es

ist ein ganz normaler Sonntag im Friedrich-Wilhelm-Viertel,

jenes Quartier,

das die Rotlichtmeile in der Bruchstraße

umschlingt und eine Entwicklung

wie kein anderes Braunschweiger Viertel

hinter sich hat.

Verlässt man die belebten Einkaufsstraßen

der Innenstadt gen Süden, eröffnet

sich dem Betrachter zunächst

ein unscheinbares Stück Braunschweig.

16

Zu den unzählbaren Handyshops gesellen

sich verrauchte Kneipen, Spielotheken

und Gemüsehändler. Auf den

ersten Blick sieht es hier aus wie in vielen

anderen sozial degenerierten Vierteln

Deutschlands, doch beim Friedrich-

Wilhelm-Viertel lohnt es sich zweimal

hinzuschauen.

Denn das Viertel rund um die Braunschweiger

Rotlichtmeile in der Bruchstraße

hat einen einzigartigen Wandel

hinter sich. Mit dem Bau des ersten

Braunschweiger Bahnhofs südlich des

heutigen Bruchtorwalls im Jahr 1838


Fotos: Friedrich-Wilhelm-Viertel e. V., Wolf-Alexander Schneider

begann die städtebauliche Entwicklung

eines bis dato eher zwielichtigen

Quartiers. Seit dem Mittelalter boten

seine verwinkelten und auf Sumpfgebiet

errichteten Gassen sowohl vom

Gesetz Verfolgten als auch Prostituierten

Schlupfwinkel. Zwar musste der

vom braunschweigischen Hofbaurat

Carl Theodor Ottmer erbaute Bahnhof

schon wenige Jahre später durch einen

neuen und größeren Ottmer- Bau ersetzt

werden, dennoch avancierte seine

Umgebung in der Folge rasch zum repräsentativen

südlichen Eingang zur Innenstadt.

Der Friedrich-Wilhelm-Platz

war zum Bahnhofsviertel geworden.

Stiller Zeuge dieser Epoche: die kaiserliche

Oberpostdirektion. Heute fristet der

Bau im wilhelminischen Prachtstil ein

eher unscheinbares Dasein zwischen

Nachkriegsbauten und Spielotheken.

Das war einmal anders. Am Ende des 19.

Jahrhunderts säumten belebte Geschäfte

die Friedrich-Wilhelm-Straße, Hotels

und Cafés luden zum Verweilen ein,

Braunschweigs Bahnhofsviertel war ein

Großstadtquartier geworden und sollte

sich auch nach zwei Weltkriegen als

außergewöhnliches Einkaufsviertel behaupten.

Berichtet Jürgen Wolff von

dieser Zeit, dann ist ein Leuchten in seinen

Augen zu erkennen. Seit 1953 ist

Campus

„Man muss sich das

Leben im Viertel damals

komplett anders

vorstellen als heute.“

Jürgen Wolff, Interessengemeinschaft

Friedrich-Wilhelm-Viertel

er im Viertel ansässig, das Jahr, als sein

Vater die traditionsreiche Post-Apotheke

übernahm. „Man muss sich das Leben

im Viertel damals komplett anders

vorstellen als heute. Die Straßen waren

voller Menschen. Die Geschäfte wurden

wenig glanz, dafür viel leben: das so genannte „dönerdreieck“

17

1942: gespenstische ruhe im sonst so belebten Quartier

von wohlhabenden Persönlichkeiten geführt

und die Kunden schätzten in erster

Linie den persönlichen Draht zu den

Geschäftsinhabern." Heute steht er der

Interessengemeinschaft Friedrich-Wilhelm-Viertel

vor und versucht dem Verfall

des Quartiers entgegenzuwirken.

Der Niedergang des einstigen Stadt-

Entrées kann in erster Linie auf drei Begebenheiten

zurückgeführt werden. Zunächst

einmal wäre da der Umzug des

Bahnhofs: der Todesstoß für das Viertel.

Als sich die Stadt 1956 gegen den zentral

gelegenen Kopfbahnhof und für einen

Durchgangsbahnhof am Berliner

Platz entschied, wurde das Bahnhofsviertel

über Nacht zum Innenstadtrand.

Das hatte fatale Folgen für den Einzelhandel.

Dort, wo sich einst Reisende

und Einkaufswütige die Klinke in die

Hand drückten, war es leer geworden.

Die gesunde Mischung aus Rotlicht und

lebhaftem Stadtquartier drohte einem

neuen Schmuddel-Image Platz zu machen.

Die Mietpreise sanken erheblich

und etablierte Geschäfte kehrten dem

Viertel reihenweise den Rücken zu.

Doch war der Umzug des Bahnhofs

nur der Auftakt zu einer Serie von politischen

Entscheidungen, die wie Hiobsbotschaften

auf den Standort Friedrich-

Wilhelm-Viertel niederprasselten. 1985

beschloss die Stadt, die Friedrich-Wilhelm-Straße

zu einer verkehrsberuhigten

Zone umzufunktionieren. Zudem

sollte dort eine Straßenbahn verkeh- →


Campus

geschäftiges treiben: das friedrich-wilhelm-Viertel in den fünfzigerjahren

ren, welche die Innenstadt mit dem

Friedrich-Wilhelm-Platz verbindet. Galt

dieser vorher noch als Anlaufpunkt für

Stadtbesucher aus den westlichen Stadtteilen,

so schaffte die neue Straßenbahnhaltestelle

vor der Oberpostdirektion

Abhilfe: Nun konnte die Innenstadt

von dort erreicht werden, der obligatorische

Bummel durch das Viertel war

passé und die Friedrich-Wilhelm-Straße

mutierte zum Zubringer. „Das Geld sollte

damals ausgegeben werden und da

wurde den Großen zugespielt", meint

Apotheker Wolff, „auf Kosten der Einzelhändler

im Viertel wurde den großen

Handelsketten eine Infrastruktur

geschaffen.“

Jene großen Handelsketten sucht

man im Friedrich-Wilhelm-Viertel

vergeblich. So gilt es eher, den individuellen

Unternehmergeist zu stärken.

Insbesondere nach dem jüngsten

Schicksalsschlag für das Viertel. Der

Wiederaufbau des im Krieg vollständig

zerstörten Braunschweiger Stadtschlosses

und die damit einhergehende Umstrukturierung

der Stadt entfernte das

Viertel noch weiter vom Stadtkern. Außerdem

etablierte sich mit den Schloss-

Arkaden ein neues Schwergewicht in

Braunschweigs Shoppinglandschaft.

Wer heute eine Einkaufstour plant, für

den führt meist kein Weg am Schloss

vorbei. Doch genau dort sieht Jürgen

Wolff die Chancen des Viertels: „Als

Kunde in den modernen Einkaufszen-

tren bin ich doch fast ausschließlich

auf Franchise-Anbieter angewiesen. Irgendein

Manager in Texas macht dann

den Profit, alles läuft sehr unpersönlich

ab." Das Friedrich-

W i l h e l m - V i e r t e l

will dem entgegenwirken

und Alternativen

bieten. Individualität

und

Persönlichkeit sollen

ihm alten Glanz

zurückverleihen.

Denn schon

längst ist das Fried-

rich-Wilhelm-Viertel keine graue Maus

mehr. Eine Vielzahl mittelständischer

Unternehmen, Medienagenturen, Arztpraxen

oder Anwaltskanzleien haben

sich mittlerweile wieder hier angesiedelt.

Musste Jürgen Wolff in den Siebzigerjahren

noch Mediziner zum Umzug

ins Viertel überreden, so strömen heute

Patienten aus dem Ärztehaus in seine

Apotheke. Dennoch steht das Quartier

vor großen Herausforderungen. Um

dem Leerstand entgegenzuwirken, müssen

Veränderungen in Betracht gezogen

werden, die dem außergewöhnlichen

Image des Viertels gerecht werden. Insbesondere

das große kreative Potenzial

in der Stadt soll hierbei von Bedeutung

sein, auch Studenten leisten Schützenhilfe.

So riefen im Jahr 2009 Professor

Michael Moenninger von der HBK und

Professor Walter Acker von der TU ein

18

Dieses einzigartige

Quartier könnte

einen großen

kulturellen Mehrwert

für die gesamte Stadt

bedeuten."

Professor Michael Moenninger

Projekt ins Leben, welches sich mit

der grundlegenden Umgestaltung des

Friedrich-Wilhelm-Viertels beschäftigt.

„Wir haben uns gefragt, wie man dieses

einzigartige Quartier wiederbeleben

kann", so Moenninger, „ein Gelingen

würde einen großen kulturellen Mehrwert

für die gesamte Stadt bedeuten.“

Das Konzept sieht vor, im Friedrich-Wilhelm-Viertel

einen Künstlerstandort zu

installieren. Im ehemaligen Fernmeldeamt

sollte damals ein Künstlerhaus

entstehen, Gelder aus dem Konjunkturpaket

der Bundesregierung waren vorhanden,

wurden dann aber doch an einem

anderen Standort investiert.

Viele der damals erarbeiteten Ideen

haben sich zum Ziel gemacht, vergangene

Fehler in der Stadtplanung zu revidieren.

So sollten die zahlreichen unbeachteten

Gassen, die beispielsweise

hinter der Bruchstraße zu finden sind,

geöffnet werden, um

ein weitläufigeres

Quartier zu schaffen.

Die Prostitution

sollte als urbanes

Element in das neue

Stadtbild integriert

werden, das Viertel

seinen Kiezcharakter

beibehalten. Ein

zentrales Element

in der Wiederbelebung des Viertels,

da sind sich Jürgen Wolff und Professor

Moenninger einig, besteht im sogenannten

Coworking. Hierbei sollen leerstehende

Flächen zu niedrigen Preisen

Kreativen und Künstlern zur Verfügung

gestellt werden. Der Einzug der Kreativwirtschaft

könnte den Wert des gesamten

Viertels steigern. Und dann profitieren

alle.

Inzwischen dämmert es auf der Friedrich-Wilhelm-Straße

und die Musik aus

der Jukebox schallt nur noch in verhaltener

Lautstärke über das historische

Pflaster. Morgen ist Montag, dann wacht

das Viertel wieder auf und das geschäftige

Treiben zwischen Nutten, Anwälten,

Ärzten und Alkoholikern wird wieder

von vorne beginnen. Auch Ulla hat inzwischen

den Heimweg angetreten. „Bis

die Tage." #

Fotos: Friedrich-Wilhelm-Viertel e. V.


Campus

SAMSTAG, 30. JUNI 2012

18–1 UHR: TU BRAUNSCHWEIG

Wissenschaftsaktionen rund um den Zentralcampus

18–22 Uhr

Langer Abend

der Studienberatung

19 Uhr

Siegerehrung

MacGyver Ideenwettbewerb

www.tunight.de


Campus

Momentaufnahme

wie sich unser blick Auf und der umgAng mit fotogrAfie Verändert hAt

Von Madeleine Ott

Die Fotografie ist ein bildgebendes

Verfahren. Ein latentes, vergängliches

Lichtbild wird auf

ein lichtempfindliches Material projiziert

und dann haltbar gemacht: Der

Moment ist fixiert, bei der analogen Fotografie

via Dia oder Filmnegativ. Bei der

digitalen Fotografie resultieren aus der

Verarbeitung auf dem Chip elektronische

Datensätze. Soweit die technische

Theorie, doch was macht die Fotografie

mit uns und was machen wir mit ihr?

„Jedes Filmmaterial hat seinen eigenen

Bildausdruck, seinen Charakter“,

sagt Michael Weyl, Geschäftsführer von

Spürsinn, einem Fotofachhandel für

die Analogfotografie in Braunschweig.

Die Wahl des Filmes beeinflusst auch

die Wahl der Entwicklungschemikalien,

„denn jeder Entwickler hat wiederum

einen Ausdruck und variiert das

Bild. Wenn ich die Kamera mit Film

bestückt hinaus trage, ist im Prinzip

schon klar, was ich in der Nachbearbeitung

mache“, so Weyl weiter. Wer

jene Materialeigenschaften nicht kennt

oder falsch einschätzt, erhält unter Umständen

ein unerwartetes Ergebnis.

Fotografieren mit einer analogen Kamera

hat mit Planung zu tun. Das Filmmaterial

bietet nur eine begrenzte Anzahl

an Bildern, deren Entwicklung heute

20

eher teurer als billiger wird. Daher wird

jedes Bild genau durchdacht. Hinzu

kommt, dass beispielsweise eine Großformatkamera

sehr schwer ist und der

Aufbau viel Zeit in Anspruch nimmt.

Ein schneller Schuss ist nicht einfach

möglich. Laut Weyl entsteht aus dieser

Schwerfälligkeit genau jene unabdingbare

Leidenschaft: „Man baut die Großformatkamera

eine Dreiviertelstunde

auf, misst die Belichtung, macht sich

Privat

alle möglichen Gedanken über die Bild- Ott,

komposition, wartet das richtige Licht

ab, wartet auf diesen einen Moment –

Madeleine

und dann ist diese 125stel Sekunde genau

das Bild.“ Dieser Prozess dauert Fotos:


„Das Austauschen und

Kommunizieren unmittelbar

im Moment des Fotografierens

ist heute sehr

wichtig.“

Professorin Dörte Eißfeldt

und ist geprägt von Geduld. Er steht im

Gegensatz zur alltäglichen Hektik. Mit

der digitalen Fotografie geht es schneller.

Kerstin Mumm, eine Braunschweiger

Fotografin, freut sich über das direkte

Feedback, das die digitale Kamera

ihr ermöglicht:„Ich schaue nach jedem

Bild auf das Display. Ich plane und stelle

jedes Bild manuell ein und kann so

die Einstellungen schnell kontrollieren.

Das gibt mir Sicherheit.“ Diese Prozedur

aus „Einstellung vornehmen – unmittelbares

Ergebnis“ erleichtert

gerade Anfängern das

Erlernen von Handgriffen.

Überlegen muss man

noch immer, aber das Foto

als visuelle Rückmeldung

ist weniger kostenintensiv

und vor allem direkter

geworden. Auch entfällt

das Wechseln des Filmes:

Kerstin Mumm empfindet

dies als Vorteil. Sie fotografiert

viele Familienfeste

und Hochzeiten; den Film

nicht wechseln zu müssen,

bedeutet für sie auch, die

Kamera immer zur Verfügung

zu haben.

Moment, sind Hochzeitsbilder

nicht jene, auf denen

alle steif auf der Treppe stehen?

Natürlich gehören ge-

Campus

stellte Bilder dazu – doch Kerstin

Mumm macht solche Bilder höchst

ungern. „Wenn ich die Personen

da hinstelle, kann man sie austauschen.

Das könnte jeder sein. Aber

wie jemand lacht, sich die Haare

aus dem Gesicht streicht, das

sind ganz andere Gesten. Das ist

viel natürlicher.“ Ihre Bilder dienen

der Erinnerung. Die junge Fotografin

betont den stimmungsvollen,

auch spontanen Moment.

Warum sollte man nach einem

freudigen Ereignis nicht auch Bilder

von offen lachenden Menschen

in den Händen halten? Zu

Zeiten unserer Großeltern war

jedoch ein derartiges Bild selten:

Wer beispielsweise einen 36er-

Kleinbildfilm besaß, wollte die

kostbaren Bilder nicht für Belangloses

verschwenden. Bevor

jemand aus der Reihe tanzt, wurden

Familienbilder bewusst geplant. Nicht

umsonst haben unsere Großeltern viele

Bilder auf denen die Beteiligten eher

unbeteiligt schauen.

Heute ist die Kamera immer dabei.

Man drückt ab und kann jeden Moment

festhalten. Smartphones mit immer

besseren Kameras erlauben ein Foto zu

schießen und es direkt einem Freund

Auch auf 10 zoll bildschirmgröße

lassen sich fotos ansehen

21

unsortierte fotos aus

den kisten unserer eltern

zu zeigen: „Schau: Hier bin ich.“ Noch

nie war es unkomplizierter mit einem

Bild auf ein Bild zu antworten. Dörte

Eißfeldt, Professorin an der HBK Braunschweig,

meint dazu: „Das Austauschen

und Kommunizieren unmittelbar im

Moment des Fotografierens ist früher

nicht gegeben gewesen, aber heute

sehr wichtig.“ Auffallend ist zudem,

dass viele digitale Kameras gar keinen

Sucher mehr haben, stattdessen schaut

man nur noch auf das Display. „Es sind

ganz andere Perspektiven entstanden“,

äußert Eißfeldt. „Man hält die Kamera

nicht mehr vor das Auge und bewegt

den Körper. Sondern die Kamera kann

entfernt vom Auge, frei in der Hand gehalten

werden.“

Mit dem Blickwinkel auf die Welt hat

sich auch der Blick auf die Fotos selbst

geändert: Heute auf jedem Handy, waren

Bilder früher fein säuberlich in die

Fotoalben der Familie eingeklebt. Mit

der Zeit wurde aus dem behüteten Album

eine Fotokiste und nun ist es der

Laptop, auf dem wir die Bilder ansehen.

„Das ist ein flüchtigeres Betrachten“, so

Prof. Eißfeldt. Dies hängt auch damit

zusammen, dass es heute einfach viel

mehr Fotos gibt. Wo sich bei Eltern die

Negative und Fotos unbeachtet und ungesehen

in Kisten stapeln, hat die jun- →


unsere fotos sind versteckt

auf 120 gb-festplatten

ge Generation noch mehr Gigabyte auf

den Festplatten von PC und Handy. Es

gibt nicht nur einen Lagerungsort, sondern

viele.

Bei all den vielen Bildern, die uns

Freunde und auch Fremde zukommen

lassen, stellt sich die Frage: Wozu? Am

wichtigsten ist vielleicht, dass ein Bild

seine Funktion erfüllt: Ein Fotograf

kann es mit unterschiedlichen Intentionen

erstellen, die der Betrachter erkennen

muss. Weyl ergänzt, dass ein Bild

für den Betrachter funktionieren muss.

„Ein gutes Foto ist unabhängig von analog

oder digital“, so der analoge Fotograf,

der sich aber auch im Digitalen

ausprobierte. Die Zielsetzung des Fotografen

muss bei seinem persönlichen

Betrachter aufgehen: Wenn dieser „versteht,

was auf dem Bild ist, sich angesprochen

fühlt oder eine Emotion, wie

Zuneigung oder auch Abscheu, emp-

Campus

findet, dann funktioniert es.“ Das

gute Bild ist also nicht davon abhängig,

wie es entstanden ist, sondern

„hat eine Bildqualität. Es hat

eine Dauer, ist nachhaltig. Es funktioniert

auch noch einen Tag später.

Man beschäftigt sich damit“,

stellt Dörte Eißfeldt fest. In ihrer

Fotografieklasse wird zwischen

Foto und Bild unterschieden: Ein

Bild ist mehr als ein Foto. Es ist

es wert, sich zu materialisieren,

also ausgedruckt oder entwickelt

zu werden. Es hat eine besondere

Beschaffenheit. Auch Kerstin

Mumm meint dazu: „Ein besonderes

Bild muss Stimmung haben.

Man sollte längere Zeit darauf verweilen

können und denken:

Das ist ein tolles Bild.“

Doch haben wir heute noch

Bilder, die wir ausdrucken

oder gar entwickeln lassen um

sie in einem Rahmen zu bewahren?

Der technische Wandel

bedeutet Veränderungen

in vielerlei Hinsicht. Der Stellenwert

des Fotos hat sich verändert

und fotografieren ist

für viele alltäglich geworden.

Doch wer ein Foto macht, sollte

sich fragen: Was ist mein

Ziel? Der Moment des Planens

und Vorausdenken scheint mit

dem Aufkommen von digitalen

Kompaktkameras fast verloren-

gegangen zu sein. Ein bisschen

Ruhe und Gelassenheit vor dem

Auslösen ließe sich bei der analogen

Fotografie abschauen.

So hätten wir vielleicht wieder

mehr Zeit für Bilder. Welchen Bearbeitungsweg

man dafür wählt, ist eine Frage

der finanziellen Mittel und des persönlichen

Geschmacks. Vielleicht lohnt

es sich ein Portrait der Mutter in aller

Ruhe mit einer analogen Kamera zu

„Ein gutes Foto ist

unabhängig von

analog oder digital.“

22

„Ich schaue nach jedem

Bild auf das Display.“

Fotografin Kerstin Mumm

ein filmnegativ erlaubt das reproduzieren

auch nach 50 Jahren

erstellen. Auf dem Geburtstag mit viel

Tohuwabohu kann die digitale Kamera

dann eine gute Unterstützung sein.

Letztlich ergänzen sich beide Vorgehen

aber auch: Wer einen Spaziergang

durch die Umgebung macht und die

Orte via digitalem Foto und GPS-Koordinaten

festhält, kann den Aufbau

der analogen Kamera besser planen.

Es ist nicht die Frage, was besser oder

schlechter ist. Vielmehr ist die Frage:

Was möchte wie ich mit meinem Foto

festhalten? #

Fotohändler Michael Weyl Fotos: Polaroid, Ott


studi38.tv

Studieren in der Region

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unter www.studi38.tv

Auch auf TV38, jeden ersten Montag im Monat

jeweils um 18 und 20 Uhr eine neue Folge.


Chemie des

Uni-Bieres

Am institut für chemie und thermische

VerfAhrenstechnik wird bier nAch einem

hAusrezept gebrAut. studi38 wAr dAbei.

Von Viktoryia Flohr

An einem Freitagnachmittag haben

sich wissenschaftliche Mitarbeiter

und Studenten im Institut

für Chemische und Thermische

Verfahrenstechnik der TU versammelt,

um zusammen das Lieblingsgetränk der

Deutschen herzustellen. Sie gehören zur

Obstwein & Bierbrau AG. Wer schon im-

Wissenschaft

mer mal selbst Bier brauen

wollte, erfährt jetzt Schritt

für Schritt wie das geht:

Als erstes werden mit der

handbetriebenen Schrotmühle

die Malzkörner aufgeknackt. 1 Die

Hülle des Korns sollte dabei möglichst

unbeschädigt bleiben, da diese später

24

1

Fotos: Viktoryia Flohr


3

als Filter für die Schwebstoffe verwendet

wird.

Für die nächste Phase – das Maischen

– braucht es den 100 Liter großen Suppentopf

aus Edelstahl. 2 Er wurde mit

Steinwolle isoliert, damit er länger die

Temperatur hält.

3 In den mit warmem

Wasser gefüllten Topf

kommt nun das geschrotete

Malz. 4

Der Sud wird erhitzt,

sodass die

im Malz enthaltene

Stärke zu Zucker

wird.

5 Anschließend

wird die Maische kurz

auf 76 °C erhitzt, um die

Enzyme zu zerstören. Das Läutern

kann beginnen. Hier wird der flüssige

Teil der Maische – der auch Würze

genannt wird – von den festen Bestandteilen

getrennt. Damit nicht unnötig

viel Wärme verloren

geht, werden Kühlboxen

verwendet. 6 Sie

sind mit einem

Sieb im unteren

Bereich versehen,

durch

das die Würze

abfließen kann.

Die Würze ist

sehr hoch konzentriert

und muss mit kochendem

Wasser verdünnt

werden. 7 Danach

sollte sie ohne Deckel

je nach Biersorte

eine bis

zwei Stunden

kochen. Während

des Kochens

wird

der Hopfen

hinzugegeben,

anfangs der Bitter-,

später der

Aromahopfen. Er

dient nicht nur dem

Geschmack, sondern

macht das Bier auch haltbar.

Den Schluss bildet das so

genannte Anstellen. So nennt man

die Zugabe der Hefe für die anschließende

Gärung. Dafür muss die Würze schnell

abkühlt werden. Die Hobbybrauer der

TU haben dafür einen Gegenstromwürzekühler

gebaut. 8 Er besteht aus zehn

Meter Kupferrohr umgeben

von einem Gartenschlauch.

Innerhalb des Kupferrohres

fließt die Wür-

2

Wissenschaft

4

Info

Die Obstwein & Bierbrau AG sucht

ständig interessierte Mitstreiter,

die sich selbst am Brauen versuchen

wollen. Bei Fragen ist die Leiterin der

AG, Steffi Köhler, unter der E-Mail Adresse

s.koehler@tu-braunschweig.de zu erreichen.

25

5

6

ze und zwischen

Kupferrohr und

Schlauch das

Kühlwasser.

Dann

heißt es

abwarten.

Denn die

Hauptgärung

dauert je nach Sorte

rund eine Woche. Die Nachgärung

vollzieht sich dann unter

Druck, damit das entstehende Kohlenstoffdioxid

sich im Bier löst und zu

Kohlensäure wird. Das Bier

muss dann noch drei Wochen

lagern. Dabei werdenSchwefelverbindungen

abgebaut,

die bei der Gärung

entstanden sind.

Diese unliebsamenVerbindungen

sind für den

Kater am nächsten

Morgen verantwortlich.

Zum Glück

mussten wir nicht

vier Wochen warten, und

konnten das Bier vom vorherigen

Braugang probieren. Prost! #

8

7


Wissenschaft

Ich will nur spielen

Computerspielsucht – die neue Volkskrankheit Deutschlands? Sind Computerspiele tatsächlich die bösen Brüder

von Sport und Käsekästchen? Der Loki der Spielewelt? Und warum spielen Menschen überhaupt? studi38 hat bei

Professor Rolf Nohr von der HBK nachgefragt.

Von Anna Wandschneider

Die Frage nach dem Sinn des Lebens zuerst:

Warum spielen wir Computerspiele?

Tja, das ist tatsächlich die große, nebulöse Frage.

Grundsätzlich gilt: Jeder Mensch spielt.

Über spielerisches „Ausprobieren“ lernt er seine

Umwelt kennen. Dieses Spiel ohne Regeln

ist das, was man im Englischen „play“ nennt.

„Games“ sind Spiele mit einem festen Regelsystem.

Das schließt nicht nur Videogames und

Brettspiele, sondern auch Sportarten mit ein.

Und wie kommt der Computer ins Spiel?

Der Computer beziehungsweise die Spielekonsole

ist – wie ein Fußball oder ein Sack Mur-

26

meln – ein Spielgerät. Dass er mittlerweile so

beliebt ist, liegt daran, dass der Computer

mittlerweile unser Leben wie kein zweites Medium

bestimmt. Er ist der Taktgeber unserer

Arbeit. Er ist das Hauptinformationsmedium.

Da ist es nur folgerichtig, dass er auch zu Unterhaltungszwecken

dient.


Fotos: Flickr/Luke Hayfield Photography, Anna Wandschneider

Rolf Nohr ist Professor

für Medienästhetik und

Medienkultur am Institut für

Medienforschung (IMF) der

HBK. Neben Visualität und

visueller Kultur in zahlreichen

Ausprägungen, beschäftigt

er sich unter anderem mit

populären Phänomenen

wie dem Heavy Metal oder

Computerspielen.

Warum erfahren dann gerade Videogames

eine solche Stigmatisierung? Liegt das allein

an „Killerspielen“?

Das hat wohl viele Gründe. Gewaltdarstellungen

sind das eine, aber mir erscheint ein

anderer Punkt mindestens genauso wichtig:

Wir leben in einer Gesellschaft, die versucht,

so produktiv wie möglich zu sein. Unproduktives

Handeln oder „Gammeln“ werden da natürlich

mit Misstrauen beäugt. Dazu kommt

noch, dass der Computer immer noch als ein

„neues Medium“ gilt – und neuen Medien begegnet

unsere Kultur traditionell mit einem

großen Misstrauen.

Und warum spielt eine große Gruppe

von Menschen überhaupt keine

Computerspiele?

Vermutlich, weil Computer und andere Spielekonsolen

nur eine sehr eingeschränkte Aus-

Wissenschaft

wahl an Spielen anbieten. Die scheinbar unendliche

Menge an Spielen, die auf dem Markt

sind, kann man vier bis fünf Genres zuordnen.

Die sind dann auch noch strikt voneinander

getrennt. Sie finden – es sei denn, sie bewegen

sich im Independant-Bereich, zwar Massen

von Shootern, Worldbuilding Games und

Escape Spielen, aber niemals einen Mix aus

den Dreien. Was das betrifft, ist die Industrie

ein großer Zauderhase – sie bedient sich lieber

etablierter Genres, als etwas Neues zu wagen.

Außerdem gibt es natürlich Spiele, die sich für

den Computer einfach nicht eignen. Bei Glückspielen

zum Beispiel brauchen sie einfach einen

sichtbaren, menschlichen Gegenspieler – Black

Jack gegen einen Computer zu spielen, macht

nur bedingt Spaß.

Ob wir nun dabei mit Anderen reden oder

nicht – versuchen wir, in virtuellen Welten

wie der von World of Warcraft unserem Alltag

zu entfliehen?

Natürlich speisen sich solche Spiele immer auch

aus Aussteigerfantasien. Nicht nur Videogames

übrigens – die Literatur- und Filmwelt ist voll

von meist jungen Helden, die ihrer Gesellschaft

den Rücken kehren und sich eine Hütte im Wald

bauen. Übrigens sind sie auf lange Sicht hin nie

wirklich erfolgreich. World of Warcraft oder

Sims kann man dahingehend als eine Art risikoarme

Variante von Into the Wild begreifen

– denn wenn in der virtuellen Welt etwas schief

geht, fängt man einfach von vorne an. Außerdem

sind in der Realität komplexe Vorgänge –

zum Beispiel der Bau eines Hauses – im Spiel

oft mit einem Mausklick getan.

In welcher Beziehung stehen Wirklichkeit

und Computerwelt dann zueinander?

Es dürfte den meisten klar sein, dass auch die

„fremdeste“ Fantasywelt immer mit der Realität

und der „echten“ Gesellschaft zu tun

hat. Die Games werden von echten Menschen

programmiert und von echten Mitspielern gespielt,

die meistens die Regeln ihrer normalen

Welt mitbringen...

...und sehr enge Grenzen stecken. Im Prinzip

tut der Spieler doch genau das, was das

Spiel ihm befiehlt? Oder spielt er vielleicht

gerade, weil ihm da jedwede Verantwortung

abgenommen wird?

Computerspiele sind tatsächlich ein stark reglementierter

Raum. Man kann argumentieren,

27

dass genau das dem Spieler gefällt, weil er hier

– im Gegensatz zur komplexen Realität – weiß,

was möglich ist und was nicht. Aber auch hier

ist eine Verallgemeinerung schwierig. In Sandbox

Games, ich nenne da als Beispiel die GTA-

Reihe, kann der Spieler die Struktur des Games

bis zu einem bestimmten Grad beeinflussen.

Außerdem gäbe unsere Gesellschaft ein ziemlich

armseliges Bild ab, wenn wir die erstbeste

Gelegenheit ergreifen würden, eigenständiges

Denken und Aufklärung über Bord zu werfen

und uns von der totalitären Macht des Computers

regieren zu lassen.

Jetzt reden wir schon die ganze Zeit über

den Computer. Dabei ist das gar nicht

mehr das Neueste vom Neuesten. Wie haben

Smartphones und andere tragbare Konsolen

die Spielewelt verändert?

Das lässt sich in einem Wort zusammenfassen:

Portabilität. Dieses Konzept der ständigen Mobilität

eröffnet völlig neue Möglichkeiten – zum

Beispiel Location - based Games, an denen man

nur teilnehmen kann, wenn man sich an bestimmten

Orten in der Realität einklinkt. Seit

mehr als zehn Jahren gibt es schon derartige

Versuche: Am Anfang sind die Jungs allerdings

mit einem Riesenrucksack und einer ewig langen

Antenne durch die Gegend gelaufen – das

war innovativ, sah aber absolut affig aus. Heute

geht das „cooler“.

Und wie steht es dabei um den Schutz meiner

Daten?

Grauenhaft. Das ist allerdings kein spezielles

Videogames-Problem, auch kein rein industrielles.

Ein ständig wachsender Teil der

Gesellschaft hat kein Gefühl mehr dafür, was

er über offene Netze, Social Media, oder auch

nur seine Kleidung preisgibt. In manchen Klamotten

stecken beispielsweise ein sogenannter

RFID-Chip, mit denen man Bewegungsprofile

des Trägers erstellen kann. Die Sensoren dazu

stehen dann im dazugehörigen Kleidungsgeschäft.

Das kann nicht angehen.

Zum Abschluss noch eine angenehmere Frage:

Was, glauben Sie, wird sich in den kommenden

Jahren auf dem Spielemarkt tun?

Worldbuilding Games haben meiner Meinung

nach das größte Potenzial. In ihnen liegt eine

gewaltige ästhetische Innovationskraft und der

Fantasie des Spielers sind hier die wenigsten

Grenzen gesetzt. #


Wo lässt es

sich am besten

lernen?

die studie lernAtlAs will bildungsmöglichkeiten VergleichbAr mAchen

Von Marina Müller

Die Bertelsmann-Stiftung hat im

letzten Jahr für einen Lernatlas

die Lernbedingungen in allen

412 Kreisen und kreisfreien Städten

Deutschlands gemessen. Bayern und

Baden-Württemberg konnten die besten

Ergebnisse auffahren, während Niedersachsen

im Mittelfeld gelandet ist

(Platz 9).

Der Lernatlas soll zeigen wie gut es

sich wo in Deutschland lernen lässt.

Das Lernen wurde dafür in vier Kategorien

unterschieden: schulisches, berufliches,

soziales und persönliches Lernen.

So wurden neben Universitäten

und Schulen auch der Arbeitsplatz sowie

die Weiter- und Ausbildung von der

Studie beleuchtet. Politisches Interesse

und soziales Engagement spielen beim

sozialen Lernen eine Rolle und in der

Kategorie persönliches Lernen haben

die Wissenschaftler analysiert, ob Menschen

an Volkshochschulkursen oder

Sportangeboten teilnehmen und ob sie

Museen und Bibliotheken nutzen. Die

Kreise und kreisfreien Städte wurden

anschließend in sechs Gruppen entspre-

chend ihrer Einwohnerzahl und -dichte

eingeteilt, um einen besseren Vergleich

herzustellen.

Insgesamt wurden 38 Kennzeichen zusammengefasst

und nach einem mathematischen

Verfahren gewichtet. Die Daten

wurden allerdings in weiten Teilen

nicht selbst erhoben sondern anderen

Studien, wie der PISA-Studie oder dem

Grundschulvergleich IGLU entnommen.

Bei der Methodik musste sich die Bertelsmann-Stiftung

durchaus Kritik gefallen

lassen. Es ist zum Beispiel unklar

wie es zu den ausgesuchten Variablen

gekommen ist. Zudem kritisiert etwa

der Deutsche Städtetag, dass der Lernatlas

„überwiegend mit Kennzahlen arbeitet,

die nicht die spezifische Situation

in der kreisfreien Stadt/Kreis, sondern

die der Region bzw. des Bundeslandes

wiedergeben“. Der Projektmanager der

Bertelsmann Stiftung Miika Blinn verteidigt

dieses Vorgehen: „Im Unterschied

zu den anderen Verfahren arbeiten wir

gerade nicht mit subjektiven Experteneinschätzungen.

Die Auswahl und Gewichtung

der Daten, die wir bekommen

28

haben, läuft nach einem etablierten wissenschaftlichen

Verfahren, das in Kanada

entwickelt wurde. Die Kriterien, die

dieser Methode zugrunde liegen, sind

für jedermann transparent und nachvollziehbar.

Eine Schwäche liegt in der

noch zu geringen Datenverfügbarkeit in

Deutschland. Mehr Mut zur Transparenz

täte uns gut.“

Trotz der Kritik entsteht ein interessanter

Vergleich zwischen den Städten,

so liegt regional der Kreis Peine auf dem

ersten Platz in Niedersachsen (Gesamtwert

48,57). Erst später folgen Wolfenbüttel

(45,41), Braunschweig (43,14),

Wolfsburg (42,96), Salzgitter (42,82) und

Uelzen (41,79). Im Vergleich dazu hat der

Landkreis Main-Spessart als Erstplatzierter

69,33 Punkte erhalten.

Braunschweig kann da zwar nicht mithalten,

hat aber ein gutes soziales Lernumfeld

aufzuweisen. „Engagierte Bürger

in der Freiwilligen Feuerwehr“ konnte

zum Beispiel den vierten Platz in der

Vergleichsgruppe einheimsen. In der

Gruppe „kreisfreie kleine und mittlere

Großstädte“ waren aber Salzgitter und


Fotos: Marina Müller, Privat

www.q-gmbh.com

Wolfsburg noch besser, welche die ersten

beiden Plätze beanspruchen. Darüber

hinaus konnte Wolfsburg den ersten

Platz für die Bereitschaft zur Knochenmarkspende

in der Kategorie „Soziales

Engagement“ einnehmen. Daneben hat

Braunschweig noch in den Gebieten

„Wahlbeteiligung“ und „Museumsbesucher“

überdurchschnittlich gute Ergebnisse

erzielt.

Reinhard Zabel von der Projekt REGI-

ON BRAUNSCHWEIG GmbH arbeitet an

verschiedenen Projekten für die regiona-

Silke, Traineeprogramm Corporate Banking

Wissenschaft

„Es ist gut, wenn immer mal so

ein Bericht erscheint, weil man

dann die Gelegenheit bekommt

sich bestimme Sachen bewusst zu

machen.“

Reinhard Zabel, Projekt REGION BRAUNSCHWEIG

le Förderung von Bildung. Ähnlich wie

beim Lernatlas ist das lebenslange Lernen

dabei ein wichtiger Aspekt. „Man

lernt für die Schule und man lernt für

den Beruf. Aber man sollte auch nebenbei

erworbene Kompetenzen in

den Blick bekommen und sie nicht nur

auf den beruflichen Bereich verengen.“

Nimmt man die Ergebnisse der Bertelsmann-Studie

ernst, gibt es in der Region

durchaus Handlungsbedarf: So haben

in Braunschweig und Salzgitter zu viele

junge Menschen keine Aussicht auf

einen Ausbildungsplatz. Auch die Nutzung

der Bibliotheken ist zurückhaltend

(Platz 49 von 56). Außerdem haben

Braunschweig, Salzgitter und Wolfenbüttel

bei dem Kennzeichen „mathematische

Kompetenz“ sehr schlecht

abgeschnitten.

„Auch wenn man an einzelnen Ergebnissen

noch Kritik üben kann“, bieten

Studien wie der Lernatlas laut Zabel

eine gute Diskussionsgrundlage: „Es ist

gut, wenn immer mal so ein Bericht erscheint,

weil man dann die Gelegenheit

bekommt sich bestimme Sachen bewusst

zu machen.“ #

Seilgarten Hannover

Wer mehr wissen will, kann

alle Studienergebnisse übrigens

auf www.deutscher-lernatlas.de

nachlesen.

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Hoch Hinaus

Der Campus Forschungsflughafen in Braunschweig ist eine Forschungseinrichtung, die einmalig in Deutschland

ist und mithilfe von viel öffentlichem Geld jetzt noch leistungsfähiger wurde. Denn im Norden der Stadt tüfteln

Wissenschaftler an Visionen zur Luft- und Raumfahrt der Zukunft.

Von Senem Göcmen

Man muss schon ein gutes Stück

rausfahren, wenn man zum

Flughafengelände Braunschweig-Wolfsburg

will. An Siedlungen,

Wald und Industriegebiet vorbei,

hält der Bus direkt vor dem farbenfrohen

Neubau, an dem die letzten Bauarbeiten

gerade erst abgeschlossen sind.

Der Bund, das Land Niedersachen und

die TU Braunschweig haben mit dem

Bau, in dem jüngst das Institut für Strömungsmechanik

(ISM) und das Institut

für Flugantriebe und Strömungsmaschinen

(IFAS) eingezogen sind, das

letzte Puzzleteil für das als Campus Forschungsflughafen

(CFF) bezeichnete Projekt

angefügt.

1935 begann man mit Luftfahrtforschung

und -lehre in Braunschweig, die

nach Ende des Zweiten Weltkrieges wie-

Wissenschaft

der eingestellt wurde. Ab 1953 wehte mit

dem Deutschen Zentrum für Luft- und

Raumfahrt (DLR, damals noch Deutsche

Forschungsanstalt für Luftfahrt) wieder

frischer Forschungswind in die Region.

Neben der Ansiedlung verschiedener Behörden,

wie des Luftfahrt-Bundesamts,

den Instituten der TU Braunschweig

und ab 1985 verschiedener mittelständischer

Unternehmen entstand ein stark

vernetzter Verbund von Institutionen,

der seit 1994 als „Forschungsflughafen

Braunschweig“ bezeichnet wird. Heute

zählen zum CFF neben

den vier Instituten

des DLR auch

sechs Institute der

TU Braunschweig.

Der CFF soll nicht

nur vernetzen, son-

30

dern auch Forschungsprojekte fördern

und koordinieren. Dabei stellen die Institute

der TU Braunschweig den Studiengang

Luft- und Raumfahrttechnik dar

und betreiben Grundlagen- bzw. Vorlaufforschung,

während die Institute

des DLR anwendungsnahe Forschung

betreiben. „Das ist das Besondere“, sagt

Professor Rolf Radespiel, der geschäftsführender

Leiter des ISM ist. „Wir haben

hier einen Cluster von sehr leistungsfähigen

Instituten. Die Kombination aus

Groß- und Grundlagenforschung ist in

„Die Kombination aus

Groß- und Grundlagenforschung

ist in Deutschland

einmalig.“

Professor Rolf Radespiel


Fotos: TU Braunschweig, Senem Göcmen

Deutschland einmalig.“ Der CFF bietet

außerdem eine Reihe von Simulatoren,

Windkanälen und Prüfständen, die

durch ihren besonderen Zuschnitt nahezu

alle Bereiche der Forschungstätigkeit

abdecken, sowie ein mit Messtechnik

ausgestattetes Forschungsflugzeug.

Im Rahmen des Neubaus wurden vier

weitere große Versuchsanlagen errichtet.

„Da gibt es einmal den Wasserkanal,

in dem man Strömungsversuche für

Hochauftriebssysteme von Verkehrsflugzeugen

machen kann“, sagt Radespiel.

Im Wasser kann man langsamere Geschwindigkeiten

verwenden und so den

Versuch genauer beobachten. Später lassen

sich die Ergebnisse dann „auf Luft“

umrechnen. Momentan befindet sich

die Anlage noch in der Aufbauphase:

In einer Halle liegen die riesigen Bauteile,

die ein bisschen wie eine Ziehharmonika

aussehen. Der Eiswindkanal soll

in einem halben Jahr in Betrieb gehen.

In ihm soll es möglich sein, die Physik

der Vereisung von Flugzeugen, die ein

wesentliches Sicherheitsproblem darstellt,

genau zu untersuchen. Eine weitere,

neue Anlage im benachbarten Institut

für Flugzeugbau und Leichtbau

kann Bauteile im Originalmaßstab anhand

von Schalenmodellen testen. Im

neuen Versuchsstand des Instituts für

Werkstoffe kann die Beschichtung von

Materialen für Flug- und Raketenantriebe

erstellt und getestet werden. Mit

dem Triebwerksprüfstand des neuen Instituts

für Flugantriebe, der

die büros sind alle dem schallgeschützten

innenhof zugewandt, um lärm der

Autobahn zu vermeiden.

Wissenschaft

2014 fertiggestellt

werden soll, sind

die Maßnahmen

des CFF vorerst abgeschlossen.

Dann

wird es in Braunschweig

möglich

sein, alle wesentlichenKomponenten

von Flugzeugen

mit hochwertigen

Versuchsanlagen zu

erforschen.

Dabei gibt es drei

große Ziele: Neben der Wirtschaftlichkeit

von künftigen Flugzeugen sollen

vor allem deren Umweltverträglichkeit

und Flugsicherheit verbessert werden.

Umweltverträglicher werden Flugzeuge

zum einen durch die Verminderung von

Emissionen, die durch die Verbrennung

von Kraftstoff entstehen. Aber auch Aspekte

wie Lärmbelastung, die für viele

Menschen, die an Flughäfen leben, ein

großes Ärgernis darstellt, sollen nachhaltig

verringert werden. Die Vision des

sogenannten „Bürgernahen Flugzeugs“

hat man hier am CFF entwickelt: Dieses

braucht wenig Platz für Start und Landung

und ist sehr geräuscharm, sodass

Flughäfen nicht mehr weit von Städten

entfernt gebaut werden müssen. „Das

ist unsere Vision von Zukunft in einer

entwickelten Industriegesellschaft – die

aber auch Zeit braucht: In der Forschung

um zu reifen und dann noch

mal zehn Jahre

31

lars müller sitzt an einer numerischen

strömungsimulation. im institut arbeitet

man mit dem tAu-code.

um im industriellen Umfeld zu einem

Produkt zu führen.“ Radespiel schätzt,

dass erste Prototypen 2035 in Betrieb genommen

werden.

Auch das Thema Brennstoff beschäftigt

die Wissenschaftler am CFF. 2050

muss im Bereich der Luft- und Raumfahrt

das Prinzip der Kreislaufwirtschaft

umgesetzt sein, die auf fossile Brennstoffe

verzichtet und mittels regenerativer

Energien und anschließender Veredelung

Kraftstoffe für Flugzeuge schafft.

„Beispielsweise gewinnt man Strom

aus Windmühlen, der dann zu flüssigem

Wasserstoff gemacht wird. Daraus

wird ein Energieträger gewonnen, mit

dem man fliegen kann und der gleichzeitig

ungefährlich im Betrieb ist“, erklärt

Radespiel. Solche Kraftstoffe

sind aber →


Wissenschaft

feierliche eröffnung des campus forschungsflughafen: (v. links) die niedersächsische

ministerin für wissenschaft und kultur, prof. Johanna wanka, prof. Jens

friedrich, der niedersächsische ministerpräsident david mcAllister, prof. rolf

radespiel, tu-präsident prof. Jürgen hesselbach und der oberbürgermeister der

stadt braunschweig, dr. gert hoffmann.

auch teurer, weswegen der Verbrauch

der Flugzeuge reduziert werden muss,

um sie wirtschaftlich nutzen zu können.

Es ist unschwer zu erkennen, dass

es im Bereich der Luft- und Raumfahrt

noch einiges an Forschungsbedarf gibt.

Nicht nur Bund, Land und TU Braunschweig

haben 28 Millionen Euro in den

Forschungsbau und die Großgeräte investiert,

die Grundlagenforschung wird

auch kontinuierlich von EU und Bund

gefördert. Anwendungsnahe Forschung

wird durch Forschungsaufträge aus der

Industrie ermöglicht. „Wir haben sehr

enge funktionierende Arbeitsbeziehungen

zu großen Systemfirmen der Luftfahrt,

unter anderem zu Airbus“, sagt

Radespiel. Wie kommt es aber zu dem

Investitionsdrang, wo doch die Finanzkrise

nicht allzu lange her ist? Sowohl

die Ölkrisen der 1970er Jahre, als auch

die Finanzkrise 2008 konnten dem Absatzmarkt

für Flugzeuge nicht wesentlich

schaden. Tatsächlich ist die Tendenz

steigend und wird mit dem wirtschaftlichen

Wachstum von Schwellenländern

bis 2030 zu einem Anstieg von etwa fünf

Prozent pro Jahr führen. Die Beschleunigung

der Menschen, die mit dem Schienenverkehr

einsetzte, hat die Wahrnehmung

von Raum und Welt und die Art

der menschlichen Beziehungen, pri-

vat oder geschäftlich, verändert. Diese

Verhältnisse sind nicht mehr rückgängig

zu machen und lassen die Luft- und

Raumfahrtforschung zu einem zukunftssicheren

Arbeitsgebiet werden.

Die Studierenden des Bereich Luft- und

Raumfahrttechnik

können heute mit

der Bachelorarbeit

anfangen unter Anleitung

Forschung

zu betreiben, diese

dann im Master

durch Studienarbeiten

fortführen und

durch hilfswissenschaftliche

Tätigkeit

während des Studiums

und Promotion

danach vertiefen.

Yosef El Sayed studiert

zum Beispiel

im Master Luft- und

Raumfahrttechnik und arbeitet für das

ISM an dem internationalen Großprojekt

DeSiReH mit. „Was ich hier mache

ist aber nur ein kleiner Teilaspekt“,

sagt er. Das Versuchsobjekt ist eine aus

mehreren Platten bestehende Fläche,

an der sogenannte Heißfilmsensoren

angebracht sind. Diese Sensoren werden

durch Strom erhitzt, die sich durch

32

Luftströme abkühlen. Ziel ist es herauszufinden,

wie viel Störungen die Oberfläche

– in diesem Fall eines Tragflügels –

haben darf, damit gerade noch laminare

Strömung herrscht. Diese Strömung ist

gleichmäßig, im Unterschied zur turbulenten.

„Das kann man sich anhand eines

Wasserhahns gut vorstellen. Dreht

man ihn wenig auf, fließt das Wasser

klar. Dreht man den Hahn ganz auf, wird

das Wasser milchig“, erklärt Yosef. Turbulent

beutet auch Reibung und somit

einen erhöhten Kraftstoffverbrauch.

Zusätzlich zur experimentellen Forschung

gibt es auch numerische Simulationen.

Diese werden nur am Computer

(computational fluid dynamics, abgekürzt

CFD) ausgeführt. Lars Müller ist

wissenschaftlicher Mitarbeiter im ISM

und arbeitet an einer neuartigen Propeller-Flügel-Konstruktion,

wobei sich

der Propeller über dem Flügel befindet

und nicht unterhalb, wie es üblicherweise

der Fall ist. Der numerische Ansatz

ist dabei einmalig. „Das besondere an

der numerischen Strömungsmechanik

ist es, dass man mit Parametern spielen

kann, die in einem experimentellen Versuch

nicht unbedingt

veränderbar sind“,

erklärt er. Dabei geht

die Forschung mittelsexperimenteller

und numerischer

Versuche Hand in

Hand, da die Wissenschaftler

zunächst

konkrete, gemessene

Werte brauchen, um

überhaupt mit einer

Computersimulation

beginnen zu können.

In dem doch eher

schlichten Computerraum

spürt man

wenig vom Traum des Fliegens, der

schon immer die Menschheit fasziniert

hat.

Dieser Traum von Freiheit und Schwerelosigkeit

hat sich wohl im Zeitalter der

Spezialisierung und Technisierung in

tausende Zahlen zerschlagen. Ein richtiges

Flugzeug gab es während des Besuchs

dann auch nicht zu sehen. #

Vorbereitungen für den

Versuch: der windkanal

muss erst einmal luftdicht

gemacht werden.

Fotos: TU Braunschweig, Senem Göcmen


Informationsseite des Braunschweigischen Hochschulbundes

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das spätere Berufsleben und erhalten finanzielle Unterstützung für ihre guten Leistungen –

unabhängig von sozialem Status oder Elternhaus.

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Semester 20 Studierende der TU Braunschweig mit

Deutschlandstipendien im Gesamtwert von 36.000 unterstützt.

Unternehmen in und um Braunschweig finanzieren

bereits sieben weitere Stipendien. Die Vorteile für

Förderer und Geförderte liegen auf der Hand. Deshalb

möchten wir in Zukunft gern mehr von Ihnen als StipendiengeberInnen

ansprechen.

Braunschweigischer Hochschulbund e.V.

www.braunschweigischer-hochschulbund.de

bhb@tu-braunschweig.de

Bundesbildungsministerin

Annette Schavan mit den ersten

Deutschlandstipendiaten

Wir fördern das

Interessierte Stipendien-

geberInnen und -nehmerInnen

erreichen uns unter:

Sabine Stegner

Geschäftstelle Braunschweigischer

Hochschulbund e.V.

Geysostraße 7, 38106 Braunschweig

Telefon: 0531 – 391 4570

E-Mail: bhb@tu-braunschweig.de


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Markus Rottwinkel

Eisenhüttenstraße 99

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Hightech

Entrepreneurship

Die Erzeugung von wissenschaftlichen

Erkenntnissen ist eine

notwendige jedoch keine hinreichende

Bedingung für die technologische

Entwicklung einer Gesellschaft.

Um die ökonomischen Effekte der Forschung

zu optimieren, ist es erforderlich,

dass die Forschungsergebnisse systematisch

in die Wirtschaft transferiert

werden. Hightech Entrepreneurship bezieht

sich auf die Gründung neuer, wissensintensiver

Startups.

Solche Gründungen kennzeichnen

sich durch eine lange Seed-Phase und

einen hohen Bedarf an Finanzkapital.

Die Durchdringung in den nationalen

und internationalen Markt stellt ebenfalls

eine Herausforderung dar, welche

von den Wissenschaftlern alleine in der

Regel nicht zu bewerkstelligen ist. Hier

ist professionelle Vertriebsunterstützung

erforderlich. Hightech-Gründer-

fonds (HTGF) der Bundesregierung ist

ein zentrales Instrument zur Unterstützung

von technologieorientierten Spinoffs.

Der vom Bundeswirtschaftsministerium

2005 gegründete Fonds versorgt

innovative Technologiegründungen mit

Risikokapital und begleitet solche Startups

über eine längere Zeitspanne. Bis

zu einer halben Million Euro wird in der

ersten Finanzierungsrunde als nachrangiges

Darlehen zur Verfügung gestellt.

Hierfür erhält HTGF einen pauschalen

Anteil von 15 Prozent am Unternehmen.

Zusätzlich können weitere 1,5

Mio. Euro Risikokapital für Anschlussfinanzierungen

gewährt werden.

Neben der zur Verfügungstellung von

Kapital hilft HTGF den Gründern mit

seinem Netzwerk beim Teamaufbau,

mit dem systematischen Know-How-

Transfer und bei der Gewinnung weiterer

für den Erfolg des Unternehmens

Wir bieten spannende Einstiegs- und Aufstiegsmöglichkeiten

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Weitere Informationen zu unserem Online-Bewerbungsverfahren

finden Sie auf unserer Karriereseite.

Kolumne

Prof. Reza Asghari

gibt an dieser Stelle

Einblicke in die Welt

des Entrepreneurships.

Hier erklärt er die

Bedeutung des Hightech-

Gründerfonds (HTGF)

für wissensintensive

Startups.

erforderlicher Partner. Die Kriterien für

eine Förderung sind Technologieorientierung,

Marktperspektive, Gründerteam

und das Alter des Unternehmens,

das nicht länger als ein Jahr sein darf.

Hightech-Gründerfonds →www.hightech-gruenderfonds.de

hat erfolgreich

in den vergangenen Jahren Beteiligungen

an über 250 Technologiestartups

erhalten. In Braunschweig wurden bislang

CapiCal.com, Symtavision.com

und locr.com von HTGF gefördert.

Mehr Informationen unter:

→www.entrepreneurship-center.de


Foto: Privat

Karriere

Wirtschaft trifft

Wohltätigkeit

soziAl engAgiert bei sife brAunschweig

Von Desiree Schober & Lisa Habelt

Es ist wohl die Kombination aus

sozialem Engagement und wirtschaftlichemUnternehmergeist,

die die studentische Organisation

„Students In Free Enterprise“ (SIFE)

ausmacht. Immerhin an 1800 Universitäten

weltweit gibt es mittlerweile

Ableger. Seit 2010 engagieren sich

auch hier in Braunschweig 17 Studierende

aus unterschiedlichen Studienfächern

unter dem Namen SIFE. „Es ist

schwer zwischen Arbeit und Hobby zu

trennen. Wenn wir uns in der Gruppe

treffen und Projekte planen, lerne ich

erst einmal etwas für mich selbst. Aber

ich habe auch furchtbaren Spaß, wenn

ich im Jugendzentrum mit den Jugendlichen

arbeite und merke, wie sie über

sich hinauswachsen“, erklärt Raphael,

der Wirtschaftsingenieurwesen im 6.

Semester studiert und seit ungefähr einem

Jahr bei SIFE ist. Er hat in dieser

Zeit vor allem das Projekt „Craft Your

Future“ begleitet. Ziel ist es den Einsatz

von Jugendlichen zu fördern und

ihnen zu helfen ihre eigenen Fähigkeiten

zu verbessern. Dazu greift SIFE Jugendlichen

bei der Umgestaltung des

Jugendzentrums Roxy unter die Arme

und hilft ihnen bei der Planung, Sponsorengewinnung

und der Arbeit im

Team. Die Jugendlichen können dabei

Erfahrungen sammeln, die ihnen auch

in Zukunft weiterhelfen. Auch in anderen

Projekten, wie zum Beispiel „Spende

deinen Pfand“, in dem ökologische

und soziale Komponenten verknüpft

werden, wird das vorrangige Ziel der

Gruppe umgesetzt: langfristig helfen

mit wirtschaftlichen Ideen.

37

Ansporn für die einzelnen Projekte

bringt den Mitgliedern von SIFE auch

der nationale und internationale Vergleich

in Wettbewerben, bei denen

nicht nur der Wettkampf, sondern auch

der Austausch und die Unterstützung

der einzelnen Gruppen untereinander

im Vordergrund steht.

Denn auch die Mitglieder der Organisation

können bei der praktischen Arbeit

im Team ihren Horizont erweitern.

Raphael ist davon beeindruckt, wie gut

man sich in die Gruppe mit einbringen

kann: „Es ist überwältigend zu sehen,

wie meine eigenen Ideen in die Tat umgesetzt

werden.“ #

Info

Wer sich auch sozial bei SIFE

engagieren möchte, kann sich

auf der Internetseite www.sifebraunschweig.de

informieren oder

einfach bei einem der Treffen

vorbeischauen: immer mittwochs

um 19 Uhr im Rebenring 58,2.


Karriere

Brave new Work

Ist der Mensch bald nur noch ein human capital? Die deutsche Regisseurin Carmen Losmann skizziert

in ihrem Regiedebüt „Work Hard Play Hard“ eine erschreckende Arbeitswelt, in der der Mitarbeiter zur

optimierungsbedürftigen Ressource degradiert wird. Wir haben die Regisseurin interviewt und anschließend

Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft mit ihren Thesen konfrontiert. Subtile Ausbeutung, vertrauensvolle

Teamarbeit, entgrenzte Arbeitszeiten – wohin entwickelt sich unsere Arbeitswelt?

38


Karriere

Work Hard -

Play Hard

regisseurin cArmen losmAnn über ihren neuen

film und die zukunft der Arbeit

Von Eva Casper

Frau Losmann, Sie haben mal gesagt,

dass Arbeit für Sie ein Spiegel der gesellschaftlichen

Realität ist. Wenn Sie sich

die Arbeitswelt in ihrem Film ansehen,

welche gesellschaftliche Realität wird da

widergespiegelt?

Es wird auf jeden Fall eine Veränderung der

Arbeitsorganisationsform sichtbar, insofern,

dass es im Vergleich zu einer Arbeitsorganisationsform

von vor 50

Jahren keinen Chef mehr

gibt, der klar hierarchisch

angibt, was zu tun und

was zu lassen ist. Ich sehe

eine Realität, wo das Unternehmen

dem einzelnen

Mitarbeiter immer mehr

Verantwortung überlässt.

Hauptsache es ist produktiv

und wirft Rendite ab.

Also geht es um eine

Art Optimierung des

Mitarbeiters?

Ja insofern, dass man praktisch versucht den

einzelnen Mitarbeiter zu gestalten. Es gibt ja

grenzenlose Wachstumsforderungen in einem

kapitalistischen Kontext. Genau diese grenzenlose

Wachstumsforderung wird durch

dieses „Unternehmer im Unternehmen“-Sein

auch auf den einzelnen Menschen übertragen

und das ist, glaube ich, diskussionswürdig

und problematisch.

Wie sehen diese erhöhten Anforderungen

konkret aus?

Die Mitarbeiter sollen eigenverantwortlich

handeln aber natürlich immer im Sinne des

Unternehmens und das tun, was schön für das

Unternehmen ist.

Finden Sie das persönlich abschreckend?

Ich würde eher sagen, ich finde es diskussionswürdig

und es wird viel zu wenig darüber

diskutiert.

Denken Sie, die steigende Überforderung

von Arbeitnehmern hängt damit

zusammen?

Ich glaube, die jetzigen Überforderungen sind

schon Symptome dieser Veränderungen in

den Arbeitsorganisationsformen

der letzten 20 Jahre.

Das hat in den USA angefangen

und wurde dann

langsam in das Kerneuropa

übertragen. Also, in

Deutschland - nur als Beispiel

- hat IBM 1998 die

Stempeluhren abgeschafft

und die Vertrauensarbeitszeit

eingeführt. Das ist auch

ein Teil dieser veränderten

Arbeitsorganisationsform.

Sie haben mal gesagt, Sie sind mit der Fragestellung

an den Film gegangen: Warum

arbeiten die Menschen ohne Stempeluhren

und Anwesenheitspflicht mehr als vorher?

Haben Sie eine Antwort gefunden?

Keine eindeutige. Aber ich denke, dass diese

neuen Managementmethoden die Rahmenbedingungen

dafür schaffen. Weil ich dann

nicht mehr sagen kann: „Mir doch egal, ich

geh jetzt nach Hause.“ Sondern ich bin wirklich

selber Unternehmer und bin für meine

Unternehmensziele verantwortlich und diese

Ziele sind meistens tendenziell höher, als

das, was ich in meiner Arbeitszeit verwirklichen

kann.

Also kann man sagen, dass wir in Zukunft

immer mehr arbeiten müssen und weniger

39

Freizeit haben?

Wenn man die Logik eines grenzenlosen

Wachstums befolgt, dann schon. Aber ich

wünsche mir, dass es eine Diskussion gibt

bei jedem Einzelnen, vor allem im Austausch

mit anderen. Ich muss mich als Individuum

fragen, ob es wirklich sinnvoll und mir als

Mensch angemessen ist, dass meine komplette

Lebenszeit mit produktiver Arbeit belegt

wird. Oder ich sage: Ne, zu meinem Menschsein

gehört eigentlich noch vieles andere und

das produktive Tätigsein ist Teil davon aber

ich möchte nicht meine gesamte Lebenszeit

davon in Betrieb nehmen lassen. Also, eine

Sphäre außerhalb des produktiven Tätigseins

mir bewahren, die mein Leben auch wertvoller

macht. Ich würde mir wünschen, dass es

darüber eine Auseinandersetzung gibt.

Das würde ja dann eigentlich auch einen

Systemwechsel beinhalten, weil die Unternehmen

das natürlich nicht wollen. Die

wollen, dass die Leute mehr arbeiten.

Ja, wobei ich auch daran glaube, dass Unternehmen

nicht hermetisch abgeschlossene, unveränderliche

Einheiten sind. Die werden ja

auch von Menschen geformt und gelenkt und

wenn man an die Grenzen des menschlichen

Leistungsvermögen stößt, könnten viele Mitarbeiter

sagen: „Nö, bei diesen Anforderungen

mache ich nicht bedingungslos mit“. Dann

müssen auch Unternehmen im ganzen anfangen

pö a pö umzudenken. Aber es stimmt.

Mein Wunsch stellt zumindest das System,

wie es jetzt läuft, in Frage. Ich finde aber das

gehört auch in Frage gestellt. #


Fotos: Florian Koch, Holger Isermann

Karriere

„Unsere schlimmsten

Ausbeuter sind wir selbst“

ein gespräch mit professor dietrich Von der oelsnitz über moderne

personAlführung, burnout und ungerechte lohnVerteilung

Von Holger Isermann

Die Filmemacherin Carmen Losmannzeichnet

in Ihrem Film „Work hard – play

hard“ ein bisweilen erschreckendes Bild

vom Denken der Personaler. Da ist etwa

von der „Verpflanzung eines kulturellen

Wandels“ in die DNA der Mitarbeiter die

Rede. Das klingt mehr nach Sekte als nach

Personalwesen…

Ja, das stimmt. Es gibt zum Beispiel das Konzept

der so genannten transformationalen

Führung, bei dem die Werte des Mitarbeiters

verändert werden sollen. Ich sehe es kritisch,

wenn aus einem unternehmerischen Antrieb

heraus die Persönlichkeit von Menschen verändert

werden soll.

Sind Menschen denn im Sinne eines Unternehmens

vor allem eine Ressource?

Den Begriff der Humanressource verwende

ich auch, den des Humankapitals allerdings

nicht. Menschen sind keine Kapitalgröße, aber

wenn man Ressource im Sinne der Wortherkunft

mit Quelle übersetzt,passt der Begriff.

Denn Mitarbeiter sind eine entscheidende

Quelle des Unternehmenserfolgs.

Wo liegen die ethischen Grenzen in der Nutzung

dieser Ressource?

Zum Beispiel dort, wo ein Mitarbeiter Substanz

verliert, weil er sich selbst in seiner Freizeit

nicht mehr ausreichend erholen kann und

sich 24 Stunden im Dienst der Firma wähnt.

Ist das Personalwesen durch die Forderung

nach ständigem Wachstum getrieben?

Absolut. Hier findet deshalb eindeutig eine

Professionalisierung statt. Während früher

viele Firmenchefs meinten, dass sie nicht

nur tüfteln, sondern mit ihrer natürlichen

Menschenkenntnis auch die besten

Mitarbeiter für ihr Unternehmen finden

könnten, gibt es mittlerweile viel mehr

Spezialisten. Das sehen sie etwa, wenn im Assessmentcenter

die Betriebspsychologen aufmarschieren

oder mit dem Human Potential-Index

versucht wird, den Wert einzelner

Mitarbeitern messbar zu machen. Das geht

für mich übrigens zu weit.

Warum?

Der Mensch ist ein Wesen mit Emotionen, das

man nicht auf seine bloße Nützlichkeit hin entkleiden

sollte. Das missfällt mir.

Losmann sieht eine Verschmelzung von Arbeit

und Freizeit, zum Beispiel durch die

Abschaffung der Stempeluhren, die Möglichkeit

des Home Office oder die Neuausrichtung

der Firmenarchitektur weg vom

klassischen Bürogebäude. Ist da etwas

dran?

Ja, eindeutig. Mir fällt spontan ein

Zitat von Calvin Coolidge, dem 30.

Präsidenten der USA, ein. Der hat

gesagt, wer eine Firma baut, baut

einen Tempel. Man versucht also die

Menschen für die eigene Idee zu gewinnen

und sie nicht mehr loszulassen.

Diese Verschmelzung

kennen

die Organisationspsychologen

unter dem

40

Begriff Selbstausbeutung. Wir könnten auch

Hamsterrad dazu sagen.

Passt der Acht-Stunden-Takt der Stempeluhren,

der die Industriegesellschaft

geprägt hat, nicht mehr in unsere

Dienstleistungsgesellschaft?

Die alten zeit- und ortbasierten Arbeitsstrukturen

brechen also auf. Und natürlich wird

von Mitarbeitern zunehmend erwartet, dass

sie sich selbst entgrenzen. Ein Beleg sind die

steigenden Mobilitätsanforderungen, die soziale

Beziehungen zerschneiden.

Kann man den Unternehmen denn unterstellen,

dass sie ihren Mitarbeitern

bewusst

mehr Arbeit aufladen

als in der

vereinbarten

Vertragszeit

zu schaffen

ist, um das

Prinzip der

S e l b s t a u s -


eutung zu schüren?

Da das Arbeitsquantum zunimmt und gleichzeitig

die Belegschaften ausgedünnt werden,

ist dieses Prinzip im System angelegt. Ich würde

also weniger von einer Boshaftigkeit der

Vorgesetzten ausgehen, als sagen, dass hier

nur Druck von oben in der Hierarchieebene

nach unten weitergereicht wird. Selbst der

Unternehmensvorstand ist ja von den Kunden

oder den Aktionären getrieben.

Sehen Sie einen direkten Zusammenhang

zwischen diesem zunehmenden Arbeitsdruck

und Krankheitsbildern wie etwa

Burnout?

Ja, natürlich. Psychische Erkrankungen sind

mittlerweile die häufigste Ursache von Frühpensionierungen.

Ich gehe allerdings davon

aus, dass es das Krankheitsbild auch schon

früher gab und es nur anders bezeichnet wurde.

Menschen zwischen 40 und 50 hatten damals

eben eine Sinnkrise („midlifecrisis“) oder

man hat versucht, das Phänomen eher biologisch

zu erklären.

Wie passen die vielen Frühpensionierungen

denn mit der Tatsache zusammen,

dass wir eigentlich immer länger arbeiten

sollen?

Man müsste die Menschen eigentlich mehr

schonen. In den Urzeiten der Industriealisierung

hat man die Arbeitskräfte einfach ausrangiert,

wenn sie mit 35 körperlich kaputt

waren. Diese zynische Haltung konnte man

sich lange leisten, weil es genug existenziell

bedrohte„Proletarier“ gab. Durch den demographischen

Wandel ist die Lage heute eine

ganz andere.

Eine zweite große These von Losmanns

Film ist die Übertragung von mehr Verantwortung

auf die Mitarbeiter. Dieser

wird sozusagen zum Unternehmer im

Unternehmen...

...das Bild ist richtig. Viele Aufgaben werden

als Folge der Ausdünnung von Hierarchieebenen

in Projekten und Teams organisiert,

sodass mittlerweile die klassische

Führungsarbeit wie z.B. die

Koordination und Kontrolle

vom einfachen Angestellten

übernommen werden muss.

Karriere

Sehen Sie das kritisch oder positiv?

Grundsätzlich erstmal positiv, weil die Mitarbeiter

weniger fremdbestimmt sind. Aber

die Unternehmen müssen neben den operativen

Aufgaben eben auch die nötigen Freiräume

auf die Mitarbeiter übertragen und daran

hapert es häufig.

Müsste mehr Verantwortung nicht auch

mit mehr Benefit einhergehen? Passt die

Entwicklung also zu den zurückhaltenden

Lohnabschlüssen der letzten Jahre?

Das wäre die logische Fortsetzung des Unternehmer-im-Unternehmens-Prinzips.

Aber das

Gegenteil passiert, die Gehaltsschere geht immer

weiter auseinander. Manager verdienen

heute im Schnitt rund 450 Prozent mehr als

ihre Mitarbeiter. Wenn bestimmte Vorstände

zweistellige Millionengehälter beziehen, spiegelt

das ihre Wertigkeit für ein Unternehmen

oder die Gesellschaft nicht immer wieder.

Wenn früher ein Job vor allem Mittel zum

Geldverdienen war, was ist er heute?

Arbeit ist immer mehr ein Sinnstifter. Gerade

so genannte High Potentials wählen bei verschiedenen

Jobangeboten immer häufiger die

Tätigkeiten aus, die ihnen interessanter erscheinen

und nicht unbedingt die, bei denen

sie mehr verdienen oder im alten Wohnort

bleiben können.

Wenn es den Fachkräftemangel wirklich

gibt, müssten gut ausgebildete Menschen

doch in einer komfortablen Situation sein

und aus dem Hamsterrad springen können?

Gesellschaftlich sinnvoll wäre eine gesunde

Leistungskultur, aber wenn jemand heute

versucht,vernünftig mit seinen Ressourcen

umzugehen, wird er schnell stigmatisiert.

Weil viele Kollegenzum Beispiel eher auf „wer

kann am längsten“ machen und jeden kritisch

beäugen, der früher nach Hause geht.

Und das erzeugt wiederum Druck und lässt

uns im Hamsterrad weiterlaufen?

Natürlich. Wir sind bestimmt von der Angst,

beruflich nicht weiter aufzusteigen, weil auch

wir das Wachstumsprinzip verinnerlich haben.

Es wäre allerdings zu kurz gedacht, dies

allein den Unternehmen zuzuschreiben, denn

unsere schlimmsten Ausbeuter sind wir selbst.

41

Professor Dietrich von der

Oelsnitz leitet das Institut

für Unternehmensführung

an der TU Braunschweig und

beschäftigt sich unter anderem

mit den Themen Innovations-

und Wissensmanagement und

Personalführung.

Wie meinen Sie das?

Wir stehen unter einem großen Möglichkeitszwang,

weil wir heute so unendlich vielmehr

Optionen haben und uns quasi die Welt zur

Verfügung steht. Es gibt da draußen also immer

noch einen besseren Job oder einen besseren

Partner. Das Phänomen der vielen Lebenspfade

gilt ja auch im Privatleben und

verhindert, dass wir zur Ruhe kommen. Trotzdem

ist es natürlich so, dass die Unternehmen

sich diese Einstellung gern zunutze machen.

Der Wunsch nach mehr Produktivität

macht vor den Universitäten nicht halt.

Was halten Sie davon, wenn sich etwa die

FU Berlin damit rühmt, die unternehmerischste

Hochschule Deutschlands zu sein?

Gegen größere Produktivität ist zunächst

nichts einzuwenden. Ich sehe allerdings die

zunehmende Ökonomisierung der Universitäten

kritisch. Universitäten sind primär der

Wahrheit und dem Erkenntnisgewinn verpflichtet

– nicht irgendwelchen „Märkten“.

Der Staat sollte sie so ausstatten, dass sie sich

eine unabhängige Meinung leisten können

und nicht mit den Wölfen heulen müssen. #


Fotos: Florian Koch, Privat

Gibt es bei Ihnen im Betrieb

noch Stempeluhren?

Nein, ich glaube, wir haben

auch noch nie welche gehabt.

In den technischen Betrieben

besteht ein festes Schichtsystem.

Das geht auch nicht anders,

weil die Anlagen immer

betreut werden müssen. Hier

in der Hauptverwaltung, d.h. den nicht-technischen

Bereichen, haben wir im Tarifbereich

Gleitzeit, die IT-gestützt erfasst wird. Das

schafft mehr zeitliche Flexibilität.

Welche Personalführungsmethoden gibt es

in Ihrem Unternehmen?

Wir führen jährliche Qualifizierungsgespräche

mit unseren Mitarbeitern durch, bei denen

es auch um persönliche und soziale

Kompetenzen geht. Es geht darum, dass der

Mitarbeiter ein Feedback zu seinen Tätigkeiten

bekommt und hierzu werden auch Qualifizierungsvereinbarungen

getroffen. Die Frage

ist: Welche Schulungsmaßnahmen müssen

im nächsten Jahr laufen? Für unsere jungen

Nachwuchskräfte bieten wir zudem Development

Center an. Die Teilnehmer durchlaufen

bestimmte Übungssituationen und bekommen

dazu ein Feedback zu ihren Stärken und Entwicklungsfeldern

im Sinne von: Das ist gut

und das ist noch optimierbar.

Haben Sie in Ihrem Unternehmen Möglichkeiten

zur Freizeitgestaltung?

Wir haben z.B. ein Fitnesscenter am Standort.

Allerdings weniger aus Lifestyle-Gründen,

sondern eher aus Gründen der Gesundheitsförderung.

Ich kann mir auch schwer vorstellen,

dass das hier eine Umgebung ist, die zur

Freizeitgestaltung geeignet wäre – dagegen

sprechen vor allem die Anforderungen der Arbeitssicherheit.

Ein Warmwalzwerk beispielsweise

macht ziemlichen Lärm.

Also, kann man sagen, dass dieses Prin-

Karriere

„Nicht alle Menschen

arbeiten in Büros“

Frank Gießelmann über die Arbeit in einem Industriebetrieb

Von Eva Casper

Frank Gießelmann ist

Personalreferent und bei der

Salzgitter Flachstahl GmbH

für die Personalentwicklung

von Führungskräften

verantwortlich.

zip der Verknüpfung von Arbeit und Lifestyle

eher für Unternehmen geeignet ist,

wo hauptsächlich im Büro gearbeitet wird?

Ja, das ist eine ganz interessante Perspektive

des Films, dass wirkliche Industriearbeitsplätze

gar nicht mehr auftauchen in der Gedankenwelt.

Man denkt hier offenbar, alle Menschen

in Deutschland arbeiten in Büros. Das

ist nun mal falsch. Fragen sie mal ihren Postboten,

wie der Arbeit und Lifestyle verknüpfen

will oder den Handwerker, der ihre Kabel

verlegt.

Was denken Sie, warum die Mechanismen,

die im Film gezeigt werden bei Industriebetrieben

nicht greifen?

Sagen wir es mal so: bei Bürotätigkeiten geht

es, abstrakt formuliert, vor allem ums Reden

und ums Schreiben. Das, was sie da an Management-Tätigkeiten

machen, kann man sicherlich

oft mit einem Laptop und einem Telefon

von der Zugspitze aus erledigen. Sie

können also ihre Tätigkeit von ihrem wirklichen

physischen Aufenthaltsort relativ gut

abkoppeln. Das geht bei Industriearbeitsplätzen

wie bei uns eigentlich kaum. Wenn ich Betriebsingenieur

bin, dann brauche ich die Anlage,

um zu arbeiten.

Arbeiten Sie denn auch von zuhause aus?

Nein, ich habe kein Home Office. Würde ich

auch nicht haben wollen. Außerdem haben

wir hier nach wie vor Anwesenheitspflicht, sofern

nicht ausdrücklich eine andere Regelung

vereinbart ist. #

42


Karriere

„Fachkräfte kommen von

einem leeren Markt.“

Christian Stiehl über die Veränderung der Arbeitswelt von BS Energy und die

instrinsische Motivation der Hochschulabsolventen

Von Eva Casper

Haben Sie den Film „Work Hard Play Hard“

schon gesehen?

Ich habe einen Ausschnitt gesehen. Ich muss

sagen, diese kurzen Sequenzen waren eher

bedrückend. Geht der Trend allgemein wirklich

dahin, dass Arbeitsleben und Freizeit derart

verschmelzen? Auch wenn der Film dies

sehr überspitzt zeigt – das geht dann doch

zu weit.

Aber eine Veränderung der Arbeitswelt gibt

es schon, oder?

Ich denke schon, dass die gesamte Arbeitswelt

– auch die von BS Energy – sich dahin entwickelt,

dass die Mitarbeiter immer mehr Eigenverantwortung

übernehmen müssen. Im

Regelfall aber auch mehr Verantwortung für

sich selbst. Erkennen, dass der Erfolg des Unternehmens,

für das man tätig ist, auch ein

Erfolg im eigenen Leben ist.

Wie flexibel sind Sie in Ihrer Zeiteinteilung?

Bei BS Energy haben wir eine Gleitzeitregelung,

also eine bestimmte Zeit, ab der man anfangen

und ab der man Feierabend machen

kann. Einige Bewerber wünschen sich für bestimmte

Projekttätigkeiten entsprechende

zeitliche Freiheiten. Da vermischt sich dann

schon mal Freizeit mit Arbeitsleben. Im Unterschied

zu den Aussagen im Film drücken

wir diese Vermischung unseren Mitarbeitern

nicht auf. Ich denke, dass viele – gerade Hochschulabsolventen

– mit hoher intrinsischer

Motivation bei uns anfangen und eine gewisse

Vermengung wünschen. Für mich trifft das

43

Christian Stiehl ist

Bereichsleiter Personal

beim Braunschweiger

Energieversorger

BS|ENERGY.

inzwischen auch zu. Mir ist

es lieber, wenn ich abends

um 20 Uhr noch mal E-Mails

beantworte und dafür während

der Woche mal früher

nach Hause gehen kann,

um meinen Sohn ins Bett zu

bringen.

Sind Sie und Ihre Kollegen auch außerhalb

Ihrer Arbeitszeit erreichbar?

Das ist, mit Ausnahme von klar geregelten

Ruf- und Einsatzbereitschaften, bei uns kein

konkretes Anforderungsmodell. Muss ich jemanden

anrufen und der geht am Wochenende

oder in der Woche am späten Nachmittag

oder am frühen Abend nicht ans Telefon, dann

ist das halt so. Ich habe aber auch ganz bewusst

gestern Abend einem Kollegen von dem

ich weiß, dass er im Urlaub ist, eine E-Mail geschickt.

Jedoch ist er der einzige, der mir helfen

konnte und bei dem ich weiß, dass er seine

E-Mails liest – auch im Urlaub. Und die

Antwort habe ich heute Morgen bekommen.

Aber prinzipiell sage ich schon: Wochenende

ist Wochenende. Wir sind daran interessiert,

dass Work-Life-Balance funktioniert.

Sehen Sie denn eine Gefahr der Vereinnahmung

des Arbeitnehmers durch die

Unternehmen?

Ich finde, diese ganze Diskussion passt nicht

zum momentanen Fachkräftemangel. Der

Fachkräftemangel bedeutet ja, dass wir irgendwann

ein Nachschub-Problem haben

werden. Und wenn ich ein Nachschub-Problem

habe, dann muss ich dem Mitarbeiter

bestimmte Benefits anbieten und ihn nicht

wie einen Sklaven vereinnahmen wollen. Der

Sklave hat keine Wahl. Der wird verkauft. Der

wird auf die Galeere geschnallt und dann hat

er zu rudern. Aber Fachkräfte kommen nicht

vom Sklavenmarkt, sondern sie kommen von

einem leeren Markt. #


Karriere

Ja und Amen?

wArum mAn Auch mit hAndicAp nicht immer Alles hinnehmen muss,

zeigen ute feicht und heiko folkerts

Von Daniela Viehmeier & Madeleine Ott

Sieben Uhr. Stühle runter, Rollos

hoch und schon geht es los: Klingel,

Geschrei, Taschen fliegen in

die Ecke, noch schnell von Mama verabschieden.

Gemeinsam wird gefrühstückt

und dann heißt es für die Kinder

auch schon ab in die Schule. Aber

nicht lange. Bald sind die ersten Kinder

wieder zurück und wollen beschäftigt

werden. Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung

und dann folgen die hoffentlich

fertig geplanten Nachmittagsaktivitäten.

Die Kinder sind zwischen sechs

und zehn Jahre alt. Sie gehen ganz locker

mit ihrer Erzieherin Ute Feicht

um, „kommen auf mich zu, sind interessiert

und neugierig. Außerdem sind

programmierer heiko folkerts

sie für ihr Alter schon sehr mitfühlend.“

Am Anfang standen viele Fragen

im Raum: „Wie kannst du lenken? Wie

gehst du aufs Klo? Und musst du in deinem

Rollstuhl schlafen?“ Doch jetzt ist

es für die Kinder normal.

Ute Feicht ist schon seit 26 Jahren auf

einen Rollstuhl angewiesen. „Grund dafür

ist ein selbst verschuldeter Fahrradunfall

in meiner Kindheit“, erklärt sie.

Trotzdem hatte sie nie Angst davor mit

Kindern zu arbeiten. Neun Jahre arbeitete

sie selbstständig als Tagesmutter

bevor sie eine Anstellung in einem Hort

annahm. „Dass die Kinder mir gegenüber

so offen sind, hat glaube ich etwas

damit zu tun, dass ich in sitzender Posi-

44

„Wenn man sich irgendwann

kennt, verschwimmt

die Bedeutung der

Behinderung.“

Heiko Folkerts

tion bin und dadurch eher auf Augenhöhe

mit den Kindern.“ Man könnte meinen,

dass der Rollstuhl ein Problem bei

der Arbeit mit Kindern darstellt – Kinder

könnten davonlaufen, die Treppen

hochrennen oder sich verstecken. Wie

funktioniert das? Kinder verhalten sich

Fremden gegenüber immer anders als

den eigenen Eltern gegenüber. So ist es

nicht verwunderlich, dass Eltern Ute anfangs

mit Skepsis gegenübertreten. Oft

hörte sie Argumentationen wie: „Ich

kenne dich nicht, aber ich kenne meine

Kinder – ich werde mit denen kaum

fertig und ich bin auf zwei Beinen unterwegs.

Wie kannst du das im Rollstuhl

schaffen?“

Heiko Folkerts ist auf dem Weg zur

Arbeit. In der Straßenbahn springt ein

Mann von seinem Platz auf, doch er sagt

nicht, welcher Platz frei geworden ist.

Folkerts würde sich gern setzen, doch

er ist seit seiner Geburt blind und somit

fehlt ihm die Orientierung. An seinem

Arbeitsplatz wird er mittlerweile

trotzdem wie jeder andere behandelt:

„Wenn man sich irgendwann kennt,

verschwimmt die Bedeutung der Behinderung.“

Bei Besprechungen integriert

er sich. Doch statt Zettel und Stift

steht vor ihm eine antiquiert wirkende

Blindenschreibmaschine. Mit lautem

Hämmern notiert er sich die wichtigsten

Fakten in Brailleschrift, einer


Fotos: Madeleine Ott, Privat

Schrift, die viele Blinde und sehbehinderte

Menschen benutzen. Dabei werden

Punktmuster in ein Papier gepresst,

die man hinterher ertasten kann. Auch

bei seiner Tätigkeit als Programmierer

arbeitet Folkerts nicht mit herkömmlichem

Equipment, sondern mit einem

Brailledisplay.

Interface-Design, also die visuelle

Gestaltung von Benutzeroberflächen,

kommt für ihn nicht in Frage. Doch

auch bei seinen Projekten „unter der visuellen

Haube“ stößt er manchmal auf

Schwierigkeiten. So arbeitet er momentan

an einer Anwendung, die er „quasi

nicht bedienen kann.“ Der Braunschweiger

kann nicht einfach das

Programm öffnen und etwas in die Eingabemaske

eintragen; um einen Fehler

aufzuspüren. Bei derartigen Supportanfragen

ist er auf Hilfe von seinen Kollegen

angewiesen und zusammen gehen

sie auf Fehlersuche. „Das sind natürlich

Grenzfälle und das schränkt meine

Handlungsfähigkeit ein. Ich versuche

das aber durch Mehrleistung in anderen

Bereichen auszugleichen.“ Zum Beispiel

beim Entwurf von neuer Software. Da

wird seine Schwäche schnell zur Stärke.

„Es kommt häufig vor, dass sich meine

Karriere

„Wir finden meist

individuelle Lösungen“

Wie sehr können Sie auf Menschen mit Behinderung

eingehen?

Wir finden meist individuelle Lösungen für

den konkreten Fall. Denkbar sind Dinge wie

die Nutzung von eigenen Räumlichkeiten und

die Arbeit im Homeoffice. Das muss natürlich

in einem gewissen Budgetrahmen bleiben und

mit dem jeweiligen Teamleiter in der Bewerbungsphase

abgesprochen werden.

Wird das Projekt angenommen?

Bisher recht gut, wir sind natürlich immer

auf der Suche nach mehr Bewerbern. Wir haben

sehr gute Zahlen im Ausbildungsbereich.

Wo wir uns mehr wünschen würden, wäre

im akademischen Bereich, vor allem in den

Ingenieurswissenschaften.

tagesmutter ute feicht

Kollegen erst lange ein Diagramm aufmalen

müssen, wo ich die Sachen im

Kopf habe und im Kopf natürlich deutlich

schneller malen kann.“

Ute Feicht und Heiko Folkerts – die

Kindertagesmutter im Rollstuhl und der

blinde Programmierer – zeigen, dass Erfolg

im Beruf auch mit Handicap möglich

ist. Folkerts meint: „Jeder sollte

möglichst in dem Bereich arbeiten, der

für ihn am geeignetsten ist. Ich bin mir

bewusst, dass das was ich mache, nicht

der Weg für alle ist. Ich würde es gut fin-

Inwiefern ist die Vermittlung einer Stelle

standortabhängig?

Grundsätzlich kann deutschlandweit vermittelt

werden. Letztlich ist die Frage, wie gut jemand

zu uns passt, aber das ist in jedem Bewerbungsprozess

der Fall. #

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) initiierte 2007

das Projekt „Jobs ohne Barrieren“. Ziel war es neue Arbeits- und Ausbildungsplätze

für schwerbehinderte Menschen zu schaffen. Die Siemens AG

ist eines von 23 Unternehmen, die sich an der Initiative beteiligen.

studi38 hat mit Dr. Thorsten Burger gesprochen, der für die strategische

Ausrichtung des Projekts bei der Siemens AG verantwortlich ist.

45

den, wenn viel mehr Leute diesen Weg

gehen würden – weil er gangbar ist.“

Mut, Disziplin und Entschlossenheit gehören

dazu. Wie jeder andere kennen

aber auch Menschen mit Behinderung

nicht immer von Anfang an den Weg,

den sie gehen möchten. Ein Behindertenberufsberater

kann dann hilfreich

sein, um neue Möglichkeiten für sich zu

entdecken. Folkerts studierte Informatik

in Emden und erhielt von den dortigen

Professoren viel Unterstützung. Am

Ende hatte er das Glück, mit der DAVID

Software GmbH einen Arbeitgeber zu

finden, der ihm eine Chance gab.

Ute Feicht hingegen folgte dem Rat

des Behindertenberufsberaters und absolvierte

zunächst eine Ausbildung zur

Bürokauffrau. „Eigentlich wollte ich Ergotherapeutin

werden, wovon mir der

Berater allerdings abgeraten hat, was

ich bis heute nicht verstehe.“ Der Umgang

mit Menschen war ihr schon immer

wichtig, was sie schließlich zur Kindertagespflege

führte.

Beide sind sich darin einig, dass eine

körperliche Einschränkung nicht zu typischen

Standardberufen führen muss.

Ute Feicht: „Hör auf deinen Bauch.

Mach, was dir Spaß macht.“ #


Karriere

Doktor,

ehrenhalber

46

Der Doktortitel hat sich in jüngster

Zeit immer mehr vom Katalysator

zum Schleudersitz politischer

Karrieren gewandelt. Ein Grund

ist die von Internetseiten wie

„VroniPlag“ organisierte kollektive

Hatz auf Plagiate. Dabei könnte

es so einfach sein, schließlich

ist der Doktortitel gerade beim

Rabattportal Groupon im Angebot –

für gerade einmal 39 Euro.

Von Stefanie Lipka & Robert Schulz

Der hannoveraner Millionär Carsten

Maschmeyer erhielt 2009

den Ehrendoktortitel der Universität

Hildesheim. Zuvor hatte Maschmeyer

der Universität eine Spende

in Höhe von einer halben Million Euro

zukommen lassen. Der geneigte Leser

könnte nun von einem Zusammenhang

zwischen Spende und Titelverleihung

ausgehen. Dieser Auffassung war wohl

auch die Staatsanwaltschaft Hannover,

die diesbezüglich Ermittlungen führte

und schnell wieder einstellte. Auch weil

es an dieser Art des Tauschgeschäfts juristisch

nicht viel auszusetzen gibt.

Der ehemalige Wirtschafts- und Verteidigungsminister

Karl Theodor [...] zu

Guttenberg hatte der Universität Bayreuth,

so heißt es, mittelbar eine ähnlich

hohe Geldspende zukommen lassen.

Statt eines Ehrendoktortitels gab

es dafür aber nur eine Spendenquittung.

Erst nachdem der Freiherr eine

Textcollage einreichte, erhielt er einen

Doktortitel. Einen richtigen. Mit Bestnote

für das Epistel. Als auch die Öffentlichkeit

bemerkte, dass der einsti-


Fotos: Robert Schulz, Stefanie Lipka

ge Würden- und Hoffnungsträger seine

Dissertation nicht so richtig selber geschrieben

hatte, bemühte sich die Bayreuther

Uni um Aberkennung des Titels.

In dem Zuge stellte sich heraus, dass es

Guttenbergs Chefin Angela Merkel ohnehin

nicht auf den Titel oder dessen

korrekten Erwerb ankam. Und auch

Guttenbergs neue Vorgesetzte, EU-Kommissarin

Neelie Kroes ist nicht an Guttenbergs

akademischem Background,

sondern an seinem herausragendem Talent

interessiert.

Rückblickend wäre eine Titelerwerb

à la Maschmeyer wohl auch für zu Guttenberg

ein gangbarer Weg gewesen.

Vielleicht wird das ja noch was. Und es

muss gar nicht so teuer sein: Im Netz

finden sich eine Reihe günstiger(er) Angebote.

Ehrendoktor, Professur, Honorarkonsul

– lässt sich alles unkompliziert

und preisgünstig

erwerben. Sucht man

bei Google nach „EhrendoktortitelBraunschweig“

liefert die

Suchmaschine einige interessante

Ergebnisse.

So findet sich unter den

werbenden Webseiten

eine Duisburger Firma,

die, völlig legal, betrieben

von promovierten

Ökonomen und Rechtsanwälten,

„Kontakt zu

Universitäten pflegt“

und dadurch jeden zahlenden

„Kandidaten dort

platziert, wo er sich das

wünscht“. Voraussetzung

dafür: Geld, ein

Universitätsabschluss

und die Bereitschaft, sich durch die

Bleiwüsten auf der Webseite zu klicken.

Dort wird unter anderem behauptet, es

gäbe auf dem Markt der Promotionsvermittlung

auch unseriöse Wettbewerber

(„Betrüger lauern überall“).

Ein weiteres Angebot ist die Hamburger

„Doktorandenberatung ‘externepromotion.de’“.

Diese ist auf osteuropäische

Universitäten spezialisiert, die,

so erfahren wir, „von einer bestimmten

Examensnote oder dem Besuch von

Karriere

Doktorandenseminaren“ absehen. Um

nach der aufwendigen Promotion in

Osteuropa den Titel auch in Deutschland

führen zu dürfen, fördert die

„Doktorandenberatung“ entsprechende

Anerkennungsverfahren.

Das heißeste Angebot jedoch ist die

Nummer Eins der Suchergebnisse:

beim Rabattportal Groupon lässt sich

ein Gutschein für einen Ehrendoktortitel

mit 74 Prozent Preisnachlass erwerben:

Für 39 Euro (statt regulär 150

Euro) bekommt man hier die Ehrendoktorwürde,

für 10 Euro mehr sogar die

Honorarprofessur. Damit keine Missverständnisse

aufkommen, muss bei

der Bestellung ein Fachgebiet gewählt

werden. Zur Wahl stehen neben „Feng

Shui“ und „Wellness Studies“ auch „Ufology“

und „Gospel Music“. Die universitären

Ehren sind also längst egalisiert

und nicht mehr dem (Geld-)Adel vorbehalten.

In den USA verleihen beispielsweise

Kirchen für kleines Geld Ehrendoktortitel.

Das lokale Angebot dürfte

dem nach Washington ausgewanderten

zu Guttenberg entgegenkommen: Kirche,

Ehre, Titel, bestenfalls versandkostenfrei.

– passt.

Die Technische Universität Braunschweig

ist bei der Vergabe der begehrten

Ehrenwürden eigentlich recht

sparsam. Beim ehemaligen Betriebsrats-

47

vorsitzenden von Volkswagen, Klaus

Volkert, der einst wegen Korruption zu

einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde,

leitete die TU ein Verfahren zur Aberkennung

von Volkerts Ehrendoktortitel,

den er dort 2002 erhalten hatte,

ein. Im Fall der gut vernetzten FDP-Frau

Margarita Mathiopoulos ist man jedoch

vorsichtiger. Der Honorarprofessorin

an der TU Braunschweig wurde im April

von der Uni Bonn der Doktortitel aberkannt,

da gut die Hälfte ihrer Doktorarbeit

plagiiert war. Da Mathiopoulos

Rechtsmittel gegen die Entscheidung

eingelegt hat, kann sie ihren Doktortitel

vorerst weiter führen. „Erst wenn

die Rechtskräftigkeit der Aberkennung

gerichtlich festgestellt ist, kann die TU

die Bestellung zur Honorarprofessorin

widerrufen“, erklärt TU-Sprecherin Elisabeth

Hoffmann. Wenn das zuständige

Gericht nun ähnlich

nachlässig ist wie einst

Mathiopoulos’ Doktorvater,

bleibt sie also Doktorin

und Honorarprofessorin

in Braunschweig.

Aber muss es unbedingt

ein Doktortitel

sein? Auch ein Adelstitel

öffnet einem einige

Türen und der Träger

fühlt sich sofort besser.

Online gibt es eine Vielzahl

von Anbietern, um

Graf, Lord oder Freiherr

zu werden. Schon für

knapp 50 Euro lässt sich

dieser Wunsch erfüllen,

ohne sich etwa von

Graf Frederic von Anhalt

für viel Geld adoptieren

zu lassen. Zwar darf der Titel nicht im

Personalausweis geführt werden, weil

Adelstitel in derlei Dokumenten bereits

1919 abgeschafft wurden.

Aber wer möchte sich nicht sein gekauftes

Wappen auf Visitenkarten drucken

und an seine Haustür nageln? Und

wenn es sich um einen schottischen

oder irischen Titel handelt, bekommt

man auch noch ein kleines Grundstück

im jeweiligen Land und eine prunkvolle

Urkunde dazu. #

screenshot: Vroniplag


Karriere

„Ingenieure von morgen

für Probleme von heute“

Unter diesem Motto geht „StudING“, das studentische Ingenieurbüro in Braunschweig seit anderthalb Jahren an’s

Werk. Eigenständig an Land gezogene Projekte werden von einem Team aus 60 Studierenden bearbeitet.

Wie funktioniert das? studi38 war zu Besuch und hat bei den drei Mitarbeitern Stephan Diekmann, Martin Kunst

und Dörthe Gellrich, genauer nachgefragt.

Von Laura Trommer & Christina Zais

Praxiserfahrung ist entscheidend“,

bekommen viele Berufseinsteiger

immer wieder zu hören. Doch die

Realität im Studium ist oft von grauer

Theorie geprägt. Diese Not macht Studierende

erfinderisch. „Vor knapp drei

Jahren kam die Idee auf, dem mangelnden

Praxisbezug im Studium, sowohl

aus technischer als auch aus

betriebswirtschaftlicher Sicht,

zu begegnen“, erklärt Martin

Kunst von StudING. Anfangs

stand eine Vereinsgründung

im Raum. Die Idee haben die

Studierenden jedoch aufgrund

der Haftung wieder verworfen.

Eine „Mini- GmbH“ schien

die bessere Lösung. Allerdings

bedeutete dies, dass sowohl

die Büroräumlichkeiten als

auch das gesamte „Drum Herum“

aus eigenen Projekten finanziert

werden müssen und

jegliche Finanzspritzen der TU

wegfallen. Diese Überlegung

wurde schließlich vor anderthalb

Jahren zur Realität.

„Ursprünglich wollten wir

vor allem mit mittelständischen

Unternehmen zusam-

men arbeiten, da wir hier

einen Fachkräftemangel vermuteten“,

sagt Marketingleiter

Stephan Diekmann.“ Aber natürlich

würden wir auch Angebote von großen

Unternehmen und „Global Playern“

nicht ablehnen.“, ergänzt Dörthe Gellrich

schmunzelnd.

Aktuell besteht die Geschäftsleitung

aus fünf Studierenden, die unter an-

derem für Finanzen, Vertrieb und Marketing

zuständig sind. Es folgen fünf

Kompetenzteamleiter, die sich auf die

Themenbereiche Gebäudemanagement,

Energietechnik, Konstruktion,

Webdesign und technisches Marketing

sowie Antriebe und EMV spezialisieren.

Insgesamt sind es derzeit 60 Studieren-

3 von 60: stephan diekmann,

dörthe gellrich & martin kunst

de, die auf Anfrage an Projekten ihres

Fachgebietes mitwirken. Rund die Hälfte

davon arbeitet aktiv und regelmäßig

in den Teams mit.

„In erster Linie beschäftigen wir uns

mit Prüfungen elektromagnetischer

Verträglichkeit in Kooperation mit dem

48

zuständigen Institut an der TU und mit

der Durchführung von Machbarkeitsstudien

zu Themen aus der Energietechnik

oder der Elektromobilität“, betont

Dörthe Gellrich. Zusätzlich bietet „StudING“

Energieberatungen für Einfamilienhäuser

an. Darüber hinaus beteiligen

sich die angehenden Ingenieure an dem

langfristigen Projekt „Carsharing

System“ in Braunschweig.

Sie helfen dabei, Autos umzurüsten

und mit einer Boardelektronik

auszustatten, um

eine einfache Anmeldung für

die zukünftigen „Carsharing“-

Nutzer zu gewährleisten.

„StudING“ ist als studentische

Initiative geplant, die

laufend von jüngeren Studierenden

weitergetragen wird.

Der Kontakt zu älteren Generationen

soll aber nicht abbrechen,

sondern im Gegenteil

durch Ehemaligentreffen

aufrecht erhalten werden und

auch zum Vorteil beim Berufseinstieg

werden. Zum Beispiel,

wenn ehemalige Studierende

irgendwann in Führungspositionen

sitzen und selbst Mitarbeiter

suchen. Viele Studierende

arbeiten ehrenamtlich im

Büro mit und kümmern sich

beispielsweise um Organisatorisches.

Lediglich bei der Mitwirkung an Projekten

springt der ein oder andere Euro für

das Team heraus. Deshalb betont Martin

Kunst nochmal: „Für uns ist „StudING“

Privat

vor allem ein Erfahrungsgewinn. Das

Geld steht nicht im Vordergrund.“ # Foto:


Lieblings …

Schlussakkord

Ein Blick hinter die Kulissen: Unsere Redakteure verraten euch exklusiv ihre Vorlieben!

Madeleine Ott

Lieblingsalbum:

Name des Albums:

A Hundred Million Suns

Interpret: Snow Patrol

Weil: I‘m not afraid

of anything even time

Wenn ich dieses Album höre, muss ich immer

an ein wunderbares Konzert im Columbia

Fritz Berlin denken.

Lieblingsfilm:

Name des Films: Im Winter ein Jahr

Regie: Caroline Link

Weil: Deutscher Film, schwermütig,

zerbrechlich

Karoline Herfurth spielt federleicht, die Musik

fasziniert und passt.

Lieblingsbuch:

Name: Die Filmerzählerin

Autor: Hernán Rivera Letelier

Weil: in wenigen Stunden

verschlungen

Ein trauriger Film voller unerfüllter Hoffnungen

in meinem Kopf.

… Album? film? buch?

Anna Wandschneider

Lieblingsalbum:

Name des Albums: Poets and Madmen

Interpret: Savatage

Weil: klassische, melodiöse Härte, Metal

hier schon immer gefehlt hat

Klassischer Heavy Metal – ideal im Kampf gegen

tiefergelegte BMWs auf den überfüllten

Straßen Braunschweigs. Einmal headbangen,

bitte.

Lieblingsfilm:

Name des Films: Sunshine

Regie: Danny Boyle

Weil: bildgewaltig, ästhetisch, klassischer

ScienceFiction

Packender ScienceFiction um eine sterbende

Sonne, eingebettet in monumentale Bilder.

Melancholia für Raumschifffans.

Lieblingsbuch:

Name des Buches:

The Sandman Vol. 1-8

Autor: Neil Gaiman

Weil: episch, scharfsinnig,

vielschichtig

Der Leser folgt Mopheus durch die Welt der

Träume und die Realität – bis in die Hölle. Ihr

findet die Comics übrigens auch in der Germanistik

– Bibliothek am Campus Nord.

49

Christina Zais

Lieblingsalbum:

Name des Albums: Mutual Friends

Interpret: BOY

Weil: einfach aber nicht simpel

Statt gebrochenen Herzen und schwermütigen

Lebenskrisen pure Lebenslust und Gelassenheit.

Alle Stücke sind von der Sonne geküsst

und mit Zuckerguss überzogen.

Lieblingsfilm:

Name: Adam

Regisseur: Max Mayer

Weil: ungewöhnlich charmant

Seine Mitmenschen missverstehen? – Alltag

für Autist Adam. Während der Einzelgänger

die Geheimnisse des Universums entdeckt,

schlägt die schöne Beth wie ein Meteorit in

sein Universum ein.

Lieblingsbuch:

Name: Tiere essen

Autor: Jonathan Safran Foer

Weil: humorvoll, persönlich,

aufklärend

Foer zeigt großes Herz für menschliche Schwächen,

lässt sich aber in seinem Plädoyer für

die Möglichkeiten ethischen Handelns nicht

bremsen. Unverzichtbar für jeden, der über

sich und seinen Platz in der Welt nachdenkt.


Es ist Sommer!

Ich fahre gemütlich mit dem Fahrrad

durch die grünen Straßen, lasse mir

den Wind um die Nase wehen und

von überall her kommt dieser vertraute

Geruch nach glühender Kohle gepaart

mit gegrilltem Fleisch und knusprigem

Baguette. Hmm...ja es ist Sommer. Ich

biege in den Park ein und vor mir ergießt

sich ein Meer von grillenden Studierenden,

die fröhlich auf Decken im

Kreis zusammensitzen, neben ihnen

der rauchende Grill auf dem allerhand

verschiedene Speisen knusprig gebrutzelt

werden. Langsam schwimme ich

durch die Massen, um meine Insel zu

finden. Neben den Klassikern, wie: Nackensteak,

Bratwurst und Kartoffelsalat

lassen sich die Studierenden von heute

richtig etwas einfallen. Auf den glühenden

Kohlen findet man auch neue Kreationen:

Gemüsetaschen mit Schafskäse,

Kräuterbutterpilze, Folienfisch. Und das

duftet! Ich habe meine Insel gefunden

und lege meinen Drahtesel vor Anker.

Meine Sandalen lasse ich stehen und

fühle noch kurz bevor ich auf der De-

Schlussakkord

cke Platz nehme, das weiche Gras unter

meinen Füßen. Beim Grillen geht es

aber schon lange nicht mehr nur ums

Essen. Während die Einen sich um das

Feuer kümmern, breiten die Anderen

in der Mitte unserer Runde die mitgebrachten

Speisen aus. Jeder nimmt von

jedem! Der erste Schluck von dem leicht

angewärmten Bier ist in der schwülen

Abendluft dennoch die pure Erfrischung.

Die anderen reden, lachen,

trinken und spielen. Die Sonne geht

langsam unter und färbt den grellen Tag

in ein warmes Abendrot. Die Leichtigkeit

eines Urlaubsgefühls stellt sich bei

mir ein und obwohl Einzelne laut sind,

geht alles im Schaum murmelnder Massen

unter. Die Hitze, die der Grill nun

ausstrahlt, ist so stark, dass Bäume und

Büsche dahinter regelrecht verschwimmen.

Es kann also losgehen. Der Grill

wird so voll gepackt, dass es fasst so

aussieht, als würde er unter der Last zusammenbrechen,

aber auf unser gutes

altes Dreibein ist immer Verlass. Nebenan

hat gerade jemand die Gitarre ausge-

50

und dAs riecht

und schmeckt

und fühlt mAn!

Von Lisa Dauke

packt. Ich strecke meine Beine aus, lege

den Kopf in den Nacken, genieße die

Geräusche und die Musik um mich herum.

Aus meinen Gedanken holt mich

der Ruf nach einem Gruppenfoto. Wir

stapeln uns auf der Decke, bitte lächeln

:o) Ein schöner Moment an den alle

gern zurückdenken. Das Fleisch und die

Würstchen sind jetzt knusprig braun,

nur die Gemüsetasche liegt noch einsam

auf dem Grill. Guten Appetit. Für

mich an diesem Tag, mit meinen Freunden

im Park, das beste Essen der Welt!

Langsam wird es dunkel und aus einem

Meer von Menschen werden einzelne

Lichtpunkte. Immer wieder streift uns

eine frische Brise und langsam kühlt

sich mein ganzer Körper ab. Im Halbdunkel

kann ich die Spielkarten nicht

mehr richtig sehen, was wohl dazu

führt, dass ich verliere. Langsam wird

es leise um unsere Insel. Ich bin einer

der Letzten, die das sinkende Schiff verlassen.

Die Straßenbeleuchtung taucht

meinen Heimweg in ein warmes Licht.

Es ist Sommer! #

Foto: Flickr/plaetzchen


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