ferrum Ausgabe 6-2012 - PfalzMetall

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ferrum Ausgabe 6-2012 - PfalzMetall

ferrum

Ausgabe 6-2012 | seit 1978 | www.ferrum-magazin.de

M+E-Konjunktur

Was bringt

das neue Jahr?

Nachrichten | M+E-Firmen erweitern Kapazitäten

Nahaufnahme | Aus den Unternehmen

Service | Eine Werkstoffprüferin im Porträt


In der Metall- und Elektroindustrie hat sich der

Anteil der Arbeitnehmer in der Altersklasse

„60plus" in den vergangenen Jahren mehr als

verdoppelt. 2011 waren 4,9 Prozent der Mitarbeiter

60 Jahre und älter, 2000 dagegen

nur 2,4 Prozent. Der insgesamt noch niedrige

Grad der Beschäftigung älterer Mitarbeiter ist

das Ergebnis früherer Vorruhestandsprogramme.

Diese vom Gesetzgeber und den Sozialpartnern

getragenen Programme zur Altersteilzeit

hatten in der Vergangenheit das Ziel, älteren

Beschäftigten Wege aus dem Arbeitsmarkt zu

ebnen, um Arbeitsplätze für junge Mitarbeiter

verfügbar zu machen, weil diese damals teil-

220

200

Fotolia /

180

sanders

160

M+E-Beschäftigte 60 Jahre und älter

Gina

M+E-Beschäftigte insgesamt

140

seite: diese

120

84.880

3.528.300

+/- 0 %

100

istockphoto,

3.531.710

80

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

titelseite:

© ferrum-Grafik, Quelle: Bundesagentur für Arbeit, GEsAMtMEtAll

weise schlechte Jobchancen hatten. Fotos:

ferrum 6 - 2012

Demografischer Wandel

M+E-Beschäftigte 60 Jahre und älter:

Mehr als 100 Prozent plus in 11 Jahren

Indexwerte 2000=100

172.900

+ 104 %


Fotos: PfalzMetall, Barbara Redder

Liebe Leserinnen und Leser,

gehört auch bei Ihnen Bleigießen zu sylvester

wie „Dinner-for-one“ schauen und Kracher

um Mitternacht? Dann setzen sie eine

sehr alte tradition fort: schon die Römer

verflüssigten Blei, ließen es anschließend in

kaltem Wasser erstarren und nutzten die so

entstandenen Figuren als Orakel.

schlau wird man aus den Figürchen nicht.

Das tut dem Partyspaß aber keinen Abbruch.

Wer sich hingegen ernsthaft mit den Aussichten für das kommende

Jahr beschäftigt, stellt fest: Auch die Wissenschaftler

tun sich mit 2013 schwer. Ihre Vorhersagen sind an allerlei

Bedingungen geknüpft. Die wichtigste Klausel der Konjunkturexperten

lautet: „… wenn die Eurokrise nicht weiter eskaliert.“

Wie gehen die PfalzMetall-Mitgliedsbetriebe mit dieser Unsicherheit

um? Investieren sie? Wie schaut die Personalplanung aus

und wo rechnen die Firmen mit Wachstum, wo mit schlechteren

Geschäften? Für die titelgeschichte „Was bringt das neue Jahr“

hat die Redaktion PfalzMetall-Unternehmen zu den Aussichten

für 2013 befragt. Den Auftakt auf seite 6 macht ein Überblick

über die Konjunktur in der M+E-Branche.

schon jetzt sei gesagt: Gründe für Zuversicht gibt es reichlich.

Die stimmung in den Unternehmen ist oftmals besser als die

stimmung in den Medien. In diesem sinne: Feiern sie ausgelassen

das neue Jahr! Wenn sie orakeln wollen: Nehmen sie lieber

Zinn statt Blei. Das ist gesünder.

seit 1978 | www.ferrum-magazin.de

impressum

Viel spaß bei der lektüre

und freundliche Grüße

Matthias schmitt

ferrum@pfalzmetall.de

Herausgeber: PfalzMetall, Friedrich-Ebert-straße 11–13, 67433 Neustadt

Internet: www.pfalzmetall.de

Redaktion: Matthias schmitt (verantwortlich), Hindenburgstraße 32, 55118 Mainz,

telefon 0 61 31/55 75 31, Fax 0 61 31/55 75 39, E-Mail: ferrum@pfalzmetall.de

Verlag: Dr. Curt Haefner-Verlag GmbH, Vangerowstraße 14/1, 69115 Heidelberg

Grafik & Layout: Christina saroulidou

Druck: Medienhaus Plump GmbH, Rheinbreitbach

Erscheinungsweise: 6 x jährlich

Bezugspreis: Die Finanzierung erfolgt aus Mitgliedsbeiträgen. Die zur Abwicklung

des Vertriebs erforderlichen Daten werden nach den Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes

verwaltet.

ISSN-Nr.: 0170 -7000

nachrichten

| M+E-Firmen erweitern Kapazitäten 4

| Mehr Beschäftigte in der Elektroindustrie 4

| Deutschland legt bei den Arbeitskosten zu 4

| Fachkräftemangel: schweißer gesucht 5

| top 5 5

titelthema

Die M+E-Konjunktur 2013 6

| Kurzarbeit steigt leicht 7

| Zur sache …

| Das sagen die Unternehmen:

7

| Ergo-Fit 7

| sEt 9

| Mann+Hummel 9

| psb intralogistics 10

| Drahtzug stein 11

nahaufnahme

| John Deere bringt

neue Feldhäcksler auf den Markt 12

| Innovationspreis für KsB 13

| Daimler profitiert von lkw-Nachfrage

aus China und Russland 13

| schülerwettbewerb

„Formel Mausefalle“ 14

service

3

editorial | inhalt

Stiftung PfalzMetall Seite 14

| Ausbildungsberuf Werkstoffprüfer 18

ferrum 6 - 2012


4

nachrichten

Investitionen

M+E-Unternehmen erweitern ihre Kapazitäten

Mit geschätzten 27,3 Milliarden Euro

werden die westdeutschen M+E-

Unternehmen 2012 nicht nur

acht Prozent mehr investieren als

im Vorjahr, sondern auch beinahe

so viel wie im Vorkrisenjahr 2008.

Damals waren es 28 Milliarden Euro.

2009 und 2010 waren die Unternehmen

mit Investitionen von jeweils

weniger als 21 Milliarden Euro

deutlich zurückhaltender (Grafik).

In der Branche herrschte Unsicherheit

über Ausmaß und Dauer der

Krise, sodass viele Betriebe nur

zögernd neue Maschinen und Anlagen

bestellten. Doch die im

vergangenen Jahr begonnene

Erholung der Investitionen scheint

anzudauern. Auch die Automobilindustrie

ist optimistisch: Mit

13 Milliarden Euro stammt fast

jeder zweite M+E-Investitions-Euro

aus dem Etat der Fahrzeugbauer. Es

folgen der Maschinenbau mit sechs

Milliarden und die Elektrotechnik mit

vier Milliarden Euro. Investiert wird

2012 laut ifo-Institut zu 89 Prozent

mit dem Hauptziel, die Kapazitäten

zu erweitern – das ist der höchste

Wert seit vier Jahrzehnten. Nur drei

Prozent der Investitionen verfolgen

überwiegend Rationalisierungsziele,

Elektroindustrie

Mehr Beschäftigte

In den ersten acht Monaten des

Jahres hat die Elektroindustrie ihre

Belegschaften um drei Prozent

verstärkt. Nun aber dürfte der

Beschäftigungsaufbau enden, denn

die Geschäfte gehen schlechter.

Der Umsatz der Elektroindustrie

ging von Januar bis August 2012

um 2,6 Prozent zurück. 2011 war

die Branche noch um stattliche

sieben Prozent gewachsen. Im

Inland sanken die Umsätze

übrigens fast genauso stark wie

im Exportgeschäft.

ferrum 6 - 2012

Für die Zukunft gerüstet

22,34

2003

21,81

2004

19,81

2005

acht Prozent ersetzen alte Maschinen

und Anlagen. Dieser Investitionsmix

war früher anders. Noch

in den 1990er Jahren diente mehr

als ein Drittel der Investitionen der

Rationa lisierung. Nicht einmal die

war für die Kapazitätserweiterung

vorgesehen. Offenbar haben die

M+E-Unternehmen in den vergangenen

beiden Jahrzehnten ihre

Industrielle Arbeitskosten

29,00

2006

Bruttoinvestitionen in Maschinen und Anlagen

in Westdeutschland in Milliarden Euro.

24,43

2007

28,04

2008

20,39

2009

20,76

2010

2011: vorläufig / 2012: geschätzt;

© ferrum-Grafik, Quelle: ifo Institut, Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Hausaufgaben gemacht: Zunächst

optimierten sie ihre Betriebsabläufe.

so wurde die Produktion effizienter,

was wiederum die Nachfrage

anschob. letzteres war dann die

Grundlage für die hohen Erweiterungsinvestitionen

der vergangenen

Jahre. Diese Gelder werden heute

vor allem für Änderungen des Produktionsprogramms

genutzt.

Deutschland legt um 3,5 Prozent zu

25,27

2011

27,30

2012

Die Arbeitsstunde in der deutschen Industrie hat sich 2011 um 3,5 Prozent

verteuert. Die Kosten eines Arbeitnehmers, also der lohn plus

Personalzusatzkosten wie sozialbeiträge, betrugen damit durchschnittlich

35,66 Euro pro stunde. Nur in sechs ländern zahlt das Verarbeitende

Gewerbe mehr für sein Personal. Die skandinavischen länder Norwegen,

schweden und Dänemark rangieren ebenso vor Deutschland wie die

schweiz, Belgien und Frankreich. In ganz anderen Dimensionen

bewegen sich die Arbeitskosten dagegen in aufstrebenden

ländern wie Brasilien und Russland. Chinesische

Industriebetriebe beispielsweise zahlen pro stunde

nur etwas mehr als drei Euro. Die industriellen Arbeitskosten

sind eine wichtige Größe für die Wettbewerbsfähigkeit,

denn vor allem das Verarbeitende Gewerbe ist

dem internationalen Konkurrenzkampf ausgesetzt.

Fotos: istockphoto


Fotos: istockphoto (3), M+E-Mitte, Claudia Bornefeld / Fotolia, Darren Baker / Fotolia, gunnar3000 / Fotolia, 1. FCK

290.588

sozialversicherungspflichtig

Vollzeitbeschäftigte haben

2011 ergänzend Hartz IV bezogen.

Das sind 1,4 Prozent der insgesamt

23 Millionen Vollzeitbeschäftigten.

Meist sind es Arbeitnehmer mit Kindern,

die Hartz IV beziehen. Die Zahl

ist seit 2007 kräftig gesunken. Damals

waren es noch 341.224 Menschen

oder 1,7 Prozent der Vollzeitbeschäftigten.

Das Phänomen der „Working

Poor“, also der trotz Arbeit auf Hartz IV

angewiesenen Menschen, beschränkt

sich im Wesent lichen auf teilzeitkräfte

(240.000) und Minijobber (500.000).

Auch 40.000 Auszubil dende beziehen

zu ihrer Ausbildungsvergütung ergänzend

Hartz IV-leistungen.

M+E-Industrie investiert viel

1. Herstellung von Kraftwagen und

Kraftwagenteilen:

12,5 Mrd. Euro (+19,3 %)

2. Maschinenbau:

5,7 Mrd. Euro (+22,8 %)

3. Chemische Industrie:

4,9 Mrd. Euro (+12,6 %)

4. Herstellung von Datenverarbeitungs-,

elektronischen und optischen

Geräten : 4,2 Mrd. Euro (+46,8 %)

5. Herstellung von Metallerzeugnissen:

3,9 Mrd. Euro (+33,5 %)

Quelle: destatis

Fachkräftemangel

Schweißer gesucht

Die Unternehmen suchen händeringend beruflich qualifizierte Mitarbeiter.

Besonders groß ist der Mangel in den gewerblich-technischen

Qualifikationen. In Berufen wie Dreher, schweißer oder Rohrnetzbauer

herrscht momentan land unter: Es gibt zu wenige Bewerber. Die

übliche Mangel definition von einer offenen stelle und maximal drei

registrierten Arbeitslosen wird in diesen Jobs derzeit nämlich noch

weit unterschritten. Zwar lässt die 1:3-Relation nicht

immer sofort auf einen Engpass schließen – der

aber liegt sehr wohl vor, denn tatsächlich wird

der Bundesagentur für Arbeit nur etwa jede

dritte offene stelle auch gemeldet. Besonders

gravierend: Bei den Elektroinstallateuren und

den Elektromonteuren kamen im Mai 2012

auf 100 gemeldete stellen lediglich 45 Arbeitslose.

Bei Drehern waren es 67, bei Werkzeugmachern

76, bei schweißern und Brennschneidern

92 und bei Maschinenbautechnikern 95. (Quelle: IW)

Industrieunternehmen haben 2011 rund 55 Milliarden Euro in sachanlagen investiert (+17,6 %).

Mit 12,5 Milliarden Euro investierte der Wirtschaftszweig Herstellung von Kraftwagen und

Kraftwagenteilen am meisten (+19,3 %). Auf Platz 2 folgt die M+E-teilbranche Maschinenbau mit

5,7 Milliarden Euro (+22,8 %).

1.

2. 3.

4. 5.

5

nachrichten

Die Gewinnerin der Ausgabe 5/2012 ist Margit Buderus

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QUIZ ein FCK-Trikot!

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6

titelthema

M+E-Konjunktur

Was bringt

das neue Jahr?

Staatsschuldenkrise in Südeuropa, geringe Dynamik

in den Schwellenländern, ungelöste Probleme

bei vielen Banken. Für die Konjunkturforscher

überwiegen derzeit die negativen

Faktoren. Grund zur Panik ist das aber

nicht: Auch 2013 wird die Wirtschaft

voraussichtlich wachsen.

„Wir spüren eine Abkühlung der Konjunktur,

fürchten aber für die Branche insgesamt

keinen eisigen Winter.“ so beschrieb

Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger kürzlich

im Interview mit der „Welt“ die lage in der Metall- und

Elektroindustrie (M+E). Ein Anzeichen für die Abkühlung:

die Auftragseingänge. sie sind im Juli zum zweiten Mal

in Folge gesunken. saisonbereinigt lag das Auftragsvolumen

um 1,2 Prozent unter dem Wert des Vormonats.

Im Vergleich zum Juli 2011 beträgt das Minus sogar

5,4 Prozent. „In den Auftragseingängen spiegeln sich die

Unsicherheit und die Abschwächung der Konjunktur auf

den Weltmärkten wider“, erläutert Michael stahl, Chefvolkswirt

von Gesamtmetall. Während die Aufträge im

Inland im Juli leicht gestiegen sind (+1 %), sind aus dem

Ausland deutlich weniger Order eingegangen (-2,9 %).

Weniger Aufträge bedeutet geringere Auslastung der

Produktion und damit ein geringerer Personalbedarf.

Das zeigt sich auch im Anstieg der Kurzarbeit. Zwar

sind die Zahlen noch weit entfernt vom Krisenniveau des

ersten Quartals 2009. Damals hatten monatlich bis zu

8.000 Betriebe für insgesamt 480.000 Beschäftigte

Kurzarbeit angezeigt. Der jüngste Anstieg bei den Kurzarbeits-Anzeigen

ist aber ein weiteres Anzeichen dafür,

dass der Konjunkturmotor stottert. Nachdem Aufträge

und Produktion bereits seit Mitte beziehungsweise Ende

2011 zurückgehen, deutet sich zum Jahresende 2012

auch die Wende auf dem Arbeitsmarkt an: Die Zahl der

offenen stellen sinkt. Die Arbeitslosigkeit in den M+E-

Berufen steigt. Und die Beschäftigung ist im september

im Vormonatsvergleich zum ersten Mal seit zweieinhalb

Jahren wieder gefallen.

ferrum 6 - 2012

Doch nicht nur in der M+E-Industrie stottert der Motor.

Insgesamt erwarten die deutschen Unternehmen ein

wirtschaftlich schwaches Jahr 2013. Das Institut der

deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat in seiner Herbstumfrage

ermittelt, dass 28 Prozent der Firmen von künftig

schlechteren Geschäften ausgehen; nur noch 24 Prozent

rechnen mit einer höheren Produktion. Doch trotz

der sich abzeichnenden konjunkturellen schwäche durch

die nachlassende Weltwirtschaft geht das IW nicht davon

aus, dass Deutschland in eine Rezession rutscht.

Auch die anderen Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen

mit einem Wirtschaftswachstum für das kommende

Jahr. Die Prognosen liegen dabei zwischen 0,4 Prozent

und 1,6 Prozent.

Kein Wunder, dass Gesamtmetall-Präsident Dulger die

Entwicklung gelassen sieht: „Unsere Industrie ist auf

Konjunkturschwankungen besser vorbereitet denn je und

kann damit umgehen“, sagte er der „Welt“. Die M+E-

Unternehmen hätten sehr wettbewerbsfähige Produkte,

hervorragend eingearbeitete stammbelegschaften und

Flexibilisierungsmöglichkeiten, vor allem über Arbeitszeitkonten,

aber auch Zeitarbeit und Kurzarbeit. „Ich mache

mir daher keine sorgen.“

Foto: sport Moments / Fotolia


Fotos lVU

Kurzarbeit

Tragfähige Brücke

Über das tatsächliche Ausmaß der Kurzarbeit in der M+E-Industrie liegen

der Bundesagentur für Arbeit erst die Zahlen bis Juli 2012 vor

(siehe Grafik). Danach erhielten im sommer 19.100 Mitarbeiter Kurzarbeitergeld.

seitdem aber hat sich die situation zugespitzt. Im Oktober

haben der Arbeitsagentur immerhin 915 Betriebe mit insgesamt

26.100 Beschäftigten signalisiert, dass sie auf Kurzarbeit gehen

wollen. Zusammen mit den septemberzahlen ist das der höchste stand

seit mehr als zwei Jahren.

Diese Zahlen sind zwar noch weit entfernt vom Krisenniveau des ersten

Quartals 2009. Damals hatten monatlich bis zu 8.000 Betriebe

für insgesamt 480.000 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Der jüngste

Anstieg bei den Kurzarbeits-Anzeigen deutet aber eine Wende auf dem

Arbeitsmarkt an:

• Die Zahl der offenen stellen sinkt.

• Die Arbeitslosigkeit in den M+E-Berufen steigt.

• Die Beschäftigung ist im september im Vormonatsvergleich zum ersten

Mal seit zweieinhalb Jahren wieder gefallen.

Deshalb fordern die Arbeitgeber der M+E-Industrie die Bundesregierung

auf, die Krisenregelungen für Kurzarbeitergeld wieder einzuführen, damit

Firmen bei Bedarf schnell auf das Instrument zugreifen können. Dabei

geht es vor allem um die Ausweitung des Kurzarbeitergelds auf bis zu

zwei Jahre, derzeit sind es sechs Monate, und um die Übernahme der

sozialabgaben für die Zeit der Kurzarbeit durch die Bundesagentur für

Arbeit. Diese Regelungen haben sich in der Krise 2008/2009 bewährt.

so konnten die Betriebe damals trotz ausbleibender Aufträge und einem

Produktionseinbruch von mehr als 25 Prozent die Beschäftigung weitgehend

aufrechterhalten und am Ende der Flaute wieder schnell tritt fassen.

Kurzarbeit in der M+E-Industrie

Im Fall von Kurzarbeit zeigen die Unternehmen der Bundesagentur

diese zuerst an. Dann prüft die Bundesagentur diese Anzeigen

und erst daraufhin können die Unternehmen Anträge stellen.

400

300

200

100

Anzeigen über Arbeitsausfälle

478,9

Monatswerte in 1.000

29,1 26,1

0

Oktober

2008 2009 2010 2011

Oktober

2012

800

600

400

200

0

Kurzarbeiter

29,6

956,9

Oktober

2008 2009 2010 2011

19,1

Juli

2012

© ferrum-Grafik, Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Bundesagentur für Arbeit

Zur Sache …

7

titelthema

… Dr. Eduard

Kulenkamp,

PfalzMetall-

Präsident.

Wir können mit Zuversicht ins

neue Jahr starten. Auch 2013

wird die Wirtschaft etwas

wachsen. Die Konjunkturforscher

verbinden ihre Prognose

dabei immer an eine Bedingung:

Voraussetzung sei, dass die

staatschuldenkrise in südeuropa

nicht eskaliere. Ein Zerfall der

Währungsunion hätte für unsere

exportorientierte Branche verheerende

Auswirkungen.

Vor lauter Krisengerede über

schuldenstände wird gerne

übersehen, dass es viele erfreuliche

Entwicklungen in südeuropa

gibt. Beispiel lohnstückkosten:

Diese sind ein wichtiges Maß für

Wettbewerbsfähigkeit, da sie anzeigen,

wie sich die löhne relativ

zur Produktivität der Beschäftigten

entwickelt haben. In vier

von fünf Krisenländern fallen die

lohnstückkosten. Weiteres hoffnungsfrohes

Zeichen: Die hohen

Defizite in den leistungsbilanzen

sind auf ein Drittel geschrumpft,

die Haushaltsdefizite in absoluten

Zahlen sogar um 50 Prozent

und mehr. Gleichzeitig sind die

Exporte gestiegen.

Während aber südeuropa dabei

ist, in mühsamen schritten wieder

wettbewerbsfähig zu werden,

schickt sich Deutschland gerade

an, seine stärke zu verspielen.

Die Politik scheint zu vergessen,

dass es erst die viel gescholtene

Agenda 2010 war, die den Boom

am Arbeitsmarkt ermöglicht hat.

Und auch an der Rente mit 67

wird kräftig gesägt. Dabei trägt

die Verlängerung der lebensarbeitszeit

maßgeblich dazu bei, die

Rente zukunftsfähig zu gestalten.

Es gilt daher: Bedrohlicher für

Wachstum und Beschäftigung

als eine Abkühlung der Weltwirtschaft

oder die Krise in südeuropa

ist die Politik – vor allem vor

einer Bundestagswahl.

ferrum 6 - 2012


8

titelthema

Michael Resch, geschäftsführender Gesellschafter

der Ergo-Fit GmbH & Co. KG

ferrum: Herr Resch, die Konjunkturforscher

schrauben gerade

reihenweise ihre Erwartungen für

2013 herunter. Ergo-Fit auch?

Michael Resch: Nein! Wir rechnen

auch für 2013 mit moderatem

Wachstum. Das erklärt sich mit dem

Markt, den wir beliefern: Unsere Kunden

aus der Gesundheitswirtschaft

wie Ärzte oder Rehakliniken und

auch Fitnessstudios bestellen weitgehend

unabhängig von konjunkturellen

schwankungen. selbst bei den Fitnessstudios

ist es so, dass diese eine

Rezession nur gedämpft spüren. Die

Menschen sparen nicht zuerst an der

Gesundheit und dem Freizeitspaß,

der damit verbunden ist.

Wie wichtig ist der Euroraum für

Ihr Geschäft?

Resch: Rund zwei Drittel des

Umsatzes erwirtschaften wir in

Deutschland, nur ein Drittel im Ausland.

Unsere Zielländer sind dabei

vorwiegend das deutschsprachige

Ausland, die Benelux- und die skandinavischen

staaten. Daher sind wir

von den turbulenzen in südeuropa

kaum betroffen.

Was beeinflusst die Nachfrage

nach Ihren Produkten?

ferrum 6 - 2012

Resch: Wir profitieren mit unseren

Produkten von einem langfristigen

trend. Unser leben wird immer bewegungsärmer,

gleichzeitig nehmen

wir mehr Kalorien zu uns. In der

summe führt dies dazu, dass immer

mehr Menschen an Übergewicht,

Herz-, Kreislauf- und anderen Krankheiten

leiden. Die Nachfrage nach

unseren Kardiogeräten wird also

langfristig hoch bleiben. Die andere

seite der Medaille ist ein großes Bewusstsein

für Fitness und Gesundheit.

Menschen, deren Berufsalltag

bewegungsarm ist, suchen gezielt

nach körperlicher Anstrengung, um

»Die Menschen

sparen nicht zuerst an

der Gesundheit.«

sich etwas Gutes zu tun. Unsere Geräte

decken diesen Bedarf.

Haben Sie neue Produkte in der

Pipeline?

Resch: 2013 werden wir eine sogenannte

stress-Echo-liege an den

Markt bringen. Dieses Diagnosegerät

ermöglicht eine Ultraschalluntersuchung

des Herzens bei gleichzeitiger

körperlicher Anstrengung. Der

liegende Patient kann treten und

so seinen Blutkreislauf in schwung

bringen. Das ist hilfreich, da für eine

Ultraschallmessung eine gewisse

Herz-Kreislaufaktivität nötig ist.

In diesem Jahr investieren die

Unternehmen der Metall- und

Elektroindustrie fast so viel wie

im Vorkrisenjahr 2008. Wie

schaut es bei Ergo-Fit aus?

Resch: Großinvestitionen haben wir

in diesem Jahr nicht getätigt und

auch im kommenden Jahr stehen

diese nicht an. Allerdings rechnen

wir perspektivisch mit dem Bedarf für

eine weitere Produktionshalle. Der

Platz dazu ist vorhanden. Die ersten

Pläne auch schon erstellt. Falls es

das Geschäft zulässt, könnten wir die

Finanzierung und den Bau in wenigen

Monaten stemmen. Das ist der Vorteil

eines mittelständischen, familiengeführten

Unternehmens!

Wie wird sich die Mitarbeiterzahl

entwickeln?

Resch: Unsere Mitarbeiterzahl von

derzeit 106 werden wir voraussichtlich

konstant halten. Mittel- bis langfristig

sehen wir aber gute Chancen,

mehr Mitarbeiter einzustellen. Wir

haben gerade begonnen, in kleiner

stückzahl lED-Außenleuchten zu produzieren.

Mögliche Abnehmer dieser

energiesparenden lampen sind beispielsweise

Kommunen. Das Potenzial

ist groß. Alleine in Pirmasens

gibt es 6.000 sogenannte „öffentliche

lichtpunkte“.

Das wäre ein ganz neues Standbein

für Ergo-Fit …

Resch: Genau! Auch wenn unsere

Produkte konjunkturunabhängig sind,

können wir einen Umsatzeinbruch

nie ausschließen. Ein zweites standbein

würde unser Unternehmen daher

zusätzlich stabilisieren.

Das Unternehmen

Ergo-Fit produziert jährlich rund

6.000 bis 7.000 Kardio- und Kraftgeräte,

die bei Ärzten, Physiotherapeuten,

Reha-Kliniken und Fitnessstudios zum

Einsatz kommen. Gegründet wurde das

Unternehmen 1947 von Willi Resch als

Schuhmaschinenhersteller. Wegen des

Niedergangs der Schuhindustrie suchte

der Sohn des Firmengründers, Hans

Resch, nach neuen Märkten. 1973

brachte das Pirmasenser Unternehmen

seinen ersten, selbst entwickelten

Fahrrad-Ergometer an den Markt. Ergo-

Fit beschäftigt heute 106 Mitarbeiter

und erwirtschaftet einen jährlichen

Umsatz von rund 14 Millionen Euro.

Foto: Ergo-Fit


Fotos: stE, Mann+Humel, Cpro / Fotolia

Volker Neumann, vorsitzender Geschäftsführer

der Siemens Turbomachinery Equipment GmbH

„Wie in der Presse schon zu lesen war, stehen

Siemens in der kommenden Zeit einige Herausforderungen

bevor. Das gleiche gilt für die Siemens

Turbomachinery Equipment GmbH.

Wir haben im letzten Jahr das Klärwerksverdichtergeschäft

aus Dänemark übernommen. Im kommenden

Jahr werden wir intensiv damit beschäftigt sein, die

Prozesse und Abläufe dieser Verdichter weiter zu

optimieren.

Im Mai 2012 haben wir auf der größten Energiefachmesse

in Europa unsere neuentwickelte Dampfturbine

SST-111 vorgestellt. Diese Turbine bildet eine hervorragende

Kombination der flexiblen und zuverlässigen

einstufigen Frankenthaler Turbinen mit der Effizienz

Wie wird 2013?

der klassischen Mehrstufenturbinen.

Die Entwicklungsarbeiten sind noch

nicht ganz abgeschlossen.

In den nächsten Monaten werden

unsere Entwicklung, das Engineering und der Vertrieb

intensiv zusammenarbeiten, um dieses Projekt abzuschließen

und erfolgreich am Markt zu etablieren.

Das sind nur zwei Beispiele für unsere künftigen

Herausforderungen. Wir werden im kommenden Jahr

das tun, das wir in der Vergangenheit bereits hervorragend

gemacht haben – aber ein bisschen besser,

ein bisschen schneller und ein bisschen fokussierter.

Nur dann werden wir weiterhin erfolgreich sein, nur

dann werden wir unsere Kunden mit den richtigen

Antworten zufriedenstellen.“

Steffen Schneider, Geschäftsbereichsleiter Industriefiltration

bei Mann+Hummel

Mann+Hummel blickt

trotz der bestehenden

konjunkturellen Unwägbarkeiten

überwiegend

zuversichtlich in das

Jahr 2013. Abhängig

davon, wie die Herausforderungen

der

Staatsschuldenkrise in

Europa und die „fiskalische

Klippe“ in den USA gemeistert werden, wird für

das Jahr 2013 mit einer gleichbleibenden Nachfrage

bzw. einem leichten Wachstum gerechnet:

„Unsere Hoffnungen auf ein leichtes Wachstum

stützen sich neben der Qualität unserer Produkte

und dem innovativen Produktangebot auf eine starke

regionale Präsenz in Wachstumsmärkten. Der Markt

in China scheint die konjunkturelle Talsohle durch-

9

titelthema

schritten zu haben und befindet sich wieder in einer

vorsichtigen konjunkturellen Aufwärtsbewegung. In

der Eurozone wird unter der Voraussetzung, dass

eine Eindämmung der Staatsschuldenkrise gelingt,

ebenfalls mit einem leichten Wachstum gerechnet.

Leicht positive Signale werden auch durch eine günstige

Tendenz bei den Rohstoffpreisen erwartet.“

Der neue Leiter des Mann+Hummel Geschäftsbereichs

Industriefiltration, Steffen Schneider,

prognostiziert auch für die Sparte Industriefiltration,

mit Hauptsitz in Speyer, ein moderates Wachstum

im Jahr 2013: „Zu unserer Konzernstrategie gehört

der überproportionale Ausbau der Industriefiltration.

In einem schwierigen Marktumfeld werden wir mit

den Teams in Speyer und in aller Welt daran arbeiten,

den eingeschlagenen Wachstumspfad weiter zu

verfolgen.“

ferrum 6 - 2012


10

titelthema

Sorgenkind Südeuropa

Drahtzug Stein rechnet im kommenden Jahr mit stabilen Geschäften.

Langweilig wird 2013 indes nicht: Rückgänge in Südeuropa kann

das Unternehmen durch Wachstum in China, Polen und den USA

ausgleichen. Deutschland bleibt dabei Stabilitätsanker.

Go far east! Diesem Motto ist Drahtzug

stein gefolgt und hat kürzlich

eine Vertriebsgesellschaft in schanghai

eröffnet. Das Unternehmen mit

Hauptsitz in Altleiningen will damit

vom rasanten Wachstum der chinesischen

Wirtschaft profitieren. Die

jüngste tochter im Konzern verkauft

ausschließlich Produkte aus dem

Geschäftsbereich schweißtechnik.

Dazu zählen schweißdrähte, die im

Pipeline-, schiffs- und Offshore-Windkraftanlagenbau

zum Einsatz kommen.

„Unser Geschäft mit Produkten

für die schweißtechnik wird 2013

vermutlich wachsen“, sagt Peter

staab. Der Geschäftsführer setzt

dabei nicht nur auf weit entlegene

Märkte wie China. Auch in Deutschland

verspricht er sich gute Geschäfte

– dem Ausbau der Windkraft in

Nord- und Ostsee sei Dank.

Gegenwind verspürt staab indes

beim zweiten standbein seines Unternehmens.

Drahtzug stein ist Zulieferer

für Haushaltsgerätehersteller.

Wichtigstes Produkt in diesem

segment sind spülmaschinenkörbe.

Die Marktsättigung in Deutschland

beziffert staab auf 70 Prozent. Doch

es ist nicht der deutsche Markt, der

dem Manager Bauchschmerzen bereitet.

„In spanien und Italien, aber

auch in Frankreich, spüren wir die

Zurückhaltung der Konsumenten“,

sagt staab. Verwunderlich sei dies

ferrum 6 - 2012

Wie wird 2013?

nicht bei Rekordarbeitslosenzahlen

von mehr als 25 Prozent in spanien.

Auch das abermals verschlechterte

Rating Frankreichs werde die

Verbraucher weiter verunsichern.

Besser liefen die Geschäfte in Polen.

Auch hier ist Drahtzug stein

mit eigener Produktion vertreten.

In summe rechnet staab mit gleichbleibendem

Absatz in der sparte

Haushaltsgeräte. „Die Rückgänge in

einigen europäischen ländern können

wir ausgleichen durch unsere

normale Auslastung in Deutschland

und der guten Auslastung in Polen

und den UsA.“

»Unser Geschäft mit

Produkten für die

Schweißtechnik wird

vermutlich wachsen.«

Das Geschäft in Polen würde staab

noch mehr Freude machen, wenn

auch der östliche Nachbar Deutschlands

zur Gruppe der Eurostaaten

zählen würde. „Der schwankende

Wechselkurs des Zloty erschwert

die Planung“, kritisiert der Geschäftsführer.

Ein Auseinanderbrechen

der Eurozone und die Wiedereinführung

vieler verschiedener

Währungen wäre für staab daher

eine Katastrophe. „Auch wenn die

Krisenländer ihre neuen Währungen

dann abwerten könnten und unsere

Peter Staab, Geschäftsführer bei Drahtzug Stein

standorte dort so auf einen schlag

wettbewerbsfähiger würden, wäre

nicht abzusehen, was das für Verwerfungen

zur Folge hätte.“

Doch solch ein Krisenszenario hält

staab derzeit nicht für wahrscheinlich.

Mehr Aufmerksamkeit verwendet

er darauf, die schwankenden

Rohstoffpreise und die steigenden

Energiepreise zu managen. „In der

schweißtechnik haben wir für beides

Mechanismen zur Preisanpassung.

In der Haushaltssparte gilt dies nur

für die Rohstoffkosten“, sagt der Geschäftsführer.

Das heißt: Die durch

die erneut höhere EEG-Umlage zu

Jahresanfang 2013 steigenden

stromkosten kann Drahtzug stein

nicht an die Kunden weitergeben.

Die Produktion auf andere europäische

standorte zu verlagern, komme

gleichwohl nicht in Frage. „Die logistikkosten

spielen eine große Rolle, daher

ist die Nähe zu unseren Kunden

sehr wichtig“, sagt staab. Für die 550

Beschäftigen in Deutschland sind das

gute Nachrichten. Deren Zahl werde

2013 konstant bleiben – und das gelte

in summe für den gesamten Konzern

mit seinen 1.440 Mitarbeitern.

Fotos: Drahtzug stein, Cpro / Fotolia


Foto: psb intralogistics

Volker Welsch, Leiter Vertrieb und Mitglied der Geschäftsleitung

von psb intralogistics GmbH

ferrum: Herr Welsch, kürzlich hat

psb seinen 125. Geburtstag gefeiert.

Mit Blick auf das kommende

Jahr: Hält die Feierlaune an?

Volker Welsch: Feierlaune ist nicht

das richtige Wort. Allerdings sind wir

optimistisch, was die Entwicklung in

den kommenden zwei Jahren angeht.

psb ist gut aufgestellt und aufgrund

der langen Projektvorlaufzeiten wissen

wir, dass die Nachfrage nach

unseren Intralogistik-lösungen hoch

bleibt. Auch der aktuelle Auftragsbestand

ist gut. Man muss wissen,

dass vom Auftragseingang bis zur

Inbetriebnahme selbst bei kleinen Anlagen

rund neun Monate vergehen,

bei großen Aufträgen können es auch

eineinhalb Jahre werden.

Von den aktuellen wirtschaftlichen

Turbulenzen spüren Sie nichts?

Welsch: Uns spielt in die Karten,

dass E- und M-Commerce weiter

wachsen. Das sorgt für eine konstant

gute Nachfrage nach unseren

Intralogistik-lösungen, die beispielsweise

in den Verteilzentren der Internethändler

zum Einsatz kommen.

Und die Kunden werden immer

anspruchsvoller: Wer heute über

sein smartphone bestellt, will morgen

seine Waren zu Hause haben.

Dafür benötigen die Firmen gute

Intralogistik-Konzepte. Genau darin

sind wir stark.

Den Konjunkturforschern bereiten

vor allem die ungelösten Probleme

in einigen Euroländern Kopfzerbrechen.

Leiden Sie nicht unter der

Investitionszurückhaltung in den

südeuropäischen Ländern?

Welsch: Die Besonderheit von psb

ist die sehr breite Produktpalette,

die Nachfrage aus sehr verschiedenen

Branchen und die Präsenz in

mehr als 30 ländern. Das erlaubt

»Wir denken in

Generationen, nicht in

Quartalen.«

uns, Nachfrageausfälle in dem einen

oder anderen Markt gut auszugleichen.

Diesen Effekt haben wir

bereits in der vergangenen Krise

gemerkt, in der wir unseren Personalstand

halten konnten. Zudem

gilt das eben Gesagte: In der Distributionslogistik

spüren wir kaum

Konjunktureinflüsse. Die Bereiche

Handel, Food, Pharma oder textil

sind ziemlich robust. Anders in der

Produktionslogistik. Hier spüren wir

wirtschaftliche Flauten schneller, da

die Unternehmen ihre Investitionen

aufschieben.

Wie wichtig sind Länder außerhalb

der Eurozone für psb?

Welsch: Immer wichtiger! Wir sind

seit einigen Jahren strategisch in

den UsA und in vielen osteuropäischen

ländern unterwegs. Dort

steigt mit wachsendem lohn- und

Gehaltsniveau die Möglichkeit, unsere

Automatisierungslösungen für

die Intralogistik zu verkaufen. Das

ist zwar noch ein zartes Pflänzchen,

aber es wächst kontinuierlich.

Russland, Brasilien, Indien und

China gelten als weltweite Wachstumstreiber.

Auch für psb?

Welsch: Wir beobachten diese

länder sehr genau. Ein konkreter

schritt in eine Region bedeutet für

psb allerdings mehr, als nur eine

Anlage zu liefern. Wichtiger Bestandteil

der psb strategie ist auch,

die Zufriedenheit im After-sales zu

gewährleisten: service, Wartung

sowie Reparatur müssen vor Ort definiert

und auf dem Qualitätsniveau

von psb vorhanden sein. Zudem sind

wir schon oft europäischen stammkunden

in diese länder gefolgt.

Wie sieht Ihre Investitionsplanung

für das neue Jahr aus?

Welsch: Wir haben auch in den Krisenjahren

kontinuierlich investiert.

Dies spiegelt auch unser Gedanke

wider: „Wir denken in Generationen,

nicht in Quartalen.“ Größter

Brocken 2012 war eine neue Produktionshalle.

Im kommenden Jahr

steht dort die Einrichtung des neuen

Blechverarbeitungszentrums auf

dem Programm. Zudem planen wir

eine neue lackieranlage.

Wie wird sich die Mitarbeiterzahl

entwickeln?

Welsch: Unsere Mitarbeiterzahl

wächst organisch. starre Zielvorgaben

kennen wir nicht. Mit einem

leichten Anstieg ist zu rechnen –

Personal abbauen wollen wir definitiv

nicht. Das verbietet sich schon

aufgrund unserer hohen Fertigungstiefe.

Das Unternehmen

11

titelthema

psb plant, konstruiert, baut und wartet

intralogistische Lösungen für den Materialfluss

und die Lagerhaltung. Diese

Systeme sorgen dafür, dass in Produktionsbetrieben

oder in Logistikzentren

alles zur richtigen Zeit an der richtigen

Stelle ist – vollautomatisch.

ferrum 6 - 2012


12

nahaufnahme

John Deere

Neue Feldhäcksler

John Deere bringt neue selbstfahrende

Feldhäcksler an den Markt. Produziert werden

die High-Tech-Landmaschinen in Zweibrücken.

Zweibrücken. Die innovative Körneraufbereitung

ist eines der Hauptmerkmale

der neuen selbstfahrenden

John Deere Feldhäcksler der

Baureihe 7080, die ab sofort verfügbar

sind. Insgesamt sieben Modelle

von 380 Ps bis 812 Ps leistung umfasst

diese Feldhäcksler-Reihe, wobei

ein Modell mit 440 Ps leistung

neu in das Programm aufgenommen

wurde. Produziert werden die landmaschinen

am standort Zweibrücken

und gehen von der Westpfalz

aus in die ganze Welt.

landwirte nutzen Feldhäcksler vor

allem, um tierfutter und substrate

für Biogasanlagen zu

ernten: Einsatzgebiete

sind so beispielsweise

die Heuernte im sommer

oder die Ernte von

silomais im Herbst.

laut John Deere sorge

der neue Kernelstar

scheibenprozessor für

erhebliche Produktivitätssteigerungen

in der

Futterernte sowie bei

ferrum 6 - 2012

der Gewinnung von substrat für Biogasanlagen.

Im Gegensatz zu konventionellen

scheibenprozessoren oder

solchen mit zylindrischen Walzen

arbeitet Kernelstar mit konvex beziehungsweise

konkav geformten

scheiben. Dadurch werden die Körner

nicht nur intensiver zerrieben,

auch der Materialfluss wird deutlich

verbessert. Bei gleichem Durchsatz

verbraucht das neue Aufbereitungssystem

deutlich weniger Energie.

Zudem verfügt das Kernelstar-system

dank der ineinander greifenden

scheiben über eine nahezu 3-mal so

große Arbeitsbreite wie herkömm-

Neuordnung des Deutschland-Geschäfts

Durch die Schaffung einer eigenständigen Landes gesellschaft,

in der die bisher unselbst ständigen Zweigniederlassungen der Muttergesellschaft

Deere & Company aufgehen, hat John Deere seine

Aktivitäten in Deutschland zum 1. November neu geordnet. Die neue

John Deere GmbH & Co. KG mit Sitz in Mannheim umfasst Fabriken

an den Standorten Mannheim, Bruchsal und Zweibrücken, das europäische

Ersatzteilzentrum und die deutsche John Deere Vertriebs-

und Marketingorganisation in Bruchsal, zwei Zweigniederlassungen

für Forschung und Entwicklung in Kaiserslautern sowie Einheiten der

liche Aufbereitungssysteme. Damit

erfolgt selbst bei wechselnden Erntebedingungen

eine deutlich bessere

Aufbereitung der Körner mit

sichtbar besseren Ergebnissen bei

der Futter ernte und einem deutlich

geringeren Anteil an Überlängen.

Zusätzlich sind die neuen John

Deere Feldhäcksler als i-serie

mit intelligenter technik für den

Einsatz in der Präzisionslandwirtschaft

ausgerüstet. Dazu gehören

der Harvestlab-sensor zur

Bestimmung von trockenmasse und

Inhaltsstoffen, ein Greenstar 2630

Display, die Dokumentations-softwarepakete

Harvest

Monitor und Harvest

Doc, die automatische

schni t t längen -Rege -

lung AutolOC und ein

starFire 3000 DGPs-

Empfänger mit sF2-

Genauigkeit. Das emöglicht

den landwirten

ihre Ertragskartierung

auf plus/minus fünf

Zentimeter genau zu

bestimmen.

europäischen Bereichsleitung in Mannheim. Foto: John Deere


Foto: Daimler

KsB

Innovationspreis für energiesparenden Motor

Ausgezeichnet (v.l.n.r.): Joe Weingarten, Abteilungsleiter im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium,

bei der Verleihung des Innovationspreises an die KSB-Vertreter Jochen Schaab (Projektleiter

Supreme-Motor), Christian Haag (Projektleiter), Anita Raunser (Marketing), Vorstandsmitglied

Dieter-Heinz Hellmann, Michael Könen (Forschung), Joachim Fetz (Bereich „Automation & Antriebe“)

und Daniel Gontermann (Leiter „Hocheffizienz-Antriebe“). Foto: KsB

Frankenthal/Trier. KsB hat für

seinen magnetfreien synchron-Reluktanzmotor

„suPremE“ den „Innovationspreis

2012 Rheinland-Pfalz“

Daimler

in der Kategorie „sonderpreis der

Wirtschaftsministerin“ für nachhaltige

Werkstoffe und Materialeffizienz

erhalten. Der Abteilungsleiter

Geschäfte in China und Russland laufen rund

Wörth. Das Mercedes-Benz Werk

Wörth profitiert von der starken

lkw-Nachfrage aus China, Russland

und saudi-Arabien. Die höheren

Absätze in diesen ländern kompensieren

die Absatzeinbrüche in den

südeuropäischen Märkten wie spanien

oder Italien. Das hat die „Rheinpfalz“

berichtet. Die lage sei zwar

weiter unsicher, aber die Nachfrage

nach den lastwagen der weltweit

größten lkw-Fabrik habe sich zuletzt

stabilisiert, sagte standort-Chef

Yaris Pürsün der tageszeitung Mitte

November. seien vor zehn Jahren

lediglich ein paar Hundert lastwagen

pro Jahr aus Wörth nach China

geliefert worden, so seien es inzwi-

schen rund 6.000, sagte Pürsün.

China ist damit schon der viertgrößte

Absatzmarkt des zweitgrößten

industriellen Arbeitgebers der Pfalz

mit derzeit 12.350 Beschäftigten.

Auf Platz eins liege unangefochtenDeutschland,

wo 30.000 der

jährlich knapp 100.000

in Wörth hergestellten

lkw verkauft werden, so

die tageszeitung. In den

ersten neun Monaten

des laufenden Jahres

stieg der Marktanteil

von Mercedes-Benzlkw

in Deutschland um

zwei Prozentpunkte auf

13

nahaufnahme

im Wirtschaftsministerium, Joe

Weingarten, überreichte die Auszeichnung

an technologievorstand

Prof. Dieter-Heinz Hellmann in trier.

Das Ministerium lobte den neuartigen

Elektromotor, der 15 Prozent

weniger Energie als herkömmliche

Antriebe verbraucht. Er entspricht

damit heute schon den Anforderungen

einer internationalen Energieeffizienz-Norm,

die erst in einigen

Jahren gültig wird. Darüber hinaus

benötigt der „suPremE“-Motor keine

Magnetwerkstoffe, wie etwa seltene

Erden. Diese sind als kritische

Rohstoffe eingestuft, deren Gewinnung

große Umweltbelastungen

verursacht.

Mit dem Innovationspreis hat das

land Rheinland-Pfalz KsB damit zum

zweiten Mal geehrt. Bereits 2010

wurde die Überwachungseinheit

„PumpMeter“ in der Kategorie „sonderpreis

Industrie“ ausgezeichnet.

39 Prozent. Zweitwichtigster Markt

ist mit 15.000 Einheiten die türkei.

Dort ist Daimler mit einem schwesterwerk

von Wörth in Aksaray mit

1.600 Beschäftigten vertreten.

ferrum 6 - 2012


14

nahaufnahme

stiftung PfalzMetall

Die schnellste Maus

von Frankenthal

Die Stiftung PfalzMetall hat erstmals den Wettbewerb „Formel Mausefalle“ ausgetragen. Pfälzer Schüler

waren aufgerufen, ein Rennfahrzeug zu konstruieren. Als Energiequelle stand ihnen lediglich eine Mausefalle

zur Verfügung. Das Siegerfahrzeug aus Frankenthal kam damit 18,60 Meter weit.

Neustadt an der Weinstraße/

Kaiserslautern. Das schülerteam

„speedy Gonzales“ des Karolinen-

Gymnasiums in Frankenthal hat

den Mitte November erstmals

ausgetragenen Wettbewerb „For-

ferrum 6 - 2012

mel Mausefalle“ gewonnen. Damit

verbunden ist ein Preisgeld von

500 Euro. Das team „AgoW“ vom

Pamina-schulzentrum in Herxheim

hat den zweiten Platz (300 Euro),

„turbo FsI“ vom leininger-Gymnasi-

um in Grünstadt den dritten Platz

(200 Euro) belegt. Zusätzlich ging

ein Preis in der Kategorie Design

an das team „strudiGorres“ von der

Konrad-Adenauer-Realschule plus in

landau. Angetreten zu dem Wett


Fotos: Msc

Elf Schülerteams aus Pfälzischen Schulen konkurrierten bei „Formel Mausefall“. Ein Sonderpreis in

der Kategorie Design ging dabei an ein Rennfahrzeug (Mitte und rechte Seite), dessen Räder aus

Schallplatten bestanden und das Auftrieb durch Luftballons erhielt. Fotos: Barbara Redder

kampf am Hohenstaufen-Gymnasium

in Kaisers lautern waren teams

aus elf pfälzischen schulen.

Die Aufgabe der schüler aus den

9. und 10. Klassen lautete: ein

Rennfahrzeug zu konstruieren, das

stiftung PfalzMetall

Landau . Die stiftung

PfalzMetall unterstützt

mit 13.500 Euro die

„Nawi-Werkstatt“ an

der Universität Koblenz-landau

(Bild links:

Werner simon (links),

Hauptgeschäftsführer

von PfalzMetall, bei der

scheckübergabe mit

Professor Björn Risch

und Doktorantin lisa sauer). schülern bietet die Werkstatt

Gelegenheit, naturwissenschaftliche Experimente

selbstständig durchzuführen. Die Gruppengröße liegt bei

maximal 16 teilnehmern. Die schüler aus einem Umkreis

von 40 Kilometern um landau herum lernen in Einheiten

von maximal acht Wochen mit je zwei stunden.

Doch schüler sind nur eine Zielgruppe der Nawi-Werkstatt.

Genauso wichtig sind die lehramtsstudierenden

von der Energie einer Mausefalle

angetrieben wird. Die Mausefallen

wurden den teams vom Veranstalter,

der stiftung PfalzMetall, gestellt.

„,Formel M‘ verbindet technik

und Konstruktion mit Fantasie

und Kreativität“, sagte stiftungs-

15

nahaufnahme

Geschäftsführer Felix Mayer bei

der Veranstaltung. Der Wettbewerb

sei daher sehr gut geeignet,

Begeisterung für die sogenannten

MINt-Fächer zu schaffen. MINt

steht für Mathematik, Informatik,

Naturwissenschaften und technik.

Die schülergruppen hatten insgesamt

neun Wochen Vorbereitungszeit.

Bei der Umsetzung des

Mausefalle-betriebenen Fahrzeugs

verfolgten die teams verschiedene

lösungsansätze. so kam das siegerfahrzeug

16,8 Meter weit, das

zweitplatzierte 14,72 Meter und

das drittplatzierte 14,37 Meter.

Freigegeben zum start wurden die

Fahrzeuge von einer technischen

Kommission, die aus Vertretern

der Firmen siemens, Johnson Controls,

Opel und KsB bestanden.

Während des Rennens unterstützten

die Auszubildenden dieser Unternehmen

den Rennablauf. Um

die Verpflegung kümmerte sich

der kommende Abiturjahrgang des

Hohenstaufen-Gymnasiums.

Spende für Nawi-Werkstatt / Schüler und Studenten profitieren

der Universität landau. Diese sind bei den Veranstaltungen

dabei und gestalten einzelne stunden selbst.

Durch die Einbeziehung neuer Medien wie smartboards

werden die künftigen lehrer auf das Fach „Naturwissenschaften“

in Klasse 5 und 6 vorbereitet. Weiteres

Ziel der Verantwortlichen um Professor Risch: Die gesammelten

theoretischen und praktischen Erkenntnisse

fließen in die pädagogische Forschung ein.

ferrum 6 - 2012


16

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General Dynamics European land systems–Germany

„Erfolgsgeschichte geschrieben“

Zehn Jahre liegt die Akquisition der

Firma Eisenwerke Kaiserslautern

(EWK) durch General Dynamics

zurück. Das Jubiläum nutzten

Geschäftsführung und Belegschaft,

um zurückzublicken.

Kaiserslautern. Die Geschichte der

Firma General Dynamics European

land systems–Germany (GDEls–

Germany) geht zurück bis ins Jahr

1864, als die Firma Eisenwerke Kaiserslautern

(EWK) gegründet wurde.

Im Jahr 2002 wurde das traditionsunternehmen

EWK durch General

Dynamics übernommen und firmiert

seither unter neuem Namen.

seit der Zugehörigkeit zum General

Dynamics-Konzern ist das Unternehmen

stark gewachsen. „Die letzten

zehn Jahre sind eine Erfolgsgeschichte“,

so Geschäftsführer Robert Kauth

in seiner Jubiläumsansprache. Zu

der Feier in der historischen Fruchthalle

in Kaiserslautern waren neben

der Belegschaft zusammen mit ihren

Partnerinnen und Partnern auch

Vertreter aus Politik, Wirtschaft und

Verwaltung gekommen.

Kauth führte in seiner Ansprache

aus, dass GDEls–Germany zu den

ferrum 6 - 2012

größten Arbeitgebern in Kaiserslautern

gehöre. „Und nicht zu vergessen:

zu den kräftigen Zahlern von

Gewerbesteuer und Körperschaftssteuer.“

Zu den stärken des Unternehmens

zähle insbesondere das spezielle

Know-How in der Aluminiumschweißtechnik

und der gute Ruf

der Firma auf dem Weltmarkt: Mehr

als 90 Prozent der Produkte von

GDEls –Germany gehen zu Kunden

auf fast allen Kontinenten. „Bei den

Kundenbeziehungen nehmen Qualität

und liefertreue einen hohen stellenwert

ein“, so Kauth. Der Geschäftsführer

nutzte den Abend, um seinen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

für ihr tägliches Engagement und

ihre teils jahrzehntelange Verbundenheit

zum Unternehmen zu danken.

Der Konzern

Rund 700 Gäste feierten das zehnjährige Jubiläum von GDELS–Germany.

Die Festansprache hielt Geschäftsführer Robert Kauth. Fotos: GDEls–Germany

Bundestagsabgeordneter Gustav

Herzog ermutigte in seiner Rede

dazu, den Weg im Geschäftsfeld der

Wehrtechnik weiter voranzugehen.

Für den Einsatz der deutschen soldaten

in Krisengebieten wie Afghanistan

sei es wortwörtlich lebenswichtig,

qualitativ hochwertige und sichere

Ausrüstung zu haben. Der Eagle, ein

Aufklärungs- und Beobachtungsfahrzeug

von GDEls, erfülle diese hohen

sicherheitsanforderungen.

Oberbürgermeister Dr. Klaus Weichel

betonte insbesondere die Bedeutung

von GDEls–Germany in der

Firmenlandschaft der stadt; ausdrücklich

dankte er dem Geschäftsführer

Robert Kauth für dessen

Engagement, den standort Kaiserslautern

zu etablieren und langfristig

zu sichern.

General Dynamics European Land Systems (GDELS) mit Hauptsitz

im spanischen Madrid ist ein Unternehmen der General Dynamics Corporation, das

europaweit mit Standorten in Deutschland, Österreich, Spanien und der Schweiz

vertreten ist. Mit über 3.250 Mitarbeitern entwickeln, produzieren und liefern GDELS–

Firmen landgestützte Kampfsysteme, darunter Radfahrzeuge, Kettenfahrzeuge und

amphibische Fahrzeuge sowie mobile, militärische Brückensysteme für Kunden weltweit.


Foto: istockphoto

tresor- und Panzerschrankbau

Panzer gegen Knacker

Die deutsche Metall- und Elektroindustrie zählt nicht nur im Automobil- und Maschinenbau

zur Weltspitze. Auch in Nischen gibt es leistungsstarke Produzenten – zum Beispiel Betriebe,

die hochwertige Tresore fertigen.

Mehrschichtige schrankwände aus

hochfesten Metalllegierungen und

hitzebeständigem spezialbeton halten

nicht nur Einbrecher fern, sie

schützen Bargeld, schmuckstücke

und wichtige Unterlagen auch vor

Bränden.

Doch um solche Hightech-tresore

zu bauen, braucht es spezialfirmen

– und die sind rar. laut statistischem

Bundesamt gibt es in

Deutschland gerade einmal drei

hochspezialisierte tresorhersteller,

die mehr als 50 Mitarbeiter haben.

Im Jahr 2010 erzielten diese Betriebe

mit ihren heute insgesamt

312 Beschäftigten (erstes Quartal

2012) einen Umsatz von 34 Millionen

Euro.

Die Unternehmen produzieren vor

allem größere Wertschutzschränke

in den höheren der neun sicherheitsklassen.

Zu den Kunden der

tresorhersteller zählen daher insbesondere

gewerbliche Firmen und

Banken. Diese haben gute Gründe,

in hochwertige sicherheitstechnik

zu investieren – denn trotz eines

rückläufigen trends gab es in

Deutschland im vergangenen Jahr

immer noch fast 148.000 Diebstahldelikte

in Büro-, Dienst- und

lagerräumen.

Auch im Ausland können die deutschen

tresorhersteller offenbar

punkten. Denn die Exporte von Panzerschränken

erreichten im Jahr

2011 mit gut 34 Millionen Euro ein

ähnliches Niveau wie der – in der

amtlichen statistik allerdings etwas

anders abgegrenzte – Umsatz des

Jahres 2010.

Importiert wurden sogar tresore im

Wert von rund 65 Millionen Euro.

Hierbei dürfte es sich allerdings

überwiegend um Produkte aus niedrigeren

sicherheitskategorien handeln.

Diese schränke werden vor

allem von Privatleuten gekauft, die

ihre Wertsachen sicher unterbringen

wollen.

Viele Gründe für Tresore

Insgesamt

Diebstähle in Dienst-, Büro- und Lagerräume

Wohnungseinbrüche

316.062

186.007

130.055

2002 2003

leider passt nicht alles in einen

tresor, was lieb und teuer ist: Weil

die Zahl der Wohnungseinbrüche

zuletzt auf nahezu 133.000 angestiegen

ist, investieren viele Haus-

und Wohnungsbesitzer zusätzlich in

sicherheitstechnik für ihre Fenster

und türen – dafür sind jedoch andere

M+E-Branchen zuständig.

280.531

147.936

132.595

2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

17

nahaufnahme

© ferrum-Grafik, Quelle: Bundeskriminalamt, Institut der deutschen Wirtschaft Köln

ferrum 6 - 2012


ferrum-Serie:

Lanzer untersucht im Prüflabor

von Johnson Controls ein

Zahnkranz aus Stahl. Foto: Msc

M+E-BerufeJula

Werkstoffprüferin Jula lanzer

Akribische Analyse

Die angehende Werkstoffprüferin Jula Lanzer arbeitet im Labor des Automobilzulieferers Johnson

Controls (ehemals Keiper) im Werk Rockenhausen. Dort prüft und dokumentiert sie Qualität und

Beschaffenheit des Rohmaterials und der fertigen Produkte.

Die Maschine vibriert leicht und

gibt ein tiefes Brummen von sich.

Wenige sekunden später gibt es einen

dumpfen Knall, dann reißt das

0,5 Zentimeter dicke stahlblech, an

dessen beiden Enden die Maschine

gezogen hat. „so ermitteln wir die

streckgrenze und die Zugfestigkeit“

erläutert Jula lanzer. Beides sind

wichtige Merkmale, um die Qualität

eines Werkstoffs zu bestimmen.

Die Zugfestigkeit gibt an, bis zu

welchem Punkt ein Metall dehnbar

ist, bis es zum Bruch kommt. Die

streckgrenze ist ein Maß dafür, wel-

ferrum 6 - 2012

che Kräfte ein Metall aushält, bis es

beginnt, sich zu verformen.

Für Jula lanzer gehören fachsprachliche

Ausdrücke wie „streckgrenze“

oder „Zugfestigkeit“ zum Alltag.

Vor drei Jahren hat die junge Frau

bei Keiper Recaro, nach dem Kauf

durch Johnson Controls firmiert das

Unternehmen unter neuem Namen,

ihre Ausbildung zur Werkstoffprüferin

gestartet. seither untersucht

sie, ob der wichtigste Werkstoff

des Automobilzulieferers, stahl, den

hohen Ansprüchen genügt. Neben

der Analyse nimmt auch die Dokumentation

der testergebnisse einen

breiten Raum ein (siehe Kasten „Das

Berufsbild“).

Weitere wichtige Kriterien beim Prüfen

sind neben der streckgrenze und

der Zugfestigkeit die Materialzusammensetzung

und die Härte. Um letztere

zu erreichen, erwärmt Johnson

Controls die produzierten Zahnräder

und Zahnkränze auf rund 900 Grad

Celsius. Das dauert je nach Dicke bis

zu 120 Minuten. Anschließend werden

die Produkte in Öl abgeschreckt.


Um die Härte zu bestimmen, nutzt

Jula lanzer spezielle Härteprüfgeräte.

Diese arbeiten unabhängig vom

Verfahren alle nach dem gleichen

Prinzip: sie messen den Widerstand,

den der Werkstoff dem Prüfkörper

entgegensetzt. Um zu demonstrieren,

wie das funktioniert, legt Jula

lanzer ein stück stahlblech in ein

Messgerät, das nach dem sogenannte

Vickersverfahren funktioniert. Eine

Diamantspitze bohrt sich dabei für

zehn sekunden in die Probe. Je weicher

das Metall, desto tiefer kann

die spitze eindringen. Und desto größer

ist der Abdruck, den die spitze

im Werkstoff hinterlässt. Die Größe

des Abdrucks wird anschließend in

eine genormte Maßzahl übersetzt.

»Vor allem das

Mikroskopieren ist

faszinierend.«

Um die struktur des stahles zu deuten,

nutzt die 18-Jährige auch Mikroskope.

„Vor dem Mikroskopieren

schneide ich den stahl auseinander

und ätze die schnittstelle dann mit

säure an. An der Verfärbung und

der Form der sogenannten Körner

kann ich anschließend das Gefüge

analysieren. so erkenne ich beispielsweise,

ob das teil wärmebehandelt

wurde und teilweise sogar, welche

Bestandteile in meinem Werkstoff

vorhanden sind“, erklärt die angehende

Werkstoffprüferin.

Der Grund für die akribische Kontrolle

sowohl des zugelieferten Rohstahls

als auch der fertigen Produkte ist

einfach: „Die teile müssen halten!“,

bringt es Jula lanzer auf den Punkt.

Die „teile“ – das sind Einstellmechanismen

für die Rückenlehnen von

Autositzen, die aufgrund ihrer Funktionsweise

und ihres Bewegungsschemas

„taumel-Beschläge“ genannt

werden. Das Unternehmen hat

sich im Werk Rockenhausen auf die

Fertigung solcher Einstellkomponenten

sowie von kompletten sitzstrukturen

spezialisiert – alles Produkte

aus Metall. 225.000 „taumel 2000“

verlassen werktäglich das Werk in

der Nordpfalz. Die lehneneinsteller

sind zentrale sicherheits elemente

im Fahrzeug: Im Falle eines Unfalls

muss der sitz den Insassen sicher

halten. „Deshalb spielen die Qualität

der lehneneinsteller als Bindeglied

zwischen lehne und sitzunterbau sowie

ihre Fähigkeit zur Aufnahme von

Kräften eine entscheidende Rolle“,

erklärt Jula lanzer.

Für ihre Arbeit benötigt die Auszubildende

sehr gute naturwissenschaftliche

und mathematische Kenntnisse.

Bereits in der schule hat die aus

Winnweiler stammende Frau sich

für die Fächer Chemie und Physik begeistern

können. Daher war ihr bei

der suche nach einer Ausbildungsstelle

klar: „Ich möchte in einem labor

arbeiten.“

In das Prüflabor von Johnson Controls

kam lanzer über ein Praktikum.

Kennen gelernt hatte sie den größten

Ausbildungsbetrieb im Donnersbergkreis

über einen Berufsinformationstag

an ihrer schule. Der eher seltene

Beruf führt dazu, dass nur wenige

Berufsschulen angehende Werkstoffprüfer

unterrichten. Jula lanzer

wohnt daher im Abstand von drei

Monaten für einige Wochen in stuttgart,

um die dortige Berufsschule

zu besuchen. Das Pendeln zwischen

ihrem Heimatort Winnweiler und der

baden-württembergischen landeshauptstadt

stört sie nicht. „Dadurch

bin ich viel selbstständiger geworden“.

Nur ihre Hobbys, tanzen und

tennis, litten unter den stuttgartaufenthalten.

Doch viel Zeit bleibt der

jungen Frau auch sonst nicht.

Parallel zu ihrer Ausbildung besucht

sie noch an zwei tagen die Woche ein

Abendgymnasium, um ihr Fachabitur

abzulegen. Neben der Fort bildung

als technikerin steht Jula lanzer

nach ihrer Ausbildung so auch ein

Hochschulstudium offen. Besonders

eilig hat sie es aber nicht – ihr Beruf

macht der Azubi nämlich viel spaß.

„Vor allem das Mikroskopieren ist

faszinierend.“ Auch die Vielfalt der

Aufgaben findet sie reizvoll. „Wir im

Prüflabor kommen immer dann ins

spiel, wenn die Kollegen in der Produktion

Unterstützung benötigen.“

In sehr seltenen Fällen muss Jula

lanzer auch mal ein schadhaftes teil

analysieren. „Das passiert aber glücklicherweise

nur sehr selten“, sagt sie.

Anders als der Arbeitsplatz labor

vermuten lässt, müssen Werkstoffprüfer

auch eine gute team- und

Kommunikationsfähigkeit mitbringen.

„Ich stehe in ständigem Kontakt mit

den Kollegen in der Produktion, mit

lieferanten und Kunden“, sagt Jula

lanzer. Dort ist man auch schon

auf das talent und das Engagement

der angehenden Werkstoffprüferin

aufmerksam geworden. Im Dezember

wird sie ein Praktikum bei einem

Rohmaterialzulieferer absolvieren.

das berufsbild

VIDEO

auf www.ferrum-magazin.de

Die dreieinhalbjährige Ausbildung wird

in den Schwerpunkten Halbleiter-,

Metall- und Wärmebehandlungstechnik

angeboten. Für alle drei Berufsbilder

gilt: Werkstoffprüfer und -prüferinnen

entnehmen Proben zur Qualitätskontrolle,

zum Teil auch schon während des

Produktionsprozesses, und bereiten sie

für die Analyse vor. Sie untersuchen verschiedenste

Materialien und Pro dukte

auf ihre Eigenschaften, auf Zusammensetzung

und Fehler. Die Ergebnisse

dokumentieren sie.

Im Schwerpunkt Halbleitertechnik

führen sie Prüfungen, Zwischen- und

Endkontrollen von Halbleiterwerkstoffen

und -bauteilen durch; im Schwerpunkt

Metalltechnik bereiten sie physikalischtechnische

Untersuchungen und

Versuchsreihen vor, führen sie durch

und werten sie aus. Mit zerstörenden

und zerstörungsfreien Prüfverfahren

prüfen sie unterschiedliche Materialeigenschaften

wie Härte, Festigkeit

oder Verformbarkeit. Im Schwerpunkt

Wärmebehandlungstechnik wiederum

messen und prüfen sie Veränderungen

von Werkstoffeigenschaften wie Härte,

Festigkeit oder Zähigkeit nach Wärmebehandlungsverfahren.

Quelle: BERUFENEt – ein Angebot der Bundesagentur

für Arbeit – www.berufenet.arbeitsagentur.de

ferrum 6 - 2012

19

service


DIE UNTERNEHMEN

DER METALL-

UND ELEKTRO-

INDUSTRIE

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