IAA-Bilanz: Hybrid ist die treibende Kraft

jensen

IAA-Bilanz: Hybrid ist die treibende Kraft

IAA-Bilanz: Hybrid

ist die treibende Kraft

Keine Frage, die Autoindustrie nimmt Kurs auf nachhaltige Mobilität.

In Zeiten des immer schneller fortschreitenden Klimawandels rea-

gieren die Hersteller und schieben ihre umweltschonenden Modelle

ins Rampenlicht. Zuletzt auf der Internationalen Automobilausstel-

lung in Frankfurt. In keiner Pressekonferenz fehlte das Wort Nach-

haltigkeit, und auf den Ständen glänzten die „Umweltmodelle“,

wobei inzwischen der Hybridantrieb eine im wahrsten Wortsinn trei-

bende Kraft einnimmt.

Während Marktführer Toyota seit zehn Jahren diese Technologie in

allen Variationen vom Micro- über den Mild- bis zum Vollhybrid in

allen Segmenten und auch bei Nutzfahrzeugen einsetzt und inzwi-

schen mehr als eine Million Hybridmodelle abgesetzt hat, stehen

die europäischen Produzenten erst am Anfang und werden die ent-

sprechenden Serienmodelle frühestens in ein bis zwei Jahren auf

den Markt bringen.

Nach Ansicht von Manfred Wennemer, Vorstandschef des Zu-

lieferers Continental, liegen die deutschen Hersteller bei der Ent-

wicklung von Hybridantrieben deutlich hinter den japanischen Kon-

kurrenten zurück. „Wir sind sicherlich zwei bis drei Jahre zurück“,

erklärte er in einem Zeitungsinterview. Daher entsprechen die meis-

ten der in Frankfurt gezeigten Konzepte unfreiwillig dem Motto der

Messe „Sehen, was morgen bewegt“.

Volvo zum Beispiel setzt bei seiner Studie gleich fünf Motoren ein.

Angetrieben wird der auf dem C30 basierende Prototyp von vier

Elektro-Radnabenmotoren, der 1,6-Liter-Flexifuel-Verbrennungs-

motor dient lediglich als Stromerzeuger und schaltet sich zu, wenn

die Leistung der Batterie zur Neige geht. Die Reichweite des Elek-

troantriebs liegt bei 100 Kilometern. „Wenn jemand weniger als 100

Kilometer pro Tag fährt”, sagt Magnus Jonsson, Vorstand für For-

schung und Entwicklung bei Volvo, „wird er mit einem solchen Fahr-

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Roller mit Hybridantrieb

Der italienische Rollerproduzent

Piaggio entwickelt zurzeit einen

Hybridroller. Der HYS (Hybrid-

Scooter) wird von einer Kombination

aus Verbrennungs- und Elektromotor

angetrieben, wobei der E-

Motor den Verbrennungsmotor

unterstützt, wenn zusätzliche Leistung,

wie zum Beispiel beim

Anfahren, abgerufen wird. Die Batterie

der Prototypen kann mit

einem 220 Volt starken Ladegerät

innerhalb von drei Stunden aufgeladen

werden.


zeug nur selten eine Tankstelle aufsuchen müssen. In den USA

dürfte das auf etwa 80 Prozent aller Autofahrer zutreffen.“ Aufgela-

den werden kann der Wagen an einer herkömmlichen Steckdose,

was nach Volvo-Angaben rund drei Stunden dauert.

Ähnlich funktioniert auch der Antrieb beim Opel Flextreme. Dort

unterstützt ein Dieselmotor den elektrischen Antrieb, wenn die

Ladung der Batterie nicht mehr ausreicht. Allerdings hat der Volvo

eine deutlich größere Reichweite im Elektrobetrieb. Gemeinsam ist

beiden Studien, dass sie noch einige Jahre brauchen, bis sie in

Serie gehen können. Auch der Corsa-Diesel-Hybrid wird, wenn über-

haupt, erst später auf den Markt kommen.

BMW überraschte mit einer Hybridstudie des in den nächsten Jah-

ren erwarteten Gelände-Coupés X6, die zwei Elektromotoren mit

einem Verbrennungsmotor kombiniert. Frühestens im Jahr 2010

wird Mercedes seine Mildhybridversionen der S-Klasse anbieten,

bei denen Bluetec-Diesel und Elektroantrieb zusammengeschlos-

sen werden. Ein Jahr später beginnt die Hybridära für die C-Klasse.

Auch der Porsche Cayenne wird frühestens in zwei Jahren als Hyb-

ridversion auf den Markt rollen.

Peugeot und Citroën, traditionell dem Diesel verbunden, setzen bei

ihren Hybridmodellen auf den Selbstzünder als Basis und planen

Diesel-Hybridversionen der Kompaktmodelle 308 und C4, „wenn“,

so ein Peugeot-Sprecher, „das Kostenproblem gelöst ist“. Die bei-

den Unternehmen rechnen mit einem Hybridaufpreis von 1500 Euro

auf das vergleichbare Dieselmodell, was gegenüber den Benzinern

einen Aufschlag von insgesamt 3000 Euro ergibt. Frühestens in den

kommenden zwei Jahren sollen die Modelle auf den Markt kommen.

Toyota plant unterdessen nach dem Jahr 2009 eine deutliche Aus-

weitung des Hybridangebots und denkt langfristig an die Umstel-

lung der gesamten Modellpalette auf Hybridantrieb. „Unsere Vision

für die Zukunft ist eine Hybridquote von 100 Prozent“, erklärte Toyo-

ta-Vertriebsvorstand Tokuichi Uranishi dem Magazin „Wirtschafts-

woche“. Von 2010 an plant der Weltmarktführer eine Jahresproduk-

tion von insgesamt einer Million Hybridmodelle pro Jahr. Toyota

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Auszeichnungen für den Prius

Der Toyota Prius hat den zum ersten

Mal von der Kölner DEVK-

Versicherung verliehenen „Öko Globe“

gewonnen. Die aus unabhängigen

Experten gebildete Jury wählte

den Prius zum besten Hybridauto.

In der Schweiz belegte das weltweit

meistverkaufte Hybridmodell in

der erstmals von der schweizerischen

Regierung erstellten

Umweltauto-Liste den ersten Platz.

Dabei berücksichtigten die Experten

Kohlendioxidausstoß, Energieeffizienz

und Fahrzeuggröße.


Deutschland, wünscht sich, so ein Sprecher, „eine möglichst

zügige Hybrideinführung der deutschen Hersteller, weil sich

dadurch die Akzeptanz des Antriebs deutlich verbessern wird“.

Toyotas Vorstandschef Katsuaki Watanabe definierte in Frankfurt

die Hybrid-Strategie seines Unternehmens. Dabei geht es vor allem

darum, den „Hybridantrieb in allen Fahrzeugklassen erschwinglich

zu machen“. Die technische Herausforderung ist, so Watanabe, die

Ablösung der aktuell eingesetzten Nickel-Metallhydrid-Batterie

durch Lithium-Ionen-Akkus, um so Gewicht und Kosten zu sparen.

Lexus setzt

verstärkt auf Hybrid

Schon heute spielt der Hybridantrieb bei Lexus

eine wichtige Rolle. In Zukunft soll jedes Lexus-Modell

eine Hybridversion bekommen. Gespräch mit

dem Leiter der Lexus-Produktentwicklung Kiyotaka Ise.

?Vor nicht allzu langer Zeit galt der Hybridantrieb in Europa

höchstens als exotische Antriebsvariante. Der Entwicklungschef

eines großen deutschen Herstellers sprach sogar von einer Verge-

waltigung der Physik. Heute kündigen fast alle namhaften Produ-

zenten Hybridmodelle an. Das muss Sie doch mit einer gewissen

Genugtuung erfüllen.

Kiyotaka Ise: Toyota und Lexus profitieren bei ihrem Auftritt in

Europa inzwischen davon, dass der Hybridantrieb nun auch hier so

viel Aufmerksamkeit genießt. Das verbessert auch unser Ansehen

in der Öffentlichkeit und bringt uns mehr Aufmerksamkeit. Und das

freut uns natürlich ganz außerordentlich.

?Viele europäische Hersteller nutzen bei der Entwicklung ihrer

Hybridmodelle den Diesel als Basis. Toyota und Lexus hingegen bie-

ten ausschließlich Benzin-Hybridfahrzeuge an. Wird es in Zukunft

auch bei Lexus Diesel-Hybride geben?

Kiyotaka Ise: Wenn es um die Vermeidung von Abgasen und die

Verringerung des Verbrauchs geht, ist der Diesel natürlich eine

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Rock und Hybrid

Chuck Leavell, Pianist der Rolling

Stones, hat nicht nur ein Gefühl für

Rhythmus, er ist auch engagierter

Forstwirt und Umweltschützer. Für

die Etappen seiner Deutschlandtour

wählte Leavell daher mit dem

Lexus RX 400h eines der umweltverträglichsten

Fahrzeuge der

Oberklasse und tritt damit in die

Fußstapfen von Paul McCartney,

der bereits vor zwei Jahren bei seiner

USA-Tour mit dem Lexus RX

400h unterwegs war.


Alternative, und Toyota wie Lexus sind mit ihren sauberen Diesel-

modellen in diesem Bereich sehr gut aufgestellt. In Zeiten von

immer knapper werdenden Ressourcen und steigenden Energie-

preisen muss man sowohl den Diesel wie auch den Hybridantrieb

berücksichtigen. Doch bei den Personenwagen sehen wir das

größte Potenzial für eine nachhaltige Mobilität bei den Benzin-

Hybriden. Zwar soll man niemals nie sagen, doch wir glauben, dass

der Dieselhybrid seine Zukunft eher im Bereich der Nutzfahrzeuge

und Busse hat.

?Lexus bietet schon heute eine Vielzahl von Hybridversionen der

verschiedenen Modelle an. Planen Sie, in Zukunft jedem Lexus-

Modell eine Hybridvariante zur Seite zu stellen?

Kiyotaka Ise: Das ist unser Ziel. In Zukunft planen wir, in der

gesamten Modellpalette Hybridversionen der einzelnen Modelle

anzubieten. Schließlich ist der Hybridantrieb eine Kernkompetenz

bei Lexus.

?Gilt das auch für den kompakten Lexus, der angeblich in Ihrem

Haus entwickelt wird?

Kiyotaka Ise: Also, ob und wann so ein Modell auf den Markt kom-

men wird, kann ich heute nicht sagen. Aber angesichts der CO -

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Problematik darf man den Markt der Kompaktklasse natürlich nicht

vernachlässigen. Kompakten Modellen mit Hybridantrieb bieten

sich gute Absatzchancen. Vor allem in den USA, wo man in der Ver-

gangenheit der CO -Problematik eher indifferent gegenüberstand,

2

werden aktuell gut 20.000 Kompaktmodelle pro Monat verkauft.

Auch weltweit steigt die Nachfrage nach derartigen Modellen. Dort

ist zweifellos ein großes Marktpotenzial.

?Mit dem ISF bringen Sie ein äußerst dynamisches Modell auf den

Markt. Wie verträgt sich das mit den umweltfreundlichen Hybrid-

modellen?

Kiyotaka Ise: Der ISF ist, wenn Sie so wollen, das emotionale

Modell, mit dem wir mehr Dynamik in unser Angebot bringen. Den-

noch bleibt der Hybridantrieb der Schwerpunkt bei unserer Ausrich-

tung.

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Pionier feiert Geburtstag

Neben dem Toyota Prius, der vor

zehn Jahren auf die Straßen rollte,

feiert auch das erste Hybrid-

Nutzfahrzeug, der Toyota Coaster,

in diesem Jahr seinen zehnten

Geburtstag. Der knapp sieben

Meter lange Bus verfügte über

einen seriell angeordneten Mildhybrid-Antrieb,

der aus einem Otto-

und Elektromotor bestand und

damit Verbrauchswerte eines Busses

mit Dieselantrieb erreichte


Interesse an

Hybridmodellen wächst

Mit ihrer Ausrichtung auf umweltschonende Modelle entspricht die

Automobilindustrie offensichtlich den Wünschen der deutschen

Autokunden. Für 61 Prozent der deutschen Autofahrer stellt inzwi-

schen der Hybridantrieb eine echte Alternative dar, und bei jedem

Fünften (22 Prozent) steht ein Hybrid beim nächsten Kauf in der

engeren Wahl. Dafür sind die potenziellen Hybridfahrer auch bereit,

tief in die Tasche zu greifen. 1783 Euro, diese Summe ermittelte das

Marktforschungsinstitut Maritz Research im Rahmen einer interna-

tionalen Befragung in Deutschland, Frankreich, Italien und Großbri-

tannien, darf ein Hybridmodell mehr kosten als ein vergleichbarer

Benziner. Damit liegen die Deutschen vor den anderen Europäern.

Die Franzosen wollen allenfalls 1697 Euro mehr bezahlen, die Italie-

ner gerade 1468 und die Briten nur 1363 Euro. „In kaum einem ande-

ren Land ist die Begeisterung für Hybrid so groß wie in Deutsch-

land“, erklärt Christian Vorwerck, Direktor Marketing bei Maritz

Research.

Vor allem die Klimadiskussion der vergangenen Monate hat der

umweltfreundlichen und wirtschaftlichen Hybridtechnologie Auftrieb

bei den Verbrauchern gegeben. Inzwischen ist die Technik bei den

Autokunden so bekannt wie Biodiesel. Besonders davon profitiert

hat der Hybridpionier Toyota. 72 Prozent der deutschen Autohändler

halten die Marke für die treibende Kraft in der Entwicklung alternati-

ver Antriebe.

Das große Interesse an unweltfreundlicher Mobilität zeigt auch das

Ergebnis einer repräsentativen TNS-Infratest-Umfrage im Auftrag

des Internet-Fahrzeugmarktes mobile.de. Um einen persönlichen

Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten, sind inzwischen 26 Pro-

zent der Deutschen bereit, ihren nächsten Autokauf vorzuziehen

und auf ein umweltfreundliches Modell umzusteigen.

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