dena-Verteilnetzstudie - Bundesverband Neuer Energieanbieter

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dena-Verteilnetzstudie - Bundesverband Neuer Energieanbieter

Hintergrundpapier zur

dena-Verteilnetzstudie

Berlin, 12. Dezember 2012. Der Bundesverband Neuer Energieanbieter e.V.

(bne) begrüßt die Untersuchung als in die richtige Richtung gehend, sieht

allerdings keinen grundsätzlichen Änderungsbedarf an der Anreizregulierung.

Vielmehr ließen sich notwendige Änderungen durch eine simple Anpassung

des sogenannten Erweiterungsfaktors bewirken: Dadurch würden

die an sich ausreichend im System vorhandenen Mittel gerecht verteilt.

Eine begrenzte Aussagekraft hat die Studie allerdings deshalb, weil Ansätze

zur Verbesserung der Effizienz, wie beispielsweise strukturelle Veränderungen

oder die Vergrößerung der Netzgebiete, von der Studie gar nicht untersucht

werden, obwohl hier ein wesentlicher Lösungsbeitrag zu verorten

ist.

Die von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) in Zusammenarbeit

mit den Gutachtern Prof. Dr.-Ing. Christian Rehtanz (TU Dortmund) und

Prof. Dr. Gert Brunekreeft (Jacoby University Bremen) erstellte Studie „Ausbau-

und Innovationsbedarf in den Stromverteilnetzten in Deutschland bis

2030“ (im folgenden dena-Verteilnetzstudie) untersucht den durch die Energiewende

verursachten Ausbaubedarf in den Verteilnetzen (Niederspannung

bis Hochspannung) sowie die dadurch entstehenden Kosten und diskutiert,

ob zur Deckung der Investitionen der Verteilnetzbetreiber Änderungen an

der Regulierung notwendig sind.

Die Ermittlung des Netzausbaubedarfs erfolgt auf Basis zweier Szenarien für

den Ausbau von PV- und Wind-Anlagen und für mehrere typische Netzbetreiber.

Bei allen modellbedingten Vereinfachungen belegt die Studie die

Herausforderungen, vor denen viele Verteilnetzbetreiber stehen, um die

Energiewende zu meistern.

Im zweiten Teil der Studie, dem regulatorischen Gutachten, werden die Auswirkungen

des Netzausbaus auf die Renditen der Netzbetreiber untersucht.

Dabei kommen die Gutachter zum Ergebnis, dass die heutigen Regelungen

für die Teilgruppe der Netzbetreiber mit hohem Ersatz- und Erweiterungsbedarf

nicht zu befriedigenden Renditen führen und darum Änderungen vorzunehmen

seien. Allerdings werden für die Gruppe der Netzbetreiber mit geringerem

Investitionsbedarf zum Teil deutlich überhöhte Erlöse belegt.


ne | Stellungnahme | Seite 2

Die Studie zeigt: Erweiterungsfaktor ist verbesserungsfähig

Dass eine pauschale Renditeerhöhung keinesfalls die geeignete Lösung sein

kann, zeigt die Auswertung des Erweiterungsfaktors. Dieser Faktor ist ein Bestandteil

der Rechenformel in der Anreizregulierung, mit der die zulässigen

Erlöse der Netzbetreiber bestimmt werden. Er wurde gerade dazu eingeführt,

um die sich ändernden Versorgungsaufgaben der Netzbetreiber in den Erlösen

abzubilden. Wichtiger Bestandteil des Erweiterungsfaktors ist daher die

Zahl der Anlagen zur erneuerbaren Erzeugung im Netz. Vereinfacht bedeutet

dies, je mehr Erneuerbare Anlagen im Netz vorhanden sind, desto mehr Erlöse

darf ein Netzbetreiber in dem Netz generieren.

Die Studie zeigt, dass der Erweiterungsfaktor verbessert werden kann: Bei

Netzbetreibern, die einen hohen Ersatz- und Erweiterungsbedarf haben,

deckt der Erweiterungsfaktor nur 84 Prozent der notwendigen Investitionen

ab. Bei Netzbetreibern mit geringem Ersatzbedarf und geringem Erweiterungsbedarf

deckt der Erweiterungsfaktor allerdings 186 Prozent der notwendigen

Investitionen ab. In diesem Fall darf der Netzbetreiber also wesentlich

mehr Erlöse generieren, als es für die Erfüllung seiner Aufgabe notwendig ist.

Es darf daher gefolgert werden, dass insgesamt genügend Entgelte an die

Netzbetreiber gehen und lediglich die Verteilung ungleich gewichtet ist; mithin

einige Netzbetreiber überproportional viel bekommen und andere etwas

zu wenig. Zu diesem Umstand sagt die Studie allerdings nichts.

Nach Meinung des bne ist es angebracht, ganz gezielt den Erweiterungsfaktor

zu verbessern, statt die gesamte Erlössituation pauschal über alle Netze –

damit die Erlöse auch dort ankommen, wo sie benötigt werden.

Zentrales Manko: Kostensenkungspotentiale aus effizienteren Netzstrukturen

wurden nicht untersucht

Ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Renditen der Netzbetreiber

wurde in der Studie gar nicht erst untersucht. Die naheliegende Frage, ob

strukturelle Verbesserungen der Netzbetreiber, also vor allem auch größere

Netzgebiete, zu insgesamt deutlich geringeren Kosten führen, wird in der

Studie nicht untersucht. Zahlen der BNetzA deuten darauf hin, dass über alle

Netzbetreiber gesehen mehr als ausreichend Mittel über die Anreizregulierung

zur Verfügung stehen, um die benötigten Investitionen zu stemmen.

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