bne Positionspapier Ausgestaltung des Bilanzausgleichs im ...

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bne Positionspapier Ausgestaltung des Bilanzausgleichs im ...

ne Positionspapier

Ausgestaltung des Bilanzausgleichs

im deutschen Gasnetzzugang

Trotz der Untersagung der Einzelbuchungsvariante hat sich durch die gleichzeitige

Beibehaltung der 19 Marktgebiete die Situation für neue Lieferanten im Hinblick auf

deren Möglichkeiten zur Kundenbündelung und zum Bilanzausgleich verschlechtert.

Die wesentlichen Voraussetzungen zur wirtschaftlichen Durchführung einer

Vollversorgung von Endkunden sind zum einen die Abwicklung des Bilanzausgleichs für

eine größtmögliche Kundenzahl (Bündelung) und zum anderen die Möglichkeit der

Buchung zusätzlicher Stundenflexibilität (erweiterter Bilanzausgleich) zu angemessenen

Konditionen beim bilanzkreisführenden Netzbetreiber. Letzteres ist erforderlich, da die

gesetzlich vorgeschriebene Pflicht zum Angebot eines unentgeltlichen „Mindest“-

Basisbilanzausgleichs von 10% (bezogen auf die gebuchte Stundenleistung) für die

Belieferung der großen Mehrzahl der Vollversorgungskunden nicht ausreicht.

Zur Belieferung kleiner „Kundenbündel“, mit denen sich anfangs jeder Neuanbieter

begnügen muss, ist –je nach Summenlastprofil und Größe des Kundenbündels –ein

erweiterter Bilanzausgleich von 30 bis 80 Prozent (bezogen auf die gebuchte

Stundenleistung) unabdingbar. Einen erweiterten Bilanzausgleich bieten von den elf

marktgebietsaufspannenden Netzbetreibern derzeit nur die großen

Ferngasnetzbetreiber an (Bsp.: BEB, E.ON Gastransport, Ontras). Die Mehrzahl der

neuen Marktgebietsführer bieten in ihren Veröffentlichungen nur die gesetzlich

vorgeschriebenen 10% an. In der alten „Durchleitungswelt“ (die wir uns natürlich nicht

zurück wünschen) war es immerhin möglich, mit den Netzbetreibern entlang der

Transportkette zu vereinbaren, dass die gemessenen stündlichen Verbrauchswerte der

Kunden ins übergeordnete Ferngasnetz (idR E.ON Gastransport oder BEB)

.


„hochsaldiert“ werden und dort in gebündelter Form und nach bekannten Regeln in

Summe bilanziert werden können.

Die viel zu große Anzahl der Marktgebiete verhindert diese Synergieeffekte. Deshalb

muss umgehend eine Reduzierung der Marktgebiete von 19 auf zwei (langfristig

eines) erreicht werden. Nur so erhalten Newcomer die Möglichkeit zur übergreifenden

Kundenbündelung. Funktionierende Bilanzausgleichsregeln mit marktorientierter und

transparenter Beschaffung und Bepreisung sind die Bedingung für Wettbewerb.

Wettbewerbsfähige Angebote für eine Vollversorgung von Endkunden (die im Fokus

der Marktöffnung stehen und im Regelfall die vollversorgte Belieferung über einen

einzigen Lieferanten wünschen) gegenüber dem bisherigen, verbundenen Versorger

sind nur mit Bündelungsmöglichkeiten, einem fairen erweiterten Bilanzausgleich und

Differenzmengenpreisen wirtschaftlich möglich.

Solange die Umsetzung der Marktgebietsreduktion nicht vollzogen ist, muss bei

marktgebietsübergreifenden Transporten die Allokation von gemessenen

Verbrauchswerten zugelassen werden. Der Summenbilanzausgleich muss in einem der

vorgelagerten Marktgebiete erfolgen können, da nicht in allen Marktgebieten

praktikable Bilanzausgleichsregeln existieren.

Damit die Bildung von Marktgebieten nicht diskriminierend eingesetzt werden kann,

sollten marktgebietsaufspannende Netzbetreiber sich zusätzlich über einen

erweiterten stündlichen Bilanzausgleich in Höhe von mindestens 50% der

anwendbaren Leistung und einen erweiterten kumulierten Bilanzausgleich

in Höhe der 8-fachen anwendbaren Leistung qualifizieren.

Forderungen des bne im Überblick:

Zwei Marktgebiete (langfristig eines)

Marktgebietsbildung nur, wenn ein erweiterter Bilanzausgleich angeboten wird.

Zeitnahe tagesscharfe Brennwertübermittlung durch den bilanzkreisführenden NB.

Unverzügliche und komplette Veröffentlichung der Entgelte aller Exit-

Netzbetreibers für die Ausspeisung (inkl. Wälzungsanteile aus den vorgelagerten

Netzen).

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Bis zur Reduzierung der Marktgebiete ist eine Übergangslösung

unabdingbar:

Wir fordern eine Marktgebietsüberschreitende Übertragung von Messwerten

inklusive der Allokation von Messwerten an den Kopplungspunkten zweier

Marktgebiete.

Wir schlagen zur Gestaltung eines vorläufigen –mit nur eingeschränkt

marktorientiert beschafften und abgerechneten Ausgleichsleistungen –erweiterten

Bilanzausgleichs beim marktgebietsaufspannenden Netzbetreiber vor: Das Niveau

einer Preisspreizung zwischen Mehr- und Mindermengenpreis wird begrenzt und

zwingend an die Höhe des angebotenen erweiterten Bilanzausgleich gekoppelt.

Beispiel: 1,1/0,9 x Systempreis bei angebotenen 10% erweiterten Bilanzausgleich 1

(zusätzlicher kumulierter Bilanzausgleich entsprechend 10% x 24), 1,2/0,8 x

Systempreis bei 20% erweiterten Bilanzausgleich, usw. Der Anreiz zur Einhaltung

der Toleranzgrenze bleibt für den Liefertanten erhalten und für den

marktgebietsaufspannenden Netzbetreiber wird das Angebot von erweitertem

Bilanzausgleich interessant.

Berlin, Februar 2007

1 Prozentangaben sind bezogen auf die gebuchte Stundenleistung

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