Presseheft als PDF - PROGRESS Film-Verleih

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Berührungsnähe an uns heran, während zwei gewaltige Bullen ihre Bahnen ein paar Meter

unter uns zogen.

Besonders interessant ist das veränderte Verhalten der Orcas wegen der knappen

Nahrungssituation. Wie konnten Sie diese Szenen drehen?

Am Morgen des sechsten Drehtages waren die Wellen ziemlich stark, trotzdem wollten

wir Orcas filmen. Gleich am Anfang der Fahrt stürzte ich an Bord so unglücklich, dass ich

mir eine schwere Fraktur in der Nähe des Fingergelenks zuzog. Wir fuhren weit raus zu

den Fischern, die ihre Langleinen nach den bis zu drei Meter langen Blauflossenthunfischen

auswerfen. Wir wussten, dass die Orcas versuchen, den Fischern ihren Thun von

den Leinen zu stehlen. Schon auf dem Weg dorthin sahen wir eine Familie von sechs

schnell ziehenden Orcas. Schließlich erreichten wir die Stelle, an der etwa 30 spanische

und marokkanische Boote relativ nah beieinander in der starken Dünung schaukelten.

Viele der Boote hatten bereits einen Thun an der Leine und kämpften mit ihm, um ihn

müde zu machen. Als wir uns bereit machten, zwischen den Booten zu tauchen, gaben

die Fischer uns warnende Zeichen oder machten uns per Zuruf klar, dass unser Vorhaben

nur etwas für Lebensmüde sei. Blut war im Wasser und eine Orca-Gruppe zog zwischen

den Booten hin und her. Gefährlich waren aber vor allem die Angelleinen, an denen bereits

Thune hingen. Der Blauflossenthun kann nicht nur bis zu 600kg schwer werden, er

ist auch einer der schnellsten Fische auf der Welt. Im Todeskampf ziehen sie die Angelleinen

in rasend schnellen Zirkeln durch das Wasser. Einem Taucher, der ihnen im Weg

steht, könnte eine solche Leine mit Leichtigkeit einen Arm oder ein Bein abschneiden. In

dieser Situation schafften wir es schließlich, die Orcas aus einiger Nähe zu filmen: Sie

waren so mit dem Klauen des Thuns beschäftigt, dass sie sich von uns wenig irritieren

ließen. Ein Orca kam sogar neugierig auf uns zu – und tauchte dann im Blau ab.

Meine Hand wurde später geschient und für die übrigen Produktionswochen wickelte ich

sie in Plastiktüten, damit die Schiene beim Tauchen möglichst trocken blieb.

Die Meeresenge von Gibraltar wird täglich von einer großen Menge an Container-

und Fährschiffen befahren. Wie beeinflusste das die Dreharbeiten?

An einem Drehtag im August zog Morgennebel in die Meerenge von Gibraltar und zwar so

schlagartig, dass man dabei zusehen konnte. Genauso schnell verschwand der Nebel

dann wieder, so dass wir endlich zum Drehen hinausfahren konnten. Die Zeit drängte

und wir wollten keinen Drehtag verlieren. Doch kaum waren Kameramann Gerd Hägele

und ich in der Mitte der Meerenge ins Wasser gegangen, um Grindwale zu filmen, schon

zog die Nebelwand wieder heran. Nach kürzester Zeit war die Sicht nur noch ein paar

Bootslängen weit – und ansonsten sahen wir nur eine undurchdringliche weiße Nebelwand.

Hinter ihr lagen die Fahrrinnen, durch die 300 gigantische Containerschiffe und

Fähren pro Tag in hohem Tempo zwischen Mittelmeer und Atlantik verkehren. Ständig

hörte man jetzt ihre tiefen Nebelhörner. Als ich wieder einmal den Kopf über Wasser

steckte, um nach der Position unseres Tauchbootes zu schauen, sah ich den Skipper aufgeregt

gestikulieren, dass wir auftauchen sollen. Doch Gerd filmte in etwa 12 Metern Tiefe.

Es dauerte fast eine Minute, bis er zu mir hochsah, so dass ich auch ihm das Zeichen

zum Auftauchen geben konnte. In der Zwischenzeit war Herwarth Voigtmann schon mit

dem Schlauchboot zu uns gerast und schrie, wir sollten so schnell wie möglich ins Boot

kommen. Das einzige Wort, dass ich sonst noch verstand war: „Fähre“! Gerd und ich hatten

gerade genug Zeit, die Kamera ins Boot zu werfen und uns irgendwie festzuklammern,

als Herwarth schon den Motor hochdrehte, um wegzukommen. In dieser Sekunde

durchbrach eine der großen Mittelmeer-Fähren die Nebelwand: Der Kapitän ließ das Nebelhorn

ertönen und die Bordwand der Fähre ragte wie ein Hochhaus neben unserem

kleinen Boot auf. Wir alle schnappten nach Luft, doch wir waren davongekommen. Ich

bin überzeugt, dass Herwarth uns an diesem Tag durch seine Wachsamkeit das Leben

gerettet hat. Denn die riesige Fähre zog genau über die Stelle, an der wir noch vor wenigen

Sekunden getaucht waren. Dort wären wir wohl überfahren oder in das Schraubenwasser

gezogen worden. Der Nebel war mittlerweile so dicht, dass selbst die Fahrt zurück

ans Ufer ein Abenteuer war.

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