Lügnern auf der Spur

Janet.Kofler

Das Buch zum Thema "Lügnern auf der Spur" ist 2012 im Rahmen meiner Diplomarbeit an der Schule für Gestaltung entstanden. Die Arbeit stellt das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln in seiner Komplexität und Vielschichtigkeit dar. Neben den Fotografien, die eine Hauptrolle in diesem Buch spielen, tragen noch Zitatseiten, Infoseiten, Interviews und Datengrafiken zu einer lebendigen und abwechslungsreichen Gestaltung bei. Wichtig war es dabei, dass die Seiten durch ein präzises und durchgängiges Gestaltungskonzept zusammengehalten werden.

Lügnern

auf der spur

Techniken, um Lügner gekonnt zu entlarven


»Wahrheiten, die niemanden verärgern …


sind meist nur halbe.« Jupp MüLLer


Lügnern

auf der spur


Lügnern

auf der spur

Techniken, um Lügner gekonnt zu entlarven


Impressum

Diplomarbeit 2012

Studiengang Informationsdesign

Schule für Gestaltung, Ravensburg

Diplomandin Janet Kofler

Betreuende Dozenten Georg Engels, Jürgen Weltin

Druck Digitaldruck MRS, Wolfurt

Buchbinderei Keckeisen, Kennelbach

Typografie Trade Gothic, Sabon

Papier 150g LumiSilk Bilderdruck matt

Kamera Canon EOS 450D

Objektiv EF-S 18-55 mm

Mein Dank gilt allen, die mich bei dieser Diplomarbeit

unterstützt haben.

Ein ganz besonderer Dank geht an die Schauspielerin

Anna Elsässer, die sich freundlicherweise für die Mimik-

und Gestikfotografien zur Verfügung gestellt hat.

Ravensburg, im Juli 2012

© Janet Kofler


Inhalt

Über dieses Buch

Über das Lügen

Warum Lügen oft unerkannt bleiben

Fakten übers Lügen

Die Grundregeln des Entlarvens

Die fünf Prinzipien

I. Emotionen

II. Verhaltensänderung

III. Disharmonien

IV. Stressanzeichen

V. Verhaltenskontrolle

Die Prinzipien im Überblick

Meinungen zum Thema

Irrglaube aufgedeckt

Interviews

Lügen am Zoll

Lügen in der Kirche

Anhang

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16

19

20

21

36

38

42

46

49

50

52

56

58

61

64


Über dieses Buch

10

11


1. Meine Motivation

Das Thema „Lügen“ beschäftigt mich jetzt schon

seit fast zwei Jahren. Während dieser Zeit habe ich

mehrere Bücher zu diesem Thema verschlungen

und zahlreiche Artikel im Internet recherchiert. Dazu

zählten vor allem Werke des Psychologen Paul

Ekman, der unter anderem als Lügenexperte für

das FBI und die CIA arbeitet und weltweit als

führender Experte für nonv Kommunikation gilt.

Aber auch Autoren, die unter anderem über

die menschliche Mimik, das Entschlüsseln von

Körpersprache und dem Entlarven von Lügnern

schreiben, standen auf meiner Liste.

Es ist faszinierend, wie wenig jeder Einzelne darüber

weiß, wie sich Lügen verraten und dass wir, obwohl

wir täglich mit ihnen konfrontiert sind,

so miserabel darin sind, Lügner zu durchschauen.

Diese Umstände brachten mich auf die Idee, meine

Diplomarbeit dafür zu nützen, einen Leitfaden über

das Entlarven von Lügnern zu gestalten.

2. Die Prinzipien

Eigentlich ist der Mensch besser als jeder moderne

Lügendetektor, aber er braucht die richtige Technik,

um Lügnern auf die Schliche zu kommen. Studien

haben ergeben, dass wir uns tagtäglich auf völlig

falsche Anzeichen versteifen um Unwahrheiten zu

enttarnen. Beachtet der Lügenermittler hingegen

Gesichtsausdrücke, Stimme und Körpersprache entsprechend

den Prinzipien in diesem Buch, kommt

er auf eine Treffsicherheit von über 90%.

Das Wissen in diesem Buch wird Ihnen helfen, Ihre

Menschenkenntnis zu verfeinern, um Lügen schneller

erkennen zu können. Sie lernen unter anderem die

grundlegenden Emotionen kennen, die hinter einem

Gesichtsausdruck stehen und erfahren, wie Sie

die Mimik und Gestik richtig zuordnen können.

Darüberhinaus lernen Sie Prinzipien und Fragetechniken

kennen, um Lügner aus der Reserve

zu locken und die Indizien einer Lüge aufzuspüren.


Über das Lügen

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UMFRAGE MIT 70 pERSOnEn

In welchen Situationen wird gelogen?


… aus der Lust am Lügen

(Aprilscherz, Telefonscherz)

häufig

manchmal

selten

nie

… um sich Vorteile zu schaffen,

um berufliche ZIele zu erreichen

35%

39%

10%

… aus Scham, um die

Privatsphäre zu schützen

27%

21%

16%

39%

48%

27%

5%

26%

7%

… um einen Freund nicht zu

kränken oder zu beleidigen

10%

36%

15%

3%

18%

51%

28%

In welchen

Situationen lügen

Sie im Alltag häufig

und in welchen

eher selten?

39%

…um einer Strafe zu entgehen,

aus Angst vor Strafe

31%

22%

7%

45%

49%

19%

24%

5%

5%

… um anderen zu helfen, ihr

Selbstbewusstsein zu stärken

30% 42% 21%

… um Spannungen und

Konflikte zu vermeiden

… um bei anderen

besser anzukommen


Warum Lügen oft unerkannt bleiben

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15

15

1. Das Opfer will die Wahrheit gar nicht wissen

Viele Alltagslügen bleiben unentdeckt, weil das Opfer

die Wahrheit gar nicht hören will, vielleicht sogar

glücklicher über die Lüge ist. In manchen Situationen

wäre es auch unhöflich die Wahrheit zu sagen. Man

will zum Beispiel nicht wissen, dass der Auflauf

ungenießbar schmeckt, obwohl man den halben Tag

am Herd gestanden ist. Deshalb lassen wir uns oft

bereitwillig belügen. Aber auch Anzeichen für größere

Lügen werden oft einfach beiseite geschoben oder

verdrängt, obwohl sich die Situation dadurch vielleicht

sogar noch verschlimmert. Eine Ehefrau, die

jahrelang von ihrem Mann betrogen wird, will die

Wahrheit vielleicht nicht wahrhaben. Oft auch dann

noch nicht, wenn es schon deutliche Anzeichen für

die Täuschung gibt. Im Leben ist es aber manchmal

wirklich besser, nicht allzu misstrauisch zu sein.

Denn jemanden zu Unrecht zu beschuldigen, kann

nicht nur Freundschaften zerstören, sondern auch

Karrieren ruinieren und Unschuldige ins Gefängnis

bringen. Daher haben wir uns angewöhnt, vorerst zu

vermuten, dass die anderen ehrlich sind.

2. Fehlende Angst vor der Entdeckung der Lüge

Wenn viel auf dem Spiel steht, ist die Angst beim

Lügner oft groß, doch bei Alltagslügen ist das

selten der Fall. Der Lügner rechnet erst gar nicht

damit, dass man an ihm zweifeln könnte und hat

daher auch keine Angst vor der Entlarvung. Sollte

das Opfer irgendwann doch noch die Wahrheit

herausfinden, handelte es sich dabei oft um belanglose

Ausreden, die höchstwahrscheinlich

auch niemandem großen Schaden zugefügt haben.

3. Es wird auf die falschen Anzeichen geachtet

Vermeintliche Experten versteifen sich tagtäglich auf

völlig falsche Anzeichen um Unwahrheiten zu enttarnen.

Sozialpsychologen haben herausgefunden,

dass professionelle Zollfahnder auf Faktoren achten,

die nichts mit der Lüge zu tun haben: wenig Blickkontakt

und Vermeidung direkter Antworten, dreckige

Kleidung und vermehrte Handbewegungen. Dabei

haben attraktivere Vertreter und Menschen mit dem

sogenannten Baby Face (hohe Stirn und weit auseinanderliegende

Augen) den Bonus, für ehrlicher

gehalten zu werden. Leider sind all diese Anzeichen

entweder irrelevant oder bedeuten gar das Gegenteil.

UMFRAGE MIT 70 pERSOnEn

Wann ist es erlaubt zu lügen?


Ja, hier ist

es erlaubt

81%

66%

34%

24%

22%

31%

19%

6%

48%

Nein, es ist

nicht erlaubt

12%

In welchen Situationen

ist es ihrer Meinung

nach erlaubt zu lügen?

6%

2%

2%

… um einem Freund aus

der Patsche zu helfen

3%

4%

27%

7%

7%

… um einen Freund nicht zu

kränken, zu beleidigen

63%

… um jemandem eine

Freude zu machen

46%

72%

… um die eigene Beziehung

bzw. Ehe zu retten

63%

76%

… um sich vor Freunden

nicht zu blamieren

Es ist sogar besser

hier zu lügen

… um weniger

Steuern zu zahlen

79%

… um die eigene

Karriere zu fördern

… um sich vor einer

Bestrafung zu schützen


Fakten übers Lügen

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Was ist eine Lüge überhaupt?

Lügen ist die bewusste Entscheidung, eine Zielperson

in die Irre zu führen, ohne diese Absicht im Voraus

kundzutun. Es gibt zwei Hauptformen der Lüge: Die

Verheimlichung, also das Weglassen wahrer Informationen,

und die Verfälschung, also die Präsentation

falscher Informationen.

Aus welchen Gründen scheitern Lügen?

Lügengeschichten werden oftmals zu einer sehr komplexen

Angelegenheit, wenn sie über längere Zeit

aufrechterhalten werden müssen. Der Lügner kann

niemals mit allen Fragen rechnen, die ihm gestellt

werden und muss darauf achten, dass er immer

wieder bei derselben Lügengeschichte bleibt. Eventuell

wird er zu einem Zeitpunkt nochmals darauf angesprochen,

wenn er die Lüge schon längst hinter sich

gelassen hat. Nun muss er sich wieder an alle Details

seiner Lüge erinnern. Auch rechnen Lügner nicht

damit, wie viele weitere Lügen nötig sind, um eine

Lüge auch bei Nachfrage aurecht halten zu können.

Andere Probleme mit denen Lügner oft nicht rechnen,

sind die Schuldgefühle gegenüber des Opfers und die

Angst vor der Entlarvung.

Ist das Lügen eine angeborene Fähigkeit?

Nein. Wir lernen das Lügen erst ab einem Alter

von etwa vier Jahren. Die wichtigste Voraussetzung

dafür ist die Fähigkeit, sich in andere Menschen

hineinversetzen zu können. Denn erst wenn man

verstanden hat, dass ein anderer Mensch etwas

anderes bzw. weniger wissen kann als man selbst,

kann man ihn auch hinters Licht führen. Für das

Gehirn selbst ist das Lügen eine enorme intellektuelle

Leistung, da gleich mehrere Hirnareale aktiv sind.

Denn während man die Unwahrheit ausspricht,

wird die Wahrheit in einem Hirnareal gedacht und

in einem anderen gleichzeitig unterdrückt.

Was macht einen guten Lügner aus?

Ein guter Lügner ist überzeugt mit seiner Lüge das

Richtige zu tun. Entweder wurde er von jemandem

in einer höheren Position dazu aufgefordert zu lügen

oder er hat es geschafft die Lüge irgendwie mit

dem eigenen Gewissen zu vereinen. Deshalb hat er

keinerlei Schuldgefühle gegenüber dem Opfer. Er

vertraut in seine Fähigkeiten zu lügen, hat meistens

Übung darin und deshalb auch keine Zweifel daran,

dass ihm geglaubt wird.

UMFRAGE MIT 70 pERSOnEn

Lügen Männer und Frauen unterschiedlich?


Frauen lügen häufiger bei Gewicht und Alter

Männer lügen eher, um anzugeben oder sich besser darzustellen

78%

Männer können schlechter lügen als Frauen

Frauen haben eine größere Fantasie beim Lügen

Frauen haben schneller ein schlechtes Gewissen

34%

36%

85%

46% 5%

Männer entdecken Lügen schneller als Frauen

95%

Ja

Frauen lügen eher, um andere zu schützen

51%

54%

22%

Welchen Aussagen übers Lügen

stimmen Sie zu, welchen nicht?

Frauen lügen häufiger als Männer

Nein

66%

22%

15%

78%

49%

64%


18

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Warum erkennen wir Lügen so schlecht bei

Nahestehenden?

Bei Nahestehenden kennt man das Normalverhalten

bereits. Somit sollte es sofort auffallen, wenn sich

ein Mensch, den man gut kennt, plötzlich abweichend

verhält. Trotzdem fällt es uns schwer, Lügen zu entdecken,

da uns gegenüber Menschen, die wir mögen,

das Missvertrauen fehlt. Wir wollen ihnen ganz

einfach vertrauen.

Sind Notlügen die besseren Lügen?

Lügen scheinen nicht immer »böse« zu sein: Für

manche soziale Beziehungen sind sie unabdingbar

und bestimmte Lügen lassen sich sogar als völlig

selbstlos bezeichnen. Zur Höflichkeit gehört eben die

ein oder andere kleine Lüge. Denn wie sähe es

mit unserem Selbstvertrauen aus, wenn wir jedes Mal

die schonungslose Wahrheit erfahren würden? Aber

auch die Notlüge ist nicht immer unproblematisch.

Häufig macht sie die Situation zwar kurzfristig

leichter, ist aber auf Dauer nicht wirklich förderlich:

Zum Beispiel wäre es vielleicht tatsächlich besser,

wenn der Mann seiner Frau sagen würde, sie sei zu

dick, damit sie ihrer Gesundheit zuliebe ein wenig

abnimmt.

Gibt es einen Unterschied zwischen den Lügen

von Männern und Frauen?

Männer und Frauen lügen gleich häufig, doch die

Lügen selbst gleichen sich nicht: Männer lügen eher

über sich selbst, Frauen über andere. Frauen lügen

häufiger, um anderen eine Freude zu machen und

verteilen zum Beispiel übertriebene Komplimente.

Männer hingegen scheinen eher über ihre beruflichen

und finanziellen Perspektiven zu täuschen.

Wer entlarvt besser – Männer oder Frauen?

Frauen haben Männern einiges voraus: Sie sind viel

besser darin, in Gesprächen zwischen den Zeilen

zu lesen. Sie nehmen sich mehr Zeit, die Körpersprache

ihrer Gesprächspartner zu beobachten und lassen

ihr Erkenntnisse stärker in die Entscheidungsprozesse

einfließen. Auch Gesichtsausdrücke interpretieren

sie häufiger korrekt als Männer. Trotzdem entlarven

Frauen Lügner nicht unbedingt zuverlässiger. Das

liegt daran, dass Frauen weniger misstrauisch sind

als Männer und sie sich dadurch häufig in die Irre

führen lassen.


1.

So viele Indizien wie möglich sammeln

Ziehen Sie immer so viele Indizien wie möglich

heran. Wer sich auf einzelne Anzeichen versteift,

kann leicht getäuscht werden. Deshalb

sollte das Gespräch mit dem vermeintlichen

Lügner auch möglichst lange andauern: Je

ausführlicher die Unterhaltung, desto eher

werden verräterische Signale sichtbar.

3.

Die Grundregeln des Entlarvens

Neutrale Orte aufsuchen

2.

Nichts sollte von der Unterredung ablenken,

damit jegliches auffälliges Verhalten der

möglichen Lüge zugeschrieben werden kann.

Suchen Sie am besten das Gespräch unter

vier Augen.

Andere Faktoren im Kopf behalten

Jede Beobachtung, die auf eine Lüge hindeutet,

könnte auch einen ganz anderen Grund

haben. Möglicherweise muss ihr Gegenüber

auch ganz einfach dringend auf die Toilette

und ist deshalb so zappelig. Auch Ausnahmesituationen,

Statusunterschiede und besondere

Beziehungen zwischen den Gesprächspartnern

führen zu Abweichungen. Versuchen Sie diese

Faktoren unbedingt zuerst auszuschließen,

bevor Sie voreilige Schlüsse ziehen.


Die fünf Prinzipien

20

21


1. Gefühle erkennen

Je größer die Bedeutung der Lüge, desto klarer sind

die emotionalen Anzeichen. Folgende drei Emotionen

sind nicht nur auf persönliche Gespräche anwendbar,

sondern sind ganz universell zu beobachten, wenn

gelogen wird (politische Reden etc.):

* Schuldgefühle des Lügners

* Angst vor der Entlarvung

* Freude über die Täuschung

Werden hingegen folgende Emotionen bei einer Anschuldigung

im Gesicht des Gegenübers sichtbar,

ist dies möglicherweise ein Anzeichen dafür, dass

ein Unschuldiger einer Lüge bezichtigt wird:

* Wut über die Anschuldigung

* Überraschung des Unschuldigen

I. Die Emotionen analysieren

2. Gefühle gezielt verstärken

Man sollte die Gefühle zuerst beobachten und dann

versuchen sie gezielt zu verstärken, damit man sich

der Lüge sicher sein kann und eventuell sogar ein

Geständnis erreicht:

* Konsequenzen der Lüge verdeutlichen, um die Angst

vor Entlarvung zu vergrößern.

* Darauf hinweisen, wie furchtbar man das Lügen ansich

findet und was für einen Vertrauensbruch eine

Lüge mit sich bringen würde, um die Schuldgefühle

noch zu verstärken.

Achtung!

Der Gesichtsausdruck allein sagt noch nichts darüber

aus, was der Auslöser dafür war. Wenn man zum

Beispiel Wut im Gesicht des Gegenübers erkennt, kann

man noch nicht wissen, wem oder welcher Situation

diese Wut gilt. Womöglich ist man auf sich selbst

wütend oder auf etwas, das der Gesprächspartner

gesagt hat. Vielleicht wird man aber durch die Worte

auch ganz einfach an einen vergangenen Streit erinnert.

Gezieltes nachfragen hilft dabei, andere mögliche

Ursachen sicher auszuschließen.


22

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Mund

Die Haut zwischen Kinn und Unterlippe ist durch den

Kinnmuskel nach oben gezogen, sodass eine Art Schmollmund

entsteht. Die Mundwinkel sind leicht nach unten

gezogen.

Augen

Schuldgefühle Angst

Ein sehr starkes und verlässliches Zeichen für Schuldgefühle

ist die Aufwärtsneigung der Augenbrauen-

innenseite, denn nur wenige Menschen können diese

vorsätzlich bewegen. Die Oberlider sind gesenkt.

Mund

Der Kiefer fällt nach unten, der Mund ist horizontal in

Richtung Ohren angespannt.

Augen

Die Augenbrauen sind zwar zusammengezogen, aber im

Gegensatz zu den Schuldgefühlen ist die gesamte Augenbraue

nach oben gezogen, nicht nur die Innenseite. Die

oberen Lider sind angehoben, die Unteren angespannt.


Wut Überraschung

Mund

Die Lippen werden zusammengepresst, somit werden sie

schmaler und das Lippenrot dünner. Der Kiefer ist nach

vorne geschoben.

Augen

Die Augenbrauen sind leicht gesenkt und zusammen-

gezogen. Die Oberlider sind angehoben, die Unterlider

angespannt. Der Blick wirkt stechend.

Mund

Der Kiefer fällt nach unten. Der Mund ist nicht angespannt,

sondern locker und leicht geöffnet.

Augen

Während die Augenbrauen bei Angst zusammengezogen

werden, sind sie bei Überraschung senkrecht nach oben

gezogen, sodass eine gekurvte Form entsteht.


Schuldgefühle des Lügners

24

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Fakten

Jeder Mensch mit moralischem Bewusstsein weiß, dass

es verwerflich ist zu lügen. Daher wird man beim

Lügen von Schuldgefühlen geplagt, der eine mehr, der

andere weniger. Schuldgefühle sind nicht so einfach

zu erkennen wie Angst. Zwar weiß jeder wie es sich

anfühlt, aber kaum jemand wie Schuldgefühle sich

in der Mimik widerspiegeln.

Merke

Schuldgefühle bringen ähnliche Gesichtszüge und

Verhaltensweisen mit sich wie Traurigkeit. Wenn ein

vermeintlicher Lügner traurig scheint, obwohl

es keinen Grund dafür gibt, lügt er wahrscheinlich.

»Ich lüge nicht. Ich reduziere

nur den Wahrheitsgehalt

meiner Aussagen auf Null.«

Walter ludin

Anzeichen erkennen

Ein Hauptmerkmal des Schuldgefühls ist es, dass der

Lügner sich sprachlich und körperlich von der Lüge

distanzieren will:

* Kaum »ich« oder »mein«, sondern Verallgemei-

nerungen wie: »Das würde doch niemand stehlen«

statt: »Ich habe das nicht gestohlen«

* Körperliche Distanz: Der Körper ist weggeneigt,

die Füße in Richtung Ausgang platziert

* Eine geknickte Körper- oder Kopfhaltung,

mangelnder Blickkontakt aus Scham

Achtung!

Sieht man sich moralisch im Recht, ist man mit sich im

Reinen, auch wenn man schamlos lügt. Aber solche

moralische Rechtfertigungen brauchen meistens Denkarbeit.

Daher sind Schuldgefühle vor allem beim spontanen

Lügen zu beobachten.


stirnfalten entstehen

das Innere der augenbraue

ist nach oben- und

zusammengezogen

augen verlieren

den fokus

Oberlider sind

gesenkt

Mundwinkel sind nach

unten gezogen


Angst vor der Entlarvung

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27

Fakten

Angst ist häufig die dominante Emotion beim Lügen.

Das hat zwei Gründe:

* Angst vor der Aufdeckung der Lüge

* Angst um einen Imageschaden, wenn man

als Lügner entlarvt wird

Merke

Es gibt kein mimisches Einzelmerkmal, das immer da

ist, wenn jemand Angst empfindet. Nicht jeder

zeigt immer alle für ein bestimmtes Gefühl denkbaren

Anzeichen. Sollte aber die typische Augenbrauenstellung

in Kombination mit den weit aufgerissenen

Augen vorliegen, kann man davon ausgehen, dass

jemand wirklich Angst empfindet.

»Die meisten Menschen

haben vor einer Wahrheit mehr

Angst als vor einer Lüge.«

Anzeichen erkennen

Wenn eine Person große Angst hat, werden die Hände

kälter, der Atem tiefer und schneller. Dabei ist oft

der gesamte Körper in Spannung. Eventuell werden

beim Erzählen mehr Pausen und Wiederholungen

gemacht. Dazu kommt manchmal auch vermehrtes

Blinzeln und eine höheren Stimmlage.

Achtung!

ernst Festl

Auch ehrliche Menschen, die zu Unrecht verdächtigt

werden, haben Angst. Denn sie fürchten die Konse-

quenzen, falls ihnen nicht geglaubt wird. Daher sollten

Sie den Eindruck erwecken, hervorragend im Entlarven

zu sein, damit Sie die Angst des Ehrlichen minimieren.


augenbrauen

sind nach oben- und

zusammengezogen

augen sind weit

aufgerissen, die unteren

Lider angespannt

Kinn fällt nach

unten und ist nach

hinten geschoben

Blick starr

geradeaus

Mund ist angespannt

und horizontal richtung

Ohren gestreckt


Freude über die Täuschung

28

29

Fakten

Besonders erfahrene und erfolgreiche Lügner freuen

sich auch darüber, jemanden hinters Licht geführt zu

haben. Echte Freude ist ein guter Hinweis dafür, dass

jemand lügt, denn sie taucht normalerweise nicht

auf, wenn jemand zu Unrecht beschuldigt wird. Die

Freude hat zwei Gründe:

* Freude durch die Macht, das Überlegenheitsgefühl

* Freude, weil ein Ziel erreicht wurde

»Lügen haben kurze Beine,

können dich aber dein ganzes

Leben lang verfolgen.«

Volkmar Frank

Anzeichen erkennen

Typische Anzeichen sind intensivierte Bewegungen

und ein auffälliges Lächeln. Herumzappeln und

Grinsen, ohne dass es irgendeinen Anlass für dieses

Verhalten gibt, spiegeln zudem die innerliche

Schadenfreude des Gegenübers wider.


Krähenfüße entstehen

Wangen sind angehoben

ringmuskel

verengen die augen,

sie lachen mit

Mundwinkel sind

nach oben zu einem

Lächeln gezogen


Wut über die Anschuldigung

30

31

Fakten

Wenn Sie ihr Gegenüber nach einer Anschuldigung

so ansieht, können Sie sich ziemlich sicher sein,

dass derjenige die Wahrheit sagt. Vorausgesetzt,

die Wut ist echt und wird nicht benutzt, um andere

Gefühle zu überspielen.

Merke

Das Schmalwerden der Lippen ist ein sehr verlässliches

Zeichen für Wut und tritt auch sehr früh schon

bei kontrolliertem Zorn auf. Es scheint sehr schwer zu

sein, dieses Anzeichen zu unterdrücken. Bei manchen

Menschen können die Lippen in diesem schmalen

Zustand auch noch nach oben oder unten geöffnet

sein, sodass eine fast rechteckige Form entsteht.

»Die Lüge ist wie ein

Schneeball: Je länger man sie

fortwälzt, desto größer wir sie.«

martin luther

Anzeichen erkennen

Wenn eine Person sehr wütend ist, wird seine Atmung

und sein Herzschlag schneller. Der Blutdruck steigt,

weshalb manche sogar einen roten Kopf bekommen.

Eventuell ballt man auch die Hand zu einer Faust

oder beißt die Zähne zusammen.

Achtung!

Manche Menschen zeigen die finster gerunzelten

Augenbrauen auch bei körperlicher Anstrengung oder

geistiger Konzentration. Der Ausdruck wird aber auch

dann gezeigt, wenn jemand Schwierigkeiten hat, einem

Gespräch zu folgen.


Brauen sind zusammen und

richtung nase gezogen

Oberlider sind gesenkt,

untere Lider angehoben

Kinn ist leicht nach

vorne geschoben

Blick stechend

und stur geradeaus

Lippen sind leicht

zusammengepresst

und angespannt


32

33

»Die Blattlaus vernichtet

die Pflanzen, der Rost Metall

und die Lüge die Seele.«

Überraschung des Unschuldigen

Fakten

Wenn jemand zu Unrecht einer Lüge bezichtigt wird,

ist er wahrscheinlich erst mal überrascht.

Merke

In manchen Fällen kann auch der Lügner überrascht

sein. Nämlich dann, wenn er sich total sicher war,

dass seine Lüge niemals auffliegen wird. Dann wird er

überrascht sein, dass ihm doch noch jemand auf

die Schliche gekommen ist. Deshalb sollte man auch

immer auf weitere Anzeichen und Emotionen achten.

anton p. tschechoW

Anzeichen erkennen

Echte Überraschung tritt für weniger als eine Sekunde

auf und endet dann meistens in einer anderen Emotion.

Falls die Überraschung länger andauern sollte,

ist sie mit ziemlicher Sicherheit gespielt.

Achtung!

Die nach oben gezogenen Augenbrauen sind nur in

Verbindung mit den angehobenen Augenlidern ein

Zeichen von Überraschung. Andernfalls dienen die

Augenbrauen in dieser Form auch als Untermalung

einer Frage, zu der man die Antwort bereits kennt.


Brauen sind weit

angehoben, gekurvt

augen sind weit

aufgerissen

Mund ist geöffnet,

Lippen sind entspannt

Kiefer fällt nach unten


34

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Aufgesetztes Lächeln

Augen

Typisch dafür ist die Asymmetrie: nur der

Jochbeinmuskel ist involviert, sodass lediglich

der Mund lacht, nicht aber die Augen.

Krähenfüße hingegen sind kein Hinweis auf

gefühlte Freude, denn bei einem breiten Lächeln

werden sie von den Lippen selbst hervorgerufen.


Gefühltes Lächeln

Augen

Der Ringmuskel um das Auge ist mitbeteiligt.

Er sorgt dafür, dass die Augen leicht verengt sind

und lässt sie somit »mitlächeln«.

Zusätzlich neigen sich die Augenbrauen ganz

leicht nach unten – ein subtiler Hinweis, den man

ohne spezielles Training sehen kann.


II. Verhaltensänderung erkennen

36

37

Es gibt kein einzelnes Signal, das bei jeder Lüge zuverlässig

auszumachen wäre. Jeder Mensch verwendet

seine Gestik und Körpersprache auf seine ganz eigene

Art und Weise. Ja, sogar ein und derselbe Mensch

verhält sich in verschiedenen Situationen unterschiedlich.

Aus diesem Grund ist es wichtig, sich nicht auf

die Anzeichen selbst zu konzentrieren, sondern immer

auf eine Verhaltensänderung zu achten.

1. Normalverhalten herausfinden

Um Verhaltensunterschiede beim Lügen feststellen

zu können, muss man zuerst wissen, wie sich der Gesprächspartner

verhält, wenn er nicht lügt. Wie sieht

das Normalverhalten des vermeintlichen Lügners aus?

Unterhalten Sie sich mit ihm zuerst über Themen, bei

denen er ziemlich sicher die Wahrheit sagt. So wissen

Sie, welches Verhalten Sie als Richtlinie verwenden

können.

2. Verhaltensänderungen feststellen

Stellen Sie fest, welche Verhaltensänderungen der

Verdächtige beim kritischen Thema zeigt:

* Auftauchen eines Verhaltens: Ein neues

Verhalten kommt hinzu, das vorher nicht

zu beobachten war (lauter sprechen)

* Verschwinden eines Verhaltens: Ein zuvor

sichtbares Verhalten wird eingestellt (Arme

sind nicht mehr verschränkt)

* Veränderung eines Verhaltens: Ein Verhalten

verändert sich (das Lächeln wirkt anders)

Je mehr Veränderung, desto wahrscheinlicher ist

die Lüge. Um andere Gründe für die Abweichung

ausschließen zu können, sollte man gezielt zwischen

den Themen hin- und herwechseln und genau beobachten,

ob der Verdächtige nur bei kritischen

Punkten auffällig wird.

Achtung!

Wenn es sich um ein emotionales oder peinliches

Thema handelt, reagiert ihr Gesprächspartner

möglicherweise stark darauf – selbst wenn er nicht

lügt. Denn wenn man zu Unrecht beschuldigt wird,

ist es völlig normal, heftig zu reagieren.


Achten Sie auch speziell auf Veränderungen folgender

Stress- und Nervositätsgesten:

* Persönliche Gestik: Nase oder Ohrläppchen

kratzen oder daran ziehen; Haare eindrehen;

Lippen ablecken; Seufzen oder Gähnen; Hände

reiben; Finger trommeln; nervöse Fußbewegungen;

Schweiß von Stirn oder Nacken wischen; Beine

ausstrecken

* Putz-Gestik: Ordnen und begradigen von

Kleidung und Accessoires; Fussel beseitigen;

Fäden aus der Kleidung ziehen; Haare richten

oder begradigen; Nägel begutachten oder kauen

* Schutz-Gestik: Augen oder Mund mit der

Hand verdecken; Hände und Beine verstecken

oder kreuzen

* Externe Gestik: Rauchen; mit Objekten spielen;

in die Geldtasche blicken

3. Reflexfragen stellen

Stellen Sie Fragen, die nur ein Schuldiger als Anschuldigung

erkennt. Sie sollten wichtige Elemente

der Tat enthalten, ohne als Vorwurf rüberzukommen.

Zum Beispiel beim Verdacht, dass die Freundin am

letzten Abend einen anderen Mann getroffen hat,

fragen Sie einfach mal nach, wie sie so geschlafen

hat. Eine harmlose Frage, wie man sie ständig stellt,

aber wer etwas zu verbergen hat, wird wahrscheinlich

sonderbar darauf reagieren und von seinem Normalverhalten

abweichen.

4. Detailfragen stellen

Stellen Sie fragen über Details, die nur der Täter

wissen kann. »Wie viel Geld haben Sie gestohlen?«

»Hundert Euro? Dreihundert Euro? Fünfhundert

Euro?«. Sollte der Beschuldigte nur bei dem korrekten

Betrag zusammenzucken, verrät sich der Täter. Die

Wahrscheinlichkeit, dass zufällig nur bei der einen

korrekten Variante Auffälligkeiten registriert werden,

fällt hier verschwindend gering aus.

5. Lügen provozieren

Provozieren Sie Lügen, um das Verhalten bei

Unehrlichkeit zu beobachten. Gehen Sie zum Beispiel

in einem Fachgeschäft zum Verkäufer und be-

haupten Sie, Sie hätten gelesen, dass ein Produkt

Testsieger bei Stiftung Warentest war. Dabei ist

es ganz wichtig, dass Sie sich sicher sind, dass diese

Behauptung falsch ist. Wenn der Verkäufer diese

Aussage vorbehaltlos bejaht, wissen Sie, dass er

unehrlich ist und wie er sich dabei verhält.

6. Funktioniert universal

Der Vorteil dieser Techniken ist, dass sie auch bei

Menschen aus anderen Kulturkreisen funktionieren.

Kulturelle Unterschiede in Körpersprache, Gestik,

und Stimme führen meist dazu, dass man Lügen dort

seltener enttarnt. Doch plötzliche Abweichungen

vom Normalverhalten kann man immer registrieren.

Normalverhalten beobachten

* Vorsicht bei nahestehenden!

Zwar ist das normalverhalten

bekannt, aber das führt oft zu

erhöhter Selbstsicherheit und

zu wenig Misstrauen

* Durch unverfängliches plaudern

können Sie das Verhalten bei

Ehrlichkeit, eventuell auch bei

Lügen definieren

Veränderungen registrieren

* Verhaltensweisen kommen hinzu,

verschwinden oder verändern sich

* Stellen Sie möglichst mehrere

Veränderungen fest

* Schließen Sie andere Gründe für

die Veränderung aus: Springen

Sie zwischen Themen hin und her

Reflexfragen

* Stellen Sie Fragen, die nur ein

Lügner als Anschuldigung erkennt


III. Disharmonien feststellen

38

39

Lügen sind eine komplexe Angelegenheit. Sie sind

sogar so komplex, dass der Lügner niemals alle

Aspekte seines Auftretens, von der Stimme bis zur

Körpersprache, perfekt steuern und aufeinander

abstimmen kann. Aus diesem Grund treten bei

Lügnern häufig Disharmonien auf: Das Verhalten

passt ganz einfach nicht zusammen.

Wenn man sich eine Lüge zurecht legt, denkt man

vor allem an den Inhalt des Gesprochenen. Daher

vernachlässigt man die Kontrolle über den Körper

und vor allem über den Gesichtsausdruck.

1. Künstliche Gesichtsausdrücke

Künstliche Gesichtsausdrücke entstehen, da das

Gesicht im Falle der Lüge typischerweise zwei

Emotionen zeigt: Die Emotion, die der Lügner zeigen

will und die, die er zu verbergen versucht. So setzt

man zum Beispiel ein künstliches Lächeln auf,

um Wut zu überdecken.

* Asymmetrie: Echte Gefühle werden im Gesicht

immer symmetrisch gezeigt. Bei falschen Gefühlen

hingegen ist der Gesichtsausdruck oft auf einer

Seite stärker ausgeprägt. Diese Asymmetrie kann

sowohl von links nach rechts, als auch von oben

nach unten verlaufen.

* Timing: Wann ein Gesichtsausdruck auftritt, sagt

viel über die Echtheit aus: Echte Gesichtsausdrücke

treten in der Regel vor den entsprechenden Worten

auf. Wenn jemand erst auf den Tisch haut und dann

wütend schaut, kann irgendetwas nicht stimmen.

* Dauer und Intensität: Besonders deutlich bei Überraschung,

denn die echte Emotion dauert nur einen

Augenblick. Sobald der Überraschte die Situation

erfasst hat, ist er nicht mehr überrascht.

* Wechselbad der Gefühle: Lügner wechseln ihre

Emotionen im Verlauf eines Gesprächs häufiger

als Ehrliche, denn sie versuchen eine Emotion zu

finden, die am besten täuscht.

2. Inhaltliches Timing

Wer etwas Wichtiges in einem Nebensatz versteckt,

hat meistens etwas zu verbergen: Ȇbrigens, wie

es aussieht, muss ich die nächsten zwei Wochenenden

arbeiten«. Ohne schlechtes Gewissen hätte man die

Situation angemessen erklärt, statt die Information

auf diese Weise ins Gespräch zu schmuggeln.


3. Mikroausdrücke

Selbst bei einem geübten Lügner zeichnen sich meistens

die wahren Gefühle für den Bruchteil einer Sekunde

im Gesicht ab. Solche Mikroausdrücke werden oft

vom Gesprächspartner gar nicht wahrgenommen,

da sie nach einem Wimpernschlag schon wieder verschwunden

sind. Der Lügner versucht sofort, die

unerwünschten Gefühle zu unterdrücken oder sie mit

einem anderen Gesichtsausdruck zu überspielen.

Genau aus diesem Grund sind Mikroausdrücke ein

hilfreiches Mittel, um die wahren Gefühle des Gegenübers

zu erkennen und ihn als Lügner zu entlarven.

Um die Wahrnehmung dieser Mikroausdrücke zu

trainieren, gibt es spezielle Programme, die unter

anderem auf der Webseite von Paul Ekman zu finden

sind. Damit verbessert man innerhalb kürzester Zeit

die eigenen Fähigkeiten diese Ausdrücke zu erkennen.

4. Embleme

Auch die Körpersprache verrät viel über die wahren

Hintergedanken des Gesprächspartners, und zwar

über sogenannte Mikrobewegungen. In jeder Kultur

existieren Gesten, die etwas bestimmtes ausdrücken.

Im Falle eines Lügners passiert die Geste meist unbewusst

und wird daher unvollständig ausgeführt und

schnell wieder abgebrochen.

* Kopfschütteln: »Nein«, Ablehnung

* Zucken der Schulter: »keine Ahnung«

* Zähne zusammenbeißen: Verärgerung

* Fäuste ballen: Zorn

* Augen rollen: genervt sein

Sollte jemand zum Beispiel während einer Aussage

ein unvollständig ausgeführtes, oft vielleicht nur mit

einer Schulter angedeutetes, Schulterzucken zeigen,

weist dies darauf hin, dass der Sprecher selbst nicht

an seine Worte glaubt.

5. Koordinierung der Gesten

Da sich der Lügner weniger auf seine Gesten als auf

seine Worte konzentriert, kann es gut sein, dass er mit

dem Finger zwar nach links zeigt, dazu aber meint,

er sei nach rechts gelaufen. Auch kommt es häufig vor,

dass die Blickrichtung seine wahren Gedanken bereits

verraten.

6. Unpassendes Verhalten

Lügner verhalten sich oft unpassend zur Situation. Sie

lachen ohne erkennbaren Anlass, sind häufig ausgesprochen

freundlich und versuchen dem Belogenen

zu »helfen«, obwohl es scheinbar keinen besonderen

Grund dafür gibt.

Disharmonien

* Unstimmigkeiten in Gesichts-

ausdruck, Körpersprache und

Verhalten des Lügners

Künstliche Gesichtsausdrücke

* Asymmetrisch

* Falsche Reihenfolge

(Gesichtsausdruck folgt Worten)

* Dauer (hält zu lange an)

* Wechselbad der Gefühle

Die wahren Gefühle erkennen

* Mikroausdrücke: kurze,

unwillkürliche Gesichtsausdrücke

* Embleme: kurze, meist nur

teilweise ausgeführte Gesten


Versteckte Gefühle

40

41

Wut überspielen

Wenn man hier nur auf die Augen achtet, erkennt

man in ihnen die Wut. Auch die zur Nase gerichteten

Augenbrauen weisen auf dieses unterdrückte Gefühl

hin, dass hier mit einem falschen Lächeln versucht

wurde zu überspielen.

Trauer verstecken

Das Lächeln wirkt etwas gequält, denn es ist nur

aufgesetzt, um die eigentliche Traurigkeit zu maskieren.

Erkennbar ist diese jedoch noch eindeutig

an der Augenbrauenstellung und den Stirnfalten.


Mittelfinger-Geste

Oftmals passieren uns solche Ausrutscher ganz

unbewusst. Denn wenn wir unsere negativen Gefühle

über längere Zeit unterdrücken müssen, sind wir

versucht sie über andere Wege zu zeigen.

Geballte Faust

Wenn jemand versucht seine Wut zu unterdrücken,

kann es vorkommen, dass er sie durch eine geballte

Faust wieder zum Ausdruck bringt.


IV. Stressanzeichen des Lügners

42

43

Eine Lüge ist geistig anspruchsvoll. Die Wahrheit zu

sprechen fällt leicht, doch sie zu unterdrücken erfordert

eine besondere Anstrengung. Der Lügner muss

ständig überlegen, welche Fakten er nicht erwähnen

darf. Zusätzlich muss er sich eine Geschichte ausdenken,

die er immer vor Augen hat und konsequent

vertritt. Diese muss möglichst plausibel und widerspruchsfrei

sein, um zu überzeugen.

1. Stressanzeichen

* Stimme und Sprache: Gerade in Stresssituationen

fällt es extrem schwer, die Stimme zu kontrollieren.

Daher kann es im Gespräch auch helfen, die Augen

zu schließen, denn eine erhöhte Stimmlage und

auffälliges Zögern nimmt man selbst in kleinsten

Nuancen wahr. Lügner sprechen zudem insgesamt

langsamer, da sie jede Äußerung kontrollieren wollen.

* Wiederholungen und Gegenfragen: Die Bitte um

die Wiederholung der Frage, obwohl man sie

sehr wohl verstanden hat, das eigene Wiederholen

der Frage oder das Stellen von sinnlosen Gegen-

fragen sind typische Anzeichen einer Lüge,

da der Lügner dadurch Zeit zum Nachdenken

schinden will.

* Blinzeln und Rituale: Wenn Menschen unter Druck

stehen, zeigen sie auch körperliche Reaktionen.

Sie blinzeln häufiger und fallen in alte Rituale zurück.

Dabei ist es jedoch wichtig darauf zu achten,

ob diese Rituale vom Normalverhalten abweichen.

2. Stress erhöhen

Um die Stresssymptome eines Lügners noch zu

verstärken, ist es immer hilfreich, den Stress noch

zusätzlich zu erhöhen.

* Stresssituationen erzeugen: Wenn man den

Verdächtigen in Situationen befragt, in der seine

Konzentration bereits stark gefordert wird

(z. B. beim Auto fahren, beim Kochen), wird der

Ehrliche immer noch ohne Probleme antworten

können, der Lügner aber doppelt gestresst

sein. Es wird ihm schwerfallen, typische Stress-

anzeichen wie Pausen etc. zu überspielen.

Achtung!

Während sich der Lügner seine Worte zurechtlegt,

nimmt das Blinzeln durch die hohe Konzentration

zunächst ab. Sobald jedoch der Grund für die An-

spannung verflogen ist, also die Lüge erzählt wurde,

blinzelt er dafür umso häufiger.


* Immer weiter fragen: Der Lügner hat sich eine

Geschichte ausgedacht und sich Antworten auf

mögliche Fragen zurechtgelegt. Stellt man ihm aber

sehr viele Fragen, werden auch solche dabei sein,

mit denen er nicht gerechnet hat. Je detaillierter

dabei gefragt wird, desto höher ist die Wahrsch-

einlichkeit, dass sich der Lügner irgendwann durch

Stressanzeichen oder Unstimmigkeiten verrät.

* Zeitlich springen: Lassen Sie sich einzelne Ereignisse

in unterschiedlicher Reihenfolge erzählen oder

verlangen Sie sogar, dass der Verhörte die komplette

Story von hinten nach vorne wiedergibt. Ein

Lügner muss ständig über die chronologische

Reihenfolge seiner Lügengeschichte nachdenken.

Wenn er immer wieder die gleichen Worte benutzt

und die Reihenfolge seiner Erzählung rigide einhält,

darf man von einer einstudierten Lüge ausgehen.

* Offene Fragen: Stellen Sie offene Fragen, damit sich

der Lügner immer weiter ins Netz der Schwindeleien

redet. Also nicht: »Max, weißt du, wer den

Kratzer in den Wagen gefahren hat?«, sondern:

»Max, wie ist der Kratzer in den Wagen gekommen?«

* Schweigen einsetzen: Es sind die eigenen Ängste des

Lügners, die sein Stresslevel bei Ihrem Schweigen

drastisch erhöhen und ihn vielleicht sogar geständig

werden lassen.

* Köderfragen: Die Köderfrage spielt dem vermeint-

lichen Lügner vor, bereits Wissen zur Tat zu

verfügen, ohne dabei zu viel preiszugeben. Idealerweise

gesteht der Lügner, doch auf jeden Fall

kommt es bei ihm zu erhöhten Stressanzeichen.

3. Techniken anwenden

* Befreiung von Stress in Aussicht stellen: Zeigen

Sie dem Lügner, dass die Wahrheit um so vieles

stressfreier sein kann als die Lüge.

* Moralisch zureden: Zeigen Sie Verständnis

und Sympathie und nehmen Sie dem Lügner seine

Scham, um ihm ein Geständnis so leicht wie

möglich zu machen.

* Zwei Wege aufzeigen: Bieten Sie dem Lügner einen

vermeintlichen Ausweg an. Präsentieren Sie ihm

die Wahrheit als gute Alternative zum dunklen Pfad

der Lüge.

Typische Stressanzeichen

* Hohe Stimme

* Verzögerungen: pausen,

Wiederholungen, nachdenken

* Körperliche Symptome:

Blinzeln, Stressrituale

Stress erhöhen

* Immer weiter fragen:

nachhaken, zeitlich springen

* Keine Ja/nein-Fragen stellen

* Schweigen einsetzen

* Köderfragen: Wissen über

Tat vorgaukeln

Das Geständnis als Ausweg

* Befreiung von Stress in

Aussicht stellen

* Zwei Wege aufzeigen:

verwerfliche Lüge und

untadelige Wahrheit

* Verständnis zeigen


Anzeichen für Stress

44

45

Hand in den Nacken

Wenn sich jemand kurz nach einer Aussage in den

Nacken greift, kann das ein Anzeichen dafür sein,

dass er lügt. In Stresssituationen fängt man dort

besonders schnell an zu schwitzen.

Lippen befeuchten

Die Lippen sowie der ganze Mund trocknen schnell

aus, wenn jemand nervös ist. Deshalb ist es auch

gut möglich, dass der Lügner nach einem Glas Wasser

verlangt.


Am Arm kratzen

Nervöses Fingertippen

Ring spielen

Manipulatoren

Bewegungen, bei denen ein Körperteil ein anderes

berührt, streichelt, kratzt, kneift oder reibt, können

auf die Nervosität des Lügners hinweisen. Da dies

aber viele Lügner wissen, unterdrücken sie solche

Bewegungen oft bewusst.


V. Verhaltenskontrolle beim Lügen

46

47

Ein Lügner kann sich seiner Sache nie sicher sein.

Deshalb richtet er seine Aufmerksamkeit auf sich

selbst: Jede Geste und jedes Wort ist streng überwacht,

seine Handlungen wirken bedächtig, er bewegt sich

langsamer und sparsamer als ein Mensch mit gutem

Gewissen, spricht zögerlicher, überlegter und vor allem

weniger detailliert. Seinen Lügengeschichten fehlen

Einzelheiten und Ausschmückungen.

1. Körperliche Merkmale

* Steifheit der Bewegungen: Lügner neigen dazu,

Bewegungen lieber ganz zu vermeiden, statt sich

durch unpassende Gesten zu verraten. Tatsächlich

muss diese Steifheit kein Nachteil sein: Ungeschulte

Beobachter glauben, Lügner würden zum Zappeln

neigen. Das wiederum wissen Lügner und bemühen

sich daher umso intensiver, sich ruhig zu verhalten.

Gesten, die normalerweise verwendet werden, um

dem Gesagten Nachdruck zu verleihen, treten vermindert

auf. Das Gesicht wirkt ausdruckslos, das

gesamte Verhalten desinteressiert und gleichgültig.

Im Widerspruch dazu stehen eine angespannte

Körperhaltung und Stimme.

* Fehlen von Manipulatoren: Manipulatoren sind

Bewegungen, bei denen ein Körperteil ein anderes

berührt, streichelt, kratzt, kneift oder reibt – etwa

das Kratzen am Ohr, das Reiben des Unterarms

oder Ellbogens. Erstaunlich ist, dass genau diese

Gesten von ungeschulten Beobachtern für die

sichersten Anzeichen einer Lüge gehalten werden.

Man deutet sie als Verlegenheitsgesten, die der

Nervosität des Lügners entspringen. Tatsächlich

aber treten solche Bewegungen gleichermaßen

bei Entspannung und Anspannung auf. Weil Lügner

wissen, dass Entlarver auf diese Gesten achten,

unterdrücken sie diese Bewegungen bewusst. Verwendet

ihr Gesprächspartner aber plötzlich keine

Manipulatoren mehr, können Sie beinahe sicher

sein, dass er versucht, sie zu täuschen.

Achtung!

Hier ist es besonders wichtig, Veränderungen wahr-

zunehmen: Hat der vermeintliche Lügner auch bei der

vorherigen plauderei keinen Finger gerührt, ist das

vielleicht einfach seine Art.


* Gestischer und körperlicher Rückzug: Wenn man

nach seinen Worten einen Schritt zurück macht und

die Arme verschränkt, hat man höchstwahrsch-

einlich gelogen. Man versucht sich körperlich von

seiner Antwort zu distanzieren und baut mit den

Armen eine Schutzhaltung auf.

* Fluchthaltung: Wenn der Körper oder die Füße

während eines Gesprächs auf einmal in Richtung

Ausgang zeigen oder der Blick immer wieder

dorthin wandert, sind das Anzeichen dafür, dass

man sich unwohl fühlt und man dem Gespräch

entfliehen will.

2. Inhaltliche Merkmale

Dem Inhalt von Lügengeschichten fehlt es an Lebendigkeit.

Wahre Schilderungen hingegen enthalten eine

Vielzahl von Details – vor allem ungewöhnliche, ausgefallene

Details sowie nebensächliche Einzelheiten

über Uhrzeiten oder Örtlichkeiten. Außerdem darf

man dem Gesprächspartner vertrauen, wenn er auch

Komplikationen erwähnt. Denn in Lügengeschichten

läuft in der Regel alles glatt. Achten Sie zudem auf die

Wortwahl ihres Gegenübers: Benutzt er auf einmal

Worte, die er sonst nie benützen würde, kann dies

auf eine einstudierte Geschichte hinweisen. Besonders

interessant wird es, wenn der Gesprächspartner über

eine sehr präzise Erinnerung verfügt, was bestimmte

Zeitabschnitte angeht, anderes aber unerklärlicherweise

vergessen hat. Eine solche uneinheitliche

Erinnerung ist unglaubwürdig und deutet auf eine

vorher einstudierte Erzählung hin. Auch bei auffällig

starren Erzählungen handelt es sich oft um Lügen –

wahre Geschichten hingegen wirken unstrukturiert

und erlauben nachträgliche Verbesserungen.

Achtung:

Viele Menschen denken, die Lüge würde mehr ungewöhnliche

und überflüssige Details enthalten und

müsste immer wieder nachgebessert werden. Aber es

ist genau umgekehrt: Gerade die Wahrheit braucht oft

nachbesserungen und wirkt manchmal sehr chaotisch,

da sie eben zuvor nicht vorbereitet oder einstudiert

werden musste.

Körperliche Merkmale

Veränderungen folgender

Faktoren deuten auf eine Lüge:

* Hölzerne, steife Körpersprache

* Wenige bis keine Manipulatoren

mehr (Kratzen, Streichen )

* Gestischer oder körperlicher

Rückzug

Inhaltliche Merkmale

Auf das Fehlen dieser Merkmale

in Gesprächen achten:

* Zahlreiche, ungewöhnliche

und unverstandene Details

* Details über Gedanken und

Sinneswahrnehmung, Raum

und Zeit, Wortwechsel

* Komplikationen

* Glaubwürdige Gedächtnislücken

* Unstrukturierte Erzählung


Weitere Anzeichen für die Lüge

48

49

Hand vor das Gesicht

Wenn jemand lügt, versucht er oft unbewusst seinen

Mund zu verdecken. Dies kann zum Beispiel durch

eine beiläufige Handbewegung, wie zum Beispiel an

der Nase kratzen, überspielt werden.

Wechsel der Blickrichtung

Man sollte immer auf die Veränderung der Blickrichtung

achten. Schaut der Lügner bei wahren Aussagen

ständig nach links, bei der kritischen Frage aber nach

rechts, liegt ein Indiz für eine Lüge vor.


1.

Beobachten

* Weicht das Verhalten des Gesprächspartners

plötzlich vom Normalverhalten ab?

* Tritt eine der drei Emotionen (Angst, Freude

Schuldgefühle) unpassenderweise auf?

* Haben Sie das Gefühl, dass etwas mit der

Person nicht stimmt? Wenn ja, identifizieren

Sie die Unstimmigkeiten (z. B. künstliche

Gesichtsausdrücke etc.)

* Können Sie Mikroausdrücke und Embleme

identifizieren?

* Macht ihr Gegenüber einen ungewöhnlich

gestressten Eindruck?

* Wirkt der Gesprächspartner hölzern und

seine Geschichten leblos?

3.

Wirkung

Die Prinzipien im Überblick

Je wichtiger die Lüge für den Lügner, desto

leichter ist er zu durchschauen. Denn die in

diesem Buch beschriebenen Anzeichen treten

gerade dann deutlich auf, wenn es um etwas

Entscheidendes geht.

2.

Aktiv werden

* Erwecken Sie den Eindruck, hervorragend

im Entlarven zu sein, um die Angst des

Lügners zu erhöhen und die des Ehrlichen

zu minimieren.

* Machen Sie auf ihr gutes Verhältnis zum

vermeintlichen Lügner aufmerksam, um

die Schuldgefühle noch zu intensivieren.

* Stellen Sie Reflexfragen, die einen Lügner

stutzen lassen würden.

* Haken Sie beständig nach, schweigen Sie

und stellen Sie Köderfragen, um den Stress

zu erhöhen.

* Zeigen Sie ihr Verständnis und ihre Sympathie

für den vermeintlichen Lügner um

ein Geständnis zu erleichtern.


Meinungen zum Thema

50

51

UMFRAGE MIT 70 pERSOnEn

Wie sind Ihre Lügengewohnheiten?


6%

71%

GESTIK

GESPRÄCH

STIMME

18%

23%

Wo würden Sie als

erstes nach Anzeichen

einer Lüge suchen?

AUGEN

MIMIK

46%

MANCHMAL JA NEIN

Sind Sie ein guter Lügner?

42%

43%

Lügen

15%

Ist es für Sie eine

Erleichterung beim Lügen

die Finger zu kreuzen?

JA NEIN MANCHMAL

2%

6%

92%


52

Irrglaube aufgedeckt

53

»Ich habe gehört, wenn jemand

nach links oben schaut, denkt

er sich eine Lüge aus.«

polizistin

Falsch. Laut NLP (Neurolinguistisches Programmieren)

kann man eine Lüge erkennen, indem man

die Blickrichtung des vermeintlichen Lügners beobachtet.

Entsprechend der Gehirnhälften, so die

Theorie, schauen Menschen in die eine Richtung,

wenn sie ehrlich sind und sich an etwas erinnern,

und in die andere, wenn sie kreativ tätig sind und

sich eine Lüge konstruieren. Abgesehen davon,

dass sich Lügner häufig vorher eine Lüge zurechtlegen,

an die sie sich dann erinnern müssen, hält

die NLP-Theorie wissenschaftlichen Überprüfungen

nicht stand. Ergebnisse zeigten, dass es keinen

Zusammenhang zwischen Blickrichtung und Ge-

dankengang gibt. Trotzdem ist dieser Glaube noch

fest in unseren Köpfen verankert.

»Lügner kratzen sich am Ohr,

reiben sich den Unterarm oder fahren

sich öfters durch die Haare.«

studentin

Richtig und Falsch. Erstaunlich ist, dass genau diese

Gesten von ungeschulten Beobachtern für das

sicherste Anzeichen der Lüge gehalten werden. Man

deutet sie als Verlegenheitsgesten, die der Nervosität

des Lügners entspringen. Tatsächlich aber treten

solche Bewegungen gleichermaßen bei Entspannung

und Anspannung auf. Weil Lügner wissen, dass

Entlarver genau auf diese Gesten achten, unterdrücken

sie diese Bewegungen oft auch ganz bewusst.

Hier ist es besonders wichtig, Veränderungen

wahrzunehmen: Werden solche Beruhigungsgesten

plötzlich sichtbar oder auf einmal wieder eingestellt,

wenn man das Gespräch auf ein kritisches Thema

lenkt?

UMFRAGE MIT 70 pERSOnEn

Welche dieser Anzeichen verraten einen Lügner?


Der Lügner…

24% 52% 24%

34% 43% 23%

4% 30% 48% 15% 3%

16% 40% 33% 9% 2%

10% 30% 27% 33%

5% 25% 36% 31% 3%

8% 19% 33% 31% 9%

9% 45% 33% 13%

19% 45% 36%

20% 24% 46% 10%

16% 29% 37% 15% 3%

6% 36% 36% 22%

6%

18% 43% 28%

9% 24% 39% 25% 3%

4% 20% 30% 36% 10%

9% 24% 34% 20% 13%

sehr häufig häufig manchmal selten nie

5%

… wirkt auf einmal

unsicher und nervös

… kann im Gespräch nicht

mehr in die Augen sehen

… spricht auf einmal schneller

als im Gespräch zuvor

… wechselt nach einer Lüge

ganz schnell das Thema

… nennt mehr Details

als notwendig

… spielt mit seinen Haaren,

greift sich in den Nacken

… verspricht sich häufiger

mal beim Sprechen

… macht unangebrachte

Pausen beim Erzählen

… hat auf einmal eine tiefere

Stimmlage als zuvor

… spricht langsamer und

vorsichtiger

… wird rot im Gesicht,

fängt an zu schwitzen

… schluckt oder blinzelt

häufiger

… verwendet häufig

Verallgemeinerungen

… fängt an zu stottern

und zu stammeln

… verwendet rhetorische

Fragen und Gegenfragen

… verwendet mehr Gestik

beim Sprechen


54

55

»Wer lügt, stottert und stammelt.«

Falsch. Tatsächlich sprechen Lügner klar und deutlich,

was daran liegt, dass sie sich ihre Worte genau

überlegen und abwägen. Dieses Nachdenken führt

allerdings zu Verzögerungen. Also schauen Sie

den vermeintlichen Lügner an und fragen Sie sich:

»Denkt er gerade angestrengt nach?«

»Der Lügner untermalt seine

Worte oft mit wilden Gesten und

zappelt auf seinem Stuhl herum.«

steuerberater

zollbeamter

Richtig und Falsch. Lügner achten ständig auf ihre

Wirkung auf die Umwelt. Wenn sie ihre Sache

dabei besonders überzeugend machen wollen,

verraten sie sich manchmal durch ausfallende und

übertriebene Gesten. Häufiger jedoch ist, dass

der Lügner genau das Gegenteil tut. Er stellt alle

überflüssigen Bewegungen ein und konzentriert

sich ganz und gar auf seine Worte. Denn sonst

muss er sich auch noch darüber Gedanken machen,

dass ihn seine Gestik möglicherweise verrät.

»Wenn mir jemand nicht mehr

in die Augen schauen kann, dann

weiß ich, dass er lügt.«

kindergärtnerin

Richtig und Falsch. Es ist gemeinhin bekannt, dass

Lügner Blickkontakt vermeiden, weshalb sie ihn oft

ganz bewusst suchen, teils sogar auffällig starren. Aus

diesem Grund kann sowohl das wiederholte Wegsehen,

sowie das Anstarren ein Indiz für eine Lüge

sein – solange sie als Verhaltensänderung und nur

bei bestimmten Fragen stattgefunden hat.

UMFRAGE MIT 70 pERSOnEn

Wann würden Sie eine Lüge durchgehen lassen?


In welchen Situationen würden Sie die

Lüge eines Freundes durchgehen lassen?

… wenn das Ansprechen für den Lügner peinlich wäre

… wenn es den Lügner vor Kollegen schlecht dastehen lassen würde

… wenn die Lüge keinerlei Konsequenzen für beide Seiten bringt

… wenn der Lügner aus der Lüge keinerlei Vorteile zieht

… wenn mit der Lüge Konflikt oder Streit verhindert wurde

… wenn man ansonsten den Lügner einer Strafe ausliefern würde

… wenn mit der Lüge jemandem geholfen wird

… um die Privatsphäre des Lügners zu schützen

80%

85%

75%

70%

90%

65%

95%

60 %

100%

55%

0%

50%

5%

45%

10%

40%

15%

35%

20%

25%

30%


Interviews

56

57


»Wenn ich zu einem Verletzten komme,

werde ich ihm gut zureden und nicht sagen,

dass er nicht mehr lange zu leben hat.«

»Oft ist nur eine dünne Papierwand zwischen der Lüge und

der Wahrheit. Diese versuche ich möglichst nicht zu

durchbrechen, denn ich könnte meinen Job nicht richtig

machen, wenn ich alle Lügen meiner Klienten wüsste.«

polizistin

»Je größer man das Netz aus Lügen strickt, desto

leichter kann man sich darin verfangen.«

»Ehrlich gesagt glaube ich,

dass sich die meisten Menschen

vor allem selbst belügen.«

»Man sollte die Wahrheit so verpacken und umformulieren

können, dass sie zwar ankommt, aber auch akzeptiert

werden kann und eine Person nicht angreift oder kränkt.«

lehrerin

steuerberater

»Um auf Dauer erfolgreich zu lügen,

fehlt mir ganz einfach das Gedächtnis.«

studentin

VersicherungskauFFrau

graFikerin


58

59


Empfinden Sie sich als guten Lügenermittler?

Erkennen Sie schnell wenn jemand Sie belügt?

Das ist schwierig zu sagen. Ich weiß es jetzt aus der

Praxis, da erkenne ich die Lügner am ehesten am

Gesprochenem. Nicht das was sie sagen, sondern auf

welche Art sie es sagen. Man muss ganz einfach

überlegen: Wir sind hier an der Grenze und die

Menschen haben das immer im Kopf. Vor und nach

der Grenze sind die Menschen ganz locker, denn

dann geht es bei ihnen nicht mehr um viel. Niemand

kann dann noch nachweisen, dass sie Waren aus

dem anderen Land geschmuggelt haben. Aber bei der

Überquerung selbst werden viele nervös. Hier haben

sie im Kopf, dass sie auf keinen Fall etwas Falsches

sagen dürfen. Wenn sie unter diesem Druck stehen,

fangen viele oft schon bei den einfachsten Fragen an

zu schwimmen. Wenn dann Antworten kommen, die

man sonst nie geben würde, weiß man, dass sie

gelogen sind.

Halten Sie es für verwerflich am Zoll zu lügen?

Jeder kann probieren am Zoll zu lügen, wenn er

damit durchkommt, dann ist es eben so. Ich bin auch

niemandem böse, wenn er es versucht. Unsere Aufgabe

ist es, herauszufinden, ob jemand lügt oder nicht

und wenn derjenige gelogen hat und gegen das Gesetz

verstößt, gegen ihn vorzugehen. Grundsätzlich würde

ich es schon begrüßen, dass jeder das, was er dem

Staat zahlen muss, auch zahlen würde. Aber die Frage

ist ja: Warum lügt jemand? Was hat er davon? Ist es

nicht vielleicht sogar eine Schutzhaltung? Bei Bargeld

wissen viele oft gar nicht, dass sie es nur anmelden

müssten. Eigentlich wäre es immer einfacher gleich

die Wahrheit zu sagen, aber manche wollen sich

einfach nicht eingestehen, dass sie einen Fehler gemacht

haben. Sie leugnen es bis zum Schluss. Der

Zollbeamte muss dann eine Hintertüre suchen, wie

man doch noch zur Wahrheit kommt.

Lügen am Zoll

Ein Zollbeamter im Interview

An welchen Anzeichen meinen Sie zu erkennen,

dass jemand gelogen hat?

Ich glaube, dass ein Lügner unsicher und nervös wirkt.

Auch ist mir aufgefallen, dass manche Personen mir

nicht mehr in die Augen schauen können, sondern

sich einen Punkt suchen, worauf sie ihren Blick

richten können. Das ist sozusagen ihr Sicherheitspunkt.

Oft können sie dem Gespräch nicht mehr folgen

und versuchen dann schnell das Thema zu wechseln.

Wir werden aber vor allem darauf geschult, auf die

Augen zu schauen, da diese nicht lügen können. Oft

merkt man auch, dass irgendetwas nicht stimmt,

wenn eine Geschichte zu perfekt erzählt wird. Zum

Beispiel, wenn eine Person noch jedes Detail seiner

Geschichte, wie Tag oder Uhrzeit, nennen kann, auch

wenn es vielleicht schon Jahre her ist. Dann ist klar,

dass er die Geschichte auswendig gelernt hat. Es ist

viel eher ein Indiz dafür, dass die Geschichte wahr

ist, wenn eine Person über Details nachdenken muss

oder sich vielleicht nicht mehr ganz genau erinnert.

Eine perfekte Geschichte erzählen wir meist nur,

wenn wir uns schon vorher Gedanken dazu gemacht

haben. Ein anderes Anzeichen für eine Lüge ist,

wenn jemand bei der Kontrolle aus dem Auto steigt

und sofort nach einer Beschäftigung sucht. Wenn er

zum Beispiel sofort einen Apfel aus der Tasche nimmt

und anfängt zu essen. Er versucht seine Nervosität

loszuwerden, indem er sich geistig voll und ganz auf

den Apfel konzentriert. Durch gezielte Befragung

kann man den Lügner dann aber doch noch aus der

Reserve locken. Wenn man ihn immer wieder das

Gleiche fragt, verrät er sich dadurch, dass die

Geschichten jedes mal ein bisschen anders werden.

Denn wenn der Lügner unter Druck steht, wird er

sich nicht alles merken können, was er zuvor schon

gesagt hat und er wird sich schwer tun, bei einer

Version zu bleiben. Viele versuchen die Zollbeamten

auch in ein Gespräch zu verwickeln, um das Thema

irgendwie auf etwas anderes zu lenken.


60

61

Wie unterscheiden Sie die Nervosität eines Lügners

von der ganz alltäglichen Nervosität an der Grenze?

Man muss immer das Gesamtbild sehen. Wie ist die

Person, wenn sie mit dir redet? Spricht sie offen oder

wirkt sie verängstigt? Das merkt man vor allem am

Redefluss. Was gibt sie für Antworten? Was gibt sie

für Gründe an, warum sie im Ausland war? Wenn die

Gründe überhaupt nicht nachvollziehbar sind, ist das

natürlich schon ein guter Hinweis für eine Lüge. Wer

zum Beispiel fährt extra aus Norddeutschland in die

Schweiz, nur um spontan eine Freundin zu treffen, die

dann leider doch nicht zu Hause war? Natürlich gibt

es Menschen, die schon allein wegen der Kontrolle

nervös sind. Die kontrollieren dann schnell nochmals

ihren Gurt oder schauen nach, ob sie den Pass zur

Hand haben. Diese ganz normale Nervosität kann

man aber ziemlich schnell erkennen, wenn man mit

den Personen spricht.

Ist es Ihnen schon einmal passiert, dass Sie jemandem

eine Lüge geglaubt haben und am Schluss

dann total überrascht waren, als herauskam, dass

derjenige gelogen hatte?

Ja, in erster Linie sind wir ja auch nur Menschen. Wir

sind auch anfällig für Lügen und viele Menschen

versuchen an unser Mitgefühl zu appellieren. Menschlichkeit

auf der einen Seite, aber man muss auch bei

den Fakten bleiben. Erfahrungswerte helfen uns zu

wissen, wie man fragen muss, um an das Ziel zu

kommen. Der eine grinst den ganzen Tag, vielleicht

weil es ganz einfach seine Art ist, der andere schwitzt

stark, weil er leicht kränklich ist. Aus diesem Grund

sollte man erst herausfinden, wie eine Person so tickt

und dann die Anzeichen in diesem Kontext sehen.

»Für mich persönlich wäre es furchtbar

langweilig, wenn es keine Lügner

geben würde. Ich finde es spannend, gewisse

schwierige Nüsse zu knacken.«

zollbeamter

Ist Ihnen jemals ein Unterschied beim Lügen

zwischen Männer und Frauen aufgefallen?

Nein, da gibt es meiner Meinung nach keinen Unterschied.

Höchstens, dass Frauen eher auf das Klischee

»wehrlose Frau« plädieren und den Zollbeamten mit

Fragen wie »Können Sie mir nicht helfen?« und »Aber

das habe ich doch gar nicht gewusst« beeinflussen

wollen. Da aber Männer und Frauen gleich bestraft

werden, wird da auch keine Ausnahme gemacht.

Wollen Sie noch etwas über das Lügen im

Allgemeinen hinzufügen?

Ja, vielleicht: Warum das Lügen zum Leben dazugehört.

Für mich persönlich wäre es furchtbar

langweilig, wenn es keine Lügner geben würde. Ich

finde es spannend, gewisse schwierige Nüsse zu

knacken. Wenn ich merke, da stimmt etwas nicht,

versuche ich immer weiter nachzufragen, bis ich die

Nuss dann schlussendlich knacke. Im Allgemeinen

glaube ich, dass wir alle verrückt werden würden,

wenn wir zu viel Wahrheit wüssten. Es gibt Lügen,

die sind so klein, dass man gut mit ihnen leben kann

und es gibt schwere Lügen, die man nach Möglichkeit

vermeiden sollte. Man kann das Lügen auch mit

einem Golfspiel vergleichen: Zwei spielen Golf, jeder

versucht der Bessere zu sein. Einer mogelt, der andere

spielt fair. Manchmal gewinnt der eine und manchmal

der andere. Wenn der Ehrliche dem Mogler aber auf

die Schliche kommt, muss er das klipp und klar sagen.

Der Lügner hingegen muss dafür gerade stehen, dass

er gemogelt hat. So etwas gehört zum Leben ganz

einfach dazu. ❦


Was hat die Lüge für eine Bedeutung für Sie?

Beschränkt man Lüge nicht auf eine »bewusst un-

richtige Aussage«, erweist sie sich auch als Symptom

und Werkzeug von verdrängten Absichten und

Motiven. Die Lüge wird dabei immer gelenkt von

Hintersinn. Sie kalkuliert die Wirkung, verdeckt und

täuscht. Dadurch kann sie den sozialen Einklang

zerstören, weil sich der belogene Mensch missbraucht,

verraten oder beleidigt fühlt.

Haben Sie das Gefühl, dass Frauen und Männer

unterschiedlich lügen?

Hier einen Unterschied zu machen, getraue ich mich

nicht. Kaffeekränzchen und Bierstammtisch: Alles

hat seine eigene, durchaus subtile Funktion. Wie sagt

man: »Frauen tratschen« – »Männer diskutieren«

Was hat die Lüge für eine Stellung in der Kirche?

Gilt dort jede Art von Lüge als Sünde? Wie verhält

es sich mit Notlügen oder Lügen, um andere

Menschen nicht zu verletzen?

Es gilt zunächst einmal die Wahrheitspflicht. Achtes

Gebot Gottes: »Du sollst kein falsches Zeugnis gegenüber

deinem Nächsten geben!«. Die Lüge als Sünde

ist dort anzusiedeln, wo durch Unwahrheiten aller Art

bewusst einem anderen Menschen geschadet wird,

aus Egoismus oder purer Absicht. Dabei ist es wichtig,

immer die Motivation des Lügners zu hinterfragen.

Zugegeben, auch die Wahrheit kann eine Keule sein,

mit der ich jemanden erschlagen kann. Also haben

Notlügen durchaus ihren Sinn, wenn sie einen gewissen

Schutzmechanismus darstellen. Allerdings hört

dieser dort auf, wo ein anderer Mensch zu Schaden

käme oder kommt.

Lügen in der Kirche

Ein Pfarrer im Interview

Warum lügen Menschen überhaupt?

Wenn ich mir persönlich Gedanken darüber mache,

welche Ursachen der Lüge zugrunde liegen, sind

das unter anderem: Überforderung, Schwäche und

Feigheit, die scheinbare oder peinliche Wirklichkeit

ungeschützt zu offenbaren. Ernster scheint mir jedoch

jener Vorgang zu sein, der Scheinwahrheiten, Eifersüchteleien

und Halbwahrheiten vom Stapel lässt.

Entweder um aus Schadenswillen einen Konkurrenten

zu treffen, um Argwohn zu wecken, einen Ruf

zu zerstören oder jemanden lächerlich zu machen.

Weiters kommt hinzu, dass der Mensch oft aus

gesellschaftlichem Prestigedenken in die Rolle des

Lügenden hineinschlüpft. Erfolgszwänge, nicht

vorhandenes Selbstbewusstsein und ähnliche Motivationen

sind hier im Vordergrund zu sehen. Aber

auch die menschliche Erfahrung zeigt auf, dass die

Lüge scheinbar besser ist und »keine Konsequenzen«

nach sich zieht. Denkt man zum Beispiel an Eltern,

die ihren Kindern beibringen, sie sollen immer die

Wahrheit sagen, wofür sie dann aber unter Umständen

manchmal sogar bestraft werden. Um dieser

Strafe zu entgehen, lernen Kinder schon sehr früh den

Mechanismus der Lüge. Oder wenn wir sehen, wie im

Bereich der Liebe oft gelogen wird, um ein Erfolgserlebnis

zu haben oder im Bereich der Politik für die

Propaganda. Eine Liste solcher Lügen ließe sich bis

ins Unendliche fortführen.


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Was für eine Funktion hat die Beichte für die

Menschen? Kann nur derjenige Absolution erfahren,

der all seine Sünden beichtet und die ganze

Wahrheit sagt?

Auch innerhalb des Beichtvorganges wird viel gelogen.

Die ganze Wahrheit kommt selten zur Sprache,

deshalb sollte der Pfarrer immer nachfragen. An sich

wäre die Beichte wirklich ein »ideales Instrument«

um gefahrlos über das eigene Leben zu reden. Warum

das trotzdem nur sehr wenige Menschen tun? Hier

scheint die Angst größer zu sein, als der Wille zur

Wahrheit. Vieles wird auch noch in der Beichte

verschwiegen. Als Priester aber muss ich schlicht

und einfach einmal annehmen, dass der Beichtende

die gesamte Wahrheit sagt. Eine Absolution kann

ich oder muss ich dort verweigern, wo keine Reue

und kein Wille zur Besserung oder zur Wiedergutmachung

vorherrscht. Ein Extrembeispiel dafür wäre

ein Mörder, der noch nicht von der Polizei gefasst

wurde. Die Absolution gibt es nur dann, wenn er

sich der irdischen Gerechtigkeit stellt.

»Zugegeben, auch die Wahrheit kann eine Keule sein,

mit der ich jemanden erschlagen kann. Also

haben Notlügen durchaus ihren Sinn, wenn sie einen

gewissen Schutzmechanismus darstellen.«

pFarrer

Wie verhält es sich mit dem Verschweigen von

Wahrheit? Gilt dies für Sie auch als Lüge? Ist es

manchmal sogar besser in Beziehungen die

Wahrheit zu verschweigen?

Das Verschweigen der Wahrheit kann unter Um-

ständen ein Weg sein, wenn die Wahrheit zu sagen

lieblos wäre. Wiederum muss man dabei abschätzen:

Welcher Wert liegt dahinter? Eine wirklich gute

Beziehung sollte jedoch die Wahrheit aus Liebe

im Gepäck haben.

Wie würde die Welt ihrer Meinung nach ohne

Lügen aussehen? Wären wir wirklich glücklicher

oder gehören gewisse Lügen ganz einfach in eine

funktionierende Gesellschaft?

Eine Welt ohne Lügen? Die gibt es nicht! Wenn ich

daran denke, dass es eine große Religionsgemeinschaft

gibt, die von ihren Mitgliedern die Lüge als

Instrument gegenüber »Ungläubigen« direkt fordert.

Scheinbar gehört es zu einer funktionierenden

Gesellschaft, dass die Lüge als Instrument benutzt

wird. Es wäre eine Diplomarbeit wert, sich einfach

nur Gedanken über die Motivation einer Lüge zu

machen!


Anhang

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Glossar

D

E

I

J

K

M

Detailfragen: Fragen mit Details, die nur ein Täter wissen kann.

Dabei liefert die Reaktion des Täters ein Indiz auf die Lüge.

Disharmonien: Unstimmigkeiten in Gesichtsausdruck, Körpersprache

oder Verhalten einer person.

Embleme: Gesten, die ohne Worte funktionieren und eine im

Kulturkreis allgemein verständliche Bedeutung haben.

Indizien: Anzeichen, die darauf hinweisen, dass es sich um

eine Lüge handelt.

Jochbeinmuskel: Auch Lachmuskel genannt, zieht die Mund-

winkel nach oben zu einem Lächeln.

derfragen: Fragen, die dem vermeintlichen Lügner vorspielen,

bereits mehr Wissen zur Tat zu verfügen, um das

Stresslevel noch zu erhöhen.

Künstliche Gesichtsausdrücke: Falsche Gesichtsausdrücke,

die aufgesetzt werden, um die wahren Gefühle zu überdecken.

Manipulatoren: Bewegungen, bei denen ein Körperteil ein

anderes berührt, streichelt, kratzt oder reibt.

Quellen

Jack Nasher, »Durchschaut. Das Geheimnis,

kleine und große Lügen zu entlarven«

Wilhelm Heyne Verlag, München 2010

Paul Ekman, »Ich weiss, dass du lügst«

Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek 2011

Paul Ekman, »Gefühle lesen«

Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010

Joe Navarro, »Menschen lesen. Ein FBI Agent

erklärt, wie man Körpersprache entschlüsselt«

FinanzBuch Verlag GmbH, München 2010

Claudia Mayer, »Lob der Lüge: Warum

wir ohne sie nicht leben können«

Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2007

Jürgen Schneider, »Du sollst nicht lügen«

C. Bertelsmann Verlag, München 2010

N

R

V

Mikroausdrücke: Gesichtsausdrücke, die nur für Sekundenbruchteile

andauern und das tatsächlich Gefühlte wiedergeben.

NLP: »neurolinguistisches programmieren« bezeichnet eine

umstrittene Sammlung von Kommunikationstechniken und

Mustern zur Analyse von Wahrnehmung.

Normalverhalten: Das Verhalten, dass jemand in einer Situation

zeigt, während er die Wahrheit sagt.

Notlügen: Scheinbar die besseren Lügen, die oft aus Höflichkeit

verwendet werden oder um jemanden nicht zu verletzen.

Reflexfragen: Fragen, die nur ein Schuldiger als Anschuldigung

erkennt und darauf entsprechend reagiert.

Ringmuskel: Ein Muskel, der sich rund um das Auge befindet.

Er weist auf ein tatsächlich gefühltes Lächeln hin.

Verhaltensänderung: Die Veränderung des Verhaltens eines

vermeintlichen Lügners beim Wechsel auf das kritische Thema.


»Eines Tages schwimmt die Wahrheit doch nach oben.


Als Wasserleiche.« WIesLaW BrudzInsKI

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