20 Porträt - Denise Affolter

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20 Porträt - Denise Affolter

Juni /Juli 12 22 PorträtDenise Affolter

Selber Verantwortung tragen

1988 gab es noch keine Medikamente gegen die Nervenkrankheit

MS. Die ersten Medikamente kamen erst fünf

Jahre später auf den Markt. Denise Affolter erhielt Kortisontabletten,

wenn sich die Gehfähigkeit massiv verschlechtert

hatte. Die Abhängigkeit von den Ärzten und

was sie verschrieben, hat sie schon immer gestört. «Ich

will selber Verantwortung tragen», sagt sie und suchte

nach alternativen Behandlungsmethoden. Sie probierte

Akkupunktur aus und unter Anleitung eines Arztes hielt

sie sich an einen speziellen Ernährungsplan und machte

Vitaminkuren – doch das nützte nichts. Erst als sie auf

den Yoga stiess, begann sich ihr Leben zu verändern.

Multiple SkleroSe

kra. Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Krankheit des Nervensystems.

In der Schweiz geht man von etwa 10000 Betroffenen

aus. Bei 70 Prozent der Erkrankten zeigen sich die ersten Symptome

im Alter von 20–40 Jahren.

Die genaue Ursache der MS ist nicht bekannt. Im Zentrum der Schädigung

liegt gemäss heutiger Erkenntnis ein Autoimmungeschehen,

bei dem eigene Abwehrzellen (Immunzellen) das körpereigene Nervengewebe

angreifen und zerstören.

Die MS verläuft unvorhersehbar und sehr individuell. Eine Prognose

bezüglich der Schwere des Verlaufs oder der möglichen Beeinträchtigungen

ist daher nur unter grossem Vorbehalt möglich. Bei der

Mehrheit der Betroffenen (rund 85 Prozent) beginnt die MS mit Schüben.

Ein Schub ist ein akuter neurologischer Funktionsausfall, der

mindestens 24 Stunden anhält und zu vielfältigen Symptomen führt.

Oft bilden sich die Beschwerden nach einem Schub wieder zurück,

manchmal bleiben sie aber ganz oder teilweise bestehen. Zwischen

den Schüben findet keine Verschlechterung des Gesundheitszustands

statt. Bei 10–15 Prozent der Betroffenen zeichnet sich die MS

von Anfang an durch langsame, kontinuierliche (chronische) Verschlechterung

aus. Dazwischen kann die Krankheit zeitweise auch

stillstehen.

Weitere Informationen: www.multiplesklerose.ch

Bereits nach der Schnupperlektion stellte die damals

27-Jährige fest, dass sie sich völlig anders fühlte: zufrieden,

erholt und entspannt. «Es war mir wohl in meiner

Haut», sagt sie und schmunzelt bei dem Gedanken, dass

sie ihre Yogalehrerin Madeleine Keel in dieser Yogastunde

völlig überforderte. Damals habe sie zwar noch vom Boden

auf den Stuhl wechseln können, doch viele Übungen

habe sie nicht so machen können wie der Rest der Gruppe.

Doch die beiden gaben nicht auf. Madeleine Keel

passte die Asanas für ihre neue Schülerin an und gab ihr

Programme für zu Hause, die diese konsequent übte.

Inzwischen haben die beiden zusammen für die schweizerische

MS-Gesellschaft mehrere Yogaseminare für MS-

Betroffene durchgeführt. «Viniyoga ist ideal, da die Stellungen

individuell angepasst werden können», sagt Denise

Affolter, die auch in ihrem eigenen Yogastudio in Zollikofen

Yoga für Menschen mit MS anbietet. Der Yoga zeige

den Betroffenen, dass sie mehr könnten, als sie sich

selbst zutrauten.

Keine Wunder erwarten

«Der Yoga machte mir klar, dass ich selber Verantwortung

übernehmen kann», sagt Denise Affolter. Er habe ihr neue

Räume eröffnet, aber auch gezeigt, dass es Grenzen gebe:

«Es dürfen keine Wunder erwartet werden; die Krankheit

bleibt unheilbar.» Doch der Yoga hat ihren Krankheitsverlauf

positiv beeinflusst und den schleichenden Abwärtsprozess

verlangsamt, davon ist sie überzeugt. Das regelmässige

Übern führte dazu, dass die MS-Schübe

(schubartige Verschlechterungen des Gesundheitszustandes)

verringert wurden und sie den Alltag besser bewältigen

konnte. Zudem wurde sie ruhiger und ausgeglichener.

Heute nimmt sie überhaupt keine Medikamente

mehr. «Die Ärzte sagten mir, bei MS könne man nichts

machen. Der Yoga bewies mir das Gegenteil.»

2005 erfüllte sich Denise Affolter einen Herzenswunsch:

Sie begann in Biel bei Margareta Stühl mit der

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