Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

fürchtet, sie, das Kloster und sich selbst in Schande zu bringen,

da sie von ihm schwanger ist und so nahe der Entbindung, daß

sie jeden Tag, jede Stunde sie erwarten kann. Und kein Mittel

läßt sich ersinnen, entweder sie heimlich entbinden zu lassen,

oder auch nur weiter zu ihr zu kommen. Kurz, man muß aus-

essen, was man sich eingebrockt hat, und Erminio dringt in

mich, das Wie hin und her zu überlegen. Er hätte überlegen

sollen, wie er's hätte machen können, um es nicht zu bereuen.

Aber durch Schaden wird man erst klug, und er muß Gott

danken, daß er keinen Vater hat, wie Aridosio. Doch eben fällt

mir ein, Tiberio muß noch hier bei Ruffo sein und hat ganz

vergessen, aufs Land zurückzukehren. Wenn das aber sein

Vater merkt, wird er hierher rennen, um uns allen die Ohren

vollzuschreien. Sieh, da kommt gerade Tiberio, der an alles

andere eher zu denken scheint, als aufs Land hinauszugehen.

3. SZENE

Lucido. Tiberio. Livia. Ruffo

TIBERIO. Werde ich je mich ersättigen, liebstes Herz, dich

zu sehen, mit dir zu sprechen, dich anzurufen?

LIVIA. Ob du daran nicht genug haben kannst, ist deine Sache.

Denn ich bin dein und werde es immer sein.

RUFFO. Das sage nicht. Denn du gehörst mir und nicht ihm.

Erst wenn er mir das Geld gegeben hat, wirst du ihm gehören.

TIBERIO. Mann, geboren, um an meinem Tode schuld zu

sein!

RUFFO. Der Mann, geboren, um an meinem Tode schuld zu

sein, bist du, der, wenn du mir das Geld nicht gibst, mich zugrunde

richtet, denn sie ist all meine Habe und mein Verkaufsladen,

ohne den ich nicht leben kann.

TIBERIO. Ich werde dir geben, was du verlangst, wenn du

Geduld hast. Aber laß mich ein Weilchen in Frieden.

RUFFO {zu Livia). Dann also wirst du ihm gehören. Einstweilen

aber wollen wir nach Hause gehen. Komm, Livia!

LIVIA. Tiberio, ich empfehle mich dir.

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