Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

booksnow2.scholarsportal.info

Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

TIBERIO. Geh mit Gott, das heißt zum Henker! Tu, was du

willst!

RUFFO, Wo soll ich dich finden ?

TIBERIO. Auf der Piazza.

RUFFO. Addio! {Geht ah)

LIVIA. mir ist ein Mühlstein vom Herzen gefallen!

TIBERIO. Und mir von der Seele. O, nun kann ich dich anschauen

und anfassen, ohne daß dieser Ruffo mich von der

anderen Seite zupft.

LUCIDO. Ich möchte wohl sehen, wie du das Geld herbeischaffst.

TIBERIO. Irgendwie wird es gehn, Lucido. Wenn man die

Sachen zu lange bedächte, würde man nie zu etwas kommen.

Ich weiß, du wirst mir helfen und etwas ausdenken, wie wir

das Geld aufbringen können.

LUCIDO. Denken werd' ich freilich, es wird sich aber darum

handeln, etwas auszudenken, was glückt. Aber sage mir, du

hast nicht die Absicht, aufs Land zurückzukehren ? Wie glaubst

du mit deinem Vater fertig zu werden, wenn er merkt, daß du

nach Lucca gekommen bist zu solchen Streichen? Das fehlte

noch grade! Diesen Wütenden zu besänftigen und an demselben

Tage fünfundzwanzig Dukaten zu finden! Denn beides zu tun,

ist gerade so möglich, als Ruffo abzuhalten, daß er nicht zu

deinem Vater geht, ihm die Ohren vollschreit und erzählt, du

habest ihm Gewalt angetan und diese hier geraubt. Das erste,

was er tut, wird sein, daß er sie dir nimmt und sie ihm wieder-

gibt, und du kommst noch gut weg, wenn er dich nicht ver-

stößt.

TIBERIO. Kann er es erreichen, daß ich meine Livia nicht be-

sessen hätte?

LUCIDO. Er kann es dahin bringen, daß du sie nie mehr be-

sitzest.

TIBERIO. Ich werde wenigstens ein Weilchen mit ihr zusammen

sein. Wer eine Weile genießt, darbt nicht immer. Lucido,

ich empfehle dir meine Sache. Ersinne etwas, was diese schweren

Übel abwehren kann. Wir wollen indessen hier ins Haus

gehen und Erminio erwarten, der versprochen hat, mit uns zu

Mittag zu essen. {Ab mit Livia in eins der Häuser)

T 99

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine