Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

LUCIDO. Mehr hat sie mir nicht gesagt.

ERMINIO. O Gott, die Arme muß außer sich sein!

LUCIDO. Außer sich bist du.

ERMINIO. Was soll ich tun, Lucido ?

LUCIDO. Jetzt sollt Ihr zu Mittag essen. Dann werden wir bedenken,

was zu tun ist. Ich erinnere Euch daran, daß die Dinge

zu schwer nehmen zu nichts anderm gut ist, als sich Herzweh

zu machen.

ERMINIO. Ich kann aber nicht anders. Du hast gut reden, da

du dabei keine Leiden hast.

LUCIDO. Glaubt Ihr denn, bei Euren Leiden litte ich nicht

mit? Ich schwöre Euch, diese ganze Nacht habe ich keinen

Schlaf gefunden, weil ich immer daran dachte, wie ich Euch

aus Eurer schlimmen Lage helfen und Euch glücklich machen

könnte. Und auch jetzt noch gebe ich die Hoffnung nicht

auf, es zu erreichen.

ERMINIO. O wollte es Gott!

LUCIDO. Jetzt aber gehn wir zum Essen, denn Tiberio erwartet

Euch.

ERMINIO. Wo ist Tiberio ?

LUCIDO. Da drinnen, mit seiner Liebsten. Und Ihr könnt glau-

ben, daß sie ihre Zeit nicht verlieren.

ERMINIO. Ich Unglücklicher! Er, dem alles im Wege ist und

der einen so eigensinnigen Vater hat, kein Geld, keinen Umgang

mit andern, ist im Besitz seiner Geliebten, und mir, der

ich das alles habe und von jedermann gefördert werde, fehlt

sogar die Hoffnung, in Zukunft sie besitzen zu können.

LUCIDO. Laßt das jetzt dahingestellt und speist in Ruhe. Hernach

werden wir etwas ausdenken. Ihr wißt, Fortuna ist mit

der Jugend.

ERMINIO. Es liegt dir sehr am Herzen, dies Mahl nicht kalt

werden zu lassen. Geh' mit Gott und bestell es. Ich bleibe hier

draußen vor der Tür. Du kannst mich rufen.

LUCIDO. Das ist denn doch etwas wichtiger. {Ab ins Haus)

ERMINIO {allein). Ich habe mich oft gefragt, was trauriger sei,

zu lieben ohne Gegenliebe, oder wenn man liebt und wiedergeliebt

wird und beide nur den einen Wunsch haben, durch

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