Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Tochter, doch ohne zu denken, daß diese unsre Liebe so traurig

enden würde. Aber da sie, wie alle richtigen Lieben, immer

wuchs, kam sie zu solcher Höhe, daß sie nicht heißer werden

konnte, während die ihre in demselben Maße wuchs. Doch

konnten wir nichts anderes tun, als zuweilen einander einen

Brief zu schreiben, freilich mit großer Vorsicht. Als ich nun

inne ward, daß ich ohne sie nicht länger leben konnte und kein

leichteres Mittel fand, meine Sehnsucht zu stillen, dachte ich

sie zum Weibe zu begehren. Ich besprach dann die Sache mit

meinem Vater, der diese Verbindung in jeder anderen Hinsicht

sehr lobte, bis auf den Schwiegervater. Doch da er die Heftigkeit

meines Wunsches erwog und die andern günstigen Umstände,

beschloß er, durch angesehene Mittelspersonen mit Aridosio

davon sprechen zu lassen, in der Meinung, dies müsse

wirken, da jedermann dieser Ansicht war. Als ich dann, wenn

auch mit Mühe, jemand gefunden hatte, der zu der Unterhandlung

über die Sache bereit war und mit ihm sprach, antwortete

er, die Verbindung gefalle ihm, doch daß er arm sei und seiner

Tochter keine Mitgift geben könne. Mir wurde diese Antwort,

die mir anfangs gut geschienen, mit der Zeit sehr nachteilig.

Ich wollte nur die Tochter und nicht die Mitgift, und nackt wäre

sie mir genug gewesen. Mein Vater aber erklärte, ohne tausend

Golddukaten dürfe ich die Heirat nicht schließen, oder ihm nie

wieder vor die Augen kommen. Da war ich denn gezwungen,

aus Furcht vor meinem Vater mich zu ducken und andere Wege

zu suchen, denn tausend Dukaten von ihm zu erlangen, war

genau so möglich, wie einen Ehrenmann aus ihm zu machen.

Damit aber, daß ich auf andere Mittel sann, machte ich ihn arg-

wöhnisch ; deshalb und vielleicht auch der größeren Ersparnis

wegen, zog der gute Mann aufs Land hinaus, wo er schon seit

mehr als einem Jahre lebt und seiner armen Tochter kein gutes

Leben bereitet, ja sie, die eine Königin zu sein verdiente, den

Boden umgraben läßt . .

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