Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

FÜNFTER AKT

I. SZENE

Messer Alfonso. Ruffo

MESSER ALFONSO. Du hättest dich wohl einen Tag länger

gedulden können.

RUFFO. Und wenn ich zwei Monate weder Briefe noch Botschaft

von Euch erhielt, sollte ich da nicht nach dem Meinigen

sehn ? Glaubt nur, ich hätte sie viel lieber Euch geschenkt, als

ihm verkauft.

MESSER ALFONSO. Geschenkt ? Du wärst dann nie mehr arm

gewesen.

RUFFO. Ich war immer unglücklich.

MESSER ALFONSO. Unglücklich bin ich, der ich von Tortona

kommen muß, um eine Tochter von mir nun entehrt zu sehn.

Und mir bleibt nur die entgegengesetzte Hoffnung von der, die

ich vorher hatte. Denn wie ich wünschte und hoffte, sie möchte

meine Tochter sein, so wünsche ich jetzt, sie möchte es nicht

sein. Denn es würde mich sehr viel weniger betrüben, sie zu

entbehren, obwohl es meine einzige wäre, als sie in solchem

Zustand zu finden.

RUFFO. Daß sie es ist, das bezweifelt nicht, wenn die Zeichen

richtig sind, die Ihr genannt habt. Aber wißt Ihr, was ich Euch

sagen muß, Messer Alfonso ? Daß Ihr sie verheiraten sollt, und

überall geht es in gleicher Weise zu. Und obwohl zwischen

Tortona und Lucca ein großer Unterschied ist, nichtsdestoweniger

ist, der sie besitzt, so verliebt und sein Vater so geizig,

daß, wenn Ihr Euch nicht entschließt, ihr eine gute Mitgift

zu geben, Ihr sie ihm nicht werdet zur Frau geben können.

Und für sie wäre es viel besser, hier verheiratet zu werden,

wo sie erzogen worden ist, und mit einem der Vornehmsten der

Stadt.

MESSER ALFONSO. Wenn die Sache mit Geld in Ordnung zu

bringen wäre, sollt' es an mir nicht fehlen.

RUFFO. Geld und nichts anderes kann das bewirken.

MESSER ALFONSO. Das gebe Gott! Aber ich kann's nicht

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