Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

ERMINIO. O Heber Vater, wieviel Dank schulde ich dir da-

für, mehr, als wenn du mich zum zweitenmal an Kindesstatt

angenommen hättest!

MARCANTONIO. Wir werden morgen hinschicken, sie von dort

abholen zu lassen, denn sie ist dort nicht recht nach Wunsch.

ERMINIO. Gott, wie hat sich alles plötzlich geändert! Während

ich tiefunglücklich war und stündlich fürchtete, noch unglücklicher

zu werden, bin ich nun überglücklich geworden, so daß

ich mit keinem Fürsten tauschen würde.

MARCANTONIO. Darum muß man sich aber nicht an solche

Ausschweifungen gewöhnen, denn wenn dies gut abgelaufen ist,

war's dein gutes Glück.

ERMINIO. Nein, nicht mein Glück, sondern Eure Weisheit und

Fürsorge. Darum bin ich Euch doppelt verpflichtet, einmal, weil

Ihr mich von dem größten Schmerz und Kummer befreit habt, den

ich je empfunden, und dann, weil Ihr mir eine Freude und Gunst

erwiesen, größer als höchstens Gott selbst sie mir antun konnte.

MARCANTONIO. Spare die Worte! Freue dich des Besitzes deiner

Fiammetta, da sie dir so sehr gefällt, und führe dich so auf,

daß meine Hilfe dir in Zukunft nicht mehr nötig ist, um Verirrungen,

in die du verfällst, wieder gutzumachen, sondern

um deine Ehre und dein Vermögen zu vermehren.

ERMINIO. Das will ich von ganzem Herzen tun. Ich bin gewiß,

daß die Jugend mich nicht wieder wie früher von dem guten

und festen Vorsatz, mich gut aufzuführen und Euch zu gehorchen,

ablenken wird.

MARCANTONIO. Du weißt wohl, daß ich mit jungen Leuten

Mitleid fühlen kann.

ERMINIO. Ich weiß es, denn ich habe es so oft erprobt. Ich will

deshalb, lieber Vater, es nicht machen, wie es heutzutage der

Brauch ist, daß einer, der glücklich und zufrieden ist, sich seiner

Freunde und Verwandten nicht erinnert. Jetzt, da ich habe, was

ich will, und selig bin, will ich mich um so mehr an das erinnern,

was ich Cesare versprochen habe. Er hat mich aufs inständigste

gebeten, Euch zu bewegen, daß Ihr ihm zum Besitz meiner

Schwester verhelfen möchtet, mit Hilfe des Geldes, das er gefunden

hat. Und sicherlich wünscht er doch nichts Unvernünftiges.

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