Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

dieser, die an einen alten, einfältigen Mann verheiratet ist, durch

ein Wundermittel Kindersegen zu verleihen. Dies Wunder-

mittel ist angeblich die Alraunwurzel, Mandragora officinarum,

die schon den Alten bekannt war und Liebe erwecken, sowie

fruchtbar machen konnte. Aber bei Machiavelli ist alles so ge-

führt, die Figuren sind so gezeichnet, der alte Gatte willigt so

freudig und mit so viel Herzensroheit in die Schmach seiner

Frau, obwohl er das Werkzeug dieser Schmach einem sicheren

Tode überliefert glaubt, daß er als betrogener Betrüger erscheint,

dem nur zuteil wird, was er verdient.

Lucrezia, die Gattin, ist bei Machiavelli sogar einer der edelsten

und liebenswürdigsten Charaktere der italienischen Komödie.

Wir hören ihren sittlichen Abscheu gegen das ihr angesonnene

Ungeheuerliche in ihren Ausrufen, mit denen sie auf die

sophistischen Gründe antwortet, durch die ihr Beichtvater sie

zu bewegen trachtet, ihrem Manne zu gehorchen: ,, Sprecht

Ihr im Ernst oder scherzt Ihr ? — Dies scheint mir die entsetz-

lichste Sache, von der man jemals gehört hat! — Wozu über-

redet Ihr mich, Pater! — So sei es denn! Aber ich glaube die

Nacht nicht zu überleben!"

Daß sie dann der empörenden Zumutung ihres Gatten sich

dennoch fügt, zumal sie einen solchen Mann niemals wirklich

geliebt haben kann und nur die Sehnsucht nach einem Kinde

mit ihm teilt, wird man ihr nicht zur Sünde anrechnen, so wenig

wie daß sie, nachdem es geschehen und sie erfahren hat, welchem

Betrug sie zum Opfer gefallen ist, sich jeder Pflicht gegen

diesen Mann entbunden und berechtigt fühlt, dem leidenschaftlichen

jungen Liebhaber, der ihr Treue schwört, für alle Zukunft

nun anzugehören.

Was die Technik betrifft, steht die alte Mandragola noch auf

dem Boden der klassischen Tradition. Die Szene ist, wie bei

Ariost, eine Straße zwischen den Häusern einiger der Haupt-

personen, im Hintergrunde eine Kirche; die Exposition leidet

an derselben Unbehilflichkeit wie die früheren Stücke; hier

tritt sie sogar noch naiver auf, als man sonst gewohnt war, da

der Liebhaber seinem Bedienten die Vorgeschichte, die er ihm

erzählen muß, mit den Worten einleitet: „Du hast das schon

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