Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

Verfall der Frömmigkeit, deren Folge das Nachlassen der Opfergaben

sei und ähnliche Betrachtungen, denen wir bei andern

Mönchen nicht begegnen. Überall tritt Machiavellis Sorge zu-

tage, seinen Figuren ein persönliches Interesse zu schaffen.

Sein zweites Lustspiel, Clizia, soll er nach der Mandragola

gedichtet haben, was mühsam zu glauben ist, da es in jedem

Betracht hinter dieser zurücksteht und eher als eine Vorarbeit

erscheint, in der er sich von der Nachahmung der Alten noch

nicht soweit losgelöst hatte und den widerwärtigen Zynismus,

der in der Zeit lag, durch glänzenden Witz nicht wettmachte.

Ob ein drittes Lustspiel, in Versen, ohne Titel, mit Recht ihm

zugeschrieben werden könne, ist ungewiß. Keinenfalls steht es

auf der Höhe des ersten. Ungewiß ist auch, ob die Mandragola

1520 vor Papst Leo X. gespielt worden ist^. Die Satire gegen

die Mönche in der Gestalt des Fra Timoteo konnte kein Hinder-

nis gewesen sein, da auch der Papst ihnen nicht hold war.

In einem Dialog, mit der Überschrift: ,,0b die Sprache, die

Dante, Petrarca und Boccaccio geschrieben, italienisch oder

toskanisch oder florentinisch zu nennen sei?*', kommt Machia-

velli auch auf Ariost zu sprechen, an dessen Lustspiel (essollen die

Suppositi gewesen sein) er tadelt, daß es des eigentlichen Salzes

entbehre, da der Dichter sich gescheut habe, in den Scherzworten

den ihm natürlichen ferraresischen Dialekt zu gebrauchen,

des toskanischen aber nicht mächtig war und sie

darum wegließ. So entstand ,,eine artige Arbeit in einem geschmückten,

regelmäßigen Stil, ein gut geknüpfter und noch

besser gelöster Knoten der Handlung, aber ohne rechte komische

Wirkung". So tief verstand Machiavelli, wieviel die

wahre Komödie ihrer Bodenständigkeit dankt.

* Darüber Genaues bei Pasquale Villari, „Niccolò Machiavelli e i suoi

tempi", 3. Aufl., Bd. Ili, S, 148 uff. (Milano, Hoepli, 1914); über jenes

3, Lustspiel, das dem Filippo Strozzi zugeschrieben und über ein 4. in

Prosa, als dessen Autor Antonio Grazzini, genannt II Lasca, erkannt

wurde, ebenda, S. 166 uff. [Die Herausg.l

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