Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

3. SZENE

Fra Timoteo. Eine Frau

FRA TIMOTEO. Wenn Ihr beichten wollt, steh' ich zu Diensten.

DIE FRAU. Heute nicht. Ich werde erwartet, und es genügt

mir, mich so stehenden Fußes ein wenig erleichtert zu haben.

Habt Ihr jene Messen zu Unsrer lieben Frau gelesen?

FRA TIMOTEO. Ja, Madonna.

DIE FRAU. Nehmt jetzt diesen Gulden und lest zwei Monate

hindurch jeden Montag eine Totenmesse für die Seele meines

Mannes. Obwohl er ein roher Mensch war, so regt sich doch das

Fleisch. Ich kann mir nicht helfen, es regt sich in mir, wenn

ich an ihn denke. Aber glaubt Ihr, daß er im Fegefeuer ist?

FRA TIMOTEO. Ohne Zweifel.

DIE FRAU. Ich bin dessen nicht recht sicher. Ihr wißt doch,

was er mir manchmal getan hat. O wie oft habe ich mich bei

Euch darüber beklagt! Ich hielt mich von ihm fern, soviel ich

konnte, aber er war so zudringlich. Ach, mein Gott!

FRA TIMOTEO. Zweifelt nicht. Gottes Barmherzigkeit ist groß.

Wenn der Mensch nur guten Willen hat, hat er immer noch

Zeit zu bereuen.

DIE FRAU. Glaubt Ihr, daß der Türke dieses Jahr nach Italien

kommt ?

FRA TIMOTEO. Wenn Ihr nicht Gebete dagegen tut, gewiß.

DIE FRAU. Pardautz! Gott steh' uns bei gegen ihre Teufeleien:

ich habe eine große Furcht vor diesem Pfählen. Aber ich sehe

dort in der Kirche eine Frau, die Garn von mir hat; ich muß zu

ihr. Habt guten Tag!

FRA TIMOTEO. Geht mit Gott! [Die Frau ah)

4. SZENE

Fra Timoteo. Ligürio. Messer Nicia

FRA TIMOTEO. Die mildtätigsten Personen, die es gibt, und

zugleich die lästigsten sind die Weiber. Wer sie abweist, meidet

lange Weile und seinen Vorteil ; wer sich mit ihnen einläßt, hat

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