Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

Ich habe dir's gesagt und sag' es noch einmal : wenn Fra Timoteo

meint, es sei

bedenklich tun.

kein Gewissensskrupel dabei, kannst du es un-

LUCREZIA. Ich habe immer gefürchtet, Messer Nicias Wunsch,

Kinder zu haben, möchte uns zu etwas Unrechtem verleiten,

und deshalb bin ich immer, wenn er mir von so etwas gesprochen

hat, mißtrauisch und zweifelhaft gewesen, besonders

nachdem mir das, was Ihr wißt, begegnete, weil ich zu den

Serviten ging. Aber von allem, was versucht worden ist, scheint

mir dies das Ungeheuerlichste: meinen Leib zu einem solchen

Schimpf hinzugeben und einen Menschen dem Tode zu über-

liefern, weil er mich entehrt hat. Denn ich würde nicht glauben,

wenn ich allein auf der Welt zurückgeblieben wäre und die

Menschheit durch mich neu erstehen sollte, daß mir eine ähn-

liche Handlung erlaubt sein könnte.

SOSTRATA. Ich kann nicht viele Worte darüber machen, liebe

Tochter. Du wirst den Frate sprechen, hören, was er sagt, und

tun, was dir von ihm, von uns und allen, denen du teuer bist,

geraten wird.

LUCREZIA. Ich bin in Schweiß vor Unruhe.

II. SZENE

Vorige. Fra Timoteo

FRA TIMOTEO. Seid willkommen! Ich weiß, was Ihr von mir

hören wollt, da Messer Nicia mit mir gesprochen hat. In der

Tat, ich habe zwei Stunden über Büchern gesessen, um diesen

Fall zu studieren. Nach langer Prüfung finde ich vieles, was

im besonderen und im allgemeinen für uns spricht.

LUCREZIA. Redet Ihr im Ernst, oder spaßt Ihr ?

FRA TIMOTEO. O, Madonna Lucrezia, sind das Dinge, über

die man spaßt ? Kennt Ihr mieli erst seit heute ?

LUCREZIA. Nein, Pater. Dies aber scheint mir das Ungeheuer-

lichste, was man jemals gehört hat.

FRA TIMOTEO. Das glaub' ich Euch, Madonna. Aber so sollt

Ihr nicht mehr sprechen. Es gibt viele Dinge, die aus der Ferne

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