Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

Vatikan gegeben, der göttliche Raffael hatte die Szene gemalt,

Papst Leo X. selbst beaufsichtigte den Eintritt der geladenen

Zuschauer. Einige ausländische Prälaten nahmen Anstoß an

gewissen indezenten Zweideutigkeiten, Bisticci aromatici, wie

man sagte, zumal im Prologe; aber der Papst war nicht so

skrupulös; ihn befriedigte die Aufführung sehr, und er bat in-

folgedessen den Autor um ein neues Stück. Den i6. Januar 1520

sendete ihm Ariosto den Negromante, welchen er schon zehn

Jahre vorher begonnen hatte. Doch ward diese Komödie nicht

in Rom gespielt, sondern erst später in Ferrara, und hier kam

auch 1528 und 1529 die Lena zur Darstellung. Ein fünftes Lust-

spiel Gli Studenti war bei des Verfassers Tode noch unvollendet;

sein Bruder Gabriele ergänzte es unter dem Titel La

Scolastica." (Gaspary, II, S. 418.)

Was den Dichter bewogen haben mag, die drei letzten Stücke

in Versen abzufassen, ja auch die Cassaria und die Suppositi,

als er sie 20 Jahre später wieder auf die Bühne brachte, in

Verse umzuschreiben, ist nicht ganz klar. Vielleicht glaubte er

ihnen dadurch einen höheren dichterischen Wert zu verleihen

oder seinen klassischen Vorbildern näher zu kommen, die alle

die Versform hatten. Die Wahl gerade dieses Verses aber, des

sagenannten Endecasillabo sdrucciolo, des Fünffüßlers mit gleitendem

(daktylischem) Ausgang, war keine glückliche. Er ermüdet

auf die Länge, während Ariosts Prosastil von höchster

Natürlichkeit und Lebendigkeit ist^.

^ Zur Probe genüge hier der Anfang.

AKT L SZENE i

NEBBIA Ich gehe schon; mich zu vertreiben, braucht Ihr Euch

Nach Stecken oder Degen nicht erst umzusehn.

Wir alle gehn, mit einem Mal, und räumen Euch

Das Haus. Wohlauf denn ! Gehen wir und lassen ihn

Allein, damit er nehmen oder zerstören kaim.

Was ihm beliebt, und Zeugen nicht zu scheuen braucht.

CORBO. Du bist ein Narr doch, Nebbia, ein erstaunlicher.

Daß von uns allen, die im selben Dienst wir sind,

Du ganz allein dich allem, was Erofilo

Mag wünschen, immer gleich dich widersetzen muBt.

Ob das zum Schaden dir gereicht, ob Nutzen dir

Bis jetzt gebracht, erkennen hast du's jetzt gekonnt.

Zum Teufel I So gehorch' ihm doch, und wünscht er was,

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