Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

CALLIMACO. Nun seh' ich klar, wie schlimm es mit mir steht,

wenn du jetzt erst darüber nachdenken mußt.

LIGURIO. Ich hab's!

CALLIMACO. Was hast du?

LIGURIO. Ich will den Pater, der uns bis hierher geholfen hat,

dazu bringen, auch noch das übrige zu tun.

CALLIMACO. Auf welche Art?

LIGURIO. Wir müssen uns alle verkleiden. Auch der Frate soll's,

und deine Stimme, dein Gesicht, deine Kleidung annehmen;

dem Doktor werde ich einreden, du seist's, und er wird's glauben.

CALLIMACO. Das scheint mir gut. Aber ich, was soll ich tun?

LIGURIO. Du sollst einen alten Bettlermantel umhängen und

mit einer Laute in der Hand hier an die Ecke seines Hauses

kommen und ein Liedchen singen.

CALLIMACO. Mit unbedecktem Gesicht?

LIGURIO. Ja. Wenn du eine Maske trägst, würde er Verdacht

schöpfen.

CALLIMACO. Er wird mich erkennen.

LIGURIO. Er wird es nicht. Denn du mußt das Gesicht ver-

zerren, den Mund aufsperren, spitzen oder die Zähne fletschen,

ein Auge schließen. Probier's einmal!

CALLIMACO. Soll ich's so machen ?

LIGURIO. Nein.

CALLIMACO. So?

LIGURIO. Noch nicht genug.

CALLIMACO. Etwa so ?

LIGURIO. Ja, ja. Merk' dir das. Ich habe eine Nase zu Hause,

die sollst du dir ankleben.

CALLIMACO. Gut. Und was dann ?

LIGURIO. Wenn du dort an der Ecke erschienen bist, werden

wir bei der Hand sein, dir die Laute entreißen, dich ergreifen,

dich im Kreise herumführen, dann dich ins Haus schleppen und

ins Bett legen. Das Weitere mußt du selbst tun.

CALLIMACO. Die Schwierigkeit besteht eben darin, dorthin zu

gelangen.

LIGURIO. Das wirst du selbst besorgen. Aber es zu erreichen,

daß du wiederkommen kannst, steht bei dir, nicht bei uns.

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