Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

Willfahr' ihm schleunig. Ist er doch der einzige

Sohn unsers Herrn, so daß noch eine längere

Zeit uns bevorsteht, wo wir seine Diener sind —

Gemäß dem Laufe der Natur. Was suchst du nun

Trotzdem im Haus zu bleiben, da er willens ist.

Dich mit uns fortzuschicken ? Was bemühst du dich,

Ihn dir zum Feind zu machen, was er so schon ist?

NEBBIA. Hätt' dir der Herr gegeben die gemessensten

Aufträge, wie er mir getan, so zweifl' ich nicht.

Du tät'st genau das nämliche.

CORBO. Kann möglich sein.

NEBBIA. Und sähst du auf den Zweck, wie ich, so schiene dir,

Ich täte noch zu wenig.

CORBO. Was bezweckst du derm?

NEBBIA. Ich will dir's sagen. Jenen Kuppler kennst du doch,

'Der erst vor kurzem ein Quartier bezogen hat

In dieser unsrer Straße.

CORBO. Freilich kenn' ich ihn.

NEBBIA. Wenn du ihn kennst, so glaub' ich, daß im Hause dort

Zwei wunderschöne Mädchen du gesehen hast.

CORBIO. Ich sah sie wohl.

NEBBIA. In eine ist Erofilo

Verliebt, so heftig, daß er, könnt' er sie damit

Gewinnen, alles was er hat, sich selbst sogar

Verkaufen würde. Doch der Gauner weiß es doch,

Daß er der einz'ge Sohn ist des Crisobolo,

Eines der reichsten Kaufherrn hier in Sybaris,

Verlangt für sie das Doppelte, weit mehr sogar,

Weit mehr gewiß, als irgend recht und billig war'.

Alfons Kissner hat darum sehr wohl getan, in seiner Übersetzung

sämtlicher kleinerer Werke Ariosts (München 1909, Georg Müller) die

fünf Lustspiele in einfachen fünffüßigen Jamben wiederzugeben, eine

Freiheit, die man ihm nur danken kaim. Daß er dagegen die Eklogen

und Satiren nicht in den Terzinen des Originals, sondern in einer weder

im Italienischen noch im Deutschen eingeführten frei erfundenen

Strophenform nachgedichtet hat, den Prolog zur zweiten Fassung der

Cassarla in ungereimten Jamben, widerstrebt meinem Stilgefühl und

befremdet um so mehr, da Kissner sich in seinen Übersetzungen sonst

cils ein so gewandter Poet bewiesen hat, dem es doch bekannt sein

mußte, daß die Terzine auch im Deutschen längst die verschiedensten

Aufgaben zu lösen gelernt hat. Auch mit der Verdeutschung der italienischen

Namen kann ich mich nicht befreunden. Geier, Rabe, Schlau,

Mausfall, Füchslein usw. nehmen sich in Sybaris neben Erofilo, Caridoro,

Lucrano, Crisobolo usw. doch gar zu wunderlich aus und zerstören

die einheitliche Stimmung.

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