Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

wird dann mit mir ? Weißt du nicht, daß er, als er diesen Morgen

abreiste, mir alle Schlüssel des Hauses übergab und, so lieb mir

mein Leben wäre, mir befahl, sie niemand zu geben und am

wenigsten seinem Sohn, und, was auch geschehen möchte, iiie

einen Fuß über die Schwelle des Hauses zu setzen? Und wie

schön habe ich ihm nun gehorcht? Der Alte war noch nicht

aus der Tür, als Erofilo schon die Schlüssel begehrte, unter dem

Vorgeben, er wolle ein Jagdhorn suchen, das er verlegt habe,

und so bekam er sie, so ungern ich sie hergab, und vielleicht

warst du dabei.

GIANDA. Dabei war ich nicht, aber ich hörte von da, wo ich

war, den Schall von heftigen Schlägen, und wohl über zehn,

die du bekamst, eh' du sie herausgeben wolltest.

NEBBIA. Hätt' ich sie ihm nicht gegeben, glaub' ich, daß er

mich würde umgebracht haben. Was sollt' ich tun ?

GIANDA. Was du tun solltest ? Bei seiner ersten Forderung sie

ihm geben und beim ersten Wink mit uns andern das Haus

verlassen. Kannst du dich nicht immer beim Herrn entschuldigen

und wahrheitsgemäß erzählen, wie es gegangen ist ? Wird

er nicht einsehn, daß dein Alter und Stand nicht dazu angetan

sind, einem leidenschaftlichen Jüngling von der Sorte des Erofilo

Widerstand zu leisten ?

NEBBIA. Wird er nicht vielleicht die ganze Schuld mir zuwälzen

? Oder wird es ihm etwa zu seinen Gunsten an Zeugen

fehlen, sowohl weil er der Herr ist, als weil ihr alle im Hause

mir aufsässig seid, nicht sowohl weil ich's verdiente, sondern

weil ich dem Alten die Rechnung führe und nicht leiden will,

daß er beraubt werde ?

GIANDA. Auch wegen deines schlechten Charakters, weil du

dir keinen Freund gewinnen kannst.

NEBBIA. Doch wo kennst du einen in irgendeinem Hause, der

meine Stellung hat und nicht ebenso gehaßt wird ?

GIANDA. Weil ihr alle schlimm und bösartig seid. Denn wenn

die Herren den wählen, der der Dienerschaft vorstehen soll,

suchen sie immer den bösesten Menschen, den sie im Hause

haben, damit sie desto leichter von allem Widrigen, was sie

leidet, die Schuld euch zuschieben können. Aber genug davon!

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