Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

VIERTER AKT

I. SZENE

Volpino

So viel Widerwärtigkeiten, so viel Mißgeschick kommt von allen

Seiten über dich, armer Volpino, daß, wenn du dich gegen alle

wehren kannst, du dich rühmen darfst, der beste Fechter der

Welt zu sein. O du tückisches Glück, wie stehst du immer auf

der Lauer, all unsre Pläne zu vereiteln! Wer hätte denken

können, daß uns Eulalia, nachdem sie aus dem Hause des

Kupplers entführt worden, so geschwind und so dumm ver-

loren gehen würde! Was nicht einmal für Erofilos Liebe so

nachteilig ist, wie es die Wiedererlangung der Kiste in Frage

stellt. Ich glaubte, sobald Eulalia in unsrer Gewalt wäre, sollte

Erofilo beim Bassa des Ortes klagen, darauf würde alles er-

folgen, was wir heute ausgemacht hatten, und darin habe ich

mich getäuscht, weil er, nur darauf aus, das geraubte Mädchen

ausfindig zu machen, hierhin und dorthin rennt und die ganze

Stadt durchsucht. Weder meine Vorstellungen und Bitten, noch

seine eigne Gefahr, die Kiste zu verlieren, die so wertvoll ist,

können ihn dazu bringen, daß er nicht außer dem Ruin seines

Vaters und seinem eigenen einen beständigen Krieg in seinem

Hause verursacht, mir aber Torturen und ewiges Gefängnis und

vielleicht sogar den Tod zuzieht. Dies Unheil, so schwer es

wäre, könnte ich vielleicht abwenden, wenn ich nur die Zeit

hätte, ein wenig zu überlegen, oder wenigstens aufzuatmen.

Aber wenn einerseits mich die Sorge beschäftigt, daß der Kuppler

diese Nacht mit der Kiste entfliehen möchte, befällt mich

auf der andern Seite plötzlich die Furcht, der alte Herr möchte

wieder auftauchen, und packt mich und bedrückt mich dermaßen,

daß ich keine Zeit habe, mir einen Strick zu kaufen,

xmi mich daran aufzuhängen, und nicht weiß, wohin ich mich

wenden soll, um diesen unglückseligen Kopf einzurennen. Ein

Sklave des Calibassa ist mir eben begegnet und hat mir erzählt,

mein Alter sei gar nicht aus dem Hafen herausgekommen, da

gerade, als er unter Segel gehn wollte, ein Schiff von Negro-

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