Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

CRISOBOLO. Wer, fürchtest du, könnte uns hören?

VOLPINO. Der, von dem ich glaube, daß er sie gestohlen hat.

CRISOBOLO. Er wohnt also nahe von hier?

VOLPINO. In diesem Hause dort.

CRISOBOLO. Was ? Du glaubst, der Kuppler, der hier wohnt,

habe sie gestohlen?

VOLPINO. Ich glaube es, ja ich bin dessen gewiß.

CRISOBOLO. Was für Anzeichen hast du dafür?

VOLPINO. Ich sage dir, daß ich Gewißheit dafür habe. Aber

verliere um Gottes willen keine Zeit, um zu erfahren, auf welchem

Wege, mit welcher Mühe ich dazu gelangt bin, mir diese

Gewißheit zu verschaffen, denn jedes Zögern ist höchst gefähr-

lich. Ich kann dir verraten, daß der diebische Kerl sich rüstet,

morgen mit dem frühsten auf und davon zu gehen.

CRISOBOLO. Was meinst du, daß ich tun soll? Denn die Überraschung

hat mich so betrübt, daß ich nicht weiß, wohin ich

mich wenden soll.

VOLPINO. Ich meine, wir gehn gleich zum Bassa, dem du vor-

trägst, ein Dieb in deiner Nachbarschaft habe dir eine Kiste

gestohlen, mit der er sich davonmachen wolle, und du bätest

ihn, daß er dir zu deinem Recht verhelfe und dir einen seiner

Leute mitgebe, dir dein Eigentum suchen zu helfen, weil du

glaubest, der Kuppler habe es noch in seinem Hause.

CRISOBOLO. Was für ein Anzeichen, welchen Beweis soll ich

ihm geben, damit er glaubt, es verhalte sich so ?

VOLPINO. Ist's nicht ein hinreichendes Anzeichen, daß jener ein

Dieb sei, da er ein Kuppler ist? Und wenn du das sagst, wird

man dir's nicht glauben, mehr als zehn anderen Zeugnissen?

CRISOBOLO. Wenn wir nichts Besseres als das haben, sind

wir verloren. Wer hat bei den großen Herren heutzutage mehr

Kredit und Gunst, als die Kuppler, und über wen machen sie

sich mehr lustig als über die gesitteten und braven Leute ? Und

wem legen sie mehr Fallen, als Menschen meinesgleichen, die

im Ruf stehn, reich zu sein und viel Geld zu haben?

VOLPINO. Wenn ich hinkomme, will ich dem Bassa schon

solche Indizien, Mutmaßungen und Proben vorlegen, daß er,

auch wenn er wollte, nicht verweigern könnte, dir zu glauben,

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