Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

booksnow2.scholarsportal.info

Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

LUCRANO. Bilde dir nicht ein, weil ich ein Kuppler bin, würde

ich nicht Gehör finden.

CRISOBOLO. Erfrechst du dich noch, zu sprechen ?

LUCRANO. Hätte ich keine Zunge, mich zu verantworten ?

CRISOBOLO. Diese Zunge wird dir der Strick eine Handbreit

aus dem Munde treiben. Was würde der Kerl erst sich herausnehmen,

wenn er etwas, das ihm gehört, in unserm Hause gefunden

hätte!

LUCRANO. Ich will mich und all meine Hausgenossen auf die

Folter legen lassen und vor jedem Richter beweisen, daß die

Kiste mir von einem Kaufmann zum Pfand gegeben worden

ist, für den Kaufpreis eines meiner Mädchen, wie ich Euch ge-

sagt habe.

CRISOBOLO. Tust du noch den Mund auf, du offenbarer Dieb?

LUCRANO. Und wer ist es mehr als du, der mich zu bestehlen

kommt und sich noch Zeugen dazu mitbringt?

CRISOBOLO. Wenn du nicht höflich sprichst, Schurke, werde

ich dich . .

.

CRITONE. Laß diesen Schwätzer; mit ihm zu zanken, schickt

sich nicht für einen deinesgleichen. Wir wollen gehen. Wenn

du behauptest, dir geschehe unrecht, laß dich morgen im Palaste

sehen. Gehen wir!

LUCRANO. Ihr sollt mich schon sehen, seid dessen sicher. Es

wird nicht gehen, bei Gott! wie ihr vielleicht glaubt. Jetzt seid

ihr viele, und ich bin allein. Aber wir werden uns wiedersehen,

wo ihr nicht so im Vorteil sein werdet.

CRISOBOLO. Hat man je einen frecheren und dreisteren Dieb

gesehn, als diesen ?

CRITONE. Nein, wahrhaftig nicht. Du hast großes Glück gehabt,

Crisobolo ; das freut mich.

CRISOBOLO. Das größte Glück von der Welt.

CRITONE. Willst du noch sonst etwas von uns?

CRISOBOLO. Daß ihr, wenn ich's imstande bin, über mich verfügt.

Nimm die Fackel, Volpino, und begleite sie nach Hause!

{Ab in sein Haus)

55

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine