Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

booksnow2.scholarsportal.info

Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

FÜNFTER AKT

1. SZENE

Fulcio. Erofilo. Furba

FULCIO. Und mit diesen und andern Worten und Geberden,

die mir vortrefflich glückten, hab' ich dem Dummkopf solche

Furcht eingeflößt, daß er durch die ganze Stadt hinter mir her-

gelaufen ist. Beim geringsten Ton, den er hörte, zitterte er wie

ein Blatt im Winde, denn immer glaubte er, der Bargello mit

allen Häschern sei ihm auf den Fersen.

EROFILO. Ich wundre mich, wie er, da er sich doch, wie es

die Wahrheit ist, von solcher Anschuldigung frei wußte, nicht

den Mut hatte, sich vor Gericht zu stellen.

FULCIO. Wie sollte er dazu den Mut haben, da ich ihm ein-

geredet hatte, daß der Bargello den striktesten Befehl erhalten,

ohne Verhör und Untersuchung ihn aufzuhängen, wo er ihn

träfe ?

EROFILO. Ich begreife nicht, wie er das so leicht hat glauben

können.

FULCIO. Das muß dir nicht seltsam scheinen. Denn mit anderen

seinesgleichen hat manch anderes Mal mein Herr ähnliche Spaße

getrieben, so sehr ist ihm der Name Kuppler stets verhaßt

gewesen; das und wie rasch zum Zorn er ist, weiß Lucrano

nur zu sehr, denn er hat ihn sonst schon anderswo kennen ge-

lernt.

EROFILO. Doch wenn er sich unschuldig fühlt . . .

FULCIO. Und wenn ? Auch wenn er hieran unschuldig ist, wieviel

andere Missetaten glaubst du nicht, daß er auf dem Gewissen

hat, von denen die geringste ihm tausendmal den Galgen

verdient hätte ? Es ist doch höllisch, ins Gefängnis zu gehen und

die Tortur zu kriegen, wenn man weiß, daß man ein Schurke ist.

Und wenn er sich von einer falschen Anklage reinigte, liefe er

Gefahr, andere wirklich geschehene Verbrechen aufzudecken,

durch die er leicht die Verurteilung zum Tode auf sich zöge.

EROFILO. Wie hat er sich beruhigen lassen, daß er zu Caridoro

kam?

64

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine