Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

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Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

EROFILO. Ich habe gefehlt, Vater; verzeihe mir und sei gewiß,

dies wird das letzte Mal gewesen sein, wo ich dir Grund

zur Unzufriedenheit gegeben habe.

CRISOBOLO. Erofilo, ich schwöre dir bei Gott, wenn du dich

nicht besserst, werde ich dich zu deinem großen Leidwesen

meinen Zorn fühlen lassen. Wenn ich mich auch zuweilen stelle,

als sähe ich dich nicht, glaube darum nicht, daß ich blind sei.

Wenn du deine Schuldigkeit nicht tust, werde ich die meine tun,

und es ist ein geringeres Übel, keinen Sohn zu haben, als einen

lasterhaften.

EROFILO. Vater, ich werde streben, mich künftig mehr nach

deinem Willen zu richten.

CRISOBOLO. Wenn du ein anständiges Leben führst, wirst du

nicht nur mir eine große Freude machen und das tun, was sich

für dich schickt, sondern auch was zu deinem Vorteil ist, und sei

überzeugt . .

.

{Gehen ins Haus)

3. SZENE

Fulcio. Marso

FULCIO. Soll ich hier die ganze Nacht warten, als wenn ich

nichts anderes zu tun hätte? Treibe du sie an, bis ich wieder

komme ;

ich gehe hier in die Nähe. Diese Frauenzimmer brau-

chen auch gar zu viel Zeit, sich zu putzen. Nie kommen sie

damit zu Ende. Zehnmal ändern sie an ihrem Hut, eh' sie sich

entschließen, daß er so bleiben kann. Und was tun sie alles?

Zuerst mit dem Schminken — was braucht's da für Geduld!

Jetzt Weiß, jetzt Rot legen sie auf, waschen wieder weg, bes-

sern, verderben wieder, fangen von neuem an, beschauen sich

tausendmal im Spiegel, ziehen sich die Härchen der Augenbrauen

aus, richten die Brüste auf, heben die Hüften, waschen

sich, salben sich die Hände, schneiden sich die Nägel, reiben

und glätten sich die Zähne, — o welcher Eifer — ;

wieviel Zeit

dabei verloren wird! Wieviel Büchschen, Fläschchen, Väschen,

wieviel kleiner Kram wird gebraucht! In weniger Zeit könnte

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