Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

booksnow2.scholarsportal.info

Drei italienische Lustspiele aus der Zeit der Renaissance

vor, so daß Alessandro allgemein für einen Sohn des Papstes

selbst galt, der ihn auch 1531, nach Einnahme der Stadt, als

künftigen Herrn in Florenz einziehen ließ.

Sobald Lorenzino alle Schandtaten dieses Tyrannen mit erlebt

hatte, faßte er den Entschluß, seine geliebte Vaterstadt von

diesem Ungeheuer zu befreien und die Republik wiederherzustellen.

Um seiner Person nahezukommen und jeden Verdacht

fernzuhalten, sah er kein anderes Mittel, als sich zum Genossen

und Helfershelfer seiner Ausschweifungen zu machen, indem

er sich als einen grüblerischen Feigling stellte und bald auch

beim Volk sich so verhaßt machte, daß sein Name Lorenzo die

Endung ,,accio" erhielt, die Verachtung ausdrückt, obwohl er

bei Hofe ,,der Philosoph" genannt wurde. Er aber fand endlich

im Jahre 1537 die Stunde günstig, seine Brutustat zu vollführen,

hatte aber nicht damit gerechnet, daß das Volk von Florenz die

Kraft zur Freiheit nicht mehr besaß und auch des Getöteten

bitterste Feinde, die von ihm Verbannten und Vergewaltigten,

zu einem einmütigen Handeln nicht vorbereitet waren, so

daß der Erfolg seiner Tat ausblieb und die Herrschaft an den

siebzehnjährigen Cosimo überging, dessen Wahl auch Kaiser

Karl V. bestätigte, der Schwiegervater des Getöteten, dessen

Witwe später als Margarete von Parma nach den Niederlanden

ging.

Lorenzino war zunächst nach Venedig geflohen, wo der Mäch-

tigste der Verbannten, Filippo Strozzi, mit seinen Söhnen lebte ;

auch dieser war nicht der Mann dazu, Florenz die Freiheit wieder-

zubringen. Da Lorenzino sich in Venedig bald nicht mehr sicher

fühlte, ging er nach Konstantinopel und von da nach Frankreich,

wo Franz 1. ihn anfangs gastlich in sein Gefolge aufnahm,

— später nach Paris, für eine Zeitlang nach Saintes zu seinem

Oheim Soderini, der dort Bischof war. Er lebte nach seiner Tat

noch elf Jahre, von 1544 an wieder in Venedig und wurde 1548 von

zwei Mordgesellen, die Cosimo, nicht ohne Wissen des Kaisers,

ausgeschickt, beim Verlassen einer Kirche bei der Brücke

S. Toma mit seinem Oheim Alessandro Soderini erschlagen.

In seiner Apologia, die er wahrscheinlich kurz nach der Ermordung

Alessandros in Frankreich verfaßte, hat Lorenzino


83

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine