DEF_Standortmagazin_Nr%201_15-02-13

sanktgallen

DEF_Standortmagazin_Nr%201_15-02-13

(z.B. Geothermie- und Glasfaserprojekt).

Wir sind uns bewusst, dass wir bei den

Investitionen nicht grosse Abstriche

machen wollen. Wir müssen den Haushalt

entlasten. Grosse Investitionen

im Stadtentwicklungsbereich werden

wir durchziehen.

Die Wahrnehmung von St.Gallen

als Stadt in der übrigen Schweiz ist

ein bisschen bieder und langweilig.

Stört Sie dieses Image?

Dafür gibt es verschiedene Ursachen.

Die Ostschweiz hat sich selbst oft als

periphere Region dargestellt. Wir müssen

uns über gewisse Lead-Projekte

auf die Landkarte zurückbringen.

Wir müssen zeigen, dass die Ostschweiz

in vielen Bereichen ganz vorne

mit dabei ist. Das haben wir in Bereichen

wie Energie, Kommunikation und

IT bewiesen.

Letztlich geht es um die Menschen.

Welches Lebensgefühl soll St.Gallen

vermitteln?

St.Gallen ist die Stadt der kurzen Wege.

Unsere Firmen und unsere Kultur-,

Bildungs- und Freizeitinstitutionen sind

zu Fuss zu erreichen. Diese Vernet-

zung, diese Erreichbarkeit, das Gemein-

schaftsgefühl, welches man in dieser

Stadt hat, sind die wesentlichen Elemente

des St.Galler Lebensgefühls.

Was wäre Ihr Leitspruch für die

Zukunft?

Arbeiten und Leben in hoher Qualität.

Urban sein, Urbanität erleben: Wie

verhindern Sie, dass die Stadt

nicht nur architektonisch, sondern

auch bezüglich des Lebensgefühls

als urban erlebt wird?

Für uns ist sehr wesentlich, dass die

Lebensqualität von aussen wahrgenommen

wird. Spricht man die Lebens-

qualität an, hat die Gestaltung von

Plätzen und Freiräumen, das Kultur-

und Freizeitangebot eine wichtige

Rolle. Sie sind Teil der Lebensqualität

und bringen Leben in die Stadt.

Im Rest der Schweiz wird St.Gallen

gerne auf die Klischees der Bratwurst-

und Olmastadt reduziert.

Kaffeebar Universität; Lieblingsplatz von Thomas Bieger, Rektor Universität St.Gallen

Das kann es ja wahrscheinlich

nicht sein.

Wir sind eine Wissens- und Bildungsstadt

mit der Universität, die sich in

den Top Rankings befindet. Wir sind

aber auch eine Kulturstadt mit dem

Unesco-Weltkulturerbe, mit einem viel-

fältigen Kulturangebot in der Stadt

bis hin zum Open Air. Diese Faktoren

zählen viel mehr. Diverse internati-

onale Top-Labels prägen in diesen Be-

reichen das Bild der Stadt St.Gallen.

Bitte beenden Sie zum Schluss

die folgenden Sätze: Ich bin gerne

Stadtpräsident in St.Gallen, weil …

… es eine Stadt mit sehr grossem

Potential ist.

Mir gefällt an St.Gallen nicht,

dass …

… St.Gallen unter seinem Wert

geschlagen wird.

Wenn ich als Stadtpräsident eine

Vision formulieren darf, möchte ich

die Stadt in diese Richtung entwickeln,

dass St.Gallen …

… die Stadt am See wird.

Vielen Dank für das Interview.

Thomas Scheitlin (*1953) hat nach seinem

Abschluss an der Universität St.Gallen

in der Pharmabranche und im Finanzsektor

gearbeitet. 2001 übernahm er das Präsidium

der Ortsbürgergemeinde St.Gallen,

bevor er 2007 zum Stadtpräsidenten gewählt

wurde, wo er sich auch in seiner dritten

Amtszeit für eine stärkere Führungsrolle

St.Gallens einsetzt.

Der studierte Betriebswirtschafter Hanspeter

Trütsch (*1953) ist in St.Gallen aufgewachsen

und bis heute wohnhaft. Durch

seine Tätigkeit als Teamleiter der SRF

Bundeshausredaktion pendelt er regelmässig

von St.Gallen weg. Dies ermöglicht

ihm einen Aussenblick auf seine «wohltuend

überschaubare» Heimatstadt.

Durchblick

In den vergangenen

Jahren wurden die

regionalwissenschaftliche

und die regionalpolitischeDiskussionen

durch ein grosses

Thema beeinflusst: Die

Bedeutung der Metropolen

für die regionale

Entwicklung.

Dr. Roland Scherer

Universität St.Gallen

Fast paradigmatisch wurde dabei von

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern

immer wieder betont, dass

es nur starke Metropolen sind, die in

dem immer stärker werdenden globalen

Wettbewerb der Standorte bestehen

können. Auch in der Schweiz wurde

diese Diskussion intensiv geführt

und es wurde oftmals die Position ver-

treten, dass es in der Schweiz mit

Zürich und Genf eigentlich nur zwei

Metropolen gibt, die als relevant an-

gesehen werden können, um zukünftig

wirtschaftliche Impulse zu generie-

ren, von denen das ganze Land profi-

tieren würde. Die Folge war, dass

natürlich auch die Regional- und Kommunalpolitik

das Thema Metropolraum

erkannt hat und entsprechende

Strukturen aufgebaut wurden.

Im Zuge dieser Diskussionen über

die Bedeutung der Metropolen für die

regionale Entwicklung wurde eine

interessante Entdeckung gemacht: Be-

trachtet man die Entwicklung ver-

Standortmagazin der Stadt St.Gallen Frühling. 2013. S.6–7

schiedener regionaler Wachstumsindikatoren,

z.B. Bevölkerungswachstum,

Arbeitsplatzangebot, Bruttowertschöpfung,

so zeigt sich deutlich, dass es

nicht nur die Metropolräume sind, die

sich hier positiv entwickeln, sondern

dass es eine Reihe von Wachstumspolen

gibt, die eindeutig ausserhalb von

Metropolräumen liegen und keinerlei

metropolitane Funktionen aufweisen.

Sie weisen aber im nationalen Vergleich

ein überproportionales Wachstum

in den relevanten Entwicklungsberei-

chen auf, das oftmals sogar über dem

der meisten Metropolräume lag.Einer

dieser Wachstumspole ist die Region

Friedrichshafen-Ravensburg am

deutschen Bodenseeufer. Auch in der

Auch in der Schweiz können solche

regionalen Wachstumspole

ausserhalb von Metropolräumen

identifiziert werden, z.B. die

Region Luzern.

Schweiz können solche regionalen

Wachstumspole ausserhalb von Metropolräumen

identifiziert werden, z.B.

die Region Luzern oder auch die Region

Freiburg. Die Region und die Stadt

St.Gallen gehören bislang aber nicht

zu dieser Kategorie.

Betrachtet man die verschiedenen

regionalen Wachstumspole ausserhalb

der Metropolräume etwas genauer, so

zeigt sich eine Reihe von Merkmalen,

die diese unterschiedlichen Räume

aufweisen. Meist handelt es sich um

Räume, die zwischen grösseren Metropolräumen

liegen und mit diesen

(verkehrlich) relativ gut vernetzt sind.

Innerhalb des Raumes gibt es eine

mittelgrosse Stadt und ein entsprechendes

Umland, das mit dieser Stadt eng

vernetzt ist. Die Stadt übernimmt für

das Umland und damit für die gesamte

Region die Funktion eines Zentrums,

in dem verschiedene Funktionen

für den gesamten Raum bereitgestellt

werden. Die Erfahrungen zeigen nun,

dass diese erfolgreichen

Regionen zwar immer über

ein starkes Zentrum verfügen,

gleichzeitig aber eng mit

den umliegenden Gemeinden

zusammenarbeiten und im

regionalen Kontext entsprechende

Funktionen bereitstellen.

Das Städtische, also

das Urbane, auf der einen

Seite und das Regionale auf

der anderen Seite werden somit zu

den zentralen Erfolgsfaktoren dieser

regionalen Wachstumspole.

Was heisst dies nun konkret? Es ist

heute in der regional- und raumwissenschaftlichen

Theorie weitgehend

unbestritten, dass in städtischen

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine