Das WunDer mann

meh.ch

Das WunDer mann

stadtführung

LampenfieBer

im rampenLicHt

Herzklopfen

Das WunDer mann

Blutegel an der steckdose

stefans Öko-knigge

Pause 2011 1

septemBer 2011


gesucht:

2 Pause 2011

Pause 2011 3

praktikumssteLLen

Wir Lernende im 3. Lehrjahr suchen praktikumsplätze.

Die einsätze können von wenigen tagen bis mehrere Wochen

dauern. teilzeiteinsätze (z.B. halbtags oder 1 bis 2 tage pro

Woche über einen längeren Zeitraum) sind sehr erwünscht.

Die einsätze sind teil der ausbildung. administrativer oder

finanzieller aufwand entsteht für sie nicht.

sascHa

Was kann ich gut?

Ich bin Captain in der Hockeymannschaft,

weil ich in

hektischen Situationen ruhig

bleibe, die Übersicht bewahre

und andere unterstütze. Ich

arbeite zuverlässig und selbständig.

Ich entwerfe kreative

Flyer und Homepages.

Was mache ich gerne?

Mein Lieblingsfach ist Grafik.

Ich möchte mich gerne gestalterisch

sowie im Schreiben

von HTML-Code weiter entwickeln.

Motivation

Was biete ich dem Arbeitsmarkt?

Was bietet mir der

Arbeitsmarkt? Ich will nie

sagen müssen, ich hab‘s nicht

probiert.

isiDora

Was kann ich gut?

Mit meiner kommunikativen,

aufgeschlossenen und

freundlichen Art kann ich gut

mit Menschen umgehen. Bei

unseren Stadtführungen habe

ich festgestellt, dass ich gut

vor fremdem Publikum präsentieren

kann.

Was mache ich gerne?

Geschichten erzählen, Zeichnen

und Schminken bereitet

mir Freude. Ich möchte gerne

Kunden in einer Parfümerie

oder in einer Boutique beraten.

Motivation

Ich freue mich an schönen

Dingen und möchte dies

vermitteln. Welcher Beruf ist

trotz meiner physischen Einschränkungen

geeignet?

aDrian

Was kann ich gut?

Ich bin kommunikativ und

habe keine Hemmungen

auf Leute zuzugehen. Beim

Gestalten mit Photoshop und

InDesign lasse ich meiner

Kreativität freien Lauf.

Was mache ich gerne?

Was ich gut kann, das mache

ich auch gerne. Ich liebe es

aber auch, Neues kennen zu

lernen, damit ich noch mehr

gut kann.

Motivation

Ich möchte meine Grenzen

ausloten. Kann ich in der freien

Wirtschaft arbeiten?

Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an:

Lukas Fischer, Leitung Ausbildung & Werkstätte, Tel. 044 389 62 57, l.fischer@meh.ch

Das kÖnnen Wir:

• Briefe ab Vorlage schreiben

• Listen erstellen und bewirtschaften

• Datenbanken füttern

• einfache Buchhaltungsaufgaben

• Bildbearbeitung mit Photoshop

• Layoutarbeiten mit InDesign

• und vieles mehr

tamara

Was kann ich gut?

Ich kann gut mit Zahlen und

mit Geld umgehen.

Was mache ich gerne?

Mir macht es Freude, in einem

Team zu arbeiten. Besonders

gerne gestalte ich Plakate und

Visitenkarten. Mit Begeisterung

helfe ich bereits in der

MEH-Buchhaltung. Ich habe

Spass am Lernen.

Motivation

Welche Möglichkeiten bietet

das Arbeitsleben für mich?

pausenfüLLer

von Michael Groer

Das letzte Jahr war für Viele im MEH von grossen

Veränderungen geprägt. Der Neubau sorgt immer

noch für Aufregung. Nur langsam findet der Alltag

wieder Raum. Hin und wieder bleibt Zeit für eine

Pause. Auch das Redaktionsteam der MEH-World

macht nun Pause. Sie liegt vor Ihnen, die neue

Ausgabe des MEH-Lehrlingsmagazins. Bisher als

MEH-World bekannt, erscheint unser Lehrlingsmagazin

nun im frischen Kleid mit neuem Titel.

Was bleibt, ist der Grundgedanke.

Warum Pause? Eine Pause steht nicht für Stillstand.

Sie bietet Raum für ein Innehalten, für

Momente der Kontemplation, ruhiges Betrachten

– Erreichtes, Sehnsüchte und Wünsche. Das vergangene

Jahr Revue passieren lassen. Oder einfach

Pause machen und die Seele baumeln lassen.

Sie ist auch Zeit für die notwendige Regeneration.

Neue Kraft schöpfen, um den individuellen Herausforderungen

Tag für Tag zu begegnen.

Die Autoren erzählen von Träumen, Leidenschaften,

von Schönheit, Liebe und Partnerschaft. Sie

berichten aber auch von Problemen und Ängsten,

wie sie an Grenzen stossen und Grenzen überwinden.

Die Beiträge bringen uns eine vielgestaltige

Welt näher und zeigen uns, wie subjektiv und in

welch engen Bahnen sich die eigene Wahrnehmung

oftmals bewegt.

Nehmen Sie sich Zeit zur ruhigen Betrachtung,

für Abstand vom Alltag. Tauchen Sie in unsere

Welten ein. Ob Sie eine Pause zum Denken oder

vom Denken nehmen, bleibt Ihnen überlassen.


4 Pause 2011

Pause 2011 5

anBaggern

flirtpro ist die

Wunderpille gegen

Hemmungen beim

ersten schritt. Das

rezept hat eine tolle

freundschaft

bewirkt.

muskeLkraft

statt

gasHeBeL

Beni misst sich an

Wettkämpfen mit

seinen sportkollegen

und erzählt von

der schönheit des

Leidens

meH-neuBau:

Der grosse

umZug

Ärger wegen terminverschiebungen,

laute

nachbarn, wohnen mit

freunden statt den

eltern. ein tagebuch.

8 BoLLyWooD

Wechselbad der Gefühle

13 fotostory

Der Kornkreis

16 Ärger

Tim erlebt, was MEH-Bewohner am meisten nervt

18 pickeLtour

Die Lernenden des MEH führten durch Zürich

21 kurZmeLDungen

News aus dem MEH und Wissenswertes für Rollstuhlfahrer

22 augenscHmaus

Moviethek mit Heimvorteil

24 Das WunDer mann

Sonne, Strand und Meer

26 umWeLt

Stefans Öko-Knigge

28 intervieW

Davide Calla

impressum

PAUSE – das MEH-Lehrlingsmagazin. Ausgabe Nr. 111, 29. Jahrgang

Herausgeber: Ausbildung MEH, Lengghalde 1, 8008 Zürich, Telefon 044 389 62 00,

lehrlinge.ausbildung@meh.ch, www.meh.ch Fotos: Michael Groer, Sascha Hafner, Steven Deblander,

Umut Arslan, Rebecca Oeschger Korrektorat: Susann Bovay Druck: Druckerei Albisrieden AG

Auflage: 2'600 Exemplare Erscheint: 1 x pro Jahr


6 Pause 2011

Pause 2011 7

flirtpille mit nebenwirkungen

anBaggern

nacH

reZept

flirtpro wirkt Wunder. Beim ersten kennenlernen rücken

frauen ihre telefonnummer raus. einnahme der pille auf eigene

gefahr, bei nebenwirkungen wird jede Haftung abgelehnt.

Von Adrian Dervishi

Ich bin 18 Jahre alt und merke manchmal wenn

die Hormone mal wieder spinnen. Wie wenn tausend

Volt durch den Körper fliessen! Ich möchte

meine Grenzen beim Anbaggern austesten. Ich

möchte den Frauen zeigen, dass wir im Rollstuhl

«geili Sieche» sind!

frauen auf der flucht

Männer sind gegenüber mir als Rollstuhlfahrer

sehr viel hilfsbereiter als Frauen. Männer kommen

auf mich zu, um mir zu helfen, während

Frauen viel länger zögern. Oder gleich die Flucht

ergreifen.

Nur weil ich im Rollstuhl sitze, schauen mich die

Ladies in meinem Alter unsicher an und weichen

meinem Blick aus. Was ich echt unfair finde. Dann

stelle ich mir die Frage: was muss ich machen,

darf das die Normalität sein?

Das rezept

Deshalb habe ich einen Plan entwickelt, um

dieses Thema genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ich wollte bei meiner nächsten Feier eine

Telefonnummer «fischen». Normalerweise bin ich

ein aufgeschlossener Typ, aber wenn ich mich für

eine unbekannte Schönheit interessant machen

soll, bin ich zurückhaltend. Diesmal nahm ich mir

vor, spontan und witzig zu sein. Ich wollte eine

Frau ansprechen und sie um ihre Telefonnummer

bitten. Da kann ich meine Trümpfe ausspielen.

Die Unsicherheit der Frauen mir gegenüber führt

dazu, dass ich die Nummern ergattere. Auf jeden

Fall habe ich noch nie um eine Telefonnummer

gebeten und bekam sie nicht! Ein Gigolo, wie es

sie zu Tausenden gibt, hat es da wahrscheinlich

schwerer.

Ich erwartete, dass ich über lustige oder ausgefallene

Erlebnisse berichten könnte. Ich wollte

die Machonummer ausprobieren und ein Rezept

für erfolgreiches Anbaggern finden. Herauskommen

sollte nichts weniger und nichts mehr als die

Wunderflirtpille.

überdosis

Aber es kam komplett anders. Das Ziel war an

diesem Abend, eine Telefonnummer zu bekommen.

Und dieses Ziel erreichte ich überraschend

schnell. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so

schnell jemanden kennenlernen würde.

Der Plan ging trotzdem nicht auf. Ich wollte

locker-lässig erzählen, wie ich als toller Hecht

Telefonnummern fische. Etwa so: «Da schau an,

tatsächlich hat der Fisch angebissen». Mit Gefühlen

hatte ich nicht gerechnet. Plötzlich durchkreuzten

diese aber meinen Plan. Ich merkte

bereits beim ersten Treffen, dass ich mit ihr

tolle Gespräche führen kann und dass wir immer

etwas zu lachen hatten.

Im Laufe der kommenden Monate verabredete ich

mich oft mit ihr. Es entwickelte sich eine Freundschaft.

Manchmal zerrinnt die Zeit fast nicht. Im

Alltag zwischen Ausbildung und Wohngruppenroutine

fühlen sich Wochen wie Jahre an. Plötzlich

war das überhaupt nicht mehr der Fall. Die Zeit

verging wie im Flug!

prognose

Ich hoffe, dass die Freundschaft weiter bestehen

bleibt! Ich hatte noch nie so ein tolles

Verhältnis mit einer jungen Frau. Neben den guten

Gesprächen und dem vielen Lachen schmeichelt

diese Freundschaft auch meinem männlichen Ego.

Zuweilen habe ich Angst, dass wir den Kontakt

wieder verlieren. Manchmal quälen Fragen mein

Hirn. Empfindet sie dieselbe Freundschaft oder

bin ich für sie nur eine Bekanntschaft? Wieso

habe ich längere Zeit nichts mehr von ihr gehört?

Möchte sie keinen Kontakt mehr oder sind es

andere Gründe? Soll ich mich melden oder was

nun? •


8 Pause 2011

Pause 2011 9

Bollywood verzaubert mich

WecHseLBaD

Der gefüHLe

Liebe überwindet alle grenzen. Bunte saris, freudentränen,

Herzschmerz, tod – Leidenschaft, romantik, musik und tanz.

Diese mischung macht Bollywood-filme einzigartig und zu

meiner grossen Leidenschaft. Von Isidora Radomirovic

mein erstes mal

Vor ungefähr neun Jahren hörte ich von einem

Schulkollegen zum ersten Mal von Bollywood-

Filmen. Ich war sofort begeistert von den romantischen

indischen Musikfilmen! Mein Herz schrie

nach Bollywood. Ich hörte die Filmmusik Tag und

Nacht. Ich wollte die Tanzschritte lernen, aber die

waren viel zu schnell. Zum Glück gab es beim

Ferienpass einen Bollywood-Tanzkurs. Ohne zu

zögern meldete ich mich dort an und lernte ein

paar Schritte.

mein BoLLyWooD-traum

Shah Rukh Khan und ich gehen Arm in Arm durch

die Stadt. Die Menschen lächeln uns zu. Wir lieben

uns so sehr. Es ist perfekt – fast. Unsere Familien

trennt ein unüberwindbarer Graben. Seit Generationen

sind unsere Familien im Streit. Wir sind

Nachbarn und unsere Eltern sprechen trotzdem

seit Jahren kein Wort miteinander.

Liebe ist stärker

Unsere Liebe überwindet den Zorn unserer Eltern.

Wir treffen uns heimlich, damit sie nichts erfahren.

So geht es zwei Jahre, bis wir beschliessen

zu heiraten. Als ich es meinen Eltern sage, fängt

meine Mutter an zu weinen. Sie will mich überzeugen,

dass ich unglücklich werde. Ich höre

nicht auf sie. Ich packe meine Koffer und klettere

heimlich aus dem Fenster. Ich klopfe an Shah

Rukh Khans Tür. Seine Eltern öffnen. Sie schauen

mich böse an und schliessen die Türe ohne ein

Wort zu sagen. Tränenüberströmt hämmere ich

an den verschlossenen Eingang.

Denke nicht an morgen

Wenn ich nach Hause kam, entspannte ich mich

mit einem Bollywood-Film mit dem Titel: «Lebe

und denke nicht an morgen.» Die Hauptrolle hat

Shah Rukh Khan, mein Lieblingsschauspieler. Er

ist ein toller Mann. Er hat wunderbare, grossartige,

sexy Oberarme und ein supersüsses Lächeln.

Er singt und tanzt wunderschön.

tränen

In der traurigsten Szene rollen die Tränen der

Freunde von Shah Rukh Khan im Krankenhaus,

weil er am Sterben ist. Jedes Mal muss ich mitweinen.

Auch meine Schwestern und meine Mutter,

die mit mir schauen, schluchzen. •

Das eis schmilzt

Endlich öffnet mir mein Geliebter. Er nimmt meinen

Koffer und führt mich ins Haus. Seine Mutter

blickt mich böse an. Sie stellt meinen Koffer vor

die Tür. Wir stehen schweigend in der Eingangshalle

und wechseln unsichere Blicke. Nach endlos

langen Minuten geht Shah Rukh Khans Vater

hinaus. Er stellt meinen Koffer vor mich hin und

nimmt mich in seine Arme. Dann führt er mich zu

seiner Frau. Wir sehen uns lange in die Augen. Ich

sehe Tränen in ihren Augen, als sie mich in ihre

Arme schliesst. Plötzlich stehen meine Eltern in

der offenen Eingangstür. Sie haben mich gesucht.

Shah Rukh Khans Vater bittet sie herein. Unsere

Eltern geben sich die Hände und wechseln die

ersten freundlichen Worte seit Jahren.

Die Hochzeit

Ich trage einen roten Seidensari und er einen

weissen Anzug. Wir fahren in einer Kutsche mit

weissen Pferden und unsere Freunde werfen uns

Blumen zu. Ich bin glücklich.


10 Pause 2011

Pause 2011 11

Der grosse umzug

mein

ZügeLtageBucH

Dank des erweiterungsbaus kann ich ins meH einziehen.

mein tagebuch begleitet mich durch diese Zeit und erzählt von

verschobenen terminen, weniger privatsphäre und vorfreude

auf das Zimmer mit einem freund. Von Sascha Hafner

18. november 2010

Liebes Tagebuch, heute hatten wir das Gruppentreffen

für die neue Wohngruppe. Es war sehr

spannend zu erfahren wen man als Bezugsperson

hat. Ich hatte Glück mit der Bezugsperson, ich erwischte

meinen Lieblings-Gesprächspartner: Lio

mit seinen voll tätowierten Armen! Auch wenn ich

wegen diesem Abend einen Hockey-Match verpasste,

hatte es sich gelohnt zu kommen.

19. Dezember 2010

Liebes Tagebuch! Heute haben meine Kollegen

und ich erfahren, dass es Verzögerungen gibt

beim Einzug. Der Boden ist nicht fertig ausgetrocknet.

Ich dachte: «Ach du Schande, das ist

typisch Bauplanung!» Ärgerlich ist das für diejenigen,

welche von zuhause neu ins MEH kommen

wie zum Beispiel mich. Alles wurde auf den

10.1.11 organisiert.

10. Januar 2011

Heute sollten wir eigentlich eingezogen sein, aber

der Einzug ist ja verschoben. Die Zügelkartons

stehen bereit, aber wohin jetzt? So fühlten sich

sicher die, die ihren alten Schlafplatz gekündigt

hatten. Doch zum Glück gibt es das Balgrist

Wohnheim, wo als Übergang drei von uns wohnen.

Es sei noch schön dort drüben. Ich persönlich

habe kein Problem. Ich kann immer noch zu

Hause bei meinen Eltern bleiben.

25. Januar 2011

Liebes Tagebuch: ich habe das Gerücht gehört,

dass am 7. Februar Schlüsselübergabe ist. Soll

ich das wirklich glauben? Ja, ich glaube es mal.

Viele sind genervt wie zum Beispiel Mirco. «Ich

könnte die Wände hochgehen und bin frustriert

weil alles so verzögert ist! Ich will endlich in mein

neues Zimmer!» brüllte er. Vorhin habe ich erfahren,

dass das Bürozentrum am 8. und 9. Februar

umzieht. Die erlösende Info war, dass am

12. Februar die neuen Wohngruppen in den Neubau

einziehen können. Ich als neuer Bewohner

des Altbaus kann ab dem 16. Februar mein neues

Reich beziehen.


12 Pause 2011

Pause 2011 13

2. februar 2011

Heute wurden die beiden Häuser getauft. Der

Neubau heisst Cubus und der Altbau Villa. Tolles

Gefühl, in einem Haus zu wohnen namens Villa.

7. februar 2011

Dienstag und Mittwoch werden die Leute vom

Bürozentrum (BZ) zügeln. Dabei haben es die

Bewohner die im BZ arbeiten schön: sie haben

zwei Tage frei. Die armen BZ-Mitarbeiter können

Zügelkartons schleppen. Bei uns vor der

Ausbildung türmen sich die Zügelkartons vom

BZ. Neu heisst es nicht mehr BZ, sondern WS

(Werkstätte). Vor der Ausbildung sieht es aus wie

ein Labyrinth. Man muss fast über die Kartons

klettern. Hoffentlich sind sie bald weg. Ab Donnerstag

können die Bewohner des Cubus schon

die ersten Möbelstücke reinstellen.

8. februar 2011

Das alte BZ ist leer und ausgeräumt. Fast erwartet

man, dass ein Strohballen über den Boden

rollt wie in verlassenen Westernstädten. Kaum ist

es wirklich leer, ist auch schon der Ausbildungsleiter

Lukas am Planen für das neue Ausbildner-

Büro. Dann werden die Ausbildner nicht mehr so

nah bei uns sein. Vorteil oder Nachteil?

16. februar 2011

Heute zügeln meine Kollegen in den Cubus und

ich hinterher mit der Kamera. Denn fotografieren

ist eines meiner Hobbys. Es ist sehr interessant,

wie jeder sein Zimmer einrichtet. Beim einen

hängt ein Bild von Homer Simpson, beim andern

dominieren riesige Boxen. Jeder will die bessere

technische Ausstattung haben. Im Cubus drüben

ist es heiss. Es riecht alles neu. Jetzt haben wir in

der Villa mehr Platz. Im Cubus funktioniert noch

nicht alles. Zum Beispiel öffnet die Tür nicht oder

sie knarrt schon wie eine mittelalterliche Zellentür.

Das kann es in Neubauten immer geben. Im

Cubus finde ich die Rampe toll. Vorbei sind die

Staus vor dem Lift. Man kann die Rampe hochfahren.

Das ist super.

28. februar 2011

Eine neue Ära beginnt: Mein Einzug ins MEH.

Ich bin ein bisschen nervös, aber ich denke das

kommt schon gut. Das Zügeln letzte Woche ist

gut gegangen, es funktioniert alles vom Fernseher

bis zur Playstation. Und mein Zimmerkollege

ist total lustig.

1. märz 2011

Diese Woche steht der Zügeltermin der Physio an.

Die Bewegungstherapie zieht vom Erdgeschoss

zu uns in den Keller der Villa. Mit der Physio als

Nachbarn statt des BZ haben wir mehr Platz und

weniger Stau vor dem WC. Dafür ist jetzt die

Wohlfühloase hier. Mit den neuen Nachbarn steigt

der Lärmpegel bei uns im Keller.

14. märz 2011

So, jetzt ist langsam Ruhe eingekehrt, obwohl

vor den Fenstern der Ausbildungsräume noch

die Gärtner sind, welche die Umgebung verschönern.

Mich ärgert, dass im Altbau nichts getan

wurde, damit es schöner aussieht. Die kaputte

Küchentheke auf der Gruppe ekelt mich. Der Boden

hat seine besten Tage auch schon hinter sich.

Naja, im Sommer wird gestrichen. Aber wir hätten

noch mehr Luxus verdient.

16. märz 2011

Jetzt wohne ich seit drei Wochen im MEH. Es gefällt

mir immer noch gut. Es kommt mir vor, wie

wenn ich schon lange hier wohnen würde. Manchmal

habe ich das Gefühl, dass mir die Decke auf

den Kopf fällt. Die Privatsphäre, wie ich sie zuhause

hatte, vermisse ich manchmal. Im Grunde

genommen ist es aber locker. Es fühlt sich wie

eine richtige WG an. •

akte X

ZeicHen setZen

Von Janick Nyffenegger

kornkreise,

so cool!

Ha Ha Ha


14 Pause 2011

Pause 2011 15

ehrgeiz, tempo und kraftakt

muskeLn statt

gasHeBeL

Beni früh liebt es, mit dem Handbike durch die natur zu sausen.

Bei Wettkämpfen misst er sich mit der konkurrenz. voller

Humor und phantasie erzählt er von seiner Leidenschaft und

beantwortet fragen, die er sich selber stellt. Von Beni Früh

Wie ich sehe, bist du mit dem Handbike

hierher gefahren. ich dachte du kämest

mit dem auto oder mit dem Öv.

ÖV? Ist das ein Scherz? Wäre ich mit ÖV oder mit

dem Auto unterwegs, dann sässe ich wohl noch

nicht hier. So bin ich nicht nur zehn Mal schneller

als mit dem ÖV, sondern ich spare auch noch den

Ticketpreis. Die Autos lasse ich ohnehin im Stau

stehen.

super, dann kommst du ja mit diesem

teil auf ein ziemlich hohes tempo?

Es geht, etwa so schnell wie es die Polizei erlaubt

– plus zehn Prozent natürlich.

Hoppla! Wirst du auch mal geblitzt?

Kann schon vorkommen. Doch ohne Nummernschild

keine Busse. Nein im Ernst, ich schaffe

um die 20 Stundenkilometer. Bergab geht’s dann

noch etwas schneller. Das hängt von der Muskelkraft

ab und auch von der Behinderung.

Ich zum Beispiel habe im linken Arm wenig Kraft

und kann mit der linken Hand kaum greifen. Daher

leistet mein rechter Arm fast die ganze Arbeit.

Wahrscheinlich wäre ich schneller, wenn ich meinen

linken Arm gleich einsetzen könnte wie den

rechten.

Du kommst gerade vom rennen.

Lief das rennen auch so blitzschnell?

Na klar ging das auch rasant. Die Konkurrenz sass

mir stets im Nacken. Das Wetter spielte verrückt,

der Regen peitschte mir ins Gesicht. Das hinderte

mich nicht, die Handkurbeln wie wild zu drehen

und zum Schluss mit persönlicher Bestzeit durchs

Ziel zu rasen. Es war ein perfekter Wettkampf, es

hat alles funktioniert.

Was mir auch noch unter den nägeln

brennt: Wie fühlst du dich vor dem Wettkampf?

Bist du nicht furchtbar nervös?

Doch, ich bin nervös. Und das vor jedem Rennen.

Ich fahre schon vier Jahre Handbike, da hat

sich schon eine gewisse Routine eingeschlichen.

Die Nervosität bleibt trotzdem. Denn jeder Wettkampf

ist auch nach Jahren für mich einmalig.

Nervosität kommt aus einer Anspannung. Diese

Anspannung kann ich während des Rennens in

Angriffslust umwandeln. Wenn ich an ein Rennen

gehe, will ich es gewinnen! Ich denke dann immer:

«Das ist mein Tag, meine Chance.»

Wie gehst du mit niederlagen um?

Zuerst ärgern, dann analysieren und nächstes

Mal besser machen.

Das tönt ja sehr hart. sport ist mord!

Mord? Es ist hart, aber natürlich nicht Mord. Sonst

würde ich ja nicht hier sitzen. Ich empfinde es als

Herausforderung und zudem auch als Ausgleich

zu meiner Ausbildung und zum Computer. Würde

ich die körperliche Arbeit scheuen, dann wäre ich

Schachspieler geworden.

also sport als ausgleich, obwohl es sich

nicht nach Zuckerschlecken anhört.

eine weitere frage: Wie lange und wie

schwer ist denn so ein Handbike?

Die Grösse des Handbikes ist abhängig von der

Körpergrösse. Da es verschiedene Behinderungen

und Bedürfnisse gibt, kann man nicht ein Bike ab

Stange kaufen. Ein Handbike ist etwas länger als

der Fahrer und ungefähr 10 kg schwer.

mich als nicht-sportler interessiert

brennend: Warum treibst du sport?

Ich treibe Sport, weil es mir Spass macht. Hier

treffe ich meine Freunde, und ich komme mit der

Natur in Kontakt. Ausserdem arbeite ich gegen

das Sprichwort «wer rastet, der rostet».

gibt es noch träume? gibt es etwas, das

du verwirklichen willst?

Ausser dem Privatjet, der Villa am See und dem

Supermodel als Lebenspartnerin? Nein, Scherz

beiseite. Ja, es gibt Träume. Ich würde gerne mal

per Rollstuhl eine Backpacker-Reise unternehmen.

Um die Welt in 80 Tagen per Rollstuhl, das

wär doch was! •


16 Pause 2011

Pause 2011 17

ein unglück kommt selten allein

auf Dem

aBsteLLgLeis

tim ist erfunden, der Ärger nicht. ich habe eine umfrage

gemacht, die von fast allen im meH beantwortet wurde. Das

unheil, das tim widerfährt, haben die menschen im meH

tatsächlich erlebt. Von Tamara Radomirovic

Im Winter ist Tim früh am Morgen mit dem Elektrorollstuhl

unterwegs zur Arbeit. Auf der Strasse

liegt Schnee und Eis. Er fährt auf der Fahrbahn,

weil er den Randstein nicht hoch kommt. Auf der

vereisten Strasse verliert er die Kontrolle über

den Rollstuhl. Er landet unsanft in einem Schneehaufen.

Er braucht Hilfe, aus dem Schnee kommt

er alleine nicht raus. Er hupt. Endlich kommt jemand

und hilft.

Blaue Hände

Er kann nicht alleine weiter. Seine Hände sind zu

kalt. Er braucht sein Handy, kann es aber nicht

alleine herausholen. Sein Retter hilft ihm. Er ruft

seine Mutter an. Endlich kommt sie und fährt Tim

ins MEH. Er friert, verabschiedet sich nicht einmal

von der Mutter und fährt direkt in die Wärme.

Bei der Arbeit ist Tim zu spät gekommen, obwohl

er früh genug von zu Hause losgegangen ist. Am

Arbeitsplatz konzentriert er sich trotzdem voll auf

die Arbeit.

gegenverkehr

Später möchte Tim mit dem Tram ans Bellevue,

weil er im Spital seinen Kollegen besuchen will. Er

bittet den Chauffeur, ihm zu helfen. Der Chauffeur

steigt aus, sagt Tim, er soll schnell warten,

steigt wieder ein und fährt ohne Tim davon. Tim

ist stinksauer, weil er in der Kälte auf das nächste

Tram warten muss.

Nach dem Krankenbesuch im Unispital macht

sich Tim auf den Rückweg ins MEH. Am Bellevue

angekommen, muss er wieder auf der Fahrbahn

fahren und zwar im Gegenverkehr, damit er die

Strasse überqueren kann. Darum verpasst er das

Tram. Er muss erneut in der Kälte auf das nächste

Tram warten.

achtlos

Im Tram hat es viele Menschen mit Taschen und

Rucksäcken. Ein Mann mit Rucksack passt nicht

auf und drückt mit dem Rucksack Tims Nase

flach. Der Mann steigt aus und hat es nicht mal

bemerkt. Dann steht eine Frau neben Tim. Ihre

Handtasche bleibt an Tims Steuerungshebel hängen.

Tim ruft: «Achtung!» Die Dame hört ihn

nicht, weil sie schon älter ist. Glücklicherweise ist

nichts passiert. Endlich kommt Tims Station. Leider

kann er nicht aussteigen, weil der Chauffeur

nicht gekommen ist, um die Rampe auszulegen.

Also fährt Tim eine Station weiter, denn dort kann

er aussteigen, weil die Haltestelle erhöht ist.

scheuklappen

Am Abend freut er sich auf das Konzert der Backstreet

Boys. Die Sicht auf seine Idole wird ihm

versperrt, weil ein paar Jugendliche genau vor

seinen Augen stehen. Er sagt ihnen hundert Mal,

sie sollen weggehen. Sie machen Platz für ein

paar Minuten und stehen wieder vor Tims Nase.

Tim hat sich wochenlang auf das Konzert gefreut

und schlussendlich nichts gesehen! Dazu noch

den Eintritt bezahlt, was auch nicht billig war. •


pickeltouren

18 Pause 2011

Pause 2011 19

staDtfüHrungen

auf gesÄssHÖHe

pickeltouren sind stadtführungen von Jugendlichen, die von

der stadt Zürich und dem Jugendkulturhaus Dynamo initiiert

wurden. auch wir Lehrlinge von der ausbildung des meH

haben uns an diesem projekt mit eigenen touren beteiligt. auf

einer entdeckungsreise stellten wir auf gesässhöhe unser ganz

persönliches Zürich vor. Von Beni Früh

Vor dem Rampenlicht stand für uns erst mal har-

te Vorbereitung auf dem Programm. Aber alles

halb so wild, immerhin hatten wir für die Vorbereitung

unserer Pickeltouren sachkundige Unterstützung

von Studenten der Zürcher Hochschule

der Künste, super Leute, offen und herzlich. Sie

haben uns ihr Wissen fachgerecht übermittelt.

So hat die Vorbereitung richtig Spass gemacht.

Wir haben gelernt, vor Leuten zu sprechen, uns

vorzustellen, neue Präsentationstechniken einzusetzen

und schlussendlich haben wir unsere Touren

präsentiert.

Lampenfieber im rampenlicht

Bei der ersten öffentlichen Führung waren wir teilweise

recht nervös. Vor fremden Menschen sprechen

war für die meisten von uns ungewohntes

Terrain. Man weiss ja nie, wie die Leute reagieren.

Am Morgen vor der ersten Tour kam dann auch

noch die Hiobsbotschaft, dass uns ein Kamerateam

begleiten würde. Das hat es für uns nicht

unbedingt einfacher gemacht. Wir waren richtig

genervt. Der eine hörte Musik um sich zu beruhigen,

der andere begegnete dem ersten Auftritt

nach dem Motto: «Augen zu und durch!».

Beim Treffpunkt war bei einigen die Nervosität

aber schon verflogen. Wir hatten so viel geübt

und erhielten grossartige Unterstützung durch

die ZHdK-Studenten, unsere Praktikantin Seraina

und Christoph, den Projektleiter der Pickeltouren,

sodass wir optimal vorbereitet waren. Das Publikum

war sehr aufmerksam und hat sich nicht

vom Kamerateam ablenken lassen. Nach der Tour

waren wir sehr erleichtert, dass wir es hinter uns

gebracht hatten. «Gott sei Dank ist's fertig!». Den

gelungenen Start feierten wir mit Champagner.

Leider für jeden nur ein Glas, aber für manche

war das eh genug.

ein voller erfolg

Insgesamt sind es dann fünf Führungen geworden

und wir haben festgestellt, dass es nicht nur an

uns liegt, wie gut die Führung ist. Fast wichtiger

ist, wie das Publikum drauf ist. Bei der letzten

Tour hatten wir beispielsweise besonders junge,

interessierte Zuschauer. Sie stellten viele Fragen,

machten Witze und schliesslich stimmten sie im

Letzigrund ein «Happy Birthday» auf Saschas

Geburtstag an. «Das machte die Führung viel

einfacher für mich. Ich hab' einfach drauflos geplaudert»,

erinnert sich Sascha. Einen Tag zuvor

schienen die Leute nicht sonderlich interessiert,

stellten keine Fragen und redeten miteinander,

statt uns zuzuhören.

Davon abgesehen haben wir viele tolle Erlebnisse

und neue Erfahrungen gesammelt. Das Projekt

wurde ein voller Erfolg.

Weitere Informationen:

www.stadt-zuerich.ch/pickeltouren


20 Pause 2011

Pause 2011 21

pickeLtouren:

erinnerungen

stefan: «Es war super. Ab und zu war es schwie-

rig mit dem Publikum. Ab und zu hat einen das

Publikum richtig mitgetragen. Würde ich im

Herbst an weiteren Führungen teilnehmen? Ich

weiss es nicht, davor habe ich Respekt. Bis jetzt

ist es gut gegangen. Aber vielleicht habe ich mein

Glück etwas überstrapaziert.»

sascha: «Es war eine Erfahrung fürs Leben. Ich

hatte immer Probleme, vor vielen Menschen zu

sprechen. Das habe ich überwunden. Im nächsten

Jahr eine neue, andere Führung anzubieten,

fände ich cool.»

isidora: «Im Herbst will ich die Führung ja und

nein wieder machen. Ja: Es war eine spannende

Sache. Nein: Im Herbst ist mir das Wetter zu kalt.

Wie wäre es mit der Masoala Halle des Zürcher

Zoos? Dort herrscht tropisches Klima und man

kann wie in der Karibik unter den Palmen liegen.»

Beni: «Am Anfang des Projektes war ich unsicher,

ob wir das zustande bringen. Jetzt – einige

Zeit später – bin ich stolz, dass wir das geschafft

haben. Ich bin auch froh, dass es vorbei ist und

brauche jetzt etwas Abstand. Vielleicht sieht die

Sache in ein paar Wochen anders aus.»

adrian: «Ich finde es traurig, dass es nicht weitergeht.

Ausserdem fand ich es schade, dass die

ZHdK-Studenten nicht alle nach der Vorbereitung

bei der Stadtführung dabei waren. Wir haben

sehr viel von ihnen gelernt, ich denke es wäre für

sie ein tolles Erlebnis gewesen die Früchte ihrer

Arbeit zu sehen.»

tamara: «Es war schön, dass ich mitmachen

konnte. Im Herbst würde ich gerne die Führung

wiederholen. Was nicht so schön war: Bei einer

Probe im Tram wollte ein Mann Isidoras und meinen

Namen wissen und ein Foto machen. Wir haben

ihm ausdrücklich gesagt, dass wir das nicht

wollen. Er hat trotzdem ein Foto gemacht und ist

schnell ausgestiegen – Paparazzi?» •

vBZ rüstet auf

Die VBZ haben verschiedene Tramhaltestellen

mit Displays ausgerüstet. Die ein Rollstuhlsymbol

anzeigen. Was bedeutet, dass das angezeigte

Tram mit Niederflurwagen kursiert. Es

verhindert zwar keine Wartezeiten, man kann

sich aber drauf vorbereiten. (shaf)

neWs aus Der kücHe

Seit Ende des letzten Jahres hat das MEH zusätzlich

zwei flinke Hände in der Küche bekommen,

einen neuen Küchenchef. Markus bringt mit seinem

Kochlöffel Kreativität und Abwechslung in

den Suppentopf. Er informiert sich bei uns Konsumenten

persönlich, ob sich das Schwingen

der Kochlöffel gelohnt hat, dabei ist er immer

freundlich und aufgeschlossen. Schon nach kurzer

Zeit konnte Markus alle beim Namen nennen.

Weiter so! (bfru)

verkürZung

Der ausBiLDung

Ab Sommer 2012/13 wird die MEH-Ausbildung

nur noch zwei Jahre dauern, weil die Invalidenversicherung

keine IV-Anlehre mehr will, die

länger als zwei Jahren dauert. Da die MEH-Ausbildung

zukünftig mehr nach aussen gerichtet

ist, sollen die Lernenden im zweiten Jahr während

einigen Wochen Arbeitsluft in der freien

Wirtschaft schnuppern. Vielleicht kommt es dadurch

zu Anstellungen. (trad)

fcZ HautnaH

Wir waren im März dieses Jahres eingeladen

zum Training des Fussball Club Zürich (FCZ),

um den Stars beim Schwitzen zuzuschauen.

Zwischen dem MEH und dem FCZ besteht seit

letztem Jahr eine Partnerschaft. Was mir am besten

gefiel, war beim Gegenbesuch Autogramme

zu bekommen. Auch wenn ich YB-Fan bin… (jnyf)

150 Liter scHWeiss

Der Sponsorenlauf vom

September 2010 für den

MEH-Erweiterungsbau war

ein voller Erfolg. Die 102

Läuferinnen und Läufer

haben dabei über 848 Kilometer

für das MEH erlaufen.

Da schwitzt man ja

schon, wenn man die Zahl

hört. Gleich viele Elektrorollstuhlfahrer

hätten übrigens

nicht wesentlich mehr

geschafft, nämlich knapp

1000 Kilometer. Sie hätten aber nicht wie die Läufer 150 Liter Flüssigkeit

ausgeschwitzt. Es wurden insgesamt rund 65'000 Franken in die Spendenkasse

geschwemmt. Dies entspricht ca. 430 Franken pro Liter Schweiss,

so wertvoll wie edelster Champagner. Wir bedanken uns bei allen, die zum

Gelingen dieses Tages beigetragen haben. (swol)

ein roLLstuHL

üBerWinDet HinDernisse

Als Rollstuhlfahrer kommt früher oder später

der Punkt, an dem man wenden muss. Entweder

kommt eine Treppe, ein Waldweg oder

sonst eine Schwierigkeit. Andreas Jutzeler

sagte sich «Auf den Mond fliegen können

wir, aber mit dem Rollstuhl eine Treppe hoch

geht nicht. Das kann's doch nicht sein!».

Deswegen begann der Berner Oberländer

zusammen mit zwei Freunden zu tüfteln. Das

Ergebnis der Mühen ist der oben abgebildete Prototyp, der die besagten

Hindernisse überwinden kann. Doch bis er in Serie geht, gibt es noch viel

zu tun. Weitere Informationen: www.multidrive.ch (swol)

reisefreiHeit

Die SBB bietet einen Service für mobilitätseingeschränkte Passagiere an.

Will man die Hilfe beim Ein- und Aussteigen beanspruchen, muss man

dies mindestens ein bis zwei Stunden vor Abfahrt telefonisch anfordern.

Das Call Center ist von 6.00 bis 22.00 Uhr erreichbar. Das heisst, wenn

ich mit Freunden weggehen möchte, kann ich nicht spontan sein. Ich als

Rollstuhlfahrer möchte doch genauso reisen können wie ein «normaler»

Passagier, d.h. auch reisen ohne eingeschränkte Öffnungszeiten. Übrigens:

Meine Begleiter dürfen die Hilfsmittel der SBB nicht selber bedienen. Wenn

ein Passant beim Ein- oder Aussteigen hilft, lehnt die SBB jede Haftung im

Schadensfall ab. Trotzdem ist der Zug das einfachste und kostengünstigste

Verkehrsmittel für Rollstuhlfahrer. (ader)


22 Pause 2011

Pause 2011 23

Die moviethek mit Heimvorteil

augenscHmaus

unsere filme sind visuelle Leckerbissen. augenschmaus eben.

Bis sich die ersten kunden so einen augenschmaus zu gemüte

führen konnten, war viel arbeit nötig. Von Sascha Hafner

«Augenschmaus» heisst die Videothek des MEH.

Sie ist ein Ausbildungsprojekt und stellt den Menschen

im MEH Filme auf DVD zur Verfügung.

Augenschmaus ermöglicht uns, praktisch umzusetzen,

was wir im Unterricht behandeln. Jeder

von uns Lehrlingen hat etwas dazugelernt. Ich

habe gelernt, wie man Bilder, Trailer und Texte

auf der Augenschmaus-Webseite ins Netz stellt.

Ich bin stolz, etwas selbständig ausüben zu können,

was nicht jeder kann. Dies eröffnet mir eine

berufliche Perspektive.

Alle Lernenden haben einen Job. Beni, Isidora und

Janick sind zuständig für Marketingaktionen und

Werbemails. Tamara führt die Buchhaltung und

inventarisiert zusammen mit Stefan die Filme. Adi

behält als CEO die Übersicht, kauft Filme ein und

bearbeitet die Bestellungen. Stefan verwaltet die

Internetseite mit mir zusammen. Selbstverständlich

helfen wir uns gegenseitig, so dass alle alles

machen.

filmsortiment

Wir konzentrieren uns auf drei Filmkategorien:

Kinderfilme, Serien und spezielle Filme, die wir

Augenschmäuse nennen. Wir haben festgestellt,

dass die Serien nicht so beliebt sind, Kinderfilme

und Augenschmäuse werden häufiger ausgeliehen.

Zu den Augenschmäusen gehören Filme wie

«Inside I'm dancing», «Alexis Sorbas» oder «Drachenläufer».

Der Film «Inside I'm dancing» erzählt die Geschichte

von Rory und Michael. Der rebellische

Rory hat Duchenne. Im Behindertenheim lernt er

den verschupften Michael kennen, der Celebrale

Lähmungen hat. Sie beschliessen, eine eigene

Wohnung zu nehmen und selbständig zu leben.

Der Filmklassiker «Alexis Sorbas» ist ein Muss für

jeden Griechenland-Fan. Anthony Quinn verkörpert

als Alexis Sorbas mit seiner Unbekümmertheit

die griechische Seele.

«Drachenläufer», ein Film nach einem Buch des

pakistanischen Emigranten Khaled Hosseini, packt

eine Beziehungsgeschichte zwischen zwei Freunden

in die politischen Ereignisse Afghanistans der

letzten Jahrzehnte.

«Alexis Sorbas» und «Drachenläufer» sind bislang

die beliebtesten Augenschmaus-Filme.

entstehung

Die MEH-Videothek gab es unter dem Namen

Moviethek schon viele Jahre. Auf 1300 Filme

war das Angebot mit den Jahren angewachsen.

Leider alle auf VHS-Kassetten. Wir mussten uns

der technischen Entwicklung anpassen und auf

DVD und Blueray umstellen. Wir liquidierten die

Moviethek und erhielten für die alten Filme noch

CHF 500.

Nun war der Weg frei Richtung DVD-Videothek.

Zunächst wurde das Konzept ausgearbeitet, dann

das Projekt Augenschmaus gestartet. Es wurde

eingeteilt, wer was macht und ein Zeitplan erstellt.

Seit dem 11. Februar 2011 ist Augenschmaus

eröffnet. Was hier in zwei, drei Sätzen

erzählt wird, dauerte lange: Zwischen dem Verkauf

der Moviethek-Filme und der Neueröffnung

als Augenschmaus zogen ziemlich genau drei

Jahre ins Land! Die Arbeit an Augenschmaus

macht Spass, auch wenn sich Hochs und Tiefs abwechseln.

Wir haben vier Topkunden: An dieser

Stelle herzlichen Dank. Die Einnahmen aus der

Vermietung werden in neue Filme investiert. Im

Moment läuft's gut. Klar wäre es aber noch schöner,

wenn mehr Leute kommen würden. Für die

Zukunft wünscht sich das Augenschmaus-Team

mehr Kunden und ein grösseres Sortiment. Daran

werden wir weiter arbeiten. Wir freuen uns natürlich

auch über DVD-Spenden. •

stimmen Zu augenscHmaus

Beteiligte

Isi (Marketing): «Es ist eine gute

Sache, es hat viele tolle Filme.»

Adi (CEO): «Ich bin zufrieden als

CEO von Augenschmaus. Ich ziehe

eine gute Bilanz. Es werden hoffentlich

immer mehr Leute kommen.

Man braucht halt einfach Geduld.»

Beni (Marketing): «Ich habe das

Gefühl, wir sind immer noch zu

wenig bekannt. Augenschmaus hat

einen guten Lerneffekt für mich.»

Lukas (Leiter Ausbildung): «Ist

eine coole Sache, auch wenn ich ab

und zu gedacht habe: Kommt das

gut? Aber ich bin happy, dass es

besser läuft als erwartet.»

kunden

Steven: «Augenschmaus ist super,

ausser dass die Webseite noch nicht

fehlerfrei läuft.»

Astrid: «Augenschmaus hat tolle

Filme, die mich interessieren. Ich

hätte aber noch ein paar Wünsche

für Filme! Ich leihe nicht aus, um der

Ausbildung einen Gefallen zu tun,

sondern wegen der Filme.»


24 Pause 2011

Pause 2011 25

sonne, strand und meer

Das WunDer mann

ich reise im vollbesetzten car nach montenegro. am fenster

zieht die europäische Landschaft vorbei. ich höre serbische

musik von meinem ipod und entspanne mich. Was dann

geschieht möchte ich mit euch teilen. Von Tamara Radomirovic

Am schönen Morgen bei 35 Grad Sonnenschein

ziehe ich meinen roten Bikini an und gehe zum

warmen Strand. Dort packe ich das orange-gelbe,

karierte Badetuch aus und fange an, mich einzucremen.

Als ich vorne fertig bin, sehe ich einen

muskulösen Mann vorbei gehen. Er fragt mich:

«Soll ich dir deinen Rücken eincremen?» Ich antworte:

«Ja gerne, wenn es dir nichts ausmacht.»

Ich lege mich hin und fühle wie er meine dunkelbraunen

Haaren nimmt und sie zur Seite legt. Ich

spüre seine warmen Hände auf meinen Rücken.

Er nimmt die Sonnencreme und fängt an, mich

einzucremen. Das Gefühl ist so schön, dass wir

den ganzen wolkenlosen, sonnigen Tag zusammen

verbringen. Wir gehen baden, fahren Schiff,

spielen Wasserball, essen Glace.

Im Schiff haben wir noch vier weitere Freunde

kennengelernt und fragen sie: «Habt ihr Lust mit

uns Wasserball zu spielen?» Sie antworten: «Ja,

wir haben keine anderen Pläne.» Nach der Schifffahrt

spielen wir ein bisschen mit dem Ball. Am

Abend gehen wir zusammen mit den Freunden

von der Schifffahrt in einem Restaurant etwas

Essen. Danach spazieren wir, plaudern miteinander

und erzählen Witze. Als wir langsam müde

sind, bringt er mich nach Hause und sagt, er hoffe

mich wiedermal zu sehen. Ich sage: «Wir sehen

uns ja morgen wieder», und lächle dabei. Er sagt:

«Ich bin morgen nicht da. Kannst du mir deine E-

Mail-Adresse geben, dann hören wir uns.» «Ja!»

Als wir die E-Mails getauscht haben, wünscht er

mir noch einen schönen Abend.

Wachsende träume

Plötzlich bewegt sich was in meiner Tasche, es

war das Telefon. Als ich die Augen öffnete, bemerkte

ich, dass es nur ein schöner Traum war.

Ich war nämlich im Traum 1.80 m gross und in der

Realität nur 1.04 m, also ein riesiger Unterschied.

Es war einfach zu schön um wahr zu sein. Der

muskulöse Typ kam nur in meinen Träumen vor.

familienbande

Am Morgen hilft mir die Mutter den Bikini anzuziehen,

weil ich mit meinen kurzen Armen nicht an

meinen Rücken komme. Am Strand breitet meine

Mutter die Tücher aus. Wenn ich es allein machen

würde, wäre das Tuch voll Sand. Die Mutter

hilft mir das Kleid auszuziehen, damit es nicht auf

dem warmen Sand liegt. Sie hängt es am Sonnenschirm

auf. Wir cremen uns gegenseitig ein.

Bei mir steht nicht mein muskulöser Traummann,

sondern mein muskulöser Vater. Also verbringe ich

den Tag mit meinen Eltern und den Schwestern.

Wir schwimmen zusammen, fahren mit dem Vater

Pedalo und Schiff mit der Mutter. Ich komme

nicht alleine auf das Schiff oder das Pedalo. Meine

Beine sind zu kurz und mir fehlt die Kraft hierfür.

Zum Sonnenuntergang gehen wir alle zusammen

Abendessen und geniessen den schönen, warmen

Abend mit einem Spaziergang, was immer schön

ist während der Abenddämmerung. •


26 Pause 2011

Pause 2011 27

stefans Öko-knigge

grünfutter

rettet Die WeLt

Wer hätte gedacht, dass die tiere uns wirklich die Haare vom

kopf fressen oder dass der pc ohne unser Wissen wie ein

Blutegel an der steckdose saugt? Von Stefan Wolf

Um herauszufinden, wie das MEH zum Thema

ökologisches Verhalten steht, habe ich eine Umfrage

durchgeführt. Im MEH gibt es einige Menschen,

die sich nicht sehr ökologisch verhalten.

Die meisten davon wären auch bereit, ihr Verhalten

zu ändern.

Ich habe ein paar Infos mit Tipps zum Umweltschutz

zusammengetragen, damit ihr eine Vorstellung

bekommt, wie man der Umwelt helfen

kann:

stromfalle

Der Energiesparmodus ist eine gute Sache. So

kann man Strom sparen, ohne den Computer abschalten

zu müssen. Dann muss man nicht wieder

eine Ewigkeit warten, bis er neu gestartet ist. 29

von 50 MEH-lern verwenden den Energiesparmodus

und 17 von 21 würden es der Umwelt zuliebe

in Zukunft machen. Ich frage mich: Was braucht

es, damit diese 17 es auch tun?

Man sollte aber den Standby nicht über mehrere

Stunden benutzen, dann ist das mit dem Strom-

sparen nix. Aber wenn ihr besonders viel Energie

sparen wollt, dann zieht den Stecker. Denn der

Computer frisst auch Strom, wenn er gar nicht

läuft – bis zu 30 Watt pro Stunde!

Wenn ihr meine Tipps beherzigt, ist Energiesparen

sogar eine geniale Sache. Das mit den

30 Watt wusste ich selbst nicht. Falls ihr nicht

den Stecker ziehen wollt, schaut doch, ob euer

PC einen Netzschalter hat.

in Zukunft recycling

Recycling ist nicht so kompliziert, wie es die

Schreibweise vermuten lässt. Bereits jetzt wird in

der Schweiz die Hälfte der Siedlungsabfälle verwertet.

So werden sie zu Strom, Wärme oder sogar

wieder zum Ausgangsprodukt. Jeder Schweizer

produziert pro Jahr 720 Kilogramm Abfall. Die

Menge von recyceltem Papier, Glas und Metallen

wächst ständig. Bereits 39 von 50 MEH-lern trennen

den Abfall. 5 von 11 würden es wollen. Häh!?

Bei manchen Produkten habt ihr das Recycling sogar

schon beim Kauf bezahlt.

Ich finde Recycling nicht so mühsam, wie andere

vielleicht denken. Ihr glaubt gar nicht, wie viel

Gold im Abfall landet, weil Geräte nicht wiederverwertet

werden.

150 mal um die Welt

Es gibt mehr als eine Milliarde Autos auf der Welt.

In einer Reihe geparkt, würde diese Kolonne 150

Mal um die Erde reichen. Jahr für Jahr steigt

diese Zahl weiter an. Mit den Massen an Autos

und LKWs steigt auch der CO2-Ausstoss rasant

an. 22 von 50 Befragten im MEH haben ein Auto.

14 von 22 Autobesitzern wären bereit, öfters das

Tram zu benutzen. Braucht es ein Gratis-Abo oder

eine Privathaltestelle?

Wer mit dem Auto unterwegs ist, produziert pro

Person und Kilometer viermal mehr CO2 als ein

Benutzer des öffentlichen Verkehrs. Der ÖV ist

dem Auto wortwörtlich eine Nasenlänge voraus.

Man MUSS nicht immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln

fahren. Aber es wäre schön, wenn es immer

häufiger der Fall wäre. Auch wenn die Nutzung

des ÖV teurer wird, es rechnet sich oft für

den Geldbeutel, und die Umwelt profitiert immer.

tiere fressen essen

Um 1 kg Fleisch herzustellen braucht es 7-16 kg

Getreide oder Sojabohnen. In den USA fressen die

rund 8 Milliarden Schlachttiere 80% der Getreideernte.

Auf der Fläche, die gebraucht wird, um ein

Kilo Fleisch zu erhalten, könnte man im selben

Zeitraum 160 kg Kartoffeln oder 200 kg Tomaten

ernten. Im Durchschnitt wird 67% der landwirtschaftlichen

Nutzfläche für die Tierhaltung und

den Futtermittelanbau verwendet. Dies kann ich

nur als Nahrungsmittelvernichtung bezeichnen.

Ich finde diese Zahlen mehr als erschreckend. Es

ist unglaublich, wie viel Fläche für die Fleischproduktion

verschwendet wird. Im Jahr 2007 wurden

in der Schweiz rund 1,6 Millionen Schweine,

über 1,5 Millionen Rinder sowie eine Viertelmillion

Kälber geschlachtet. 5 von 50 MEH-lern sind Vegetarier.

35 von 45 wären bereit, für die Umwelt

weniger Fleisch zu essen. Mein Vorschlag für die

MEH-Küche: Zwei fleischlose Tage pro Woche.

Also, ihr müsst jetzt nicht Vegetarier werden, aber

ich finde man kann auch einige Male auf Fleisch

verzichten. Jetzt wo ich das alles weiss, werde ich

es auch tun. •

WeiterfüHrenDe

informationen

www.vegetarismus.ch

www.bafu.admin.ch/umwelt

www.focus.de/digital/computer/tid-57

www.umweltbrief.de


28 Pause 2011

Pause 2011 29

Davide calla

Der mann

mit Der

nummer

10

Der mann mit der nummer 10, Davide calla, ist mein grosses

vorbild. er spielt seit dem sommer 2008 beim grasshopper club.

Bei seinem Besuch im meH erzählt er mir von Ängsten, freuden

und traumautos. Von Adrian Dervishi

Verletzungen warfen Davide häufig zurück. Trotzdem

hat er den Anschluss immer wieder gefunden.

Von wo holt er seine Motivation und die

Geduld? Um dies zu erfahren, musste ich ihn

interviewen. Ich dachte immer, es sei unmöglich,

mit einem Fussballprofi ein Interview zu

führen. Ich rief seinen Berater an, und bereits

am Tag darauf rief mich Davide Calla zurück. Ich

konnte gleich einen Termin mit ihm im MEH ver-

einbaren. Ich habe Davide Calla als einen sehr

aufgeschlossenen Menschen angetroffen, der auch

sehr interessiert ist, was wir in der Ausbildung

und auf der Wohngruppe machen. Das Treffen

war so offen und natürlich, wie ich es mir erhofft

hatte.

Hallo Davide, herzlich Willkommen im

meH. Was hast du als erstes gedacht,

als du hier angekommen bist?

Sch... ich bin zu spät und wo ist der Adrian. Ich

hatte schlichtweg den Eingang nicht gefunden, es

war gar nicht einfach. Es war mir peinlich, sonst

bin ich immer pünktlich.

ach das ist doch kein problem. es ist

bekannt, dass man nicht auf anhieb den

eingang findet. ich dachte schon, du

hättest dich beim mittagessen verschluckt.

es gibt doch sicher etwas,

was du gar nicht gerne isst?

Vor kurzem hatte ich «Läberli». Diesen Geschmack

fand ich grauenhaft. Sonst esse ich alles, was auf

dem Teller ist. Ich bin ein Typ, der viel probiert.

Du könntest mir alles hinstellen – sei es Mexikanisch,

Chinesisch oder was auch immer. Natürlich

darf man die italienische und schweizer Küche

nicht vergessen. Am allerliebsten esse ich Pizza.

Welcher war dein schönster geburtstag?

Der achtzehnte Geburtstag war für mich sehr

speziell. Ich durfte endlich Auto fahren. Weisst

du, ab dem 18. Geburtstag beginnt irgendwie

das «Mann sein». Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt,

der nicht immer einfach ist. Man muss


30 Pause 2011

Pause 2011 31

steckBrief

Geburtsdatum: 6. Oktober 1984

Nationalität: Schweiz/Italien

Grösse: 175 cm

Gewicht: 76 kg

Hobbies: Kino, gut essen

Musik: italienische Musik,

R'n'B, House

Aktueller Verein: Grasshopper Club Zürich

mehr Selbstverantwortung übernehmen. In der

ersten Zeit befindet man sich auf einem sehr ungewohnten

Terrain.

Was fährst du für ein auto?

Ich fahre einen Volvo.

ich hätte mir vorgestellt, dass du einen

BmW oder mercedes fährst. Welches

ist dein traumauto?

Meinst du, wenn ich einen Wunsch frei hätte?

Wenn ich ein Auto auswählen dürfte, würde ich

mir einen Ferrari kaufen. Natürlich in rot und

mit braunen Ledersitzen. Aber für diesen Traum

muss ich noch viel Fussball spielen und viel

sparen.

im profisport gibt es viele verletzungsrisiken.

auch du hattest bereits schwere

verletzungen. musstest du dich schon

einmal mit dem thema invalidität auseinandersetzen?

Bei mir stand dieses Thema schon einmal im

Raum. Ich befand mich sehr, sehr nahe vor dem

Karriereende. Die Chancen lagen 50:50, ob das

Knie hält oder nicht. Die Bürokratie war unvorstellbar

mühsam. Wer die Kosten einer möglichen

Invalidität tragen würde, war überhaupt nicht

klar. Welche Versicherung sollte bezahlen? Die

eine Versicherungsstelle schob das Problem der

anderen zu.

Diese Zeit war sicher sehr nervenaufreibend

und mühsam für dich. Wie hat

dich deine familie, deine freundin, dein

umfeld in dieser situation unterstützt?

Die Unterstützung war riesig. Nach der letzten

Knieoperation musste ich meine Freundin und

meine Eltern beruhigen, weil sie so darunter

gelitten hatten. Sie waren wegen mir am Boden

zerstört. Sie haben sich so hilflos gefühlt. Ich

habe gelernt, dass Fussball nicht alles ist. Es gibt

viel Wichtigeres: Gesundheit, Familie, Freundin,

Freunde. Momentan ist der Fussball ein wichtiger

Bestandteil. Aber in 8 bis 10 Jahren kann die

Situation ganz anders aussehen.

ich hoffe, dass deine karriere noch sehr

lange dauern wird. Das profidebut ist

sicherlich etwas vom speziellsten, aber

das karriereende wird auch mal kommen.

Wie stellst du dir das ende deiner

spielerlaufbahn vor?

Ich hoffe, dass ich bis zum Ende meiner Fussballkarriere

spielen kann. Das Schlimmste für

mich wäre, durch eine Verletzung die Karriere

beenden zu müssen. Ein sehr guter Freund von

mir musste die Karriere frühzeitig abbrechen,

ohne sich beim Publikum verabschieden zu

können. Ich hoffe nur, dass dies bei mir nicht

der Fall sein wird. Am schönsten wäre es, für

AC Milan zu spielen. Ich würde im Mailänder

Stadion eine Ehrenrunde drehen und die Zuschauer

verabschieden, das wäre das Allerschönste

für mich. Ich glaube dann würde ich

feuchte Augen bekommen.

Herzlichen Dank Davide calla für dein

kommen ins meH. es war eine tolle

erfahrung, einen einblick in deinen

alltag zu bekommen. •

Das

reDaktionsteam

Adrian Dervishi (ader), Beni Früh (bfru), Isidora Radomirovic (irad), Janick Nyffenegger (jnyf),

Sascha Hafner (shaf), Stefan Wolf (swol), Tamara Radomirovic (trad)

Frank Grüninger, Lukas Fischer, Michael Groer, Steven Deblander


32

Pause 2011

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