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Narring, jenseits der Düna, einen deutschen Hauslehrer für seine Kinder angenommen,

der dann später

1

eine Privatschule auf dem Steinholm unterhalten hat ). Allerdings war

damals das Fischeramt das angesehenste von allen lettischen Ämtern. —

Wenn der Losträgeroldermann Jakob Stagger ein Lette war, so konnte er doch nur

deutsch schreiben: denn abgesehen davon, dass die Stadtschule (falls er sie besucht

hatte) nur solches lehrte, so gab es damals nach unserer augenblicklichen

Kenntnis über-

haupt noch keine lettische Schriftsprache für Laien\ Vielmehr sehen wir bis auf weiteres

in den lakonischen Notizen jener Rigaschen Prediger aus den dreissiger Jahren des

16. Jahrhunderts erst die ersten tastenden Versuche zur Ausbildung

Schriftsprache für den bürgerlichen Gebrauch. Etwa gleichzeitig

einer lettischen

entstehen die ersten

geistlichen Dichtungen in lettischer Sprache. Beide Erscheinungen stehn im engsten

Zusammenhang mit der Reformationsbewegung, in der die ersten sicher erkennbaren

Grundlagen für eine Literatur, für ein lettisches Schrifttum gelegt werden. Der Sprache

geschah wohl Gewalt durch Unkenntnis und durch Anpassung

der lettischen Laute aus

Niederdeutsche, da die Autoren und Schreiber Deutsche waren, und ihre Erzeugnisse for-

dern daher die Kritik heraus. Aber sie waren doch eine Grundlage zum Weiterbauen').

Eine solche Grundlage konnte damals am ehesten nur in Riga entstehen. Die Städte

hatten die Führung auf den meisten Gebieten des Lebens. Hier, in Riga und bald darauf

wohl auch im herzoglichen Mitau, kamen auch die lettischen Stadteinwohneram meisten mit sol-

chen Einrichtungen, wie hochstehendem Handwerk, ausgebildetem Genossenschaftswesen,

Schrifttum, in Berührung

und nahmen sie in sich auf. Hier hatten sie trotz steter Beschränkun-

gen noch am meisten Freiheit zur Entwicklung. Freilich kamen die städtischen Bildungsele-

mente und die Möglichkeit, sie zu nutzen, anfangs

nur einem kleinen Teil, erst viel später

der Gesamtheit des Volkes zugute, waren auch nicht nationalen Ursprungs,

und die For-

schung wird die eigentlich nationale Überlieferung nach wie vor auf dem Lande suchen.

Doch die Formen, Ausdrucksmittel und Fertigkeiten, an denen ein grosser Teil des mo-

dernen Kulturlebens hängt, hatten ihre Wiege

in den Städten. Neben den Zuständen

des flachen Landes verdienen daher auch die Verhältnisse der städtischen lettischen Be-

völkerung Beachtung und Erforschung.

BEILAGE.

Zur Illustration gewisser Ausführungen in der vorstehenden Studie werden hier mit

Bewilligung der Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde zu Riga einige Mitglieder-

listen aus den Bruderbüchern der Losträger- und der Bierträgergilde veröffentlicht, und

zwar 1) die ältesten erhaltenen, 2) diejenigen aus den kritischen Jahren 1522—1524 und

3) die ersten Listen aus der Zeit der Reorganisation. Diese Proben sollen zugleich eine

Anschauung von dem hier enthaltenen wertvollen Personennamenmaterial geben. Dessen

linguistische Bewertung muss natürlich dem Sprachforscher vorbehalten bleiben, dem wahr-

scheinlich auch die Herstellung einiger nicht sicher zu entziffernder Namen gelingen wird.

Da eine konsequente Scheidung zwischen Berufsbezeichnungen und eigentlichen Zunamen

(Familiennamen) nicht durchführbar war, so sind sie sämtlich wie Familiennamen mit

grossen Anfangsbuchstaben gedruckt. Die Defekte der Vorlagen sind durch (...) gekennzeichnet,

unleserliche Silben — durch Punkte. Von biographischen Nachweisen, die

sich für einzelne Personen beibringen lassen, konnte hier abgesehn werden. Unerlässlich

sind sie natürlich bei vollständiger Veröffentlichung der Bruderbücher.

1 E. Seuberlichi Mitteilung in der 788. Sitzung d. Oes. f. Gesch. u. Alt. vom 12. März. 1920. Vgl. Wochenschrift

für Stadt und Land 1920 .»4 2, S. 9.

*) Die vereinzelten lettischen Wörter in den mittelalterlichen Urkunden sowie in den Mitgliederlisten der Los-

und Bierträger seit Mitte des 15. Jahrhunderts kommen hier nicht inbetracht. Sie müssten aber aus einem anderen

Gesichtspunkt gesammelt und zusammengestellt werden.

•) Vielleicht sind auch die orthographischen Versuche zur Wiedergabe des lett. o und cc (ic) in jenen Gilden

büchern beachtenswert.

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