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esitz 1)- Bereits in den zwanziger Jahren des 13. Jahrhunderts sind auch Russen nach-

weisbar, die späterhin eine eigene, nicht unbedeutende, z. T. grundbesitzliche Kolonie

in der Stadt bildeten*).

Auch Litauer waren schon im 13. Jahrhundert anzutreffen*). Um

dieselbe Zeit, nach 1286, vor 1352, finden sich nun auch Personen im Rigaschen Schuld-

buch verzeichnet, die sich durch ihre Namen als Letten ausweisen 4

). In Urkunden aber

ist von Letten in und um Riga erst längere Zeit nach 1359 die Rede, bis dahin nur von

Liven und Selen5 ).

So teilte Riga mit einer ganzen Reihe anderer Städte in jener langgestreckten Grenz-

zone vom Finnischen Meerbusen bis zum Schwarzen Meer, wo sich Ost- und Westeuropa

berührten und schieden und die Völker von Westen und Osten zum Handelsaustausch

oder Kampf zusammentrafen, die Eigentümlichkeit

einer bunten Bevölkerungsmischung.

Diese ist jedoch nie dieselbe geblieben, die Mischungsverhältnisse haben immer gewech-

selt. Das Rigasche

Schuldbuch von 1286—1352 verzeichnet unter insgesamt 1400 Namen

1269 deutsche, 61 russische und etwa 70 livische, lettische, litauische und estnische 8

).

Spätestens in der Mitte des 15. Jahrhunderts aber überwiegen

in der Stadt die Letten beiweitem. In Riga vollzog

unter den Nichtdeutschen

sich derselbe bedeutsame Prozess,

wie im ganzen Livengebiet: das allmählige Vordringen der Letten und die allmählige

Verdrängung und Aufsaugung oder Lettisierung

Schluss dieses interessanten Prozesses liegen noch vollständig

der Liven. Aber Anfang, Verlauf und

im Dunkeln. Dabei brauchten

die allmählige Lettisierung der Stadtmark einerseits, und das zunehmende Übergewicht

der Letten in der städtischen nichtdeutschen Bevölkerung

andrerseits, nicht zwei voll-

ständig gleichlaufende Prozesse zu sein. Es ist sehr möglich, dass die Entlivisierung

der Stadtmark langsamer vor sich ging, als die Abnahme des livischen Elements in der

Stadt selbst, und umgekehrt

die Zunahme der Letten in der Stadt rascher, als die lettische

Besiedelung der Mark. Dafür liesse sich die grössere Stabilität aller Besitz- und Bevöl-

kerungsverhältnisse

auf dem flachen Lande7 ) im Vergleich

zu den raschen Wandlungen

in der Entwickelung grosser aufblühender Städte, wie Rigas, anführen, dessen Bevölke-

rung durch Einwanderung entstand und ein wechselndes, sich immerdar erneuerndes Ele-

ment darstellte. Die lettische Einwanderung

wiegend

stammte nun nicht allein, auch nicht über-

aus der Mark, sondern vielmehr aus einem weiteren Umkreise, erst recht, seit

im 15. Jahrhundert die Entstehung

Sei dem nun, wie es wolle,

der Erbuntertänigkeit auf dem Lande einsetzte8).

im 15. Jahrhundert, wo die Quellen reichlicher fliessen,

nehmen die Letten von allen Landeseingeborenen die erste Stelle in Riga ein, die übrigen

mit fortschreitender Zeit immer mehr verdrängend

oder sich assimilierend. Ihre rechtliche

Stellung lässt sich nicht in kurzen Worten definieren, sie muss beschrieben und durch

Einzeltatsachen erläutert werden. Die Grundlage war die persönliche Freiheit. Eigene

Leute und Drellen (Unfreie durch Schuldknechtschaft und Kriegsgefangenschaft) der

Bürger gab es im Mittelalter nur wenige. Freien Standes waren und blieben die uran.

») v Bunge S. 75, S. 107, Anm. 57 auf Grund von H. Hildebrand, Das Rigasche Schuldbuch von 1286—1352 nn.

251; 349 ; 840b. Vgl. auch das alt. Rig. Stadtrecht 21 (Napiersky, Die Quellen des Rig. Stadtrechts. 1876. S. 7, 21).

*) Vgl. ÜB. 1 n. 55 u. (1222) Hildebrand 0.

a. a. S. XXXII; XLI f.; LXXVI ff.

») Hildebrand S. XLIII. Ein vor der Stadt besitzlicher Litauer wird jedoch als Semigallus, gui est Semigallus

charakterisiert (nn. 1621; 840; 1790; 310; v. Bulmerincq, Die Verfassung der Stadt Riga im ersten Jahrhundert der

Stadt S. 52).

4

) Vgl. Hildebrand

Sprachforscher.

a. a. O. S. XLIII f. Das letzte Urteil über die hier angeführten Namen hat jedoch der

•) v. Bunge S. 106 nach ÜB. 2nn.BBS; 894 ; 958 u. F. Wiedemanns Einleitung zu Sjögrens Liviacher Grammatik.

•) v. Bulmerincq S. 53. Die Verteilung

dieser letzterwähnten Namen auf die genannten Völkerschaften fällt dem

Sprachforscher Weitere

zu. Namen nichtdeutscher Bürger um das Jahr 1312 (u. a. Vychtemes, Peken, Mackele, Mārtiņus

Wartyn, Misteke, Saveghe. Selpis, Tautunode,

Tayden, Witsam) bei A. Seraphim, Das Zeugenverhör des Franciscus

de Moliano. Riga 1912, Beilage VI S. 173f.: aber es scheinen nicht Stadtbewohner zu sein.

*) Die Liven um Riga sind noch Jahrhunderte nach Gründung der Stadt im Besitz ihrer Ländereien und

Honigbäume.

•) Vgl. z. B. ÜB. 7 n. (zwischen 1405 u. 1424).

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