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untersagt war, zeigt aber, dass diese Gewerbe von den nicht bevorrechteten Einwohnern

nach wie vor weiter betrieben wurden Die ökonomischen Interessen sind eben immer

stärker, als Verordnungen. Auch die Kompagniegeschäfte von Deutschen und Letten

hörten nie auf, wie ihr Verbot noch in der Mitte des 17. Jahrhunderts beweist 1

). Den

landischen Markthandel aber hat der Rat im Interesse der Stadtbevölkerung, die nur von

der Zufuhr lebte, stets nach Möglichkeit geschützt und gefördert.

Die Beschränkungen im Betreiben von Handwerken, sowie die Abgrenzungen in

sozialer Hinsicht gingen meist nicht von der Stadtobrigkeit, d. h. vom Rat aus, sondern von

den zur Wahrung von Erwerbsinteressen allmählich entstandenen Ämtern (Gewerken,

Zünften) und den noch älteren, zur Pflege religiöser und geselliger Zwecke gestifteten

Gilden oder frommen Bruderschaften. Der im Mittelalter in allen deutschen Städten

lebendige Trieb zur genossenschaftlichen Organisation führte auch in Riga schon seit

Bischof Alberts Zeiten zur Bildung von Bruderschaften (Gilden, Kompagnien),

die zum

Seelenheil ihrer Mitglieder eigne Altäre mit eigenen Priestern in den Kirchen unterhielten, eine

streng zeremoniell geregelte Geselligkeit mit regelmässigen „Trünken" pflegten, ihre

Mitbrüder und -Schwestern in Notfällen unterstützten und beim Tode feierlich zu Grabe

trugen. Der älteste erhaltene Schrägen (Statut) einer solchen Gilde von 1252 schloss nur

Weber und Badstüber, die als anrüchig galten, von der Aufnahme aus ">. Im vierzehnten

Jahrhundert hat aber der Geist der Exklusivität sich schon verschärft. Die Gilde der Kauf-

leute (später sog. Grosse Gilde) verschloss sich 1354allen Handwerkern und bestimmte ebenso

„dat men nenen Undudischen entfan seal" 4

). Die Handwerker hatten ihrerseits eine

Gilde (später sog. Kleine Gilde) gegründet, deren Schrägen

von 1352 aber nicht erhalten

ist. Damals setzte die Differenzierung der Gilden nach den verschiedenen Berufsarten

ein, indem sich Angehörige einer Reihe von Gewerben zu besonderen geistlichen Kom-

pagnien zusammenschlössen, woraus sich dann auch Organisationen der verschiedenen

Handwerke zu „Ämtern" zwecks Schutz ihrer Gewerbsinteressen herausbildeten. Auch

diese behielten aus dem älteren Gildenwesen die Pflege von Religion und Geselligkeit

und guter Sitte bei. Die Gilden oder Bruderschaften mancher Ämter nahmen aber auch

Angehörige anderer Berufsarten und Stände zu Mitgliedern auf. Zweck des Eintritts

war Anteil an den guten Werken und kultischen Veranstaltungen sowie an den Trünken

der Genossenschaft. Der Kampf gegen die Konkurrenz und die im 14. Jahrhundert be-

merkbar werdende soziale Absonderung führten in manchen dieser Gilden und Ämter zum

Ausschluss der Nichtdeutschen. Als erster bestimmte der Schrägen

der Böttcher 1375, dass

kein Meister „schal Undudschen nemen to jarjungen" (Lehrlingen), und dasselbe Verbot

erliess die Organisation der Lakenscherer 1383, der Maurer 1390, der Schneider und der

Schuhmacher gegen Ende des 14. Jahrhunderts, während der Schrägen der Kürschner

1397 nur deutsche Lehrlinge erwähnte, im Jahre 1513 aber die Aufnahme lettischer

Lehrjungen direkt verbot, lettische Gesellen jedoch zuliess. In sozialer Exklusivität gingen

im 14. Jahrhundert die Bäcker am weitesten, indem sie 1392 ihren Mitgliedern

u. a. die

Ehe mit nichtdeutschen Frauen verboten und Übertreter des Verbots aus Kompagnie und

Amt ausschlössen 8 ). Durch solche Bestimmungen wurde das Eindringen lettischer Hand-

werker in die meisten organisierten Ämter verhindert, die Gewerbefreiheit überhaupt zu-

gunsten des zunftmässigen Handwerkerstandes beschränkt.

Nicht auf einzelne Gewerbe, sondern auf die ganze nichtdeutsche Bevölkerungs-

gruppe bezog sich das wieder vom Rat erlassene Verbot, städtische Grundstücke zu erwerben.

Wann es erfolgte, ist unbekannt; 1384 hatten die Letten noch das Recht au;

») ÜB. 11 n. 75, 73. Napiersky S. 223, 73. ÜB. II 3n. 742, 57. Napiersky S. 233, 57; 239, 57 (Mitte d. 16. Jahrh

*) Napiersky S. 249, 76 -78.

■) Stieda und Mettig, Schrägen der Gilden und Ämter S. 378, 36.

«1 Stieda und Mettig, S. 314, sf.

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